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# Landgericht Dortmund, Urteil vom 08.08.2002 – 13 O 149/00 Kart.

ECLI:DE:LGDO:2002:0808.13O149.00KART.00

## Tenor

Die Beklagte wird verurteilt, an die S, L-straße #, ##### F 3.517.796,70 €

(i. W. dreimillionenfünfhundertsiebzehntausendsiebenhundertsechsundneunzig

70/100

Euro) nebst Zinsen in Höhe von 3 % über dem

Basiszinssatz nach § 1 Diskontüberleitungsgesetz

aus 426.846,16 € seit dem 19.12.1999 aus

10.431,68 € seit dem 31.12.1999, aus

477.893,72 € seit dem.27.01.2000, aus

394.588,51 € seit dem 29.02.2000, aus

356.315,94 € seit dem 18.03.2000, aus

373.732,63 € seit dem 28.04.2000, aus

970.559,90 € seit dem 06.07.2000 und aus

507.426,18 € seit dem 05.10.2000 zu zahlen.

Es wird festgestellt, dass die Beklagte verpflichtet

ist, den der Klägerin durch die

Einstellung der Strombezüge ab dem 01.05.2000

bis zum 31.12.2001 entstandenen und künftig

entstehenden Schaden zu ersetzen.

Die Kosten des Rechtsstreits werden der Beklagten

auferlegt.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar gegen

Sicherheitsleistung in Höhe von 110 % des zu

vollstreckenden Betrages.

**Rn. 1**

Ta t b e s t a n d

**Rn. 2**

Die vor der Fusion mit der Firma S als W

**Rn. 3**

firmierende Klägerin ist eines der deutschen

**Rn. 4**

Verbundunternehmen und als solches neben der eigenen

**Rn. 5**

Stromerzeugung insbesondere im Stromvertrieb tätig. Sie

**Rn. 6**

beliefert regionale und kommunale Weiterverteiler und

**Rn. 7**

endverbrauchende Kunden.

**Rn. 8**

Die Beklagte ist ein kommunales Versorgungsunternehmen,

**Rn. 9**

das im Querverbund -vorwiegend im Gemeindegebiet der

**Rn. 10**

Stadt Z1 letztverbrauchende Haushalts- und

**Rn. 11**

Industriekunden mit Energie und Wasser versorgt.

**Rn. 12**

Die Parteien schlossen am 21./30.12.1994 einen schriftlichen

**Rn. 13**

Stromlieferungsvertrag für eine Laufzeit von 20

**Rn. 14**

Jahren. Ab Anfang 1998 verhandelten die Parteien im

**Rn. 15**

Hinblick auf das anstehende Inkrafttreten des Energiewirtschaftsgesetzes

**Rn. 16**

über eine Vertragsänderung. Die

**Rn. 17**

Klägerin unterbreitete der Beklagten ein Nachtragsvertragsangebot

**Rn. 18**

vom 23.11.1998 und stellte mit Schreiben

**Rn. 19**

vom 02.12.1998 bestimmte Akquisitionshilfen in Aussicht.

**Rn. 20**

Die Beklagte nahm das Angebot der Klägerin mit

**Rn. 21**

Schreiben vom 22.12.1998 mit bestimmten Änderungen,

**Rn. 22**

unter anderem einer Ausstiegsklausel an, was die Klägerin

**Rn. 23**

mit Schreiben vom 14.01.1999 mit einer Änderung akzeptierte.

**Rn. 24**

Zum genauen Wortlaut des Stromlieferungsvertrages

**Rn. 25**

vom 21./30.12.1994 und zum Wortlaut des Nach-

**Rn. 26**

tragsvertragsangebotes und der vorerwähnten Vertragskorrespondenz

**Rn. 27**

der Parteien wird auf BI. 50-117 d. A. Bezug genommen.

**Rn. 28**

Anfang August 1998 verlangte die Beklagte von der Klägerin

**Rn. 29**

ein neues Angebot über Stromeinkaufspreise. Die

**Rn. 30**

Parteien verhandelten in der Folge miteinander. Mit

**Rn. 31**

Schreiben vom 16.08.1998 teilte die Beklagte der Klägerin

**Rn. 32**

mit, dass sie den Stromlieferungsvertrag für nichtig

**Rn. 33**

erachte. Sie kündigte Ende August 1998 Rechnungskürzungen

**Rn. 34**

an. Die Klägerin widersprach dem mit Schreiben

**Rn. 35**

vom 01.09.1999. Sie war bereit, der Beklagten für

**Rn. 36**

den Kunden O ab dem 01.08.1999 mit einem Pauschalpreis

**Rn. 37**

von 4,5 Pfennig/kWh zu beliefern. Mit

**Rn. 38**

Schreiben vom 15.09.1999 berief sich die Beklagte auf

**Rn. 39**

kartellrechtliche Unwirksamkeit des Stromlieferungsvertrages

**Rn. 40**

nebst Nachvertrages und erklärte vorsorglich die

**Rn. 41**

außerordentliche Kündigung des Vertrages zum

**Rn. 42**

01.10.1999. Die Klägerin widersprach mit Schreiben vom

**Rn. 43**

23.09.1999. Zum Inhalt der vorgenannten Schreiben wird

**Rn. 44**

auf BI. 118-122 sowie BI. 449 f. d. A. verwiesen.

**Rn. 45**

Die Beklagte bezog weiterhin Strom von der Klägerin.

**Rn. 46**

Sie zahlte auf die Rechnungen der Klägerin für Oktober,

**Rn. 47**

November und Dezember 1999 über insgesamt

**Rn. 48**

8.158.850,80 DM insgesamt 4.619.337,75 DM. Die Klägerin

**Rn. 49**

korrigierte ihre Rechnungen für Oktober und November

**Rn. 50**

entsprechend ihrem Angebot von August 1998. Sie gewährte

**Rn. 51**

dabei außerdem einen Preisnachlass von 3 Pf./kWh

**Rn. 52**

bei Strom für Haushaltskunden. Die Beklagte war zu weiteren

**Rn. 53**

Zahlungen nicht bereit und wies darauf hin, dass

**Rn. 54**

bisherige Zahlungen unter Vorbehalt erfolgt seien. Die

**Rn. 55**

Klägerin bot mit Schreiben vom 14.02.2000 rückwirkend

**Rn. 56**

zum 01.01.2000 Stromlieferung für einen Jahres-

**Rn. 57**

leistungspreis von 126,00 DM/kWh, einem Arbeitspreis HT

**Rn. 58**

von 5,8 Pf./kWh und einem Arbeitspreis NT von 3,5

**Rn. 59**

Pfennig/kWh an und erklärte ihre Bereitschaft, über eine

**Rn. 60**

Anpassung des Bezugspreises erneut zu verhandeln für

**Rn. 61**

den Fall, dass es im Laufe des Jahres 2000 zu weiteren

**Rn. 62**

deutlichen Preissenkungen bei Sondervertragskunden bzw.

**Rn. 63**

Gewerbekunden kommt. Die Beklagte lehnte das Angebot

**Rn. 64**

mit Schreiben vom 16.02.2000 ab. Die Parteien machten

**Rn. 65**

wechselseitig Vergleichsangebote, die nicht angenommen

**Rn. 66**

wurden. Zum Inhalt der insoweit gewechselten Korrespondenz

**Rn. 67**

wird auf BI. 133 und BI. 136 und BI. 255-257 d. A.

**Rn. 68**

verwiesen.

**Rn. 69**

Die Klägerin rechnete ab dem 01.01.2000 die gelieferten

**Rn. 70**

Strommengen nach den von ihr angebotenen Konditionen

**Rn. 71**

ab. Auf die klägerische Rechnungen für Januar bis April

**Rn. 72**

2000 über gesamt 8.737.337,95 DM leistete die Beklagte

**Rn. 73**

Teilzahlungen in Höhe von 4.641.228,27 DM.

**Rn. 74**

Die Beklagte schloss am 24.03.2000 einen Stromlieferungsvertrag

**Rn. 75**

mit dem Elektrizitätswerk X

**Rn. 76**

für die Zeit vom 01.05.2000 bis zum 31.12.2001. Sie

**Rn. 77**

teilte dies der Klägerin mit Schreiben vom 05.04.2000

**Rn. 78**

mit. Sie bezieht ab dem 01.05.2000 keinen Strom mehr

**Rn. 79**

von der Klägerin.

**Rn. 80**

Die Klägerin verlangt mit der Anfang Oktober 2000 zugestellten

**Rn. 81**

Klage Zahlung von 6.880.212,37 DM als rückständige

**Rn. 82**

Zahlungsforderung aus einem Stromliefervertrag

**Rn. 83**

und Feststellung der Schadensersatzpflicht der Beklagten

**Rn. 84**

im Hinblick auf durch die Einstellung der Strombezüge

**Rn. 85**

ab dem 01.05.2000 entstandenen und künftig entstehenden

**Rn. 86**

Schaden. Zur klägerischen Berechnung der

**Rn. 87**

Zahlungsforderung wird auf die von der Beklagten akzeptierten

**Rn. 88**

Ausführungen der Klägerin auf S. 12-28 der

**Rn. 89**

Klageschrift (BI. 13-29 d. A.) Bezug genommen.

**Rn. 90**

Mit Abspaltungs- und Übernahmevertrag vom 30.11.2000,

**Rn. 91**

im Handelsregister am 23.02.2001 eingetragen, wurde der

**Rn. 92**

Unternehmensbereich Vertrieb, der sämtliche Verträge

**Rn. 93**

zur Lieferung elektrischer Energie an Endverbraucher

**Rn. 94**

und Weiterverteiler umfasst, von der Klägerin auf die

**Rn. 95**

S übertragen.

**Rn. 96**

Die Klägerin hält den im Januar 1994 geschlossenen

**Rn. 97**

Stromliefervertrag in der Fassung des Nachtragsvertrages

**Rn. 98**

vom 14.11.1999 für wirksam zustande gekommen. Für

**Rn. 99**

die rechtliche Beurteilung sei ausschließlich auf den

**Rn. 100**

Nachtragsvertrag abzustellen, der wegen seines

**Rn. 101**

materiell-rechtlichen Regelungsinhalts trotz der Bezeichnung

**Rn. 102**

als Nachtragsvertrag als neuer Vertragsschluss

**Rn. 103**

anzusehen sei. Der neue Vertrag enthalte weder

**Rn. 104**

eine unzulässige Gebietsbegrenzung noch eine Gesamtbedarfsdeckungsverpflichtung,

**Rn. 105**

so dass keine unwirksame ,

**Rn. 106**

Kartellabrede im Sinne von § 1 GWB, sondern nur grundsätzlich

**Rn. 107**

wirksame vertikale Wettbewerbsbeschränkungen

**Rn. 108**

nach § 16 GWB vorlägen. Ein Verstoß gegen Art. 81

**Rn. 109**

Abs. 1 EGV scheide aus, weil der auf bloßen Leistungs-

**Rn. 110**

austausch gerichtete Vertrag ausgehend vom Maßstab der

**Rn. 111**

Vertikal-Gruppen-Freistellungsverordnung mit einer Bezugsbindung

**Rn. 112**

von über 80 % nur für eine Zeitdauer von

**Rn. 113**

drei Jahren nicht wettbewerbsbeschränkende Wirkung habe

**Rn. 114**

und zudem nicht geeignet sei, den zwischenstaatlichen

**Rn. 115**

Handel spürbar zu beeinträchtigen. Der Vertrag der Parteien

**Rn. 116**

sei auch mit §§ 19, 20 Abs. 1 GWB und Art. 82 EGV

**Rn. 117**

vereinbar. Weder zum Zeitpunkt des Abschlusses des

**Rn. 118**

Nachtragsvertrages noch im Forderungszeitraum Oktober

**Rn. 119**

1999 bis April 2000 habe sie über eine beherrschende

**Rn. 120**

Stellung auf dem bundesweit abzugrenzenden Strommarkt

**Rn. 121**

oder auf dem gemeinsamen Markt oder einem wesentlichen

**Rn. 122**

Teil desselben gehabt angesichts eines Marktanteils von

**Rn. 123**

nur etwa 9 %. Es fehle zudem an einem missbräuchlichen

**Rn. 124**

oder unbillig behindernden Verhalten. Der Stromliefervertrag

**Rn. 125**

sei von beiden Parteien in Kenntnis und im

**Rn. 126**

Lichte der nach der Liberalisierung des Strommarktes

**Rn. 127**

bereits eingetretenen Veränderungen getroffen und in

**Rn. 128**

ganz erheblichem Maß nach den Vorstellungen der Beklagten

**Rn. 129**

ausgestaltet worden. Im Hinblick auf die Belieferung

**Rn. 130**

von Sondervertragskunden sei er von vornherein auf

**Rn. 131**

einen überschaubaren Zeitraum von drei Jahren begrenzt

**Rn. 132**

worden. Die Vertragslaufzeit für das AVB-Paket habe

**Rn. 133**

nach drei Jahren geendet. Eine Verlängerung sei vom

**Rn. 134**

Konsens der Vertragsparteien abhängig gewesen, so dass

**Rn. 135**

die Beklagte den Vertrag einseitig beenden konnte.

**Rn. 136**

Selbst bei einvernehmlicher Verlängerung hätte die Bezugsbindung

**Rn. 137**

nach Ablauf der ersten drei Jahre nur ca.

**Rn. 138**

35 % des Gesamtbedarfs betragen. Wenn sich aus Sicht

**Rn. 139**

der Beklagten im Hinblick auf die Lieferung einiger weniger

**Rn. 140**

Sonderkunden ein für sie ungünstiges Verhältnis

**Rn. 141**

von Bezugskonditionen zu Lieferpreisen ergeben sollte,

**Rn. 142**

sei dies der unternehmerischen Sphäre der Beklagten zuzurechnen.

**Rn. 143**

Ein Vergleich von Preisen gehe von vornherein

**Rn. 144**

fehl, weil es sich bei der Belieferung von

**Rn. 145**

Weiterverteilern und bei Belieferung von Sondervertragskunden

**Rn. 146**

um verschiedene Märkte handele. Ihr sei es

**Rn. 147**

auch nicht verwehrt, abweichende Konditionen mit anderen

**Rn. 148**

Kunden zu vereinbaren. Ohne vertragliche Vereinbarung

**Rn. 149**

sei sie während der Vertragslaufzeit an die mit

**Rn. 150**

der Beklagten vereinbarten Konditionen auch im Verhältnis

**Rn. 151**

zu anderen Kunden nicht gebunden und müsse auch der

**Rn. 152**

Beklagten die mit anderen Kunden vereinbarten Vertragsbedingungen

**Rn. 153**

nicht einräumen. Ebenso habe sie nicht da-

**Rn. 154**

für Sorge zu tragen, dass die Beklagte während der Vertragslaufzeit

**Rn. 155**

alle Kunden mit Gewinn beliefern können.

**Rn. 156**

Ein solches "Meistbegünstigungs- und Risikoübernahmesystem"

**Rn. 157**

füge sich nicht in das von Vertragsfreiheit und

**Rn. 158**

Eigenverantwortung geprägte Rechtssystem ein und laufe

**Rn. 159**

der Wettbewerbsordnung zuwider.

**Rn. 160**

Die Klägerin beantragt nunmehr,

**Rn. 161**

die Beklagte zu verurteilen, an die S in F 3.517.067,70 € nebst Zinsen wie

**Rn. 162**

erkannt zu zahlen,

**Rn. 163**

festzustellen, dass die Beklagte verpflichtet ist, den der

**Rn. 164**

Klägerin durch die Einstellung der Strombezüge

**Rn. 165**

ab dem 01.05.2000 entstandenen und künftig

**Rn. 166**

entstehenden Schaden zu ersetzen.

**Rn. 167**

Die Beklagte beantragt,

**Rn. 168**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 169**

Die Beklagte hält die Stromlieferungsverträge der Parteien

**Rn. 170**

für sich und in ihrer Gesamtheit gesehen für kartellrechtlich

**Rn. 171**

unwirksam. Beide Verträge enthielten

**Rn. 172**

eine nach § 1 GWB unzulässige Gebietsabreden und eine

**Rn. 173**

angesichts der rein theoretisch bestehenden Möglichkeit

**Rn. 174**

der Mehrbedarfsdeckung unzulässige faktische Gesamtabnahmeverpflichtung,

**Rn. 175**

letztere mit einer Dauer von sieben

**Rn. 176**

Jahren für ihr gesamtes Versorgungsgebiet und von zwan-

**Rn. 177**

zig Jahren für die Versorgung der Tarifabnehmer. Sie

**Rn. 178**

habe beide Verträge auch nicht freiwillig, sondern aufgrund

**Rn. 179**

unzulässigen Drucks von Seiten der Klägerin geschlossen.

**Rn. 180**

Die Klägerin habe die Übertragung der Stromversorgungsanlagen

**Rn. 181**

an sie vom Abschluss dieses Vertrages

**Rn. 182**

abhängig gemacht. Sie habe auch nach Erlass des

**Rn. 183**

neuen Energiewirtschaftsgesetzesund Aufhebung des

**Rn. 184**

§ 103 GWB auf vollständiger Einhaltung dieses Vertrages

**Rn. 185**

bestanden und für den Fall der Nichtvertragseinhaltung

**Rn. 186**

gerichtliche Schritte angedroht und eine Anpassung der

**Rn. 187**

Strompreise an veränderte Marktlage abgelehnt. Da die

**Rn. 188**

Rechtslage nach Inkrafttreten des neuen Energiewirtschaftsgesetzes

**Rn. 189**

noch nicht durch Gerichte geklärt gewesen

**Rn. 190**

sei, habe sie zunächst gezögert mit einer Kündigung

**Rn. 191**

oder Nichtigerklärung und versucht, durch Verhandlung

**Rn. 192**

zu einem neuen Strombezugsvertrag zu kommen. Die

**Rn. 193**

Klägerin habe Gespräche und eine mögliche Anpassung bis

**Rn. 194**

zum Ende des Jahres 1998 verzögert, obwohl ihr klar gewesen

**Rn. 195**

sei, dass der bestehende Stromlieferungsvertrag

**Rn. 196**

unwirksam geworden sei. Erst Ende 1998 sei die Klägerin

**Rn. 197**

zu einer Ermäßigung der Strompreise bereit gewesen

**Rn. 198**

allerdings unter der Voraussetzung der Festschreibung

**Rn. 199**

der Laufzeit des bestehenden Stromliefervertrages und

**Rn. 200**

der Abnahmeverpflichtung für die Belieferung der

**Rn. 201**

Tarifabnehmer und der Vereinbarung einer Gesamtabnahmeverpflichtung

**Rn. 202**

auch im übrigen für insgesamt sieben

**Rn. 203**

Jahre. Die Klägerin habe trotz des Hinweises auf kartellrechtliche

**Rn. 204**

Bedenken auf ihren Bedingungen bestanden

**Rn. 205**

und für den Fall des Strombezugs von anderen Lieferanten

**Rn. 206**

zu günstigeren Bedingungen gerichtliche Schritte

**Rn. 207**

angedroht. Sie habe damit eine ihr aufgrund des Eigentums

**Rn. 208**

am gesamten Hochspannungsnetz bestehendes faktisches

**Rn. 209**

Monopol ausgenutzt. Eine Durchleitung fremden

**Rn. 210**

Stroms an sie sei zu dieser Zeit nicht möglich gewesen

**Rn. 212**

weil, obzwar im neuen Energiewirtschaftsgesetz vorge-

**Rn. 213**

sehen, sie von Regionalunternehmen so auch von der Klägerin

**Rn. 214**

abgelehnt worden sei. Um wenigstens ab dem

**Rn. 215**

01.01.1999 einen der Marktlage einigermaßen angepassten

**Rn. 216**

Strompreis zu erhalten, habe sie deswegen in den Vertragsschluss

**Rn. 217**

eingewilligt. Die Gesamtabnahmeverpflichtung

**Rn. 218**

vom 01.01.1995 bis 31.12.2001 und die Verpflichtung

**Rn. 219**

zur Abnahme von 94 % des Stroms für Tarifabnehmer

**Rn. 220**

bis zum 31.12.2014 und die einseitige Demarkation zu

**Rn. 221**

ihren Lasten stellten einen Verstoß gegen § 1 GWB und

**Rn. 222**

Art. 81 EGV dar. Die in kartellrechtlich unzulässigerweise

**Rn. 223**

gewonnene Wettbewerbsstellung missbrauche die

**Rn. 224**

Klägerin durch das Angebot von günstigeren Preisen an

**Rn. 225**

Sonderabnehmer auch in ihrem Versorgungsgebiet bei

**Rn. 226**

gleichzeitigem Festhalten an nicht marktgerechten Ver-

**Rn. 227**

tragspreisen. Im Verhältnis zur Beklagten sei es nicht gerechtfertigt,

**Rn. 228**

Weiterverteiler preislich schlechter zu

**Rn. 229**

behandeln als Sonderabnehmer, da diese für Versorgungsunternehmen

**Rn. 230**

gleichartige Großabnehmer, wie z. B. Industrieunternehmen

**Rn. 231**

seien. Die Klägerin hätte auch nach

**Rn. 232**

der Wirtschaftsklausel in Ziff. 06 des Nachtragsvertrages

**Rn. 233**

eine Anpassung an das geänderte Marktpreisniveau

**Rn. 234**

vornehmen müssen. Als Maßstab hierfür komme der Strompreis

**Rn. 235**

in Betracht, den die Klägerin für die Belieferung

**Rn. 236**

der Firma I angeboten hat. Die von der Beklagten vorgenommene

**Rn. 237**

Strompreiskürzung entspreche im Ergebnis einer

**Rn. 238**

der Wirtschaftsklausel entsprechenden Anpassung an die

**Rn. 239**

veränderte Marktlage.

**Rn. 240**

Zur Ergänzung des Sach- und Streitstandes wird auf den

**Rn. 241**

vorgetragenen Inhalt der zwischen den Parteien gewechselten

**Rn. 242**

Schriftsätze nebst Anlagen Bezug genommen.

**Rn. 243**

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e

**Rn. 244**

Die Klage ist zulässig und begründet.

**Rn. 245**

Die Klägerin kann von der Beklagten Zahlung eines Betrages

**Rn. 246**

wie tenoriert verlangen gemäß §§ 433 BGB

**Rn. 247**

i.V. m. dem Stromlieferungsvertrag vom 14.01.1999.

**Rn. 248**

Dieser Vertrag der Parteien ist

**Rn. 249**

wirksam zustande gekommen und bis zum heutigen Tag

**Rn. 250**

wirksam geblieben.

**Rn. 251**

Für das Vertragsverhältnis der Parteien ist allein abzustellen

**Rn. 252**

auf den Vertrag vom 14.01.1999.

**Rn. 253**

Dieser wird zwar in der Vertragsurkunde als Nachtragsvertrag

**Rn. 254**

zur Ergänzung und Änderung des vorausgegangenen

**Rn. 255**

Stromliefervertrages vom Dezember 94 bezeichnet. Es

**Rn. 256**

handelt sich aber entgegen dieser Bezeichnung inhaltlich

**Rn. 257**

um einen Vertragsneuabschluss, da die wesentlichen

**Rn. 258**

Vertragsverpflichtungen beider Vertragsparteien nach

**Rn. 259**

Gegenstand und Umfang neu bestimmt wurden. Eine Neu-

**Rn. 260**

regelung des vertraglichen Verhältnisses entsprach auch

**Rn. 261**

dem Willen beider Parteien. Es ist unstreitig und zeigt

**Rn. 262**

sich auch, in der dem Vertragsschluss vorausgehenden

**Rn. 263**

Korrespondenz der Parteien, dass beide die Notwendig-

**Rn. 264**

keit sahen, die vertraglichen Beziehungen den geänderten

**Rn. 265**

rechtlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen aufgrund

**Rn. 266**

Inkrafttretens des Energiewirtschaftsgesetzes vom

**Rn. 267**

29.04.1999 anzupassen. Nach der Behauptung der Beklagten

**Rn. 268**

gingen sogar beide Seiten von Unwirksamkeit des

**Rn. 269**

alten Vertrages aufgrund Änderung der Gesetzeslage aus.

**Rn. 270**

Dass die Beklagte zum Abschluss des Vertrages am

**Rn. 271**

14.01.1999 durch die Klägerin in rechtlich unzulässiger

**Rn. 272**

Weise bestimmt wurde, ist nicht dargetan. Das Festhalten

**Rn. 273**

an rechtlichen Auffassungen und die Ankündigung,

**Rn. 274**

diese mit gerichtlichen Schritten, also in zulässiger

**Rn. 275**

Weise durchzusetzen, ist kein unzulässiges Druckmittel,

**Rn. 276**

auch wenn die rechtlichen Auffassungen unzutreffend

**Rn. 277**

sein sollten. Dass die Beklagte die Richtigkeit ihrer

**Rn. 278**

rechtlichen Bedenken nicht gerichtlich klären lassen

**Rn. 279**

wollte, kann für die Annahme einer nach §§ 123, 242 BGB

**Rn. 280**

relevanten Premenz durch die Klägerin selbst bei Annahme

**Rn. 281**

einer Marktbeherrschung zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses

**Rn. 282**

nicht reichen.

**Rn. 283**

Ob dies im Hinblick auf das vorausgegangene Vertragsverhältnis

**Rn. 284**

der Parteien bezogen auf den Vertragsschluss

**Rn. 285**

von Dezember 1994 anders zu sehen ist, kann dahinstehen.

**Rn. 286**

Da der Ursprungsvertrag wie dargetan, durch den

**Rn. 287**

Nachtragsvertrag nicht fortgeschrieben, sondern abgelöst

**Rn. 288**

wurde, haben etwaige zur Unwirksamkeit des ersten

**Rn. 289**

Vertrages führende Gründe keine Relevanz für den

**Rn. 290**

streitgegenständlichen Vertrag.

**Rn. 291**

Der Stromlieferungsvertrag vom Januar 1999 ist auch

**Rn. 292**

nicht unwirksam nach § 138 BGB. Die beklagten wirtschaftlichen

**Rn. 293**

Nachteile für die Beklagte, ihr Vorliegen

**Rn. 294**

einmal unterstellt, sind nicht solche, die den Vorwurf

**Rn. 295**

der Sittenwidrigkeit nach § 138 Abs. 1, Abs. 2 BGB

**Rn. 296**

rechtfertigen könnten. Der Vertrag ist nach längeren

**Rn. 297**

Verhandlungen der Vertragsparteien zustande gekommen,

**Rn. 298**

wobei beide Seiten ihre jeweilige Maximalforderung

**Rn. 299**

nicht haben durchsetzen können. Von einer verwerflichen

**Rn. 300**

Ausnutzung einer schwächeren Situation der Beklagten

**Rn. 301**

als Geschäftspartner kann angesichts dessen nicht die

**Rn. 302**

Rede sein.

**Rn. 303**

Der Vertrag der Parteien ist auch kartellrechtlich

**Rn. 304**

nicht zu beanstanden. Ein Verstoß gegen § 1 GWB, Art. 81

**Rn. 305**

EGV liegt nicht vor.

**Rn. 306**

Es kann dabei dahinstehen, ob und unter welchen Voraussetzungen

**Rn. 307**

in Austauschverträgen enthaltene Wettbewerbsbeschränkungen

**Rn. 308**

als unzulässige Kartellabrede nach § 1

**Rn. 309**

GWB anzusehen sind. Regelungen, die nach dieser Vorschrift

**Rn. 310**

wettbewerbsrelevante Auswirkungen haben könnten,

**Rn. 311**

enthält der Vertrag der Parteien nicht.

**Rn. 312**

Der Regelung in Ziff. I 0.3 und Ziff. II. 02. 1 stellt

**Rn. 313**

keine Gebietsabgrenzung dar. Ein Verbot für die Beklagte,

**Rn. 314**

die von der Klägerin bezogene Strommenge auch

**Rn. 315**

außerhalb ihres Versorgungsgebietes abzusetzen, ergibt

**Rn. 316**

sich hieraus nicht. Es liegt auch keine Gesamtbedarfsdeckungsverpflichtung

**Rn. 317**

für die Beklagte vor. Die Möglichkeit

**Rn. 318**

des Mehrbezugs besteht rechtlich und tatsächlich,

**Rn. 319**

wie der nach Inkrafttreten des Energiewirtschaftsgesetzes

**Rn. 320**

eingetretene Durchleistungswettbewerb zeigt.

**Rn. 321**

Dass dieser möglicherweise wirtschaftlich nachteiliger

**Rn. 322**

ist als eine Vollstromversorgung ist nicht ausreichend,

**Rn. 323**

die Möglichkeit des Mehrbezuges nur als rein theoretische

**Rn. 324**

und die übernommene Abnahmeverpflichtung deswegen

**Rn. 325**

als faktische Gesamtabnahmeverpflichtung zu qualifizieren.

**Rn. 326**

Auch die vereinbarte Vertragsdauer ist im Sinne des § 1

**Rn. 327**

GBW nicht zu beanstanden. Vertragslaufzeiten sind, da

**Rn. 328**

ihnen bei Austauschverträgen vertragsimmanent wettbewerbsbeschränkende

**Rn. 329**

Wirkung zukommt, kartellrechtlich

**Rn. 330**

nur relevant bei unangemessen langer Dauer im Zusammenwirken

**Rn. 331**

mit Ausschlussvereinbarungen. Hier fehlt es

**Rn. 332**

schon an der ersten Voraussetzung. Die Vertragsdauer

**Rn. 333**

ist für beide Vertragspakete auf drei Jahre festgeschrieben.

**Rn. 334**

Für die Sondervertragskunden ergibt sich

**Rn. 335**

dies aus der Vertragsregelung direkt. Für die AVB-Kunden

**Rn. 336**

aufgrund der vereinbarten Ausstiegsklausel, die ein

**Rn. 337**

Recht zur einseitigen Vertragsbeendigung bietet. Im

**Rn. 338**

Fall der nur für den AVB-Bereich vorgesehenen und auch

**Rn. 339**

dort nur einvernehmlich möglichen Vertragsfortführung

**Rn. 340**

ist die Abnahmeverpflichtung auf 35 % der Strombedarfsmengen

**Rn. 341**

der Beklagten beschränkt. Dass die Beklagte, wie

**Rn. 342**

von ihr behauptet, 9O % der Strommengen aus dem AVB-Paket

**Rn. 343**

an AVB-Kunden liefert, ist für die Bestimmung des

**Rn. 344**

Umfangs der Bezugsbindung unbeachtlich.

**Rn. 345**

Die vorgenannten Regelungen stellen auch in ihrem Zusammenwirken

**Rn. 346**

keine unzulässige Abrede nach § 1 GWB dar.

**Rn. 347**

Dass die zulässigen Einzelregelungen allein aufgrund

**Rn. 348**

ihres Zusammenwirkens die Qualität einer kartellrechtlich

**Rn. 349**

unzulässigen Wettbewerbsbeschränkung erreichen

**Rn. 350**

könnten, ist nicht dargetan und auch nicht ersichtlich.

**Rn. 351**

Ein Verstoß gegen europäisches Kartellrecht ist ebenfalls

**Rn. 352**

zu verneinen. Ausgehend von der Gruppenfreistellungsverordnung

**Rn. 353**

Nr. 2790/99 für Vertikalvereinbarungen

**Rn. 354**

als Maßstab sind nur Bezugsbindungen von mehr

**Rn. 355**

als 80 % bei einer Laufzeit von mehr als fünf Jahren

**Rn. 356**

von wettbewerbsbeschränkender Wirkung. Diese Voraussetzungen

**Rn. 357**

sind, wie zuvor ausgeführt, hier nicht erfüllt.

**Rn. 358**

Der Vertrag der Parteien ist auch nicht wegen Verstoßes

**Rn. 359**

gegen die Missbrauchsvorschriften der §§ 19, 20 GWB,

**Rn. 360**

Art. 82 GV unwirksam.

**Rn. 361**

Es kann dahinstehen, ob die Klägerin zum Zeitpunkt des

**Rn. 362**

Vertragsschlusses und während der Zeit der Streitgegenständlichen

**Rn. 363**

Stromlieferungen, worauf für den Klageantrag

**Rn. 364**

zu 1) allein abzustellen ist, marktbeherrschend

**Rn. 365**

war. Selbst wenn angesichts damals noch nicht ausreichend

**Rn. 366**

funktionierenden Durchleitungswettbewerbs aufgrund

**Rn. 367**

des durch das Netzleitungseigentum im Versorgungsgebiet auf den

**Rn. 368**

engeren Regionalmarkt und nicht auf den erheblich

**Rn. 369**

weiteren nationalen oder gemeinsamen Markt abzustellen

**Rn. 370**

wäre, fehlt es an einem Missbrauch einer etwaigen

**Rn. 371**

marktbeherrschenden Stellung durch die Klägerin.

**Rn. 372**

Die von den Parteien ausgehandelten Vertragskonditionen

**Rn. 373**

haben wie ausgeführt wettbewerbsbeschränkende Wirkungen

**Rn. 374**

für sich oder in ihrer Gesamtheit nur in kartellrechtlich

**Rn. 375**

unbedenklichem Maß. Die von der Beklagten übernommene

**Rn. 376**

Bezugsverpflichtungen sind angesichts der sachlichen

**Rn. 377**

und zeitlichen Begrenzung auch bei Annahme eines

**Rn. 378**

sehr weitgehenden Begriffs der Wettbewerbsbeeinträchtigung

**Rn. 379**

im Sinne von §§ 19, 20 GWW Art. 82 EGV nicht geeignet,

**Rn. 380**

die bloße Vereinbarung solcher Vertragsver-

**Rn. 381**

pflichtungen als Missbrauch eines Normadressaten zu

**Rn. 382**

qualifizieren. Dass die Klägerin bei den Vertragsverhandlungen

**Rn. 383**

darüber hinausgehend in missbräuchlicher

**Rn. 384**

Ausnutzung von Marktmacht gehandelt hat, wird von der

**Rn. 385**

Beklagten nur schlagwortartig erwähnt, aber nicht substantiiert

**Rn. 386**

dargetan. Nach eigenem Vorbringen der Beklagten

**Rn. 387**

war der Vertrag von Januar 1999 geeignet, sie

**Rn. 388**

mit Stromlieferungen, wie die Beklagte sich ausdrückt,

**Rn. 389**

einigermaßen marktgerechten Preisen zu versorgen. Wie

**Rn. 390**

sich angesichts dessen ein Missbrauch der Klägerin begründen

**Rn. 391**

lassen kann, ist nicht ersichtlich.

**Rn. 392**

Wenn die Klägerin wie von der Beklagten behauptet, im

**Rn. 393**

weiteren Verlauf der Vertragsbeziehung sich unter Verstoß

**Rn. 394**

gegen die Missbrauchsvorschriften verhalten hat,

**Rn. 395**

ist dies für die Wirksamkeit des Vertragsschlusses ohne

**Rn. 396**

Bedeutung. Ein Verstoß gegen diese macht den Vertrag

**Rn. 397**

auch für die Zukunft nicht per se hinfällig, sondern

**Rn. 398**

kann nur ein Recht zur vorzeitigen Beendigung des Vertrages

**Rn. 399**

oder zur Geltendmachung eines Anspruchs auf

**Rn. 400**

Unterlassung missbräuchlichen Verhaltens für die

**Rn. 401**

Zukunft begründen. Beides macht die Beklagte mit der

**Rn. 402**

Berufung auf einen behaupteten Preiskonditionenmissbrauch

**Rn. 403**

der Klägerin geltend, allerdings zu Unrecht. Die

**Rn. 404**

von der Beklagten beanstandete Weigerung der Klägerin,

**Rn. 405**

auf ihre Preisnachlassforderung einzugehen, gab der Beklagten

**Rn. 406**

kein Recht zur fristlosen Kündigung. Die vertragliche

**Rn. 407**

Beziehung der Parteien ist, da ein Dauerschuldverhältnis,

**Rn. 408**

zwar auch ohne ausdrückliche Regelung

**Rn. 409**

im Vertrag außerordentlich kündbar bei Vorliegen eines

**Rn. 410**

wichtigen Grundes. Dies setzt aber voraus, dass die

**Rn. 411**

Parteien für den Fall des Vorliegens eines solchen

**Rn. 412**

Grundes keine andere vertragliche Regelung gefunden

**Rn. 413**

haben. Dies ist hier aber der Fall. Die in Ziff. I 0.6

**Rn. 414**

des Vertrages vereinbarte Wirtschaftsklausel, die nicht

**Rn. 415**

nur für AVB-Mengen, sondern über die Analogieregelung

**Rn. 416**

in Ziff. II auch für SVK-Mengen gilt, sowie die nur für

**Rn. 417**

AVB-Mengen vereinbarte Ausstiegsklausel stellen solche

**Rn. 418**

Regelungen dar. Es verbleibt danach für beide

**Rn. 419**

Leistungspakete nur ein Anspruch auf Vertragsanpassung

**Rn. 420**

bei wesentlicher Änderung der wirtschaftlichen, tech-

**Rn. 421**

nischen oder rechtlichen Verhältnisse im Wege der Einigung.

**Rn. 422**

Für den Fall der Nichteinigung besteht nur die

**Rn. 423**

Möglichkeit der gerichtlichen Geltendmachung. Da beide

**Rn. 424**

Parteien, wie der Wortlaut der Wirtschaftsklausel

**Rn. 425**

zeigt, die vertragliche Zusammenarbeit längerfristig

**Rn. 426**

sicherstellen wollten, liegt hierin ein zumindest

**Rn. 427**

konkludenter Verzicht auf eine außerordentliche

**Rn. 428**

Vertragskündigung im Falle unterschiedlicher Auffassung

**Rn. 429**

über die Preisangemessenheit.

**Rn. 430**

Dass die Klägerin die Beklagte an zulässigerweise

**Rn. 431**

vereinbarten Vertragsinhalten festhält, kann für sich

**Rn. 432**

genommen nicht den Vorwurf missbräuchlichen Verhaltens

**Rn. 433**

begründen. Dies gilt auch im Hinblick auf die Preisgestaltung

**Rn. 434**

der Klägerin als Grundlage für die

**Rn. 435**

streitgegenständliche Zahlungsforderung.

**Rn. 436**

Eine generelle Verpflichtung der Klägerin zur Belieferung

**Rn. 437**

der Beklagten ausschließlich zu allgemeinen Markt-

**Rn. 438**

preisen ergibt sich aus kartellrechtlicher Sicht nicht ,

**Rn. 439**

ebenso keine Verpflichtung, der weiterleitenden Beklagten

**Rn. 440**

nur gewinnermöglichende Abnahmepreise abzuverlan-

**Rn. 441**

gen. Zu Recht weist die Klägerin darauf hin, dass dies

**Rn. 442**

auch von einem marktbeherrschenden Vertragspartner bei

**Rn. 443**

einem von Vertragsfreiheit und Eigenverantwortung geprägten

**Rn. 444**

Wirtschaftsordnung nicht zu fordern ist. Die

**Rn. 445**

Abwägung der sich aus übernommenen Verpflichtungen ergebenden

**Rn. 446**

möglichen oder tatsächlichen Nachteile gehören

**Rn. 447**

in die Risikosphäre der Vertragspartner ebenso wie die

**Rn. 448**

Abwägung und Entscheidung, wie diesen zu begegnen ist.

**Rn. 449**

Fehlbeurteilungen insoweit können, soweit vertragliche

**Rn. 450**

Regelungen und der allgemeine Treu- und Glaubensgrundsatz

**Rn. 451**

nicht eingreifen, einen kartellrechtlichen Miss-

**Rn. 452**

brauchsvorwurf nicht begründen. Dass die Klägerin mit

**Rn. 453**

anderen Abnehmern für diese günstigere Preisvereinbarungen

**Rn. 454**

getroffen hat, ist aus kartellrechtlicher

**Rn. 455**

Sicht ebenfalls nicht zu beanstanden. Da die Strombelieferung von

**Rn. 456**

Weiterverteilern und die Strombelieferung von Endabnehmern

**Rn. 457**

auf verschiedenen Märkten erfolgt, stellt sich die

**Rn. 458**

von der Beklagten aufgeworfene Frage nach der Unzulässigkeit

**Rn. 459**

einer Preisdifferenzierung auch mit der von ihr

**Rn. 460**

vorgetragenen Argumentation für eine Preisgleichbehandlung

**Rn. 461**

schon vom Ansatz nicht. Dass die Klägerin auf dem

**Rn. 462**

einen Preisvergleich zugänglichen Weiterverteilungsmarkt

**Rn. 463**

Preisspaltung betreibt, die im Ergebnis zu Ungunsten

**Rn. 464**

der Beklagten geht und diese damit unbillig behindert

**Rn. 465**

bzw. diskriminiert, wird von der dafür darlegungs-

**Rn. 466**

und beweisbelasteten Beklagten nicht dargetan.

**Rn. 467**

Ein zur Preisreduzierung über das von der Klägerin

**Rn. 468**

hinaus gewährte Maß verpflichtender Verstoß gegen die

**Rn. 469**

Regelung in Ziff. I 0.6 des Vertrages der Parteien

**Rn. 470**

liegt auch nicht vor. Die vertragliche Regelung gibt

**Rn. 471**

beiden Vertragsparteien die Möglichkeit der gerichtlichen

**Rn. 472**

Geltendmachung eines Anspruchs auf Vertragsanpassung.

**Rn. 473**

Sie bezieht sich auch auf Preisvereinbarungen

**Rn. 474**

und kann von der Beklagten im Wege der Einrede geltend

**Rn. 475**

gemacht werden. Die Beklagte hat aber die Voraussetzung

**Rn. 476**

eines vertraglichen Anpassungsanspruchs nicht dargetan.

**Rn. 477**

Zu fordern nach dem Wortlaut der Regelung, der den

**Rn. 478**

übereinstimmenden Parteiwillen dokumentiert, ist nicht

**Rn. 479**

nur eine wesentliche Änderung der relevanten Verhältnisse,

**Rn. 480**

sondern eine solche, die im Falle der Fortführung

**Rn. 481**

des unangepaßten Vertrages eine unbillige Härte

**Rn. 482**

für den Vertragspartner darstellen würde. Solchermaßen

**Rn. 483**

erhebliche Veränderungen, die eine über von der

**Rn. 484**

Klägerin gewährte Preisreduzierung hinausgehende Preisabsenkung

**Rn. 485**

erforderte, ist nicht ersichtlich. Die auch

**Rn. 486**

dafür darlegungs- und beweisverpflichtete Beklagte hat

**Rn. 487**

nicht substantiiert dargetan, dass das allgemeine

**Rn. 488**

Marktpreisniveau für Stromlieferung an Weiterlieferanten

**Rn. 489**

unter den von der Klägerin berechneten Preisen lag.

**Rn. 490**

Allein die Darlegung niedriger Preise an andere Abnehmer

**Rn. 491**

auf anderen Märkten ist hierfür nicht ausreichend.

**Rn. 492**

Dass die von der Klägerin der Beklagten abgeforderten

**Rn. 493**

Preise über dem allgemeinen Preismarktniveau für Abnahmepreise

**Rn. 494**

bei Stadtwerkebelieferung lagen, wird von der

**Rn. 495**

Beklagten nicht behauptet ebenso nicht, dass die Klägerin

**Rn. 496**

sich bei anderen von ihr belieferten Stadtwerken

**Rn. 497**

mit niedrigeren Preisen begnügte. Dass der Beklagten

**Rn. 498**

von anderen Stromlieferanten für den im Hinblick auf

**Rn. 499**

den Klageantrag relevanten Zeitraum Oktober 1999 bis

**Rn. 500**

April 2000 günstigere Preise als von der Klägerin berechnet

**Rn. 501**

angeboten wurden, wird ebenfalls nicht substantiiert

**Rn. 502**

dargetan. Welche Lieferangebote davor durch

**Rn. 503**

andere Anbieter gemacht wurden, ist für die Frage der

**Rn. 504**

Vertragsanpassung wegen geänderter Verhältnisse irrelevant.

**Rn. 505**

Die Feststellungsklage ist zulässig und begründet.

**Rn. 506**

Ein Feststellungsinteresse der Klägerin ist zu bejahen.

**Rn. 507**

Die Beklagte hat den Stromlieferungsvertrag ab dem

**Rn. 508**

01.05.2000 nicht erfüllt und stellt ihre vertragliche

**Rn. 509**

Verpflichtung zur weiteren Vertragserfüllung bis zum

**Rn. 510**

31.12.2001 in Abrede. Die Klägerin ist nicht gehalten,

**Rn. 511**

die Beklagte auf Vertragserfüllung im Wege der

**Rn. 512**

Leistungsklage in Anspruch zu nehmen. Sie kann sich auf

**Rn. 513**

Geltendmachung von Schadensersatz beschränken. Im Hin-

**Rn. 514**

blick hierauf kann sie zur Zeit noch keine Leistungsklage

**Rn. 515**

erheben. Dies gilt nicht nur für die Zeit ab

**Rn. 516**

heute bis zum 21.12.2001, sondern auch für die Vergangenheit.

**Rn. 517**

Angesichts der für die Klägerin geltenden langen

**Rn. 518**

Gewinnabrechnungszeiträume kann ein bis heute entstandener

**Rn. 519**

Schaden nicht ausreichend beziffert werden.

**Rn. 520**

Der Feststellungsantrag ist auch begründet. Hierfür ist

**Rn. 521**

ausreichend, dass ein Schadenseintritt hinreichend

**Rn. 522**

wahrscheinlich ist. Dies ist hier der Fall. Dabei kann

**Rn. 523**

es dahinstehen, ob die Klägerin auch für die Zeit ab

**Rn. 524**

Mai 2000 bis und nach der Fusion mit der RWE als marktbeherrschend

**Rn. 525**

anzusehen ist, da missbräuchliches Verhalten

**Rn. 526**

der Klägerin als Normadressatin wie ausgeführt

**Rn. 527**

nicht zur Unwirksamkeit des Vertrages oder seiner vorzeitigen

**Rn. 528**

Beendigung führen würde. Ob und ggf. in welcher

**Rn. 529**

Höhe eine Preisanpassungsverpflichtung der

**Rn. 530**

Klägerin besteht und sich angesichts dieser ein Schaden

**Rn. 531**

letztlich nicht ergibt, ist für das Feststellungsver-.

**Rn. 532**

fahren ohne Belang, es sei denn, schon jetzt könne fest-

**Rn. 533**

gestellt werden, dass ein Schaden für die Klägerin

**Rn. 534**

nicht entstehen kann. Davon ist nach dem bisherigen

**Rn. 535**

Vortrag beider Parteien nicht auszugehen.

**Rn. 536**

Die Kostenentscheidung folgt aus § 91 Abs. 1 ZPO.

**Rn. 537**

Die zeitliche Einschränkung des Feststellungsantrags

**Rn. 538**

ist nur klarstellend erfolgt und stellt keine Teilklageabweisung

**Rn. 539**

dar. Sie war, wie schon die Ausführungen in

**Rn. 540**

der Klageschrift zeigen und wie in der letzten mündlichen

**Rn. 541**

Verhandlung klargestellt wurde, auch von der

**Rn. 542**

Klägerin so gewollt.

**Rn. 543**

Die Entscheidung zur vorläufigen

**Rn. 544**

Vollstreckbarkeit beruht auf § 709 ZPO.

---

Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Urteil vom 08.08.2002 – 13 O 149/00 Kart., ECLI:DE:LGDO:2002:0808.13O149.00KART.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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