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# Landgericht Dortmund, Urteil vom 15.11.2002 – 8 O 188/00

ECLI:DE:LGDO:2002:1115.8O188.00.00

## Tenor

Die Klage wird abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits werden dem Kläger auferlegt.

Das Urteil ist gegen Sicherheitsleistung in Höhe von110 % des jeweils

beizutreibenden Betrages vorläufig vollstreckbar.

## Tatbestand

**Rn. 2**

Der Kläger ist der Testamentsvollstrecker über den Nachlass des am

**Rn. 3**

## .##.1937 geborenen und am ##.##.1997 verstorbenen I.

**Rn. 4**

Aus der ersten Ehe des Erblassers stammen die Kinder I2,

**Rn. 5**

I3 und I4. Bis zu seinem Tod lebte der Erblasser

**Rn. 6**

mit seiner Lebensgefährtin X zusammen. Aus dieser Beziehung

**Rn. 7**

stammen zwei noch minderjährige Kinder.

**Rn. 8**

Alle Kinder sind testamentarische Erben des verstorbenen I.

**Rn. 9**

Der Erblasser litt seit Anfang der 80er Jahre unter einer Tumorbildung im

**Rn. 10**

Gesicht. Es handelt sich dabei um ein adenozystisches Karzinom mit

**Rn. 11**

Metastasenbildung. Trotz mehrfacher Operationen konnte das Wachstum

**Rn. 12**

des Tumors nicht unterbunden werden. Infolge der Operationen und der

**Rn. 13**

weiteren Ausdehnung des Tumors erblindete der Erblasser im Februar 1996.

**Rn. 14**

Seine Fähigkeit zum deutlichen Sprechen wurde erheblich eingeschränkt.

**Rn. 15**

Durch die Metastasenbildung wurde schließlich auch der Frontalbereich des

**Rn. 16**

Gehirns in Mitleidenschaft gezogen. Seit August 1997 stellte sich schließlich

**Rn. 17**

eine erhebliche Schwerhörigkeit ein.

**Rn. 18**

Nachdem der Erblasser zuletzt Anfang des Jahres 1997 in stationärer Behandlung

**Rn. 19**

war, stabilisierte sich sein Zustand soweit, dass er nach Hause

**Rn. 20**

entlassen werden konnte.

**Rn. 21**

Wegen der Versorgung des Erblassers kam es zwischen den erwachsenen

**Rn. 22**

Kindern und der Lebensgefährtin des Erblassers zu erheblichen Auseinandersetzungen. So verbrachten z.B. die erwachsenen Kinder ihren Vater von

**Rn. 23**

A zu dessen Schwester nach E, wo sie ihn gegen den Willen

**Rn. 24**

der Lebensgefährtin ohne deren Beteiligung pflegen wollten. Dies nahm die

**Rn. 25**

Lebensgefährtin zum Anlass, beim Amtsgericht Hamm die Betreuung anzuregen.

**Rn. 26**

Mit Beschluss des Amtsgerichts Hamm vom 13.02.1997 (XVIII H 259)

**Rn. 27**

wurde der Zeuge X2 zum Berufsbetreuer für die Aufgabenkreise "Sorge

**Rn. 28**

für die Gesundheit, Aufenthaltsbestimmung und Vermögenssorge" bestellt.

**Rn. 29**

Ein Erlaubnisvorbehalt wurde nicht angeordnet.

**Rn. 30**

Der Betreute begann in den 80er Jahren damit, im großen Umfang Grundstücke

**Rn. 31**

zu erwerben und zu bebauen. Weil sich der Betreuer X2 wegen

**Rn. 32**

der Vielzahl der Immobiliengeschäfte mit der Vermögenssorge überfordert

**Rn. 33**

fühlte , regte er die Bestellung eines Juristen als Betreuer für diesen Aufgabenkreis

**Rn. 34**

an.

**Rn. 35**

Mit Beschluss vom 14.02.1997 wurde der Beklagte zu 1. durch das Amtsgericht

**Rn. 36**

Hamm zum Betreuer mit dem Wirkungskreis "Vermöqenssorqe" bestellt.

**Rn. 37**

Die Bestellung enthält keinen Erlaubnisvorbehalt, so dass sowohl der Betreuer

**Rn. 38**

als auch der Betreute wirksame Willenserklärungen abgeben konnten.

**Rn. 39**

Der Beklagte zu 1. fand bei der Übernahme der Betreuung - wie der Kammer

**Rn. 40**

auch aus anderen Verfahren bekannt ist - ein Chaos vor:

**Rn. 41**

Sämtliche Einnahmen und Ausgaben liefen über ein einziges Girokonto der

**Rn. 42**

Spar- und Darlehenskasse A. Hier wurden auch private

**Rn. 43**

Gelder mit öffentlichen Mitteln vermengt. Der von dem Erblasser beauftragte

**Rn. 44**

Bauunternehmer G, der seit Jahren mit dem Erblasser zusammenarbeitete, wurde auf Kontokorrentbasis bezahlt, teilweise ohne Rechnungen.

**Rn. 45**

Der Bauunternehmer G erhielt auf Anforderung zum Teil

**Rn. 46**

auch Bargeld und setzte dann seine Tätigkeit fort . Im März 1997 machte die

**Rn. 47**

Firma G noch Forderungen in Höhe von mehr als 1,3 Millionen

**Rn. 48**

DM gegen den Erblasser geltend . Wegen der Einzelheiten wird auf die Anlage

**Rn. 49**

2 zum Schriftsatz der Beklagten vom 27.10.2000 (Bl. 455 ff. d.A.) Bezug

**Rn. 50**

genommen.

**Rn. 51**

Die Geschäftsunterlagen wurden dem Beklagten zu 1. ungeordnet in zwei

**Rn. 52**

großen Wäschekörben überreicht.

**Rn. 53**

Der Beklagte zu 1. kam bei der Überprüfung der Vermögensverhältnisse zu

**Rn. 54**

dem Ergebnis , dass die vorhandenen liquiden Mittel nicht ausreichen würden,

**Rn. 55**

die offenen Forderungen zu begleichen.

**Rn. 56**

Zu dieser Zeit sah sich der Beklagte zu 1. folgenden Forderungen gegenüber:

**Rn. 57**

• Der Überziehungskredit bei der Spar- und Darlehenskasse A in Höhe von 600.000,00 DM war seit Monaten überschritten.

**Rn. 58**

• Bei der B Lebensversicherung bestanden erhebliche Rückstände.

**Rn. 59**

• Die Rückstände bei der D Lebensversicherung beliefen sich

**Rn. 60**

auf 59.502 ,70 DM.

**Rn. 61**

• Bei der B2 Lebensversicherung bestand ein Rückstand in Höhe

**Rn. 62**

von mindestens 48.300,00 DM, hier waren Raten zu je 16.700,00 DM

**Rn. 63**

zu zahlen.

**Rn. 64**

• Ein Großteil der Bauvorhaben war öffentlich gefördert. Zum 30.06.1997

**Rn. 65**

waren folgende Zahlungen an die Wohnungsbauförderungsanstalt fällig :

**Rn. 66**

S -Straße 40.192,02 DM

**Rn. 67**

F-weg 19.570,04 DM

**Rn. 68**

I-straße 20.450,72 DM

**Rn. 69**

U 17.315,50 DM

**Rn. 70**

S2 Straße 1.224,28 DM

**Rn. 71**

V 2.748 ,58 DM

**Rn. 72**

G-straße 23.863,30 DM

**Rn. 73**

Gesamt 125.364,44 DM

**Rn. 74**

• Forderungen der Firma G in Höhe von 1,3 Millionen DM.

**Rn. 75**

Diese Forderungen waren später Gegenstand des Rechtsstreits

**Rn. 76**

8 0 457/98 LG Dortmund, der mit einem Vergleich beendet wurde.

**Rn. 77**

• Die Stadt A machte Zahlungen in Höhe von 819.000,00 DM geltend.

**Rn. 78**

Diese Forderung war Gegenstand des Verfahrens 8 0 580/99 LG Dortmund.

**Rn. 79**

Auch dieses Verfahren wurde mit einem Vergleich beendet.

**Rn. 80**

Angesichts dieser Forderungen suchte der Beklagte zu 1. nach einer Möglichkeit,

**Rn. 81**

um möglichst kurzfristig an Finanzmittel zur Tilgung der Rückstände

**Rn. 82**

zu gelangen. Er entschloss sich zum Verkauf von 3 Grundstücken.

**Rn. 83**

Am 25.06.1997 verkaufte der Beklagte zu 1. mit notariellem Vertrag des

**Rn. 84**

Notars M aus P (UR-Nr. ####/97) das Grundstück U zu einem Preis von 1,8 Millionen DM, das Grundstück S-Straße für 4,2 Millionen DM und das Grundstück F-weg für 1,4 Millionen DM an den Käufer T.

**Rn. 85**

Gemäß Gutachten des Dipl.-Ing. B vom 25.07.1999 (Anl. K 41

**Rn. 86**

zum Schriftsatz vom 04.05.2000) hatte das Grundstück S-Straße

**Rn. 87**

einen Verkehrswert von 5,8 Millionen DM. In einer Vermögensaufstellung

**Rn. 88**

des Beklagten zu 1. (Anl. K 1 zum Schriftsatz vom 04.05.2000, BI. 36 d.A.)

**Rn. 89**

wurde das Grundstück mit einem Verkehrswert von 5,2 Millionen DM angegeben.

**Rn. 90**

Das Grundstück F-weg hatte It. Gutachten vom 17.02.1999 (Anl. K 43

**Rn. 91**

zum Schriftsatz vom 04.05.2000 , BI. 120 d.A.) einen Verkehrswert von

**Rn. 92**

1.950.000,00 DM. In der Vermögensaufstellung wird der Verkehrswert mit

**Rn. 93**

1,55 Millionen DM angegeben.

**Rn. 94**

Das Grundstück U hat gemäß Gutachten vom 24.07.1999

**Rn. 95**

(Anl. K 45 zum Schriftsatz vom 04.05.2000, BI. 132 d.A.) einen Verkehrswert

**Rn. 96**

von 2,2 Millionen DM, in der Vermögensaufstellung werden als Verkehrswert

**Rn. 97**

2,155 Millionen DM genannt.

**Rn. 98**

Am 01.07.1997 stellte der Beklagte zu 1. bei dem Amtsgericht Hamm den

**Rn. 99**

Antrag auf vormundschaftsgerichtliche Genehmigung der Grundstücksverkäufe

**Rn. 100**

(Anl. K 18 zum Schriftsatz vom 04.05.2000, BI. 72 d.A.). Das Amtsgericht

**Rn. 101**

bestellte im Rahmen dieses Verfahrens den Beklagten zu 2. am

**Rn. 102**

02.07.1997 zum Verfahrenspfleger (Anl. K 24 zum Schriftsatz vom

**Rn. 103**

04.05.2000, BI. 81 d.A.) . Der Beklagte zu 2. erstattete seinen Bericht am

**Rn. 104**

07.07.1997 (Anl. K 25 zum Schriftsatz vom 04.05.2000, BI. 82 d.A.) . Auf dieser

**Rn. 105**

Grundlage genehmigte das Vormundschaftsgericht die Geschäfte am

**Rn. 106**

08.07.1997 (Anl. K 26, BI. 84 d.A.).

**Rn. 107**

Der Kaufpreis reichte nicht aus, um alle Verbindlichkeiten zu tilgen . Statt der

**Rn. 108**

erwarteten Liquidität von 1 Millionen DM verblieb lediglich ein Betrag von

**Rn. 109**

687.731,39 DM. Darüber hinaus stellte sich der Verkauf der Grundstücke

**Rn. 110**

aufgrund der Anzahl und der Größe als gewerblicher Grundstückshandel

**Rn. 111**

dar, was zu einer höheren Steuerbelastung führte. Die Stadt A machte

**Rn. 112**

mit Gewerbesteuerbescheid vom 16.02.2001 einen Betrag von

**Rn. 113**

509.116,00 DM geltend (Anl. K 85 zum Schriftsatz vom 21.02.2001, BI. 615

**Rn. 114**

d.A.). Das Finanzamt A erließ am 16.1.2001 einen Einkommensteuerbescheid

**Rn. 115**

über 779.448,15 DM (Anlage K 80 zum Schriftsatz vom

**Rn. 116**

11.02.2001, BI. 589).

**Rn. 117**

Der Kläger ist der Auffassung , dass der Beklagte zu 1. seine Pflichten als

**Rn. 118**

Betreuer schuldhaft verletzt habe. Der Beklagte zu 1. habe die Grundstücke

**Rn. 119**

überstürzt unter Wert veräußert und steuerliche Nachteile bewirkt.

**Rn. 120**

Der Verkauf sei nicht dringend gewesen , weil keine finanzielle Notlage bestanden

**Rn. 121**

habe. Die Forderungen seien entweder nicht fällig , der Höhe nach

**Rn. 122**

ungerechtfertigt oder gestundet gewesen.

**Rn. 123**

Von den Gläubigern hätte noch niemand Zwangsmaßnahmen angekündigt.

**Rn. 124**

Im Übrigen habe diese Vermögenssituation bereits seit geraumer Zeit bestanden, ohne dass es zum Zusammenbruch gekommen sei.

**Rn. 125**

Der Beklagte zu 1. habe folgende Fehler gemacht:

**Rn. 126**

• Er habe die Grundstücke nicht nach Liquiditätsgesichtspunkten ausgewählt.

**Rn. 127**

Es seien gerade die Grundstücke verkauft worden, die auf Dauer

**Rn. 128**

Gewinn brächten, andere, verlustreiche Grundstücke habe der Beklagte

**Rn. 129**

zu 1. behalten.

**Rn. 130**

• Der Beklagte zu 1. habe die Grundstücke an den erstbesten Interessenten

**Rn. 131**

verkauft. Er habe (unstr.) keine Vergleichsangebote eingeholt und auch

**Rn. 132**

keinen Makler beauftragt.

**Rn. 133**

• Der Beklagte zu 1. habe die Grundstücke verkauft, obwohl er zuvor von

**Rn. 134**

den Steuerberatern gewarnt worden sei, dass bei dieser Größenordnung

**Rn. 135**

zusätzliche Steuern wegen gewerblichen Grundstückshandels anfallen

**Rn. 136**

würden.

**Rn. 137**

Eine Pflichtverletzung des Beklagten zu 1. sei auch darin zu sehen, dass er

**Rn. 138**

keine Alternativen zum Verkauf der Grundstücke in Betracht gezogen habe.

**Rn. 139**

Als solche Alternativen hätten sich aufgedrängt:

**Rn. 140**

1. Aufstockung des Überziehungskredits gegen Beleihung weiterer Grundstücke.

**Rn. 141**

2. Verwertung eines Kontos in Österreich, das im Juni 1997 ein Guthaben in

**Rn. 142**

Höhe von ca. 141.370,00 DM aufgewiesen habe.

**Rn. 143**

3. Der Erblasser sei Eigentümer eines Hauses in Österreich im Wert von

**Rn. 144**

2,5 Millionen öS gewesen, das hätte verkauft werden können.

**Rn. 145**

4. Der Betreute hätte Darlehen , die der Erblasser seinen nahen Angehörigen

**Rn. 146**

wie seiner Lebensgefährtin oder dem Sohn I2 gewährt

**Rn. 147**

hatte, zurückfordern können.

**Rn. 148**

5. Der Beklagte zu 1. hätte andere Grundstücke verkaufen können, insbesondere

**Rn. 149**

das Grundstück G-straße hätte sich mit hohem Gewinn

**Rn. 150**

verkaufen lassen.

**Rn. 151**

6. Der Beklagte zu 1. hätte die Darlehen zurückfordern können, die der

**Rn. 152**

Schwester des Erblassers, T2 gewährt worden waren. Diese

**Rn. 153**

Darlehen waren Gegenstand des Verfahrens 8 0 200/98 LG Dortmund . In

**Rn. 154**

diesem Verfahren wurde mit der Klage 523.000,00 DM geltend gemacht.

**Rn. 155**

Auch dieses Verfahren wurde mit einem Vergleich beendet.

**Rn. 156**

Der Kläger ist weiter der Auffassung, dass der Beklagte zu 2. nicht gleichzeitig

**Rn. 157**

als Verfahrenspfleger und als Prüfer des Kaufpreises habe auftreten

**Rn. 158**

dürfen. Der Beklagte zu 2. sei nicht qualifiziert gewesen. Er habe leichtfertig

**Rn. 159**

falsche Angaben in seinem Bericht gemacht.

**Rn. 160**

Der Verkauf der 3 Grundstücke sei auch nicht mit dem Erblasser abgesprochen

**Rn. 161**

gewesen. Aufgrund des schlechten Gesundheitszustandes des Erblassers

**Rn. 162**

sei es nicht mehr möglich gewesen , mit ihm komplizierte Sachverhalte

**Rn. 163**

zu erörtern . Der Erblasser sei geschäftsunfähig gewesen.

**Rn. 164**

Mit der Klage macht der Kläger Schadensersatz geltend , den er wie folgt

**Rn. 165**

berechnet:

**Rn. 166**

Differenz des angemessenen Kaufpreises und des tatsächlichen Kaufpreises

**Rn. 167**

= 1,5 Millionen DM.

**Rn. 168**

Außerdem macht der Kläger die Steuernachteile geltend.

**Rn. 169**

Der Kläger beantragt,

**Rn. 170**

1. die Beklagten als Gesamtschuldner zu verurteilen, an den Kläger

**Rn. 171**

1.500.000,00 DM nebst 9,75 % Zinsen seit dem 30.12.1999,

**Rn. 172**

2. weitere 714.968,15 DM nebst 1 % Säumniszuschlag für jeden

**Rn. 173**

angefangenen Monat der Säumnis seit dem 19.02.2001 und

**Rn. 174**

weitere 509.116,00 DM nebst 1 % Säumniszuschlag für jeden

**Rn. 175**

angefangenen Monat der Säumnis seit dem 19.03.2001 zu

**Rn. 176**

zahlen.

**Rn. 177**

Der Kläger beantragt weiter,

**Rn. 178**

3. festzustellen, dass der Beklagte zu 1. für den weiteren aus dem

**Rn. 179**

Verkauf der Grundstücke S-Straße ## und ##,

**Rn. 180**

F-weg # und # sowie U ## bis ## im Kaufvertrag

**Rn. 181**

vom 25.06.1997/30.06.1997 vor dem Notar M UR ####/97 entstehenden Schaden verantwortlich ist.

**Rn. 182**

Hilfsweise beantragt der Kläger zu 2.,

**Rn. 183**

die Beklagten als Gesamtschuldner zu verurteilen, den Kläger gegenüber

**Rn. 184**

dem Finanzamt A von der Zahlung des Betrages in Höhe von

**Rn. 185**

714.968,15 DM nebst 1 % Säumniszuschlag für jeden angefangenen Monat

**Rn. 186**

der Säumnis seit dem 19.02.2001 und gegenüber dem Oberbürgermeister

**Rn. 187**

der Stadt A von der Zahlung eines Betrages in Höhe von 509.116,00

**Rn. 188**

DM nebst 1 % Säumniszuschlag für jeden angefangenen Monat der Säumnis

**Rn. 189**

seit dem 19.03.2001 freizustellen;

**Rn. 190**

Die Beklagten beantragen,

**Rn. 191**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 192**

Die Beklagten behaupten, dass die finanzielle Lage des Erblassers zum

**Rn. 193**

Zeitpunkt der Übernahme der Betreuung äußerst prekär gewesen sei. Sowohl

**Rn. 194**

die Hausbank als auch die Wohnungsbauförderungsanstalt hätten

**Rn. 195**

Zwangsmaßnahmen wegen der rückständigen Beträge bzw. der Überschreitung

**Rn. 196**

des Überziehungskredits angedroht. Tilgungsaussetzung und

**Rn. 197**

Krediterhöhungen seien abgelehnt worden. Der Verkauf von Grundstücken

**Rn. 198**

sei zur Beschaffung von Finanzmitteln dringend geboten gewesen.

**Rn. 199**

Der Beklagte zu 1. habe dabei alle in Betracht kommenden Maßnahmen mit

**Rn. 200**

dem Erblasser besprochen. Eine Liste mit allen Grundstücken sei mit dem

**Rn. 201**

Erblasser durchgesprochen worden, um herauszufinden, welche Grundstücke

**Rn. 202**

verkauft werden sollten. Der Erblasser habe sich überhaupt nur schweren

**Rn. 203**

Herzens zum Verkauf durchringen können. Ein Verkauf des Grundstücks in

**Rn. 204**

Österreich sowie die Verwendung des Geldes auf österreichischen Konten

**Rn. 205**

habe er strikt abgelehnt. Bei Besprechungen an mehreren Tagen seien die

**Rn. 206**

Vor- und Nachteile der einzelnen Grundstücke erörtert worden. Der Erblasser

**Rn. 207**

sei dabei im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte gewesen. Er habe der Erörterung

**Rn. 208**

folgen können. Auch die steuerlichen Risiken seien - wenn auch

**Rn. 209**

nicht im Einzelnen - besprochen worden. Der Erblasser habe darauf ausdrücklich

**Rn. 210**

erklärt, dass man sich darum zurzeit nicht kümmern solle. Die von

**Rn. 211**

dem Kläger genannten Alternativen seien ebenfalls erörtert worden. Der

**Rn. 212**

Erblasser sei aber schließlich nur dazu bereit gewesen, sich von den Grundstücken

**Rn. 213**

S-Straße, F-weg und U zu trennen,

**Rn. 214**

was auch damit zusammengehangen habe, dass es sich dabei um öffentlich

**Rn. 215**

geförderte Bauvorhaben handelte. Insbesondere mit den Mietern des

**Rn. 216**

Grundstücks S-Straße habe der Erblasser erhebliche Schwierigkeiten

**Rn. 217**

gehabt, so dass er sich auf jeden Fall von diesem Grundstück habe

**Rn. 218**

trennen wollen.

**Rn. 219**

Die Beklagten bestreiten, dass die Grundstücke unter Wert veräußert worden

**Rn. 220**

seien. Das Ausmaß der steuerlichen Nachteile sei im Zeitpunkt des Verkaufs

**Rn. 221**

noch nicht absehbar gewesen, weil die Chance bestanden habe, dass

**Rn. 222**

das Finanzamt die Geschäfte als Notverkäufe anerkennen und steuerlich als

**Rn. 223**

nicht-gewerblich einordnen würde. Im Übrigen habe sich der Erblasser mit

**Rn. 224**

dem Verkauf dieser Grundstücke zu diesem Preis ausdrücklich einverstanden

**Rn. 225**

erklärt. Der Erblasser habe Mindestkaufpreise vorgegeben, an die sich

**Rn. 226**

die Beklagten auch gehalten hätten.

**Rn. 227**

Die Beklagten sind auch der Auffassung, dass dem Beklagten zu 2. bei der

**Rn. 228**

Abfassung seines Berichts keine Fehler unterlaufen seien.

**Rn. 229**

Wegen der weiteren Einzelheiten wird auf die zwischen den Parteien gewechselten

**Rn. 230**

Schriftsätze nebst Anlagen verwiesen.

**Rn. 231**

Das Gericht hat Beweis erhoben durch Vernehmung der Zeugen X , I5, N , I6, I7, I8, I2, I4, I3, N2,X2, B2, T3, T4 und C .

**Rn. 232**

Außerdem erstattete der Sachverständige Dr. S

**Rn. 233**

ein psychiatrisches Gutachten gemäß Beweisbeschluss vom 30.10.2001.

**Rn. 234**

Wegen des Ergebnisses der Beweisaufnahme wird auf die Sitzungsprotokolle

**Rn. 235**

vom 23.02.2001 und 27.06 .2002 Bezug genommen.

**Rn. 236**

Weiter waren beweiseshalber Gegenstand der mündlichen Verhandlung: das

**Rn. 237**

Gutachten des Sachverständigen S vom 19.1.2001 in der Sache

**Rn. 238**

8 0 28/00, seine Angaben wie zu Protokoll vom 7.9.2001 in derselben

**Rn. 239**

Sache sowie seine schriftliche Stellungnahme vom 21.1.2002, BI. 694 d.A..

## Entscheidungsgründe

**Rn. 241**

Die Klage ist unbegründet.

**Rn. 242**

Dem Kläger steht gegen die Beklagten kein Schadensersatzanspruch zu.

**Rn. 243**

I.

**Rn. 244**

Als Anspruchsgrundlage kam hinsichtlich des Beklagten zu 1., der der Betreuer

**Rn. 245**

für den Bereich Vermögenssorge war, § 1908 i) LV.m. § 1833 BGB in

**Rn. 246**

Betracht.

**Rn. 247**

Die Voraussetzungen dieser Anspruchsgrundlage sind jedoch nicht erfüllt,

**Rn. 248**

weil dem Beklagten zu 1. keine schuldhafte Pflichtverletzung vorzuwerfen ist.

**Rn. 249**

Zu den Pflichten eines Betreuers gehört es nämlich auch, die Wünsche und

**Rn. 250**

Vorstellungen des Betreuten zu beachten, soweit dies möglich und zumutbar

**Rn. 251**

ist und der Betreute nicht geschädigt wird. Grundsätzlich kann von einem

**Rn. 252**

Betreuer nur das verlangt werden, was der Betreute selbst in diese Situation

**Rn. 253**

getan hätte, wenn eine Betreuung nicht erforderlich gewesen wäre.

**Rn. 254**

Bei Berücksichtigung diese Aspekte stellt dann der Verkauf der 3 Grundstücke

**Rn. 255**

zum Gesamtpreis von 7,4 Millionen DM keine schuldhafte Pflichtverletzung

**Rn. 256**

dar, weil der Beklagte zu 1. in Absprache und mit dem Einverständnis

**Rn. 257**

des Betreuten gehandelt hat und er sich unter den konkreten Umständen

**Rn. 258**

auch auf die Absprache mit dem Betreuten verlassen durfte.

**Rn. 259**

Zu berücksichtigen ist zugunsten des Beklagten zu 1. nämlich einerseits die

**Rn. 260**

Situation, die er bei Übernahme der Betreuung vorgefunden hat. Die Vermögensverhältnisse des Betreuten stellten sich für einen Außenstehenden als

**Rn. 261**

Chaos dar, welches nicht auf die Erkrankung des Betreuten zurückzuführen

**Rn. 262**

war, sondern vielmehr darauf beruhte, dass der Betreute generell seine Geschäfte

**Rn. 263**

in einer Art gehandhabt hat, die dem Umfang und dem Ausmaß nicht

**Rn. 264**

gerecht wurde. Im Zeitpunkt der Übernahme der Betreuung war der Betreute

**Rn. 265**

mit 40 verschiedenen Bauvorhaben beschäftigt, die einen unterschiedlichen

**Rn. 266**

Entwicklungsstand aufwiesen. Teilweise handelte es sich um öffentlich geförderte

**Rn. 267**

Bauvorhaben, teilweise um private. Der Betreute beschäftigte seit

**Rn. 268**

vielen Jahren im Rahmen dieser Bauvorhaben den Bauunternehmer G.

**Rn. 269**

Die Bezahlung des Bauunternehmers erfolgte teilweise ohne

**Rn. 270**

Rechnung bar auf einer Art Kontokorrentbasis, d.h., jedes Mal, wenn der

**Rn. 271**

Bauunternehmer weiteres Geld benötigte, bezahlte der Betreute den Bauunternehmer mit Abschlägen. Sämtliche geschäftlichen und privaten Angelegenheiten wurden über ein einziges Konto, nämlich das Girokonto bei der

**Rn. 272**

Spar- und Darlehenskasse A geregelt. Auch die öffentlichen

**Rn. 273**

Gelder wurden über dieses Konto gebucht, so dass eine ordentliche

**Rn. 274**

Trennung zwischen privaten und öffentlichen Mitteln nicht gegeben war.

**Rn. 275**

Darüber hinaus führte der Betreute keine geordnete Buchführung. Dem Beklagten

**Rn. 276**

zu 1. wurden bei Übernahme der Betreuung mehrere Wäschekörbe

**Rn. 277**

gefüllt mit ungeordneten Unterlagen übergeben. Darüber hinaus gab es

**Rn. 278**

"Schwarzgelder", wie z.B. ein Guthaben, das in Österreich angelegt war sowie

**Rn. 279**

Gelder, die der Betreute seiner Schwester übergeben hatte (Rechtsstreit

**Rn. 280**

8 0 200/98 LG Dortmund).

**Rn. 281**

Gleichzeitig sah sich der Beklagte zu 1. einer Vielzahl offener Forderungen

**Rn. 282**

gegenüber. So war der Überziehungskredit bei der Spar- und Darlehenskasse

**Rn. 283**

in A weit überschritten. Es gab rückständige Zahlungen

**Rn. 284**

bei verschiedenen Lebensversicherungen und auch die Wohnungsbauförderungsgesellschaft hatte zum 30.06.1997 noch offene Forderungen in Höhe von 125.364,44 DM. Darüber hinaus stellten auch der Bauunternehmer G und die Stadt A erhebliche Forderungen an den

**Rn. 285**

Betreuten. Gleichzeitig gab es keine ausreichenden liquiden Mittel , um diese

**Rn. 286**

Forderungen zu begleichen.

**Rn. 287**

Es kann dahingestellt bleiben, ob diese Forderungen tatsächlich dringend

**Rn. 288**

getilgt werden mussten, oder ob andere Möglichkeiten, wie z.B . Stundung,

**Rn. 289**

bestanden hätten. Weitere Schulden waren jedenfalls zu vermeiden. Der

**Rn. 290**

Beklagte zu 1. fand auch hier eine kaum kalkulierbare Situation vor, in der

**Rn. 291**

eine sorgfältige Prüfung der Forderungen und etwaige Alternativen in absehbarer

**Rn. 292**

Zeit kaum möglich war. Für einen Außenstehenden, wie den Beklagten

**Rn. 293**

zu 1., stellten sich die Vermögensverhältnisse als nahezu undurchschaubar

**Rn. 294**

dar.

**Rn. 295**

Dem Beklagten zu 1. kann auch nicht zum Vorwurf gemacht werden, dass er

**Rn. 296**

in dieser Situation nicht die Kinder des Beklagten, insbesondere den Sohn

**Rn. 297**

I2, der im gewissen Umfang mit den Geschäften des Vaters

**Rn. 298**

vertraut war, in die Vermögenssorge einbezogen hat. Hier ist nämlich u.a.

**Rn. 299**

die besondere familiäre Situation zu berücksichtigen, die er bei Übernahme

**Rn. 300**

der Betreuung vorgefunden hat. So gab es zwischen den Familien I und

**Rn. 301**

X bereits seit einiger Zeit erhebliche Spannungen. Die Kinder des Betreuten

**Rn. 302**

aus erster Ehe versuchten ständig , ihren Vater dem Einflussbereich

**Rn. 303**

der Lebensgefährtin zu entziehen. Dies führte schließlich dazu, dass sie ihren

**Rn. 304**

Vater gegen den Willen der Lebensgefährtin für längere Zeit bei der

**Rn. 305**

Schwester des Betreuten unterbringen wollten. Der Beklagte zu 1. geriet

**Rn. 306**

somit als Betreuer zwischen die Fronten. In dieser Situation musste er zu

**Rn. 307**

Recht befürchten, dass bei den Kindern des Betreuten aus erster Ehe weniger

**Rn. 308**

das Wohl ihres Vaters im Vordergrund stand als vielmehr eigene Interessen.

**Rn. 309**

Im Hinblick auf diese besondere Situation - undurchschaubare Vermögensverhältnisse auf der einen Seite, erhebliche Streitigkeiten zwischen den Familienmitgliedern auf der anderen Seite - stellt es keine schuldhafte Pflichtverletzung dar, wenn der Beklagte zu 1. zur kurzfristigen Beschaffung von

**Rn. 310**

liquiden Mitteln zur Befriedigung einiger Gläubiger nach Rücksprache mit

**Rn. 311**

dem Betreuten den Verkauf der Grundstücke angeregt und durchgeführt hat.

**Rn. 312**

Durch den kurzfristigen Verkauf der Grundstücke erhoffte sich der Beklagte

**Rn. 313**

zu 1., etwas Zeit zu gewinnen, um eine sorgfältige Aufarbeitung vornehmen

**Rn. 314**

zu können. Ein solcher "Befreiungsschlag" war in der konkreten Situation

**Rn. 315**

vertretbar.

**Rn. 316**

Der Beklagte zu 1. durfte dabei auch auf die Hilfe und Zustimmung des Betreuten

**Rn. 317**

selbst zurückgreifen. Immerhin handelte es sich bei dem Betreuten

**Rn. 318**

um die einzige Person, die hinsichtlich sämtlicher Geschäfte den Überblick

**Rn. 319**

hatte. Es stellte keine Pflichtverletzung dar, wenn der Beklagte zu 1. deshalb

**Rn. 320**

Maßnahmen mit dem Betreuten absprach, dessen Einverständnis einholte

**Rn. 321**

und danach handelte. Die Kammer ist nach dem Ergebnis der Beweisauf-

**Rn. 322**

nahme davon überzeugt, dass der Beklagte zu 1. die Möglichkeiten zur Beschaffung

**Rn. 323**

von liquiden Mitteln mit dem Betreuten gründlich durchgesprochen,

**Rn. 324**

mit diesem die Grundstücke ausgewählt hat, die verkauft werden

**Rn. 325**

sollten, und auch steuerliche Aspekte dabei angesprochen hat. Der Beklagte

**Rn. 326**

zu 1. hat vorgetragen , dass er in mehreren Gesprächen eine Liste mit

**Rn. 327**

Grundstücken, die zum Verkauf geeignet gewesen seien, mit dem Betreuten

**Rn. 328**

durchgesprochen habe. Der Betreute selbst habe zunächst überhaupt keine

**Rn. 329**

Grundstücke verkaufen wollen, habe sich dann aber zumindest zu dem Verkauf

**Rn. 330**

der Grundstücke S-Straße, F-weg und U

**Rn. 331**

durchringen können . Den Verkauf des Grundstücks in Österreich sowie die

**Rn. 332**

Verwendung des Guthabens in Österreich habe er ausdrücklich abgelehnt.

**Rn. 333**

Der Betreute habe die Grundstücke ausgewählt, weil es dort den meisten

**Rn. 334**

Ärger mit Mietern gegeben habe. Der Betreute habe auch Mindestpreise

**Rn. 335**

vorgegeben, die eingehalten worden seien. Das steuerliche Probleme entstehen

**Rn. 336**

könnten , sei dem Betreuten ebenfalls mitgeteilt worden. Darauf habe

**Rn. 337**

dieser erklärt, dass das alles zu seiner Zeit geregelt werden sollte.

**Rn. 338**

Die Kammer hält diese Angaben des Beklagten zu 1. für glaubhaft, zumal

**Rn. 339**

seine Angaben durch andere Zeugen bestätigt werden.

**Rn. 340**

So hat die Zeugin X bei ihrer Vernehmung ebenfalls bekundet, dass

**Rn. 341**

die verschiedenen Möglichkeiten zur Beschaffung von Finanzmitteln mit dem

**Rn. 342**

Betreuten durchgesprochen worden seien, dass der Betreute den Verkauf

**Rn. 343**

des Grundstücks in Österreich strikt abgelehnt habe und er gemeinsam mit

**Rn. 344**

dem Beklagten zu 1. die Grundstücke U, F-weg und S-Straße als

**Rn. 345**

Verkaufsobjekte ausgewählt habe. Auf den Hinweis

**Rn. 346**

des Beklagten zu 1. auf steuerliche Nachteile habe der Betreute erklärt, "dies

**Rn. 347**

werde sich zeigen". Der Betreute habe sich schließlich auch mit dem Kaufpreis

**Rn. 348**

einverstanden erklärt.

**Rn. 349**

Die Kammer hat keinen Zweifel an der Richtigkeit dieser Angaben. Dabei

**Rn. 350**

verkennt sie nicht, dass die Zeugin X inzwischen die Lebensgefährtin

**Rn. 351**

des Beklagten zu 1. ist und demnach ein Interesse am Ausgang des Verfahrens

**Rn. 352**

hat. Der Kammer ist die Zeugin X aber auch aus anderen Verfahren

**Rn. 353**

bekannt, in denen sie erkennbar immer bemüht war, das Interesse des

**Rn. 354**

verstorbenen I zu vertreten, den sie lange Jahre aufopferungsvoll

**Rn. 355**

gepflegt hat. Auch in diesem Verfahren war ihre Aussage sachlich

**Rn. 356**

und detailreich. Die Schilderung war lebensnah. Sie hat bei ihrer Aussage

**Rn. 357**

auch sorgfältig unterschieden zwischen Gesprächsinhalten, bei denen sie

**Rn. 358**

noch teilweise den Wortlaut wiedergeben konnte und solchen, die sie nur

**Rn. 359**

dem Sinn nach wiedergeben konnte. Außerdem hat sie auch jeweils darauf

**Rn. 360**

hingewiesen, wenn sie sich an bestimmte Einzelheiten nicht erinnern konnte.

**Rn. 361**

Dabei handelte es sich im Wesentlichen um das Zahlenwerk, wobei nachvollziehbar

**Rn. 362**

ist, dass die Zeugin dies nach einigen Jahren nicht mehr in Erinnerung

**Rn. 363**

hat. Schließlich ist zu beachten, dass die Zeugin durch ein Fehlverhalten

**Rn. 364**

des Beklagten zu 1. zumindest mittelbar über ihre zwei Kinder als

**Rn. 365**

Miterben geschädigt worden wäre und deshalb nicht von vornherein unkritisch

**Rn. 366**

sein dürfte.

**Rn. 367**

Darüber hinaus wird die Aussage der Zeugin X durch die Aussage des

**Rn. 368**

Zeugen I5 gestützt. Der Zeuge I5 hat bei seiner Ver-.

**Rn. 369**

nehmung u.a. ein Gespräch zwischen ihm, dem Beklagten zu 1. und seinem

**Rn. 370**

Bruder (dem Betreuten), das am 28.08.1997 stattfand, geschildert. Bei diesem

**Rn. 371**

Gespräch sei es auch um die verkauften 3 Grundstücke gegangen. Der

**Rn. 372**

Betreute habe damals klar gestellt , dass er mit dem Verkauf einverstanden

**Rn. 373**

sei und dass er dem Verkauf des Hauses in Österreich nicht zugestimmt

**Rn. 374**

hätte. Es seien verschiedene Aspekte erörtert worden, an dem Gespräch

**Rn. 375**

habe sich der Betreute aktiv beteiligt und differenziert geäußert. Er - der

**Rn. 376**

Zeuge I5 - habe dabei den Eindruck gewonnen, dass der Betreute dem

**Rn. 377**

Gespräch ohne Einschränkung habe folgen können.

**Rn. 378**

Das Gericht hat keine Zweifel an der Richtigkeit der Angaben des Zeugen

**Rn. 379**

I5. Dieser hat das Gespräch am 28.08.1997 detailreich und sachlich

**Rn. 380**

geschildert. Dass er noch so viele Einzelheiten wusste, ist auch nachvollziehbar,

**Rn. 381**

weil der Zeuge I5 erklärt hat, dass er bereits während des

**Rn. 382**

Gesprächs den Eindruck gehabt habe, er solle später einmal die Funktion

**Rn. 383**

eines Zeugen einnehmen. Der Zeuge war auch glaubwürdig. Er war in den

**Rn. 384**

Familienstreit nicht eingebunden und hat auch kein besonderes Interesse an

**Rn. 385**

dem Ausgang dieses Verfahrens, da er nicht zu den Erben zählt. Er war erkennbar

**Rn. 386**

immer bestrebt, die Interessen seines verstorbenen Bruders zu wahren.

**Rn. 387**

Die Kammer hält auch die Angaben des Beklagten zu 1. dazu, dass er die

**Rn. 388**

steuerlichen Nachteile mit dem Betreuten erörtert habe, für glaubhaft.

**Rn. 389**

Immerhin hat die Beweisaufnahme ergeben, dass der Beklagte zu 1. bereits

**Rn. 390**

vor dem Verkauf der Grundstücke von möglichen steuerlichen Nachteilen

**Rn. 391**

wusste. Dies ergibt sich aus der glaubhaften Aussage des Zeugen N.

**Rn. 392**

Dieser hat bekundet, dass er vor Ende Juni 1997 ein Telefongespräch mit

**Rn. 393**

dem Beklagten zu 1. geführt habe, in dem die steuerlichen Fragen hinsicht-

**Rn. 394**

lich des Verkaufs erörtert worden seien. Dabei habe er den Beklagten zu 1.

**Rn. 395**

darauf hingewiesen, dass bei einer Veräußerung dieser Objekte ein gewerblicher

**Rn. 396**

Grundstückshandel angenommen werden könne.

**Rn. 397**

Danach steht zur Überzeugung des Gerichts fest, dass der Beklagte zu 1.

**Rn. 398**

den Grundstücksverkauf mit dem Betreuten abgestimmt und mit diesem

**Rn. 399**

pflichtgemäß auch die steuerlichen Aspekte erörtert hat. Der Verkauf ist im

**Rn. 400**

Einverständnis des Betreuten erfolgt. Der Beklagte zu 1. hätte nur dann nicht

**Rn. 401**

den Wünschen und Vorstellungen des Betreuten entsprechen dürfen, wenn

**Rn. 402**

dieser offensichtlich geschäftsunfähig gewesen wäre.

**Rn. 403**

Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme ist die Kammer aber davon überzeugt,

**Rn. 404**

dass dies gerade nicht der Fall war.

**Rn. 405**

Zwar haben die Zeugen I7, I8, I2, I4, I3 und C Situationen beschrieben, in

**Rn. 406**

denen der Betreute nicht mehr ansprechbar erschien und auf Personen und

**Rn. 407**

deren Fragen nicht mehr reagierte. Bei den Aussagen der Zeugen I2, I3 und I4

**Rn. 408**

ist jedoch zu berücksichtigen,

**Rn. 409**

dass diese ein erhebliches Interesse am Ausgang des Verfahrens haben.

**Rn. 410**

Bei all diesen Zeugen ist zu berücksichtigen, dass sie sich nicht ständig

**Rn. 411**

mit dem Betreuten beschäftigt, sondern diesen nur gelegentlich besucht haben.

**Rn. 412**

Auf eine dauernde Geschäftsunfähigkeit des Betreuten kann daraus

**Rn. 413**

nicht geschlossen werden. Die Zeugen X, X2 und B2 haben

**Rn. 414**

bei ihrer Vernehmung hingegen abweichende Erfahrungen mit dem Betreuten

**Rn. 415**

geschildert.

**Rn. 416**

Wie bereits ausgeführt, hat die Zeugin X bekundet, dass ihr Lebensgefährte

**Rn. 417**

durchaus noch in der Lage gewesen sei, komplizierte geschäftliche

**Rn. 418**

Sachverhalte zu erfassen und insofern Entscheidungen zu treffen.

**Rn. 419**

Auch der Zeuge X2, der zum Betreuer des Erblassers I

**Rn. 420**

bestellt worden war, hat bei seiner Vernehmung bekundet, dass er noch

**Rn. 421**

sinnvolle Gespräche mit dem Betreuten in der Zeit um den Verkauf der

**Rn. 422**

Grundstücke bis hinein in den August 1997 geführt habe. Zwar habe er sich

**Rn. 423**

nicht mit komplizierten Sachverhalten beschäftigt, sondern mit den Problemen

**Rn. 424**

des täglichen Lebens wie Pflege und Ernährung des Betreuten. Dabei

**Rn. 425**

habe der Betreute, wenn auch in kurzen Sätzen, angemessen auf Fragen

**Rn. 426**

reagiert. Man habe wegen der Schwerhörigkeit nur entsprechend laut sprechen

**Rn. 427**

müssen. Sogar im August 1997 habe der Betreute Probleme von sich

**Rn. 428**

aus angesprochen. Der Betreute habe dabei auch von sich aus ärztliche

**Rn. 429**

Untersuchungen und Befunde noch einmal erörtert. Eine besondere Vergesslichkeit

**Rn. 430**

sei nicht zutage getreten.

**Rn. 431**

Die Zeugin B2, die den Betreuten gepflegt hat, hat bei ihrer Vernehmung

**Rn. 432**

bekundet, dass sie bis in den August 1997 hinein mit ihm noch

**Rn. 433**

ernsthafte Gespräche habe führen können. Sie habe sich zweimal täglich

**Rn. 434**

von einer 1/2 bis zu 1 1/2 Stunden mit dem Betreuten beschäftigt. In dieser Zeit

**Rn. 435**

habe er durchaus konzentriert Gesprächen folgen können. Er sei immer ansprechbar

**Rn. 436**

gewesen. Sie habe mit dem Betreuten auch ernsthafte Gespräche,

**Rn. 437**

wie z.B. über das Thema Leben und Tod führen können. Er habe dabei

**Rn. 438**

auch z.B. regen Anteil an dem Tod ihrer Großmutter genommen.

**Rn. 439**

Die Kammer ist von der Richtigkeit dieser Angaben der Zeugen X2 und

**Rn. 440**

B2 überzeugt. Beide Zeugen sind Außenstehende und haben kein

**Rn. 441**

besonderes Interesse am Ausgang dieses Verfahrens. Sie haben sich ausschließlich

**Rn. 442**

um das Wohl des Betreuten gekümmert. Die Kammer ist auch

**Rn. 443**

davon überzeugt, dass die Erinnerung der Zeugen zuverlässig ist. Insbesondere

**Rn. 444**

dem Zeugen X2 war seine starke Betroffenheit anzumerken, als er

**Rn. 445**

von seinen Erlebnissen mit dem Betreuten berichtet hat. Damals wie heute

**Rn. 446**

hat den Zeugen X2 das Leid des Betreuten besonders berührt.

**Rn. 447**

Schließlich hat auch der Zeuge I5, wie bereits ausgeführt, bei seinem

**Rn. 448**

Gespräch im August 1997 den Eindruck gewonnen, dass der Erblasser

**Rn. 449**

auch schwierige Sachverhalte, wie in geschäftlichen Angelegenheiten, noch

**Rn. 450**

nachvollziehen konnte .

**Rn. 451**

Auch der Sachverständige Dr. S, der dem Gericht als zuverlässig,

**Rn. 452**

gewissenhaft und sachkundig bekannt ist, hält es nicht für ausgeschlossen,

**Rn. 453**

dass der Betreute trotz seiner schweren Erkrankung und der Auswirkungen

**Rn. 454**

auf das Stirnhirn noch in der Lage war, an manchen Tagen konzentriert

**Rn. 455**

schwierigen Gesprächen zu folgen. Bei der Art der Erkrankung seien

**Rn. 456**

Schwankungen der Befindlichkeiten auf emotionaler und intellektueller Ebene

**Rn. 457**

möglich gewesen.

**Rn. 458**

Eine ergänzende gutachterliche Stellungnahme im Hinblick auf den Schriftsatz

**Rn. 459**

der Klägerseite vom 9.8.2002 war nicht mehr erforderlich. Letztendlich

**Rn. 460**

kann es nämlich dahingestellt bleiben, ob der Betreute I an

**Rn. 461**

den Tagen, an denen er die Weisungen bzgl. des Verkaufs der Grundstücke

**Rn. 462**

gegeben hat, noch geschäftsfähig war. Jedenfalls durfte der Beklagte zu 1.

**Rn. 463**

aufgrund des Eindrucks, den der Betreute vermittelt hat, davon ausgehen,

**Rn. 464**

dass jener zumindest die wesentlichen Grundlagenentscheidungen noch

**Rn. 465**

treffen konnte. Aufgrund der Zeugenaussagen ist das Gericht - wie bereits

**Rn. 466**

ausgeführt - davon überzeugt, dass der Betreute in gewissem Ausmaß noch

**Rn. 467**

Gesprächen folgen und Entscheidungen treffen konnte. Dabei war es nicht

**Rn. 468**

erforderlich, dass er die Geschäfte noch in allen Einzelheiten überschauen

**Rn. 469**

konnte. Es reichte aus, wenn er die wesentlichen Grundzüge der Geschäfte

**Rn. 470**

noch erfasste und Grundsatzentscheidungen treffen konnte. Nach dem Ergebnis

**Rn. 471**

der Beweisaufnahme ist die Kammer davon überzeugt, dass dies

**Rn. 472**

noch der Fall war. Es stellt keine Pflichtverletzung dar, wenn der Beklagte

**Rn. 473**

zu 1. den Wünschen und Weisungen des noch geschäftsfähig wirkenden

**Rn. 474**

Betreuten Folge leistet.

**Rn. 475**

Schadensersatzansprüche gegen den Beklagten zu 1. scheiden damit aus.

**Rn. 476**

II.

**Rn. 477**

Aus den unter I. aufgeführten Gründen scheidet auch eine Haftung des Beklagten

**Rn. 478**

zu 2. aus.

**Rn. 479**

Seine Haftung als Verfahrenspfleger kann nämlich nicht weiter gehen als die

**Rn. 480**

des Betreuers. Infolge dessen durfte der Verfahrenspfleger auf den Bericht

**Rn. 481**

des Beklagten zu 1. vertrauen . Auch der Beklagte zu 2. durfte und musste

**Rn. 482**

die Wünsche des Betreuten respektieren.

**Rn. 483**

III.

**Rn. 484**

Die Kostenentscheidung folgt aus § 91 ZPO, die Entscheidung über die vorläufige

**Rn. 485**

Vollstreckbarkeit hat ihre Grundlage in § 709 ZPO.

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Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Urteil vom 15.11.2002 – 8 O 188/00, ECLI:DE:LGDO:2002:1115.8O188.00.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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Nicht-amtliche Fassung — maßgeblich ist die Ausfertigung des Gerichts

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