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# Landgericht Dortmund, Urteil vom 02.11.2006 – 13 O 55/06

ECLI:DE:LGDO:2006:1102.13O55.06.00

## Tenor

Die Klage wird abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits werden der Klägerin auferlegt.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar gegen Sicherheitsleis-

tung in Höhe von 110 % des zu vollstreckenden Betrages.

## Tatbestand

**Rn. 2**

Die Klägerin ist Herausgeberin der X. Sie gründete

**Rn. 3**

1980 mit der N und dem Verlagskaufmann M der Gesellschafter der im bergischen

**Rn. 4**

Land tätigen B ist, die Beklagte. Geschäftszweck der Beklagten ist die Herausgabe von Anzeigenblättern und die Herausgabe und Verteilunq von Werbemitteln. Der

**Rn. 5**

Zusammenschluss wurde dem BkartA gemeldet. Das Prüfungsverfahren

**Rn. 6**

wurde ohne Untersagung abgeschlossen.

**Rn. 7**

Der Gesellschaftsvertrag der Beklagten, zu dessen genauen Wortlaut auf

**Rn. 8**

Blatt 60 bis 69 der Akten Bezug genommen wird, enthält in seinen §§ 7,9,

**Rn. 9**

10, 11 und 14 Regelungen zur Entziehung von Geschäftsanteilen, Befugnissen

**Rn. 10**

der Geschäftsführer, Zuständigkeit der Gesellschafterversammlung,

**Rn. 11**

Einberufung und Beschlussfassung der Gesellschafterversammlung

**Rn. 12**

und eine Wettbewerbsklausel. Die Regelungen haben folgenden Wortlaut:

**Rn. 13**

,,§ 7

**Rn. 14**

Einziehung von Geschäftsanteilen

**Rn. 15**

Neben der im Gesetz oder sonst in dieser Satzung bestimmten Fällen

**Rn. 16**

kann die Einziehung eines Geschäftsanteils jederzeit mit Zustimmung

**Rn. 17**

des betroffenen Gesellschafters beschlossen werden. Ohne Zustimmung

**Rn. 18**

des betroffenen Gesellschafters können Geschäftsanteile eingezogen

**Rn. 19**

werden:

**Rn. 20**

a) wenn über das Vermögen eines Gesellschafters das Vergleichs- oder

**Rn. 21**

Konkursverfahren eröffnet oder dessen Eröffnung mangels

**Rn. 22**

Masse abgelehnt wird,

**Rn. 23**

b) wenn der Geschäftsanteil eines Gesellschafters ohne Zustimmung

**Rn. 24**

der Gesellschaft verpfändet oder durch einen Gläubiger

**Rn. 25**

des Gesellschafters gepfändet wird,

**Rn. 26**

c) wenn in der Person eines Gesellschafters ein wichtiger Grund

**Rn. 27**

eingetreten ist, der für die übrigen Gesellschafter die Fortsetzung

**Rn. 28**

des Gesellschäftsverhältnisses unzumutbar macht, d. h. ein wichtiger

**Rn. 29**

Grund zum Ausschluss aus der Gesellschaft im Sinne §§

**Rn. 30**

138,140 HGB vorliegt,

**Rn. 31**

d) wenn der Gesellschafter eine Kapitalgesellschaft ist und dieses

**Rn. 32**

zu über 50 % in andere Besitzverhältnisse übergeht.

**Rn. 33**

Wird der Geschäftsanteil eingezogen, so ist der Wert des Anteils zu

**Rn. 34**

vergüten. Maßgebend für die Bewertung ist der steuerliche gemeine

**Rn. 35**

Wert der Anteile, der auf den Ietzten Feststellungszeitpunkt vor dem

**Rn. 36**

Ausscheiden festgestellt worden ist. Der hiernach ermittelte Betrag

**Rn. 37**

kann in 10 gleichen Jahresraten, erstmals am ersten Januar des Jahres

**Rn. 38**

ausgezahlt werden, das auf den Einziehungsbeschluss folgt.

**Rn. 39**

Frühere Auszahlung ist möglich.

**Rn. 40**

§9

**Rn. 41**

Die Befugnisse der Geschäftsführer

**Rn. 42**

Die Geschäftsführer bedürfen der Zustimmung der Gesellschafterversammlung

**Rn. 43**

zur Vornahme folgender Rechtsgeschäfte und Rechtshandlungen:

**Rn. 44**

1) zum Erwerb, zur Veräußerung und zur Belastung von Grundstücken

**Rn. 45**

und grundstücksgleichen Rechten, sowie zum wesentlichen

**Rn. 46**

Aus- und Umbau von Gebäuden;

**Rn. 47**

2) zum Abschluss von Rechtsgeschäften, die im Wert und in der

**Rn. 48**

Dauer über die von der Gesellschafterversammlung aufgestellten

**Rn. 49**

Grenzen hinausgehen;

**Rn. 50**

3) zur Bestellung und Entlassung von Prokuristen und Handlungs-

**Rn. 51**

bevollmächtigten;

**Rn. 52**

4) bei Einstellungen, Höhergruppierungen und Kündigungen von

**Rn. 53**

Dienstkräften, deren Bezüge über die von der Gesellschafterversammlung

**Rn. 54**

aufgestellten Grenzen hinausgehen; das gilt nicht für

**Rn. 55**

fristlose Kündigungen;

**Rn. 56**

5) zur Anstellung und Kündigung von Handelsvertretern;

**Rn. 57**

6) zur Eingehung von Wechselverbindlichkeiten und Bürgschaftsverpflichtungen

**Rn. 58**

sowie Inanspruchnahme von Krediten, die im

**Rn. 59**

Wert und in der Dauer über die von der Gesellschafterversammlung

**Rn. 60**

aufgestellten Grenzen hinausgehen;

**Rn. 61**

7) zur Errichtung von Zweigniederlassungen.

**Rn. 62**

8) zum Erwerb und zur Veräußerung von Beteiligungen an wirtschaftlichen

**Rn. 63**

Unternehmungen;

**Rn. 64**

9) zur Hingabe von Darlehen, ausgenommen Gehalts- und Lohnvorschüsse

**Rn. 65**

von höchstens zwei Monatsgehältern;

**Rn. 66**

10) zu unentgeltlichen Zuwendungen oberhalb einer von der Gesellschafterversammlung

**Rn. 67**

festzulegenden Grenze, soweit es sich

**Rn. 68**

nicht um geschäftsübliche Spenden und Bewirtungen handelt;

**Rn. 69**

11) zum Abschluss und zur Kündigung von Druck- und Satzverträgen

**Rn. 70**

sowie von Vertriebsaufträgen;

**Rn. 71**

12) zu einer Änderung des Verbreitungsgebietes der von der Gesellschaft

**Rn. 72**

herausgegebenen Schriften;

**Rn. 73**

13) zu Vereinbarungen über Wettbewerbsbedingungen;

**Rn. 74**

14) zur Preisgestaltung

**Rn. 75**

Die Geschäftsführer haben alljährlich bis Ende Februar eine Planung

**Rn. 76**

der Kosten und Erlöse des Jahres vorzulegen, die von der Gesell-

**Rn. 77**

schafterversammlung bis Ende März zu genehmigen ist. Die

**Rn. 78**

Geschäftsführer sind an die so festgelegten Kostenanschläge gebun-

**Rn. 79**

den. Für die Zeit bis zur Genehmigung des neuen Planes sind die Geschäftsführer

**Rn. 80**

zur Verauslagung von Kosten monatlich von 1/12 des

**Rn. 81**

Vorjahres befugt.

**Rn. 82**

§ 10

**Rn. 83**

Zuständigkeit der Gesellschafterversammlung

**Rn. 84**

Die Gesellschafterversammlung entscheidet über die im Gesetz und

**Rn. 85**

im Gesellschaftsvertrag genannten, sowie über die folgenden Angelegenheiten:

**Rn. 86**

1) Feststellung des Jahresabschlusses

**Rn. 87**

2) Verwendung des Bilanzgewinns

**Rn. 88**

3) Entlastung der Geschäftsführer

**Rn. 89**

4) Zustimmung zur Teilung, Veräußerung oder Einziehung von

**Rn. 90**

Geschäftsanteilen

**Rn. 91**

5) Übernahme von Pensionsverpflichtungen

**Rn. 92**

6) Erteilung der Zustimmung zu den zustimmungsbedürftigen

**Rn. 93**

Rechtsgeschäften und Rechtshandlungen der Geschäftsführer

**Rn. 94**

7) in allen Angelegenheiten, die über das normale Tagesgeschäft

**Rn. 95**

der Geschäftsführung hinausgehen

**Rn. 96**

8) Bestellung eines Sachverständigen zur Prüfung des Jahresabschlusses.

**Rn. 97**

§ 11

**Rn. 98**

Einberufung und Beschlussfassung der Gesellschafterversammlung

**Rn. 99**

Die Gesellschafterversammlung wird von den Geschäftsführern

**Rn. 100**

schriftlich einberufen, und zwar unter Mitteilung der Tagesordung

**Rn. 101**

mindestens 14 Tage vor dem Tage der Versammlung. Sie ist auf

**Rn. 102**

Verlange eines Gesellschafters einzuberufen auf einen Termin,

**Rn. 103**

der nicht später als vierzehn Tage nach dem Zugang des schriftlichen,

**Rn. 104**

mit Angabe des Verhandlungsgegenstandes versehenen

**Rn. 105**

Verlangens liegen darf. Bei Nichteinhaltung der Frist kann der verlangte

**Rn. 106**

Gesellschafter die Gesellschafterversammlung selbst einberufen.

**Rn. 107**

Die Gesellschafter können sich in der Gesellschafterversammlung

**Rn. 108**

durch einen anderen Gesellschafter oder durch eine mit schriftlicher

**Rn. 109**

Vollmacht ausgewiesene Person vertreten lassen .

**Rn. 110**

Sollte ein solcher Vertreter in der Branche des Unternehmens

**Rn. 111**

unmittelbar oder mittelbar tätig sein, können die übrigen Gesellschafter

**Rn. 112**

die Vertretung ablehnen.

**Rn. 113**

Die Gesellschafterversammlung ist beschlussfähig, wenn alle Gesellschafter

**Rn. 114**

vertreten sind. Ist die Gesellschafterversammlung

**Rn. 115**

nicht beschlussfähig, so ist mit gleicher Einladungsfrist erneut

**Rn. 116**

einzuladen zu einer Versammlung, die ohne Rücksicht auf die

**Rn. 117**

Anwesenheit und die Vertretung der Gesellschafter beschlussfähig

**Rn. 118**

ist.

**Rn. 119**

Beschlüsse der Gesellschafter können auch, wenn sämtliche Gesellschafter

**Rn. 120**

ausdrücklich zustimmen, ohne Einhaltung von Fristen,

**Rn. 121**

im Wege der schriftlichen Stimmabgabe oder durch telefonische

**Rn. 122**

Rundfrage gefasst werden. Im letzten Fall ist von dem Geschäfts-

**Rn. 123**

führer eine Niederschrift anzufertigen, die den Gesellschaftern

**Rn. 124**

unverzüglich, spätestens bis zum 3. Tag nach der Rundfrage zuzuleiten

**Rn. 125**

ist. Die Gesellschafter können dann innerhalb eines Tages nach

**Rn. 126**

Erhalt der Niederschrift durch Erklärung gegenüber dem

**Rn. 127**

Geschäftsführer ihre Stimmabgabe wieder widerrufen.

**Rn. 128**

Der Vorsitz in der Gesellschafterversammlung wechselt in der

**Rn. 129**

Weise, dass jeder der Gesellschafter entsprechend dem An-

**Rn. 130**

fangsbuchstaben seines Namens oder seiner Firma an die Reihe

**Rn. 131**

kommt.

**Rn. 132**

Die Gesellschafterversammlung beschließt mit der Mehrheit der

**Rn. 133**

abgegebenen Stimmen. Je DM 1.000,00 Geschäftsanteil gewähren

**Rn. 134**

eine Stimme. Stimmenthaltungen werden als nicht abgegeben

**Rn. 135**

gewertet.

**Rn. 136**

Abweichend davon ist Einstimmigkeit erforderlich - außer in den

**Rn. 137**

sonst in diesem Gesellschaftsvertragvorgesehenen – in folgenden

**Rn. 138**

Fällen:

**Rn. 139**

a) Änderung des Gesellschaftsvertrages

**Rn. 140**

b) Auflösung der Gesellschaft

**Rn. 141**

c) Übertragung von Geschäftsanteilen oder Teilen davon

**Rn. 142**

d) Beteiligung an anderen Unternehmungen

**Rn. 143**

e) Hinzunehmen weiterer Gesellschaftszwecke

**Rn. 144**

f) Errichtung von Zweigniederlassungen

**Rn. 145**

g) Änderung des Verbreitungsgebietes und Herausgabe neuer Objekt-

**Rn. 146**

oder Teilausgaben

**Rn. 147**

h) Bestellung und Abberufung von Geschäftsführern

**Rn. 148**

i) Festlegung der Grenzen von Dauer und Wert einzelner Rechtsgeschäfte

**Rn. 149**

der Geschäftsführer, für die die Zustimmung der GeseIlschafterversammlung

**Rn. 150**

erforderlich ist.

**Rn. 151**

j) Festlegung und Änderung von Richtlinien für die inhaltliche Tendenz

**Rn. 152**

von Verlagsobjekten.

**Rn. 153**

Die Gesellschafter sind von den Geschäftsführern unverzüglich von

**Rn. 154**

allen, über das normale Tagesgeschäft hinausgehenden Sachverhalten

**Rn. 155**

zu informieren. Jeder Gesellschafter hat das Recht, von den Geschäftsführern

**Rn. 156**

über alle Geschäftsvorfälle, Planungen und Entwicklungen

**Rn. 157**

Auskunft zu verlangen und in die Buchhaltung und die Schriften

**Rn. 158**

der Gesellschaft selbst oder durch einen Beauftragten Einblick zu

**Rn. 159**

nehmen.

**Rn. 160**

§14

**Rn. 161**

Wettbewerbsklausel

**Rn. 162**

Die Gesellschafter sind verpflichtet, während der Dauer ihrer Mitgliedschaft

**Rn. 163**

in der Gesellschaft weder unmittelbar noch mittelbar Unter-

**Rn. 164**

nehmungen zu betreiben oder zu unterstützen oder sich an Unternehmungen

**Rn. 165**

zu beteiligen, die mit dem von der Gesellschaft unternommenen Betrieb

**Rn. 166**

in Konkurrenz treten können. Diese Verpflichtung

**Rn. 167**

besteht für einen ausscheidenden Gesellschafter bei Fortbestehen

**Rn. 168**

der Gesellschaft auf die Dauer von drei Jahren nach dem Ausscheiden

**Rn. 169**

fort. In Konkurrenz treten unabhängig vom jeweiligen Verbrei-

**Rn. 170**

tungsgebiet des von der Gesellschaft herausgegebenen Anzeigenblattes

**Rn. 171**

alle Blätter, die im Gebiet des Regierungsbezirkes Münster erscheinen

**Rn. 172**

sollen. Die Gesellschafter können durch einstimmigen Beschluss

**Rn. 173**

Ausnahmen von diesem Wettbewerbsverzicht gestatten."

**Rn. 174**

Das Stammkapital der Beklagten halten heute zu je 1/3 die Klägerin, der

**Rn. 175**

Verlagskaufmann M und als Rechtsnachfolger der N der Verlag M2, der zu

**Rn. 176**

100 % der S gehört.

**Rn. 177**

Die Gesellschafter der Beklagten befinden sich seit 2005 im Streit, was zu

**Rn. 178**

einer Vielzahl von Rechtsstreiten beim Landgericht Münster und bei der

**Rn. 179**

hiesigen Kartellkammer geführt hat. Frühere Mitarbeiter der Beklagten, so

**Rn. 180**

ihr Geschäftsführer S2, der Produktionsleiter und Redakteur L,

**Rn. 181**

zwei Chefredakteure und Mitarbeiter der Vertriebsabteilung sind nun für

**Rn. 182**

die Klägerin tätig.

**Rn. 183**

~

**Rn. 184**

In einer außerordentlichen Gesellschafterversammlung vom 18.08.2005

**Rn. 185**

war zu beschließen über die Anträge, den Druckvertrag der Beklagten mit

**Rn. 186**

der Klägerin zu kündigen und einen neuen Druckvertrag der Beklagten mit

**Rn. 187**

der Firma M3 abzuschließen. Die Abstimmung über die Tagesordnungspunkte wurde gegen den Widerspruch der Klägerin

**Rn. 188**

zusammengelegt. Der danach allein stimmberechtigte Gesellschafter

**Rn. 189**

M stimmte für die Anträge.

**Rn. 190**

Auf Antrag der Klägerin wurde der Beklagten im Wege

**Rn. 191**

einstweiligen Rechtsschutzes die Vollziehung der Beschlüsse untersagt.

**Rn. 192**

Die hiergegen eingelegte Berufung der Beklagten wurde zurückgenommen.

**Rn. 193**

In einer außerordentlichen Gesellschafterversammlung vom 16.09.2005

**Rn. 194**

beschlossen die Gesellschafter M2 und M den Abschluss

**Rn. 195**

eines Kooperationsvertrages zwischen der Beklagten· und dem Reisebüro

**Rn. 196**

U der Ehefrau des Gesellschafters M, Die Beklagte hatte danach

**Rn. 197**

dem Reisebüro kostenlosen Anzeigenraum zur Verfügung zu stellen

**Rn. 198**

und gegen Provision Reiseangebote zu veröffentlichen. Die Anfechtungsklage

**Rn. 199**

der Klägerin hiergegen wurde vom Landgericht Münster zurückgewiesen.

**Rn. 200**

Das Berufungsverfahren vor dem Oberlandesgericht Hamm ist noch nicht abgeschlossen.

**Rn. 201**

In einer außerordentlichen Gesellschafterversammlung am 01.01.2006 stimmten

**Rn. 202**

Die Gesellschafter M2 und M für die Abberufung und Entlastung des

**Rn. 203**

damaligen Geschäftsführers S2 der Beklagten.

**Rn. 204**

Die Klägerin stimmte dagegen. Die Gesellschafter M2 und M kündigten das Dienstverhältnis fristlos und untersagten jede Tätigkeit. Der

**Rn. 205**

Geschäftsführer kündigte das Dienstverhältnis seinerseits fristlos und legte sein

**Rn. 206**

Amt nieder. Das von ihm angestrebte einstweilige Rechtsschutzverfahren

**Rn. 207**

23 O 10/06 Landgericht Münster wurde später für erledigt erklärt.

**Rn. 208**

Am 02.02.2006 fand eine weitere außerordentliche Gesellschafterversammlung

**Rn. 209**

statt. Es wurde der 16.02.2006 als Termin für die nächste außerordentliche

**Rn. 210**

Gesellschafterversammlung, bei der die Vorstellung eines

**Rn. 211**

neuen Vertriebsleiters erfolgen sollte, festgelegt. Die Klägerin verlangte

**Rn. 212**

mit Schreiben vom 09.02.2005 eine Änderung der Tagesordnung für diese

**Rn. 213**

Gesellschafterversammlung. Die Beklagte lud mit Schreiben vom

**Rn. 214**

13.02.2006 zur Gesellschafterversammlung am 16.02.2006 um 15:00 Uhr

**Rn. 215**

ein. Am Vormittag des 16.02.2006 teilte die Klägerin der Beklagten per

**Rn. 216**

Fax mit, sie werde zur Gesellschafterversammlung nicht erscheinen können,

**Rn. 217**

da sie das Protokoll der Gesellschafterversammlung vom 02.02.2006

**Rn. 218**

nicht rechtzeitig und die Bewerbungsunterlagen des Vorstellungskandidaten

**Rn. 219**

gar nicht erhalten habe. Sie erschien in der Gesellschafterversammlung

**Rn. 220**

vom 16.02.2006 nicht. Die anwesenden Gesellschafter M und

**Rn. 221**

M2 stellten fest, dass die Gesellschafterversammlung nicht be,-

**Rn. 222**

schlussfähig war und verlangten Einberufung einer neuen Gesellschafterversammlung auf den 28.02.2006. Die Beklagte lud mit

**Rn. 223**

Schreiben vom 16.02,2006 zu einer außerordentlichen

**Rn. 224**

Gesellschafterversammlung auf

**Rn. 225**

den 28.02.2006. Die Klägerin teilte mit Schreiben vom 21.02.2006 mit, die

**Rn. 226**

Ladungsfrist sei nicht eingehalten. Sie verlangte Einberufung einer außer-

**Rn. 227**

ordentlichen Gesellschafterversammlung mit den Tagesordnungspunkten

**Rn. 228**

"Verdacht gesellschaftsschädigenden Verhaltens durch die Gesellschafter

**Rn. 229**

M und Verlag M2" und "Beauftragung der Geschäftsführer

**Rn. 230**

zur Einleitung der sich daraus ergebenden notwendigen Maßnahmen." Die

**Rn. 231**

Beklagte teilte der Klägerin mit Schreiben vom 22.02.2006 mit, dass auf

**Rn. 232**

Wunsch des Gesellschafters Verlag M2 die Tagesordnungspunkte für

**Rn. 233**

die außerordentliche Gesellschafterversammlung am

**Rn. 234**

28.02.2006 um den Tagesordnungspunkt "Beschlussfassung über die Einziehung

**Rn. 235**

des Geschäftsanteils der B2 wegen

**Rn. 236**

Vorliegens eines wichtigen Grundes gemäß § 7 Iit c des Gesellschaftsvertrages"

**Rn. 237**

ergänzt wurde.

**Rn. 238**

An der außerordentlichen Gesellschafterversammlung am 28.02.2006

**Rn. 239**

nahmen die drei Gesellschafter teil, die Klägerin aber nur informatorisch.

**Rn. 240**

Bei Aufruf des Tagesordnungspunktes "Einziehung des Geschäftsanteils

**Rn. 241**

der Klägerin" verließ sie die Gesellschafterversammlung. Die Gesellschafter

**Rn. 242**

M2 und M stimmten für die Einziehung des Geschäftsanteils

**Rn. 243**

der Klägerin. Zum genauen Wortlaut wird auf das Protokoll der GeseIlschafterversammlung Blatt 51 bis 55 der Akten Bezug genommen.

**Rn. 244**

Die Gesellschafter M und M2 beschlossen bei einer außerordentlichen

**Rn. 245**

Gesellschafterversammlung vom 08.03.2006 erneut die Einziehung

**Rn. 246**

des Geschäftsanteils der Klägerin. Zum Inhalt des Beschlusses

**Rn. 247**

wird auf das Protokoll der Gesellschafterversammlung Blatt 223 bis 226

**Rn. 248**

der Akten verwiesen. Die Klägerin nahm an dieser Gesellschafterver-

**Rn. 249**

sammlung nicht teil. Ob sie eine Ladung zur Gesellschafterversammlung

**Rn. 250**

erhalten hat, ist streitig.

**Rn. 251**

Mit Schreiben vom 09.03.2006 meldete die Gesellschafterin M2

**Rn. 252**

dem Bundeskartellamt, dass im Rahmen einer außerordentlichen Ersatzgesellschafterversammlung am 28..02.2006 die Geschäftsanteile der Klägerin

**Rn. 253**

aus wichtigem Grund eingezogen wurden und die Anteile der Klägerin

**Rn. 254**

den Geschäftsanteilen der übrigen Gesellschafter angewachsen sind.

**Rn. 255**

Die Klägerin beantragte unter dem 22.03.2006 beim Landgericht Münster

**Rn. 256**

im Verfahren 23 0 44/06 Gewährung einstweiligen Rechtsschutzes gegen

**Rn. 257**

die Vollziehurig der Einziehungsbeschlüsse. Sie erhob am 24.03.2006

**Rn. 258**

beim Landgericht Münster im Verfahren 23 0 48/06 Nichtigkeits- und Anfechtungsklage. Die Verfahren wurden in der Folge auf den Hilfsantrag der

**Rn. 259**

Klägerin an die hiesige Kammer als Kartellgericht verwiesen zu den Aktenzeichen

**Rn. 260**

13 0 48/06 Kart. LG Dortmund und 13 0 55/06 Kart. LG Dortmund.

**Rn. 261**

Mitte März 2006 kündigte die H in

**Rn. 262**

N in einem Werbeschreiben an, dass ab April 2006 mittwochs und

**Rn. 263**

samstags Gratiszeitungen "H" an über 340.000 Haushalte im N-land

**Rn. 264**

verteilt werden. Die H ist eine 100% ige Tochter der Klägerin. Deren Geschäftsführer sind Geschäftsführer der H.

**Rn. 265**

Die Beklagte beantragte hiergegen Gewährung einstweiligen Rechtsschutzes,

**Rn. 266**

zunächst beim Landgericht Münster, dann bei der hiesigen

**Rn. 267**

Kammer als Kartellgericht. Mit Urteil vom 04.04.2006 wurde im Verfahren

**Rn. 268**

13 0 42/06 Kart. Landgericht Dortmund der Antrag auf Erlass einer einstweiligen

**Rn. 269**

Verfügung wegen fehlender Dringlichkeit zurückgewiesen. Die

**Rn. 270**

Beklagte, legte gegen das Urteil, zu dessen Inhalt auf Blatt 188 bis 198 der

**Rn. 271**

beigezogenen Akte 13 O 42/06 Kart. Landgericht Dortmund Bezug genommen

**Rn. 272**

wird, Berufung ein, die sie in der Berufungshauptverhandlung vor

**Rn. 273**

dem Oberlandesgericht Düsseldorf am 09.08.2006 zurücknahm.

**Rn. 274**

Die Klägerin nahm in der mündlichen Verhandlung am 20.04.2006 im Verfahren

**Rn. 275**

13 O 48/06 Kart. LG Dortmund den Antrag auf Erlass einer einstweiligen

**Rn. 276**

Verfügung gegen die Vollziehung der Einziehungsbeschlüsse zurück.

**Rn. 277**

Die Verteilung der H-Gratiszeitungen wurde fortgesetzt. Die Gesellschafter

**Rn. 278**

M2 und M mahnten die Klägerin deswegen ab mit

**Rn. 279**

Anwaltsschreiben vom 25.04.2006. Sie boten die sofortige Zahlung einer

**Rn. 280**

Einziehungsvergütung von 946.702,00 € in einer Summe mit einer Abzinsung

**Rn. 281**

von 5 % für den Verzicht auf Ratenzahlung an.

**Rn. 282**

Die Beklagte lud mit Schreiben vom 09.05.2006 zu einer außerordentlichen

**Rn. 283**

Gesellschafterversammlung für den 18.05.2006 ein, in der vorsorglich

**Rn. 284**

erneut über die Einziehung des Geschäftsanteils der Klägerin abgestimmt werden

**Rn. 285**

sollte. Auf Verlangen der Klägerin wurde die Tagesordnung

**Rn. 286**

um den Tagesordnungspunkt "Einziehung der Geschäftsanteile der Gesellschafter

**Rn. 287**

M2 und M" ergänzt. Die Beklagte überwies am

**Rn. 288**

17.05.2006 der Klägerin einen Betrag von 946.702,33 €. Die Klägerin verweigerte

**Rn. 289**

die Annahme des Betrages und veranlasste Rücküberweisung

**Rn. 290**

am 18.05.2006.

**Rn. 291**

An der Gesellschafterversammlung vom 18.05.2006 nahmen die Vertreter

**Rn. 292**

der Klägerin, der Mitgesellschafter M und die Mitgesellschafterin M2 mit Vertretern teil. Gegen den Widerspruch der Vertreter der

**Rn. 293**

Klägerin übernahm ein Vertreter des Gesellschafters M2 die

**Rn. 294**

Versammlungsleitung. Es wurde die Entziehung des Geschäftsanteils der

**Rn. 295**

Klägerin beschlossen und die Vertagung des Tagungsordnungspunktes

**Rn. 296**

"Einziehung der Geschäftsanteile der Mitgesellschafter M2 und

**Rn. 297**

M. Zum Wortlaut des Protokolls wird auf Blatt 280 bis 284 der Akte

**Rn. 298**

13 O 89/06 Kart. LG Dortmund Bezug genommen.

**Rn. 299**

Die Beklagte reichte unter dem 02.06.2006 Unterlassungs- und Schadenfeststellungsklage ein beim Landgericht Dortmund als Kartellgericht.

**Rn. 300**

Das Verfahren wurde mit Beschluss vom 11.10.2006 an die hiesige Kammer

**Rn. 301**

für Handelssachen zur Entscheidung im Verfahren 13 0 137/06 Kart.

**Rn. 302**

Landgericht Dortmund verwiesen. Die Klägerin erhob unter dem

**Rn. 303**

19.06.2006 beim Landgericht Dortmund als Kartellgericht Nichtigkeits- und

**Rn. 304**

Anfechtungsklage bezüglich des Beschlusses vom 18.05.2006. Das Verfahren

**Rn. 305**

wurde am 27.06.2006 an die hiesige Kammer für Handelssachen

**Rn. 306**

abgegeben zum Verfahren 13 0 89/06 Kart. LG Dortmund. Die Klage

**Rn. 307**

wurde mit Urteil vom 02.11.2006 abgewiesen.

**Rn. 308**

Die Klägerin hält die Beschlussfassungen wegen schwerwiegender

**Rn. 309**

Rechts- und Vertragsverstöße für nichtig, zumindest anfechtbar. Die GeseIlschafterversammlung vom 28.02.2006 sei, da als Nachfolgegesellschaft

**Rn. 310**

zur beschlussunfähigen Gesellschafterversammlung vom

**Rn. 311**

16.02.2006 nur mit gleicher Ladungsfrist von 2 Wochen einzuberufen, beschlussunfähig gewesen. Der TOP 10 der Tagesordnung sei, da nicht Ge-

**Rn. 312**

genstand der Gesellschafterversammlung vom 16.02.2006, auch nicht

**Rn. 313**

ordnungsgemäß angekündigt worden. Gegenstand von Nachfolgeversammlungen

**Rn. 314**

seien regelmäßig die Tagesordnungen, die für die beschlussunfähige

**Rn. 315**

Versammlung angekündigt worden seien. Ihr sei durch

**Rn. 316**

die anzureichende Ankündigung auch die Möglichkeit genommen worden,

**Rn. 317**

zum Grund für die Einziehung Stellung zu nehmen.

**Rn. 318**

Der Einziehungsbeschluss vom 08.03.2006 sei ebenfalls grob fehlerhaft.

**Rn. 319**

Die Gesellschafterversammlung sei keine Folgeversammlung und als solche

**Rn. 320**

auch nicht angekündigt worden. Sie sei zu dieser Gesellschafterversammlung

**Rn. 321**

überhaupt nicht geladen worden und darüber hinaus durch den

**Rn. 322**

Bevollmächtigten der Mitgesellschafter von jeder gesellschaftsrechtlichen

**Rn. 323**

Mitwirkung ausgeschlossen worden.

**Rn. 324**

Die Einziehungen seien auch materiell rechtwidrig, da ein Grund für eine

**Rn. 325**

Ausschließung nach § 7 c der Satzung nicht vorgelegen habe. Sie habe

**Rn. 326**

keine, erst recht keine schwerwiegende Pflichtverletzung begangen. Sie

**Rn. 327**

habe zum Zeitpunkt der Gesellschafterversammlung die Herausgabe der

**Rn. 328**

Anzeigenblätter nur vorbereitet. Grund hierfür sei das Verhalten ihrer Mitgesellschafter

**Rn. 329**

gewesen. Diese hätten ab Mitte 2005 alles unternommen,

**Rn. 330**

um sie aus der Beklagten herauszudrängen und die verlegerischen Kapazitäten

**Rn. 331**

der Beklagten dem Mitgesellschafter M2 zuzuschanzen.

**Rn. 332**

Der Mitgesellschafter M habe offensichtlich seinen Anteil auf M2

**Rn. 333**

übertragen und damit die Grundlagen der Beklagten als einer auf

**Rn. 334**

Gleichberechtigung ausgerichteten Verlagsgesellschaft zerstört. Dass

**Rn. 335**

M nur noch formal die Position als Mitgesellschafter inne habe, zeige

**Rn. 336**

sich in den rechtswidrigen Gesellschafterbeschlüssen vom 18.05.2005

**Rn. 337**

und 16.09.2005. Durch die Zusammenfassung von Beschlussgegenständen sei

**Rn. 338**

ihr Stimmrecht planvoll und systematisch ausgeschaltet und sie an

**Rn. 339**

der Abgabe eines Konkurrenzgebotes gehindert worden. Durch den Kooperationsvertrag

**Rn. 340**

sei dem Mitgesellschafter M ein Sondervorteil von

**Rn. 341**

50.000,00 € zugeflossen, während die Beklagte hierdurch keine nachvollziehbaren wirtschaftlichen Vorteile gehabt habe.

**Rn. 342**

Die Vorbereitungsarbeiten für die Herausgabe und den Vertrieb eines Anzeigenblattes

**Rn. 343**

sei noch keine Pflichtverletzung, insbesondere kein Verstoß gegen § 14 der Satzung.

**Rn. 344**

Vorbereitungshandlungen seien von Wettbewerbsverboten überhaupt nicht umfasst. Ihr Produkt sei, da wegen der , äußeren und inhaltlichen Gestaltung kein klassisches Anzeigenblatt, überhaupt kein Wettbewerbsprodukt. Die Regelung in § 14 der Satzung sei zudem unwirksam wegen Verstoßes gegen § 138 BGB und § 1 GWB. Ein

**Rn. 345**

Wettbewerbsverbot lasse sich auch nicht aus gesellschaftsrechtlicher

**Rn. 346**

Treuepflicht herleiten. Sie habe angesichts der Beteiligung von nur 1/3

**Rn. 347**

und fehlender Mitwirkung in der Geschäftsführung keinen maßgeblichen

**Rn. 348**

Einfluss auf die Gesellschaft.

**Rn. 349**

Die Klägerin beantragt,

**Rn. 350**

festzustellen, dass die Beschlüsse der Gesellschafterversammlungen

**Rn. 351**

der Beklagten vom 28.02.2006 (TOP 10) und vom

**Rn. 352**

08.03.2006 (TOP 5) betreffend die Einziehung des Geschäftsanteils

**Rn. 353**

der Klägerin wegen Vorliegens eines wichtigen Grundes gemäß

**Rn. 354**

§§ 7 lit. C des Gesellschaftsvertrages nichtig sind, hilfsweise,

**Rn. 355**

die vorgenannten Beschlüsse für nichtig zu erklären.

**Rn. 356**

Die Beklagte beantragt,

**Rn. 357**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 358**

Die Beklagte hält die Einziehungsbeschlüsse für formell und materiell

**Rn. 359**

wirksam.

**Rn. 360**

Für beide Gesellschafterversammlungen gelte die abgekürzte Gesellschafterladungsfrist von mindestens einer Woche bis höchstens zwei Wochen.

**Rn. 361**

Die Möglichkeit des § 51 Abs 4 GmbHG, Tagesordnungspunkte

**Rn. 362**

innerhalb einer Frist von drei Tagen nachzuschieben, gelte auch für Nach-

**Rn. 363**

folgeversammlungen und sei durch die Satzung nicht abbedungen. Die

**Rn. 364**

Gesellschafterversammlung vom 28.02.2006 sei als Folgeversammlung

**Rn. 365**

beschlussfähig gewesen, weil die Gesellschafterversammlung vom

**Rn. 366**

16.02.2006 durch einvernehmliche Terminsvereinbarung der Gesellschafter

**Rn. 367**

wirksam eingerufen worden sei. Die Ladung zur Gesellschafterver-

**Rn. 368**

sammlung vom 08.03.2006 und das Tagesordnungserweiterungsschreiben

**Rn. 369**

habe die Klägerin erhalten. Die Gesellschafterversammlung sei zumindest

**Rn. 370**

hinsichtlich des TOP "Einziehung des Geschäftsanteils der Klägerin"

**Rn. 371**

als Folgeversammlung beschlussfähig gewesen. Der Einziehungsbeschluss

**Rn. 372**

vom 28.02.2006 beruhe zudem nicht auf einem Einberufungsmangel.

**Rn. 373**

Die Klägerin habe die Gelegenheit zur Diskussion der für die

**Rn. 374**

Ausschließung wichtigen TOP3 und 6 nicht wahrgenommen. Die Gesellschafter

**Rn. 375**

hätten auch in einer späteren Versammlung nicht anders abgestimmt,

**Rn. 376**

da die Klägerin auch in der Folgezeit ihr grob gesellschaftsschädi-

**Rn. 377**

gendes Verhalten nicht abgestellt und keinen Konsens mit den übrigen

**Rn. 378**

Gesellschaftern gesucht habe. Zumindest liege ein eklatanter Fall missbräuchlichen

**Rn. 379**

Verhaltens vor. Das Gesamtverhalten der Klägerin - heimliches

**Rn. 380**

Abwerben von Personal, Verunglimpfung der eigenen Gesellschaft,

**Rn. 381**

massives Eindringen in die Geschäftschancen der Beklagten, vorsätzliche

**Rn. 382**

Schädigung der Beklagten, Täuschung der Mitgesellschafter und Torpe-

**Rn. 383**

dieren von Gesellschafterversammlungen - mache eine Fortsetzung des

**Rn. 384**

Gesellschaftsverhältnisses für sie, ihre Mitarbeiter und die Mitgesellschafter

**Rn. 385**

unzumutbar. Schon in der ersten Jahreshälfte 2005 habe die Klägerin

**Rn. 386**

damit begonnen, Mitarbeiter aus Schlüsselfunktionen abzuwerben, zum

**Rn. 387**

Teil mit wahrheitswidrigem Hinweis auf eine baldige Liquidation oder

**Rn. 388**

Schließung. Sie habe gemeinsam mit dem ehemaligen Geschäftsführer

**Rn. 389**

S2 durch Verkürzung und qualitative Verschlechterung und fehlende

**Rn. 390**

Stärkung der Vertriebsmannschaft ihre Entwicklung behindert, Unruhe in

**Rn. 391**

die Gesellschafter reingetragen, Kunden auf das kommende Konkurrenz-

**Rn. 392**

produkt angesprochen, das Konkurrenzprodukt herausgebracht und durch

**Rn. 393**

massives Preisdumping Verdrängungswettbewerb betrieben. Die Handlungen

**Rn. 394**

führten für sie zwangsläufig zu einer vermögensmäßigen Schädigung.

**Rn. 395**

Es sei angesichts der identischen Erscheinungsgebiete der Produkte

**Rn. 396**

in N und im Altkreis P, der begrenzten Zahl potentieller

**Rn. 397**

Anzeigenkunden und der Verteilung der Produkte an dieselben

**Rn. 398**

Haushalte ausgeschlossen, ihre Umsatz- und Gewinnergebnisse zu hal-

**Rn. 399**

ten, wenn die H-Gratis-Zeitung weiter erscheinen und sich im Markt

**Rn. 400**

etablieren werde. Angesichts der ruinösen Preispolitik der Klägerin sei mittelfristig

**Rn. 401**

auch eine Gefährdung ihrer wirtschaftlichen Existenz nicht auszuschließen.

**Rn. 402**

Die Beklagte hält das Wettbewerbsverbot in § 14 der Satzung für wirksam.

**Rn. 403**

Die Regelung im Gesellschaftsvertrag gebe angesichts der personalistischen

**Rn. 404**

Struktur bei gleichberechtigten Gesellschaftern der Klägerin die

**Rn. 405**

Möglichkeit der massiven Einflussnahme auf ihre Geschäftspolitik. Die

**Rn. 406**

Klägerin hätte nicht nur die Möglichkeit, sich über alle Geschäftsinterna,

**Rn. 407**

auch die Abwehrstrategien gegenüber den Hallo-Anzeigenblättern zu informieren.

**Rn. 408**

Sie könnte auch zumindest alle wesentlichen strategischen

**Rn. 409**

Schritte durch das Einstimmigkeitsprinzip verhindern. Die Klägerin habe

**Rn. 410**

sich außerdem in den Gesellschaftsversammlungen zutiefst treuwidrig und

**Rn. 411**

destruktiv verhalten durch wahrheitswidriges Beantworten von Fragen

**Rn. 412**

oder durch Antwortverweigerung.

**Rn. 413**

Die Mitgesellschafter M2 und M hätten stets nur im Interesse

**Rn. 414**

der Beklagten und aller Gesellschafter gehandelt. Die Zusammenfassung

**Rn. 415**

von Beschlussgegenständen am 18.05.2005 habe die Klägerin nicht be-

**Rn. 416**

nachteiligt, da der neutrale, da nicht eigene Druckinteressen vertretende

**Rn. 417**

Gesellschafter M sich für deutlich bessere Druckpreise für die Gesell-

**Rn. 418**

schaft entschieden habe. Die Klägerin dagegen habe durch Abrechnung

**Rn. 419**

der Druckpreise zu überhöhten Konditionen ihre GesellschaftersteIlung

**Rn. 420**

jahrelang missbraucht. Der Kooperationsvertrag mit der U habe

**Rn. 421**

für beide Vertragspartner nur Vorteile gebracht. Der ehemalige Geschäftsführer

**Rn. 422**

S2 habe alle Gesellschafter, auch die Klägerin, betrogen. Er

**Rn. 423**

habe durch Täuschung einen Dienstwagen erschlichen, entgegen der

**Rn. 424**

Verpflichtung aus dem Anstellungsvertrag erst Anfang 2006 seinen

**Rn. 425**

Hauptwohnsitz in N genommen, zu Lasten der Gesellschafter

**Rn. 426**

Tausch- und Kompensationsgeschäfte vorgenommen und Druckverträge

**Rn. 427**

zu überhöhten Preisen mit dem Haus B2 geschlossen.

**Rn. 428**

Es sei den Mitgesellschaftern nicht zuzumuten gewesen, vor der Einziehung

**Rn. 429**

eine Abmahnung auszusprechen, Diese wäre, wie die spätere Abmahnung und die Verweigerung der Auskunftserteilung trotz ausdrücklicher

**Rn. 430**

Nachfrage zeigten, nutzlos gewesen. Hinsichtlich der Abwerbung von

**Rn. 431**

Mitarbeitern sei die Klägerin zudem in der Gesellschafterversammlung

**Rn. 432**

vom 02.02.2006 abgemahnt worden.

**Rn. 433**

Zur Ergänzung des Sach- und Streitstandes wird auf den vorgetragenen

**Rn. 434**

Inhalt der zwischen den Parteien gewechselten Schriftsätze nebst Anlagen

**Rn. 435**

sowie auf den Inhalt der informatorisch beigezogenen Akten

**Rn. 436**

13 042/06 Kart., 13 0 48/06 Kart. und 13 0 137/06 Kart., jeweils Landgericht

**Rn. 437**

Dortmund, Bezug genommen.

**Rn. 438**

Mit Beschluss vom 02.11.2006 wurde die Klage, soweit sie den Beschluss

**Rn. 439**

der Gesellschafterversammlung der Beklagten vom 08.03.2006 (TOP 5)

**Rn. 440**

betrifft, abgetrennt zur gesonderten Entscheidung im Verfahren

**Rn. 441**

13 0 154/06 Kart. Landgericht Dortmund.

## Entscheidungsgründe

**Rn. 443**

Die Klage ist nach dem verbliebenen Haupt- und Hilfsantrag zulässig, aber

**Rn. 444**

unbegründet.

**Rn. 445**

Der Beschluss der Gesellschafterversammlung der Beklagten vom

**Rn. 446**

28.02.2006 zu TOP 10 ist weder nichtig noch anfechtbar. Ein Verstoß ge-

**Rn. 447**

gen wesentliche Regeln über die Einberufung der Gesellschafterversamm-

**Rn. 448**

lung oder ein Verstoß gegen die guten Sitten durch den Inhalt des angegriffenen

**Rn. 449**

Beschlusses liegt nicht vor. Der Beschluss verstößt auch weder

**Rn. 450**

gegen Gesetz noch gegen die Satzung der Beklagten.

**Rn. 451**

Der Beschluss ist formal wirksam zustande gekommen. Die Gesellschaf-

**Rn. 452**

terversammlung vom 28.02.2006 war bezüglich des Einziehungsbe-

**Rn. 453**

schlusses in TOP 10 beschlussfähig. Es handelte sich bei der Gesellschafterversammlung um eine Ersatzversammlung gemäß § 11

**Rn. 454**

Abs. 3 S. 2 der Satzung für die beschlussunfähige Gesellschafterversammlung

**Rn. 455**

vom 16.02.2006. Die Gesellschafterversammlung vom 28.02.2006 ist auch ordnungsgemäß einberufen worden. Die Ladungsfrist ist gewahrt. Die Frist

**Rn. 456**

betrug nach Maßgabe von § 11 der Satzung und § 51 Abs. 1 GmbHG eine

**Rn. 457**

Woche bis 14 Tage. Es gilt gemäß § 11 Abs. 3 Satz 2 der Satzung die Ladungsfrist

**Rn. 458**

für die nicht beschlussfähige Gesellschafterversammlung vom

**Rn. 459**

16.02.2006. Diese war ausweislich des Protokolls der Gesellschafterversammlung

**Rn. 460**

vom 02.02.2006 eine auf Gesellschafterinitiative durch Terminsvereinbarung

**Rn. 461**

mit Verzicht auf gesonderte Ladung einberufene GeseIlschafterversammlung.

**Rn. 462**

Die Tagesordnung zu TOP 10 ist rechtzeitig bekannt gemacht worden. Es

**Rn. 463**

gilt für jede Gesellschafterversammlung, auch für Ersatzversammlungen,

**Rn. 464**

die gesetzliche Nachschubfrist des § 51 Abs. 4 GmbHG von drei Tagen.

**Rn. 465**

Für Ersatzversammlungen ist entgegen der Auffassung der Klägerin keine

**Rn. 466**

längere Vorbereitungszeit erforderlich. Die Regelung des § 51 Abs.4

**Rn. 467**

GmbHG ist auch durch die Satzung der Beklagten nicht abbedungen.

**Rn. 468**

Der Einziehungsbeschluss ist auch materiell rechtlich nicht zu beanstanden.

**Rn. 469**

Er verstößt weder gegen gute Sitten noch gegen Gesetz und Satzung.

**Rn. 470**

Die Einziehung des Geschäftsanteils der Klägerin ist rechtmäßig

**Rn. 471**

nach § 7 c der Satzung i. V. m. §§ 34 Abs.1, Abs. 2 GmbHG. Ein wichtiger

**Rn. 472**

Grund, der die Fortsetzung des Gesellschaftsverhältnisses mit der

**Rn. 473**

Klägerin für die übrigen Gesellschafter unzumutbar machte, liegt vor.

**Rn. 474**

Die Klägerin hat durch die Vorbereitung der Herausgabe und des Vertriebs

**Rn. 475**

der H-Gratis-Zeitung durch eine Tochtergesellschaft eine Pflichtverletzung

**Rn. 476**

begangen, die so schwer wiegt, dass bei umfassender Prüfung

**Rn. 477**

aller Umstände des Einzelfalls und Gesamtabwägung der beteiligten Inte-

**Rn. 478**

ressen eine andere Lösung als das Ausscheiden der Klägerin als Gesellschafter

**Rn. 479**

den Mitgesellschaftern unter keinen Umständen zugemutet werden kann.

**Rn. 480**

Die Herausgabe und Verteilung der H-Zeitung ist ein Verstoß gegen

**Rn. 481**

das Wettbewerbsverbot in § 14 Satz 1 der Satzung der Beklagten.

**Rn. 482**

Die H-Gratis-Zeitung ist ein Konkurrenzprodukt zu den von der Beklagten

**Rn. 483**

vertriebenen Anzeigenblättern. Sie wird von der Klägerin selbst als

**Rn. 484**

Anzeigenblatt bezeichnet und ist auch als solches zu qualifizieren. Das

**Rn. 485**

vom BVDA in seiner Stellungnahme vom 28.03.2006 angegebene Kriterium

**Rn. 486**

der regelmäßigen, mindestens 12-mal jährlich erfolgenden flächendeckenden

**Rn. 487**

Verteilung an Haushalte eines fest umrissenen Gebietes ist erfüllt.

**Rn. 488**

Die von der Klägerin aufgezeigten Unterschiede bei der inhaltlichen

**Rn. 489**

und formellen Gestaltung sind für die Einordnung als Anzeigenblatt ohne

**Rn. 490**

Relevanz.

**Rn. 491**

Das Wettbewerbsverbot ist auch wirksam. Es verstößt weder gegen Kartellrecht

**Rn. 492**

noch gegen § 138 BGB.

**Rn. 493**

Nichtigkeit gemäß § 134 BGB wegen Verstoßes gegen nationales oder

**Rn. 494**

europäisches Kartellrecht ist weder für den Gesellschaftsvertrag als solchen

**Rn. 495**

noch für die Einzelregelung in § 14 des Gesellschaftsvertrages zu

**Rn. 496**

bejahen. Der Zusammenschluss der Gesellschafter stellt auch angesichts

**Rn. 497**

der Zustimmungs- und Einstimmigkeitsvorbehalte kein unzulässiges Preis-

**Rn. 498**

und Gebietskartell auf dem Markt der Anzeigenblätter dar. Er wurde nach

**Rn. 499**

Prüfung durch das Bundeskartellamt auch nicht beanstandet. Allein kartellrechtsrelevant, da potentiell wettbewerbsbehindernd, ist die Regelung

**Rn. 500**

in § 14 Satz 1 der Satzung. Diese ist aber zur Durchführung des kartell-

**Rn. 501**

rechtsneutralen Gesellschaftsverhältnisses unverzichtbar, da sie notwendig ist,

**Rn. 502**

das Gemeinschaftsunternehmen in seinem Bestand und seiner

**Rn. 503**

Funktionsfähigkeit zu erhalten. Es ist weder nach der Bekanntmachung

**Rn. 504**

der Europäischen Kommission über Nebenabreden Amtsblatt 2005 C

**Rn. 505**

56/24 noch nach § 1 GWB zu beanstanden, wenn durch Wettbewerbsverbote

**Rn. 506**

verhindert werden soll, dass ein Gesellschafter das Gemeinschaftsunternehmen

**Rn. 507**

von innen her aushöhlt und damit leistungsfähigen Wettbewerb zu Gunsten seiner eigenen Konkurrenztätigkeit einschränkt oder ausschließt (BGH, Urteil vom 03.05.1988, NJW1988, Seite 2737).

**Rn. 508**

Die Gefahr einer solchen inneren Aushöhlung der Gesellschaft besteht nicht

**Rn. 509**

nur bei Gesellschaftern, die die Geschäftsführung der Gesellschaft innehaben

**Rn. 510**

oder bei Mehrheitsgesellschaftern. Sie ist auch gegeben bei Gesellschaftern,

**Rn. 511**

die maßgeblichen Einfluss auf die Geschäftsführung haben,

**Rn. 512**

da in diesem Fall zu befürchten ist, dass der Geschäftsführer seine Pflicht

**Rn. 513**

vernachlässigt, in allen Angelegenheiten, die das Interesse der GmbH berühren,

**Rn. 514**

allein deren Wohl und nicht den eigenen Nutzen im Auge zu haben.

**Rn. 515**

Von einer solchen maßgeblichen Einflussmöglichkeit der Klägerin ist

**Rn. 516**

auszugehen.

**Rn. 517**

Die Gesellschaftsstruktur der Beklagten ist, auch wenn zwei der Gesell-

**Rn. 518**

schafter keine natürlichen Personen sind, personalistisch geprägt und auf

**Rn. 519**

vertrauensvolle und persönliche Zusammenarbeit der Gesellschafter angelegt.

**Rn. 520**

Die Gesellschafter haben angesichts der weitreichenden Zustimmungsregelung

**Rn. 521**

in § 9 der des Gesellschaftsvertrages die Möglichkeit, das

**Rn. 522**

Unternehmen gemeinschaftlich über Gesellschafteranweisungen zu steuern.

**Rn. 523**

Sie haben hiervon über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahrzehnten ständig Gebrauch gemacht. Für die einzelnen Gesellschafter ergibt

**Rn. 524**

sich hieraus aufgrund der weitreichenden, die wesentlichen geschäftspoli-

**Rn. 525**

tischen Entscheidungen betreffenden Veto- und Informationsrechte des §

**Rn. 526**

11 der Satzung die Möglichkeit der nachhaltigen Einflussnahme auf die

**Rn. 527**

Geschäftsführung und zwar bezüglich aller Entscheidungen, die die Wettbewerbsfähigkeit der Gesellschaft betreffen, Die Gesellschafter erhalten

**Rn. 528**

gesellschaftsinterne Informationen, die sie zu Lasten der Gesellschaft

**Rn. 529**

ausnutzen können und im Falle einer Konkurrenzfähigkeit im Zweifel ausnutzen

**Rn. 530**

werden. Die sich hieraus ergebenden Gefahren für die Funktionsfähigkeit

**Rn. 531**

der Gesellschaft sind erheblich. Ihnen kann mit den Mitteln der

**Rn. 532**

Informationsvorenthaltung nach § 51 a II GmbHG nicht begegnet werden.

**Rn. 533**

Dies gilt im Fall der Klägerin um so mehr, als diese durch die Übernahme

**Rn. 534**

von Mitarbeitern in Schlüsselfunktionen bereits über erhebliche Informationen

**Rn. 535**

bezüglich Geschäftsinterna der Beklagten verfügt.

**Rn. 536**

Das Wettbewerbsverbot hält sich auch im Rahmen dessen, was zur Siche-

**Rn. 537**

rung der Funktionsfähigkeit der Gesellschaft erforderlich ist.

**Rn. 538**

Eine Überschreitung der Grenzen des Erforderlichen in zeitlicher Hinsicht

**Rn. 539**

kommt bei dem Wettbewerbsverbot des § 14 Satz 1 der Satzung nicht in

**Rn. 540**

Betracht. Es ist nach dem Vorgesagten nicht zu beanstanden, dem Gesellschafter

**Rn. 541**

für die Dauer seiner Gesellschaftszugehörigkeit ein Wettbewerbsverbot

**Rn. 542**

aufzuerlegen. Ob die zeitlichen Grenzen auch im Hinblick auf

**Rn. 543**

ein nachvertragliches Wettbewerbsverbot beachtet wurden, kann dahinstehen.

**Rn. 544**

Eine etwaige Unwirksamkeit der Regelung in § 14 Satz 2 der Satzung

**Rn. 545**

führt gemäß § 139 BGB und nach Maßgabe der salvatorischen

**Rn. 546**

Klausel in §15 der Satzung nicht zur Unwirksamkeit der gesamten Regelung

**Rn. 547**

des § 14 der Satzung.

**Rn. 548**

Das Wettbewerbsverbot ist nach dem Wortlaut von § 14 Satz 1 der Sat-

**Rn. 549**

zung räumlich beschränkt auf das tatsächliche Verbreitungsgebiet der An-

**Rn. 550**

zeigenblätter der Beklagten. Ob die Ausweitung in § 14 Satz 3 der Satzung

**Rn. 551**

auf den gesamten Regierungsbezirk Münster unwirksam ist, weil zu

**Rn. 552**

weit gefasst, kann dahinstehen, da auch insoweit die Regelungen des

**Rn. 553**

§ 139 BGB und die salvatorische Klausel gem. § 15 der Satzung greifen.

**Rn. 554**

Das Wettbewerbsverbot ist auch gegenständlich nicht zu weit gefasst.

**Rn. 555**

Wenn in § 14 von "Blätter" die Rede ist, sind in verständiger, auch die Re-

**Rn. 556**

gelung in § 2 des Gesellschaftsvertrages berücksichtigender Auslegung

**Rn. 557**

nur Anzeigenblätter gemeint. Dass das Verbot weit gefasst ist und auch

**Rn. 558**

bloße Kapitalbeteiligung und untergeordnete und unselbständige Tätigkeiten

**Rn. 559**

der Gesellschafter umfasst, ist nicht zu beanstanden.

**Rn. 560**

Ein Verstoß der Regelung gegen § 138 BGB ist nach den vorherigen Ausführungen

**Rn. 561**

zu verneinen. Der Schutz der Gesellschaft vor Aushöhlung

**Rn. 562**

durch einen Gesellschafter erfordert ein gesellschaftsrechtliches Wettbewerbsverbot.

**Rn. 563**

Die dem Gesellschafter auferlegten Beschränkungen halten

**Rn. 564**

sich im Rahmen des zur Erreichung des Schutzzwecks Erforderlichen.

**Rn. 565**

Die Konkurrenzfähigkeit der Klägerin stellt eine gravierende Pflichtverletzung

**Rn. 566**

dar, da sie die Beklagte wirtschaftlich schädigt. Ob die Beklagte, wie

**Rn. 567**

von ihr befürchtet, in ihrer wirtschaftlichen Existenz gefährdet wird, kann

**Rn. 568**

dahinstehen. Ausreichend ist, dass sich, wenn das Konkurrenzprodukt

**Rn. 569**

sich am Markt etabliert, die Umsatz- und Gewinnchancen der Beklagten

**Rn. 570**

verringern und damit einhergehend sich Umsatz- und Gewinnrückgänge

**Rn. 571**

ergeben, da die Zahl der Anzeigenkunden im Vertriebsgebiet der Beklagten

**Rn. 572**

begrenzt ist. Die Tätigkeit der Beklagten und ihrer Mitarbeiter wird, wie

**Rn. 573**

von der Beklagten nachvollziehbar dargetan, erheblich erschwert.

**Rn. 574**

Der Verstoß gegen das Wettbewerbsverbot des § 14 Satz 1 der Satzung

**Rn. 575**

beginnt auch bereits mit der konkreten Vorbereitung der Herausgabe und

**Rn. 576**

Verteilung. Der Tatbestand des Wettbewerbs ist verwirklicht mit dem Be-

**Rn. 577**

trieb eines Konkurrenzunternehmens. Dies umfasst sämtliche vorbereitenden

**Rn. 578**

Maßnahmen. Zum Zeitpunkt der Beschlussfassung am 28.02.2006

**Rn. 579**

war die H bereits gegründet und im Hinblick auf

**Rn. 580**

die Organisation des für Mitte März beabsichtigten Betriebs auch tätig.

**Rn. 581**

Dies wurde den Mitgesellschaftern über längere Zeit und schließlich trotz

**Rn. 582**

ausdrücklicher Nachfrage verheimlicht, was für sich einen Verstoß gegen

**Rn. 583**

die gesellschaftsrechtliche Treuepflicht darstellt und den Verbleib der Klä-

**Rn. 584**

gerin in der Beklagten für die übrigen Gesellschafter unzumutbar macht.

**Rn. 585**

Die Klägerin kann sich zur Rechtfertigung ihres Verhaltens nicht auf geseIlschaftswidriges Verhalten der Mitgesellschafter berufen. Auch bei der

**Rn. 586**

für die Frage der Zumutbarkeit vorzunehmenden Gesamtabwägung der

**Rn. 587**

beteiligten Interessen kommt einem etwaigen Fehlverhalten der Mitgesell-

**Rn. 588**

schafter keine Bedeutung zu. Die Klägerin hatte, wie die vielen Rechtsstreitigkeiten der Parteien zeigen, ausreichend Möglichkeit, ihre rechtlichen

**Rn. 589**

und wirtschaftlichen Belange durch Inanspruchnahme bestehender

**Rn. 590**

Rechtsschutzmöglichkeiten zu wahren. Die Streitigkeiten der Gesellschafter

**Rn. 591**

betrafen zudem auch nur das Verhältnis der Gesellschafter unterein-

**Rn. 592**

ander und ihre Beziehung zur Beklagten. Deren Bestand und die Funkti-

**Rn. 593**

onsfähigkeit wurde durch die Mitgesellschafter nicht in Frage gestellt. Bei

**Rn. 594**

der Pflichtwidrigkeit der Klägerin ist dies grundlegend anders.

**Rn. 595**

Die Einziehung des Gesellschaftsanteils der Klägerin war angesichts der

**Rn. 596**

Schwere der Pflichtwidrigkeit der Klägerin und mangels milderer Mittel

**Rn. 597**

notwendige ultima ratio. Eine Abmahnung der Klägerin durch die Mitgesellschafter

**Rn. 598**

wäre, wie das spätere Verhalten der Klägerin zeigt, ohne Erfolg geblieben. Der Beklagten war auch nicht zuzumuten, die Klägerin gerichtlich

**Rn. 599**

auf Unterlassung in Anspruch zu nehmen. Sie konnte, wie das

**Rn. 600**

einstweilige Verfügungsverfahren zeigt, einstweiligen Rechtsschutz nicht

**Rn. 601**

erlangen. Es war ihr auch nicht zuzumuten, eine rechtskräftige Entschei-

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dung im gerichtlichen Hauptsacheverfahren abzuwarten, da angesichts

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der kontroversen Auffassung der Beteiligten die Ausschöpfung des vollen

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Instanzenzuges und damit ein lang dauernder Rechtsstreit zu erwarten

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war.

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Die Kostenentscheidung folgt aus § 91 ZPO. Die Entscheidung zur vorläu-

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figen Vollstreckbarkeit beruht auf § 709 ZPO.

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Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Urteil vom 02.11.2006 – 13 O 55/06, ECLI:DE:LGDO:2006:1102.13O55.06.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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