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# Landgericht Düsseldorf, Urteil vom 03.07.1996 – 2 O 363/95

ECLI:DE:LGD:1996:0703.2O363.95.00

## Tenor

Die Klage wird abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits tragen

die Kläger zu je 1/2.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar.

**Rn. 1**

Gemäß §§ 313a I 1, 511a I 1 ZPO bedarf das Urteil keines

**Rn. 2**

Tatbestandes.

## Entscheidungsgründe

**Rn. 4**

Die Klage ist unbegründet.

**Rn. 5**

Den Klägern steht gegen das beklagte Land kein Anspruch gemäß

**Rn. 6**

§ 839 I BGB i.V.m. Art. 34 S. 1 GG auf Erstattung des

**Rn. 7**

an ihre Steuerberater C und D in E gemäß

**Rn. 8**

Rechnung vom 25.9.1995 gezahlten Honorars in Höhe von

**Rn. 9**

500,25 DM für die gegen die Umbuchung des dem Kläger zu 2.}

**Rn. 10**

zustehenden Einkommensteuererstattungsbetrages von

**Rn. 11**

7.712 , 87 DM für das Jahr 1992 auf einen Teil der Steuerrückstände

**Rn. 12**

der Klägerin zu 1.} eingelegte Beschwerde vom

**Rn. 13**

11.3.1994 zu.

**Rn. 14**

-3

**Rn. 15**

-3

**Rn. 16**

Es kann dahinstehen, ob der zuständige Sachbearbeiter des

**Rn. 17**

Finanzamts, der als Beamter im haftungsrechtlichen Sinne

**Rn. 18**

mit der Wahrnehmung der öffentlichen Aufgabe der Steuerfestsetzung

**Rn. 19**

betraut war, fahrlässig eine die Kläger schützende

**Rn. 20**

Amtspflichtverletzung dadurch begangen hat, daß er

**Rn. 21**

bei der Vornahme der Umbuchung entgegen seiner Verpflichtung

**Rn. 22**

zur gesetzmäßigen Steuerfestsetzung gemäß § 85 AO und

**Rn. 23**

damit zur richtigen Gesetzesauslegung und Gesetzesanwendung

**Rn. 24**

nicht berücksichtigt hat, daß der Bundesfinanzhof durch Urteil

**Rn. 25**

vom 19.10.1982 (BStBI. 11 1983, 162 ff.), bestätigt

**Rn. 26**

durch Urteil des Bundesfinanzhofs vom 25.7.1989 (DStR 1989,

**Rn. 27**

743 f.), die Anwendung des § 36 IV 3 EStG dahingehend konkretisiert

**Rn. 28**

hat, daß auch bei Zusammenveranlagung von Ehegatten

**Rn. 29**

zur Einkommensteuer der Anspruch auf Auszahlung von

**Rn. 30**

überzahlter Lohnsteuer im Regelfall dem Ehegatten zustehe,

**Rn. 31**

der gezahlt hat, weshalb das Finanzamt gegen diesen Anspruch

**Rn. 32**

mit rückständigen Steuerschulden des anderen Ehegatten

**Rn. 33**

nicht aufrechnen könne.

**Rn. 34**

Denn abgesehen davon, daß die Kläger entweder über eine anderweitige

**Rn. 35**

Ersatzmöglichkeit verfügen oder den ihnen durch

**Rn. 36**

eine etwaige Amtspflichtverletzung entstandenen Schaden

**Rn. 37**

nicht schlüssig dargelegt haben, entfällt ein etwaiger

**Rn. 38**

Amtshaftungsanspruch aufgrund überwiegenden Mitverschuldens

**Rn. 39**

der Kläger gemäß § 254 I 1 BGB.

**Rn. 40**

•

**Rn. 41**

Die Steuerberater haben gegenüber den Klägern mit ihrer Honorarrechnung

**Rn. 42**

vom 25.9.1995 eine Geschäftsgebühr gemäß § 41

**Rn. 43**

I StBerGebV "und unserer ergänzenden Vereinbarung" zuzüglich

**Rn. 44**

15 % Umsatzsteuer in Höhe von insgesamt 500,25 DM für

**Rn. 45**

die Einlegung der Beschwerde vom 11.3.1994 gegen die Umbuchungsmitteilung

**Rn. 46**

des Finanzamtes E über die

**Rn. 47**

Verrechnung des Steuerguthabens des Klägers zu 2.) mit

**Rn. 48**

Steuerrückständen der Klägerin zu 1.) geltend gemacht.

**Rn. 49**

Den Klägern steht jedoch ein Schadensersatzanspruch in

**Rn. 50**

gleicher Höhe gegen ihre Steuerberater aufgrund positiver

**Rn. 51**

Vertragsverletzung des Steuerberatungsvertrages analog

**Rn. 52**

§§ 280, 286/325, 326 BGB wegen unzulässiger Kostenverursa

**Rn. 54**

•

**Rn. 55**

-4

**Rn. 56**

chung zu, der eine anderweitige Ersatzmöglichkeit darstellt.

**Rn. 57**

Die Einlegung einer förmlichen Beschwerde gegen die Umbu

**Rn. 58**

chungsmitteilung des Finanzamtes Düsseldorf-Mitte ist unzu

**Rn. 59**

lässig gewesen, weil gegen die bloße Umbuchung eines Steu

**Rn. 60**

erguthabens auf einen Steuerrückstand, die keinen Verwal

**Rn. 61**

tungsakt im Sinne von § 118 AO darstellt, ein Rechtsbehelf

**Rn. 62**

nicht gegeben ist (Schuhmann, BB 1988, 739 ff. (742)). Die

**Rn. 63**

Steuerberater hätten von den Klägern eine Geschäftsgebühr

**Rn. 64**

nach § 41 I StBerGebV daher gar nicht verlangen dürfen,

**Rn. 65**

•

**Rn. 66**

•

**Rn. 67**

weil sie nur bei einer Tätigkeit im Rahmen eines

**Rn. 68**

(außergerichtlichen) Rechtsbehelfsverfahrens berechnet werden

**Rn. 69**

darf.

**Rn. 70**

Einer Umdeutung der von den Steuerberatern eingelegten Be

**Rn. 71**

schwerde in einen Antrag auf Erteilung eines Abrechnungsbe

**Rn. 72**

scheides gemäß § 218 11 AO steht entgegen, daß die Steuer

**Rn. 73**

berater mit der Berchwerde ausdrücklich die Überweisung des

**Rn. 74**

dem Kläger zu 2.) zustehenden Einkommensteuererstattungsbe

**Rn. 75**

trages und nicht eine Entscheidung des Finanzamtes durch

**Rn. 76**

Ver~altungsakt ßber die Frage, ob und in welcher Höhe ein

**Rn. 77**

bestimmter Anspruch aus dem Steuerverhältnis noch bestehe,

**Rn. 78**

verlangt haben .

**Rn. 79**

• Aber selbst wenn man eine solche Umdeutung vornehmen würde,

**Rn. 80**

könnte dieser Antrag auf Erteilung eines Abrechnungsbescheides

**Rn. 81**

nicht mit einem Rechtsbehelf im Sinne der § § 40

**Rn. 82**

ff. StBerGebV gleichgesetzt werden, weil ohne den Erlaß

**Rn. 83**

dieses Abrechnungsbescheides noch gar keine mit einem förmlichen

**Rn. 84**

Rechtsmittel anzugreifende Entscheidung vorgelegen

**Rn. 85**

hat. Erst gegen den erlassenen Abrechnungsbescheid wäre das

**Rn. 86**

förmliche Rechtsmittel des Einspruchs gemäß § 348 I Nr. 9

**Rn. 87**

AO gegeben gewesen.

**Rn. 88**

Die Steuerberater hätten für das von ihnen angefertigte

**Rn. 89**

Schreiben an das Finanzamt allenfalls die gemäß der Steuerberatergebührenverordnung

**Rn. 90**

bzw. der ihrer Honorarvereinba

**Rn. 91**

rung mit den Klägern entsprechende Vergütung verlangen kön

**Rn. 92**

-5

**Rn. 93**

a

**Rn. 95**

nen. Insoweit fehlt es an einem schlüssigen Vorbringen der

**Rn. 96**

Kläger zum eingetretenen Schaden. Sie haben nicht vorgetragen,

**Rn. 97**

aufgrund welcher konkreten Vereinbarung sie die Steuerberater

**Rn. 98**

mit der Erstellung der Einkommensteuererklärung

**Rn. 99**

für das Jahr 1992 beauftragt haben und ob das Anfertigen

**Rn. 100**

eines Schreibens an das Finanzamt wegen einer zu beanstandenden

**Rn. 101**

Umbuchungsmitteilung honorarmäßig noch miterfaßt

**Rn. 102**

oder eine eigenständige, getrennt abzurechnende Angelegenheit

**Rn. 103**

gewesen wäre. In beiden Fällen würde es jedoch an

**Rn. 104**

einem Schaden der Kläger fehlen. Im ersten Fall wären den

**Rn. 105**

Klägern für das Tätigwerden der Steuerberater keine zusätzlichen

**Rn. 106**

Kosten entstanden. Soweit es sich um eine neue Angelegenheit

**Rn. 107**

gehandelt hätte, läge bisher keine gemäß § 9

**Rn. 108**

StBerGebVO ordnungsgemäße und damit keine fällige Honorarforderung

**Rn. 109**

der Steuerberater vor.

**Rn. 110**

Ein etwaiger Schadensersatzanspruch der Kläger nach Amtshaftungsgrundsätzen

**Rn. 111**

scheitert jedoch endgültig daran, daß

**Rn. 112**

die Kläger gegen ihre Pflicht zur Schadensminderung gemäß

**Rn. 113**

I

**Rn. 114**

§ 254 I 1 BGB verstoßen haben.

**Rn. 115**

I

**Rn. 116**

Die Kläger hätten nach dem einen, nach ihrem Vortrag unergiebigen

**Rn. 117**

Telefonat beim Finanzamt zumindest noch ein

**Rn. 118**

Schreiben mit der Aufforderung, das Steuerguthaben an den

**Rn. 119**

Kläger zu 2.) auszuzahlen, aufsetzen, absenden und die Re

**Rn. 120**

aktion des Finanzamtes abwarten können und müssen. Der Ein-~

**Rn. 121**

schaltung eines Steuerberaters bedurfte es zu diesem Zeitpunkt

**Rn. 122**

noch nicht.

**Rn. 123**

Grundsätzlich kann sich zwar jeder Steuerpflichtige gegen

**Rn. 124**

über allen Maßnahmen der Steuerbehörde der Hilfe eines

**Rn. 125**

Steuerberaters bedienen. Aber im Hinblick auf seine Schadensminderungspflicht

**Rn. 126**

obliegt es zunächst dem Steuerpflich

**Rn. 127**

tigen selbst, Steuerbescheide im Rahmen seiner Kenntnisse

**Rn. 128**

und Fähigkeiten selbst zu prüfen und festgestellte Bearbei

**Rn. 129**

tungsfehler zu beanstanden.

**Rn. 130**

Die nicht durchgeführte Erstattung des Einkommensteuergut

**Rn. 131**

habens für das Jahr 1992 hätte wegen der im Steuerbescheid

**Rn. 132**

-6

**Rn. 133**

•

**Rn. 134**

" -6 -

**Rn. 135**

•

**Rn. 136**

selbst aufgeführten Möglichkeit der Verrechnung mit Gegenansprüchen

**Rn. 137**

sowie den maschinell erstellten Umbuchungsmitteilungen

**Rn. 138**

leicht erkannt werden können. Da es dabei nicht

**Rn. 139**

um die Würdigung steuerlicher Sachverhalte ging, hätte ein

**Rn. 140**

selbst aufgesetztes kurzes Anschreiben nach dem erfolglos

**Rn. 141**

geführten Telefonat mit dem Finanzamt zunächst genügt,

**Rn. 142**

zumal bei dem vergeblichen Telefongespräch nach dem Vorbringen

**Rn. 143**

der Kläger nicht die Aufhebung der Umbuchung abgelehnt,

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sondern nur die ausgebliebene Überweisung nicht erklärt

**Rn. 145**

werden konnte. Selbst nach dem Vortrag des beklagten

**Rn. 146**

Landes ist bei dem Telefongespräch mit der Klägerin zu 1.)

**Rn. 147**

nur mitgeteilt worden, daß eine Umbuchung stattgefunden

**Rn. 148**

hat, nicht daß sie auf keinen Fall rückgängig gemacht

**Rn. 149**

würde.

**Rn. 150**

Die Kostenentscheidung folgt aus §§ 91 I I, 1. Halbsatz ,

**Rn. 151**

100 I ZPO. Die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit

**Rn. 152**

beruht auf §§ 708 Nr. 11, 713 ZPO.

**Rn. 153**

Streitwert: 500,25 DM (§§ 12 I GKG, 3, 4 I ZPO).

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Zitiervorschlag: Landgericht Düsseldorf, Urteil vom 03.07.1996 – 2 O 363/95, ECLI:DE:LGD:1996:0703.2O363.95.00

Quelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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Nicht-amtliche Fassung — maßgeblich ist die Ausfertigung des Gerichts

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