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# Landgericht Dortmund, Urteil vom 11.05.2007 – 3 O 109/07

ECLI:DE:LGDO:2007:0511.3O109.07.00

## Tenor

Die Klage wird abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits trägt der Kläger nach einem Streitwert

in Höhe von 10.482,07 €.

Das Urteil ist gegen Sicherheitsleistung in Höhe von 120 % des je-

weils beizutreibenden Betrages vorläufig vollstreckbar.

**Rn. 1**

T a t b e s t a n d

**Rn. 2**

Unter dem 03.11.1997 unterschrieben der Kläger und Frau S ei-

**Rn. 3**

nen formularmäßigen "Auftrag und Vollmachten sowie Angebot zum Ab-

**Rn. 4**

schluss eines Treuhandvertrages T GbR", der ihren

**Rn. 5**

wirtschaftlichen Beitritt durch die O Treuhand und Steuerbe-

**Rn. 6**

ratungsgesellschaft (im Folgenden Treuhänderin) an der vorgenannten

**Rn. 7**

Fondgesellschaft mit einer Anteilssumme in Höhe von 30.000,00 DM plus

**Rn. 8**

5 % Agio = 31.500,00 DM zum Gegenstand hatte (Einzelheiten Anlage

**Rn. 9**

K2). Grundlage war der Prospekt (Einzelheiten Anlage Kl), der dem Klä-

**Rn. 10**

ger und Frau S übergeben worden war.

**Rn. 11**

Unter dem 03.11.1997/27.11.1997 schlossen der Kläger und Frau

**Rn. 12**

S einerseits und die Raiffeisenbank H eG einen schriftli-

**Rn. 13**

chen Darlehensvertrag mit folgenden Konditionen (Einzelheiten Anlage

**Rn. 14**

K3):

**Rn. 15**

1. Höhe des Darlehens: 35.000,00 DM

**Rn. 16**

2. Verwendungszweck: Finanzierung von Beteiligungen an dem Wohn-

**Rn. 17**

baufond T GbR

**Rn. 18**

3.1. Verzinsung: 5, 25 % festgeschrieben bis 04.11.2002

**Rn. 19**

3.2. Auszahlung: 90 % auf das Konto der Treuhänderin

**Rn. 20**

4.3. Darlehensrückzahlung in Höhe von 2 % jährlich vom ursprünglichen

**Rn. 21**

Darlehensbetrag zuzüglich ersparter Zinsen, Leistungsrate aus Zins

**Rn. 22**

und Tilgung 212,00 DM

**Rn. 23**

5. Effektiver Jahreszins: 8, 24 %

**Rn. 24**

7. Sicherheiten: Abtretung der Forderung an den Wohnbaufond T

**Rn. 25**

GbR in Höhe der Kapitalanlage.

**Rn. 26**

Information über das Recht zum Widerruf: "Im Falle des Widerrufs des

**Rn. 27**

Darlehensvertrages kommt auch der Beitritt in die Fondgesellschaft

**Rn. 28**

T GbR nicht wirksam zustande." Im unteren Teil

**Rn. 29**

der Widerrufsbelehrung befindet sich der Name und die vollständige

**Rn. 30**

Anschrift der Raiffeisenbank H.

**Rn. 31**

Die Raiffeisenbank H zahlte den Nettokreditbetrag an die Treu-

**Rn. 32**

händerin aus. Die Beklagte ist die Rechtsnachfolgerin der Raiffeisenbank

**Rn. 33**

H. Mit Anwaltschreiben vom 01.09.2006 erklärten der Kläger und

**Rn. 34**

Frau S den Widerruf und die Anfechtung des Darlehensvertrages

**Rn. 35**

und des Fondbeitritts. Mit der vorliegenden Klage begehrt der Kläger die

**Rn. 36**

Rückzahlung seiner streitigen Leistungen an die Beklagte und deren

**Rn. 37**

Rechtsvorgängerin in Höhe von 10.482,07 €.

**Rn. 38**

Der Kläger behauptet, Frau S habe ihm ihre Ansprüche abgetre-

**Rn. 39**

ten. M habe sie angerufen und anschließend unvermittelt in

**Rn. 40**

ihrer Privatwohnung aufgesucht. Er habe die Beteiligung an der Fondge-

**Rn. 41**

sellschaft als Selbstläufer und sicheres, risikoloses Geschäft dargestellt

**Rn. 42**

und die Finanzierung der Beitrittssumme vermittelt. M habe dem Klä-

**Rn. 43**

ger und Frau S den Zeichnungsschein und den Darlehensvertrag

**Rn. 44**

in ihrer Privatwohnung zur Unterschrift vorgelegt.

**Rn. 45**

Der Kläger meint zudem, der Treuhandvertrag sei unwirksam, und be-

**Rn. 46**

hauptet, die Treuhänderin habe keine Erlaubnis zur Rechtsberatung ge-

**Rn. 47**

habt. Fondbeitritt und Darlehensvertrag seien verbundene Geschäfte.

**Rn. 48**

Der Kläger beantragt,

**Rn. 49**

die Beklagte zu verurteilen, an ihn 10.482,07 € nebst Zinsen in Hö-

**Rn. 50**

he von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit dem

**Rn. 51**

23.09.2006 zu zahlen, Zug um Zug gegen Übertragung der Rechte

**Rn. 52**

an der Wohnbaufond T GbR,

**Rn. 53**

die Beklagte weiter zu verurteilen, an ihn 474,51 € vorgerichtliche

**Rn. 54**

Kosten gemäß Vorbemerkung 3 (4) WRVG zu zahlen.

**Rn. 55**

Die Beklagte beantragt,

**Rn. 56**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 57**

Sie beruft sich auf die Einrede der Verjährung und bestreitet die Haustürsi-

**Rn. 58**

tuation.

**Rn. 59**

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e

**Rn. 60**

Die Klage ist nach dem eigenen Vortrag des Kläger nicht begründet.

**Rn. 61**

Der Kläger hat keinen Rückgewähranspruch gemäß § 3 HWiG, denn der

**Rn. 62**

Kläger hat seine auf Abschluss des Darlehensvertrages gerichtete Wil-

**Rn. 63**

lenserklärung nicht innerhalb der Widerrufsfrist widerrufen. Die Widerrufs-

**Rn. 64**

frist beträgt eine Woche und beginnt nach § 2 Abs. 1 Satz 2 HWiG, wenn

**Rn. 65**

die andere Vertragspartei dem Kunden eine drucktechnisch deutlich ges-

**Rn. 66**

taltete schriftliche Belehrung über sein Recht zum Widerruf, die Fristwah-

**Rn. 67**

rung sowie Namen und Anschrift des Widerrufsempfängers ausgehändigt

**Rn. 68**

hat. Die Belehrung darf nach § 2 Abs. 1 Satz 3 HWiG keine andere Erklä-

**Rn. 69**

rung enthalten und ist zu unterschreiben.

**Rn. 70**

Die vom Kläger und Frau S am 03.11.1997 unterschriebene "In-

**Rn. 71**

formation über das Recht zum Widerruf" erfüllt die Anforderung des § 2

**Rn. 72**

Abs. 1 Satz 2 HWiG und verstößt nicht gegen § 2 Abs. 1 Satz 3 HWiG. Die

**Rn. 73**

Erklärung ist drucktechnisch deutlich hervorgerufen und lautet wie folgt:

**Rn. 74**

"Als Darlehensnehmer steht mir/uns das gesetzliche Recht zum

**Rn. 75**

Widerruf zu. Danach ist die auf den Abschluss dieses Darlehens-

**Rn. 76**

vertrages gerichtete Willenserklärung erst wirksam, wenn sie nicht

**Rn. 77**

binnen einer Frist von einer Woche schriftlich widerrufen wird. Zur

**Rn. 78**

Wahrung der Frist genügt die rechtzeitige Absendung des Wider-

**Rn. 79**

rufs. Der Lauf der Frist beginnt mit der Aushändigung der Durch-

**Rn. 80**

schrift dieser Information über das Recht zum Widerruf. Im Falle

**Rn. 81**

des Widerrufes des Darlehensvertrages kommt auch der Beitritt in

**Rn. 82**

die Fondgesellschaft T GbR nicht wirksam zustande."

**Rn. 83**

Der Name und die Anschrift des Widerrufsempfängers, nämlich der

**Rn. 84**

Raiffeisenbank H eG ist vollständig angegeben.

**Rn. 85**

Der Zusatz "im Falle des Widerrufes des Darlehensvertrages kommt auch

**Rn. 86**

der Beitritt in die Fondgesellschaft... nicht wirksam zustande" verstößt

**Rn. 87**

nicht gegen § 2 Abs. 1 Satz 3 HWiG. Es handelt sich zwar um eine andere

**Rn. 88**

Erklärung. Die Belehrung ist aber bei verbundenen Geschäften nach § 9

**Rn. 89**

Abs. 2 Satz 2 Verbraucherkreditgesetz vorgeschrieben. Im vorliegenden

**Rn. 90**

Fall handelt es sich nach dem Vortrag des Klägers um ein verbundenes

**Rn. 91**

Geschäft. Bei dieser Fallkonstellation (Haustürgeschäft und verbundenes

**Rn. 92**

Geschäft nach § 9 Verbraucherkreditgesetz) ist daher eine teleologische

**Rn. 93**

Reduktion des § 2 Abs. 1 Satz 3 HWiG dahin geboten, dass der oben ge-

**Rn. 94**

nannte Zusatz der Widerrufsbelehrung enthalten sein darf (BGH XI ZR

**Rn. 95**

93/04 Seite 11 Randnummer 16, OLG Stuttgart, WM 2005, 972, OLG

**Rn. 96**

Bremen Urteil vom 11.05.2006 2 0 8/06, Blatt 42 ff. der Akten), (anderer

**Rn. 97**

Ansicht BGH II ZR 385/02, OLG Hamm 31 W 69/05). Beide Vorschriften,

**Rn. 98**

nämlich § 2 HWiG und § 9 Abs. 2 Verbraucherkreditgesetz bezwecken

**Rn. 99**

den Schutz des Verbrauchers. Dieser Schutz erfordert eine möglichst um-

**Rn. 100**

fassende, unmissverständliche und aus dem Verständnis des Verbrau-

**Rn. 101**

chers eindeutige Belehrung. Der Verbraucher soll durch die Belehrung

**Rn. 102**

nicht nur von seinem Widerrufsrecht Kenntnis erlangen, sondern auch in

**Rn. 103**

die Lage versetzt werden, dies überlegt auszuüben (BGH NJW 2002,

**Rn. 104**

3396). Dies erfordert auch den Hinweis auf das Schicksal der verbunde-

**Rn. 105**

nen Verträge.

**Rn. 106**

Die Richtlinie 85/577 EWG (Haustürgeschäfte-Richtlinie) und die Ent-

**Rn. 107**

scheidung des EuGH vom 31.12.2001, C-481/99, gebieten keine andere

**Rn. 108**

Entscheidung. Art. 4 der Richtlinie regelt die schriftliche Belehrung wie

**Rn. 109**

folgt:

**Rn. 110**

"Der Gewährbetreibende hat den Verbraucher bei Geschäften im

**Rn. 111**

Sinne des Art. 1 schriftlich über sein Widerrufsrecht innerhalb der in

**Rn. 112**

Art. 5 festgelegten Fristen zu belehren und dabei den Namen und

**Rn. 113**

die Anschrift einer Peson anzugeben, der gegenüber das Wider-

**Rn. 114**

rufsrecht ausgeübt werden kann..."

**Rn. 115**

Mit Urteil vom 13.12.2001, C-481/99, hat der EuGH entschieden, dass der

**Rn. 116**

nationale Gesetzgeber gehindert ist, das Widerrufsrecht auf ein Jahr zu

**Rn. 117**

befristen, wenn der Verbraucher nicht nach Art. 4 der Richtlinie belehrt

**Rn. 118**

worden ist. Dies hat zur Folge, dass § 5 Abs. 2 HWiG richtlinienkonform

**Rn. 119**

einschränkend auszulegen ist, sodass Kreditverträge nicht zu den Ge-

**Rn. 120**

schäften zählen, die im Sinne des § 5 Abs. 2 HWiG "die Voraussetzungen

**Rn. 121**

eines Geschäftes nachdem Verbraucherkreditgesetz" erfüllen, soweit das

**Rn. 122**

Verbraucherkreditgesetz kein gleichweitreichendes Widerrufsrecht wie das

**Rn. 123**

Haustürverwiderrufsgesetz einräumt (BGH XI ZR 91/99, BGH XI ZR

**Rn. 124**

167/02). Durch § 9 Verbraucherkreditgesetz und die darin in Abs. 2 vorge-

**Rn. 125**

schriebene Belehrung wird das Widerrufsrecht in keiner Weise einge-

**Rn. 126**

schränkt. Es wird lediglich auf die Folgen des Widerrufs bei verbundenen

**Rn. 127**

Geschäften hingewiesen. Dies verbietet die Richtlinie nicht, sodass inso-

**Rn. 128**

weit auch keine richtlinienkonforme einschränkende Auslegung des § 9

**Rn. 129**

Abs. 2 Verbraucherkreditgesetz erforderlich ist. Im Gegensatz zu dem un-

**Rn. 130**

zulässigen Belehrungszusatz nach § 7 Abs. 3 Verbraucherkreditgesetz,

**Rn. 131**

der der Entscheidung des Bundesgerichtshofes XI ZR 167/02 zu Grunde

**Rn. 132**

lag, schränkt der streitgegenständliche Zusatz das Widerrufsrecht in kei-

**Rn. 133**

ner Weise ein.

**Rn. 134**

Festzuhalten bleibt damit, dass die Widerrufsfrist im November 1997 ablief

**Rn. 135**

und die Widerrufserklärung vom 01.09.2006 nicht innerhalb der Widerrufs-

**Rn. 136**

frist erfolgte.

**Rn. 137**

Der Kläger kann die Rückzahlung seiner streitigen Leistungen auch nicht

**Rn. 138**

aus einem anderen Rechtsgrund verlangen. Dem Kläger stehen nach sei-

**Rn. 139**

nem Vortrag weder Zahlungsansprüche gegen die Beklagte noch Einwen-

**Rn. 140**

dungen gegen den Darlehensvertrag zu.

**Rn. 141**

Dahinstehen kann, ob ihm Ansprüche gegen die Gründungsgesellschafter,

**Rn. 142**

Fondinitiatoren, maßgebliche Betreiber, Manager und Prospektherausge-

**Rn. 143**

ber zustehen, denn er kann diese Ansprüche nicht nach § 9 Abs. 3

**Rn. 144**

Verbraucherkreditgesetz dem Rückzahlungsanspruch der Bank entgegen-

**Rn. 145**

setzen (BGH Urteil vom 25.04.2006, XI ZR 106/05). Bei einem verbunde-

**Rn. 146**

nen Geschäft kann der getäuschte Anleger und Kreditnehmer im Falle ei-

**Rn. 147**

nes Vermögensschadens einen Schadensersatzanspruch aus Verschul-

**Rn. 148**

den bei Vertragsschluss gegen die kreditgebende Bank gelten machen.

**Rn. 149**

Denn diese muss sich bei einem verbundenen Geschäft das täuschend-

**Rn. 150**

Verhalten des Vermittlers zurechnen lassen, da dieser nicht Dritter im Sin-

**Rn. 151**

ne von § 123 Abs. 2 BGB ist. Zur Vermeidung eines unvertretbaren Wer-

**Rn. 152**

tungswiderspruches ist es deshalb geboten, bei einem verbundenen Ge-

**Rn. 153**

schäft der kreditgebenden Bank nicht nur die arglistige Täuschung des

**Rn. 154**

Fonds- und Kreditvermittlers über die Fondbeteiligung, sondern auch ein

**Rn. 155**

daliegendes vorsätzliches Verschulden bei Vertragsschluss zuzurechnen.

**Rn. 156**

Einen derartigen Schadensersatzanspruch gegen die Rechtsvorgängerin

**Rn. 157**

der Beklagten aus einem Verschulden bei Vertragsschluss hat der Kläger

**Rn. 158**

nicht konkret dargelegt.

**Rn. 159**

Nach der ständigen Rechtssprechung des Bundesgerichtshofes (zuletzt

**Rn. 160**

Urteil vom 13.03.2007, XI ZR 159/05, Parlandt § 280 Randnummer 58 ff.)

**Rn. 161**

ist eine kreditgebende Bank bei steuersparenden Bauherren - Bauträger-

**Rn. 162**

und Erwerbermodellen zur Risikoaufklärung über das finanzierte Geschäft

**Rn. 163**

nur unter ganz besonderen Voraussetzungen verpflichtet. Sie darf regel-

**Rn. 164**

mäßig davon ausgehen, dass die Kunden entweder über die notwendigen

**Rn. 165**

Kenntnisse oder Erfahrungen verfügen oder sich jedenfalls der Hilfe von

**Rn. 166**

Fachleuten bedient haben. Aufklärungs- und Hinweispflicht bezüglich des

**Rn. 167**

finanzierten Geschäftes könnten sich daher nur aus besonderen Umstän-

**Rn. 168**

den des konkreten Einzelfalls ergeben. Dies kann der Fall sein, wenn die

**Rn. 169**

Bank im Zusammenhang mit der Planung, der Durchführung oder dem

**Rn. 170**

Vertrieb des Projektes über ihre Rolle als Kreditgeberin hinaus geht, wenn

**Rn. 171**

sie einen zu den allgemeinen wirtschaftlichen Risiken hinzutretenden be-

**Rn. 172**

sonderen Gefährdungstatbestand für den Kunden schafft oder dessen

**Rn. 173**

Entstehung begünstigt, wenn sie sich im Zusammenhang mit Kreditge-

**Rn. 174**

währungen sowohl den Bauträger als auch den einzelnen Erwerber in

**Rn. 175**

schwerwiegende Interessenkonflikte verwickelt oder wenn sie in Bezug

**Rn. 176**

auf spezielle Risiken des Vorhabens einen konkreten Wissensvorsprung

**Rn. 177**

vor dem Darlehensnehmer hat und dies auch erkennen kann. Zu den drei

**Rn. 178**

erstgenannten Fallgruppen hat der Kläger nichts vorgetragen.

**Rn. 179**

In Fällen des institutionalisierten Zusammenwirkens der kreditgebenden

**Rn. 180**

Bank mit dem Verkäufer oder Vertreiber des finanzierten Objektes kann

**Rn. 181**

sich der Anleger zwar unter erleichterten Voraussetzungen mit Erfolg auf

**Rn. 182**

einen die Aufklärungspflicht auslösenden konkreten Wissensvorsprung

**Rn. 183**

der finanzierenden Bank im Zusammenhang mit einer arglistigen Täu-

**Rn. 184**

schung des Anlegers durch unrichtige Angaben der Vermittler, Verkäufer

**Rn. 185**

oder Fondinitiatoren bzw. des Fondprospektes über das Anlageobjekt be-

**Rn. 186**

rufen. Die Kenntnis der Bank von einer solchen arglistigen Täuschung

**Rn. 187**

wird widerleglich vermutet, wenn Verkäufer oder Fondinitiatoren die von

**Rn. 188**

ihnen beauftragten Vermittler und die finanzierende Bank in institutionali-

**Rn. 189**

sierter Art und Weise zusammenwirken, auch die Finanzierung der Kapi-

**Rn. 190**

talanlage von Verkäufer oder Vermittler, sei es auch nur über einen von

**Rn. 191**

ihm beauftragten Finanzierungsvermittler, angeboten wurde und die Un-

**Rn. 192**

richtigkeit der Angaben des Verkäufers, Fondinitiators oder der für sie täti-

**Rn. 193**

gen Vermittler bzw. des Verkaufs- oder Fondprospektes nach den Um-

**Rn. 194**

ständen des Falls objektiv evident ist, sodass sich aufdrängt, die Bank ha-

**Rn. 195**

be sich der arglistigen Täuschung geradezu verschlossen (BGH Urteil vom

**Rn. 196**

16.05.2006, XI ZR 6/04 und Urteil vom 13.03.2007, XI ZR 159/05).

**Rn. 197**

Diese Voraussetzungen liegen hier aber schon deshalb nicht vor, weil es

**Rn. 198**

an einem ausreichenden Vorbringen einer arglistigen Täuschung durch

**Rn. 199**

evident unrichtige Angabe fehlt. Hierzu ist erforderlich, dass sich die be-

**Rn. 200**

hauptete Täuschung durch Vorspiegeln oder Entstellen von Umständen

**Rn. 201**

auf objektiv nachprüfbare Angaben bezieht und nicht lediglich subjektive

**Rn. 202**

Werturteile oder marktschreierische Anpreisungen vermittelt werden. Ein

**Rn. 203**

die Aufklärungspflicht der finanzierenden Bank auslösender konkreter

**Rn. 204**

Wissensvorsprung im Zusammenhang mit einer arglistigen Täuschung

**Rn. 205**

des Anlegers setzt dementsprechende konkret, dem Beweis zugängliche

**Rn. 206**

unrichtige Angaben voraus. Daran fehlt es hier.

**Rn. 207**

Bei der von dem Kläger behaupteten Erklärung des Vermittlers M, bei

**Rn. 208**

der Beteiligung an der Fondgesellschaft handele es sich um ein risikolo-

**Rn. 209**

ses und sicheres Geschäft (Selbstläufer), handelt es sich erkennbar nicht

**Rn. 210**

um konkrete nachprüfbare Tatsachen, sondern um reklamehafte Anprei-

**Rn. 211**

sungen (ebenso OLG Hamm 5 0140/04).

**Rn. 212**

Zudem kann angesichts der allgemein gehaltenen Aussagen auch keine

**Rn. 213**

Rede davon sein, sie seien bereits damals objektiv so grob falsch gewe-

**Rn. 214**

sen, dass sich aufdrängt, die Beklagte habe sich der Kenntnis der angeb-

**Rn. 215**

lichen arglistigen Täuschung geradezu verschlossen.

**Rn. 216**

Dem Kläger stehen auch keine Bereicherungsansprüche gegen die Be-

**Rn. 217**

klagte zu. In der Regel kann der Verbraucher zwar bei einem verbunde-

**Rn. 218**

nen Geschäft gemäß § 813 Abs. 1 Satz 1 BGB im Falle der Nichtigkeit des

**Rn. 219**

finanzierten Vertrages die weiteren Zahlungen der Kreditraten verweigern

**Rn. 220**

und von dem Kreditgeber die Rückzahlung bereits geleisteter Kreditraten

**Rn. 221**

verlangen (Parlandt, § 359 Randnummer 7, OLG Dresden ZIP 2000, 180

**Rn. 222**

ff.). Dies gilt aber nicht bei einem Beitritt zu einer Fondgesellschaft. Dies

**Rn. 223**

folgt aus den Grundsätzen der fehlerhaften Gesellschaft (BGHZ 156, 46 ff.

**Rn. 224**

= 2 ZR 387/02, BGH XI ZR 106/05 Randnummer 28). Danach führt ein

**Rn. 225**

fehlerhafter Gesellschaftsbeitritt grundsätzlich nicht zur Unwirksamkeit des

**Rn. 226**

Beitritts nach allgemeinen Grundsätzen. Der Gesellschaftsbeitritt ist viel-

**Rn. 227**

mehr, wenn er in Vollzug gesetzt worden ist, zunächst wirksam. Der Ge-

**Rn. 228**

sellschafter, der sich auf den Mangel berufen will, hat das Recht, sich je-

**Rn. 229**

derzeit auf dem Wege der außerordentlichen Kündigung von seiner Betei-

**Rn. 230**

ligung für die Zukunft zu lösen. An die Stelle des ihm nach allgemeinen

**Rn. 231**

Grundsätzen zustehenden Anspruchs auf Rückzahlung der geleisteten

**Rn. 232**

Einlage tritt ein Anspruch auf das ihm nach den Grundsätzen gesell-

**Rn. 233**

schaftsrechtlicher Abwicklung zustehender Abfindungsguthaben. Dessen

**Rn. 234**

Höhe bemisst sich nach dem Wert der Beteiligung im Kündigungszeit-

**Rn. 235**

punkt, weil der Anleger, da seiner Kündigung nach den Regeln des Ge-

**Rn. 236**

sellschaftsrechts keine Rückwirkung zukommt, an den bis zu diesem Zeit-

**Rn. 237**

punkt eingetretenen Gewinnen und Verlusten der Gesellschaft im Verhält-

**Rn. 238**

nis seiner Beteiligung teilnimmt (BGHZ 156, 46 ff.). Das Kündigungsrecht

**Rn. 239**

kann dadurch ausgeübt werden, dass der Anleger der Bank den Ge-

**Rn. 240**

schäftsanteil anbietet (BGHZ 156, 46 ff.). Dies erfolgte vorliegend mit

**Rn. 241**

Schreiben vom 01.09.2006. Das Abfindungsguthaben an diesem Tag hat

**Rn. 242**

der Kläger nicht dargelegt und ist auch nicht Streitgegenstand.

**Rn. 243**

Unerheblich ist, dass der Kläger selbst nicht Gesellschafter der Fondge-

**Rn. 244**

sellschaft ist, sondern sein Anteil treuhänderisch von der O

**Rn. 245**

gehalten wird bzw. gehalten werden soll. Sie ist nach dem Inhalt des Ge-

**Rn. 246**

sellschaftsvertrages und des Zeichnungsscheins zwischen Anleger und

**Rn. 247**

die Fondgesellschaft geschaltet, um die Durchführung der Fondbeteiligung

**Rn. 248**

und insbesondere den Erwerb lediglich wirtschaftlichen Miteigentums der

**Rn. 249**

Anleger an dem Fond zu ermöglichen. Trotz dieser rechtlichen Konstrukti-

**Rn. 250**

on der Fondbeteiligung mittels Treuhandsvertrages ist wirtschaftlicher Ver-

**Rn. 251**

tragspartner der Anleger ausschließlich die Fondgesellschaft. Es ist des-

**Rn. 252**

halb sachgerecht, auf die Rechtsbeziehung zu der Fondgesellschaft abzu-

**Rn. 253**

stellen (BGH II ZR 304/00).

**Rn. 254**

Dahinstehen kann die Wirksamkeit der Vollmacht auch im Zusammenhang

**Rn. 255**

mit dem Abschluss des Darlehensvertrages, denn der Darlehensvertrag

**Rn. 256**

wurde unstreitig nicht durch die Treuhänderin, sondern durch den Kläger

**Rn. 257**

und Frau S persönlich abgeschlossen.

**Rn. 258**

Die Klage war daher mit der Kostenfolge des § 91 ZPO abzuweisen. Die

**Rn. 259**

Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit folgt aus § 709 ZPO.

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Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Urteil vom 11.05.2007 – 3 O 109/07, ECLI:DE:LGDO:2007:0511.3O109.07.00

Quelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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