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# Landgericht Dortmund, Urteil vom 15.08.2003 – 8 O 507/01

ECLI:DE:LGDO:2003:0815.8O507.01.00

## Tenor

Das beklagte Land wird verurteilt, an den Kläger 3.875,59 €

(i.W.dreitausendachthundertfünfundsiebzig59/100Euro)

nebst 4 % Zinsen seit dem 08.01.2002 zu zahlen.

Im Übrigen wird die Klage abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits tragen der Kläger zu 72 %

und das beklagte Land zu 28%.

Die Kosten des Teilvergleichs werden gegeneinander

aufgehoben.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar, für den Kläger jedoch

nur gegen Sicherheitsleistung in Höhe von 110% des

jeweils zu vollstreckenden Betrages.

Der Kläger darf die Vollstreckung des beklagten Landes

durch Sicherheitsleistung in Höhe von 110 % des aufgrund

des Urteils vollstreckbaren Betrages abwenden, wenn nicht

das beklagte Land vor der Vollstreckung Sicherheit

in der gleichen Höhe leistet.

## Tatbestand

**Rn. 2**

Der Kläger macht gegen das beklagte Land Schadensersatzansprüche

**Rn. 3**

und Schmerzensgeldansprüche geltend, nachdem er 21 Tage in Aus-

**Rn. 4**

lieferungshaft in Moskau aufgrund des internationalen Haftbefehls des

**Rn. 5**

Amtsgerichts Bochum verbracht hat.

**Rn. 6**

Die Staatsanwaltschaft Bochum führte unter dem Aktenzeichen ##gegen T ein Strafverfahren wegen Anlagebetrugs und Untreue.

**Rn. 7**

T war Inhaber der W Handelsfinanzanstalt, die sich in

**Rn. 8**

erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten befand. Dennoch warb er

**Rn. 9**

neue Anleger mit hohen Zinsversprechen an, obwohl er wusste, dass er

**Rn. 10**

diese nicht würde einhalten können. Die Firma I wurde später von der Firma D mit Sitz in der Schweiz übernommen. Bezüglich der Gründung der D

**Rn. 11**

gibt es den Gründungs- und Verwaltungsauftrag des T an eine Firma Y AG vom 17.

**Rn. 12**

Februar 1994. In diesem Vertrag wird der Kläger als Verwaltungsratsmit-

**Rn. 13**

glied der Firma D genannt, der Vertrag wurde unter anderem für die

**Rn. 14**

Firma Y AG von dem Kläger unterzeichnet. Wegen der

**Rn. 15**

Einzelheiten wird auf den mit Schriftsatz der Beklagtenseite vom

**Rn. 16**

10.06.2002 überreichten Gründungs- und Verwaltungsauftrag (Bl. 133 f.

**Rn. 17**

d.Ä.) verwiesen. Weitere Anschreiben an die Anleger erfolgten mit dem

**Rn. 18**

Briefkopf der Firma D und waren von einer nicht näher benannten

**Rn. 19**

Person unterzeichnet. Diese Unterschrift ist mit der des Klägers aus dem

**Rn. 20**

Gründungs- und Verwaltungsauftrag nicht identisch. Die Unterschrift, die

**Rn. 21**

nicht eindeutig lesbar ist, könnte für den Namen "N" stehen.

**Rn. 22**

Insoweit wird Bezug genommen auf die mit Schriftsatz der Beklagtenseite

**Rn. 23**

vom 10.06.2002 überreichten Schreiben der Firma D (Bl. 125 f. d.A.).

**Rn. 24**

Am 13.12.1996 legte die Staatsanwaltschaft Bochum den Inhalt eines Ge-

**Rn. 25**

sprächs mit dem Beschuldigten T in einem Vermerk nieder. In die-

**Rn. 26**

sem Gespräch hatte der Beschuldigte T den Kläger belastet, indem

**Rn. 27**

er behauptete, der Kläger habe die Schreiben der Firma D an die An-

**Rn. 28**

leger unterzeichnet und abgesandt. Dabei sei dem Kläger bekannt gewe-

**Rn. 29**

sen, dass die D keine tatsächlichen Geschäfte betreibe, sondern

**Rn. 30**

lediglich eine Briefkastenfirma sei (Anlage B 3 zum Schriftsatz vom

**Rn. 31**

10.06.2002, Bl. 130 d.A.).

**Rn. 32**

Aufgrund dieser Angaben des Beschuldigten T leitete die Staats-

**Rn. 33**

anwaltschaft Bochum gegen den Kläger ein Ermittlungsverfahren ein.

**Rn. 34**

Nachdem gegen den Beschuldigten T am 09.09.1997 Anklage er-

**Rn. 35**

hoben wurde (Anlage B 4 zum Schriftsatz vom 10.06.2002, Bl. 137 d.A.),

**Rn. 36**

verfügte die Staatsanwaltschaft am 16.09.1997 die Abtrennung des Ver-

**Rn. 37**

fahrens gegen den Kläger, dieses Verfahren erhielt nunmehr das Akten-

**Rn. 38**

zeichen #####.

**Rn. 39**

Da die Personalien des Klägers, der Schweizer Staatsbürger ist und auch

**Rn. 40**

In der Schweiz lebt, nicht bekannt waren, wurde das Verfahren gegen den

**Rn. 41**

Kläger zunächst gemäß § 205 StPO eingestellt.

**Rn. 42**

Am 28.11.1997 wurde der Angeklagte T wegen Betruges und Un-

**Rn. 43**

treue zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 3 Jahren und 6 Monaten verur-

**Rn. 44**

teilt (Anlage B 6 zum Schriftsatz vom 10.06.2002, Bl. 151 f. d.A.). Das

**Rn. 45**

Urteil wurde sofort rechtskräftig.

**Rn. 46**

Am 13.02.1998 nahm die Staatsanwaltschaft Bochum die Ermittlungen

**Rn. 47**

gegen den Kläger wieder auf und veranlasste die Prüfung der Personalien

**Rn. 48**

durch Interpol. ,

**Rn. 49**

Das Bundeskriminalamt übermittelte die Daten betreffend den Kläger am

**Rn. 50**

26.05.1998.

**Rn. 51**

Am 13.07.1998 beantragte die Staatsanwaltschaft Bochum, gegen den

**Rn. 52**

Kläger einen internationalen Haftbefehl zu erlassen. Das Amtsgericht Bo-

**Rn. 53**

chum erließ den Haftbefehl am 24.07.1998. (Anlage K 10 zum Schriftsatz

**Rn. 54**

vom 11.04.2002, Bl. 94 ff. d.A.).

**Rn. 55**

Am 30.07.1998 wurde der Kläger in Moskau aufgrund dieses internatio-

**Rn. 56**

nalen Haftbefehls festgenommen und befand sich bis zum 19.08.1998 in

**Rn. 57**

Auslieferungshaft.

**Rn. 58**

Der Haftbefehl wurde an diesem Tag aufgehoben, nachdem zuvor am

**Rn. 59**

18.08.1998 eine förmliche Vernehmung des T statt gefunden hat.

**Rn. 60**

T hat dabei eingeräumt, die Unterschriften selbst unter die Schreiben der Firma D gesetzt zu haben.

**Rn. 61**

Das Verfahren gegen den Kläger wurde von der Staatsanwaltschaft ge-

**Rn. 62**

mäß § 170 Abs. 2 StPO eingestellt.

**Rn. 63**

Auf Antrag des Klägers erließ das Amtsgericht Bochum am 15.06.2000

**Rn. 64**

den Beschluss, in dem es feststellte, dass der Kläger für die erlittene rus-

**Rn. 65**

sische Auslieferungshaft vom 30.07.1999 bis zum 19.08.1999 nach dem

**Rn. 66**

StrEG zu entschädigen ist. Der Kläger meldete daraufhin seine Schäden

**Rn. 67**

bei der Staatsanwaltschaft an, dabei handelte es sich unter anderem um

**Rn. 68**

den Ersatz des immateriellen Schadens in Höhe von 8.000,00 DM als

**Rn. 69**

Schmerzensgeld für die Freiheitsentziehung, um die Lohnfortzahlung des

**Rn. 70**

Arbeitgebers des Klägers in Höhe von 18.025,00 DM sowie Dolmetscher-

**Rn. 71**

kosten. Außerdem machte der Kläger den Verdienstausfall seiner Tochter

**Rn. 72**

in Höhe von 11.250,00 DM geltend. Die Ansprüche der Tochter und des

**Rn. 73**

Arbeitgebers sind an den Kläger abgetreten worden.

**Rn. 74**

Mit Entscheidung vom 23.07.2001 sprach die Generalstaatsanwaltschaft

**Rn. 75**

dem Kläger unter anderem als Entschädigung für den immateriellen

**Rn. 76**

Schaden einen Betrag von 420,00 DM (20,00 DM x 21 Tage) und Vertei-

**Rn. 77**

digerkosten zu. Dagegen lehnte die Generalstaatsanwaltschaft den Ersatz

**Rn. 78**

der Dolmetscherkosten, der Lohnfortzahlungskosten des Arbeitgebers

**Rn. 79**

sowie des Verdienstausfalls der Tochter als nicht erstattungsfähig ab

**Rn. 80**

(Anlage K 6 zur Klageschrift, Bl. 42 f. d.A.).

**Rn. 81**

Mit der Klage macht der Kläger nunmehr das weitergehende Schmer-

**Rn. 82**

zensgeld, Dolmetscherkosten, Lohnfortzahlungskosten des Arbeitgebers

**Rn. 83**

sowie den Verdienstausfall seiner Tochter geltend.

**Rn. 84**

Der Kläger beruft sich dabei zum Einen auf § 7 StrEG, er hält die dort

**Rn. 85**

festgesetzte Entschädigungshöhe bezüglich des immateriellen Schadens

**Rn. 86**

für verfassungswidrig.

**Rn. 87**

Darüber hinaus ist der Kläger der Auffassung, dass der Haftbefehlauf-

**Rn. 88**

grund der den damals den Justizbehörden vorliegenden Beweismittel.

**Rn. 89**

nicht hätte erlassen werden dürfen.

**Rn. 90**

Der Kläger meint, dass ihm ein höheres Schmerzensgeld zustehe, weil

**Rn. 91**

die Haftbedingungen in der russischen Auslieferungshaft unzumutbar ge-

**Rn. 92**

wesen seien. Er sei zunächst in einen Käfig gesperrt worden und sei

**Rn. 93**

später in einer Zelle untergebracht worden, die zeitweise mit 22 Personen

**Rn. 94**

belegt gewesen sei, obwohl nur 18 Betten vorhanden gewesen seien.

**Rn. 95**

Wegen der Einzelheiten wird auf die als Anlage K 3 zu den Akten ge-

**Rn. 96**

rerchten tagebuchähnlichen Aufzeichnungen des Klägers, Bl. 17 f. d.A.,

**Rn. 97**

Bezug genommen.

**Rn. 98**

Er behauptet weiter, dass er im großen Umfang auf die Tätigkeit eines

**Rn. 99**

Dolmetschers angewiesen gewesen sei. Der Dolmetscher habe ihm ins-

**Rn. 100**

gesamt eine Rechnung über 7.000,00 US-$ ausgestellt.

**Rn. 101**

Der Kläger hält auch die Lohnfortzahlungskosten seines Arbeitgebers für

**Rn. 102**

die Zeit der Inhaftierung in Höhe von 18.025,00 DM für erstattungsfähig.

**Rn. 103**

Darüber hinaus habe die Tochter eine Aushilfsstelle als Lehrerin infolge

**Rn. 104**

der Inhaftierung des Klägers nicht antreten können, weil die Ehefrau und

**Rn. 105**

der geistig behinderte Sohn des Klägers aufgrund der außerordentlich

**Rn. 106**

belastenden Umstände die Unterstützung der Tochter benötigt hätten.

**Rn. 107**

Mit der Klage machte der Kläger neben den Lohnfortzahlungskosten und

**Rn. 108**

dem Verdienstausfall der Tochter das restliche Schmerzensgeld in Höhe

**Rn. 109**

von 7.580,00 DM sowie 2.000,00 US-$ = 4.400,00 DM als Teilbetrag der

**Rn. 110**

Dolmetscherkosten geltend.

**Rn. 111**

Der Kläger hat ursprünglich beantragt,

**Rn. 112**

das beklagte Land zu verurteilen, an ihn 41.255,00 DM

**Rn. 113**

nebst 4 % Zinsen ab Rechtshängigkeit zu zahlen.

**Rn. 114**

Das beklagte Land hat beantragt,

**Rn. 115**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 116**

In der mündlichen Verhandlung vom 25.07.2003 haben die Parteien einen

**Rn. 117**

Teilvergleich mit folgendem Inhalt geschlossen:

**Rn. 118**

1. Das beklagte Land zahlt an den Kläger zur Abgeltung dessen

**Rn. 119**

etwaiger Ansprüche auf Ersatz von Dolmetscherkosten

**Rn. 120**

3.500,00 US-$ (i.W. dreitausendfünfhundert US-Dollar).

**Rn. 121**

Damit ist dieser Punkt in der Hauptsache erledigt.

**Rn. 122**

2. Die Kosten dieses Teilvergleichs sollen im Rahmen der Gesamt-

**Rn. 123**

kostenentscheidung gegeneinander aufgehoben werden.

**Rn. 124**

Im Übrigen nahmen die Parteien auf die ursprünglichgestellten Anträge

**Rn. 125**

Bezug. .

**Rn. 126**

Das beklagte Land bestreitet den geltend gemachten Schaden dem

**Rn. 127**

Grunde und der Höhe nach.

**Rn. 128**

Eine Amtspflichtverletzung der Staatsanwaltschaft Bochum oder des

**Rn. 129**

Amtsgerichts Bochum sei nach seiner Ansicht nicht gegeben, weil der

**Rn. 130**

Erlass des Haftbefehls im Bereich des Vertretbaren liege.

**Rn. 131**

Wegen der weiteren Einzelheiten wird auf die zwischen den Parteien ge-

**Rn. 132**

wechselten Schriftsätze nebst Anlagen Bezug genommen.

**Rn. 133**

Die Klageschrift ist am 08.01.2002 zugestellt worden.

**Rn. 134**

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e

**Rn. 135**

Die Klage auf Ersatz des immateriellen Schadens nebst Zinsen ist be-

**Rn. 136**

gründet, im Übrigen ist die Klage unbegründet, soweit nicht hinsicht-

**Rn. 137**

lich der Dolmetscherkosten erledigt.

**Rn. 138**

Der Kläger hat gegen das beklagte Land einen Anspruch auf Zahlung ei-

**Rn. 139**

nes Schmerzensgeldes in der beantragten Höhe gemäß §§ 839, 847

**Rn. 140**

BGB, weil der Staatsanwaltschaft Bochum hier eine schuldhafte Amts-

**Rn. 141**

pflichtverletzung vorzuwerfen ist.

**Rn. 142**

Grundsätzlich sind Maßnahmen der Staatsanwaltschaft, wie der Antrag

**Rn. 143**

auf Erlass eines Haftbefehls, im Rahmen eines Amtshaftungsprozesses

**Rn. 144**

nicht auf die Richtigkeit, sondern daraufhin zu überprüfen, ob sie vertret-

**Rn. 145**

bar sind (BGH NJW 1998, S. 751, 752; BGH NJW 2000, 2672, 2673). Im

**Rn. 146**

vorliegenden Fall war die Entscheidung der Staatsanwaltschaft, gegen

**Rn. 147**

den Kläger den Erlass eines internationalen Haftbefehls zu beantragen,

**Rn. 148**

unvertretbar.

**Rn. 149**

Die Voraussetzungen für den Erlass eines Haftbefehls (§112 SIPO) la-

**Rn. 150**

gen offensichtlich nicht vor.

**Rn. 151**

Aufgrund des der Staatsanwaltschaft vorliegenden Beweismaterials

**Rn. 152**

konnte ein dringender Tatverdacht gegen den Kläger nicht begründet

**Rn. 153**

werden.

**Rn. 154**

Im Zeitpunkt des Haftbefehlsantrags existierte nämlich lediglich die

**Rn. 155**

Äußerung des Beschuldigten T, der Kläger habe im Rahmen des

**Rn. 156**

Anlagebetruges Schreiben an die Geschädigten selbst unterzeichnet.

**Rn. 157**

Dies rechtfertigte jedoch nicht den Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit

**Rn. 158**

groß war, dass der Kläger Täter oder Teilnehmer einer Straftat war.

**Rn. 159**

Hier war nämlich auf Seiten der Staatsanwaltschaft zu berücksichtigen,

**Rn. 160**

dass der Zeuge T diese Angaben zu einem Zeitpunkt gemacht

**Rn. 161**

hatte, in dem sein eigenes Strafverfahren noch nicht abgeschlossen war.

**Rn. 162**

Zu einem solchen Zeitpunkt sind regelmäßig Zweifel an der Richtigkeit

**Rn. 163**

der Angaben eines Beschuldigten angebracht, weil zu befürchten ist, dass

**Rn. 164**

ein Beschuldigter zu Unrecht Dritte belastet, um dadurch entweder die

**Rn. 165**

Schuld auch auf diese zu verteilen und damit seinen eigenen Beitrag zu

**Rn. 166**

den Straftaten zu reduzieren, oder weil der Beschuldigte sich durch die

**Rn. 167**

aktive Mitwirkung an der Aufklärung der Tat Vorteile bei der Strafzumes-

**Rn. 168**

sung verspricht. Besondere Vorsicht war hier deshalb geboten, weil die

**Rn. 169**

Angaben auch nicht im Rahmen einer förmlichen Vernehmung erfolgten.

**Rn. 170**

Darüber hinaus wurden die Angaben des Beschuldigten T auch

**Rn. 171**

nicht durch weitere Beweismittel erhärtet. Die Unterschriften, die der

**Rn. 172**

Kläger nach den Angaben des T auf den Schreiben der Firma D

**Rn. 173**

an Geschädigte geleistet haben soll, waren nämlich nicht mit der

**Rn. 174**

Unterschrift des Klägers identisch, von der feststand, dass er sie auch

**Rn. 175**

tatsächlich selbst geleistet hatte. Die Unterschrift auf dem Gründungs-

**Rn. 176**

und Verwaltungsauftrag vom 17. Februar 1994 unterscheidet sich deutlich

**Rn. 177**

von den anderen Unterschriften. Die schlichte Belastung des Klägers

**Rn. 178**

durch den Hauptverdächtigen T ohne weitere Überprüfung oder

**Rn. 179**

Bestätigung durch andere Beweismittel genügte nicht, den dringenden

**Rn. 180**

Tatverdacht gegenüber dem Kläger zu begründen. Der Antrag auf Erlass

**Rn. 181**

eines Haftbefehls auf dieser Grundlage ohne erneute Vernehmung des

**Rn. 182**

T nach dessen rechtskräftiger Verurteilung, die zeitlich ohne

**Rn. 183**

Weiteres möglich gewesen wäre, war unvertretbar. Der Staatsanwalt-

**Rn. 184**

schaft Bochum ist soweit auch ein Verschulden zur Last zu legen, da die

**Rn. 185**

Umstände, die die Unvertretbarkeit der Maßnahme belegen, der

**Rn. 186**

Staatsanwaltschaft im Zeitpunkt der Entscheidung aufgrund des

**Rn. 187**

Akteninhalts bekannt waren.

**Rn. 188**

Da eine anderweitige Ersatzmöglichkeit nicht besteht und der Kläger sich

**Rn. 189**

auch um die zügige Aufhebung des Haftbefehls mit Hilfe seines

**Rn. 190**

Verteidigers bemüht hat, haftet das beklagte Land gemäß § 839 BGB für

**Rn. 191**

die Amtspflichtverletzung der Staatsanwaltschaft Bochum. Gemäß § 847

**Rn. 192**

BGB ist dem Kläger auch der immaterielle Schaden zu ersetzen. Das

**Rn. 193**

Gericht hält das geltend gemachte Schmerzensgeld in Höhe yon 8.000,00 DM

**Rn. 194**

= 4.090,34 € für angemessen. Dies entspricht einer Entschädigung

**Rn. 195**

von rund 195,00 € pro Tag. Zu berücksichtigen ist nämlich hier zu

**Rn. 196**

Gunsten des Klägers, dass die Haftbedingungen in Russland

**Rn. 197**

gerichtsbekannt nicht den Bedingungen entsprechen, die in Deutschland

**Rn. 198**

vorzufinden sind. So ist dem Gericht bekannt, dass dort die Unterbringung

**Rn. 199**

häufig in Großraumzellen mit schlechter Verpflegung und unter

**Rn. 200**

miserablen hygienischen Bedingungen erfolgt. Die Situation war für den

**Rn. 201**

Kläger auch deshalb besonders belastend, weil die Wahrnehmung seiner

**Rn. 202**

Rechte bereits aufgrund der Sprachschwierigkeiten und der Unkenntnis

**Rn. 203**

des fremden Rechtssystems erschwert war. Danach hält das Gericht ein

**Rn. 204**

Schmerzensgeld von insgesamt 8.000,00 DM gemäß § 287 ZPO für

**Rn. 205**

angemessen. Unter Berücksichtigung des von dem beklagten Landes

**Rn. 206**

bereits gezahlten Betrages in Höhe von 420,00 DM war dem Kläger noch

**Rn. 207**

ein Betrag in Höhe von 7.580,00 DM = 3.875,59 € nebst

**Rn. 208**

Rechtshängigkeitszinsen zuzusprechen.

**Rn. 209**

Die weitergehende Klage war dagegen abzuweisen, weil dem Kläger ein

**Rn. 210**

Anspruch auf Ersatz der Lohnfortzahlungskosten und des Verdienstaus-

**Rn. 211**

falls seiner Tochter weder aus § 7 StrEG noch aus § 839 BGB zusteht.

**Rn. 212**

§ 7 StrEG scheidet als Anspruchsgrundlage aus, weil nach diesem Ge-

**Rn. 213**

setz Ansprüche Dritter grundsätzlich nicht erstattungsfähig sind (D. Meier,,

**Rn. 214**

Strafrechtsentschädigung und Auslagenerstattung, § 2 Rdnr. 17).

**Rn. 215**

Es scheidet aber auch ein Anspruch aus § 839 BGB aus, weil die geltend

**Rn. 216**

gemachten Schäden nicht vom Schutzzweck der Norm erfasst werden.

**Rn. 217**

Die hier durch die Staatsanwaltschaft verletzten Normen sollen den einer

**Rn. 218**

Straftat Verdächtigen vor unberechtigten Freiheitsentziehungen schützen,

**Rn. 219**

zu erstatten ist dann grundsätzlich der Schaden, der dem Verhafteten

**Rn. 220**

selbst entstanden ist. Nur mittelbar in deren Vermögen geschädigten

**Rn. 221**

Personen steht hingegen kein Ersatzanspruch zu. Dies gilt insbesondere

**Rn. 222**

für den Arbeitgeber, der in der Zeit der Freiheitsentziehung weiter Lohn

**Rn. 223**

zahlen musste (vgl. Palandt, Vorbemerkung vor§ 249 BGB, Rdnr. 109).

**Rn. 224**

Gleiches gilt auch hinsichtlich des Verdienstausfalls der Tochter.

**Rn. 225**

Zwar ist anerkannt, dass auch unterbestimmten Voraussetzungen Schä-

**Rn. 226**

den Dritter zu erstatten sind. Dazu gehören aber regelmäßig nur

**Rn. 227**

sogenannte Schockschäden oder solche Schäden, die in unmittelbarer

**Rn. 228**

Verbindung zum Geschädigtenstehen. Wenn aber hier die Tochter

**Rn. 229**

darauf verzichtet, eine Stelle anzutreten, um ihre Mutter und ihren Bruder

**Rn. 230**

zu unterstützen, fehlt die unmittelbare Verbindung zum Geschädigten. Es

**Rn. 231**

handelt sich um einen reinen Vermögensschaden der Tochter, der vom

**Rn. 232**

Schutzzweck der Norm nicht erfasst ist.

**Rn. 233**

Die Kostenentscheidung folgt aus § 92 Abs. 1, 91 a ZPO.

**Rn. 234**

Die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit hat ihre Grundlage

**Rn. 235**

in §709, 708 Nr. 11, 711 ZPO.

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Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Urteil vom 15.08.2003 – 8 O 507/01, ECLI:DE:LGDO:2003:0815.8O507.01.00

Quelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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