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# Landgericht Düsseldorf, Urteil vom 10.04.1991 – 2 O 231/90

ECLI:DE:LGD:1991:0410.2O231.90.00

## Tenor

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar.

Der Kläger kann die vorläufige Vollstreckung

des beklagten Landes gegen Sicherheitsleistung

in Höhe von D M l.ooo,— abwenden,

falls das beklagte Land nicht vor der

Vollstreckung in gleicher Höhe Sicherheit

leistet.

Die Sicherheiten können auch durch Bürgschaft

einer Bank oder Sparkasse mit Sitz in- der

Bundesrepublik Deutschland geleistet w e r d e n .

**Rn. 1**

T a t b e s t a n d :

**Rn. 2**

Der Kläger, der Aktien in Besitz h a t t e , beobachtete

**Rn. 3**

im Oktober 1989 die Börsenentwicklung.

**Rn. 4**

Am M o n t a g , dem 16. Oktober 1989, erkundigte er sich

**Rn. 5**

nach der Entwicklung der Kurse im Rahmen der

**Rn. 6**

Vorbörse. Auf die Mitteilung, es lägen Kursverluste

**Rn. 7**

von 5-7 % vor, gab er Verkaufsorder.

**Rn. 8**

Im Verlauf des 16. Oktober 1989 kam es zu zum Teil

**Rn. 9**

erheblichen Kursverlusten.

**Rn. 10**

Der Kläger behauptet:

**Rn. 11**

Er habe erhebliche Verluste beim Verkauf seiner

**Rn. 12**

Aktien erlitten.

**Rn. 13**

Benachbarte Börsen im Ausland hätten die Ku r s notierung

**Rn. 14**

ausgesetzt. Auch der Börsenvorstand der

**Rn. 15**

Rheinisch-Westfälischen Börse hätte die Kursnotierungen

**Rn. 16**

aussetzen müssen.

**Rn. 17**

Der Kläger berechnet seinen Schaden aus dem Mittelwert

**Rn. 18**

der Kurse vom 13. Oktober 1989 und vom 17.

**Rn. 19**

Oktober 1989, dem jeweiligen Börsentag vor und nach

**Rn. 20**

den Kursstürzen und nach den erzielten Verkaufserlösen.

**Rn. 21**

Nach seiner Berechnung ist ihm ein Schaden in

**Rn. 22**

Höhe von DM 6.388,31 entstanden. Wegen der Einzelheiten

**Rn. 23**

wird auf die Berechnung des Klägers (Bl. 6-8

**Rn. 24**

GA) Bezug genommen.

**Rn. 25**

Der Kläger beantragt,

**Rn. 26**

das beklagte Land zu verurteilen, an ihn

**Rn. 27**

DM 6 .388,31 nebst 9 % Zinsen seit dem 1.

**Rn. 28**

März 1990 zu zahlen.

**Rn. 29**

Das beklagte Land beantragt,

**Rn. 30**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 31**

Das beklagte Land behauptet :

**Rn. 32**

Die Verkäufe der Aktien des Klägers könnten auch an

**Rn. 33**

der Börse in Frankfurt durchgeführt worden sein. Der

**Rn. 34**

Kläger wohne in etwa gleicher Entfernung von

**Rn. 35**

Düsseldorf wie von Frankfurt. Daher werde ein

**Rn. 36**

Verkauf an der Börse in Düsseldorf bestritten.

**Rn. 37**

Das beklagte Land meint :

**Rn. 38**

Aus § Abs. 1 Nr. 1 Börsengesetz ergebe sich keine

**Rn. 39**

Amtspflicht des Börsenvorstandes mit Schutzwirkung

**Rn. 40**

zugunsten des Klägers.

**Rn. 41**

Der Börsenvorstand habe bei seiner Entscheidung, die

**Rn. 42**

Kursnotierungen nicht auszusetzen, Amtspflichten

**Rn. 43**

nicht verletzt.

**Rn. 44**

Wegen des weiteren Vorbringens wird auf die ge wechselten

**Rn. 45**

Schriftsätze der Parteien nebst Anlagen

**Rn. 46**

Bezug gen o m m e n .

**Rn. 47**

Anstelle der ursprünglich verklagten Rheinisch-Westfälischen

**Rn. 48**

Börse in Düsseldorf nimmt der Kläger

**Rn. 49**

nunmehr das beklagte Land in Ans p r u c h .

**Rn. 50**

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e :

**Rn. 51**

Die Klageänderung (Parteiwechsel) ist zulässig. In

**Rn. 52**

der Sache selbst hat die Klage jedoch keinen Erfolg.

**Rn. 53**

Der Kläger hat gegen das beklagte Land keinen

**Rn. 54**

Anspruch gemäß § 839 Abs. 1 Satz 1 BGB i.V.m.

**Rn. 55**

Artikel 34 GG wegen einer AmtspflichtVerletzung. Der

**Rn. 56**

Börsenvorstand der Rheinisch-Westfälischen Börse in

**Rn. 57**

Düsseldorf hat bei seiner Entscheidung, von seinen

**Rn. 58**

Rechten aus §§ 43 Abs. 1 Nr. 1 am 16. Oktober 1989

**Rn. 59**

keinen Gebrauch zu machen, rechtmäßig g e h andelt.

**Rn. 60**

Es kann dahinstehen, ob das beklagte Land passivlegitimiert

**Rn. 61**

ist. Insoweit ergeben sich Zweifel, da

**Rn. 62**

der Kläger zu dem mit Schriftsatz vom 31. Januar

**Rn. 63**

1991 (Bl. 48 ff. GA) vom beklagten Land geäußerten

**Rn. 64**

Bestreiten, daß seine Verkaufsaufträge an der

**Rn. 65**

Rheinisch-Westfälischen Börse in Düsseldorf abgewickelt

**Rn. 66**

worden seien , nicht Stellung genommen

**Rn. 67**

h a t .

**Rn. 68**

Jedenfalls war die Entscheidung des Vorstandes der

**Rn. 69**

Rheinisch-Westfälischen B ö r s e , die Kursnotierungen

**Rn. 70**

am 16. Oktober 1989 nicht gemäß § 43 Abs. 1 Nr. 1

**Rn. 71**

Börsengesetz auszusetzen, rechtmäßig.

**Rn. 72**

Der Börsenvorstand hat bei seiner Entscheidung das

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ihm durch § 43 Abs. 1 Nr. 1 Börsengesetz eingeräumte

**Rn. 74**

Ermessen weder mißbraucht, noch lag eine Situation

**Rn. 75**

vor, in der das Ermessen sich so reduziert hätte,

**Rn. 76**

daß nur noch eine Entscheidung, nämlich die Aussetzung

**Rn. 77**

der Kursnotierungen, richtig gewesen w ä r e .

**Rn. 78**

Zu Recht weist das beklagte Land auf folgendes hin:

**Rn. 79**

Der Fall des DAX-Index für 30 marktbreite Standardwerte

**Rn. 80**

um 12,8 % allein rechtfertigte die Aussetzung

**Rn. 81**

der Kursnotierung nicht. Schon die Interessen der

**Rn. 82**

Verkäufer geboten es nicht, die Kursnotierung

**Rn. 83**

auszusetzen. Denn eine derartige Aussetzung erschüt-

**Rn. 84**

6 -

**Rn. 85**

tert zusätzlich das Vertrauen der Aktienbesitzer.

**Rn. 86**

Dies kann dazu führen, daß noch mehr Verkaufsaufträge

**Rn. 87**

gegeben werden und die Kursverluste sich noch

**Rn. 88**

mehr vergrößern. Die Aussetzung der Kurse lag auch

**Rn. 89**

nicht im Interesse der Käufer, denn diese waren

**Rn. 90**

daran interessiert, möglichst günstig Aktien zu

**Rn. 91**

kaufen. Auch das öffentliche Interesse gebot nicht,

**Rn. 92**

die Notierung der Kurse auszusetzen. Trotz der

**Rn. 93**

beachtlichen Höhe des Kursrutsches mußte nicht davon

**Rn. 94**

ausgegangen werden, daß öffentliche Nachteile von

**Rn. 95**

diesem Kursverlust ausgingen.

**Rn. 96**

Das beklagte Land weist, vom Kläger nicht konkret

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bestritten, darauf hin, daß auch alle übrigen

**Rn. 98**

deutschen Börsen die Kurse nicht ausgesetzt haben.

**Rn. 99**

Auch dies spricht dagegen, daß eine Aussetzung der

**Rn. 100**

Kursnotierungen die einzig ermessensfehlerfreie

**Rn. 101**

Entscheidung gewesen wäre.

**Rn. 102**

Soweit der Kläger vorträgt, die Rheinisch-Westfälische

**Rn. 103**

Börse hätte nicht nur die Kursnotierungen

**Rn. 104**

nicht ausgesetzt, sondern die Börse sogar zwei

**Rn. 105**

Stunden länger aufgehalten, ist nicht substantiiert

**Rn. 106**

vorgetragen, wieso diese längere Öffnungszeit für

**Rn. 107**

die vom Kläger angeblich erlittenen Verluste

**Rn. 108**

ursächlich geworden wäre. Der Kläger hätte konkret

**Rn. 109**

vortragen müssen, inwieweit ihm durch das längere

**Rn. 110**

Offenhalten der Börse zusätzliche Verluste entstanden

**Rn. 111**

sind. Im übrigen ist es zweifelhaft, ob in

**Rn. 112**

der Entscheidung, die Börse zwei Stunden länger

**Rn. 113**

offenzuhalten, ein amtspflichtwidriges Verhalten des

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Vorstandes der Rheinisch-Westfälischen Börse in

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Düsseldorf zu sehen ist.

**Rn. 116**

7(1

**Rn. 117**

- 7 -

**Rn. 118**

Nach alledem war die Klage abzuweisen.

**Rn. 119**

Die Kostenentscheidung folgt aus § 91 ZPO.

**Rn. 120**

Die Entscheidungen zur vorläufigen Vollstreckbarkeit

**Rn. 121**

folgen aus §§ 7o8 Nr. 11? 711; 1o8 ZPO.

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Zitiervorschlag: Landgericht Düsseldorf, Urteil vom 10.04.1991 – 2 O 231/90, ECLI:DE:LGD:1991:0410.2O231.90.00

Quelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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Nicht-amtliche Fassung — maßgeblich ist die Ausfertigung des Gerichts

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