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# Landgericht Dortmund, Urteil vom 10.09.2004 – 17 S 113/03

ECLI:DE:LGDO:2004:0910.17S113.03.00

## Tenor

Auf die Berufung der Klägerin wird das Urteil des Amtsgerichts

Dortmund vom 08.07.2003 - 125 C 4576/03 - abgeändert

und unter Zurückweisung der Berufung im Übrigen wie

folgt neu gefasst:

Die Beklagte wird verurteilt, an die Klägerin 856,41 €

(i.W.: achthundertsechsundfünfzig 41/100 Euro) nebst 4 %

Zinsen hieraus seit dem 21.05.2003 zu zahlen.

Wegen des weitergehenden Zinsanspruchs wird die Klage

abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits erster und zweiter Instanz trägt

die Beklagte.

Die Revision wird zugelassen.

## Gründe

**Rn. 2**

I.

**Rn. 3**

Die Klägerin begehrt von der Beklagten die Zahlung eines Geldausgleichs

**Rn. 4**

für die erweiterte Nutzung ihrer Grundstücke zu Zwecken der Telekommunikation.

**Rn. 5**

Die Klägerin ist Eigentümerin der im Grundbuch von E eingetragenen

**Rn. 6**

Grundstücke G1 und G2, G3 und G4. Die Beklagte ist

**Rn. 7**

Eigentümerin einer Hochspannungsleitung, die über die Flächen der

**Rn. 8**

Klägerin verläuft und durch eine beschränkte persönliche Dienstbarkeit

**Rn. 9**

gesichert ist. Der Dienstbarkeit zugrunde liegt dabei ein Gestattungsvertrag

**Rn. 10**

zwischen den Parteien vom 25.09.1970. Wegen der Einzelheiten des

**Rn. 11**

Gestattungsvertrages wird auf Blatt 60 der Akten Bezug genommen. Als

**Rn. 12**

sich der Erlass des Telekommunikationsgesetzes (TKG) abzeichnete,

**Rn. 13**

rüstete die Beklagte im Jahr 1994 diese Hochspannungsleitung mit einem

**Rn. 14**

Lichtwellenleiterluftkabel (LWL-Kabel) nach. Seit 1996 ist das LWL-Kabel

**Rn. 15**

zu 2/3 an einen Telekommunikationsdienstleister vermietet, der das Kabel

**Rn. 16**

zum Zwecke kommerzieller Telekommunikation nutzt.

**Rn. 17**

Dies teilte die Beklagte der Klägerin auf deren Anfrage mit Schreiben vom

**Rn. 18**

25.03.2003 mit.

**Rn. 19**

Das verbleibende Drittel des Kabels nutzt die Beklagte für die interne

**Rn. 20**

Kommunikation.

**Rn. 21**

Die vorbeschriebene im Jahr 1996 erfolgte Nutzungserweiterung des seit

**Rn. 22**

1994 vorhandenen LWL-Kabels war nach außen nicht erkennbar.

**Rn. 23**

Die Umnutzung zum Zwecke der öffentlichen Telekommunikation erfolgte

**Rn. 24**

durch einen schlichten technischen Vorgang, ein sog. "Umswitschen", das

**Rn. 25**

nicht sichtbar ist.

**Rn. 26**

Die Klägerin hat erstinstanzlich mit Nichtwissen bestritten, dass das

**Rn. 27**

LWL-Kabel tatsächlich an Dritte vermietet ist. Sie hat die Ansicht

**Rn. 28**

vertreten, es handele sich bei der Nachrüstung der Hochspannungsleitung

**Rn. 29**

um eine Nutzungserweiterung im Sinne des § 57 Abs. 2 Satz 2 TKG.

**Rn. 30**

Damit stünde ihr ein entsprechender Entschädigungsanspruch gegen die

**Rn. 31**

Beklagte zu. Dieser könne mangels Kenntnis der Klägerin von der

**Rn. 32**

Nutzungserweiterung nicht verjährt sein. Zur Höhe macht die Klägerin

**Rn. 33**

einen Anspruch auf Geldausgleich in Höhe von 5,00 DM pro laufenden

**Rn. 34**

Meter geltend .

**Rn. 35**

Die Klägerin hat beantragt,

**Rn. 36**

die Beklagte zu verurteilen, an sie 856,41 € nebst Zinsen in

**Rn. 37**

Höhe von 8 % über dem Basiszinssatz seit dem 21.05.2003

**Rn. 38**

zu zahlen.

**Rn. 39**

Die Beklagte hat beantragt,

**Rn. 40**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 41**

Sie hat behauptet, das LWL-Kabel seit 1996 an die B.

**Rn. 42**

vermietet zu haben. Vor diesem Hintergrund hat sie die Ansicht vertreten,

**Rn. 43**

nicht passiv legitimiert zu sein. Darüber hinaus hat sie sich auf die Einrede

**Rn. 44**

der Verjährung berufen. Zur Höhe hat sie eingewandt, es sei nur ein Anspruch

**Rn. 45**

von 0,50 DM pro laufende Meter angemessen.

**Rn. 46**

Das Amtsgericht hat die Klage abgewiesen. Zur Begründung hat es ausgeführt,

**Rn. 47**

der Klägerin stünde kein Entschädigungsanspruch gem. § 57

**Rn. 48**

Abs. 2 TKG zu. Dies gelte unabhängig von der Frage der Vermietung des

**Rn. 49**

Kabels. Die Vermietung vorausgesetzt, fehle der Beklagten die erforderliche

**Rn. 50**

Betreibereigenschaft, bei Nichtvermietung sei der Anspruch verjährt.

**Rn. 51**

Im Falle der Vermietung erfülle die Beklagte nicht die Voraussetzungen

**Rn. 52**

für die Betreibereigenschaft gem. § 3 Nr. 2 TKG. Die Beklagte verfüge

**Rn. 53**

dann nämlich nicht über die von § 3 Nr. 2 TKG vorgesehene umfassende

**Rn. 54**

Kontrolle über die Gesamtheit der Funktionen in dem Sinne, dass sie über

**Rn. 55**

das "ob" und das "wie" der Nutzung in eigener Verantwortung entscheiden

**Rn. 56**

könne. Zumindest die technischen Funktionen, die zur Informationsübertragung

**Rn. 57**

erforderlich seien, unterlägen der alleinigen Kontrolle der Mieterin.

**Rn. 58**

Ferner sei die Beklagte im Falle der Vermietung in ihrer rechtlichen Kontrolle

**Rn. 59**

eingeschränkt. Die Möglichkeit zur kommerziellen Telekommunikation

**Rn. 60**

habe die Mieterin durch Einbindung des Kabels in ihre Datenverarbeitungssysteme

**Rn. 61**

ermöglicht. Die Nutzung des Kabels für die interne

**Rn. 62**

Kommunikation begründe hingegen keine Betreibereigenschaft. Gegen

**Rn. 63**

die Betreibereigenschaft der Beklagten hat das Amtsgericht weiter angeführt,

**Rn. 64**

dass das Vermarktungsinteresse und die finanziellen Vorteile bei

**Rn. 65**

der Mieterin lägen. Die Vermietung des Kabels gegen Geld könne hiermit

**Rn. 66**

nicht gleichgesetzt werden. Überdies sei es der Beklagten als Energieversorgungsunternehmen

**Rn. 67**

schon gesetzlich verboten, Telekommunikationsdienstleistungen

**Rn. 68**

anzubieten, § 14 Abs.1 TKG. Auch aus diesem Grund

**Rn. 69**

könne die Beklagte vorliegend nicht Betreiberin im Sinne des Gesetzes

**Rn. 70**

sein.

**Rn. 71**

Hierin liege auch kein Widerspruch zur Entscheidung des Bundesgerichtshofes

**Rn. 72**

vom 07.07.2000 (BGH NJW 2000, Seite 3206 ff.). Die

**Rn. 73**

Betreibereigenschaft sei in diesem Urteil nicht problematisiert worden,

**Rn. 74**

sondern ohne weitere Prüfung angenommen worden. Gleiches gelte für

**Rn. 75**

die Entscheidung des Oberlandesgerichts Hamm vom 22.11.2001 (OLG

**Rn. 76**

Hamm, NJW-RR 2002, Seite 769 ff.). Dort sei der Fall anders gelagert gewesen.

**Rn. 77**

Das Kabel sei in dem durch das OLG Hamm zu entscheidenden

**Rn. 78**

Fall unstreitig noch nicht vermietet gewesen.

**Rn. 79**

Die Klägerin könne auch nicht mit Erfolg auf die Problematik des Mieterwechsels

**Rn. 80**

im Hinblick darauf verweisen, dass es sich um einen einmaligen

**Rn. 81**

Ausgleichsanspruch handele. Dies seien nur praktische Probleme.

**Rn. 82**

Die Betreibereigenschaft folge auch nicht daraus, dass nur zwischen den

**Rn. 83**

Parteien, nicht aber zur Mieterin eine Rechtsbeziehung seitens der Klägerin

**Rn. 84**

bestehe. Eigentum und Betreibereigenschaft könnten auseinander

**Rn. 85**

fallen. Dies ergebe sich aus der Auslegung des § 57 Abs.1 und 2 TKG.

**Rn. 86**

Die Vorschrift unterscheide zwischen dem Begünstigten nach Abs. 1 und

**Rn. 87**

dem Pflichtigen nach Abs. 2. Dies finde seine Bestätigung in § 3

**Rn. 88**

Nr. 2 TKG. Hier werde auf eine umfassende Funktionsherrschaft abgestellt.

**Rn. 89**

Dazu gehöre mehr als das Eigentum. Es müsse sich um eine

**Rn. 90**

funktionstüchtige Telekommunikationslinie im Sinne des § 3 Nr. 20 TKG

**Rn. 91**

handeln.

**Rn. 92**

Vorausgesetzt, das Kabel sei nicht vermietet, sei der Anspruch hingegen

**Rn. 93**

gem. § 58 TKG verjährt. § 58 TKG. § 58 TKG sei auf den Anspruch aus

**Rn. 94**

§ 57 Abs. 2 TKG anwendbar. Danach verjähre der Anspruch binnen 2

**Rn. 95**

Jahren. Die Verjährung habe Ende 1996 begonnen. Damit sei Ende 1998

**Rn. 96**

die Verjährung eingetreten. Auf die Kenntnis der Klägerin von der

**Rn. 97**

kommerziellen Nutzung komme es nicht an.

**Rn. 98**

Das Amtsgericht hat darüber hinaus das Bestehen eines Schadensersatzanspruches

**Rn. 99**

zugunsten der Klägerin verneint. Offen bleiben könne, ob ein

**Rn. 100**

solcher überhaupt geltend gemacht würde. Die Beklagte habe jedenfalls

**Rn. 101**

keine Pflicht zur Information der Klägerin getroffen. Eine entsprechende

**Rn. 102**

Nebenpflicht bestehe nicht. Die Verlegung der Kabel habe nicht übersehen

**Rn. 103**

werden können. Die Klägerin hätte daher Anlass gehabt, sich bei

**Rn. 104**

der Beklagten näher zu erkundigen.

**Rn. 105**

Gegen das klageabweisende Urteil, der Klägerin zugestellt am

**Rn. 106**

15.07.2003, hat die Klägerin mit Schriftsatz vom 06.08.2003, eingegangen

**Rn. 107**

am darauffolgenden Tage, Berufung eingelegt und diese gleichzeitig begründet.

**Rn. 108**

Nachdem die Klägerin im Rahmen der Berufungsinstanz zunächst die

**Rn. 109**

Auffassung vertreten hat, das Amtsgericht wende § 57 Abs. 2 TKG

**Rn. 110**

rechtsfehlerhaft an, da sich der Anspruch nicht gegen den Betreiber der

**Rn. 111**

Telekommunikationslinie, sondern gegen den Duldungsberechtigten nach

**Rn. 112**

§ 57 Abs. 1 TKG richte, ist sie zwischenzeitlich von diesem Standpunkt

**Rn. 113**

abgerückt und geht nunmehr mit dem Amtsgericht und der Beklagten davon

**Rn. 114**

aus, dass Anspruchsgegner der Betreiber der Telekommunikationslinie

**Rn. 115**

ist.

**Rn. 116**

Hierzu meint die Klägerin unter Berufung auf die Entscheidung des BGH

**Rn. 117**

(NJW 2000, Seite 3206 ff.) weiter, dass die Beklagte Betreiberin der Telekommunikationslinie und damit passivlegitimiert sei. Das Amtsgericht

**Rn. 118**

gehe fälschlicherweise zur Begriffsbestimmung von § 3 Nr. 2 TKG aus.

**Rn. 119**

Hier sei von Telekommunikationsnetzen und nicht Telekommunikationslinien

**Rn. 120**

die Rede. Es sei zwischen dem Betreiben von Übertragungswegen

**Rn. 121**

und dem Betreiben von Telekommunikationslinien, § 30 Nr. 20 TKG, zu

**Rn. 122**

unterscheiden. Ersteres entspreche der Tätigkeit der Mieterin, letzteres

**Rn. 123**

der Tätigkeit der Beklagten. Nur die Beklagte unterhalte die in § 3 Nr. 20

**Rn. 124**

TKG genannten technischen Vorrichtungen. Zudem seien die Feststellungen

**Rn. 125**

des Amtsgerichts im Hinblick auf die Entscheidung des Oberlandesgerichts

**Rn. 126**

Hamm vom 22.11.2001 widersprüchlich. Die Rechtsauffassung

**Rn. 127**

des Amtsgerichts zugrunde gelegt, hätte das OLG Hamm die

**Rn. 128**

Klage mangels Betreibers abweisen müssen. Sie verweist hinsichtlich der

**Rn. 129**

Betreibereigenschaft ferner auf die Regelung des § 57 Abs.2 Satz 1 TKG.

**Rn. 130**

Hierin seien die Tätigkeiten, die zum Betreiben der Telekommunikationslinie

**Rn. 131**

gehörten, aufgeführt. Dies seien Wartungs- und Reparatur- oder

**Rn. 132**

vergleichbare mit dem Betrieb der Telekommunikationslinie unmittelbar

**Rn. 133**

zusammenhängende Maßnahmen. Dies zeige, dass der Betrieb der

**Rn. 134**

Telekommunikationslinie in der Errichtung, Erneuerung, Wartung und der Durchführung

**Rn. 135**

vergleichbarer Maßnahmen liege. Dies stehe in Einklang mit § 3

**Rn. 136**

Nr. 20 TKG. Die fraglichen Maßnahmen würden hingegen unstreitig

**Rn. 137**

sämtlich durch die Beklagte durchgeführt. Die Mieterin des LWL-Kabels

**Rn. 138**

habe hingegen das Grundstück der Klägerin noch nie betreten, was

**Rn. 139**

ebenfalls unstreitig sei.

**Rn. 140**

Überdies habe die Beklagte auch die Funktionsherrschaft über die Telekommunikationslinie, also die tatsächliche und rechtliche Kontrolle. Die

**Rn. 141**

rechtliche Kontrolle ergebe sich aus der Dienstbarkeit. Ebenso habe sie

**Rn. 142**

die tatsächliche Kontrolle. Sie könne die Telekommunikationslinie ohne

**Rn. 143**

weiteres stilllegen oder unterbrechen. Dies folge aus der Sachherrschaft

**Rn. 144**

über die Hochspannungsleitung. Dafür spreche weiter, dass die Beklagte

**Rn. 145**

das LWL-Kabel auch noch zur eigenen internen Kommunikation nutze.

**Rn. 146**

Ferner erfolge die vom Bundesgerichtshof in der genannten Entscheidung

**Rn. 147**

für den Ausgleichsanspruch herangezogene Vermarktung der Telekommunikationslinie

**Rn. 148**

durch die Beklagte.

**Rn. 149**

Hinsichtlich der Verjährung ist die Klägerin der Auffassung, § 58 TKG beziehe

**Rn. 150**

sich nicht auf den Ausgleichsanspruch nach § 57 Abs. 2 Satz 2

**Rn. 151**

TKG. Es handele sich nicht um einen Ersatzanspruch im Sinne des § 58

**Rn. 152**

TKG, sondern um einen andersartigen Ausgleichsanspruch, der nach den

**Rn. 153**

allgemeinen gesetzlichen Regelungen verjähre. Hierfür spreche auch die

**Rn. 154**

Historie des Gesetzgebungsverfahrens, aus der ersichtlich sei, dass der

**Rn. 155**

Ausgleichsanspruch nach § 57 Abs. 2 Satz 2 TKG nachträglich eingeführt

**Rn. 156**

worden sei.

**Rn. 157**

Darüber hinaus meint die Klägerin, der Beklagten sei die Berufung auf die

**Rn. 158**

Einrede der Verjährung gem. § 242 BGB verwehrt. Hierfür verweist sie auf

**Rn. 159**

den unstreitigen Umstand, dass die Vermietung der Kabel und damit die

**Rn. 160**

neue Nutzungsdimension, auf die es für den Verjährungsbeginn ankomme,

**Rn. 161**

für sie nicht erkennbar gewesen ist. Zudem sei das

**Rn. 162**

Telekommunikationsgesetz erst 1996 in Kraft getreten. Die Vermietung

**Rn. 163**

finde gleichfalls seit 1996 statt.

**Rn. 164**

Das Rechtsverhältnis zwischen den Parteien sei darüber hinaus auf jahrzehntelange

**Rn. 165**

Dauer angelegt und von gegenseitiger Rücksichtnahme geprägt.

**Rn. 166**

Dem widerspreche es, wenn der Energieversorger über die vertraglich

**Rn. 167**

gestattete Nutzung hinaus die Nutzung erweitere und dies nicht

**Rn. 168**

mitteile. Hier herrsche ein Informationsgefälle, das nach § 242 BGB die

**Rn. 169**

Aufklärung gebiete.

**Rn. 170**

Auf Grund seiner verfassungsrechtlichen Funktion, den Schutz des

**Rn. 171**

Eigentums zu gewährleisten, beinhalte auch der Ausgleichsanspruch eine

**Rn. 172**

Mitteilungspflicht. Andernfalls könne der Ausgleichsanspruch seine

**Rn. 173**

Funktion nicht erfüllen.

**Rn. 174**

Die Klägerin ist der Auffassung, entgegen der amtsgerichtlichen Feststellungen

**Rn. 175**

nicht gehalten gewesen zu sein, sich bei der Beklagten innerhalb

**Rn. 176**

der Verjährungsfrist zu erkundigen.

**Rn. 177**

Darüber hinaus meint sie, aus der Verletzung der nach ihrer Auffassung

**Rn. 178**

bestehenden Informationspflicht seitens der Beklagten stünde ihr ein

**Rn. 179**

Schadensersatzanspruch zu.

**Rn. 180**

Zur Höhe der Entschädigung hat sich die Klägerin auf ihr erstinstanzliches

**Rn. 181**

Vorbringen gestützt. Hier hat sie unter Bezugnahme auf die Entscheidung

**Rn. 182**

des Bundesgerichtshofs vom 07.07.2000 die Auffassung vertreten, die

**Rn. 183**

Marktverhältnisse seien entscheidend. Hierzu behauptet sie unter näherer

**Rn. 184**

Darlegung, auf die Bezug genommen wird, ein Betrag von 5,00 DM pro

**Rn. 185**

qm sei marktüblich.

**Rn. 186**

Für den Fall, dass die Kammer dieser Auffassung nicht folgen sollte, trägt

**Rn. 187**

die Klägerin vorsorglich ebenfalls unter Bezugnahme auf die genannte

**Rn. 188**

Entscheidung des Bundesgerichtshofs vor, dass dann das übliche Entgelt

**Rn. 189**

für Gestattung der Verlegung von Versorgungsleistungen zu entrichten

**Rn. 190**

sei. Es würden Preise bei Neuverlegung von Telekommunikationsleitungen

**Rn. 191**

zwischen 5,00 € und 15,00 € pro Meter gezahlt. Bei der Verlegung

**Rn. 192**

von LWL-Kabeln auf Erdöl oder Erdgastrassen seien Nutzungsentgelte

**Rn. 193**

von 3,00 DM bis 4,00 DM pro Ifd. Meter üblich.

**Rn. 194**

Hilfsweise beantragt die Klägerin die Bestimmung der Anspruchshöhe

**Rn. 195**

durch das Gericht, § 315 BGB.

**Rn. 196**

Die Klägerin ist vor der Kammer persönlich angehört worden. Im Rahmen

**Rn. 197**

ihrer persönlichen Anhörung hat die Klägerin erklärt, sie habe sich nicht

**Rn. 198**

an B gewandt, da sie keine Anschrift habe und auch von B nicht

**Rn. 199**

angeschrieben worden sei. Sie könne nicht verpflichtet sein, in den

**Rn. 200**

luftleeren Raum hinein Ansprüche herzuleiten. Bei rechtzeitiger

**Rn. 201**

Information durch die Beklagte hätte sie sich an die Beklagte hinsichtlich

**Rn. 202**

des Ausgleichs gewandt. Bei gleicher Antwort von der Beklagten, wie im

**Rn. 203**

Rahmen dieses Rechtsstreits geschehen, wäre sie mit Hilfe ihres

**Rn. 204**

Rechtsanwaltes an die Beklagte herangetreten. Der Klägervertreter hat

**Rn. 205**

hierzu nochmals bestätigt: "Wir hätten Klage gegen die Beklagte

**Rn. 206**

erhoben."

**Rn. 207**

Die Klägerin beantragt,

**Rn. 208**

das erstinstanzliche Urteil abzuändern und die Beklagte zu

**Rn. 209**

verurteilen, an sie 856,41 € nebst Zinsen in Höhe von 8 %

**Rn. 210**

über dem Basiszinssatz seit dem 21.05.2003 zu zahlen.

**Rn. 211**

Die Beklagte beantragt,

**Rn. 212**

die Berufung zurückzuweisen.

**Rn. 213**

Sie verteidigt die angefochtene Entscheidung insbesondere im Hinblick

**Rn. 214**

auf ihre fehlende Betreibereigenschaft und damit auf die fehlende Passivlegitimation.

**Rn. 215**

Ausgleichspflichtig sei derjenige, der auch den unmittelbaren Nutzen aus

**Rn. 216**

der Zweckerweiterung ziehe. Die Beklagte meint, der Umstand, dass nur

**Rn. 217**

ein einmaliger Ausgleich zu zahlen sei, spreche hier nicht für die Passivlegitimation

**Rn. 218**

des Errichtenden der Telekommunikationslinie. Vielmehr

**Rn. 219**

spreche dies gerade für die Ausgleichspflicht des Betreibers der Telekommunikationslinie. Nur er erweitere die Nutzung, wofür die Entschädigung

**Rn. 220**

nach Sinn und Zweck der Regelung zu zahlen sei. Hierfür spreche

**Rn. 221**

auch, dass der Betreiber ebenso Schuldner des Entschädigungsanspruchs

**Rn. 222**

nach § 57 Abs. 2 Satz 1 TKG sei, obwohl er in der Regel mit der

**Rn. 223**

Errichtung der Telekommunikationslinie nichts zu tun habe. Wenn er aber

**Rn. 224**

gegebenenfalls schon für Handlungen des Eigentümers der

**Rn. 225**

Telekommunikationslinie im Zuge der Errichtung hafte, dann jedenfalls

**Rn. 226**

auch für den Ausgleich, der für die Vermarktung zu zahlen sei, deren

**Rn. 227**

Nutzen er allein habe. Aus § 3 TKG ergebe sich in der Gesamtschau, wer

**Rn. 228**

Betreiber der Telekommunikationslinie sei. Per Definition sei die

**Rn. 229**

Telekommunikationslinie Bestandteil des Übertragungsweges. Ein

**Rn. 230**

Betreiber der Telekommunikationslinie sei nicht ausdrücklich definiert.

**Rn. 231**

Demnach müsse es der Betreiber des Übertragungsweges sein, der in § 3

**Rn. 232**

Nr. 1 TKG definiert sei. Dieser Definition entspreche aber die Mieterin des

**Rn. 233**

LWL-Kabels, nicht hingegen die Beklagte. Die Mieterin habe die erforderliche

**Rn. 234**

Funktionsherrschaft. Diese sei nicht identisch mit dem Eigentum. Da § 3 TKG den

**Rn. 235**

Begriff des Betreibers der Telekommunikationslinie zweifelsfrei festlege,

**Rn. 236**

sei die Begriffsbestimmung einer Auslegung durch die Gerichte entzogen.

**Rn. 237**

Der Bundesgerichtshof habe hingegen lediglich entschieden, dass die

**Rn. 238**

Aktivlegitimation im Rahmen des § 57 Abs. 1 Nr. 1 TKG nicht von der

**Rn. 239**

Lizenzinhaberschaft abhängig sei. Nicht entschieden habe er, dass auch

**Rn. 240**

die Passivlegitimation im Sinne des § 57 Abs. 2 Satz 2 TKG von der

**Rn. 241**

Lizenzinhaberschaft unabhängig sei. Auch die rechtliche Kontrolle folge

**Rn. 242**

nicht aus dem Leitungsrecht als solchem. Die rechtliche Kontrolle betreffe

**Rn. 243**

die Frage, wer die Gebrauchsbefugnis habe. Überdies dürfe der Inhaber

**Rn. 244**

des Leitungsrechts die Telekommunikationslinie nicht betreiben. Die

**Rn. 245**

Mieterin vermarkte auch das Grundstück. Sie habe gegenüber der

**Rn. 246**

Klägerin ein originäres Duldungsrecht. In diesem Zusammenhang führt sie

**Rn. 247**

weiter an, dass sich dies auch durch die Praxis bestätige. In der Praxis sei

**Rn. 248**

es häufig der Telekommunikationsanbieter selbst, der die Leitungen nachrüste.

**Rn. 249**

In diesen Fällen mache der Dritte von der Duldungsberechtigung

**Rn. 250**

des § 57 Abs. 1 TKG Gebrauch. Es sei dann zwangsläufig auch der Dritte,

**Rn. 251**

der die Anlage in Betrieb nehme. Zwar sei das Leitungsrecht immer von

**Rn. 252**

dem Leitungsrechtsinhaber, hier der Beklagten, abgeleitet, aber die Inhaberschaft

**Rn. 253**

hinsichtlich des Leitungsnetzes sei kein Tatbestandsmerkmal

**Rn. 254**

für die Vermarktung.

**Rn. 255**

Dass der Betreiber der Leitung oder Anlage nicht als Anspruchsgegner in

**Rn. 256**

Betracht komme, zeige sich auch in den Gesetzesmaterialien. Aus diesen

**Rn. 257**

gehe hervor, dass diese Bezeichnung zunächst ins Auge gefasst worden

**Rn. 258**

sei, dann jedoch der Betreiber der Telekommunikationslinie als An-

**Rn. 259**

spruchsgegner aufgenommen worden sei. Die ursprünglich beabsichtigte

**Rn. 260**

Fassung habe dementsprechend auch nur Ausgleichsansprüche für

**Rn. 261**

solche Tatbestände vorgesehen, die typischerweise mit baulichen Veränderungen

**Rn. 262**

einher gingen und deren Zuweisung zum Leitungsinhaber

**Rn. 263**

nahe läge. Der hier streitige Ausgleichsanspruch habe hingegen später

**Rn. 264**

Eingang in das Gesetz gefunden. Ebenso sei es zu einem Wechsel des

**Rn. 265**

Schuldners gekommen. Dies lasse sich nur so erklären, dass auf Grund

**Rn. 266**

des zusätzlichen Ausgleichstatbestandes ein anderer Schuldner gewählt

**Rn. 267**

worden sei.

**Rn. 268**

Nachrangig ist für die Beklagte, dass es bei Zugrundelegung ihrer Auffassung

**Rn. 269**

von der Betreibereigenschaft nur hinsichtlich des ersten Mieters

**Rn. 270**

einen Ausgleichsanspruch gäbe. Alle weiteren Mieter wären hingegen von

**Rn. 271**

der Verpflichtung zur Ausgleichszahlung frei, da es sich nach dem Gesetz

**Rn. 272**

um eine Einmalzahlung handelt. Hierzu meint die Beklagte, es sei typisch,

**Rn. 273**

dass ein Rechtsnachfolger die Pflichten dessen, dem er nachfolge, nicht

**Rn. 274**

mehr erfüllen müsse, wenn diese Pflichten bereits einmal erfüllt worden

**Rn. 275**

seien.

**Rn. 276**

Keinesfalls sei aber der Leitungseigentümer mit dem Schuldner des Geldausgleichs

**Rn. 277**

gleichzusetzen. Andernfalls habe der Gesetzgeber dies regeln können.

**Rn. 278**

Im Hinblick auf die im Juni 2004 in Kraft getretene Neufassung des TKG

**Rn. 279**

trägt die Beklagte insbesondere zur Frage der Betreibereigenschaft weiter

**Rn. 280**

wie folgt vor:

**Rn. 281**

Daraus, dass nunmehr in § 76 Abs. 2 TKG n.F. alternativ zum Betreiber

**Rn. 282**

der Eigentümer des Leitungsnetzes Anspruchsgegner des Ausgleichsanspruchs

**Rn. 283**

geworden sei, folge, dass sie als Eigentümerin des Leitungsnetzes

**Rn. 284**

zuvor nicht ausgleichspflichtig gewesen sei. Gegen ihre Betreiber-

**Rn. 285**

eigenschaft im Sinne des § 57 TKG a.F. spreche ferner, dass die neue

**Rn. 286**

Gesetzeslage, diese Auslegung zugrunde gelegt, nicht zu einer Erweiterung

**Rn. 287**

der Anspruchsgegner führte. Faktisch verbliebe es dann auch

**Rn. 288**

nach der neuen Regelung bei nur einem Anspruchsgegner. Dies widerspreche

**Rn. 289**

ersichtlich dem Willen des Gesetzgebers.

**Rn. 290**

Zur Frage der Verjährung verteidigt die Beklagte ebenfalls die amtsgerichtliche

**Rn. 291**

Entscheidung. Ein Vergleich mit der Regelung des § 13 TWG

**Rn. 292**

zeige, dass es auf die Kenntnis des Gläubigers nicht ankomme. Ebenso

**Rn. 293**

zeige dieser Vergleich, dass alle Ansprüche von der kurzen Verjährungsfrist

**Rn. 294**

erfasst seien. Die bloße Tatsache, dass sie Kenntnis und die Klägerin

**Rn. 295**

Unkenntnis gehabt habe, ändere an der Verjährung nichts. Anderes

**Rn. 296**

widerspräche den Grundsätzen des alten Verjährungsrechts. Dieses sei

**Rn. 297**

verfassungskonform, auch wenn das neue Verjährungsrecht auf die

**Rn. 298**

Kenntnis der anspruchsbegründenden Umstände abstelle.

**Rn. 299**

Durch die kurze Verjährung ohne Bestehen einer Informationspflicht

**Rn. 300**

werde Artikel 14 Grundgesetz auch nicht ausgehöhlt. Es verhalte sich

**Rn. 301**

ähnlich wie im Erbrecht, das ebenfalls dem Schutz des Eigentums diene.

**Rn. 302**

Auch dort seien aber verschiedene kurze Fristen geregelt, innerhalb derer

**Rn. 303**

Ansprüche unabhängig von etwaiger Kenntnis verjährten.

**Rn. 304**

Die Beklagte meint, sie könne sich auch nach Treu und Glauben auf den

**Rn. 305**

Einwand der Verjährunq berufen. Die Durchbrechung der Verjährung sei

**Rn. 306**

an strenge Anforderungen geknüpft, die nicht vorlägen. Eine gesetzliche

**Rn. 307**

Informationspflicht habe sie nicht getroffen. Die Möglichkeit der Nutzungserweiterung

**Rn. 308**

habe sich erst mit dem TKG eröffnet. Auf Grund der gesetzlichen

**Rn. 309**

Erlaubnis habe auch keine Mitteilungspflicht bestanden. Der Gesetzgeber

**Rn. 310**

habe im Rahmen des § 57 TKG die Möglichkeit, dass Inhaber

**Rn. 311**

des Leitungsrechts und Betreiber der Telekommunikationslinie ausein-

**Rn. 312**

anderfallen können, im Blick gehabt. Damit habe er zugleich vorgesehen,

**Rn. 313**

dass der Eigentümer des Grundstücks nicht ohne Weiteres erkennen

**Rn. 314**

könne, ob und von wem die Telekommunikationslinie genutzt werde.

**Rn. 315**

Wenn das Gesetz dem erkennbaren Informationsbedarf des Grundstückseigentümers

**Rn. 316**

nicht abhelfe, könne aus Treu und Glauben nicht eine

**Rn. 317**

solche Informationspflicht abgeleitet werden. Eine Regelungslücke liege

**Rn. 318**

nicht vor.

**Rn. 319**

Die Beklagte ist der Auffassung, eine Aufklärungspflicht aus einem zu der

**Rn. 320**

Klägerin auf Grund der Dienstbarkeit gegebenen Treueverhältnisse bestehe

**Rn. 321**

nicht. Die diesbezüglichen Rechte und Pflichten folgten aus

**Rn. 322**

§§ 1090 ff. BGB und dem zugrundeliegenden Gestattungsvertrag. Soweit

**Rn. 323**

der Begünstigte das Grundstück über den ihm zustehenden Umfang

**Rn. 324**

hinaus nutze, sei er nicht zur Aufklärung, sondern nur zur Unterlassung

**Rn. 325**

verpflichtet. Die Verletzung von Eigentumsrechten löse keine Informationspflichten

**Rn. 326**

aus. Der Anspruch aus § 57 Abs. 1 TKG bestehe

**Rn. 327**

unabhängig von der Dienstbarkeit, daher könne aus der Dienstbarkeit

**Rn. 328**

auch keine Aufklärungspflicht in dieser Hinsicht entstehen.

**Rn. 329**

Soweit eine Aufklärungspflicht als unselbstständige Nebenpflicht gern.

**Rn. 330**

§ 242 BGB entstehen könne, stehe dem vorliegend die Funktion der Aufklärungspflicht

**Rn. 331**

entgegen. Diese sei regelmäßig, berechtigtes Vertrauen

**Rn. 332**

des einen (Unwissenden) in die Loyalität des anderen (Wissenden) zu

**Rn. 333**

schützen, insbesondere soweit es darum gehe, dass der eine einen Vertrag

**Rn. 334**

bei ordnungsgemäßer Aufklärung nicht abgeschlossen hätte. Daraus

**Rn. 335**

folge, dass eine solche Aufklärungspflicht eine Rechtsbeziehung voraussetze,

**Rn. 336**

die in besonderem Maße dem Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme

**Rn. 337**

unterliege, wie es im Rahmen eines Vertrages oder der Vertragsanbahnung

**Rn. 338**

der Fall sein könne. Ein solches Verhältnis sei vorliegend

**Rn. 339**

nicht gegeben. Es gehe nicht um einen seitens der Beklagten zu

**Rn. 340**

erzielenden Verhandlungserfolg. Vielmehr setze die Beklagte eine

**Rn. 341**

Rechtsposition durch, die ihr gesetzlich zustehe. Ein allgemeines Verbot,

**Rn. 342**

Informationsvorsprünge auszunutzen, gebe es jedoch nicht.

**Rn. 343**

Ferner bestehe auch das erforderliche Informationsgefälle nicht. Hierzu

**Rn. 344**

führt sie erstmals in zweiter Instanz im Einzelnen näher aus, dass die

**Rn. 345**

Klägerin sich nicht auf mangelnde Kenntnis berufen könne. Die Problematik

**Rn. 346**

sei sowohl Thema in der allgemeinen Medienberichterstattung gewesen,

**Rn. 347**

als auch mit den zuständigen Interessenverbänden diskutiert

**Rn. 348**

worden.

**Rn. 349**

Die Beklagte macht ebenso erstmals in zweiter Instanz geltend, dass die

**Rn. 350**

Klägerin nicht darlege, warum sie nicht in unverjährter Zeit ihren Anspruch

**Rn. 351**

geltend gemacht habe. Die Klägerin habe die in eigenen Angelegenheiten

**Rn. 352**

erforderliche Sorgfalt nicht beobachtet. Sie habe ohne weiteres die Möglichkeit

**Rn. 353**

gehabt, sich alle erforderlichen Informationen zu beschaffen.

**Rn. 354**

Auch aus der Drittwirkung der Grundrechte folge keine Aufklärungspflicht.

**Rn. 355**

Diese könnten nur über die Auslegung von Generalklauseln wie § 242

**Rn. 356**

BGB wirken. Hier lägen aber unmittelbar gültige Rechtsnormen vor. Eine

**Rn. 357**

Anwendung von § 242 BGB komme daher nicht in Betracht.

**Rn. 358**

Die Beklagte meint im Hinblick auf eine vermeintliche Schadensersatzverpflichtung

**Rn. 359**

weiter, eine vertragliche Nebenpflicht zur Information über die

**Rn. 360**

Nutzungserweiterung habe nicht bestanden. Unter Berufung auf die

**Rn. 361**

Rechtsprechung des Oberlandesgerichts Frankfurt (MMR 1999, Seite 161

**Rn. 362**

ff.) ist sie der Auffassung, sie habe davon ausgehen dürfen, die

**Rn. 363**

Nutzungserweiterung sei ohne Ausgleichsverpflichtung zulässig gewesen.

**Rn. 364**

Hinsichtlich der Höhe der zu zahlenden Entschädigung behauptet die Beklagte,

**Rn. 365**

diese bemesse sich nach dem sogenannten Entwertungsbruchteil

**Rn. 366**

und betrage 0,27 € pro Meter. Hilfsweise nimmt die Beklagte auf die Ent-

**Rn. 367**

scheidung des Oberlandesgerichts Hamm vom 12.11.2001 Bezug und

**Rn. 368**

errechnet einen Betrag von 1,24 € pro Ifd. Meter.

**Rn. 369**

Der für die Beklagte im Termin vom 12.03.2004 vor der Kammer erschienene

**Rn. 370**

Herr I erklärte im Rahmen seiner persönlichen

**Rn. 371**

Anhörung, das LWL-Kabel sei 1994 auf die bestehenden Leitungen aufgebracht

**Rn. 372**

worden. Zu diesem Zeitpunkt habe sich das TKG abgezeichnet.

**Rn. 373**

Ein paar Fasern seien für die Beklagte vorgesehen und genutzt worden.

**Rn. 374**

Ab 1996 seien die Leitungen an B übergeben worden. Die betriebsinterne

**Rn. 375**

Nutzung habe zum selben Zeitpunkt eingesetzt, da die Beklagte

**Rn. 376**

zuvor keine Empfangsvorrichtungen gehabt habe. Derzeit nutze die Beklagte

**Rn. 377**

ca. 1/3 des Kabels für sich und 2/3 seien an B vermietet.

**Rn. 378**

Auf das Berufungsvorbringen der Beklagten zu der Neuregelung des Telekommunikationsgesetzes nimmt die Klägerin wie folgt Stellung:

**Rn. 379**

Sie verweist darauf, dass sich aus den Gesetzesmaterialien ergebe, dass

**Rn. 380**

mit der Neuregelung "klargestellt" werden solle, dass nicht nur der Betreiber,

**Rn. 381**

sondern auch der Inhaber des Leitungsnetzes ausgleichspflichtig

**Rn. 382**

sein soll. Die Formulierung sei lediglich unglücklich gewählt. Dennoch

**Rn. 383**

meint sie, es gehe nicht um eine Erweiterung des Schuldnerkreises,

**Rn. 384**

sondern lediglich um eine KlarsteIlung, dass der Eigentümer des Netzes

**Rn. 385**

schon immer ausgleichspflichtig gewesen sei.

**Rn. 386**

Zudem meint sie, es könne nicht im Sinne der Beklagten von der Neuregelung

**Rn. 387**

auf die Altregelung zurückgeschlossen werden.

**Rn. 388**

Zur Stützung ihrer Ansicht legt sie nach Ablauf der Berufungsbegründungsfrist

**Rn. 389**

erstmals in zweiter Instanz einen Vertrag vor, wie er von

**Rn. 390**

den Energieversorgern mit den jeweiligen Telekommunikationsanbietern

**Rn. 391**

geschlossen werde. Danach erfolge der Betrieb der Telekommunikationslinie

**Rn. 392**

eindeutig durch den Energieversorger.

**Rn. 393**

Die Vorlage des Mietvertrages rügt die Beklagte als verspätet und verweist

**Rn. 394**

zudem darauf, dass dieser Vertrag keine Aussagekraft für den

**Rn. 395**

streitgegenständlichen Mietvertrag zwischen der Beklagten und B

**Rn. 396**

habe.

**Rn. 397**

Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird auf die

**Rn. 398**

überreichten Schriftsätze und die zu den Akten gelangten Unterlagen Bezug

**Rn. 399**

genommen.

**Rn. 400**

II.

**Rn. 401**

Die zulässige Berufung hat auch in der Sache Erfolg.

**Rn. 402**

Das Amtsgericht hat die Klage zu Unrecht abgewiesen. Der Klägerin steht

**Rn. 403**

der geltend gemachte Ausgleichsanspruch in voller Höhe gegen die Beklagte

**Rn. 404**

zu. Die Klägerin ist gern. § 57 I Nr. 1 TKG zur Duldung der streitgegenständlichen

**Rn. 405**

Einwirkung auf ihr Grundstück, dem Nachrüsten der

**Rn. 406**

Hochspannungsleitung mit LWL-Kabeln, verpflichtet. Die Beklagte ist

**Rn. 407**

Betreiberin im Sinne des § 57 Abs. 2 TKG. Offen bleiben kann, ob der

**Rn. 408**

damit gegen sie gerichtete Ausgleichsanspruch des § 57 Abs. 2 Satz 2

**Rn. 409**

TKG gem. § 58 TKG verjährt ist oder ob für diesen Anspruch die normalen

**Rn. 410**

gesetzlichen Verjährungsregelungengelten mit dem Ergebnis, dass die

**Rn. 411**

Verjährung noch nicht eingetreten ist. Jedenfalls kann sich die Beklagte

**Rn. 412**

vorliegend nicht auf die Einrede der Verjährung berufen.

**Rn. 413**

Im Einzelnen:

**Rn. 414**

1.

**Rn. 415**

Unstreitig ist die Klägerin gegenüber der Beklagten gern. § 57 Abs. 1 Nr. 1

**Rn. 416**

TKG zur Duldung der streitgegenständlichen Einwirkung auf ihr Grundstück

**Rn. 417**

verpflichtet. Der Beklagten steht das Recht zur Errichtung der Hochspannungsleitung

**Rn. 418**

mit allen Folgeverrichtungen durch eine beschränkt persönliche

**Rn. 419**

Dienstbarkeit gesichert gegenüber der Klägerin zu. Diese bestehende,

**Rn. 420**

durch ein Recht gesicherte Leitung, ist vorliegend für die Errichtung

**Rn. 421**

der Telekommunikationslinie genutzt worden.

**Rn. 422**

2.

**Rn. 423**

Ebenso unstreitig hat eine Nutzungserweiterung dieser Telekommunikationsleitung

**Rn. 424**

im Sinne des § 57 Abs. 2 Satz 2 TKG stattgefunden. Die

**Rn. 425**

bereits 1994 seitens der Beklagten errichtete Telekommunikationslinie ist

**Rn. 426**

seit 1996 für kommerzielle Zwecke genutzt worden. Dabei geht die

**Rn. 427**

Kammer davon aus, dass die Vermietung des Kabels zwischen den

**Rn. 428**

Parteien in zweiter Instanz unstreitig ist. Mit der Berufungsbegründung hat

**Rn. 429**

die Klägerin ihr Bestreiten nicht dezidiert aufrechterhalten. Vielmehr hat

**Rn. 430**

sie im Rahmen ihrer Ausführungen vorgetragen "Der Mieter dieser

**Rn. 431**

Vorrichtungen (in diesem Fall B) hat ....". Auf den Schriftsatz

**Rn. 432**

vom 06.08.2003 (Blatt 92) wird insoweit Bezug genommen. Die Kammer

**Rn. 433**

hat daraufhin mit Verfügung vom 20.10.2003 darauf hingewiesen, dass

**Rn. 434**

die Vermietung nunmehr unstreitig sein dürfte. Dem ist die Klägerin nicht

**Rn. 435**

substantiiert entgegengetreten. Im Gegenteil hat die Klägerin mit

**Rn. 436**

Schriftsatz vom 23.01.2004 (Blatt 296 ff.) vorgetragen, die Vermarktung

**Rn. 437**

des Grundstücks finde seitens der Beklagten durch Vermietung an die

**Rn. 438**

B statt. Soweit die Klägerin sodann mit gleichem Schriftsatz

**Rn. 439**

pauschal bestreitet, dass eine Vermietung stattgefunden habe, ist dieses

**Rn. 440**

Vorbringen widersprüchlich und damit unbeachtlich. Unschädlich ist

**Rn. 441**

insoweit, dass die Nutzung zur kommerziellen Telekommunikation erst

**Rn. 442**

nachträglich, also zeitlich deutlich nach Errichtung der Telekommunikationslinie,

**Rn. 443**

begonnen hat. Zwar entfiele eine Ausgleichspflicht vorliegend

**Rn. 444**

in diesem Fall nach dem Wortlaut der Vorschrift, höchstrichterlich ist

**Rn. 445**

jedoch festgestellt, dass die Ausgleichspflicht auch dann besteht, wenn

**Rn. 446**

ein Übergang von interner zu kommerzieller Nutzung stattfindet (BGH

**Rn. 447**

NJW 2000, Seite 3206, BverfG NJW 2001, 2960). Andernfalls stünde § 57

**Rn. 448**

TKG als Inhalts- und Schrankenbestimmung des Eigentums nicht in

**Rn. 449**

Einklang mit Artikel 14 Grundgesetz.

**Rn. 450**

Gleiches muss auch dann gelten, wenn - wie hier - die Errichtung und die

**Rn. 451**

Nutzung insgesamt sowohl intern wie auch kommerziell-zeitlich

**Rn. 452**

auseinanderfallen.

**Rn. 453**

3.

**Rn. 454**

Die Beklagte ist auch passivlegitimiert. Passivlegitimiert für den Ausgleichsanspruch

**Rn. 455**

ist der Betreiber der Telekommunikationslinie. Dies ist

**Rn. 456**

vorliegend die Beklagte.

**Rn. 457**

§ 57 Abs. 2 Satz 2 TKG nennt zwar anders als Satz 1 und 3 explizit

**Rn. 458**

keinen Anspruchsgegner. Dies eröffnet zunächst die Frage, wer die in

**Rn. 459**

§ 57 Abs. 2 Satz 2 TKG normierte Ausgleichspflicht trägt. Die Kammer

**Rn. 460**

geht dabei in Übereinstimmung mit beiden Parteien davon aus, dass dies

**Rn. 461**

der Betreiber der Telekommunikationslinie ist. Dafür spricht, dass § 57

**Rn. 462**

Abs. 1 TKG die Duldungspflicht des Grundeigentümers gegenüber

**Rn. 463**

demjenigen, der eine Telekommunikationslinie errichtet, betreibt und

**Rn. 464**

erneuert, normiert. Korrespondierend mit der Duldungspflicht normiert

**Rn. 465**

Abs. 2 sodann in Satz 1 und 3 Ersatzansprüche, die sich ausdrücklich

**Rn. 466**

gegen den Betreiber der Telekommunikationslinie richten. Bei wörtlicher

**Rn. 467**

Auslegung des Satzes 2 spricht die Formulierung "darüber hinaus" dafür,

**Rn. 468**

dass die in Satz 1 begonnene Normierung von Ansprüchen gegen den

**Rn. 469**

Betreiber in Satz 2 weitergeführt werden soll. Dies gilt umso mehr, als kein

**Rn. 470**

weiterer Adressat in Satz 2 genannt wird. Hätte der Gesetzgeber hier

**Rn. 471**

einen anderen Anspruchsgegner bestimmen wollen, hätte es nahe

**Rn. 472**

gelegen, dies ausdrücklich in Abgrenzung zum gesamten übrigen Inhalt

**Rn. 473**

'des § 57 Abs. 2 TKG zu tun. Ferner spricht auch die systematische

**Rn. 474**

Stellung des Ausgleichsanspruchs in Satz 2 zwischen den Ansprüchen

**Rn. 475**

gegen den Betreiber in Satz 1 und 3 dafür, dass der Anspruch nach Satz

**Rn. 476**

2 gegen den Betreiber gerichtet sein soll. Diese Auffassung wird

**Rn. 477**

zusätzlich dadurch gestützt, dass der Ausgleichsanspruch nach Satz 2

**Rn. 478**

wie die beiden anderen Ausgleichsansprüche nach Satz 1 und 3 auf die

**Rn. 479**

Duldungspflicht nach Abs. 1 zurückgeht.

**Rn. 480**

Der damit feststehende Anspruchsgegner, nämlich der Betreiber der Telekommunikationslinie, ist der Inhaber des Leitungsrechts, mithin die Beklagte.

**Rn. 481**

Hierfür spricht bereits die Systematik des § 57 TKG. Aus ihr geht hervor,

**Rn. 482**

dass Duldungsberechtigung und Ausgleichsverpflichtung korrespondieren.

**Rn. 483**

Es liegt auf der Hand, dass derjenige, der Gläubiger eines Duldungsanspruchs

**Rn. 484**

ist und hiervon auch Gebrauch macht, auch zugleich der

**Rn. 485**

Schuldner des Ausgleichsanspruchs ist, wenn ein solcher Anspruch - wie

**Rn. 486**

hier - vorgesehen ist. Dafür, dass nicht der Mieter, sondern der Eigentümer

**Rn. 487**

der Leitung Betreiber im Sinne des § 57 TKG ist, spricht - entgegen

**Rn. 488**

der Auffassung der Beklagten - auch, dass es sich um eine einmalige

**Rn. 489**

Zahlung handelt, die dafür gezahlt wird, dass der Eigentümer des Grundstücks

**Rn. 490**

in seinem Recht begrenzt wird, mit der Sache nach Belieben zu

**Rn. 491**

verfahren, eine Fremdnutzung zu untersagen oder sich marktgerecht vergüten

**Rn. 492**

zu lassen (BGH NJW 2000, Seite 3206, 3210). Die erste und dauerhafte

**Rn. 493**

Vermarktung der Telekommunikationslinie erfolgt durch den Inhaber

**Rn. 494**

des Leitungsrechts, entweder durch eigene Nutzung zu kommerziellen

**Rn. 495**

Zwecken oder wie hier durch Vermietung. Die weitergehende Vermarktung

**Rn. 496**

durch den jeweiligen Mieter ist jeweils nur von der Vermarktung

**Rn. 497**

durch den Eigentümer der Leitung abgeleitet, wovon letztlich auch die Beklagte

**Rn. 498**

ausgeht. Für die von der Kammer vertretene Auslegung der

**Rn. 499**

Betreibereigenschaft spricht auch, dass anderenfalls die Situation einträte,

**Rn. 500**

dass nur der erste Mieter den Einmalanspruch auszugleichen hätte, die

**Rn. 501**

nachfolgenden Mieter hingegen nicht. Warum der erste Mieter der Anlage

**Rn. 502**

ausgleichspflichtig und damit schlechter gestellt sein sollte als alle

**Rn. 503**

anderen nach ihm folgenden Mieter, ist hingegen nicht begründbar.

**Rn. 504**

Soweit die Beklagte darauf verweist, es handele sich hier um ein

**Rn. 505**

nachrangiges und bei der Gesetzesauslegung nicht zu beachtendes

**Rn. 506**

Problem, geht sie fehl. Zu Unrecht nimmt die Beklagte hier ein

**Rn. 507**

bestehendes Rechtsnachfolgeverhältnis zwischen den verschiedenen Mietern an, weshalb die Erfüllung durch den ersten Mieter dann für die folgenden gelten könne.

**Rn. 508**

Jeder Mieter handelt einen neuen Vertrag mit dem Leitungsrechtsinhaber

**Rn. 509**

aus. Ein Fall der Rechtsnachfolge ist vorliegend nicht gegeben.

**Rn. 510**

Die Betreibereigenschaft des Errichters der Telekommunikationslinie bzw.

**Rn. 511**

des Inhabers des Leitungsrechtes ergibt sich auch aus folgender Überlegung:

**Rn. 512**

Einhellige Auffassung ist, dass der Betreiber der Telekommunikationslinie

**Rn. 513**

der Anspruchsgegner aller in § 57 Abs. 2 TKG genannten

**Rn. 514**

Ansprüche ist. Ansprüche nach Abs. 2 Satz 1 können aber bereits

**Rn. 515**

unmittelbar bei Errichtung der Telekommunikationslinie entstehen. Würde

**Rn. 516**

dann nicht derjenige haften, der die Nutzungsbeeinträchtigung im Zuge

**Rn. 517**

der Errichtung verursacht hat und in der Folge keine Vermietung der

**Rn. 518**

Telekommunikationslinie zu kommerziellen Zwecken erfolgen, bliebe der

**Rn. 519**

Eingriff in das Eigentumsrecht - abgesehen von deliktischen Ansprüchen

**Rn. 520**

- mangels Anspruchsgegners entschädigungslos. Dies läuft ersichtlich

**Rn. 521**

dem Zweck der Vorschrift zuwider. Soweit die Beklagte hierzu meint, es

**Rn. 522**

sei unbeachtlich, dass bei Zugrundelegung ihrer Auffassung ohne

**Rn. 523**

Vermietung der Anlage kein Anspruchsgegner für eventuelle

**Rn. 524**

Entschädigungsansprüche vorhanden sei, da in solchen Fällen bei

**Rn. 525**

Beeinträchtigungen des Grundstücks in jedem Fall ein deckungsgleicher

**Rn. 526**

Entschädigungsanspruch außerhalb des TKG entstehe, folgt ihr die

**Rn. 527**

Kammer nicht. Hier ist der Beklagten entgegen zu halten, dass es sich, da

**Rn. 528**

das Gesetz einen Anspruchsgegner klar vorgibt, ansonsten nur um

**Rn. 529**

deliktische Ansprüche handeln könnte, die an weitergehende Voraussetzungen

**Rn. 530**

geknüpft sind. Im Übrigen würde dies dazu führen, dass der

**Rn. 531**

Betreiber, wenn er nach Auffassung der Beklagten vorhanden ist, auch für

**Rn. 532**

die Schäden bei der Errichtung haften würde, die der Leitungsinhaber verursacht

**Rn. 533**

hat. Eine solche Blankohaftungsübernahme für ein fremdes, nicht

**Rn. 534**

beeinflussbares Handeln ist aber fernliegend und mit dem Rechtssystem

**Rn. 535**

nicht vereinbar, zumal unstreitig sämtliche Arbeiten vor Ort, die zu

**Rn. 536**

Schäden führen können, von dem Inhaber der Leitung, hier der

**Rn. 537**

Beklagten, vorgenommen werden.

**Rn. 538**

Die Betreiberrolle der Beklagten als Eigentümerin der Leitung ergibt sich

**Rn. 539**

darüber hinaus auch in Anbetracht der in § 3 TKG normierten Begrifflichkeiten.

**Rn. 540**

Anders als andere Formen des Betreibens ist der Begriff des

**Rn. 541**

Betreibens einer Telekommunikationslinie nicht legal definiert. Legal definiert

**Rn. 542**

ist aber der Begriff der Telekommunikationslinie in § 3 Nr. 20 TKG.

**Rn. 543**

Danach stellen - verkürzt dargestellt - eine Telekommunikationslinie dle

**Rn. 544**

körperlichen Bestandteile dar, die erforderlich sind, um sodann durch nicht

**Rn. 545**

körperliche Einwirkung (Funksignale etc.) tatsächlich Telekommunikation

**Rn. 546**

ermöglichen zu können. Aus dieser Definition ist ersichtlich, dass das

**Rn. 547**

Betreiben von Telekommunikationslinien im Wesentlichen das Vorhalten

**Rn. 548**

der körperlichen Bestandteile, die für die Telekommunikation erforderlich

**Rn. 549**

sind, beinhaltet. Der Begriff des Betreibens, als solcher ist in § 3 Nr. 1

**Rn. 550**

und 2 TKG in Bezug auf Übertragungswege und Telekommunikations24

**Rn. 551**

netze jeweils als tatsächliche und rechtliche Kontrolle (Funktionsherrschaft)

**Rn. 552**

beschrieben. Davon ausgehend ist Betreiber der Telekommunikationslinie,

**Rn. 553**

wer die tatsächliche und rechtliche Kontrolle an ihr

**Rn. 554**

hat. Dies ist hier die Beklagte. Sie hat als Eigentümerin der Leitung und

**Rn. 555**

Inhaberin des Leitungsrechts die rechtliche Kontrolle. Dieser begibt sie

**Rn. 556**

sich auch nicht durch die Vermietung des Kabels, vielmehr macht sie von

**Rn. 557**

ihrer rechtlichen Kontrollmöglichkeit durch die Vermietung Gebrauch.

**Rn. 558**

Ebenso hat die Beklagte die tatsächliche Kontrolle über die Telekommunikationslinie.

**Rn. 559**

Dies folgt bereits daraus, dass sie die Leitungswege

**Rn. 560**

nach wie vor für die Energieversorgung und die nachgerüsteten LWL-Kabel

**Rn. 561**

zum Teil für ihre eigene Kommunikation nutzt. Unwidersprochen hat

**Rn. 562**

die Klägerin dazu vorgetragen, dass es allein Sache der Beklagtem ist, die

**Rn. 563**

Leitungen zu erhalten. Die Mieterin habe ihr Grundstück noch nie betreten.

**Rn. 564**

Auch dies belegt, dass die tatsächliche Kontrolle weiterhin bei der

**Rn. 565**

Beklagten liegt.

**Rn. 566**

Die Beklagte kann sich demgegenüber nicht auf § 3 Nr. 1 TKG berufen.

**Rn. 567**

Hier ist ausdrücklich das Betreiben von Übertragungswegen geregelt.

**Rn. 568**

Diese sind mit den Telekommunikationslinien nicht identisch. Dies folgt

**Rn. 569**

bereits aus der im Gesetz vorgenommenen Differenzierung zwischen den

**Rn. 570**

Begriffen in § 3 Nr. 20 und 22. Deutlich wird der Unterschied zudem in § 6

**Rn. 571**

TKG. Danach benötigen die Betreiber eines Übertragungsweges eine

**Rn. 572**

Lizenz. Eine Lizenzpflicht für die Betreiber einer Telekommunikationslinie

**Rn. 573**

besteht hingegen nicht.

**Rn. 574**

Die Hinweise der Beklagten auf das Gesetzgebungsverfahren verfangen

**Rn. 575**

ebenfalls nicht. Zwingende Schlüsse auf die Identität des Betreibers ergeben

**Rn. 576**

sich hieraus nicht.

**Rn. 577**

Zusammenfassend ist daher festzustellen, dass die Beklagte Betreiberin

**Rn. 578**

der Telekommunikationslinie im Sinne des Gesetzes ist. Diese Auslegung

**Rn. 579**

des Gesetzes steht zudem in Übereinstimmung mit der obergerichtlichen

**Rn. 580**

und höchstrichterlichen Rechtsprechung. Der Bundesgerichtshof hat

**Rn. 581**

problemlos den Leitungsrechtsinhaber als Anspruchsgegner angesehen.

**Rn. 582**

Auf die bereits zitierte Entscheidung vom 07.07.2000 wird insoweit Bezug

**Rn. 583**

genommen. Auch das Oberlandesgericht Hamm hat in seiner Entscheidung

**Rn. 584**

vom 22.11.2001 (NJW 2002, Seite 769 ff.) grundsätzlich die

**Rn. 585**

Ausgleichspflicht des Energieversorgers für die Nachrüstung seiner

**Rn. 586**

Leitungen angenommen.

**Rn. 587**

Soweit die Beklagte demgegenüber meint, die Tatsache, dass die

**Rn. 588**

Nutzungserweiterung die Ausgleichspflicht begründe, beschreibe die

**Rn. 589**

Betreibereigenschaft in dem Sinne, dass derjenige der Betreiber sei, der

**Rn. 590**

die erweiterte Nutzung durchführe, geht sie fehl. Ihre Argumentation basiert

**Rn. 591**

hier auf einem Zirkelschluss. Sie setzt voraus, dass die Erweiterung

**Rn. 592**

der Nutzung durch die kommerzielle Vermarktung seitens des Mieters erfolgt.

**Rn. 593**

Sie liegt hingegen bereits in der Vermietung des Kabels.

**Rn. 594**

Ebenso wenig ist der Verweis der Beklagten auf die Gesetzesmaterialien

**Rn. 595**

zur alten Fassung des Telekommunikationsgesetzes zwingend, wonach

**Rn. 596**

zunächst der Betreiber der Leitung oder Anlage als Anspruchsgegner in

**Rn. 597**

Betracht gezogen worden sei und sodann der Betreiber der Telekommunikationslinie

**Rn. 598**

ins Gesetz Eingang gefunden habe. Soweit die Beklagte

**Rn. 599**

darüber hinaus meint, aus der Neufassung des Telekommunikationsgesetzes

**Rn. 600**

Rückschlüsse auf die Auslegung der alten Fassung des TKG

**Rn. 601**

ziehen zu können, geht sie ebenfalls fehl. Die Neuregelung eines Gesetzes

**Rn. 602**

kann nicht die Auslegung einer bisher geltenden Norm bestimmen.

**Rn. 603**

Vielmehr ist diese im Lichte der Umstände und der Gesetzeslage auszulegen,

**Rn. 604**

die in dem Zeitpunkt der Gültigkeit der auszulegenden Norm bestanden

**Rn. 605**

hat.

**Rn. 606**

Ebenso wenig greift das Argument der Beklagten, der Eigentümer der

**Rn. 607**

Leitung könne nicht mit dem Schuldner des Ausgleichsanspruchs automatisch

**Rn. 608**

gleichgesetzt werden. Nicht das Eigentum löst den Ausgleichsanspruch

**Rn. 609**

aus, sondern die Nutzungserweiterung durch den Eigentümer

**Rn. 610**

der Leitung.

**Rn. 611**

Mithin ist die Beklagte Betreiberin im Sinne des § 57 Abs. 2 Satz 2 TKG

**Rn. 612**

und damit für den geltend gemachten Anspruch passivlegitimiert.

**Rn. 613**

4.

**Rn. 614**

Ob der gegen die Beklagte gerichtete Ausgleichsanspruch gern. § 58 TKG

**Rn. 615**

bereits unabhängig von der Kenntnis der Klägerin von den anspruchsbegründenden

**Rn. 616**

Umständen im Jahre 1998 verjährt war oder ob die allgemeinen

**Rn. 617**

Verjährungsregelungen auf diesen Anspruch anzuwenden sind

**Rn. 618**

mit der Folge, dass der Anspruch zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht

**Rn. 619**

verjährt wäre, kann vorliegend offen bleiben. Jedenfalls ist es der Beklagten

**Rn. 620**

gern. § 242 BGB in Verbindung mit Artikel 14 Grundgesetz verwehrt,

**Rn. 621**

sich auf die Einrede der Verjährung zu berufen. Dabei ist der Beklagten

**Rn. 622**

zuzugeben, dass die Verjährungsdurchbrechung vorliegend nicht

**Rn. 623**

aus der Verletzung von Auskunftspflichten folgt. Die Beklagte hat die von

**Rn. 624**

der Klägerin begehrte Auskunft unstreitig zeitnah nach Stellung der Anfrage

**Rn. 625**

seitens der Klägerin erteilt. Damit ist die Beklagte ihrer Auskunftsverpflichtung

**Rn. 626**

nachgekommen.

**Rn. 627**

Über die von ihr erfüllte Auskunftsverpflichtung hinaus bestand für die Beklagte

**Rn. 628**

aber auch eine Aufklärungspflicht gegenüber der Klägerin. Offen

**Rn. 629**

bleiben kann, ob eine solche aus der zugunsten der Beklagten eingetragenen

**Rn. 630**

beschränkten persönlichen Dienstbarkeit in Verbindung mit dem

**Rn. 631**

der Dienstbarkeit zugrunde liegenden Gestattungsvertrag folgt. Eine

**Rn. 632**

solche Aufklärungspflicht folgt jedenfalls aus der verfassungskonformen

**Rn. 633**

Auslegung des § 57 TKG. Dabei kann vorliegend als unstreitig angenommen

**Rn. 634**

werden, dass die Klägerin bis zu der von ihr initiierten Anfrage

**Rn. 635**

bei der Beklagten im März 2003 keine Kenntnis von der Nutzungserweiterung

**Rn. 636**

hatte. Dies war in erster Instanz unstreitig. Den entsprechenden

**Rn. 637**

Behauptungen der Klägerin ist die Beklagte nicht substantiiert entgegen

**Rn. 638**

getreten. Soweit sie dies erstmals in zweiter Instanz und dazu nach Ablauf

**Rn. 639**

der Berufungserwiderungsfrist tut, ist sie mit diesem Vorbringen gern.

**Rn. 640**

§ 531 Abs. 2 ZPO ausgeschlossen.

**Rn. 641**

Vor diesem Hintergrund bestand eine Mitteilungspflicht der Beklagten

**Rn. 642**

gegenüber der Klägerin, die sie unstreitig verletzt hat. Grundsätzlich besteht

**Rn. 643**

eine Mitteilungspflicht als Nebenpflicht dann, wenn der andere Teil

**Rn. 644**

nach den im Verkehr herrschenden Anschauungen redlicherweise Aufklärung

**Rn. 645**

erwarten darf. Angesichts dessen, dass die Nutzungserweiterung

**Rn. 646**

für den Grundstückseigentümer, hier die Klägerin, in keiner Weise erkennbar

**Rn. 647**

war, droht dem Grundstückseigentümer in einer solchen

**Rn. 648**

Konstellation ein Schaden, wenn er seinen Ausgleichsanspruch mangels

**Rn. 649**

Kenntnis nicht verwirklichen kann, so dass dieser Ausgleichsanspruch im

**Rn. 650**

Ergebnis entwertet wird. Unabhängig davon, ob sich in den Fällen des

**Rn. 651**

§ 57 TKG bereits eine konkrete Verkehrsauffassung zu einer bestehenden

**Rn. 652**

Aufklärungspflicht des Energieversorgers und Leitungsrechtsinhabers

**Rn. 653**

herausgebildet hat, erscheint es vor dem dargestellten tatsächlichen

**Rn. 654**

Hintergrund unbillig, wenn der Leitungsberechtigte, der die Aufrüstung

**Rn. 655**

bewusst und zu seinen eigenen Gunsten initiiert, dem Grundstückseigentümer

**Rn. 656**

den Ausgleich unter Ausnutzung seines auf Grund der Umstände

**Rn. 657**

gegebenen Wissensvorsprungs vorenthält (vgl. Wendland, MMR 2004,

**Rn. 658**

S. 297 ff., 301).

**Rn. 659**

Für die Konstatierung einer solchen Aufklärungspflicht im Rahmen des

**Rn. 660**

§ 57 TKG spricht auch die Struktur des gesetzlich vorgesehenen Ausgleichsanspruchs.

**Rn. 661**

Das TKG normiert eine Duldungspflicht für den Grund-

**Rn. 662**

stückseigentümer gegenüber dem Betreiber und Leitungsberechtigten,

**Rn. 663**

der er sich nicht entziehen kann. Die Duldungspflicht wirkt dabei

**Rn. 664**

unmittelbar, so dass der Anspruchsinhaber, nämlich der Inhaber des

**Rn. 665**

Leitungsrechts, dieses gesetzlich eingeräumte

**Rn. 666**

Nutzungserweiterungsrecht nicht erst gegenüber dem

**Rn. 667**

Grundstückseigentümer geltend machen muss. Der

**Rn. 668**

Grundstückseigentümer hat darüber hinaus auch kein Zurückbehaltungs-.

**Rn. 669**

recht gegenüber dem Leitungsrechtsinhaber, bis ein etwaiger Ausgleich

**Rn. 670**

gezahlt wird. Dies liefe dem Zweck der Duldungspflicht zuwider, ein

**Rn. 671**

funktionierendes Telekommunikationsnetz aufzubauen, wenn einzelne

**Rn. 672**

Grundstückseigentümer es vorläufig unterbrechen könnten. Entgeltverhandlungen

**Rn. 673**

sollen gerade nicht stattfinden müssen. Zur Erreichung dieses

**Rn. 674**

Zieles hat das Gesetz dem Grundstückseigentümer mithin jegliche Interventionsmöglichkeit gegen die Nutzungserweiterung und damit gegen die

**Rn. 675**

erweiterte Nutzung seines Grundstücks genommen. Dieser Eingriff in das

**Rn. 676**

Eigentum ist mit der verfassungsrechtlichen Garantie des Eigentums gemäß

**Rn. 677**

Artikel 14 Grundgesetz nur dann vereinbar, wenn zugleich eine Ausgleichspflicht

**Rn. 678**

des Leitungsrechtsinhabers besteht, der die Nutzungserweiterung

**Rn. 679**

herbeiführt. Einen solchen Ausgleichsanspruch hat das Gesetz

**Rn. 680**

in § 57 Abs. 2 Satz 2 TKG auch vorgesehen. Dieser verfassungsrechtlich

**Rn. 681**

gebotene Ausgleichsanspruch läuft hingegen leer, wenn die Anspruchsentstehung

**Rn. 682**

für den Grundstückseigentümer nicht erkennbar ist und er

**Rn. 683**

zudem kenntnisunabhängig innerhalb von nur 2 Jahren verjährte. Angesichts

**Rn. 684**

dessen, dass die in § 57 Abs. 1 TKG normierte Duldungspflicht des

**Rn. 685**

Grundstückseigentümers auch nach höchstrichterlicher Rechtsprechung

**Rn. 686**

(BverfG NJW 2001, Seite 2960) nur dann verfassungsrechtlich unbedenklich

**Rn. 687**

ist, wenn der Duldungspflicht ein entsprechender Ausgleichsanspruch

**Rn. 688**

gegenübersteht, ist § 57 TKG hier im Lichte von Artikel 14 Grundgesetz in

**Rn. 689**

Verbindung mit § 242 BGB auszulegen. Hieraus folgt, dass der Beklagten

**Rn. 690**

gern. § 242 BGB im Wege der Drittwirkung des Grundrechts des Artikel 14

**Rn. 691**

Grundgesetz eine Mitteilungspflicht obliegt. Diese scheitert auch nicht

**Rn. 692**

daran, dass es der Klägerin grundsätzlich frei gestanden hätte, in regelmäßigen

**Rn. 693**

Abständen nach einer Nutzungserweiterung bzw. einer Errichtung

**Rn. 694**

der Telekommunikationslinie zu fragen und sodann eine entsprechende

**Rn. 695**

Auskunft erteilt worden wäre. Die Klägerin kann nicht gehalten

**Rn. 696**

sein, ohne konkreten Anhaltspunkt in regelmäßigen Abständen zu

**Rn. 697**

erfragen, ob auf ihrem Grundstück über die bestehende Dienstbarkeit

**Rn. 698**

hinaus Veränderungen vorgenommen worden sind und hieran eventuelle

**Rn. 699**

Ausgleichsansprüche geknüpft sein können. Es ist offenkundig, dass

**Rn. 700**

solche periodischen Anfragen, die rein vorbeugend ohne Anhaltspunkt zu

**Rn. 701**

stellen wären, weder zumutbar noch notwendig sind. Mit der

**Rn. 702**

Konstatierung einer solchen Verpflichtung. seitens der Klägerin aber auch

**Rn. 703**

einer entsprechenden Auskunftsverpflichtung seitens der Beklagten

**Rn. 704**

würden beide Parteien ersichtlich unnötig belastet (vgl. für alles Vorstehende

**Rn. 705**

Wendland, MMR 2004, S. 297 ff., 301 ff.). Die nach dem vorstehend

**Rn. 706**

Gesagten zu Lasten der Beklagten bestehende Mitteilungspflicht

**Rn. 707**

hat diese unstreitig verletzt, durch die Verletzung dieser Pflicht hat die

**Rn. 708**

Klägerin ihren Anspruch nicht rechtzeitig geltend machen können, vorausgesetzt

**Rn. 709**

die kurze Verjährungsfrist des § 58 TKG wäre anwendbar. Davon,

**Rn. 710**

dass die Klägerin sich kurzfristig nach Erhalt der entsprechenden Mitteilung

**Rn. 711**

seitens der Beklagten hinsichtlich des zu zahlenden Ausgleichs

**Rn. 712**

auch an die Beklagte gewandt hätte und verjährunqsunterbrechende

**Rn. 713**

Maßnahmen vorgenommen hätte, ist auszugehen. Vorliegend hat die

**Rn. 714**

Klägerin zeitnah knapp 4 Wochen nach Erhalt der Mitteilung von der

**Rn. 715**

Nutzungserweiterung Klage gegenüber der Beklagten erhoben. Damit ist

**Rn. 716**

die Aufklärungspflichtverletzung der Beklagten auch kausal geworden für

**Rn. 717**

den Schaden der Klägerin, nämlich den Verlust des Ausgleichsanspruchs,

**Rn. 718**

unter der Voraussetzung, dass die kurze Verjährungsfrist des § 58 TKG

**Rn. 719**

für diesen Anspruch greift. Damit ist der Beklagten die Berufung auf die

**Rn. 720**

Einrede der Verjährung nach den Grundsätzen von Treu und Glauben

**Rn. 721**

vorliegend verwehrt.

**Rn. 722**

Der Ausgleichsanspruch besteht daher dem Grunde nach fort.

**Rn. 723**

5.

**Rn. 724**

Der geltend gemachte Anspruch besteht auch in der von der Klägerin

**Rn. 725**

verlangten Höhe. Die Beklagte ist verpflichtet, 2,55 € (5,00 DM) pro

**Rn. 726**

laufenden Meter Entschädigung zu zahlen.

**Rn. 727**

Die Höhe des Entgelts ist dabei nach höchstrichterlicher Rechtsprechung

**Rn. 728**

(BGH NJW 2000, Seite 3206, 3211) in erster Linie an den jeweiligen

**Rn. 729**

Marktverhältnissen für die Einräumung eines Nutzungsrechts zu Telekommunikationszwecken zu orientieren. Ein entsprechender Marktpreis,

**Rn. 730**

der für die Höhe der Entschädigung zugrunde zu legen wäre, hat sich vorliegend

**Rn. 731**

indes noch nicht gebildet. Die Klägerin hat hierzu lediglich zwei

**Rn. 732**

Abschlüsse vorgelegt, einen Abschluss der Stadtwerke C und

**Rn. 733**

einen Abschluss der Stadtwerke M. Zwei solche regional begrenzten

**Rn. 734**

Vertragsabschlüsse zu einem Preis von 5,00 DM pro Ifd. Meter

**Rn. 735**

begründen indes noch keinen Marktpreis.

**Rn. 736**

Danach ist gemäß § 287 ZPO die Höhe des angemessenen Ausgleichs

**Rn. 737**

zu schätzen.

**Rn. 738**

Die Schätzung hat in Anlehnung an die Preise, die für die Verlegung von

**Rn. 739**

Versorgungsleitungen zu entrichten sind, zu erfolgen (BGH a.a.O.). Dabei

**Rn. 740**

hat der BGH in dem von ihm entschiedenen Fall berücksichtigt, dass die

**Rn. 741**

dortige Klägerin für die Einräumung eines Leitungsrechts, das ein Lichtleiterkabel

**Rn. 742**

zur betriebsinternen Nutzung einschloss, bereits ein Entgelt

**Rn. 743**

erhalten hatte. Im vorliegenden Fall verhält es sich ebenso. Aus dem

**Rn. 744**

Gestattungsvertrag ergibt sich dies zwar nicht ausdrücklich, allerdings hat

**Rn. 745**

die Beklagte, was die Klägerin bestätigt hat, vorgetragen, dass die Ver-

**Rn. 746**

legung des Kabels zum Zwecke interner Kommunikation im Rahmen ihrer

**Rn. 747**

dinglichen Befugnisse erfolgt und damit bereits abgegolten ist..

**Rn. 748**

Der Schätzung legt die Kammer folgende unstreitigen Werte zugrunde:

**Rn. 749**

Das Entgelt für die Einräumung eines Nutzungsrechts für oberirdische

**Rn. 750**

Telekommunikationsleitungen liegt zwischen 5,00 und 15,00 €. Unstreitig

**Rn. 751**

bieten die Stadtwerke C und M einen Betrag von 2,55 € je

**Rn. 752**

Ifd. Meter für die Nachrüstung bzw. Neuerrichtung von Leitungen an. Für

**Rn. 753**

die Neuerrichtung von Telekommunikationsleitungen, die nicht der Duldungspflicht

**Rn. 754**

der Eigentümer unterworfen sind, werden unstreitig 5,00 bis

**Rn. 755**

über 15,00 € je Ifd. Meter gezahlt. Für die Nachverlegung in unterirdischen

**Rn. 756**

Leitungen werden etwa 1,50 bis 2,00 € je Ifd. Meter gezahlt. Der Vortrag

**Rn. 757**

der Beklagten zur Höhe der Entschädigung, dahin, dass das marktübliche

**Rn. 758**

Entgelt für die Verlegung von Versorgungsleitungen der Entschädigung

**Rn. 759**

für Leitungsdienstbarkeiten entspreche und diese zwischen 1960 und

**Rn. 760**

1980 in der Regel bei 20 % des Verkehrswertes des betroffenen

**Rn. 761**

Grundstücks betragen habe und sich danach auf einen

**Rn. 762**

Entwertungsbruchteil von rund 10 %eingependelt habe, ist

**Rn. 763**

demgegenüber vorliegend unerheblich. Die Beklagte hat die durch die

**Rn. 764**

Klägerin behaupteten aktuellen bzw. in der nahen Vergangenheit

**Rn. 765**

liegenden Zahlungen verschiedener Versorgungsunternehmen nicht

**Rn. 766**

bestritten. Die Bemessungskriterien in den 60er, 70er und 80er Jahren

**Rn. 767**

können hingegen bei der Bemessung der üblichen Vergütung im Jahre

**Rn. 768**

1996 keine Rolle spielen.

**Rn. 769**

Auf der Basis dieser verschiedenen Beträge schätzt die Kammer den Entschädigungsbeitrag für die Einräumung der Rechte zur Nutzung der Telekommunikation auf 2,55 € (5,00 DM) pro Ifd. Meter.

**Rn. 770**

Im Einzelnen gelangt die Kammer hierzu aus folgenden Erwägungen

**Rn. 771**

Zu berücksichtigen waren sowohl die für die unterirdische Nachverlegung

**Rn. 772**

zu zahlenden Beträge als auch die weitaus höheren Ausgleichsbeträge,

**Rn. 773**

die für die Einräumung von Nutzungsrechten im Rahmen freier Verhandlung

**Rn. 774**

zu zahlen sind. Eine Differenzierung zwischen frei ausgehandelten

**Rn. 775**

Entschädigungen und denjenigen, die auf Grund gesetzlicher

**Rn. 776**

Vorschriften als Ausgleich für eine normierte Duldungspflicht zu zahlen

**Rn. 777**

sind, erscheint dabei nicht sachgerecht. Sinn und Zweck des Telekommunikationsgesetzes ist es nicht, den gesetzlich normierten Ausgleichsanspruch

**Rn. 778**

geringer zu gestalten als den Ausgleichsanspruch, der im

**Rn. 779**

Wege freier Verhandlungen zu erzielen wäre. Einziger Zweck der normierten

**Rn. 780**

Duldungspflicht und des damit einhergehenden Ausgleichsanspruchs

**Rn. 781**

ist es, die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit

**Rn. 782**

Telekommunikation in schnellstmöglicher Zeit und ohne Unterbrechungen

**Rn. 783**

durch einzelne Rechtsstreitigkeiten verschiedener Grundeigentümer

**Rn. 784**

gegenüber dem Energieversorger zu gewährleisten. Die Höhe des zu ermittelnden

**Rn. 785**

Ausgleichsanspruchs ist von diesem Gesetzeszweck nicht berührt.

**Rn. 786**

Die Kammer gelangt in Ansehung der eingangs genannten verschiedenen

**Rn. 787**

Marktpreise für die Verlegung von Telekommunikationsleitungen

**Rn. 788**

zu einem geschätzten Wert von 3,50 € pro Ifd. Meter.

**Rn. 789**

In Anlehnung an die obergerichtliche Rechtsprechung (OLG Hamm,

**Rn. 790**

a.a.O.) ist von diesem Wert ein Abschlag vorzunehmen. Dieser Abschlag

**Rn. 791**

erscheint gerechtfertigt, da durch die weitere oberirdisch verlegte Leitung

**Rn. 792**

keine Erhöhung des Haftungsrisikos des Grundstückseigentümers oder

**Rn. 793**

eine weitere Nutzungseinschränkung gegenüber dem früheren Zustand

**Rn. 794**

eintritt. Eine Ermäßigung auf den von der Klägerin geforderten Betrag von

**Rn. 795**

2,55 € (5,00 DM) pro Ifd. Meter erscheint danach angemessen.

**Rn. 796**

Danach errechnet sich der der Klägerin zustehende Entschädigungsanspruch

**Rn. 797**

aus der Gesamtlänge der über ihr Grundstück verlaufenden

**Rn. 798**

Leitung von 335 Metern, multipliziert mit dem Betrag von 5,00 DM pro Ifd.

**Rn. 799**

Meter bzw. 2,55 € pro Ifd. Meter. Damit steht der Klägerin der geltend gemachte

**Rn. 800**

Anspruch in voller Höhe, also 856,41 € gegen die Beklagte zu.

**Rn. 801**

6.

**Rn. 802**

Lediglich hinsichtlich des Zinsanspruchs war die Klage nur teilweise begründet.

**Rn. 803**

Ein Zinsanspruch in der von der Klägerin geltend gemachten

**Rn. 804**

Höhe von 8 % über dem Basiszinssatz steht ihr nicht zu. Der Ausgleichs-

**Rn. 805**

anspruch ist mit Einwirkung auf das Grundstück bzw. mit der Nutzungserweiterung

**Rn. 806**

fällig geworden. Diese erfolgte hier unstreitig vor dem

**Rn. 807**

01.05.2000. Damit gilt gemäß Artikel 229 § 1 Abs. 1 Satz 3 EGBGB, § 288

**Rn. 808**

BGB in der vor diesem Zeitpunkt geltenden Fassung..zum damaligen

**Rn. 809**

Zeitpunkt betrug der Zinssatz gern. § 288 BGB a.F. aber nur 4 %. Damit

**Rn. 810**

stehen der Klägerin lediglich 4 % Zinsen aus dem Ausgleichsanspruch

**Rn. 811**

seit Rechtshängigkeit, mithin ab dem 21.05.2003, zu.

**Rn. 812**

7.

**Rn. 813**

Die Kostenentscheidung folgt aus § 91 ZPO.

**Rn. 814**

Die Revision war gern. § 543 I ZPO i.V.m. § 543 II Nr. 2 ZPO zur

**Rn. 815**

Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung zuzulassen. Die Frage, ob

**Rn. 816**

eine Mitteilungspflicht hinsichtlich der Nutzungserweiterung besteht, wird

**Rn. 817**

in der Rechtsprechung unterschiedlich beantwortet.

---

Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Urteil vom 10.09.2004 – 17 S 113/03, ECLI:DE:LGDO:2004:0910.17S113.03.00

Quelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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Nicht-amtliche Fassung — maßgeblich ist die Ausfertigung des Gerichts

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Dieses Dokument: https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-dortmund/2004-09-10/17-s-113-03

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