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# Landgericht Düsseldorf, Urteil vom 13.01.1999 – 23 S 234/98

ECLI:DE:LGD:1999:0113.23S234.98.00

## Tenor

hat die 23. Zivilkammer des Landgerichts Düsseldorf

auf die mündliche Verhandlung vom 16. Dezember 1998

durch den Vorsitzenden Richter am Landgericht X, die

Richterin am Landgericht X und den Richter

X

für R e c h t erkannt:

Auf die Berufung der Beklagten wird das am 31.

März 1998 verkündete Urteil des Amtsgerichts

Düsseldorf aufgehoben und wie folgt neu gefaßt:

Die Klage wird abgewiesen.

Auf die Wiederklage der Beklagten wird

festgestellt, daß der Klägerin gegen die

Beklagte kein Anspruch auf Bezahlung von

Inseratkosten für weitere 10 Anzeigen in der

Broschüre "X" zusteht.

Die Kosten des Rechtsstreits hat die Klägerin

zu tragen.

Von der Darstellung des Tatbestandes wird nach § 543 Abs.

1 ZPO abgesehen.

**Rn. 1**

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e

**Rn. 2**

Die Berufung der Beklagten hat in der Sache Erfolg.

**Rn. 3**

I.

**Rn. 4**

Der Rechtsstreit ist nicht unter Aufhebung des Urteils an

**Rn. 5**

das Amtsgericht zurückzuverweisen. Zwar leidet das Urteil

**Rn. 6**

an einem schweren Verfahrensfehler (§§ 539, 540 ZPO), da

**Rn. 7**

es keinen Tatbestand enthält.

**Rn. 8**

Das Amtsgericht hat eine Entscheidung im Verfahren nach §

**Rn. 9**

495a ZPO getroffen obgleich dessen

**Rn. 10**

Zulässigkeitsvoraussetzungen im Zeitpunkt der mündlichen

**Rn. 11**

Verhandlung nicht vorlagen. Das Gericht kann das

**Rn. 12**

Verfahren nach billigem Ermessen nach § 495a Abs. 1 ZPO

**Rn. 13**

bestimmen, wenn der Streitwert 1.200,-- DM nicht

**Rn. 14**

übersteigt. Dieser Schwellenwert ist überschritten. Das

**Rn. 15**

Amtsgericht hat den Streitwert selbst auf 3.422,40 DM

**Rn. 16**

festgesetzt.

**Rn. 17**

Vor diesen Hintergrund leidet das angegriffene Urteil

**Rn. 18**

auch unter dem Fehler, daß es entgegen § 313 Abs. 1 Ziff.

**Rn. 19**

5 ZPO über keinen Tatbestand verfügt. Dieser war auch -

**Rn. 20**

wie ausgeführt - nicht nach § 495a Abs. 2 ZPO

**Rn. 21**

entbehrlich. Gleichfalls konnte die Abfassung auch nicht

**Rn. 22**

nach § 313a Abs. 1 Satz 1 ZPO unterbleiben, weil gegen

**Rn. 23**

das Urteil insbesondere unter Berücksichtigung des § 511a

**Rn. 24**

ZPO zulässig die Berufung eingelegt werden kann.

**Rn. 25**

Nach der Rechtssprechung des BGH stellt das Fehlen eines

**Rn. 26**

Tatbestandes einen jederzeit von Amts wegen zu

**Rn. 27**

beachtenden Mangel des angefochtenen Urteils dar. Denn

**Rn. 28**

das Rechtsmittelgericht vermag in diesem Fall nicht zu

**Rn. 29**

erkennen, aufgrund welcher tatsächlichen Feststellungen

**Rn. 30**

das Berufungsgericht zu seinem rechtlichen Ergebnis

**Rn. 31**

gekommen ist; auch mangelt es an einer bindenden

**Rn. 32**

tatsächlichen Grundlage für eine rechtliche Überprüfung

**Rn. 33**

(BGH, NJW 1979, 927, 927; 1981, 1848, 1848, 1987, 1200,

**Rn. 34**

1200; ebenfalls Münchener Kommentar zur

**Rn. 35**

Zivilprozeßordnung, § 313, RN 18 ; Baumbach/Lauterbach,

**Rn. 36**

ZPO, 55. Auflage, § 313, RN 30).

**Rn. 37**

Allerdings ist es vorliegend trotz des schweren

**Rn. 38**

Verfahrensfehlers sachdienlich im Sinne des § 540 ZPO,

**Rn. 39**

daß das Berufungsgericht in der Sache entscheidet. Der

**Rn. 40**

BGH (NJW 1981, 1848, 1848) hat dann von einer

**Rn. 41**

Zurückverweisung abgesehen, wenn nur um eine Rechtsfrage

**Rn. 42**

gestritten wird und das angegriffene Urteil hinreichende

**Rn. 43**

tatsächliche Angaben enthält, um jedenfalls diese

**Rn. 44**

Rechtsfrage zu beurteilen. Diese Voraussetzungen sind im

**Rn. 45**

Entscheidungsfall erfüllt. Bereits aus den

**Rn. 46**

Entscheidungsgründen des angefochtenen Urteils läßt sich

**Rn. 47**

entnehmen, daß die Parteien lediglich um die Auslegung

**Rn. 48**

der Vertragsurkunde vom 28. Januar 1997 streiten. Die

**Rn. 49**

Höhe des verfolgten Anspruchs ist unstreitig. Gleichfalls

**Rn. 50**

richtet sich die Begründetheit des mit der Widerklage

**Rn. 51**

verfolgten Feststellungsantrages allein nach der

**Rn. 52**

Beantwortung der Rechtsfrage, wie das Schreiben vom 28.

**Rn. 53**

Januar 1997 auszulegen ist.

**Rn. 54**

II.

**Rn. 55**

Die Klage ist unbegründet.

**Rn. 56**

Ein Anspruch auf Zahlung des Entgelts für die

**Rn. 57**

Veröffentlichung einer Anzeige der Beklagten in der

**Rn. 58**

Einzelausgabe Juni 1997 der Schriftreihe "X" sowie auf Begleichung der insoweit

**Rn. 59**

entstandenen Mahnkosten steht der Klägerin nicht zu.

**Rn. 60**

Allerdings scheitert die Forderung nicht bereits an der

**Rn. 61**

mangelnden Aktivlegitimation der Klägerin beziehungsweise

**Rn. 62**

an der fehlenden Offenlegung des Vertragspartners im

**Rn. 63**

"Anzeigenaboauftrag" vom 28. Januar 1997. Durch die

**Rn. 64**

unmittelbar unter dem Vertragstext befindliche

**Rn. 65**

Formulierung "Mit freundlichen Grüßen - Verlagsagentur

**Rn. 66**

X" bringt die Klägerin mit

**Rn. 67**

hinreichender Klarheit zum Ausdruck, daß sie für das

**Rn. 68**

Vertragsangebot verantwortlich zeichnet und der für die

**Rn. 69**

Erfüllung der vertraglichen Pflichten zuständige

**Rn. 70**

Ansprechpartner ist. Der Kunde wird auch über die

**Rn. 71**

Rechtsform der Klägerin nicht im Unklaren gelassen, denn

**Rn. 72**

der untere Teil des Formulars enthält Angaben zur GmbH-

**Rn. 73**

Eigenschaft der Klägerin und nennt deren Adresse sowie

**Rn. 74**

den Geschäftsführer. Auch die pauschal in Bezug

**Rn. 75**

genommenen AGB der Klägerin weisen mehrfach auf die

**Rn. 76**

Rechte und Pflichten "der Verlagsagentur" und damit auf

**Rn. 77**

deren Vertragspartnereigenschaft hin.

**Rn. 78**

Die Klage ist jedoch deshalb unbegründet, weil der

**Rn. 79**

"Anzeigenaboauftrag" vom 28. Januar 1997 einen

**Rn. 80**

Zahlungsanspruch der Klägerin lediglich für eine

**Rn. 81**

Anzeigenschaltung in der ersten Einzelausgabe des

**Rn. 82**

"X" für den Monat April 1997

**Rn. 83**

begründete. Das insoweit fällig gewordene Entgelt ist

**Rn. 84**

unstreitig beglichen. Weitergehende vertragliche

**Rn. 85**

Forderungen der Klägerin bestehen nicht, da eine

**Rn. 86**

Erweiterung des Anzeigenauftrags auf Folgeausgaben der

**Rn. 87**

Schriftreihe nicht in einer den Vorschriften des AGBG

**Rn. 88**

entsprechenden Weise in den Vertrag einbezogen wurde.

**Rn. 89**

1.

**Rn. 90**

Das hier zur Rede stehende Vertragswerk unterliegt

**Rn. 91**

insgesamt einer Anwednung des AGBG, denn nach dem äußeren

**Rn. 92**

Erscheinungsbild der Vereinbarung und den unstreitigen

**Rn. 93**

Umständen der Vertragsanbahnung handelt es sich nicht nur

**Rn. 94**

bei den gesondert abgedruckten "Allgemeinen

**Rn. 95**

Geschäftsbedingungen" (im folgenden: AGB), sondern auch

**Rn. 96**

bei dem zur Unterschrift auch den Kunden vorgesehenen

**Rn. 97**

Vertragstext selbst um für eine Vielzahl von Verträgen

**Rn. 98**

vorformulierte Vertragsbedingungen, die die Klägerin als

**Rn. 99**

Verwenderin den potentiellen Kunden bei Abschluß der

**Rn. 100**

Vereinbarung stellt (§ 1 AGBG).

**Rn. 101**

2.

**Rn. 102**

Hinweise auf einen etwaigen Abonnementcharakter der in

**Rn. 103**

Auftrag zu gebenden Anzeigenschaltung enthält das

**Rn. 104**

vorliegende Vertragswerk in der Überschrift

**Rn. 105**

("ANZEIGENABOAUFTRAG"), ferner in dem Satz "Ihre Anzeige

**Rn. 106**

erscheint, wenn nichts anderes angegeben, in zunächst

**Rn. 107**

zwölf Einzelausgaben" sowie in den Ziffern 2 und 3 der

**Rn. 108**

gesondert abgedruckten AGB, die regeln, daß der

**Rn. 109**

"Anzeigenaboauftrag" zunächst "für die Dauer von zwei

**Rn. 110**

Jahren, gleich zwölf Einzelausgaben" erteilt werde und

**Rn. 111**

der Anzeigenkunde den abweichenden Wunsch einer kürzeren

**Rn. 112**

Laufzeit seines Anzeigenauftrags oder einer nur

**Rn. 113**

einmaligen Anzeigenschaltung auf dem Auftragsformular

**Rn. 114**

schriftlich vermerken müsse.

**Rn. 115**

Diese Regelungen sind wegen eines Verstoßes gegen das für

**Rn. 116**

AGB geltende Transparenzgebot und als überraschende

**Rn. 117**

Klauseln im Sinne von § 3 AGBG nicht wirksam Bestandteil

**Rn. 118**

des Anzeigenvertrages geworden.

**Rn. 119**

2.1.

**Rn. 120**

Auch im kaufmännischen Verkehr setzt die wirksame

**Rn. 121**

Einbeziehung von AGB in den Vertrag voraus, daß der

**Rn. 122**

Verwender dem anderen Teil ermöglichen muß, vom Inhalt

**Rn. 123**

der AGB in zumutbarer Weise Kenntnis zu nehmen (OLG Hamm

**Rn. 124**

NJW-RR 88, 944; Palandt-Heinrichs, BGB, 58. Auflage, § 2

**Rn. 125**

AGBG Rn. 26). Deshalb gehört es zu den Obliegenheiten des

**Rn. 126**

AGB-Verwenders, die Rechte und Pflichten des

**Rn. 127**

Vertragspartners durch eine entsprechend transparente

**Rn. 128**

Ausgestaltung und geeignete Formulierung der

**Rn. 129**

Vertragsbedingungen durchschaubar, richtig, bestimmt und

**Rn. 130**

möglichst klar darzustellen (Ulmer/Brandner/Hensen, AGBG,

**Rn. 131**

8. Auflage, Einl. Rn. 37), mögen auch an die

**Rn. 132**

Verständlichkeit der AGB im kaufmännischen Verkehr

**Rn. 133**

weniger weitgehende Anforderungen als gegenüber

**Rn. 134**

Nichtkaufleuten als Kunden zu stellen sein (Ulmer/

**Rn. 135**

Brandner/Hensen, aaO, § 2 Rn. 79).

**Rn. 136**

Diesem Transparenzgebot werden die den

**Rn. 137**

Abonnementcharakter des Anzeigenauftrags betreffenden

**Rn. 138**

Regelungen im Vertragsformular und in den beigefügten AGB

**Rn. 139**

nicht gerecht.

**Rn. 140**

Die Klägerin teilt im ersten Teil des Vertragstextes

**Rn. 141**

lediglich mit, daß man auf den "Anzeigenauftrag" "in der

**Rn. 142**

Erstauflage" "Anzeigenflächen" bestimmten Umfangs

**Rn. 143**

vorgemerkt habe; hierfür wird mit der Formulierung

**Rn. 144**

"Preis/Ausgabe" ein bestimmter Betrag ausgeworfen, wobei

**Rn. 145**

der nachfolgende Text den Hinweis enthält, daß es sich

**Rn. 146**

hier um einen nur für die Anzeigenveröffentlichung in

**Rn. 147**

einer "Einzelausgabe" geltenden "Sonderpreis" handele.

**Rn. 148**

Aus dieser Formulierung kann der potentielle Kunde

**Rn. 149**

zunächst nur den Schluß ziehen, daß er den Auftrag

**Rn. 150**

lediglich für eine einmalige Anzeigenschaltung erteilt

**Rn. 151**

habe und daß es sich bei der Verwendung des Wortes

**Rn. 152**

"Anzeigenfläche" in der Mehrzahl sowie bei der

**Rn. 153**

Formulierung "Preis/Ausgabe" um eine bloße Ausprägung des formularmäßigen Charakters der Vertragsgestaltung

**Rn. 154**

handele.

**Rn. 155**

Erst die im weiteren Textverlauf enthaltene Information,

**Rn. 156**

daß die Anzeige, "wenn nichts anderes angegeben, in

**Rn. 157**

zunächst zwölf" der insgesamt achtzehn "Einzelausgaben"

**Rn. 158**

der Schriftenreihe erscheine, ist grundsätzlich überhaupt

**Rn. 159**

geeignet, auf einen etwaigen Abonnementcharakter des

**Rn. 160**

Anzeigenauftrags hinzuweisen. Ein dahingehendes

**Rn. 161**

Verständnis des Textes setzt allerdings voraus, daß der

**Rn. 162**

Kunde die im Vertragsformular unerläutert nebeneinander

**Rn. 163**

verwandten Begriffe "Erstauflage", "Schriftenreihe" und

**Rn. 164**

"Einzelausgabe" von sich aus in die richtige Beziehung

**Rn. 165**

zueinander setzt und aufgrund einer eigenen gedanklichen

**Rn. 166**

Leistung erkennt, daß nach der Terminologie der Klägerin

**Rn. 167**

der Begriff "Erstauflage" offenbar die gesamte, aus

**Rn. 168**

achtzehn "Einzelausgaben" bestehende Schriftenreihe

**Rn. 169**

umfassen soll und daß der für die Erstauflage geltende

**Rn. 170**

"Sonderpreis" pro Einzelauflage mithin zwölf Mal anfallen

**Rn. 171**

wird, weil ein Erscheinen der Anzeige "in zunächst zwölf

**Rn. 172**

Einzelausgaben" vorgesehen ist.

**Rn. 173**

Der Weg hin zu dieser Erkenntnis wird dem Leser des

**Rn. 174**

Auftragsformulars durch die gezielt unübersichtliche,

**Rn. 175**

unklare und lückenhafte Gestaltung des Vertragswerks

**Rn. 176**

erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht. Der in der

**Rn. 177**

Überschrift enthaltene Hinweis auf einen etwaigen

**Rn. 178**

Abonnementcharakter des Anzeigenauftrags ist nur als

**Rn. 179**

nicht besonders hervorgehobenes Kürzel wiedergegeben und

**Rn. 180**

wird daher leicht übersehen, zumal ein unbefangener Leser

**Rn. 181**

der nicht fettgedruckten Überschrift in aller Regel

**Rn. 182**

ohnehin wenig Aufmerksamkeit schenkt und sich schnell dem

**Rn. 183**

unmittelbaren Auftragstext zuwendet. Der darin

**Rn. 184**

enthaltene, für den Abonnementcharakter des Auftrags

**Rn. 185**

bedeutsame Hinweis auf die vorgesehene Anzeigenschaltung

**Rn. 186**

in zwölf Einzelausgaben befindet sich nicht - wie zu

**Rn. 187**

erwarten wäre - unmittelbar am Anfrang des Auftragstextes

**Rn. 188**

bei der konkreten Beschreibung der gegenseitigen

**Rn. 189**

Hauptleistungspflichten, sondern ist umrahmt von für den

**Rn. 190**

Umfang der Kundenverpflichtung unerheblichen, allgemein

**Rn. 191**

gehaltenen Informationen über das Erscheinen der

**Rn. 192**

Schriftenreihe in verschiedenen Regionalgebieten und über

**Rn. 193**

die kostenfreie Weitergabe persönlicher Exemplare an

**Rn. 194**

"Mehrfachinserenten". Auch der Hinweis selbst ist in

**Rn. 195**

seiner Kürze und der auf den ersten Blick unverfänglichen

**Rn. 196**

Eingangsformulierung ("Ihre Anzeige erscheint...") nicht

**Rn. 197**

geeignet, dem Kunden seine zentrale Bedeutung für den

**Rn. 198**

konkreten Vertrag klar vor Augen zu führen. Selbst ein

**Rn. 199**

aufmerksamer Leser, der aufgrund des Hinweises auf das

**Rn. 200**

zwölfmalige Erscheinen seiner Anzeige einen etwaigen

**Rn. 201**

Abonnementcharakter des Anzeigenauftrags erahnt, würde

**Rn. 202**

erwarten, daß für die elf Folgeauflagen nach dem

**Rn. 203**

Ersterscheinen ein gesonderter Preis unmittelbar im

**Rn. 204**

Auftragsformular ausgeworden wird, denn der Vertragstext

**Rn. 205**

teilt an keiner Stelle hinreichend konkret mit, daß der

**Rn. 206**

"Sonderpreis" für alle achtzehn Ausgaben der

**Rn. 207**

Schriftenreihe gelten soll. Überdies ist die Formulierung

**Rn. 208**

"wenn nichts anderes angegeben" für den unbefangenen

**Rn. 209**

Betrachter auf den ersten Blick völlig unverständlich:

**Rn. 210**

Sie läßt nicht eindeutig erkennen, daß der Kunde seinen

**Rn. 211**

etwaigen Willen einer nur einmaligen Anzeigenschaltung

**Rn. 212**

gesondert zum Ausdruck bringen muß, denn das

**Rn. 213**

Auftragsformular gibt keinerlei Raum für individuelle

**Rn. 214**

Erklärungen des Anzeigenkunden, sondern enthält im

**Rn. 215**

unteren Bereich lediglich ein freies Feld für die

**Rn. 216**

gewünschte Druckvorlage. Die wahre Bedeutung des Zusatzes

**Rn. 217**

"wenn nichts anderes angegeben" erschließt sich dem Leser

**Rn. 218**

erst dann, wenn er die pauschal in Bezug genommenen und

**Rn. 219**

gesondert abgedruckten "AGB" der Klägerin in Augenschein

**Rn. 220**

nimmt und hierbei auf deren Ziffern 2 und 3 stößt.

**Rn. 221**

Angesichts dieser Umstände sind die den

**Rn. 222**

Abonnementcharakter des Anzeigenvertrages betreffenden

**Rn. 223**

Regelungen im Vertragswerk derart undurchschaubar,

**Rn. 224**

undurchsichtig und unbestimmt, daß sie die mit ihnen

**Rn. 225**

beabsichtigte Bedeutung eher verschleiern als

**Rn. 226**

herausstellen und durch den unbefangenen Betrachter

**Rn. 227**

entweder übersehen oder in ihrer Tragweite verkannt

**Rn. 228**

werden. Dies stellt auch unter Berücksichtigung der im

**Rn. 229**

kaufmännischen Verkehr weniger stringenten Anforderungen

**Rn. 230**

an die Verständlichkeit von AGB eine Verletzung des

**Rn. 231**

Transparenzgebots dar, wenn man bedenkt, daß es sich bei

**Rn. 232**

den hier vorgesehenen Alternativen einer möglichen

**Rn. 233**

Vertragsgestaltung um nicht komplexe Sachverhalte

**Rn. 234**

handelt, die die Klägerin in einer einfachen, klaren und

**Rn. 235**

für jedermann verständlichen Art und Weise hätte zum

**Rn. 236**

Ausdruck bringen können.

**Rn. 237**

2.2.

**Rn. 238**

Bei den für die Abonnementregelung bedeutsamen

**Rn. 239**

Bestandteilen des Vertragswerks handelt es sich ferner um

**Rn. 240**

überraschende Klauseln im Sinne des § 3 AGBG.

**Rn. 241**

Nach dieser Vorschrift werden solche Bestimmungen in AGB

**Rn. 242**

nicht Bestandteil des Vertrages, die nach den Umständen,

**Rn. 243**

insbesondere nach dem äußeren Erscheinungsbild der

**Rn. 244**

Vertragsurkunde, so ungewöhnlich sind, daß der

**Rn. 245**

Vertragspartner des Verwenders mit ihnen nicht zu rechnen

**Rn. 246**

braucht. Diese Voraussetzungen sind nach ständiger

**Rn. 247**

Rechtsprechung dann gegeben, wenn den Klauseln ein

**Rn. 248**

Überrumpelungs- oder Übertölpelungseffekt innewohnt,

**Rn. 249**

indem sie Regelungen enthalten, die von den Erwartungen

**Rn. 250**

des Vertragspartners deutlich abweichen und mit denen

**Rn. 251**

dieser den Umständen nach vernünftigerweise nicht zu

**Rn. 252**

rechnen braucht (BGH NJW 89, 2255f. m.w.N.; Palandt-

**Rn. 253**

Heinrichs, aaO, § 3 Rn. 2f.). Dies ist hier der Fall.

**Rn. 254**

Es kann dahinstehen, ob - was zwischen den Parteien

**Rn. 255**

streitig ist - bei der telefonischen Auftragsaquisition

**Rn. 256**

vor erfolgter Zusendung des Vertragsformulars

**Rn. 257**

ausdrücklich nur von einer einmaligen Anzeigenschaltung

**Rn. 258**

die Rede war oder nicht. Jedenfalls mußte die Klägerin

**Rn. 259**

anläßlich der unstreitig erstmaligen Vorstellung der

**Rn. 260**

Schriftenreihe davon ausgehen und durch eine entsprechend

**Rn. 261**

klare Ausgestaltung ihrer Formulare berücksichtigen, daß

**Rn. 262**

die Beklagte als potentielle Kundin nicht ohne weiteres

**Rn. 263**

eine mehrmalige Anzeigenschaltung im Sinne eines

**Rn. 264**

Abonnements wünschen werde. Zu dieser als maßgebend

**Rn. 265**

vorauszusetzenden Erwartungshaltung des in Aussicht

**Rn. 266**

genommenen Vertragspartners steht der Inhalt des

**Rn. 267**

Vertragswerks in krasser Diskrepanz. Wie sich aus den

**Rn. 268**

Ausführungen zu 2.1. ergibt, weist schon die Überschrift

**Rn. 269**

des Auftragsformulars nur in versteckter Form auf den

**Rn. 270**

beabsichtigten Abonnementcharakter der vertraglichen

**Rn. 271**

Vereibarung hin. Gleiches gilt für den Vertragstext

**Rn. 272**

selbst. Durch die gewählte Formulierung im Eingangsteil

**Rn. 273**

des Auftragsformulars entsteht für den potentiellen

**Rn. 274**

Kunden zunächst der Eindruck einer nur einmaligen

**Rn. 275**

Anzeigenschaltung. Die im Folgetext enthaltenen, in sich

**Rn. 276**

unklaren und verkürzt dargestellten Hinweise auf eine

**Rn. 277**

Abonnementregelung muß der Kunde nicht nur aus einem

**Rn. 278**

Konglomerat weiterer, in diesem Zusammenhang

**Rn. 279**

unbedeutsamer Informationen herausfiltern; er kann sie

**Rn. 280**

überdies auch nur unter ergänzender Heranziehung der

**Rn. 281**

gesondert abgedruckten, pauschal in Bezug genommenen AGB

**Rn. 282**

in ihrer Bedeutung teilweise erfassen, obwohl bereits der

**Rn. 283**

zur Unterzeichnung vorgesehene Auftragstext selbst nach

**Rn. 284**

seinem äußeren Erscheinungsbild den Eindruck einer

**Rn. 285**

vollständigen und umfassenden Regelung der grundlegenden

**Rn. 286**

Hauptleistungspflichen beider Vertragspartner

**Rn. 287**

vermittelt. Unter diesen Umständen wohnt den hier zur

**Rn. 288**

Rede stehenden Regelung ein Überraschungs- und

**Rn. 289**

Übertölpelungseffekt inne, der die Voraussetzungen des §

**Rn. 290**

3 AGBG erfüllt.

**Rn. 291**

III.

**Rn. 292**

Aus den Ausführungen zu Ziffer II. folgt zugleich, daß

**Rn. 293**

die Widerklage, für die das erforderliche

**Rn. 294**

Feststellungsinteresse der Beklagten gegeben ist, Erfolg

**Rn. 295**

hat.

**Rn. 296**

IV.

**Rn. 297**

Die Kostenentscheidung ergibt sich aus § 97 Abs. 1 ZPO.

**Rn. 298**

V.

**Rn. 299**

Streitwert: 3.152,20 DM

**Rn. 300**

(Klage : 300,20 DM

**Rn. 301**

Widerklage: 2.852,-- DM = Anzeigenpreis für zehn weitere

**Rn. 302**

Einzelausgaben)

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Zitiervorschlag: Landgericht Düsseldorf, Urteil vom 13.01.1999 – 23 S 234/98, ECLI:DE:LGD:1999:0113.23S234.98.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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