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# Landgericht Düsseldorf, Beschluss vom 13.03.2000 – 19 T 145/00

ECLI:DE:LGD:2000:0313.19T145.00.00

## Tenor

Der Beschluß des Amtsgerichts Ratingen vom 25.

Februar 2000 wird dahingehend abgeändert, daß

der Antrag des Beteiligten Schäfer, die

Unterbringung der Betroffenen zu genehmigen,

zurückzugewiesen wird.

**Rn. 1**

G r ü n d e

**Rn. 2**

Mit notariell beurkundeter Erklärung vom 14. September

**Rn. 3**

1998 (Bl, 12 GA) erteilte die Betroffene dem Beteiligten

**Rn. 4**

Schäfer - ihrem Lebensgefährten - für den Fall, dass sie

**Rn. 5**

"wegen einer Erkrankung, Verletzung oder aus anderen

**Rn. 6**

Gründen nicht mehr in der Lage'' sei "Entscheidungen über"

**Rn. 7**

ihre "Behandlung, Versorgung und Pflege selbst zu

**Rn. 8**

treffen", Vollmacht, für sie "Zustimmungserklärungen zu

**Rn. 9**

medizinischen Eingriffen abzugeben, jedwede Anweisung

**Rn. 10**

betreffend``, ihre "Behandlung und Pflege zu erteilen und

**Rn. 11**

sich über" ihren "Gesundheitszustand umfassen zu

**Rn. 12**

informieren' . In der notariellen Urkunde heißt es

**Rn. 13**

außerdem:

**Rn. 14**

"Diese Vollmacht gilt weiter und erlischt nicht, falls ich geschäftsunfähig

**Rn. 15**

werden sollte oder aufgrund einer psychischen Krankheit oder einer

**Rn. 16**

körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung nicht in der Lage

**Rn. 17**

bin, meine Angelegenheiten ganz oder teilweise zu besorgen.

**Rn. 18**

Die Vollmacht gilt auch für sämtliche Erklärungen, die mit der Ausübung

**Rn. 19**

des Aufenthaltsbestimmungsrechts verbunden sind

**Rn. 20**

(Aufenthaltsbestimmung) oder der Einwilligung in

**Rn. 21**

freiheitsbeschränkende Maßnahmen im Sinne von § 1906 Abs. 4 BGB

**Rn. 22**

(Freiheitsentziehung durch mechanische Vorrichtungen, Medikamente

**Rn. 23**

oder auf andere Weise) verbunden sind."

**Rn. 24**

In einer privatschriftlichen Erklärung vom selben Tage

**Rn. 25**

wies die Betroffene den beurkundenden Notar an, dem

**Rn. 26**

Beteiligten XXX eine Ausfertigung der Vollmacht erst

**Rn. 27**

nach Vorlage eines ärztlichen Attestes zu erteilen, aus

**Rn. 28**

dem sich ergibt, dass sie geschäftsunfähig ist oder

**Rn. 29**

aufgrund einer psychischen Krankheit oder einer

**Rn. 30**

körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung nicht

**Rn. 31**

in der Lage ist, ihre Angelegenheiten ganz oder teilweise

**Rn. 32**

zu besorgen.

**Rn. 33**

Der Beteiligte XXX hat die Betroffene, die nach

**Rn. 34**

fachärztlichen Äußerungen an einer dipolaren Psychose

**Rn. 35**

leidet und deshalb zu suizidialem Verhalten neigt, nach

**Rn. 36**

Auftreten von Anzeichen einer manischen Verstimmung in

**Rn. 37**

das XXX-Krankenhaus verbracht und bei dem

**Rn. 38**

Amtsgericht die Genehmigung der Unterbringung in diesem

**Rn. 39**

Krankenhaus beantragt. Dem Antrag hat das Amtsgericht

**Rn. 40**

nach Anhörung der Betroffenen mit der Maßgabe

**Rn. 41**

entsprochen, dass es ihre Unterbringung bis längstens zum

**Rn. 42**

30. März 2000 genehmigt hat. Gegen diesen Beschluss

**Rn. 43**

richtet sich das Rechtsmittel der Betroffenen.

**Rn. 44**

II.

**Rn. 45**

Das als sofortige Beschwerde auszulegenende Rechtsmittel

**Rn. 46**

ist zulässig (§§ 70 m Abs. 1, 70 h Abs. 1, . 70 g Abs. 3

**Rn. 47**

Satz 1 FGG) und begründet.

**Rn. 48**

Das Amtsgericht hat die Unterbringung der Betroffenen zu

**Rn. 49**

Unrecht genehmigt. Nach § 1906 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 2 Satz

**Rn. 50**

1 BGB genehmigt das Vormundschaftsgericht u.a. die von

**Rn. 51**

einem Betreuer (§ 1896 BGB) veranlasste, mit einer

**Rn. 52**

Freiheitsentziehung verbundene Unterbringung einer

**Rn. 53**

Person, wenn und solange die Unterbringung zum Wohle des

**Rn. 54**

Betreuten erforderlich ist, weil aufgrund einer

**Rn. 55**

psychischen Krankheit bzw. einer geistigen oder

**Rn. 56**

seelischen Behinderung des Betreuten die Gefahr besteht,

**Rn. 57**

dass er sich selbst tötet oder erheblichen

**Rn. 58**

gesundheitlichen Schaden zufügt. Dasselbe gilt aufgrund

**Rn. 59**

der durch Art. 1 Nr. 15 des Betreuungsrechtsänderungsgesetzes

**Rn. 60**

vom 25. Juni 1998 (BGBl. I S. 1580) eingefügten Regelung des § 1906 Abs. 5

**Rn. 61**

BGB auch für die von einem Bevollmächtigten veranlasste

**Rn. 62**

Unterbringung, sofern die Vollmacht schriftlich erteilt

**Rn. 63**

ist und die in § 1906 Abs. 1 und Abs. 4 BGB genannten

**Rn. 64**

Maßnahmen ausdrücklich umfasst.

**Rn. 65**

Die dem Beteiligten XXX erteilte Vollmacht vom 14.

**Rn. 66**

September 1998 entspricht den in § 1906 Abs. 5 Satz 1 BGB

**Rn. 67**

genannten Voraussetzungen nicht, da sie zwar ausdrücklich

**Rn. 68**

zu einer "Einwilligung in freiheitsbeschränkende

**Rn. 69**

Maßnahmen im Sinne . von § 1906 Abs. 4 BGB

**Rn. 70**

(Freiheitsentziehung durch mechanische Vorrichtungen,

**Rn. 71**

Medikamente oder auf andere Weise)" ermächtigt, sich

**Rn. 72**

jedoch andererseits nicht in der erforderlichen

**Rn. 73**

Eindeutigkeit zu einer von dem Bevollmächtigten ggf. zu

**Rn. 74**

veranlassenden Unterbringung verhält.

**Rn. 75**

Dem in § 1906 Abs. 5 Satz 1 BGB genannte

**Rn. 76**

Ausdrücklichkeitserfordernis kommt eine Warnfunktion zu.

**Rn. 77**

Dem Vollmachtgeber soll durch die Formulierung der

**Rn. 78**

Vollmacht unmissverständlich vor Augen geführt werden, wie

**Rn. 79**

weitreichend die von dem Bevollmächtigten für ihn zu

**Rn. 80**

treffenden Maßnahmen sein können. Die Formulierung darf

**Rn. 81**

daher keine Auslegung zulassen, die bei dem

**Rn. 82**

Vollmachtgeber auch nur den Eindruck erwecken könnte, der

**Rn. 83**

Bevollmächtigte sei - nur - zu milderen und nicht mit

**Rn. 84**

einer gegen seinen Willen veranlassten Freiheitsentziehung

**Rn. 85**

verbundenen Maßnahmen befugt.

**Rn. 86**

Diesen Anforderungen wird die Vollmacht nicht gerecht.

**Rn. 87**

Zum einen umfasst die Vollmacht nur die Einwilligung in

**Rn. 88**

"freiheitsbeschränkende'' und nicht ausdrücklich auch in

**Rn. 89**

freiheitsentziehende Maßnahmen. Zum anderen nimmt sie

**Rn. 90**

insoweit auch nur Bezug auf § 1906 Abs. 4 BGB und nicht -

**Rn. 91**

auch - auf § 1906 Abs. 1 BGB. Soweit sich die Vollmacht

**Rn. 92**

auf sämtliche "Erklärungen''^ erstrecken soll, die "mit der

**Rn. 93**

Ausübung des Aufenthaltsbestimmungsrechts verbunden sind

**Rn. 94**

(Aufenthaltsbestimmung)", fehlt ihr die notwendige, d.h.

**Rn. 95**

die Betroffene hinreichend "warnende" (s.o.),

**Rn. 96**

Eindeutigkeit. Denn die gewählte Formulierung könnte auch

**Rn. 97**

die Auslegung zulassen, der Beteiligte XXX sei nur

**Rn. 98**

anstelle der Betroffenen und nicht auch gegen ihren

**Rn. 99**

Willen zur Aufenthaltsbestimmung ermächtigt. Gerade die

**Rn. 100**

Bestimmung des Aufenthaltsorts gegen den Willen der

**Rn. 101**

Betroffenen führt jedoch zu einem weitreichenden Eingriff

**Rn. 102**

in deren Freiheitsrechte und muss somit durch eine

**Rn. 103**

unmissverständlich formulierte Vollmacht abgedeckt seih

**Rn. 104**

(vgl. zur Formulierung der Vollmacht für die

**Rn. 105**

Unterbringung auch Bühler BWNotZ 1999,25 [27]); Dodegge,

**Rn. 106**

NJW 1998,3073 [Fn. 30]).

**Rn. 107**

Eine Kostenentscheidung war nicht zu treffen.

**Rn. 108**

Insbesondere liegen die Voraussetzungen des § 13 a Abs. .2

**Rn. 109**

Satz 2 FGG in der Person • des Beteiligten XXX nicht

**Rn. 110**

vor.

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Zitiervorschlag: Landgericht Düsseldorf, Beschluss vom 13.03.2000 – 19 T 145/00, ECLI:DE:LGD:2000:0313.19T145.00.00

Quelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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