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# Landgericht Dortmund, Urteil vom 30.01.2003 – 13 O 188/02

ECLI:DE:LGDO:2003:0130.13O188.02.00

## Tenor

Die einstweilige Verfügung vom 16.10.2002 wird

aufrechterhalten.

Die Verfügungsbeklagte trägt die weiteren Kosten

des Verfahrens.

**Rn. 1**

T a t b e s t a n d :

**Rn. 2**

Die Verfügungsbeklagte betreibt in Dortmund einen Ein-

**Rn. 3**

zelhandel mit elektrischen Geräten. Sie warb in

**Rn. 4**

der Ausgabe der X Zeitung vom

**Rn. 5**

10.10.2002 mit einer Werbebeilage u.a. mit der Angabe:

**Rn. 6**

"Wir brauchen Platz!

**Rn. 7**

Alles muß raus!

**Rn. 8**

Lagerräumung bei T !"

**Rn. 9**

Zum genauen Erscheinungsbild der Werbung wird auf das

**Rn. 10**

Anlagenkonvolut Blatt 7 d.A. Bezug genommen.

**Rn. 11**

Der Verfügungskläger mahnte die Verfügungsbeklagte ab

**Rn. 12**

mit Schreiben vom. 10.10.2002. Auf Blatt 18-22 d.A. wird

**Rn. 13**

verwiesen.

**Rn. 14**

Die Verfügungsbeklagte ließ mit Telefaxschreiben ihrer

**Rn. 15**

Prozessbevollmächtigten vom 11.10.2002 die Abgabe der

**Rn. 16**

geforderten Unterlassungserklärung verweigern. Der Ver-

**Rn. 17**

fügunqskläger erwirkte unter dem 16.10.2002 einstweili-

**Rn. 18**

ge Verfügung, mit der der Verfügungsbeklagten bei Mei-

**Rn. 19**

dung von 0rdnungsmitteln untersagt wurde, zu Wettbe-

**Rn. 20**

werbszwecken im geschäftlichen Verkehr in der an den

**Rn. 21**

Letztverbraucher gerichteten Werbung mit der Angabe

**Rn. 22**

"Wir brauchen Platz! Alles muß raus! Lagerräumung bei

**Rn. 23**

T !" für Verkäufe von Waren des Sortiments zu wer-

**Rn. 24**

ben und/oder derart angekündigte Verkäufe entsprechend

**Rn. 25**

der Ankündigung durchzuführen. Auf Blatt 12 a d.A. wird

**Rn. 26**

insoweit Bezug genommen.

**Rn. 27**

Die einstweilige Verfügung wurde den Vertretern des

**Rn. 28**

Verfügungsklägers am 16. Oktober 2002 und der Verfü-

**Rn. 29**

gungsbeklagten selbst vor dem 20.10.2002 zugestellt..

**Rn. 30**

Die Verfügungsbeklagte legte mit Schriftsatz vom

**Rn. 31**

16.11.2002, bei Gericht eingegangen am 22.11.2002, Wi-

**Rn. 32**

derspruch ein.. Im Termin zur mündlichen Verhandlung

**Rn. 33**

12. 12.2002 erklärte der Vertreter der Verfügungsbeklag-

**Rn. 34**

ten Widerspruchsrücknahme. Die Verfügungsbeklagte legte

**Rn. 35**

unter dem 20.12.2002 erneut Widerspruch ein.

**Rn. 36**

Die Verfügungsbeklagte erhält die Beschlussverfügung

**Rn. 37**

wegen fehlender Zustellung an ihre Bevollmächtigten für

**Rn. 38**

unheilbar unwirksam.

**Rn. 39**

Sie beantragt,

**Rn. 40**

unter Aufhebung der einstweiligen Verfügung den

**Rn. 41**

auf ihren Erlass gerichteten Antrag zurückzuwei-

**Rn. 42**

sen .

**Rn. 43**

Der Verfügungskläger beantragt,

**Rn. 44**

die einstweilige Verfügung aufrechtzuerhalten.

**Rn. 45**

Der Verfügungskläger hält den erneuten Widerspruch für

**Rn. 46**

unzulässig. Da der Vertreter der Verfügungsbeklagten im

**Rn. 47**

Termin vom 12.12.2002 ausdrücklich auf die Neufassung

**Rn. 48**

des § 189 ZPO hingewiesen worden sei, sei die Rücknah-

**Rn. 49**

me des Widerspruchs als Verzicht auf eine Verteidigung

**Rn. 50**

gegen die einstweilige Verfügung wegen nicht rechtzei-

**Rn. 51**

tiger Vollziehung und zudem die tatsächlichen Voraus-

**Rn. 52**

setzungen der Heilungsvorschrift als zugestanden anzu-

**Rn. 53**

sehen .

**Rn. 54**

Zur Ergänzung des Sach- und Streitstandes wird auf den

**Rn. 55**

vorgetragenen Inhalt der zwischen den Parteien gewech-

**Rn. 56**

selten Schriftsätze nebst Anlagen Bezug genommen.

**Rn. 57**

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e :

**Rn. 58**

Die einstweilige Verfügung war aufrecht zu erhalten.

**Rn. 59**

Der erneute Widerspruch gegen die einstweilige Verfü-

**Rn. 60**

ung ist zulässig, In der Widerspruchsrücknahme ist kein

**Rn. 61**

konkludenter Verzicht auf Neueinlegung zu sehen.

**Rn. 62**

Die einstweilige Verfügung war aufrechtzuerhalten, trotz

**Rn. 63**

fehlender Zustellung an den Bevollmächtigten der Verfü-

**Rn. 64**

gungsbeklagten innerhalb der Frist des § 929 Abs. 2

**Rn. 65**

ZPO. Der Zustellungsmangel ist geheilt nach § 189 ZPO,

**Rn. 66**

weil Zugang des zuzustellenden Schriftstücks an die

**Rn. 67**

Prozessbevollmächtigten bis zum 16.11.2002 erfolgte.

**Rn. 68**

Dies folgt aus der Tatsache, dass die Prozessbevoll-

**Rn. 69**

mächtigten der Verfügungsbeklagten den Widerspruchs-

**Rn. 70**

schriftsatz unter dem 16.11.2002 gefertigt haben. Dass

**Rn. 71**

bis zu diesem Zeitpunkt keine Zustellung an die Pro-

**Rn. 72**

zessbevollmächtigten erfolgte, ist unbeachtlich. Die

**Rn. 73**

Vorschrift des § 189 ZPO n .F., die ab dem 01.07.2002

**Rn. 74**

gilt, ist hier einschlägig. Die Heilung von Zustel-

**Rn. 75**

lungsmängeln ist aufgrund der Neufassung auch im Rahmen

**Rn. 76**

einer "Wirksamkeitszustellung" möglich (Zöller, ZPO, 23. /

**Rn. 77**

Aufl. 2002, S 929 Rdn. 14) .

**Rn. 78**

Die einstweilige Verfügung ist auch zulässig und be-

**Rn. 79**

gründet .

**Rn. 80**

Die Dringlichkeitsvermutung des § 25 UWG ist nicht wi-

**Rn. 81**

derlegt.

**Rn. 82**

Die Werbung der Verfügungsbeklagten ist wegen Verstoßes

**Rn. 83**

gegen § 7 Abs. l UWG wettbewerbswidrig. Mit ihr wird

**Rn. 84**

eine Verkaufsveranstaltung angekündigt, die außerhalb

**Rn. 85**

des regelmäßigen Geschäftsverkehrs im Einzelhandel

**Rn. 86**

liegt, der Beschleunigung des Warenabsatzes dient und

**Rn. 87**

den Eindruck hervorruft, dass besondere Kaufvorteile

**Rn. 88**

geboten werden. Einwände gegen diese rechtliche Beur-

**Rn. 89**

teilung ihres Werbeverhaltens werden durch die Verfü-

**Rn. 90**

gungsbeklagte nicht erhoben.

**Rn. 91**

Die Kostenentscheidung folgt aus § 91 ZPO. Die auf-

**Rn. 92**

rechterhaltene einstweilige Verfügung ist von Gesetzes

**Rn. 93**

wegen vorläufig vollstreckbar.

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Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Urteil vom 30.01.2003 – 13 O 188/02, ECLI:DE:LGDO:2003:0130.13O188.02.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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