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# Landgericht Düsseldorf, Urteil vom 25.04.2003 – 3 O 284/02

ECLI:DE:LGD:2003:0425.3O284.02.00

## Tenor

Die Klage wird abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits trägt die Klägerin.

Das Urteil ist gegen Sicherheitsleistung in Höhe von 110% des jeweils zu

vollstreckenden Betrages vorläufig vollstreckbar.

**Rn. 1**

T a t b e s t a n d

**Rn. 2**

Der Beklagte erstellte als Steuerberater der Klägerin am 4. Dezember 1997 deren

**Rn. 3**

Jahresabschluß für das Jahr 1996. Der 2. März 1998 erlassene

**Rn. 4**

Körperschaftssteuerbescheid für 1996 ging am 3. März 1998 bei dem Beklagten

**Rn. 5**

ein, der umgehend eine Kopie an die Klägerin weiterleitete. Nach Prüfung des

**Rn. 6**

Bescheides übersandte er ihr das Original.

**Rn. 7**

Die Klägerin behauptet, der Beklagte habe bei Erstellung des Jahresabschlusses

**Rn. 8**

auf dem Konto "Forderung Gesellschafter,, steuerlich relevante Kosten und

**Rn. 9**

Vorsteuer von zusammen 43.654,70 DM nicht gebucht. Hierdurch sei ihr für die

**Rn. 10**

Jahre 1995 bis 1997 eine steuerliche Mehrbelastung von 29.753,16 DM

**Rn. 11**

entstanden. Bezüglich der Einzelheiten der Berechnung dieses Steuerschadens

**Rn. 12**

wird auf S. 5 bis 8 der Klageschrift (GA 5 bis 8) Bezug genommen. Der weitere

**Rn. 13**

Steuerschaden sei noch nicht bezifferbar. Für die Überprüfung des

**Rn. 14**

Steuerbescheides für 1996 durch ihren jetzigen Steuerberater seien ihr

**Rn. 15**

Aufwendungen von 1.820,00 EUR entstanden. Die Jahresabschlüsse für die

**Rn. 16**

Jahre 1999 und 2000 könne sie für einen Aufwand von 3.217,90 EUR noch

**Rn. 17**

ändern, hierdurch aber nur einen maximalen Vorteil von 2.784,79 DM erzielen.

**Rn. 18**

Diese Betrag meint sie von dem Beklagten fordern zu können.

**Rn. 19**

Die Klägerin beantragt,

**Rn. 20**

1.

**Rn. 21**

den Beklagten zu verurteilen, an sie 18.456,40 EUR nebst Zinsen in Höhe

**Rn. 22**

von fünf Prozentpunkten über dem jeweiligen Basiszinssatz aus 17.043,29

**Rn. 23**

EUR seit dem 28. September 2001 und aus weiteren 1.463,10 EUR seit

**Rn. 24**

Rechtshängigkeit zu zahlen;

**Rn. 25**

2.

**Rn. 26**

festzustellen, daß der Beklagte ihr auf der Nichtbuchung von Kosten und

**Rn. 27**

Vorsteuer im Jahresabschluß 1996 beruhende weitergehende Schäden zu

**Rn. 28**

ersetzen hat.

**Rn. 29**

Der Beklagte beantragt,

**Rn. 30**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 31**

Er redet Verjährung ein.

**Rn. 32**

Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstands wird auf die

**Rn. 33**

zwischen den Parteien gewechselten Schriftsätze nebst Anlagen venwiesen.

**Rn. 34**

E n t s c h e i d u n q s q r ü n d e

**Rn. 35**

Die Klage ist unbegründet.

**Rn. 36**

Auf das Schuldverhältnis findet das Bürgerliche Gesetzbuch in der am 31.

**Rn. 37**

Dezember 2001 geltenden Fassung Anwendung (Art. 229 § 5 Satz 1 EGBGB).

**Rn. 38**

Die Klägerin kann von dem Beklagten weder die Zahlung des begehrten

**Rn. 39**

Schadensersatzes noch die Feststellung der Ersatzpflicht des Beklagten für

**Rn. 40**

künftige Schäden verlangen.

**Rn. 42**

Auf vertragliche Haftungsgrundlagen kann die Klägerin ihr Begehren nicht mit

**Rn. 43**

Erfolg stützen. Ein der Klägerin möglicherweise nach den Grundsätzen der

**Rn. 44**

positiven Vertragsverletzung (pVV) i.V.m. dem Steuerberatungsvertrag, § 611

**Rn. 45**

BGB; §§ 280, 286, 325, 326 BGB analog - der insoweit allein in Betracht

**Rn. 46**

kommenden Anspruchsgrundlage - zustehender Anspruch wäre jedenfalls

**Rn. 47**

verjährt und der Beklagte damit zur Verweigerung der Leistung berechtigt, §§ 68

**Rn. 48**

StBerG, 222 Abs. 1 BGB.

**Rn. 49**

a)

**Rn. 50**

Gemäß § 68 StBerG verjährt ein Anspruch auf Schadenersatz gegen den

**Rn. 51**

Steuerberater in drei Jahren von dem Zeitpunkt an, in dem er entstanden ist. In

**Rn. 52**

Lauf gesetzt wird die Verjährung nach der gefestigten Rechtsprechung des

**Rn. 53**

Bundesgerichtshofs (vgl. etwa BGHZ 129, 386 [388 f.]), der die Kammer folgt, in

**Rn. 54**

der Regel, sobald dem Mandanten der belastende Steuerbescheid gemäß §§ 122

**Rn. 55**

Abs. 1, 155 Abs. 1 S. 2 AO bekanntgegeben wird. Mit der durch den Abschluß des

**Rn. 56**

hauptsächlichen Entscheidungsprozesses der Finanzverwaltung eingetretenen

**Rn. 57**

Verschlechterung der Vermögenslage des Mandanten ist der Schaden wenigstens

**Rn. 58**

dem Grunde nach erwachsen; weder muß seine Höhe beziffert werden können

**Rn. 59**

noch feststehen, ob ein Schaden bestehenbleibt und damit endgültig wird. Auf

**Rn. 60**

den Eintritt der Bestandskraft oder Unanfechtbarkeit des Steuerbescheids kommt

**Rn. 61**

es ebenso wenig an wie auf die Frage, ob der Geschädigte von dem Schaden und

**Rn. 62**

dem ihm zustehenden Ersatzanspruch weiß (vgl. BGHZ 119, 69 [71] m.w.N.).

**Rn. 63**

Entsprechend dieser Maßgaben ist die dreijährige Verjährungsfrist des § 68

**Rn. 64**

StBerG durch die im März 1998 erfolgte Bekanntgabe des Steuerbescheides in

**Rn. 65**

Gang gesetzt worden. Es liegt nicht, wie die Klägerin meint, ein "außerordentlicher

**Rn. 66**

Fall,, vor, auf den die "normale Rechtsprechung,, keine Anwendung findet. Anders

**Rn. 67**

als § 852 BGB a.F. und § 199 Abs. 1 BGB n.F. stellt § 68 StBerG allein auf die

**Rn. 68**

Entstehung des Schadens ab und nimmt auf die Kenntnis des Geschädigten

**Rn. 69**

keine Rücksicht. Diese Entscheidung des Gesetzgebers ist von der Klägerin

**Rn. 70**

hinzunehmen. Es kommt deshalb nicht darauf an, ob die Klägerin den Schaden

**Rn. 71**

aus dem Steuerbescheid überhaupt erkennen konnte. Allein seine Bekanntgabe

**Rn. 72**

setzte die Verjährungsfrist in Lauf. Die Klage ist erst am 8. Juni 2002 und damit

**Rn. 73**

nach Ablauf der dreijährigen Frist bei Gericht eingegangen.

**Rn. 74**

b)

**Rn. 75**

Der Beklagte ist auch nicht unter dem Gesichtspunkt der Sekundärhaftung

**Rn. 76**

gehindert, sich auf den Ablauf der Verjährungsfrist zu berufen. Zwar scheidet eine

**Rn. 77**

Sekundärhaftung des Beklagten nicht bereits - wie dieser meint - deshalb aus,

**Rn. 78**

weil die Klägerin vor Ablauf der Primärverjährung einen anderen Steuerberater

**Rn. 79**

mandatiert hat (vgl. BGHZ 129, 386 [389 ff.]). Die Voraussetzungen der sog.

**Rn. 80**

Sekundärhaftung sind aber aus anderen Gründen nicht gegeben:

**Rn. 81**

Unter dem Gesichtspunkt der Sekundärhaftung darf sich ein Steuerberater nicht

**Rn. 82**

auf die Verjährung des (primären) Regressanspruchs berufen, wenn er Pflichten

**Rn. 83**

aus einem noch bestehenden Steuerberatungsvertrag vor Verjährung des

**Rn. 84**

Regressanspruchs verletzt, weil er seinen Mandanten über die Möglichkeit einer

**Rn. 85**

eigenen Haftung und die dafür maßgebenden Verjährungsvorschriften nicht

**Rn. 86**

belehrt hat. Dies setzt voraus, dass sich für den Steuerberater während seines

**Rn. 87**

Mandats ein begründeter Anlass zur Überprüfung seiner Tätigkeit ergibt (vgl. BGH

**Rn. 88**

NJW 2001, 826). Fehlt eine solche erneute Pflichtverletzung, die mit der den

**Rn. 89**

(primären) Regressanspruch auslösenden nicht identisch sein darf, beruht die

**Rn. 90**

eingetretene Verjährung nicht auf dem Verhalten des Steuerberaters und kann

**Rn. 91**

ihm nicht als Verletzung seines Auftrags zugerechnet werden (vgl. BGHZ 114, 150

**Rn. 92**

[157 ff.]).

**Rn. 93**

An diesen Voraussetzungen fehlt es. Ein begründeter Anlaß für den Beklagten,

**Rn. 94**

während des laufenden Mandatsverhältnisses seine Tätigkeit nochmals zu

**Rn. 95**

überprüfen, bestand nicht. Der Steuerbescheid für 1996 beruhte auf den

**Rn. 96**

Vorarbeiten des Beklagten. Sollten diese, wie die Klägerin behauptet, fehlerhaft

**Rn. 97**

gewesen sein, wäre deren Nichtaufdeckung anläßlich der Überprüfung des

**Rn. 98**

Bescheides keine über die bereits begangene Pflichtverletzung hinausgehende

**Rn. 99**

erneute Verletzung von Pflichten des Beklagten. Nach der Überprüfung des

**Rn. 100**

Bescheides im März 1998 endete das Mandat des Beklagten mit der

**Rn. 101**

Beauftragung eines neuen Steuerberaters durch die Klägerin. Mit Arbeiten für

**Rn. 102**

Steuererklärungen für nachfolgende Jahre, deren Erstellung ihn hätte veranlassen

**Rn. 103**

können, die Klägerin über in der Vergangenheit zuviel gezahlte Steuern und seine

**Rn. 104**

eigene Haftung hierfür zu unterrichten, war der Beklagte nicht mehr betraut.

**Rn. 105**

2.

**Rn. 106**

Deliktische Ansprüche stehen der Klägerin nicht zu. Sie macht reine

**Rn. 107**

Vermögensschäden geltend. Für diese kann Ersatz nur über §§ 826, 823 Abs. 2

**Rn. 108**

BGB begehrt werden, deren Voraussetzungen ersichtlich nicht gegeben sind.

**Rn. 109**

Die nicht nachgelassenen Schriftsätze geben keinen Anlass, die mündliche

**Rn. 110**

Verhandlung wieder zu eröffnen. Sie enthalten keinen neuen Tatsachenvortrag.

**Rn. 111**

Die Kostenentscheidung beruht auf § 91 Abs. 1 S. 1 ZPO.

**Rn. 112**

Die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit folgt aus § 709 S. 1, 2

**Rn. 113**

ZPO.

**Rn. 114**

Streitwert für den Klageantrag zu 1) 18.456,39 EUR

**Rn. 115**

für den Klageantrag zu 2) 1.000,00 EUR

**Rn. 116**

zusammen 19.456,39 EUR

**Rn. 117**

(§ 12 Abs. 1 S. 1 GKG, §§ 3, 5 ZPO).

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Zitiervorschlag: Landgericht Düsseldorf, Urteil vom 25.04.2003 – 3 O 284/02, ECLI:DE:LGD:2003:0425.3O284.02.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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Nicht-amtliche Fassung — maßgeblich ist die Ausfertigung des Gerichts

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