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# Landgericht Dortmund, Urteil vom 28.03.2003 – 21 O 340/02

ECLI:DE:LGDO:2003:0328.21O340.02.00

## Tenor

Die Beklagten werden verurteilt, als Gesamtschuld-

ner an den Kläger 27.268,90 € (i. W. siebenund-

zwanzigtausendzweihundertachtundsechzig 90/100 Euro)

nebst 4 % Zinsen seit dem 04.12.2001 abzüg-

lich am 12.12.2002 gezahlter 20.000,00 € zu zah-

len.

Es wird festgestellt, dass die Beklagten ver-

pflichtet sind, als Gesamtschuldner dem Kläger 2/3

sämtlicher zukünftiger materieller und immate-

rieller Schäden aus dem Verkehrsunfall vom

06.12.1999 auf der BAB 2 in Höhe von D

zu ersetzen, sowie die Ansprüche nicht auf So-

zialversicherungsträger oder sonstige Dritte über-

gehen.

Im Übrigen wird die Klage abgewiesen.

Von den Kosten des Rechtsstreits tragen der Kläger

35 % und die Beklagten 65 %.

Das Urteil ist gegen Sicherheitsleistung- in Höhe

von 120 % des jeweils beizutreibenden Betrages

vorläufig vollstreckbar.

## Tatbestand

**Rn. 2**

Der Kläger nimmt die Beklagten auf Grund eines Ver-

**Rn. 3**

kehrsunfalls auf Schadensersatz in Anspruch.

**Rn. 4**

Am 06.12.1999 gegen 17.40 Uhr ereignete sich auf der

**Rn. 5**

Bundesautobahn 2 in Fahrtrichtung Oberhausen westlich

**Rn. 6**

des Autobahnkreuzes Dortmund Nord-West bei Kilome-

**Rn. 7**

ter xxx ein Verkehrsunfall, an dem das Fahrzeug des

**Rn. 8**

Kläger Caravan, amtliches Kennzeichen

**Rn. 9**

XXXXX, und der bei der Beklagten zu 2.) haft-

**Rn. 10**

pflichtversicherte Pkw des Beklagten zu 1.)

**Rn. 11**

Kombi, amtliches Kennzeichen XXXX, beteiligt wa-

**Rn. 12**

ren. Der Kläger wurde durch den Verkehrsunfall erheb-

**Rn. 13**

lich verletzt und begehrt mit der Klage Zahlung von

**Rn. 14**

Schmerzensgeld sowie Feststellung der Eintrittspflicht

**Rn. 15**

der Beklagten für das Schadensereignis.

**Rn. 16**

Im Rahmen des bereits vor dem Landgericht Dortmund ge-

**Rn. 17**

führten Rechtsstreit 21 0 380/00, in welchem die Be-

**Rn. 18**

klagten vom Kläger wegen des materiellen Schadens in

**Rn. 19**

Anspruch genommen wurden, wurden die Parteien angehört

**Rn. 20**

und ein Zeuge vernommen; fernerhin wurde ein Sachver-

**Rn. 21**

ständigengutachten eingeholt, wobei das Gericht nach

**Rn. 22**

durchgeführter Beweisaufnahme feststellte, dass keine

**Rn. 23**

der Parteien den Nachweis eines unabwendbaren Ereignis-

**Rn. 24**

ses geführt habe. Auf Grund des Gutachten des Sachver-

**Rn. 25**

ständigen Dr. L stehe fest, dass zunächst der Be-

**Rn. 26**

klagte zu 1.) bei schlechten Verkehrsbedingungen

**Rn. 27**

(Dunkelheit, Regen, starkes Verkehrsaufkommen) ins

**Rn. 28**

Schleudern geraten sei und dass sodann der Kläger bei

**Rn. 29**

möglicherweise unangepasster Geschwindigkeit auf den

**Rn. 30**

querstehenden Pkw des Beklagten zu 1.) aufgefahren sei.

**Rn. 31**

Wegen der weiteren Einzelheiten wird auf den Inhalt der

**Rn. 32**

beweiseshalber beigezogenen Akten 21 0 380/00

**Rn. 33**

LG Dortmund Bezug genommen.

**Rn. 34**

Der Kläger erlitt unfallbedingt eine drittgradig offene

**Rn. 35**

Pilon-tibiale-Fraktur mit distaler Fibula-Fraktur

**Rn. 36**

rechts. Er wurde zunächst in der Zeit vom 06.12. bis

**Rn. 37**

zum 23.12.1999 stationär behandelt, wobei eine mehr-

**Rn. 38**

stündige Operation erforderlich war. In der Zeit vom

**Rn. 39**

06.03. bis 09.03.2000 wurden die Fixateure entfernt und

**Rn. 40**

Gips angelegt. In der Folgezeit trat jedoch eine

**Rn. 41**

Wundinfektion auf, in deren Verlauf neue Fixateure an-

**Rn. 42**

gebracht werden mussten und erneute Operationen erfor-

**Rn. 43**

derlich wurden. Als Folge dieser Komplikation, die von

**Rn. 44**

der ständigen Gefahr einer drohenden Amputation beglei-

**Rn. 45**

tet wurde, wurden weitere Krankenhausaufenthalte erfor-

**Rn. 46**

derlich in folgenden Zeiträumen: vom 10.05. -

**Rn. 47**

20.06.2000, vom 03.07. - 18.08.2000, am 12. - 14.09.

**Rn. 48**

und 18. sowie 19.09.2000, vom 22.09. - 06.10.2000 sowie

**Rn. 49**

vom 12.12. bis 19.12.2000, vom 10. bis 12.01.2001 sowie

**Rn. 50**

vom 30.01. bis 13.02.2001, wobei auch in diesem Zeit-

**Rn. 51**

raum wiederum Operationen mit Knochenaktivierung durch

**Rn. 52**

Entnahme von Spongiosa aus dem Beckenkamm erforderlich

**Rn. 53**

wurde. Ferner wurde dem Kläger ein Schienbeinmarknagel

**Rn. 54**

dauerhaft implantiert. Der Kläger war insgesamt im

**Rn. 55**

Zeitraum vom 06.12.1999 bis zum 28.05.2001 arbeitsunfä-

**Rn. 56**

hig krank. Er erlitt als Dauerfolgen des Unfallgesche-

**Rn. 57**

hens: eine Versteifung des oberen und unteren Sprungge-

**Rn. 58**

lenkes rechts, eine Verkürzung des rechten Beines um

**Rn. 59**

5 cm mit Spitzfußbildung, dauerhafte Einbringung des

**Rn. 60**

Tibiamarknagels, verminderte Sensibilität des rechten

**Rn. 61**

Fußes, Verminderung des rechten Oberschenkelumfangs um

**Rn. 62**

1/2 cm und des Unterschenkels um 3 cm. Narbenbildung ven-

**Rn. 63**

tral, Oberschenkel und im Bereich des Sprunggelenks so-

**Rn. 64**

wie im Beckenbereich, Minderung der Zehenbeweglichkeit

**Rn. 65**

und erhebliche Einschränkung der Funktionsfähigkeit des

**Rn. 66**

rechten Beines. Die Minderung der Erwerbsfähigkeit be-

**Rn. 67**

trägt dauerhaft 30 %, wobei der Kläger insbesondere

**Rn. 68**

kaum noch Sport betreiben kann und weitere Komplikatio-

**Rn. 69**

nen möglich sind.

**Rn. 70**

Nach Klageerhebung zahlten die Beklagten auf die Forde-

**Rn. 71**

rung des Klägers unter Punkt 1 einen Betrag in Höhe von

**Rn. 72**

20.000,00 €.

**Rn. 73**

Der Kläger ist der Ansicht, dass die Beklagten für die

**Rn. 74**

Unfallfolgen voll haften, wobei er sich auf eine Ent-

**Rn. 75**

scheidung des Oberlandesgerichts Hamm (OLG R Hamm 1997,

**Rn. 76**

288 und 289) beruft; ferner weist er darauf hin, dass

**Rn. 77**

die Schmerzensgeldforderung insbesondere auch wegen der

**Rn. 78**

verspäteten Zahlung durch die Beklagten zu erhöhen sei.

**Rn. 79**

Der Kläger beantragt,

**Rn. 80**

1.

**Rn. 81**

die Beklagten zu verurteilen, an ihn ein angemesse-

**Rn. 82**

nes Schmerzensgeld nebst 5 % Zinsen über dem Basis-

**Rn. 83**

zinssatz seit dem 04.12.2001 zu zahlen, welches

**Rn. 84**

einen Betrag von 45.000,00 € nicht unterschreiten

**Rn. 85**

sollte abzüglich am 12.12.2002 gezahlter

**Rn. 86**

20.000,00 €;

**Rn. 87**

2.

**Rn. 88**

festzustellen, dass die Beklagten verpflichtet

**Rn. 89**

sind, als Gesamtschuldner dem Kläger sämtliche zu-

**Rn. 90**

künftigen materiellen und immateriellen Schäden aus

**Rn. 91**

dem Verkehrsunfall vom 06.12.1999 auf der BAB 2 in

**Rn. 92**

D zu ersetzen, soweit die Ansprüche

**Rn. 93**

nicht auf Sozialversicherungsträger oder sonstige

**Rn. 94**

Dritte übergehen.

**Rn. 95**

Die Beklagten beantragen,

**Rn. 96**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 97**

Sie setzen sich eingehend mit dem von ihnen erneut zur

**Rn. 98**

Diskussion gestellten Schadensablauf auseinander, be-

**Rn. 99**

streiten jedoch den Inhalt und die Feststellungen des

**Rn. 100**

Gerichts in Sachen 21 0 380/00 nicht weiterhin. Sie

**Rn. 101**

sind ferner der Auffassung, dass die Mithaftung des

**Rn. 102**

Klägers in Höhe von 1/3 der Klageforderung berechtigt

**Rn. 103**

sei und halten die Forderung des Klägers bezüglich des

**Rn. 104**

geltend gemachten Schmerzensgeldes für überhöht.

**Rn. 105**

Wegen des weitergehenden Parteivorbringens wird auf den

**Rn. 106**

Inhalt der gegenseitig gewechselten Schriftsätze nebst

**Rn. 107**

Anlagen verwiesen.

## Entscheidungsgründe

**Rn. 109**

Die Klage ist in dem aus dem Tenor ersichtlichen Umfang

**Rn. 110**

begründet.

**Rn. 111**

Der Kläger kann von den Beklagten gemäß den §§ 71, 18

**Rn. 112**

StVG, 3 PflVG i .V.m. 847 BGB Zahlung eines Schmerzens-

**Rn. 113**

geldes auf der Basis einer Haftung von 2/3 verlangen,

**Rn. 114**

da das Gericht die Haftungsverteilung, wie sie in dem

**Rn. 115**

Rechtsstreit 21 0 380/00 LG Dortmund festgestellt

**Rn. 116**

wurde, ebenfalls für angemessen hält.

**Rn. 117**

Auf der Grundlage des Gutachtens Dr. L steht

**Rn. 118**

fest, dass zunächst der Beklagte zu 1.) mit seinem Pkw

**Rn. 119**

ins Schleudern geriet und dass sodann der Kläger mit

**Rn. 120**

seinem Pkw gegen das querstehende Fahrzeug des Beklag-

**Rn. 121**

ten stieß. Das Gericht verweist insoweit auf die über-

**Rn. 122**

zeugenden Ausführungen im Urteil des Landgerichts Dort-

**Rn. 123**

mund vom 19.10.2001, dort Bl. 8 und 9 der Urteils-

**Rn. 124**

gründe. Auf Grund dieses Sachverhaltes steht fest, dass

**Rn. 125**

das Schadensereignis verursacht wurde durch den Beklag-

**Rn. 126**

ten zu 1.), dass aber der Kläger den Unabwendbarkeits-

**Rn. 127**

nachweis nicht geführt hat, da jedenfalls festgestellt

**Rn. 128**

werden konnte, dass er den querstehenden Pkw des Be-

**Rn. 129**

klagten zu spät erkannte und hierauf zu spät reagierte.

**Rn. 130**

Unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten wie

**Rn. 131**

Dunkelheit, Regen sowie starkes Verkehrsaufkommen war

**Rn. 132**

insoweit von einem Mitverschulden des Klägers in Höhe

**Rn. 133**

von 1/3 auszugehen.

**Rn. 134**

Zur Höhe des Schmerzensgeldes gilt Folgendes:

**Rn. 135**

Die Komplikationen, die sich im Verlaufe der Behandlung

**Rn. 136**

des offenen Unterschenkelbruches einstellten, waren in

**Rn. 137**

vollem Umfang den Beklagten zuzurechnen und daher auch

**Rn. 138**

bei der Höhe des Schmerzensgeldes zu berücksichtigen.

**Rn. 139**

Dabei fiel insbesondere die Dauer der Arbeitsunfähig-

**Rn. 140**

keit von 18 Monaten sowie die ständigen stationären

**Rn. 141**

Aufenthalte mit zum Teil mehrstündigen Operationen ins

**Rn. 142**

Gewicht. Darüber hinaus war insbesondere auch zu be-

**Rn. 143**

rücksichtigen die ständige Angst des Klägers vor einer

**Rn. 144**

drohenden Amputation des Unterschenkels, die zusätzlich

**Rn. 145**

zu den erlittenen Schmerzen eine ständige und erheb-

**Rn. 146**

liche psychische Belastung des Klägers bedeutete.

**Rn. 147**

Darüber hinaus waren die dauerhaften Unfallfolgen zu

**Rn. 148**

berücksichtigen, die mit einer Minderung der Erwerbsfä-

**Rn. 149**

higkeit um 30 % einhergehen und in der weitgehenden

**Rn. 150**

Funktionsunfähigkeit des rechten Beines münden. Dabei

**Rn. 151**

war vor allen Dingen die Beeinträchtigung des Klägers

**Rn. 152**

im Rahmen jedweder Form von Freizeitbeschäftigung durch

**Rn. 153**

Bewegung zu berücksichtigen.

**Rn. 154**

Die Summe der erlittenen Schmerzen, psychischen Be-

**Rn. 155**

lastungen, dauerhaften Unfallfolgen rechtfertigen nach

**Rn. 156**

Auffassung des Gerichts ein Schmerzensgeld in Höhe von

**Rn. 157**

insgesamt 80.000,00 DM bei zugrunde gelegter

**Rn. 158**

100-prozentiger Haftung der Beklagten, so dass unter

**Rn. 159**

Berücksichtigung einer Mithaftung des Klägers in Höhe

**Rn. 160**

von 1/3 die ausgeurteilte Forderung in Höhe von

**Rn. 161**

53.334,00 DM = 27.269,00 € resultierte.

**Rn. 162**

Dem Feststellungsbegehren des Klägers war in dem ausge-

**Rn. 163**

urteilten Umfang zu entsprechen.

**Rn. 164**

Bereits jetzt steht fest, dass es jederzeit zu Kompli-

**Rn. 165**

kationen im Zusammenhang mit den Unfallfolgen kommen

**Rn. 166**

kann, so dass die Feststellungsklage dem Grunde nach

**Rn. 167**

zulässig und begründet war. Unter weiterer Berücksich-

**Rn. 168**

tigung einer Mithaftung des Klägers in Höhe von 1/3 war

**Rn. 169**

dem Feststellungsantrag hinsichtlich künftig auftreten-

**Rn. 170**

der Schäden in dem ausgeurteilten Umfang ebenfalls zu

**Rn. 171**

entsprechen.

**Rn. 172**

Die Nebenentscheidungen beruhen auf den §§ 92 und 709

**Rn. 173**

ZPO.

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Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Urteil vom 28.03.2003 – 21 O 340/02, ECLI:DE:LGDO:2003:0328.21O340.02.00

Quelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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Nicht-amtliche Fassung — maßgeblich ist die Ausfertigung des Gerichts

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