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# Landgericht Düsseldorf, Urteil vom 10.08.2001 – 20 S 234/00

ECLI:DE:LGD:2001:0810.20S234.00.00

## Tenor

hat die 20. Zivilkammer des Landgerichts Düsseldorf

auf die mündliche Verhandlung vom 22.06.2001

durch die Richterin am Landgericht X, den Richter X

und den Richter am Landgericht X

für R e c h t erkannt:

Die Berufung der Klägerin gegen das Urteil des

Amtsgerichts Düsseldorf vom 09.08.2000 - 31 C

4808/00 - wird kostenpflichtig zurückgewiesen.

Von der Darstellung eines Tatbestandes wird gemäß § 543 Abs. 1 ZPO abge-

sehen.

## Entscheidungsgründe

**Rn. 2**

Die zulässige Berufung der Klägerin hat in der Sache keinen Erfolg.

**Rn. 3**

Die Klägerin hat gegen die Beklagte keinen Anspruch auf Zahlung von

**Rn. 4**

3.521,76 DM aufgrund des zwischen den Parteien bestehenden Vertrages.

**Rn. 5**

Ein über die bereits bezahlten Anzeigen hinausgehender Anspruch steht der

**Rn. 6**

Klägerin nicht zu.

**Rn. 7**

Zwischen den Parteien ist ein Vertrag nur über die Veröffentlichung einer An-

**Rn. 8**

zeige in einer Ausgabe der Schriftenreihe "X" zustande

**Rn. 9**

gekommen; insoweit hat die Beklagte ihre vertragliche Verpflichtung unstreitig

**Rn. 10**

erfüllt. Ein Vertrag über die Veröffentlichung der Anzeige in 7 weiteren Aus-

**Rn. 11**

gaben ist dagegen nicht wirksam geschlossen worden.

**Rn. 12**

Das von der Beklagten am 18.02.1997 unterzeichnete Vertragsformular ist

**Rn. 13**

insoweit gemäß § 9 Abs. 1 AGBG unwirksam, als es die Veröffentlichung von

**Rn. 14**

mehr als einer Anzeige zum Gegenstand hat. Bei der in dem Vertragsformu-

**Rn. 15**

lar enthaltenen Regelung über die Veröffentlichung von mehr als einer Anzei-

**Rn. 16**

ge handelt es um eine vorformulierte Vertragsbedingung für eine Vielzahl von

**Rn. 17**

Verträgen, die der Kontrolle nach dem AGB-Gesetz unterliegt. Eine unange-

**Rn. 18**

messene Benachteiligung im Sinne des § 9 Abs. 1 AGBG kann sich aus der

**Rn. 19**

Unklarheit und Undurchschaubarkeit einer Regelung ergeben (vgl. BGH NJW

**Rn. 20**

2000, Seite 651). Dieses Transparenzgebot verpflichtet den Verwender, die

**Rn. 21**

AGB so zu gestalten, daß der rechtsunkundige Durchschnittsbürger in der

**Rn. 22**

Lage ist, den ihn eventuell benachteiligenden Inhalt einer Klausel ohne weite-

**Rn. 23**

res und insbesondere ohne Einholung von Rechtsrat zu erkennen. Das von

**Rn. 24**

der Klägerin verwendete Vertragsformular genügt diesen Anforderungen ent-

**Rn. 25**

gegen der von der Kammer bislang vertretenen Auffassung nicht. Denn der

**Rn. 26**

Vertragstext weist Unklarheiten auf, welche geeignet sind, den Anzeigenkun-

**Rn. 27**

den über den Umfang des Auftrages in die Irre zu führen.

**Rn. 28**

Zwar spricht die in Großbuchstaben gehaltene Überschrift des Formulars für

**Rn. 29**

eine Dauerverpflichtung. Die in der Bezeichnung

**Rn. 30**

"ANZEIGENABOAUFTRAG" enthaltene Abkürzung "Abo" steht nach allge-

**Rn. 31**

meinem Sprachgebrauch für ein Abonnement, also eine Dauerverpflichtung.

**Rn. 32**

Daß aber durch den Vertrag nicht in jedem Fall eine solche Dauerverpflich-

**Rn. 33**

tung eingegangen werden soll, ergibt sich aus dem weiteren Vertragstext.

**Rn. 34**

Danach erscheint die Anzeige nämlich nur dann in 12 Einzelausgaben, wenn

**Rn. 35**

nichts anderes angegeben ist. Dann aber kann aus der bloßen Überschrift

**Rn. 36**

nicht schon darauf geschlossen werden, daß in jedem Fall eine Dauerver-

**Rn. 37**

pflichtung begründet wird.

**Rn. 38**

Ob der Anzeigenkunde durch seine Unterschrift unter den vorformulierten

**Rn. 39**

Vertragstext aber eine solche Dauerverpflichtung eingeht, wird aus der wei-

**Rn. 40**

tergehenden Fassung des Formulars nicht mit hinreichender Klarheit deutlich.

**Rn. 41**

Der unbefangene Leser in der Rolle der Beklagten mußte aus der Formulie-

**Rn. 42**

rung: "Ihre Anzeige erscheint, wenn nichts anderes angegeben, in zunächst

**Rn. 43**

zwölf Einzelausgaben.", nicht schließen, daß es einer besonderen Angabe

**Rn. 44**

seinerseits bedurfte, wenn er die Veröffentlichung in lediglich einer Ausgabe

**Rn. 45**

wünschte. Dies folgt aus dem weiteren Vertragstext. Hiernach stellt der im

**Rn. 46**

zweiten Satz des Formulars angegebene Preis einen "Sonderpreis" dar, wel-

**Rn. 47**

cher "sich nur auf die Veröffentlichung Ihrer Anzeige in einer Einzelausgabe"

**Rn. 48**

bezieht. Damit aber findet sich in dem Vertragstext schon die Angabe, daß

**Rn. 49**

jedenfalls der angegebene Preis nur die Veröffentlichung in einer Einzelaus-

**Rn. 50**

gabe betrifft. Wird aber in dem von der Klägerin verwendeten vorformulierten

**Rn. 51**

Vertragstext lediglich ein "Sonderpreis" angegeben, welcher nur die Veröf-

**Rn. 52**

fentlichung in einer Einzelausgabe betrifft, so muß die Beklagte schon in

**Rn. 53**

Ermangelung der für etwaige Folgeveröffentlichungen geltenden Preise dar-

**Rn. 54**

auf schließen, daß auch lediglich die einmalige Veröffentlichung beauftragt

**Rn. 55**

werden sollte. Dann aber war bereits etwas "anderes angegeben". Vor die-

**Rn. 56**

sem Hintergrund muß der Anzeigenkunde nicht damit rechnen, daß noch eine

**Rn. 57**

anderweitige Angabe seinerseits erforderlich ist, um den Auftragsumfang zu

**Rn. 58**

beschränken. Daß hier Angaben durch ihn erwartet wurden, konnte der Kun-

**Rn. 59**

de auch aus der übrigen Fassung des Schreibens nicht schließen. Denn ein

**Rn. 60**

Bereich, welcher für solche Angaben des Anzeigenkunden vorgesehen ist,

**Rn. 61**

enthält das Formular nicht. Das freie Feld in der rechten unteren Ecke des

**Rn. 62**

Formulars ist für solche Angaben nicht bestimmt. Es dient vielmehr der Auf-

**Rn. 63**

nahme des Anzeigentextes bzw. der Druckvorlage. Daß der Anzeigenkunde

**Rn. 64**

an dieser Stelle vermerken muß, daß er lediglich die Veröffentlichung in einer

**Rn. 65**

Einzelausgabe wünscht, obwohl bereits im Text des Formulars darauf hinge-

**Rn. 66**

wiesen wird, daß sich der vereinbarte "Sonderpreis" nur auf die Veröffentli-

**Rn. 67**

chung in einer Einzelausgabe bezieht, ergibt sich aus der Bezeichnung des

**Rn. 68**

freien Feldes nicht.

**Rn. 69**

Auch die Ziffer 2.) der auf der Rückseite des Formulars abgedruckten "Allge-

**Rn. 70**

meinen Geschäftsbedingungen" der Klägerin vermag eine andere Beurteilung

**Rn. 71**

nicht zu rechtfertigen. Denn diese Klausel entspricht der Bestimmung auf der

**Rn. 72**

Vorderseite des Formulars, wonach nur dann die Veröffentlichung in 12 Ein-

**Rn. 73**

zelausgaben beauftragt wird, wenn nichts anderes angegeben ist. Daß aber

**Rn. 74**

nichts anderes angegeben ist, läßt der Vertragstext auf der Vorderseite des

**Rn. 75**

Formulars nicht mit hinreichender Deutlichkeit erkennen.

**Rn. 76**

Da ein Vertrag zwischen den Parteien nur hinsichtlich einer Anzeige zustande

**Rn. 77**

gekommen ist, steht der Klägerin auch kein Anspruch auf Schadensersatz

**Rn. 78**

gemäß Ziffer 15.) ihrer allgemeinen Geschäftsbedingungen zu.

**Rn. 79**

Die Kostenentscheidung beruht auf § 97 Abs. 1 ZPO.

**Rn. 80**

Streitwert für die Berufungsinstanz: 3.521,76 DM.

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Zitiervorschlag: Landgericht Düsseldorf, Urteil vom 10.08.2001 – 20 S 234/00, ECLI:DE:LGD:2001:0810.20S234.00.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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Nicht-amtliche Fassung — maßgeblich ist die Ausfertigung des Gerichts

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