nu:legal · recht.nulegal.eu

# Landgericht Düsseldorf, Urteil vom 20.12.1994 – 24 S 396/94

ECLI:DE:LGD:1994:1220.24S396.94.00

## Tenor

hat die 24. Zivikammer des Landgerichts Düsseldorf auf

die mündliche Verhandlung vom 29. November 1994 durch den

Vorsitzenden Richter am Landgericht X sowie

die Richter am Landgericht X und X

für R e c h t erkannt:

Auf die Berufung der Beklagten wird das am

21. Juli 1994 verkündete Teilanerkenntnis-

und Schluß-Urteil des Amtsgericht Düssel-

dorf (44 C 5266/94) teilweise abgeändert

und wie folgt neu gefaßt:

Die Beklagten werden als Gesamtschuldner

verurteilt, an die Kläger 2.439,20 DM

nebst 4 % Zinsen seit dem 29.10.1993 zu

zahlen.

Es wird festgestellt, daß die Kläger nicht

verpflichtet sind, Einbauten der Beklagten

bei deren Auszug zu übernehmen und finan-

ziell abzulösen.

Im übrigen wird der Feststellungsantrag

abgewiesen.

Im übrigen wird die Klage abgewiesen.

Die Berufung der Kläger wird zurückgewie-

sen.

Von den Kosten des Rechtsstreits in erster

Instanz werden den Klägern 1/3, den Be-

klagten 2/3, von denen des Berufungs-

verfahrens den Klägern 97/100, den Beklag-

ten 3/100 auferlegt.

**Rn. 1**

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e :

**Rn. 2**

Die wechselseitigen Berufungen der Parteien sind zuläs-

**Rn. 3**

sig. In der Sache Erfolg hat indessen lediglich die Beru-

**Rn. 4**

fung der Beklagten, während die Berufung der Klä-

**Rn. 5**

ger - abgesehen von einer Abänderung der erstinstanzli-

**Rn. 6**

chen Kostenentscheidung - im Ergebnis ohne Erfolg bleibt.

**Rn. 7**

A.

**Rn. 8**

Den Klägern steht gegen die Beklagten als Gesamtschuldner

**Rn. 9**

entgegen der Auffassung des Amtsgerichts lediglich ein

**Rn. 10**

Zahlungsanspruch in Höhe von insgesamt 2.439,20 DM zu.

**Rn. 11**

I.

**Rn. 12**

Ein wirksamer Mietvertrag zwischen den Parteien ist nicht

**Rn. 13**

zustandegekommen.

**Rn. 14**

Auch nach dem eigenen Vortrag der Kläger beabsichtigten

**Rn. 15**

die Parteien, einen Mietvertrag nur auf fünf Jahre abzu-

**Rn. 16**

schließen. Hierbei verabredeten die Parteien schon im

**Rn. 17**

Hinblick auf die Vorschrift des § 566 BGB, daß der Miet-

**Rn. 18**

vertrag schriftlich abgeschlossen werden sollte. In der

**Rn. 19**

Folgezeit sind zwischen den Parteien dann schriftliche

**Rn. 20**

Mietvertragsentwürfe ausgetauscht worden, zu einer bei-

**Rn. 21**

derseitigen Unterzeichnung eines dieser Mietvertragsent-

**Rn. 22**

würfe kam es indessen nicht.

**Rn. 23**

Treffen aber die Parteien - wie hier - die Abrede, daß

**Rn. 24**

der Mietvertrag schriftlich geschlossen werden soll, ge-

**Rn. 25**

rade weil sie um die gesetzliche Formbedürftigkeit im

**Rn. 26**

Hinblick auf die vorgesehene Laufzeit des Vertrages von

**Rn. 27**

mehr als einem Jahr wissen, so ist davon auszugehen, daß

**Rn. 28**

ohne Einhaltung der Form ein Vertrag - noch - nicht zu-

**Rn. 29**

standegekommen ist, wie schon aus § 154 Abs. 2 BGB folgt

**Rn. 30**

(OLG Düsseldorf ZMR 1988, 54; Bub/Treier, Handbuch der

**Rn. 31**

Geschäfts- und Wohnraummiete, 1989, II Rdr. 742; Sternel

**Rn. 32**

"Mietrecht Aktuell", 2. Aufl., Rdr. 5). Daß abweichend

**Rn. 33**

hiervon die verabredete Schriftform des Vertrages aus-

**Rn. 34**

nahmsweise nur deklaratorische (beurkundende) Bedeutung

**Rn. 35**

haben sollte, wird auch von den Klägern nicht ausdrück-

**Rn. 36**

lich geltend gemacht, jedenfalls sind tatsächliche Um-

**Rn. 37**

stände, aus denen sich die lediglich deklaratorische

**Rn. 38**

Bedeutung der vereinbarten Schrift form ergeben könnte, von

**Rn. 39**

den Klägern nicht hinreichend dargetan (vgl. Bub/Treier,

**Rn. 40**

a.a.O., Rdr. 743).

**Rn. 41**

Auch ein wirksamer Miet-Vorvertrag kann nicht angenommen

**Rn. 42**

werden. Das Zustandekommen eines solchen Vorvertrages ist

**Rn. 43**

von den Klägern nicht dargetan. Daß - wie hier - ein be-

**Rn. 44**

absichtigter (Haupt-) Mietvertrag nicht - formgültig -

**Rn. 45**

abgeschlossen worden ist, genügt für das Zustandekommen

**Rn. 46**

eines Vorvertrages nicht; der nicht wirksam abgeschlosse-

**Rn. 47**

ne Haupt-Mietvertrag kann nicht in einem Vorvertrag umge-

**Rn. 48**

deutet werden (BGH NJW 1980, 1577; BGH WPM 1969, 919; BGH

**Rn. 49**

ZMR 1963, 82; BGH WPM 1973, 67; Bub/Treier, a.a.O, II

**Rn. 50**

Rdr. 140 und 736).

**Rn. 51**

Für die Annahme eines Vorvertrages müßten vielmehr beson-

**Rn. 52**

dere Gründe vorliegen, nach denen die Parteien ohne das

**Rn. 53**

Zustandekommen eines Hauptvertrages schon die Bindung zum

**Rn. 54**

Abschluß des künftigen Vertrages gewollt haben. Solche

**Rn. 55**

besonderen Umstände, die über das Nichtzustandekommen ei-

**Rn. 56**

nes wirksamen Haupt-Mietvertrages hinausgehen, liegen

**Rn. 57**

nicht vor.

**Rn. 58**

II.

**Rn. 59**

Dies vorausgeschickt, gilt hinsichtlich der einzelnen von

**Rn. 60**

den Klägern geltend gemachten Forderungspositionen fol-

**Rn. 61**

gendes:

**Rn. 62**

1.

**Rn. 63**

Mangels Vorliegen eines wirksamen Mietvertrages sind die

**Rn. 64**

Beklagten zur Zahlung der verlangten Kaution in Höhe von

**Rn. 65**

5.400,-- DM nicht verpflichtet.

**Rn. 66**

2.

**Rn. 67**

Aus dem selben Grund steht den Klägern kein Mietzinsan-

**Rn. 68**

spruch nach § 535 Satz 2 BGB in der in der Berufung noch

**Rn. 69**

verlangten Höhe von 1.900,-- DM - oder in geringerer Höhe

**Rn. 70**

- für den Pkw-Einstellplatz zu.

**Rn. 71**

Auch ein Nutzungsentschädigungsanspruch der Kläger aus §§

**Rn. 72**

812 Abs. 1 Satz 1, 818 Abs 1 BGB scheidet aus. Die Be-

**Rn. 73**

klagten bestreiten, einen im (Sonder-) Eigentum der Klä-

**Rn. 74**

ger stehenden Stellplatz (sei es mit der Nr. 15 oder mit

**Rn. 75**

der Nr. 19) tatsächlich genutzt zu haben (Bl. 112 GA).

**Rn. 76**

Die Kläger haben Gegenteiliges nicht in einer einer Be-

**Rn. 77**

weisaufnahme zugänglichen Form substantiiert dargetan.

**Rn. 78**

3.

**Rn. 79**

Das Amtsgericht hat den Klägern einen Anspruch auf Zah-

**Rn. 80**

lung restlicher Nebenkosten durch die Beklagten in Höhe

**Rn. 81**

von 1.629,92 DM rechtskräftig zugesprochen.

**Rn. 82**

Soweit die Kläger in der Berufung weitere 324,61 DM als

**Rn. 83**

Nebenkostennachforderung (158,57 DM sowie 166,04 DM) gel-

**Rn. 84**

tend machen, ist ihr Anspruch nicht begründet. Mangels

**Rn. 85**

Vorliegens eines wirksamen Mietvertrages scheidet ein An-

**Rn. 86**

spruch aus § 535 Abs. 2 BGB aus.

**Rn. 87**

Auch unter dem Gesichtspunkt der Nutzungsentschädigung

**Rn. 88**

nach §§ 812 Abs. 1 Satz 1, 818 Abs. 1 BGB kommt ein An-

**Rn. 89**

spruch der Kläger auf Erstattung ihrer Kosten nicht in

**Rn. 90**

Betracht.

**Rn. 91**

4.

**Rn. 92**

Auch der von den Klägern geltend gemachte Anspruch auf

**Rn. 93**

Zahlung eines von den Beklagten - angeblich - vorgenomme-

**Rn. 94**

nen Mieteinbehaltes in Höhe von 1.700,-- DM ist nicht be-

**Rn. 95**

gründet.

**Rn. 96**

Ein Anspruch aus § 535 Satz 2 BGB kommt mangels Vorliegen

**Rn. 97**

eines wirksamen Mietvertrages nicht in Betracht; ein Nut-

**Rn. 98**

zungsentschädigungsanspruch in dieser Höhe kann gleich-

**Rn. 99**

falls nicht festgestellt werden. Die Kläger haben nicht

**Rn. 100**

nachvollziehbar dargetan, wann und auf welche Weise die

**Rn. 101**

Beklagten vermeintlichen Mietzins (Nutzungsentschädigung)

**Rn. 102**

in Höhe von 1.700,-- DM einbehalten haben. Der Beweisan-

**Rn. 103**

tritt der Kläger im Schriftsatz vom 28.11.1994 ersetzt

**Rn. 104**

den fehlenden substantiierten Sachvortrag nicht.

**Rn. 105**

5.

**Rn. 106**

Bezüglich der von den Klägern geltend gemachten

**Rn. 107**

"Stromkosten" von 863,76 DM hat das Amtsgericht einen

**Rn. 108**

Teilbetrag von 452,92 DM rechtskräftig zuerkannt.

**Rn. 109**

Die von den Klägern in der Berufung weiter verfolgte Dif-

**Rn. 110**

ferenz von 410,84 DM (863,76 DM - 455,92 DM) ist in Höhe

**Rn. 111**

von - weiteren - 356,36 DM begründet, so daß den Klägern

**Rn. 112**

unter dem Gesichtspunkt "Stromkosten" gegen die Beklagten

**Rn. 113**

ein Zahlungsanspruch in Höhe von insgesamt (452,92 DM +

**Rn. 114**

356,36 DM =) 809,28 DM zusteht.

**Rn. 115**

Auch die Beklagten gehen in ihrem Schriftsatz vom

**Rn. 116**

20.05.1994 (Bl. 99/100 GA) davon aus, daß

**Rn. 117**

sie - zeitanteilig - die von den Klägern verauslagten

**Rn. 118**

Stromkosten gemäß den Rechnungen der Stadtwerke Düssel-

**Rn. 119**

dorf grundsätzlich (gemäß §§ 812 Abs. 1 Satz 1, 818 Abs.

**Rn. 120**

1 BGB) zu erstatten haben. Die Beklagten haben in ihrem

**Rn. 121**

vorgenannten Schriftsatz eine - nach ihrem Einzug in die

**Rn. 122**

Wohnung zeitanteilige - Aufteilung der von ihnen zu über-

**Rn. 123**

nehmenden Stromkosten im einelnen vorgenommen, und haben

**Rn. 124**

- insoweit - zugestanden, daß sie grundsätzlich einen Be-

**Rn. 125**

trag von 809,28 DM zu tragen haben (Bl. 100 GA). Dieser

**Rn. 126**

Berechnung der Beklagten sind die Kläger nicht mehr ent-

**Rn. 127**

gegengetreten. Mithin schulden die Beklagten - lediglich -

**Rn. 128**

den Gesamtbetrag von 809,28 DM, wovon das Amtsgericht

**Rn. 129**

bereits 452,92 DM zuerkannt hat.

**Rn. 130**

Soweit die Beklagten behaupten, sie hätten auf den Ge-

**Rn. 131**

samtbetrag von 809,28 DM bereits eine Teilzahlung von

**Rn. 132**

356,36 DM erbracht, ist diese behauptete Zahlung als von

**Rn. 133**

den Klägern bestritten anzusehen. Daß sie diese Zahlung

**Rn. 134**

tatsächlich erbracht haben, ist von den Beklagten indes-

**Rn. 135**

sen nicht nachgewiesen, so daß der Betrag von 356,36 DM

**Rn. 136**

von den Beklagten noch an die Kläger zu zahlen ist.

**Rn. 137**

Die hiernach begründeten Zahlungsansprüche der Kläger be-

**Rn. 138**

laufen sich auf insgesamt 2.439,20 DM.

**Rn. 139**

Von diesem Betrag haben die Beklagten gemäß §§ 284, 288

**Rn. 140**

Abs. 1 BGB 4 % Zinsen seit dem 29.10.1993 zu entrichten.

**Rn. 141**

Aus welchen Gründen die vom Amtsgericht zuerkannten Ne-

**Rn. 142**

benkostennachforderungen im Gesamtbetrag von 1.629,92 DM

**Rn. 143**

zum Zeitpunkt des Mahnschreibens der Kläger vom

**Rn. 144**

20.10.1993 noch nicht fällig gewesen sein sollen, wie die

**Rn. 145**

Beklagten meinen, ist nicht ersichtlich. Mithin schulden

**Rn. 146**

die Beklagten Verzugszinsen in Höhe des gesetzlichen

**Rn. 147**

Zinssatzes auch von diesem Betrag seit dem 29.10.1993.

**Rn. 148**

Einen darüberhinausgehenden Verzugsschaden (§ 286 Abs. 1

**Rn. 149**

BGB) durch die Inanspruchnahme von Bankkredit haben die

**Rn. 150**

Kläger nicht nachgewiesen.

**Rn. 151**

B.

**Rn. 152**

I.

**Rn. 153**

Rechtskräftig hat das Amtsgericht festgestellt, daß die

**Rn. 154**

Kläger nicht verpflichtet sind, Einbauten der Beklagten

**Rn. 155**

bei deren Auszug zu übernehmen und finanziell abzulösen.

**Rn. 156**

II.

**Rn. 157**

Der in der Berufung von den Klägern weiterverfolgte An-

**Rn. 158**

trag auf Feststellung, daß die Beklagten zur Durchführung

**Rn. 159**

bestimmter Renovierungsarbeiten in der streitbefangenen

**Rn. 160**

Wohnung verpflichtet sind, ist zwar zulässig, aber nicht

**Rn. 161**

begründet. Mangels Vorliegens eines wirksamen Mietvertra-

**Rn. 162**

ges waren die Beklagten bei Auszug aus der streitbefange-

**Rn. 163**

nen Wohnung zur Vornahme von Renovierungsarbei-

**Rn. 164**

ten/Schönheitsreparaturen nicht verpflichtet.

**Rn. 165**

Die Kostenentscheidung folgt aus §§ 91 a, 92 Abs. 1, 97

**Rn. 166**

Abs. 1 ZPO.

**Rn. 167**

Soweit die Parteien erstinstanzlich den von den Klägern

**Rn. 168**

geltend gemachten Räumungsanspruch in der Hauptsache

**Rn. 169**

übereinstimmend für erledigt erklärt haben, sind die auf

**Rn. 170**

den Räumungsanspruch entlassenden Kosten - nach einem

**Rn. 171**

Streitwert von 36.720,-- DM - gemäß § 91 a BGB den Be-

**Rn. 172**

klagen anzulasten. Dies entspricht unter Berücksichti-

**Rn. 173**

gung des bisherigen Sach- und Streitstandes billigem Er-

**Rn. 174**

messen. Wären die Beklagten nicht aus der streitbefange-

**Rn. 175**

nen Wohnung ausgezogen, hätte die Räumungsklage aller

**Rn. 176**

Voraussicht nach Erfolg gehabt. Mangels Vorliegens eines

**Rn. 177**

wirksamen Mietvertrages stand den Beklagten an der

**Rn. 178**

streitbefangenen Wohnung kein Recht zum Besitz im Sinne

**Rn. 179**

des § 986 BGB zur Steite, so daß sie nach § 985 BGB ver-

**Rn. 180**

pflichtet waren, die Wohnung an die Kläger herauszugeben.

**Rn. 181**

Der Streitwert für die Berunfungsinstanz beträgt 12.235,45

**Rn. 182**

DM (7.200,-- DM + 2.535,45 DM + 2.500,-- DM für den Fest-

**Rn. 183**

stellungsantrag hinsichtlich der Renovierungspflicht).

---

Zitiervorschlag: Landgericht Düsseldorf, Urteil vom 20.12.1994 – 24 S 396/94, ECLI:DE:LGD:1994:1220.24S396.94.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

Entscheidungstext bereitgestellt über Open Legal Data (openlegaldata.io), lizenziert unter der Open Database License (ODbL) v1.0.

Nicht-amtliche Fassung — maßgeblich ist die Ausfertigung des Gerichts

Quelle: nu:legal – recht.nulegal.eu · Aufbereitung unter CC BY 4.0 (recht.nulegal.eu/lizenz) · Ein Dienst der Nulegal GmbH

Crawlen und Zitieren sind ausdrücklich erlaubt. Vorbehalten ist allein die massenhafte Nutzung zu Trainingszwecken für KI-Systeme (§ 44b Abs. 3 UrhG); hierfür ist unsere Zustimmung erforderlich.

Source: nu:legal – recht.nulegal.eu · Curated layer under CC BY 4.0 (recht.nulegal.eu/license) · Operated by Nulegal GmbH, Potsdam.

Crawling and citation are permitted. Only bulk use for AI training is reserved (Section 44b(3) UrhG) and requires our consent.

Dieses Dokument: https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-duesseldorf/1994-12-20/24-s-396-94

---

nu:legal · recht.nulegal.eu · Nicht-amtliche Fassung. Maßgeblich ist die Fassung des Gerichts.
