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# Landgericht Dortmund, Urteil vom 07.01.2003 – 14 (IX) O 1/02

ECLI:DE:LGDO:2003:0107.14IX.O1.02.00

## Tenor

Der Angeklagte wird wegen Verbreitens von Propa-

gandamitteln einer verfassungswidrigen Organisa-

tion zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten

verurteilt.

Die Vollstreckung der Strafe wird zur Bewährung

ausgesetzt.

Im Übrigen wird der Angeklagte freigesprochen.

Die Kosten des Verfahrens trägt der Angeklagte,

soweit er verurteilt wurde. Soweit er frei-

gesprochen wurde, fallen die Kosten des Ver-

fahrens und die notwendigen Auslagen des Ange-

klagten der Staatskasse zur Last.

- §§ 86 l Nr. 4, 17, 49, 56 StGB –

**Rn. 1**

G r ü n d e :

**Rn. 2**

l.

**Rn. 3**

Der Angeklagte ist deutscher Staatsangehöriger. Er

**Rn. 4**

wurde am 25.07.1972 in I als einziges Kind seiner

**Rn. 5**

Eltern geboren. Er wurde regelgerecht in die Grund-

**Rn. 6**

schule eingeschult. Nach der Grundschulzeit wechselte

**Rn. 7**

er auf ein Gymnasium. Dieses verließ er indes nach ca.

**Rn. 8**

l 1/2 Jahren und besuchte eine Hauptschule, welche er

**Rn. 9**

nach der 10. Klasse ohne Schulabschluss verließ.

**Rn. 10**

Anschließend begann der Angeklagte eine Lehre als Kfz-

**Rn. 11**

Mechaniker, die er jedoch nach einiger Zeit wieder ab-

**Rn. 12**

brach. Auch eine erneute Lehre als Kfz-Mechaniker brach

**Rn. 13**

der Angeklagte vorzeitig ab. Anschließend übte er ver-

**Rn. 14**

schiedene Gelegenheitsarbeiten aus, bis er im Januar

**Rn. 15**

1992 seinen Grundwehrdienst in der Bundeswehr ableisten

**Rn. 16**

musste. Ein halbes Jahr später wurde er wegen eines

**Rn. 17**

Rückenleidens ausgemustert.

**Rn. 18**

Es folgten weitere Gelegenheitsjobs, die der Angeklagte

**Rn. 19**

ausübte, immer wieder unterbrochen von Zeiten der Ar-

**Rn. 20**

beitslosigkeit. So arbeitete er im Jahr 1997 im Land-

**Rn. 21**

schaftsbau, bis er wieder arbeitslos wurde. Vom Jahr

**Rn. 22**

2001 an bis zum April 2002 war er in einem städtischen

**Rn. 23**

"Werkhof,, tätig und übte dort verschiedenste Arbeiten

**Rn. 24**

aus. Im April 2002 wurde der Angeklagte erneut ar-

**Rn. 25**

beitslos. Er bezieht derzeit Arbeitslosenhilfe in Höhe

**Rn. 26**

von ca. 600,00 €. Gleichzeitig versucht der Angeklagte,

**Rn. 27**

sich im Bereich des Gartenbaus als selbständiger Un-

**Rn. 28**

ternehmer zu etablieren. Auf Grund dieser Tätigkeit

**Rn. 29**

erhält er neben der Arbeitslosenhilfe weitere 160,00 €

**Rn. 30**

monatlich im Durchschnitt.

**Rn. 31**

Der Angeklagte, der von 1993 bis 1998 verheiratet war

**Rn. 32**

und mittlerweile geschieden ist, hat eine 9-jährige

**Rn. 33**

Tochter. Diese lebt bei seiner Mutter. Unterhalt zahlt

**Rn. 34**

der Angeklagte für dieses Kind nicht. Zur Zeit lebt er

**Rn. 35**

mit seiner Verlobten zusammen in einer Wohnung. Seine

**Rn. 36**

Verlobte erwartet ein Kind von ihm.

**Rn. 37**

Der Angeklagte, der ersichtlich körperlich und geistig

**Rn. 38**

gesund ist, ist bereits erheblich strafrechtlich in Er-

**Rn. 39**

scheinung getreten, und zwar wie folgt:

**Rn. 40**

1.

**Rn. 41**

Am 02.04.1990 wurde er wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis

**Rn. 42**

und Duldens des Fahrens ohne Fahrerlaubnis ermahnt, ihm

**Rn. 43**

wurde eine richterliche Weisung erteilt. Von der Ver-

**Rn. 44**

folgung wurde nach § 45 JGG abgesehen.

**Rn. 45**

2.

**Rn. 46**

Am 27.11.1990 wurde ihm vom Amtsgericht Schwelm wegen

**Rn. 47**

Fahrens ohne Fahrerlaubnis eine Geldauflage auferlegt;

**Rn. 48**

er wurde verwarnt.

**Rn. 49**

3. .

**Rn. 50**

Mit Urteil vom 22.01.1992 .vom Amtsgericht Lüdenscheid

**Rn. 51**

wurde der Angeklagte wegen gemeinschaftlicher gefähr-

**Rn. 52**

licher Körperverletzung zu drei Wochen Jugendarrest

**Rn. 53**

verurteilt.

**Rn. 54**

4.

**Rn. 55**

Am 04.02.1992 wurde der Angeklagte vom Amtsgericht

**Rn. 56**

Schwelm wegen vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis

**Rn. 57**

in Tateinheit mit Trunkenheit im Straßenverkehr und

**Rn. 58**

Führen eines nicht haftpflichtversicherten Fahrzeugs zu

**Rn. 59**

drei Wochen Jugendarrest verurteilt.

**Rn. 60**

5.

**Rn. 61**

Am 14.05.1992 wurde der Angeklagte vom Amtsgericht

**Rn. 62**

Schwelm wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körper-

**Rn. 63**

verletzung und gemeinschaftlicher Störung der Re-

**Rn. 64**

ligionsausübung zu .einer Jugendstrafe von acht Monaten

**Rn. 65**

verurteilt, deren Vollstreckung für drei Jahre zur

**Rn. 66**

Bewährung ausgesetzt wurde.

**Rn. 67**

6.

**Rn. 68**

Mit Urteil vom 28.01.1993 des Amtsgerichts Schwelm

**Rn. 69**

wurde der Angeklagte wegen gemeinschaftlicher Körper-

**Rn. 70**

verletzung unter Einbeziehung der Entscheidung unter

**Rn. 71**

Nr. 5. zu einer Jugendstrafe von einem Jahr verurteilt,

**Rn. 72**

deren Vollstreckung für drei Jahre zur Bewährung ausge-

**Rn. 73**

setzt wurde. Die Jugendstrafe wurde anschließend erlas-

**Rn. 74**

sen.

**Rn. 75**

Dieser Verurteilung lag zugrunde, dass der Angeklagte,

**Rn. 76**

der bereits damals der rechtsradikalen Szene zuzuordnen

**Rn. 77**

war, gemeinsam mit mehreren Skinheads mehrere Personen

**Rn. 78**

in einer Gaststätte, die sich über Rechtsradikalismus

**Rn. 79**

unterhalten hatten, provozierte und tätlich angriff.

**Rn. 80**

Der Angeklagte nahm eine der Personen in den

**Rn. 81**

"Schwitzkasten,, und fragte diesen, ob sie nach draußen

**Rn. 82**

gehen und dort "Bordstein-Kicken,, sollten. Im Vorfeld

**Rn. 83**

der Tätlichkeiten hatte der damals Mitangeklagte

**Rn. 84**

T4, der zu der Gruppe des Angeklagten gehörte,

**Rn. 85**

unter anderem geäußert, dass die Geschädigte T

**Rn. 86**

"zu Hitlers Zeiten schon längst in der Gaskammer

**Rn. 87**

gelandet" wäre.

**Rn. 88**

7.

**Rn. 89**

Mit Urteil vom 22.02.1996 wurde der Angeklagte vom

**Rn. 90**

Amtsgericht Schwelm wegen Körperverletzung zu einer

**Rn. 91**

Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 15,00 DM verur-

**Rn. 92**

teilt.

**Rn. 93**

Dieser Verurteilung lag zugrunde, dass der Angeklagte

**Rn. 94**

am 15.04.1995 mit dem Geschädigten T2 in Streit

**Rn. 95**

geriet und ihn daraufhin mit einem Schlag zu Boden

**Rn. 96**

schlug.

**Rn. 97**

Das Amtsgericht ging auf Grund des Alkoholkonsums des

**Rn. 98**

Angeklagten am Tattage, zu seinen Gunsten von einem

**Rn. 99**

Zustand erheblich verminderter Schuldfähigkeit aus.

**Rn. 100**

8.

**Rn. 101**

Mit Urteil vom 06.08.1998 vom Amtsgericht Husum, ab-

**Rn. 102**

geändert durch Berufungsurteil des Landgerichts Flens-

**Rn. 103**

burg vom 06.08.1998, wurde der Angeklagte wegen Körper-

**Rn. 104**

verletzung in Tateinheit mit Nötigung zu einer Frei-

**Rn. 105**

heitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verur-

**Rn. 106**

teilt. Die Vollstreckung der Freiheitsstrafe wurde zur

**Rn. 107**

Bewährung ausgesetzt. Das Ende der Bewährungszeit steht

**Rn. 108**

zum 14.05.2003 an.

**Rn. 109**

Dieser Verurteilung lag der Sachverhalt zugrunde, dass

**Rn. 110**

der Angeklagte am 05.04.1997 gemeinsam mit Bekannten

**Rn. 111**

während einer Zugfahrt nach Sylt aus nichtigem Anlaß

**Rn. 112**

den Geschädigten Q tätlich angriff und mit Fäu-

**Rn. 113**

sten auf ihn einschlug. Anschließend nötigte er den

**Rn. 114**

Geschädigten unter Androhung von weiteren Schlägen

**Rn. 115**

dazu, einen Schal mit dem Emblem des Hamburger Sport-

**Rn. 116**

vereins (HSV) herauszugeben.

**Rn. 117**

9.

**Rn. 118**

Mit Urteil vom 21.10.1998 wurde der Angeklagte vom

**Rn. 119**

Amtsgericht Hagen wegen Betruges zu einer Geldstrafe

**Rn. 120**

von 40 Tagessätzen zu je 15,00 DM verurteilt.

**Rn. 121**

10.

**Rn. 122**

Mit Urteil vom 30.06.1999 wurde der Angeklagte vom

**Rn. 123**

Amtsgericht Hagen wegen Erschleichens von Leistungen zu

**Rn. 124**

einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je 15,00 DM ver-

**Rn. 125**

urteilt.

**Rn. 126**

11.

**Rn. 127**

Mit Strafbefehl des Amtsgerichts Köln vom 17.09.2001

**Rn. 128**

- rechtskräftig seit dem 20.10.2001 - wurde gegen den

**Rn. 129**

Angeklagten wegen Hausfriedensbruch eine Geldstrafe von

**Rn. 130**

60 Tagessätzen zu je 15,00 DM festgesetzt.

**Rn. 131**

Dem lag zugrunde, dass der Angeklagte am 02.06.2001 mit

**Rn. 132**

mehreren Bekannten aus der rechtsradikalen Szene auf

**Rn. 133**

dem Kölner Hauptbahnhof fremdenfeindliche Parolen aus-

**Rn. 134**

rief und auf Grund dessen vom Bundesgrenzschutz kon- ,

**Rn. 135**

trolliert wurde. Als während dieser Kontrolle der Zug

**Rn. 136**

auf dem Hauptbahnhof einfuhr, mit dem der Angeklagte

**Rn. 137**

und seine Bekannten fahren wollten, stiegen sie, ohne

**Rn. 138**

das Ende der Kontrolle abzuwarten, in den Zug ein. Im

**Rn. 139**

weiteren Verlauf des Geschehens wurde die gesamte

**Rn. 140**

Gruppe, unter ihnen auch der Angeklagte, vom zuständi-

**Rn. 141**

gen Zugbegleiter zum Verlassen des Zuges aufgefordert,

**Rn. 142**

um so eine Eskalation zu verhindern. Dieser Auffor-

**Rn. 143**

derung kam der Angeklagte nicht nach. Anschließend mus-

**Rn. 144**

ste der Großteil der Gruppe von den Bundes-

**Rn. 145**

grenzschutzbeamten aus dem Zug getragen werden.

**Rn. 146**

II.

**Rn. 147**

Der Angeklagte ist seit seiner Jugend der rechtsradika-

**Rn. 148**

len Szene verhaftet und fühlt sich dieser zugehörig. Er

**Rn. 149**

ist bzw. war in leitender Funktion, genaueres konnte

**Rn. 150**

hierzu in der Hauptverhandlung nicht festgestellt wer-

**Rn. 151**

den, für die sogenannte "Initiative der weißen Art,,

**Rn. 152**

(l.d.w.A.) tätig.

**Rn. 153**

Am 27.11.2001 beantragte der Angeklagte bei den

**Rn. 154**

zuständigen Behörden als "verantwortlicher Anmelder der

**Rn. 155**

l.d.w.A." die Genehmigung einer Demonstration am

**Rn. 156**

12.01.2002 unter dem Motto "Ruhm und Ehre der Waffen-

**Rn. 157**

SS". Veranstaltungsort sollte die Wewelsburg in Büren

**Rn. 158**

sein.

**Rn. 159**

Die Waffen-SS war als Teilorganisation der SS zur Zeit

**Rn. 160**

des nationalsozialistischen Gewaltregimes aus den

**Rn. 161**

SS-Verfügungstruppen und den SS-Totenkopfverbänden, den

**Rn. 162**

SS-Wachmannschaften der Konzentrationslager, ent-

**Rn. 163**

standen. Bestimmte Verbände der Waffen-SS wurden auch

**Rn. 164**

weiterhin als Wachmannschaften in den Konzentra-

**Rn. 165**

tionslagern eingesetzt. Die aktiven Verbände der Waf-

**Rn. 166**

fen-SS wurden im Rahmen des Heeres eingesetzt,

**Rn. 167**

wenngleich auch sie keinen Teil der Wehrmacht bildeten.

**Rn. 168**

Mitglieder der Waffen-SS waren neben freiwillig

**Rn. 169**

Dienenden mit fortschreitender Kriegsdauer auch

**Rn. 170**

"Volksdeutsche" und ausländische Freiwillige und

**Rn. 171**

Zwangsrekrutierte. Die Wachmannschaften der Konzentra-

**Rn. 172**

tionslager unterstanden der Befehlsgewalt der Waf-

**Rn. 173**

fen-SS. Die SS nebst allen Untergliederungen, die

**Rn. 174**

Reiter-SS ausgenommen, wurde 1946 vom Internationalen

**Rn. 175**

Militärgerichtshof in Nürnberg zur "verbrecherischen

**Rn. 176**

Organisation,, erklärt.

**Rn. 177**

Die Wewelsburg diente in der Zeit der national-

**Rn. 178**

sozialistischen Gewaltherrschaft als Kult- und Terror-

**Rn. 179**

stätte der SS und der Waffen-SS. Sie wurde ab 1934 zum

**Rn. 180**

einem Zentrum der NS-ldeologie und einer Weihestätte

**Rn. 181**

für tote SS-Angehörige ausgebaut.

**Rn. 182**

Zur Durchführung der für den Um- und Ausbau der Wewels-

**Rn. 183**

burg als "Kultstätte,, erforderlichen Arbeiten wurde

**Rn. 184**

1939 ein Kommando des Konzentrationslagers Sachsen-

**Rn. 185**

hausen nach Wewelsburg verlegt. Im Jahr 1941 entstand

**Rn. 186**

hieraus das selbständige Konzentrationslager

**Rn. 187**

"Niederhagen". Insgesamt wurden 3.900 KZ-Häftlinge in

**Rn. 188**

das Wewelsburger Lager verbracht. Hiervon kamen minde-

**Rn. 189**

stens 1.285 Häftlinge durch willkürliche Tötungen, Un-

**Rn. 190**

terernährung und unmenschliche Haftbedingungen ums Le-

**Rn. 191**

ben.

**Rn. 192**

Der Angeklagte wusste von den Aufgabenbereichen, Funk-

**Rn. 193**

tionen und der Aufgliederung der Waffen-SS sowie davon,

**Rn. 194**

dass sie yom Nürnberger Internationalen Militärtribunal

**Rn. 195**

zur verbrecherischen Organisation erklärt worden war.

**Rn. 196**

Ihm war auch die historische Bedeutung der Wewelsburg

**Rn. 197**

sowie ihre besondere Rolle als "Kultstätte" der zur

**Rn. 198**

Zeit des nationalsozialistischen Gewaltregimes bekannt.

**Rn. 199**

Gerade vor diesem Hintergrundwissen wählte der Ange-

**Rn. 200**

klagte den Ort der von ihm geplanten Veranstaltung

**Rn. 201**

sowie das Motto "Ruhm und Ehre der Waffen-SS".

**Rn. 202**

Er meldete in seinem Antrag auf Genehmigung als

**Rn. 203**

Hilfsmittel unter anderem "Lautsprecherwagen, Handmega

**Rn. 204**

phone, Fahnen, Transparente, Trageschilder, Fackeln,

**Rn. 205**

Landknechtstrommeln sowie ein Festzelt,, an. In dieser

**Rn. 206**

Anmeldung bezeichnete sich der Angeklagte ausdrücklich

**Rn. 207**

als verantwortlicher Leiter. Der Angeklagte erwartete

**Rn. 208**

für diese Demonstration ca. 1.000 Teilnehmer.

**Rn. 209**

Mit Fax vom28..11.2001 teilte der Angeklagte, den

**Rn. 210**

zuständigen Ordnungsbehörden mit, dass der Termin der

**Rn. 211**

Demonstration um eine Woche vorverlegt worden sei und

**Rn. 212**

am 05.01.2002 stattfinden soll.

**Rn. 213**

Als Redner für die Demonstration unter dem Motto "Ruhm

**Rn. 214**

und Ehre der Waffen-SS,, waren H, X, X2 sowie C

**Rn. 215**

vorgesehen. Anschließend sollten in dem Festzelt drei

**Rn. 216**

Musikgruppen, unter ihnen auch die Gruppe "Oidoxie,,

**Rn. 217**

auftreten.

**Rn. 218**

Für diese "Demonstration,, warb der Angeklagte im Inter-

**Rn. 219**

net. Er betrieb zwei "Internetseiten,, und zwar unter

**Rn. 220**

den Namen "www.idwa.de,, sowie "www.donnertex..de". Unter

**Rn. 221**

der Internetseite "www.idwa.de,, warb er zumindest am

**Rn. 222**

20.12.2001 für die Veranstaltung unter ausdrücklicher

**Rn. 223**

Nennung des Veranstaltungsmottos und -ortes, indem er

**Rn. 224**

eine Datei folgenden Inhalts auf der Festplatte des Be-

**Rn. 225**

treiberservers speicherte und sie so zum Lesezugriff

**Rn. 226**

ins Internet stellte:

**Rn. 227**

"Anderung-Anderung-Anderung

**Rn. 228**

Achtung-Achtung-Achtung-Achtung-Achtung!!!

**Rn. 229**

Für den 05.01.2002 ist eine Großdemo an der Wevelsburg

**Rn. 230**

angemeldet!!!

**Rn. 231**

Das Motto lautet "Ruhm und Ehre der Waffen-SS,,.

**Rn. 232**

Des Weiteren sind drei Bands, ein Festzelt und

**Rn. 233**

Verpflegung gemeldet, um die Veranstaltung würdig aus-

**Rn. 234**

klingen lassen zu können! !! .

**Rn. 235**

Infos wie immer über die bekannten NIT's und www.-

**Rn. 236**

Seiten.

**Rn. 237**

Status angemeldet!,,

**Rn. 238**

Nicht festgestellt werden konnte in diesem Zusammen-

**Rn. 239**

hang, ob der Angeklagte, wie ihm mit der Anklageschrift

**Rn. 240**

vom 21.05.2002 vorgeworfen wird, von Dezember 2001 bis

**Rn. 241**

zum 04.01.2002 auch über die Internetseite

**Rn. 242**

"www.donnertex.de,,, die er ebenfalls betrieb, für die

**Rn. 243**

Veranstaltung unter ausdrücklicher Nennung des Mottos

**Rn. 244**

"Ruhm und Ehre der Waffen-SS,, mittels einer Verweisung

**Rn. 245**

(Link) geworben hat.

**Rn. 246**

Mit Verfügung vom 21.12.2001 wurde die von dem Ange-

**Rn. 247**

klagten geplante Versammlung nach §15 Abs. l Ver-

**Rn. 248**

sammlungsgesetz verboten. Gleichzeitig wurde die sofor-

**Rn. 249**

tige Vollziehung der Verfügung angeordnet. In dieser

**Rn. 250**

Verbotsverfügung wurde dem Angeklagten weiterhin mit-

**Rn. 251**

geteilt, dass ein Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen

**Rn. 252**

Verstoßes gegen § 86 StGB eingeleitet worden sei.

**Rn. 253**

Gleichzeitig wurde er ausdrücklich aufgefordert, die

**Rn. 254**

öffentliche Werbung für die Versammlung unter Ver-

**Rn. 255**

breitung des Mottos "Ruhm und Ehre der Waffen-SS,, ein-

**Rn. 256**

zustellen, da dies die Fortsetzung einer Straftat be-

**Rn. 257**

deuten würde.

**Rn. 258**

Der Angeklagte legte am 27.12.2001 Widerspruch gegen

**Rn. 259**

die Verbotsverfügung ein und beantragte beim Verwal-

**Rn. 260**

tungsgericht Minden, die aufschiebende Wirkung seines

**Rn. 261**

Widerspruchs wiederherzustellen. Nachdem dieser Antrag

**Rn. 262**

durch Beschluss des Verwaltungsgerichts Minden vom

**Rn. 263**

28.12.2001 abgelehnt worden war, beantragte der Ange-

**Rn. 264**

klagte über seine Rechtsanwälte die Zulassung der

**Rn. 265**

Beschwerde gegen den Beschluss des Verwaltungsgerichts

**Rn. 266**

Minden beim Oberverwaltungsgericht für das Land

**Rn. 267**

Nordrhein-Westfalen. Dieser Antrag wurde mit Beschluss

**Rn. 268**

des Oberverwaltungsgerichts vom 04.01.2002 abgelehnt.

**Rn. 269**

Zu der Durchführung der geplanten Veranstaltung kam es

**Rn. 270**

daher nicht.

**Rn. 271**

Nachdem die Verbotsverfügung an den Angeklagten ergan-

**Rn. 272**

gen war und er hiergegen Widerspruch eingelegt und

**Rn. 273**

später verwaltungsgerichtliche Behelfe ergriffen hatte,

**Rn. 274**

änderte der Angeklagte die auf seiner Internetseite

**Rn. 275**

"www.idwa.de,, zu lesende Werbung für die Demonstration

**Rn. 276**

dergestalt ab, dass dort nunmehr anstatt des Mottos

**Rn. 277**

"Ruhm und Ehre der Waffen-SS,, zu lesen war: "Zur Zeit

**Rn. 278**

vom Staat zensiert,, sowie,.Status angemeldet! Zur Zeit

**Rn. 279**

verboten. Rechtskampf läuft!,,.

**Rn. 280**

Weiterhin stellte der Angeklagte auf dieser Internet-

**Rn. 281**

seite einen Auszug aus der Verbotsverfügung des Po-.

**Rn. 282**

lizeipräsidiums Bielefeld vom 21.12.2001 ein.

**Rn. 283**

III.

**Rn. 284**

Die Feststellungen zu den persönlichen Verhältnissen

**Rn. 285**

des Angeklagten beruhen auf seiner glaubhaften Einlas-

**Rn. 286**

sung sowie auf der Verlesung des Bundeszentral-

**Rn. 287**

registerauszuges, auch insofern ergänzt durch die Ein-

**Rn. 288**

lassung des Angeklagten.

**Rn. 289**

Die Feststellungen zur Sache beruhen auf dem Ergebnis

**Rn. 290**

der Hauptverhandlung und der durchgeführten Beweisauf-

**Rn. 291**

nahme, wie sie sich aus der Hauptverhandlungsnieder-

**Rn. 292**

schrift ergibt.

**Rn. 293**

Der Angeklagte hat sich in der Hauptverhandlung

**Rn. 294**

zunächst nicht zur Sache eingelassen. Er hat jedoch im

**Rn. 295**

Laufe der Hauptverhandlung zugegeben, dass die Unter-

**Rn. 296**

schrift unter der Anmeldung der Demonstration vom

**Rn. 297**

27.11.2001 von ihm stammt.

**Rn. 298**

Zur Überzeugung der Kammer steht darüber hinaus fest,

**Rn. 299**

dass der Angeklagte die Tat, so wie unter II.

**Rn. 300**

dargestellt, begangen hat. Hierfür waren folgende Er-

**Rn. 301**

wägungen maßgeblich:

**Rn. 302**

Dass es der Angeklagte war, der die Datei mit dem oben

**Rn. 303**

dargestellten Inhalt auf der Festplatte des Betreiber-

**Rn. 304**

servers für die Internetseite "www.idwa.de,, gespeichert

**Rn. 305**

und sie so zum Lesezugriff ins Internet gestellt hat,

**Rn. 306**

steht unter anderem auf Grund der glaubhaften Aussage

**Rn. 307**

des Zeugen T3 fest. Dieser war in seiner Eigen-

**Rn. 308**

schaft als Kriminalbeamter - Abteilung Staatsschutz -

**Rn. 309**

als Ermittlungsführer in der vorliegenden Sache tätig.

**Rn. 310**

Er hat glaubhaft bekundet, dass er bei einer Routine-

**Rn. 311**

recherche auf die Internetseite "www.idwa.de,, gestoßen

**Rn. 312**

sei, auf der unter, ausdrücklicher Nennung des Veran-

**Rn. 313**

staltungsmottos und -ortes für die geplante Demonstra- -

**Rn. 314**

tion geworben worden sei. Nach Einleitung eines ent-

**Rn. 315**

sprechenden Ermittlungsverfahrens habe er aufgrund

**Rn. 316**

einer Auskunft bei der E-Datenbank erfahren, dass

**Rn. 317**

der Angeklagte der Inhaber und verantwortliche Betrei-

**Rn. 318**

ber der Internetseiten "www.idwa.de,, sowie

**Rn. 319**

"www.donnertex.de,, sei.

**Rn. 320**

Auf Grund dieser glaubhaften Aussage - die Kammer hat

**Rn. 321**

keinen Anlaß, an ihrer Richtigkeit zu zweifeln – steht

**Rn. 322**

demnach fest, dass zumindest zu dem damaligen Zeitpunkt

**Rn. 323**

der Angeklagte- die Internetseite "www.idwa.de,, betrie-

**Rn. 324**

ben und demnach die Datei mit dem strafbaren Inhalt auf

**Rn. 325**

dem betreffenden Server abgespeichert und so zum Lese-

**Rn. 326**

zugriff ins Internet gestellt hat. Dafür spricht

**Rn. 327**

darüber hinaus, dass auf dieser Internetseite die Han-

**Rn. 328**

dynummer #####/####angegeben war. Dieses steht eben-

**Rn. 329**

falls auf Grund der glaubhaften Aussage des Zeugen

**Rn. 330**

T3 fest. In seiner Anmeldung der Demonstration vom

**Rn. 331**

27.11.2001 hat der Angeklagte indes ebenfalls diese

**Rn. 332**

Handynummer angegeben. Diese Anmeldung ist weiterhin

**Rn. 333**

unter dem Briefkopf der "l.d.w.A,, unter Nennung der In-

**Rn. 334**

ternetseite,,www.idwa.de,, verfasst worden. Schließlich

**Rn. 335**

hat sich der Angeklagte, nachdem die Internetseite

**Rn. 336**

www.donnertex.de durch den Provider nach entsprechender

**Rn. 337**

Anforderung des Polizeipräsidiums Bielefeld gesperrt

**Rn. 338**

worden war, sogar bei dem Provider hierüber beschwert.

**Rn. 339**

Dies steht auf Grund der Verlesung der entsprechenden

**Rn. 340**

"E-Mail,, fest, die von dem Angeklagten verfasst wurde.

**Rn. 341**

Die getroffenen Feststellungen zur inneren Tatseite be-

**Rn. 342**

ruhen auf folgenden Erwägungen:

**Rn. 343**

Der Angeklagte ist seit Jahren in der rechtsradikalen

**Rn. 344**

Szene beschäftigt. Er war zum Tatzeitpunkt zumindest in

**Rn. 345**

verantwortlicher, wenn nicht sogar leitender Stellung

**Rn. 346**

für die "Initiative der weißen Art,, tätig. Hieraus er-

**Rn. 347**

gibt sich, dass der Angeklagte mit dem national-

**Rn. 348**

sozialistischen Gedankengut bestens, vertraut war und

**Rn. 349**

sich intensiv mit den historischen Ereignissen sowie

**Rn. 350**

mit den Strukturen der nationalsozialistischen Organi-

**Rn. 351**

sationen beschäftigt hat. Er hat gleich zwei Internet-

**Rn. 352**

seiten betrieben, auf denen nationalsozialistisches

**Rn. 353**

Gedankengut vertrieben wurde. Er wusste daher auch um

**Rn. 354**

die besondere Bedeutung der Wewelsburg zur Zeit des NS-

**Rn. 355**

Regimes für die Waffen-SS sowie von dem Umstand, dass

**Rn. 356**

dort unter der Bewachung der SS unzählige Zwangsar-

**Rn. 357**

beiter ihr Leben verloren. Dies ergibt sich auch und

**Rn. 358**

geradeaus dem Umstand, dass er gerade dort eine die

**Rn. 359**

Waffen-SS verherrlichende Veranstaltung abhalten

**Rn. 360**

wollte.

**Rn. 361**

VI.

**Rn. 362**

Der Angeklagte hat sich wegen Verbreitens von Propa-

**Rn. 363**

gandamitteln einer verfassungswidrigen Organisation

**Rn. 364**

strafbar gemacht, § 86 Abs. l Nr. 4 StGB, indem er im

**Rn. 365**

Dezember 2001 die Datei, mittels derer für die geplante

**Rn. 366**

Demonstration unter ausdrücklicher Nennung des Veran-

**Rn. 367**

staltungsmottos "Ruhm und Ehre der Waffen-SS,, geworben

**Rn. 368**

wurde, auf der von ihm betriebenen Internetseite

**Rn. 369**

"www.idwa.de,, zum Lesezugriff ins Internet gestellt und

**Rn. 370**

diese so in Datenspeichern öffentlich zugänglich ge-

**Rn. 371**

macht hat.

**Rn. 372**

Bei dieser Werbung unter Verwendung der Parole "Ruhm

**Rn. 373**

und Ehre der Waffen-SS,, handelt es sich um ein Propa-

**Rn. 374**

gandamittel im Sinne des § 86 Abs. l Nr. 4 StGB,

**Rn. 375**

welches sich gegen die freiheitliche demokratische

**Rn. 376**

Grundordnung richtet und nach seinem Inhalt dazu be-

**Rn. 377**

stimmt ist, Bestrebungen einer ehemaligen national-

**Rn. 378**

sozialistischen Organisation, hier der Waffen-SS,

**Rn. 379**

fortzusetzen.

**Rn. 380**

Diese Bestimmung ergibt sich bereits aus dem Ausdrucks-

**Rn. 381**

gehalt der Darstellung. Zwar mag die Verwendung der Pa-

**Rn. 382**

role "Ruhm und Ehre der Waffen-SS,, als solche noch

**Rn. 383**

nicht als Vergehen im Sinne des § 86 Abs. l Nr. 4 StGB

**Rn. 384**

strafbar sein. Dies gilt jedoch jedenfalls nicht unter

**Rn. 385**

den hier vorliegenden Umständen der Verwendung der Pa-

**Rn. 386**

role im Internet sowie wegen der von dem Angeklagten

**Rn. 387**

verfolgten Zielrichtung.

**Rn. 388**

Es war von dem Angeklagten gerade beabsichtigt, durch

**Rn. 389**

die ausdrückliche Nennung des Veranstaltungsmottos

**Rn. 390**

"Ruhm und Ehre der Waffen-SS,, sowie unter gleichzeiti-

**Rn. 391**

ger Nennung des Veranstaltungsortes, der Wevelsburg,

**Rn. 392**

dazu noch auf der Internetseite der "Initiative der

**Rn. 393**

weißen Art,, , einen unübersehbaren Zusammenhang zu

**Rn. 394**

schaffen. Hierdurch hat der Angeklagte deutlich ge-

**Rn. 395**

macht, dass jedenfalls das Ziel und die Aufgabe der

**Rn. 396**

Waffen-SS, nämlich die Erhaltung und Förderung der

**Rn. 397**

sogenannten "arischen" Rasse, unter gleichzeitiger ge-

**Rn. 398**

waltsamer Eliminierung der jüdischen Bevölkerung,

**Rn. 399**

förderungswürdig ist und gefördert werden müsse.

**Rn. 400**

Gerade dort, wo unter der NS-Gewaltherrschaft eine

**Rn. 401**

Kult- und Weihestätte der SS errichtet worden war und

**Rn. 402**

wo eine große Anzahl von KZ-Häftlingen unter der Be-

**Rn. 403**

fehlsgewalt der Waffen-SS unter unmenschlichen Bedin-

**Rn. 404**

gungen ums Leben kam, sollte die Waffen-SS "gerühmt und

**Rn. 405**

geehrt,, werden. Diese Zielrichtung hätte sich jedoch

**Rn. 406**

nicht nur erst durch die Abhaltung der von dem Ange-

**Rn. 407**

klagten geplanten Veranstaltung ergeben. Sie ergibt

**Rn. 408**

sich vielmehr bereits aus der Veröffentlichung des Mottos

**Rn. 409**

der Veranstaltung sowie des Versammlungsortes auf

**Rn. 410**

der von dem Angeklagten betriebenen Internetseite der

**Rn. 411**

"Initiative der weißen Art,,. Ein verständiger

**Rn. 412**

Durchschnittsleser kann diese Veröffentlichung nicht

**Rn. 413**

anders verstehen, als dass bereits hierdurch.unter

**Rn. 414**

grundsätzlicher Missachtung der im Grundgesetz konkre-

**Rn. 415**

tisierten Menschenrechte der "minderwertigen,,, insbe-

**Rn. 416**

sondere der jüdischen Rasse,, die Vorherrschaftsstellung

**Rn. 417**

der "arischen,, Rasse angestrebt und verteidigt werden

**Rn. 418**

soll.

**Rn. 419**

Der Angeklagte handelte auch - zumindest bedingt - vor-

**Rn. 420**

sätzlich. Von seinem Vorsatz war insbesondere der

**Rn. 421**

Charakter seiner Werbung im Internet für die Veranstal-

**Rn. 422**

tung als Propagandamittel im Sinne § 86 Abs.-l Nr. 4

**Rn. 423**

StGB umfasst. Er wusste um den Charakter seiner Dar-

**Rn. 424**

stellung im Internet, insbesondere um den unüber-

**Rn. 425**

sehbaren situativen und zeitlichen Zusammenhang, aus

**Rn. 426**

dem sich die Strafbarkeit seines Tuns ergab.

**Rn. 427**

IV.

**Rn. 428**

Der Strafrahmen des § 86 Abs. l Nr. 4 StGB sieht Frei-

**Rn. 429**

heitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe vor.

**Rn. 430**

Die Kammer hat diesen Strafrahmen indes gemäß § 49

**Rn. 431**

Abs. l StGB gemildert. Zu Gunsten des Angeklagten war

**Rn. 432**

nämlich davon auszugehen, dass dieser geglaubt hat,

**Rn. 433**

sich im legalen Bereich zu bewegen. Demnach hat er sich

**Rn. 434**

in einem Verbotsirrtum, § 17 StGB, befunden.

**Rn. 435**

Hierfür spricht insbesondere, dass der Angeklagte in

**Rn. 436**

seiner Anmeldung der Veranstaltung gegenüber den Ord-

**Rn. 437**

nungsbehörden neben der Organisation "Initiative der

**Rn. 438**

weißen Art,, sowohl Veranstaltungsort als auch Veran-

**Rn. 439**

staltungsmotto ausdrücklich genannt hat.

**Rn. 440**

Darüber hinaus hat er, bevor die Verbotsverfügung er-

**Rn. 441**

gangen war, auf seiner Internetseite und in seiner Wer-

**Rn. 442**

bung für die Veranstaltung den rechtlichen Status als

**Rn. 443**

"angemeldet,, bzw. "erlaubt,, bezeichnet.

**Rn. 444**

Allerdings war dieser Irrtum für den Angeklagten ver-

**Rn. 445**

meidbar. Ihm hätte sein Vorhaben unter Berücksichtigung

**Rn. 446**

seiner Tätigkeit und Kenntnisse Anlaß geben müssen,

**Rn. 447**

über die mögliche Rechtswidrigkeit seines Tuns

**Rn. 448**

nachzudenken oder sich zu erkundigen. Dann wäre er zur

**Rn. 449**

Unrechtseinsicht gekommen. Auf Grund seiner langjähri-

**Rn. 450**

gen Zugehörigkeit zur rechtsradikalen Szene sowie

**Rn. 451**

seiner diesbezüglichen Aktivitäten war der Angeklagte

**Rn. 452**

gehalten, über die mögliche Rechtswidrigkeit seiner Tat

**Rn. 453**

nachzudenken. Dass der Angeklagte mit dem nationalsoz-

**Rn. 454**

ialistischen Gedankengut bestens vertraut war, ergibt

**Rn. 455**

sich bereits daraus, dass er in verantwortlicher, wenn

**Rn. 456**

nicht sogar leitender Stellung, für die "Initiative der

**Rn. 457**

weißen Art,, tätig ist bzw. war und gleich zwei Inter-

**Rn. 458**

netseiten betrieben hat, auf denen solches nationalsoz-

**Rn. 459**

ialistisches Gedankengut vertrieben wurde. Er war

**Rn. 460**

deshalb in einem besonderen Maße zu umsichtigen Handeln

**Rn. 461**

verpflichtet. Hierzu hätte auch gehört, hinsichtlich

**Rn. 462**

der Veröffentlichung der Veranstaltung unter aus-

**Rn. 463**

drücklicher Nennung von Veranstaltungsort und - Motto

**Rn. 464**

auf seiner Internetseite der "Initiative der weißen

**Rn. 465**

Art" Rechtsrat einzuholen.

**Rn. 466**

Somit war der nach § 49 Abs. l StGB gemilderte

**Rn. 467**

Strafrahmen von Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren und

**Rn. 468**

drei Monaten oder Geldstrafe zugrunde zu legen.

**Rn. 469**

Hiervon ausgehend war zu Gunsten des Angeklagten zu

**Rn. 470**

berücksichtigen, dass er nicht einschlägig vorbestraft

**Rn. 471**

ist. Er hat zudem, nachdem er hierzu seitens des Po-

**Rn. 472**

lizeipräsidiums Bielefeld dazu aufgefordert worden war,

**Rn. 473**

durch die Löschung der Nennung des Veranstaltungsmottos

**Rn. 474**

und -ortes auf seiner Internetseite "www.idwa.de,, die

**Rn. 475**

Folgen seines strafbaren Tuns beseitigt und hiermit zu-

**Rn. 476**

mindest, eine teilweise Unrechtseinsicht erkennen las-

**Rn. 477**

sen.

**Rn. 478**

Zu Ungunsten des Angeklagten mussten sich indes insbe-

**Rn. 479**

sondere seine zahlreichen und erheblichen Vorstrafen

**Rn. 480**

auswirken. Er ist insbesondere bereits mehrere Male

**Rn. 481**

wegen Körperverletzungshandlungen verurteilt worden,

**Rn. 482**

die ihren eigentlichen Anlass in der Zugehörigkeit des

**Rn. 483**

Angeklagten zur Skinhead-Szene hatten und politisch mo-

**Rn. 484**

tiviert waren. Darüber hinaus Stand er zum Zeitpunkt

**Rn. 485**

seiner Tat noch unter laufender Bewährung. Schließlich

**Rn. 486**

hat er sich nicht etwa aus Übermut oder Leichtsinn zu

**Rn. 487**

der Tat hinreißen lassen, sondern diese überlegt und

**Rn. 488**

mit einer nicht unbeachtlichen Intensität begangen und

**Rn. 489**

sein hinter der eigentlichen Tat steckendes Ziel, näm-

**Rn. 490**

lich die Organisation und Abhaltung der Demonstration

**Rn. 491**

unter dem Motto "Ruhm und Ehre der Waffen-SS,, an der

**Rn. 492**

Wewelsburg, mit einer beachtlichen Hartnäckigkeit ver-

**Rn. 493**

folgt.

**Rn. 494**

Unter Abwägung sämtlicher für und gegen den Angeklagten

**Rn. 495**

sprechenden Gesichtspunkte hat die Kammer eine tat- und

**Rn. 496**

schuldangemessene Freiheitsstrafe von

**Rn. 497**

sechs Monaten

**Rn. 498**

festgesetzt.

**Rn. 499**

Die Verhängung einer Freiheitsstrafe erschien ange-

**Rn. 500**

sichts der Vorstrafen des Angeklagten zur Einwirkung

**Rn. 501**

auf ihn unerlässlich, aber auch ausreichend, um ihm das

**Rn. 502**

Unrecht seiner Tat vor Augen zu führen.

**Rn. 503**

Die Vollstreckung der Strafe konnte zur .Bewährung aus-

**Rn. 504**

gesetzt werden, da zu erwarten ist, dass der Angeklagte

**Rn. 505**

sich allein die Verurteilung zur Warnung dienen lässt.

**Rn. 506**

und in Zukunft auch ohne die Einwirkung des

**Rn. 507**

Strafvollzuges keine Straftaten mehr begehen wird, § 56

**Rn. 508**

Abs. l StGB. Dies gilt insbesondere unter der

**Rn. 509**

Berücksichtigung der familiären Situation des Ange-

**Rn. 510**

klagten. Dieser ist verlobt; seine Verlobte erwartet

**Rn. 511**

ein Kind von ihm. Er bemüht sich zudem darum, sich im

**Rn. 512**

Bereich des Gartenbaus selbständig zu machen und somit

**Rn. 513**

einer geregelten Arbeit nachzugehen.

**Rn. 514**

v.

**Rn. 515**

Soweit dem Angeklagten, mit der Anklage vom'' 21.05.2002

**Rn. 516**

zu Last gelegt wurde, durch eine weitere selbständige

**Rn. 517**

Handlung von Dezember 2001 bis zum 04.01.2002 über die

**Rn. 518**

von ihm eingerichtete Internetseite "www.donnertex.de"

**Rn. 519**

dergestalt für die Veranstaltung an der Wewelsburg ge-

**Rn. 520**

worben zu haben, dass das Motto "Ruhm und Ehre der Waf-

**Rn. 521**

fen-SS,, über diese Seite mittels einer Verweisung

**Rn. 522**

(Link) abrufbar war, war der Angeklagte aus tatsäch-

**Rn. 523**

lichen Gründen freizusprechen. Es konnte nicht, fest-

**Rn. 524**

gestellt werden, dass der Angeklagte in dem Tatzeitraum

**Rn. 525**

tatsächlich über die Internetseite "www.donnertex.de"

**Rn. 526**

für die Veranstaltung unter der ausdrücklichen Nennung

**Rn. 527**

des Mottos "Ruhm und Ehre der Waffen-SS,, geworben hat.

**Rn. 528**

Nur in diesem Fall hätte sich der Angeklagte eines

**Rn. 529**

weiteren Vergehens nach § 86 Abs. l Nr. 4 StGB strafbar

**Rn. 530**

gemacht.

**Rn. 531**

VI.

**Rn. 532**

Die Kostenentscheidung beruht auf den §§ 465, 467 StPO.

---

Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Urteil vom 07.01.2003 – 14 (IX) O 1/02, ECLI:DE:LGDO:2003:0107.14IX.O1.02.00

Quelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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