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# Landgericht Dortmund, Urteil vom 14.10.2011 – 21 O 445/05

ECLI:DE:LGDO:2011:1014.21O445.05.00

## Tenor

Die Beklagte wird verurteilt, an. den Kläger 672,80 € (i. W.

sechshundertzweiundsiebzig 80/100 Euro) nebst Zinsen in

Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit

dem 18.10.2005 zu zahlen.

Die Beklagte wird verurteilt, an den Kläger als Schmer-

zensgeld einen weiteren Betrag von 2.500,00 €. (i. W.

zweitausendfünfhundert Euro) zu zahlen.

Die weitergehende Klage wird abgewiesen.

Von den Kosten des Rechtsstreits tragen der Kläger ¾ %

und die Beklagte 1/4 %.

Das Urteil ist gegen Sicherheitsleistung in Höhe von

110 % des jeweils beizutreibenden Betrages vorläufig

vollstreckbar.

**Rn. 1**

T a t b e s t a n d

**Rn. 2**

Am 25.09.2002 kam es in E auf dem I-wall zu einem Ver-

**Rn. 3**

kehrsunfall, an dem der Kläger mit seinem Fahrzeug BMW, amtliches

**Rn. 4**

Kennzeichen ##-## ###, und Herr M als Fahrer des bei der Beklagten

**Rn. 5**

seinerzeit haftpflichtversicherten Fahrzeuges, eines Transporters

**Rn. 6**

mit dem amtlichen Kennzeichen ##-## ###, beteiligt waren.

**Rn. 7**

In der Unfallsituation fuhr der Unfallgegner auf das Fahrzeug des Klägers

**Rn. 8**

auf, als dieser anhalten musste, weil die Lichtzeichenanlage rot

**Rn. 9**

zeigte.

**Rn. 10**

Bei diesem Sachverhalt ist zwischen den Parteien nicht streitig, dass

**Rn. 11**

die Beklagte dem Kläger den gesamten unfallbedingten Schaden ausgleichen

**Rn. 12**

muss.

**Rn. 13**

Bei der Erstversorgung in der unfallchirurgischen Klinik des Klinikzentrums

**Rn. 14**

Nord. wurde eine HWS-Distorsion diagnostiziert und dem Kläger

**Rn. 15**

Arbeitsunfähigkeit bis einschließlich 04.10.2002 bescheinigt.

**Rn. 16**

Der Kläger, der danach seine Arbeit wieder aufnahm, litt auch in der

**Rn. 17**

Folgezeit an Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule und im Nacken

**Rn. 18**

und befindet sich seit dem Unfallgeschehen in fortdauernder ärztlicher

**Rn. 19**

und krankengymnastischer Behandlung.

**Rn. 20**

Der Kläger ist privatkrankenversichert und reichte in der Folgezeit die

**Rn. 21**

entsprechenden Rechnungen bei der Beklagten ein. Die Beklagte trug

**Rn. 22**

die Heilbehandlungskosten, wie sie in den Rechnungen bis hinein in

**Rn. 23**

den September 2003 angefallen waren.

**Rn. 24**

Der Kläger verlangt nun die Erstattung von Heilbehandlungskosten

**Rn. 25**

auch für den nachfolgenden Zeitraum. Es handelt sich um Behandlungen

**Rn. 26**

bei C, im Katholischen Krankenhaus E

**Rn. 27**

(Physiotherapie); ferner bei F und durch M

**Rn. 28**

Der Kläger hat die entsprechenden Kostenbelege als Anlage des

**Rn. 29**

Schriftsatzes vom 29.03.2006 vorgelegt (im Rahmen des "Anlagenkonvoluts

**Rn. 30**

1" die Rechnungen von C und des Katholischen

**Rn. 31**

Krankenhauses E, BI. 45 bis 73 der Akten, die Rechnungen

**Rn. 32**

von F vom 15.08.2005 und 22.08.2005 als weitere Anlagen,

**Rn. 33**

BI. 74 bis 76 der Akten, und die Rechnung von M vom

**Rn. 34**

13.09.2005 als weitere Anlage, BI. 77 d. A.).

**Rn. 35**

Die Belege über diese Heilbehandlungen belaufen sich auf insgesamt

**Rn. 36**

5.223,84 €.

**Rn. 37**

Ferner verlangt der Kläger einen Betrag von 122,40 € mit der Begründung,

**Rn. 38**

für die Fahrten zu den vorgenannten Behandlungen habe er insgesamt

**Rn. 39**

612 km zurücklegen müssen, woraus sich bei einer Pauschale

**Rn. 40**

von 0,20 €/km der vorgenannte Betrag ergebe.

**Rn. 41**

Der Kläger leidet nach seiner Behauptung bis heute an erheblichen

**Rn. 42**

Kopf-, Schulter- und Nackenbeschwerden.

**Rn. 43**

Er behauptet, dies beruhe auf dem Unfallgeschehen.

**Rn. 44**

Der Kläger behauptet, er leide unter erheblichen Schlafstörungen, Konzentrationsmängeln und Fokussierungsproblemen. Auch dies sei Unfallfolge.

**Rn. 45**

Der Unfall sei im Übrigen auch ursächlich dafür, dass er psychisch erkrankt

**Rn. 46**

sei.

**Rn. 47**

All dies muss nach Meinung des Klägers bei dem Schmerzensgeld berücksichtigt

**Rn. 48**

werden.

**Rn. 49**

Das von der Beklagten bisher - unstreitig - in Höhe von 1.000,00 € gezahlte

**Rn. 50**

Schmerzensgeld sei nicht ausreichend.

**Rn. 51**

Die in der Klageschrift vom 23.09.2005 genannte Mindestvorstellung

**Rn. 52**

eines Schmerzensgeldes von weiteren 2.000,00 € hat der Kläger im

**Rn. 53**

Laufe des Rechtsstreits nichtausdrücklich weitergehend beziffert.

**Rn. 54**

Der Kläger beantragt,

**Rn. 55**

1.

**Rn. 56**

die Beklagte zu verurteilen, an ihn 5.346,24 € nebst 5 %.

**Rn. 57**

Zinsen über dem Basiszinssatz seit dem 18.10.2005 zu

**Rn. 58**

zahlen,

**Rn. 59**

2.

**Rn. 60**

die Beklagte zu verurteilen, an ihn ein angemessenes

**Rn. 61**

Schmerzensgeld zu zahlen, dessen Höhe in das Ermessen

**Rn. 62**

des erkennenden Gerichts gestellt werde,

**Rn. 63**

3.

**Rn. 64**

festzustellen, dass die Beklagte verpflichtet ist, ihm sämtliche

**Rn. 65**

materiellen und immateriellen Schäden zu ersetzen,

**Rn. 66**

die ihm aus dem Verkehrsunfall vom 25.09.2002 in E/I-wall noch entstehen werden, soweit diese Ansprüche nicht auf einen Sozialversicherungsträger oder

**Rn. 67**

Dritte übergegangen sind.

**Rn. 68**

Die Beklagte beantragt,

**Rn. 69**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 70**

Sie bestreitet, dass die unfallbedingten Beschwerden so gravierend

**Rn. 71**

waren, wieder Kläger es behauptet.

**Rn. 72**

Sie bestreitet, dass der Kläger unter Konzentrationsschwächen, Wahr-nehmungsstörungen oder einer psychischen Erkrankung leidet.

**Rn. 73**

Sie bestreitet insbesondere, dass derartige gesundheitliche Beeinträchtigungen

**Rn. 74**

Folge des Unfallgeschehens seien.

**Rn. 75**

Sie verweistaufvorgerichtlich eingeholte Gutachten von N

**Rn. 76**

vom 02.10.2003 und M2 vom 09.02.2004, die sie als An-

**Rn. 77**

lage ihres Schriftsatzes vom 16.11.2005 vorgelegt hat (BI. 17 f d. A.

**Rn. 78**

bzw. 22 f. d. A.) und die eine Ursächlichkeit des Unfallgeschehens für

**Rn. 79**

die beklagten Beschwerden im Hals-, Schulter- und Nackenbereich

**Rn. 80**

nicht festgestellt hatten.

**Rn. 81**

Dementsprechend, so meint die Beklagte, sei der als Schmerzensgeld

**Rn. 82**

gezahlte Betrag von 1.000,00 € ausreichend.

**Rn. 83**

Zukünftige unfallbedingte Schäden seien ausgeschlossen.

**Rn. 84**

Wegen des weiteren Vorbringens der Parteien wird auf die gewechsel-

**Rn. 85**

ten Schriftsätze und deren Anlagen ergänzend Bezug genommen.

**Rn. 86**

Das Gericht hat den Kläger persönlich angehört und Beweis erhoben

**Rn. 87**

durch die Einholung von Sachverständigengutachten, die durch die

**Rn. 88**

Sachverständigen T, T2 und

**Rn. 89**

M3 erstattet worden sind.

**Rn. 90**

Wegen des Ergebnisses der Beweisaufnahme durch das Gutachten

**Rn. 91**

T wird auf das Protokoll des Termins vom

**Rn. 92**

13.10.2008 sowie auf die schriftlichen Anlagen verwiesen, die der

**Rn. 93**

Sachverständige T vorgelegt und anhand derer er

**Rn. 94**

sein mündliches Gutachten erstattet hat.

**Rn. 95**

Wegen des Ergebnisses des Sachverständigengutachtens

**Rn. 96**

T2 wird auf dessen schriftliches Gutachten vom 20.06.2009

**Rn. 97**

Bezug genommen sowie auf das Protokoll des Termins vom

**Rn. 98**

13.11.2009, in dem der Sachverständige T2 sein Gutachten

**Rn. 99**

mündlich erläutert hat.

**Rn. 100**

Wegen des Ergebnisses des Sachverständigengutachtens

**Rn. 101**

M3 wird auf dessen schriftliches Gutachten vom 14.09.2010

**Rn. 102**

verwiesen.

**Rn. 103**

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e

**Rn. 104**

Die Klage ist teilweise begründet.

**Rn. 105**

Die Beweisaufnahme durch das Gutachten T2 vermittelt

**Rn. 106**

dem Gericht die Überzeugung, dass der Kläger eine Halswirbelsäulenzerrung

**Rn. 107**

erlitten hat, die auf dem Hintergrund dessen, dass er insoweit

**Rn. 108**

gesundheitlich ohnehin vorbelastet war, zu einem deutlich verzögerten

**Rn. 109**

Heilungsverlauf geführt haben.

**Rn. 110**

Der Sachverständige T2 konnte sich dabei insbesondere

**Rn. 111**

auch, was die Intensität des Unfallgeschehens und die dabei für den

**Rn. 112**

Kläger aufgetretene biomechanische Belastung angeht, auf die Ergebnisse

**Rn. 113**

des Sachverständigengutachtens von T beziehen.

**Rn. 114**

Dieser hatte festgestellt, dass auf den Kläger eine Geschwindigkeitsänderung

**Rn. 115**

im Bereich von 13,1 km/h bis hin zu 15,1 km/h bei

**Rn. 116**

dem Unfall eingewirkt hatte. Die entsprechenden Feststellungen sind

**Rn. 117**

von T aus einer Analyse der bei dem Unfall eingetretenen

**Rn. 118**

Fahrzeugbeschädigungen überzeugend hergeleitet worden.

**Rn. 119**

Damit war ein Belastungsniveau erreicht, das ohnehin auch bei durchschnittlichen

**Rn. 120**

Verhältnissen der betroffenen Person kritisch ist. Dies ist

**Rn. 121**

dem Gericht aus zahlreichen Verfahren bekannt und von dem Sachverständigen

**Rn. 122**

T im Rahmen seiner Anlage A 25 noch

**Rn. 123**

einmal dargestellt worden.

**Rn. 124**

In Kenntnis dieses Ausmaßes der Belastung hat der Sachverständige

**Rn. 125**

T2 dann die Überzeugung gewonnen, bei dem Kläger sei

**Rn. 126**

es zu einer Halswirbelsäulenzerrung gekommen. Der Heilungsverlauf

**Rn. 127**

dieser Verletzung war, wie der Sachverständige T2 über-

**Rn. 128**

zeugend ausgeführt hat, erheblich verzögert, und zwar auf dem Hintergrund,

**Rn. 129**

dass die Halswirbelsäule des Klägers bereits deutlich degenerativ

**Rn. 130**

vorgeschädigt war und die Wirbelsäule insgesamt durch eine Skolio-

**Rn. 131**

se verkrümmt ist.

**Rn. 132**

In Auseinandersetzung mit den vorgerichtlich eingeholten Gutachten,

**Rn. 133**

die der Sachverständige kritisch gewürdigt hat, ist er zu der Einschätzung

**Rn. 134**

gekommen, dass sich der Heilungsverlauf bis zu einem Jahr ver-

**Rn. 135**

zögert hat. Einen solchen Zeitraum hat er, wie insbesondere die mündliche

**Rn. 136**

Anhörung ergeben hat, für am wahrscheinlichsten angesehen.

**Rn. 137**

Das Gericht geht von einem solchen Heilungsverlauf aus. Da hier eine

**Rn. 138**

Verletzung positiv festgestellt worden ist, kommt es, was die darauf beruhenden

**Rn. 139**

Beeinträchtigungen angeht, gemäß § 287 ZPO nur auf eine

**Rn. 140**

überwiegende Wahrscheinlichkeit an.

**Rn. 141**

Andererseits hat der Sachverständige T2 es ausgeschlossen,

**Rn. 142**

dass die jetzt noch bei dem Kläger vorliegenden Beschwerden orthopädischer

**Rn. 143**

Art eine Folge des Unfalles sind. Die von dem Kläger geschilderten

**Rn. 144**

Beschwerden bestehen zwar. Der Sachverständige

**Rn. 145**

T2 ist auf dem Hintergrund der von ihm erhobenen Befun-

**Rn. 146**

de und insbesondere der auch aus den entsprechenden Bildern ersichtlichen

**Rn. 147**

Verschleißzuständen beim Kläger davon ausgegangen, dass

**Rn. 148**

seine Schilderungen über sein derzeitiges Befinden zutreffend sind.

**Rn. 149**

Allerdings hat der Sachverständige T2 eindeutig feststellen

**Rn. 150**

können, dass sich schon auf Bildern, die bereits kurz nach dem Unfall

**Rn. 151**

entstanden waren, deutliche Veränderungen zeigten, die nicht in so

**Rn. 152**

kurzer Zeit entstanden sein konnten, sondern Ausdruck einer vorbestehenden

**Rn. 153**

Erkrankung waren.

**Rn. 154**

Der Sachverständige T2 hat ferner klargestellt, dass die

**Rn. 155**

weiteren Beschwerden des Klägers, nämlich Schlafstörungen, Fokus-

**Rn. 156**

sierungsprobleme und Konzentrationsprobleme mit der erlittenen HWS-

**Rn. 157**

Zerrung nichts zu tun haben.

**Rn. 158**

In dem weiteren Gutachten durch M3 ist zur Überzeugung

**Rn. 159**

des Gerichts festgestellt worden, dass bei dem Kläger eine vergleichsweise

**Rn. 160**

leichte, aber stark chronifizierte depressive Erkrankung gegeben

**Rn. 161**

ist und die psychische Disposition des Klägers die Schmerz- und Be-

**Rn. 162**

einträchtigungswahrnehmung der degenerativen Halswirbelsäulenkrankheit

**Rn. 163**

verstärkt und chronifiziert.

**Rn. 164**

Der Sachverständige M3 hat in sorgfältiger Exploration des

**Rn. 165**

Klägers sich mit der Frage auseinandergesetzt, ob die depressive Erkrankung

**Rn. 166**

zu dem Unfallgeschehen in einem kausalen Zusammenhang steht.

**Rn. 167**

Dabei hat der Sachverständige festgestellt, dass die Einschränkungen

**Rn. 168**

der psychischen Gesundheit des Klägers zumindest zum Teil nicht vorlägen,

**Rn. 169**

wenn der Unfall vom 25.09.2002 nicht stattgefunden hätte.

**Rn. 170**

Allerdings ist die psychische Erkrankung nicht eine unmittelbare Folge

**Rn. 171**

des Unfallgeschehens und auch nicht Ergebnis einer Fehlverarbeitung

**Rn. 172**

des Unfallgeschehens, sondern, wie der Sachverständige M3

**Rn. 173**

ausgeführt hat, Folgereaktion darauf, wie die Beklagte im Rahmen der

**Rn. 174**

Regulierung agiert hat. Auch im Rahmen der zweiten psychosomatischen

**Rn. 175**

Störung, die der Kläger jetzt aufweist, sind die schmerzverstärkenden

**Rn. 176**

und - chronifizierenden Faktoren vor allem aus der Tatsache

**Rn. 177**

der Auseinandersetzung mit der Beklagten zu verstehen.

**Rn. 178**

Zwar ist demnach der Unfall eine Vorbedingung, ohne die die psychische

**Rn. 179**

Gesundheit des Klägers nicht in der Weise beeinträchtigt wäre,

**Rn. 180**

wie dies nun der Fall ist. Für die Bemessung des Schmerzensgeldes

**Rn. 181**

allerdings kann dies keine Berücksichtigung finden.

**Rn. 182**

Denn ein eingetretener und auf der deliktischen Handlung beruhender

**Rn. 183**

Schaden muss, um erstattungsfähig zu sein, der schädigenden Handlung

**Rn. 184**

auch zuzurechnen sein und vom Schutzzweck der verletzten Norm

**Rn. 185**

umfasst sein.

**Rn. 186**

An einem haftungsrechtlichen Zusammenhang in diesem Sinne fehlt es,

**Rn. 187**

wenn der weitere Schaden allein an das Verhalten des Haftpflichtigen

**Rn. 188**

anknüpft, das dieser nach dem eigentlichen Verletzungsgeschehen

**Rn. 189**

zeigt. Dies gilt jedenfalls dann, wenn dieses weitere Verhalten objektiv

**Rn. 190**

im Rahmen dessen bleibt, womit ein Geschädigter im Zuge der Regulierung

**Rn. 191**

von Deliktsfolgen rechnen muss und was er ohne Anspruch auf

**Rn. 192**

"weiteren" Schadensersatz hinzunehmen hat (vgl. BGH, VersR1989,

**Rn. 193**

923).

**Rn. 194**

Für die Entwicklung der psychischen Erkrankung des Klägers war, wie

**Rn. 195**

der Sachverständige M3 festgestellt hat, in hohem Maße der

**Rn. 196**

Umstand, dass die Beklagte nicht "freiwillig" mehr als tatsächlich geschehen

**Rn. 197**

geleistet hat, ursächlich. Deshalb ist die psychische Erkrankung

**Rn. 198**

zwar kausal auf den Unfall zurückzuführen, schadensrechtlich

**Rn. 199**

aber nicht zurechenbar.

**Rn. 200**

Die Beklagte hat ihre Haftung dem Grunde nach von Anfang an nicht in

**Rn. 201**

Zweifel gestellt und hat auch über einen erheblichen Zeitraum hinweg

**Rn. 202**

die Heilbehandlungskosten des Klägers getragen. Bei einer HWS-Verletzung,

**Rn. 203**

bei der eine Arbeitsunfähigkeit von nicht einmal zwei Wochen

**Rn. 204**

attestiert wird, ist mit der Zahlung eines Schmerzensgeldes von

**Rn. 205**

1.000,00 € in einem nicht von vornherein völlig unzumutbaren Umfang

**Rn. 206**

reguliert worden.

**Rn. 207**

Insbesondere auch auf dem Hintergrund der vorgerichtlich eingeholten

**Rn. 208**

medizinischen Gutachten bestand hinreichende Veranlassung für die

**Rn. 209**

Beklagte, davon ausgehen zu dürfen, die berechtigten Ansprüche des

**Rn. 210**

Klägers seien damit ausgeglichen.

**Rn. 211**

Auch die Beweisaufnahme dazu im vorliegenden Verfahren hat dies im

**Rn. 212**

Grundsatz bestätigt. Die auf orthopädischem Fachgebiet liegenden Beschwerden

**Rn. 213**

des Klägers sind demnach lediglich im Zeitraum des ersten

**Rn. 214**

Jahres nachdem Unfall noch auf den Unfall zurückzuführen. In etwa für

**Rn. 215**

einen solchen Zeitraum hatte die Beklagte die entstandenen Heilbehandlungskosten

**Rn. 216**

auch tatsächlich erstattet.

**Rn. 217**

Es liegt außerhalb des Zurechnungszusammenhanges, dass der Klä-

**Rn. 218**

ger, wie der Sachverständige M3 festgestellt hat, aufgrund

**Rn. 219**

seiner Einstellung gegenüber dem Regulierungsverhalten der Beklagten

**Rn. 220**

und der gerichtlichen Auseinandersetzung im Rahmen dieses Verfahrens

**Rn. 221**

in nicht ganz unerheblicher Weise in seiner psychischen Gesundheit

**Rn. 222**

gelitten hat.

**Rn. 223**

Nach alledem kann für die Bemessung des Schmerzensgeldes allein

**Rn. 224**

Berücksichtigung finden, dass der Kläger in dem Zeitraum des ersten

**Rn. 225**

Jahres nach dem Unfallgeschehen deutliche Schmerzempfindungen

**Rn. 226**

und Probleme im Bereich der Halswirbelsäule, des Nackens und der

**Rn. 227**

Schultern verspürt hat.

**Rn. 228**

Das Gericht geht aufgrund des persönlichen Eindrucks, den es im

**Rn. 229**

Rahmen der persönlichen Anhörung des Klägers gewonnen hat und in

**Rn. 230**

Übereinstimmung mit der Einschätzung des Sachverständigen, dem die

**Rn. 231**

geschilderten Beschwerden plausibel erschienen sind, davon aus, dass

**Rn. 232**

diese Beschwerden durchaus von erheblichem Gewicht waren.

**Rn. 233**

Der Umstand allerdings, dass der Umfang dieser Beschwerden, wie der

**Rn. 234**

Sachverständige T2 ausgeführt hat, auch wegen der vor-

**Rn. 235**

bestehenden HWS-Verschleißerkrankung des Klägers und der vorbestehendem

**Rn. 236**

Skoliose so erheblich war und ohne solche Vorbelastungen

**Rn. 237**

an sich in einem überschaubaren Zeitraum folgenlos verheilt wäre, bedeutet,

**Rn. 238**

dass das Schmerzensgeld der Höhe nach tendenziell eher in

**Rn. 239**

geringerem Umfang festzusetzen ist, als es dem Ausmaß der empfundenen

**Rn. 240**

Beeinträchtigungen an sich entspräche.

**Rn. 241**

Unter Berücksichtigung aller Umstände sieht das Gericht deshalb einen

**Rn. 242**

Schmerzensgeldbetrag von insgesamt 3.500,00 € als angemessen und

**Rn. 243**

ausreichend an, so dass dem Kläger nur noch ein weiterer Betrag von

**Rn. 244**

2.500,00 € zuzusprechen war.

**Rn. 245**

Die Ansprüche wegen entstandener Heilbehandlungskosten sind lediglich

**Rn. 246**

im Umfang von 642,80 € zu erstatten.

**Rn. 247**

Alle Behandlungen nämlich, die später als ein Jahr nach dem Unfall

**Rn. 248**

stattgefunden hatten, waren nach dem Ergebnis des Sachverständigengutachtens

**Rn. 249**

T2 nicht mehr dem Unfall kausal zuzuschreiben.

**Rn. 250**

Daher konnten nur die folgenden Positionen Berücksichtigung finden:

**Rn. 251**

• Rechnung des Katholischen Krankenhauses E

**Rn. 252**

vom 14.10.2003, betreffend Behandlungen vom 22.08.2003 und

**Rn. 253**

28.08.2003 mit einem Betrag von 39,00 €,

**Rn. 254**

• die Rechnung des Katholischen Krankenhauses E

**Rn. 255**

vom 12.09.2003 (BI. 70/71 d. A) betreffend Behandlungen vom

**Rn. 256**

15.03.2003 bis zum 28.08.2003, in einer Gesamtrechnungshöhe.

**Rn. 257**

von 541,20 € sowie

**Rn. 258**

• ein Teilbetrag in Höhe von 62,60 € aus der Rechnung des Katholischen

**Rn. 259**

Krankenhauses E vom 23.03.2004, soweit

**Rn. 260**

darin nämlich Behandlungen am 05.09.2003 und 18.09.2003 abgerechnet

**Rn. 261**

sind.

**Rn. 262**

Soweit der Kläger eine Schadensersatzforderung wegen angefallener

**Rn. 263**

Kosten für die Wege zur entsprechenden Behandlung geltend gemacht

**Rn. 264**

hat, können nur die Fahrten an den Tagen Berücksichtigung finden, an

**Rn. 265**

denen die Behandlung sich noch auf die Unfallfolgen bezog.

**Rn. 266**

Wie vorstehend ausgeführt, handelt es sich insoweit lediglich um einen

**Rn. 267**

Teil der Fahrten zum Katholischen Krankenhaus E, Das

**Rn. 268**

Gericht hat den damit verbundenen Kostenaufwand auf 30,00 € geschätzt.

**Rn. 269**

Damit sind 50 Behandlungstermine abgedeckt.

**Rn. 270**

Der Feststellungsantrag ist unbegründet, weil nach den Gutachten des

**Rn. 271**

Sachverständigen T2 feststeht, dass die Beschwerden,

**Rn. 272**

unter denen der Kläger jetzt noch leidet, nicht mehr auf dem Unfall beruhen

**Rn. 273**

und die Entwicklung des gesundheitlichen Befindens des Klägers

**Rn. 274**

in orthopädischer Hinsicht insgesamt in das eingemündet ist, wie es

**Rn. 275**

auch ohne das Unfallgeschehen der Fall wäre.

**Rn. 276**

Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit des Klägers sind dem

**Rn. 277**

Unfallgeschehen nicht zuzurechnen, sodass insgesamt ausgeschlossen

**Rn. 278**

ist, dass dem Kläger aus dem Unfallgeschehen in Zukunft noch

**Rn. 279**

materielle oder immaterielle Schäden entstehen könnten.

**Rn. 280**

Die Nebenentscheidungen beruhen auf §§ 92, 709 ZPO.

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Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Urteil vom 14.10.2011 – 21 O 445/05, ECLI:DE:LGDO:2011:1014.21O445.05.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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