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# Landgericht Dortmund, Beschluss vom 18.11.2002 – 9 T 562/02

ECLI:DE:LGDO:2002:1118.9T562.02.00

## Tenor

Die sofortige Beschwerde wird kostenpflichtig

zurückgewiesen.

Der Wert des Beschwerdeverfahrens wird auf bis

zu 600, 00 € festgesetzt.

**Rn. 1**

G r ü n d e :

**Rn. 2**

Mit Schreiben seines Verfahrensbevollmächtigten. vom

**Rn. 3**

23.08.2001 beantragte der Beteiligte zu 1.), über sein

**Rn. 4**

Vermögen das Insolvenzverfahren zu eröffnen. Beigefügt

**Rn. 5**

war ein Antrag auf Erteilung von Restschuldbefreiung

**Rn. 6**

vom 22.08.2001 sowie der Antrag, für den Fall der ge-

**Rn. 7**

richtlichen Ankündigung der Restschuldbefreiung festzu-

**Rn. 8**

stellen, dass sich die Laufzeit der Abtretung nach §

**Rn. 9**

287 Abs. 2 Satz 1 InsO a.F. von sieben auf fünf Jahre

**Rn. 10**

verkürzt.

**Rn. 11**

Der Schuldner ist seit dem 30.09.1996 zahlungsunfähig.

**Rn. 12**

An diesem Tage hat er auch das von ihm zuvor betriebene

**Rn. 13**

Gewerbe einer Schank- und Speisewirtschaft abgemeldet.

**Rn. 14**

Wegen der Einzelheiten wird Bezug genommen auf den Er-

**Rn. 15**

öffnungsantrag vom 23.08.2001 und die zu den Akten ge-

**Rn. 16**

reichten Unterlagen, Blatt 1- 40 der Akten.

**Rn. 17**

Mit Beschluss vom 22.01.2002 eröffnete das Amtsgericht

**Rn. 18**

Dortmund das Insolvenzverfahren und bestellte den Be-

**Rn. 19**

teiligten zu 2.) zum Treuhänder. Wegen der Einzelheiten

**Rn. 20**

wird Bezug genommen auf den Beschluss vom 22.01.2002,

**Rn. 21**

Blatt 100 der Akten.

**Rn. 22**

Mit dem angefochtenen Beschluss vom 13.06.2002 hat das

**Rn. 23**

Amtsgericht die Dauer der Laufzeit der Abtretung gemäß

**Rn. 24**

§ 287 Abs. 2 Satz 1 InsO n.F. auf sechs Jahre, begin-

**Rn. 25**

nend mit der Eröffnung des Verfahrens, für den Fall der

**Rn. 26**

Ankündigung der Restschuldbefreiung gemäß § 291 InsO

**Rn. 27**

festgesetzt. Wegen der Einzelheiten wird Bezug genommen

**Rn. 28**

auf den angefochtenen Beschluss vom 13.06.2002, Blatt

**Rn. 29**

144 der Akte.

**Rn. 30**

Gegen den am 17.06.2002 bei dem Verfahrensbevollmäch-

**Rn. 31**

tigten des Beteiligten zu 1.) eingegangenen Beschluss

**Rn. 32**

hat der Beteiligte zu 1.) mit Schriftsatz seiner Ver-

**Rn. 33**

fahrensbevollmächtigten vom 24.06.2002 - eingegangen

**Rn. 34**

bei Gericht am 25.06.2002 - sofortige Beschwerde einge-

**Rn. 35**

legt. Wegen der Begründung wird Bezug genommen auf das

**Rn. 36**

Schreiben vom 24.06.2002, Blatt 151 der Akten sowie das

**Rn. 37**

Schreiben seiner Verfahrensbevollmächtigten vom

**Rn. 38**

17.09.2002, Blatt 158 der Akte.

**Rn. 39**

Der Beteiligte zu 1.) beantragt,

**Rn. 40**

die Dauer der Laufzeit der Abtretungserklärung

**Rn. 41**

aus § 287 Abs. 2 InsO auf fünf Jahre festzu-

**Rn. 42**

setzen.

**Rn. 43**

Die sofortige Beschwerde des Beteiligten zu 1.) vom

**Rn. 44**

24.06.2002 gegen den Beschluss des Amtsgerichts Dort-

**Rn. 45**

mund vom 13.06.2002 ist zulässig, § 289 Abs. 2, 6 InsO,

**Rn. 46**

da sich der Beteiligte zu 1.) gegen die Ablehnung der

**Rn. 47**

Verkürzung der Dauer der Abtretung pfändbarer Bezüge

**Rn. 48**

gemäß Art. 107 EGInsO wehrt. Dem steht nicht entgegen,

**Rn. 49**

dass das Amtsgericht mit dem angefochtenen Beschluss

**Rn. 50**

noch nicht über die Ankündigung der Restschuldbefreiung

**Rn. 51**

entschieden hat. Die Entscheidung des Insolvenzgerichts

**Rn. 52**

über die Frage, ob die Voraussetzungen des Art.

**Rn. 53**

107 EGInsO gegeben sind, kann von dem Schuldner, wenn

**Rn. 54**

das Gericht die Verkürzung ablehnt, angefochten werden

**Rn. 55**

{vgl. auch Eickmann u.a., InsO, Art. 107 EGlnsO

**Rn. 56**

Rdn. 4).

**Rn. 57**

Die sofortige Beschwerde ist jedoch nicht begründet.

**Rn. 58**

Das Amtsgericht hat mit dem angefochtenen Beschluss zu

**Rn. 59**

Recht die Dauer der Laufzeit der Abtretung gemäß § 287

**Rn. 60**

Abs. 2 Satz 1 InsO n. F. auf sechs Jahre beginnend mit

**Rn. 61**

der Eröffnung des Verfahrens festgesetzt.

**Rn. 62**

Gemäß Art. 103 a EGInsO sind auf Insolvenzverfahren,

**Rn. 63**

die vor dem 1. Dezember 2001 eröffnet worden sind, die

**Rn. 64**

bis dahin geltenden Vorschriften weiter anzuwenden. Um

**Rn. 65**

ein solches Insolvenzverfahren handelt es sich hier

**Rn. 66**

nicht, da das Amtsgericht das Verfahren erst mit Be-

**Rn. 67**

schluss vom 22.01.2002 eröffnet hat. Für dieses Verfah-

**Rn. 68**

ren gilt daher - wie das Amtsgericht zu Recht ausge-

**Rn. 69**

führt hat - die generelle Dauer von sechs Jahren, be-

**Rn. 70**

ginnend mit der Eröffnung des Verfahrens, gemäß der ge-

**Rn. 71**

änderten Vorschrift des § 287 Abs. 2 Satz 2 InsO n.F..

**Rn. 72**

Die Kammer schließt sich der Auffassung an, dass die

**Rn. 73**

Möglichkeit des Art. 107 EGInsO, die Wohlverhaltenspe-

**Rn. 74**

riode des § 287 Abs. 2 Satz 1 InsO auf fünf Jahre zu

**Rn. 75**

verkürzen, nur auf Verfahren anzuwenden ist, die vor

**Rn. 76**

dem Inkrafttreten der Gesetzesänderung am 1. Dezem-

**Rn. 77**

ber 2001 eröffnet worden sind ( vgl. auch LG Bad

**Rn. 78**

Kreuznach, Beschluss vom 03. Juli 2002, Aktenzeichen

**Rn. 79**

2 T 74/02). Für diese Auffassung spricht, dass die Vor-

**Rn. 80**

schrift des Art. 107 EGInsO bei der zum 01.12.2001 in

**Rn. 81**

Kraft getretenen Änderung der Insolvenzordnung nicht

**Rn. 82**

angepasst worden ist. Dies läßt - wie das Amtsgericht

**Rn. 83**

zu Recht ausführt - darauf schließen, dass eine Anwen-

**Rn. 84**

dung des Art. 107 EGInsO auf die ab dem 01.12.2001 er-

**Rn. 85**

öffneten Verfahren nicht gewollt ist. Art. 107 EGInsO

**Rn. 86**

bezieht sich dem Wortlaut nach auch ausdrücklich auf

**Rn. 87**

§ 287 Abs. 2 Satz 1 InsO in der alten Fassung, da inso-

**Rn. 88**

weit noch Bezug genommen wird auf eine Wohlverhal-

**Rn. 89**

tensperiode von sieben Jahren. Wäre die Anwendung von

**Rn. 90**

Art. 107 EGInsO auf Altfälle, die nach dem. 01.12.2001 eröffnet

**Rn. 91**

worden sind, beabsichtigt gewesen, wäre sowohl die ge-

**Rn. 92**

setzlich geregelte Laufzeit von sieben Jahren als auch

**Rn. 93**

der Beginn der Laufzeit in Art. 107 EGInsO neu zu regeln gewesen. Eine

**Rn. 94**

solche Änderung ist jedoch nicht erfolgt.

**Rn. 95**

Die Kammer vermag sich der gegenteiligen Auffassung des

**Rn. 96**

Landgerichts Frankfurt, ZinsO 2002, 839, nicht anzu-

**Rn. 97**

schließen. Zwar läßt sich den Gesetzesmaterialien - wie

**Rn. 98**

das Landgericht Frankfurt zu Recht ausfuhrt - nicht

**Rn. 99**

entnehmen, dass der Gesetzgeber durch die Verkürzung

**Rn. 100**

der Wohlverhaltensperiode im Sinne von § 287 Abs. 2

**Rn. 101**

InsO zugleich das Bedürfnis für die Möglichkeit der

**Rn. 102**

Verkürzung nach Art. 107 EGlnsO als entfallen angesehen

**Rn. 103**

hat. Jedoch sprechen auch keine Anhaltspunkte dafür, dass

**Rn. 104**

der Gesetzgeber lediglich versehentlich auf eine Änderung der

**Rn. 105**

Vorschrift des Art. 107 EGInsO verzichtet hat. Dass

**Rn. 106**

- wie das Landgericht Frankfurt meint - der Gesetzgeber

**Rn. 107**

die bisherige Regelung des Art. 107 EGInsO für ausrei-

**Rn. 108**

chend erachtet hat , ist nach Auffassung der Kammer aus

**Rn. 109**

den oben angeführten Gründer, nicht ersichtlich. Denn

**Rn. 110**

eine klarstellende Änderung des Art. 107 EGInsO wäre

**Rn. 111**

bei Anwendung auf Altfälle, die erst nach dem

**Rn. 112**

01.12.2001 eröffnet worden sind,, bereits aus dem Grunde

**Rn. 113**

erforderlich geworden, als zumindest der Beginn, der

**Rn. 114**

Laufzeit der Abtretung festzustellen gewesen wäre. Nach

**Rn. 115**

der Neuregelung des § 287 Abs. 2 InsO beginnt nämlich

**Rn. 116**

die Laufzeit der Wohlverhaltensperiode bereits mit der

**Rn. 117**

Eröffnung des Insolvenzverfahrens, während nach § 287

**Rn. 118**

Abs. 2 InsO a. F. die Laufzeit der Abtretung erst mit

**Rn. 119**

der Aufhebung des Insolvenzverfahrens begann.

**Rn. 120**

Im Hinblick auf die Verschiebung des Beginns der Wohl-

**Rn. 121**

verhaltensperiode werden die Schuldner, die bereits vor

**Rn. 122**

dem 1. Januar 1997 zahlungsunfähig waren, durch die

**Rn. 123**

Neuregelung des § 287 Abs. 2 Satz 1 InsO regelmäßig

**Rn. 124**

auch kaum benachteiligt, da der Zeitraum der Wohlver-

**Rn. 125**

haltensperiode von sechs Jahren ab Eröffnung des Insol-

**Rn. 126**

venzverfahrens der früheren verkürzten Laufzeit von

**Rn. 127**

fünf Jahren ab Aufhebung des Insolvenzverfahrens in et-

**Rn. 128**

wa entspricht.

**Rn. 129**

Zu Recht führt das Amtsgericht in dem angefochtenen Be-

**Rn. 130**

schluss aus, dass auch die Tatsache, dass der Antrag

**Rn. 131**

auf Verkürzung der Dauer der Laufzeit der Abtretung auf

**Rn. 132**

fünf Jahre auf der Grundlage des Art. 107 EGlnsO auch

**Rn. 133**

in dem neuen amtlichen Vordruck bezüglich des Antrags

**Rn. 134**

auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens vorgesehen ist,

**Rn. 135**

nicht den Schluss zuläßt, dass diese Vorschrift auch

**Rn. 136**

tatsächlich anzuwenden ist. Die Gestaltung des Vor-

**Rn. 137**

drucks hat sich an der gesetzlichen Grundlage auszu-

**Rn. 138**

richten. Wenn dies nicht der Fall ist, können aus dem

**Rn. 139**

Vordruck allein keine Rückschlüsse auf die Anwendbar-

**Rn. 140**

keit einer bestimmten Vorschrift gezogen v/erden.

**Rn. 141**

Die Nebenentscheidungen beruhen auf §§ 4 InsO, 97

**Rn. 142**

Abs. 1, 3 ZPO, 37, 38 GKG.

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Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Beschluss vom 18.11.2002 – 9 T 562/02, ECLI:DE:LGDO:2002:1118.9T562.02.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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