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# Landgericht Dortmund, Beschluss vom 03.07.2002 – 9 T 912/01 WEG

ECLI:DE:LGDO:2002:0703.9T912.01WEG.00

## Tenor

Der angefochtene Beschluss wird abgeändert:

Die Beteiligten zu 2.) werden verpflichtet, es

zu unterlassen, die Teileigentumseinheiten Nr.

21 des Auteilungsplans, eingetragen im Grundbuch

von E G1,und Nr. 22 des

Aufteilungsplans, eingetragen im Grundbuch von

E, G2, als Zahnarztpraxis zu nutzen bzw. nutzen zu lassen.

Die Gerichtskosten des Verfahrens tragen die Beteiligten

zu 1.) und 2.) je zur Hälfte. Eine Erstattung außergerichtlicher

Kosten wird nicht angeordnet.

Der Gegenstandswert wird auf bis zu 16.000,00 € festgesetzt.

## Gründe

**Rn. 2**

Die Beteiligten zu 1.) und 2.) sind Mitglieder der Wohnungseigentümergemeinschaft

**Rn. 3**

X-Str., ##-## und N- Str. ##-## in E.

**Rn. 4**

Die Wohnungseigentumsanlage wurde von der Beteiligten zu 4.) errichtet und besteht aus 30 Wohnungen, 2 Ladenlokalen, 3 weiteren Teileigentumseinheiten,

**Rn. 5**

einer Tiefgarage mit 20 Stellplätzen und weiteren 21 oberirdischen Stellplätzen.

**Rn. 6**

Mit notariell beurkundeter Erklärung vom 27.10.1997

**Rn. 7**

- Urkundenrolle Nr. ####/1997 des Notars I aus

**Rn. 8**

E - teilte die Beteiligte zu 4.) die entsprechenden

**Rn. 9**

Grundstücke in 55 Miteigentumsanteile auf.

**Rn. 10**

§ 1 der Teilungserklärung lautet u.a.:, "Die Eigentümerin

**Rn. 11**

beabsichtigt, auf den vorgenannten Grundstücken 4 Mehrfamilienhäuser

**Rn. 12**

mit insgesamt 30 Wohnungen, 3 Büroeinheiten

**Rn. 13**

und 2 Ladenlokalen, eine Tiefgarage mit 20 Kfz Einstellplätzen

**Rn. 14**

und 21 oberirdischen Kfz-Stellplätzen auf dem Grundstück zu errichten."

**Rn. 15**

§ 5 lautet u.a. wie folgt:

**Rn. 16**

,,1 .... Die Teileigentümer sind berechtigt die dem Teileigentum unterliegenden Räumlichkeiten (Ladenlokal oder Büro) zweckentsprechend zu nutzen .... "

**Rn. 17**

Wegen der Einzelheiten wird Bezug genommen auf die notariell

**Rn. 18**

beurkundete Teilungsklärung vom 27.10.1997,

**Rn. 19**

Blatt 18 d.A.. Wegen der Einzelheiten der Baulichkeit

**Rn. 20**

wird Bezug genommen auf die Abgeschlossenheitsbescheinigung

**Rn. 21**

vom 23.09.1997, Blatt 49-59 d.A., und die Ablichtung

**Rn. 22**

des Verkaufsprospektes, Blatt 205 ff.d.A ..

**Rn. 23**

Der Beteiligte zu 1.) erwarb mit notariellem Kaufvertrag

**Rn. 24**

vom 10.12.1997 - Urkundenrolle Nr. ###/1997 des

**Rn. 25**

Notars Z in E - den in der Teilungserklärung

**Rn. 26**

mit Nr. 31 bezeichneten Miteigentumsanteil von 209,80/10.000 verbunden mit dem Sondereigentum an der im Gebäude D im 1. OG rechts gelegenen Wohnung nebst

**Rn. 27**

Terrasse und Keller, verbunden mit dem Sondernutzungsrecht

**Rn. 28**

an den Pkw-Stellplatz Nr. 31, und den in der Teilungserklärung

**Rn. 29**

mit Nr. 33 bezeichneten Miteigentumsanteil

**Rn. 30**

von 172,67/10.000 verbunden mit dem Sondereigentum

**Rn. 31**

an der im Gebäude D im 2. OG rechts gelegenen Wohnung

**Rn. 32**

nebst Keller, verbunden mit dem Sondernutzungsrecht an

**Rn. 33**

dem Pkw-Stellplatz Nr. 33. Wegen der Einzelheiten wird

**Rn. 34**

Bezug genommen auf den notariell beurkundeten Kaufvertrag

**Rn. 35**

vom 10.12.1997, Blatt 175 d.A.. Am 12.06.1998 wurde

**Rn. 36**

eine entsprechende Auflassungsvormerkung zu Gunsten

**Rn. 37**

des Beteiligten zu 1.) in die Wohnungsgrundbücher eingetragen.

**Rn. 38**

Eine entsprechende Eigentumsumschreibung auf

**Rn. 39**

den Beteiligten zu 1.) ist noch nicht erfolgt. Der

**Rn. 40**

Kaufpreis ist noch nicht vollständig durch ihn entrichtet worden.

**Rn. 41**

In der Teilungserklärung mit Nr. 21 bezeichneten

**Rn. 42**

Miteigentumsanteil von 277,17/10.000 verbunden mit dem

**Rn. 43**

Sondereigentum an dem im Gebäude C im 1. OG links gelegenen,

**Rn. 44**

nicht zu Wohnzwecken dienenden Räumlichkeiten

**Rn. 45**

nebst Wintergarten und Keller und den in der Teilungserklärung

**Rn. 46**

mit Nr. 22 bezeichneten Miteigentumsanteil

**Rn. 47**

von 252,54/10.000 verbunden mit dem Sondereigentum an

**Rn. 48**

den im Gebäude C im 2. OG rechts gelegenen, nicht zu

**Rn. 49**

Wohnzwecken dienenden Räumlichkeiten nebst Wintergarten

**Rn. 50**

und Keller. In § 1 des Vertrages heißt es u.a.:

**Rn. 51**

"Im Wege einer noch durchzuführenden Änderung der Teilungserklärung

**Rn. 52**

sichert der Verkäufer dem Käufer zu,

**Rn. 53**

dass er anstelle der ursprünglich vorgesehenen oberirdischen

**Rn. 54**

Kfz-Stellplätze 21 und 22 (Kfz-Stellplätze)

**Rn. 55**

künftig die Stellplätze 30, 31, 32 und 33 erhält. Der

**Rn. 56**

Käufer erklärt sich mit der insoweit erforderlichen Änderung

**Rn. 57**

der Teilungserklärung einverstanden.

**Rn. 58**

Ferner sichert der Verkäufer dem Käufer zu, dass die

**Rn. 59**

Nutzung der Räumlichkeiten als Zahnarztpraxis sichergestellt

**Rn. 60**

ist."

**Rn. 61**

Am 09.10.1998 wurde zu Gunsten der Beteiligten zu 2.)

**Rn. 62**

eine entsprechende Auflassungsvormerkung in die Wohnungsgrundbücher

**Rn. 63**

eingetragen. Zwischenzeitlich sind die

**Rn. 64**

Beteiligten zu 2.) als Eigentümer in die Grundbücher eingetragen worden.

**Rn. 65**

Am 28.06.1999 nahm der Beteiligte zu 1.) die Wohnungen

**Rn. 66**

Nr. 31 und 33 in Besitz. Die Inbesitznahme des Stellplatzes

**Rn. 67**

ist in der Abnahmeniederschrift nicht vermerkt.

**Rn. 68**

Am 12.09.1999 wurden die Miteigentümer H als erste

**Rn. 69**

Erwerber als Eigentümer des Teileigentums Nr. 54 in das

**Rn. 70**

Grundbuch eingetragen.

**Rn. 71**

Die Beteiligten zu 2.) überließen die Teileigentumseinheiten

**Rn. 72**

Nr. 21 und 22 des Aufteilungsplans ihrem Sohn

**Rn. 73**

zur Nutzung. Dieser betreibt in den Räumlichkeiten eine

**Rn. 74**

Zahnarztpraxis.

**Rn. 75**

Mit Schriftsatz seiner Verfahrensbevollmächtigten vom

**Rn. 76**

24.07.2000 forderte der Beteiligte zu 1.) die Beteiligte

**Rn. 77**

zu 4.) auf, zu veranlassen, dass die Zahnarztpraxis

**Rn. 78**

verlegt wird. Mit Schriftsatz seiner Verfahrensbevollmächtigten

**Rn. 79**

vom 23.01.2001 forderte er die Beteiligten zu 2.) auf,

**Rn. 80**

zu veranlassen, dass die Zahnarztpraxis aufgegeben werde.

**Rn. 81**

Mit Schreiben vom 13.12.2001 teilte das Bauordnungsamt

**Rn. 82**

der Stadt E zur "Nutzungsänderung von zwei Büroeinheiten

**Rn. 83**

und einer Arztpraxis" mit, dass nach Durchführung

**Rn. 84**

einer Zustandsbesichtigung bauordnungsrechtliche

**Rn. 85**

Forderungen nicht gestellt würden.

**Rn. 86**

Mit Schriftsatz seiner Verfahrensbevollmächtigten vom

**Rn. 87**

08.03.2001 hat der Beteiligte zu 1.) das vorliegende

**Rn. 88**

Verfahren eingeleitet. Die Beteiligte zu 4.) ist im

**Rn. 89**

Verfahren auf Seiten der Beteiligten zu 2.) beigetreten.

**Rn. 90**

Der Beteiligte zu 1.) hat die Ansicht vertreten, die

**Rn. 91**

Nutzung der im Eigentum der Beteiligten zu 2.) stehenden

**Rn. 92**

Teileigentumseinheiten sei nicht zulässig, da die

**Rn. 93**

Nutzung als Zahnarztpraxis keine zweckentsprechende

**Rn. 94**

Nutzung im Sinne des § 5 der Teilungserklärung darstelle

**Rn. 95**

und die erforderliche Zustimmung der weiteren Eigentümer

**Rn. 96**

zu der Nutzung nicht vorliege. Aus § 1 der Teilungserklärung

**Rn. 97**

ergebe sich, dass die Einheiten Nr. 21

**Rn. 98**

und 22 der Teilungserklärung als Büroeinheiten deklariert

**Rn. 99**

seien. In einem Büro sei der Betrieb einer

**Rn. 100**

Arztpraxis aber nicht zulässig. Er hat behauptet, mit

**Rn. 101**

dem Betrieb der Zahnarztpraxis seien Beeinträchtigungen

**Rn. 102**

für die anderen Eigentümer verbunden. Diese bestünden

**Rn. 103**

in hoher Patientenfluktuation, unberechtigtem Parken

**Rn. 104**

auf praxisfremden Stellplätzen, ständigem Zutritt fremder

**Rn. 105**

Personen zum Gemeinschaftseigentum sowie Emissionen.

**Rn. 106**

Der Beteiligte zu 1.) hat beantragt,

**Rn. 107**

den Beteiligten zu 2.) aufzugeben, die Nutzung

**Rn. 108**

der folgenden Eigentumswohnungen bzw. Teileigentumseinheiten

**Rn. 109**

an dem Objekt X-Str. #, #, # und # in E

**Rn. 110**

als Zahnarztpraxis zu unterlassen, hilfsweise zu unterbinden:

**Rn. 111**

- 277,17/10.000 Miteigentumsanteil, verbunden

**Rn. 112**

mit dem Sondereigentum an den Räumen im I. Obergeschoss

**Rn. 113**

links nebst Kellerraum, jeweils Nr. 21 des Aufteilungsplans,

**Rn. 114**

eingetragen im Grundbuch von E G1,

**Rn. 115**

- 252,54/10.000 Miteigentumsanteil verbunden mit

**Rn. 116**

dem Sondereigentum an den Räumen im I. Obergeschoss

**Rn. 117**

rechts nebst Kellerraum, jeweils Nr. 22 des Aufteilungsplans,

**Rn. 118**

eingetragen im Grundbuch von E G2.

**Rn. 119**

Die Beteiligten zu 2.) und 4.) haben beantragt,

**Rn. 120**

den Antrag zurückzuweisen.

**Rn. 121**

Sie haben behauptet, von der Zahnarztpraxis gingen keine

**Rn. 122**

erheblichen Beeinträchtigungen der Eigentümer aus.

**Rn. 123**

Bei der Praxis handele es sich um eine reine Bestellpraxis

**Rn. 124**

mit vergleichsweisem geringen Patientenverkehr.

**Rn. 125**

Die im Innenhof der Anlage für die Praxis ausgewiesenen

**Rn. 126**

Pkw-Stellplätze und die vor dem Haus befindliche

**Rn. 127**

Parkfläche seien ausreichend für die Patienten der Praxis.

**Rn. 128**

Berührungspunkte für die Eigentümer von Einheiten

**Rn. 129**

in anderen Häusern seien auch bereits durch die räumliche

**Rn. 130**

Trennung der Gebäude ausgeschlossen. Die Beteiligte

**Rn. 131**

zu 4.) hat die Ansicht vorgetragen, der von dem Beteiligten

**Rn. 132**

zu 1.) geltend gemachte Anspruch sei bereits

**Rn. 133**

deshalb ausgeschlossen, weil der Rechtserwerb durch den

**Rn. 134**

Beteiligten zu 1.) noch nicht sichergestellt sei. Auch

**Rn. 135**

sei der Anspruch auf Unterlassung ausgeschlossen, weil

**Rn. 136**

der Beteiligte zu 1.) gem. § 16 der Teilungserklärung

**Rn. 137**

Mitglied einer anderen Untereigentümergemeinschaft sei.

**Rn. 138**

Mit dem angefochtenen Beschluss vom 10.08.2001 hat das

**Rn. 139**

Amtsgericht den Antrag des Beteiligten zu 1.) zurückgewiesen.

**Rn. 140**

Wegen der Einzelheiten wird Bezug genommen auf den angefochtenen

**Rn. 141**

Beschluss, Blatt 142 d.A..

**Rn. 142**

Gegen den seinen Verfahrensbevollmächtigten am

**Rn. 143**

12.09.2001 zugestellten Beschluss hat der Beteiligte zu

**Rn. 144**

1.) mit Schriftsatz seiner Verfahrensbevollmächtigten

**Rn. 145**

vom 24.09.2001 - eingegangen bei Gericht am 25.09.2001

**Rn. 146**

-sofortige Beschwerde eingelegt. Er wiederholt und

**Rn. 147**

vertieft sein Vorbringen in erster Instanz. Er behauptet,

**Rn. 148**

die Bau-/Nutzungsgenehmigung für den Betrieb einer

**Rn. 149**

Zahnarztpraxis in den Teileigentumseinheiten liege

**Rn. 150**

nicht vor. Er sei beim Erwerb der Miteigentumsanteile

**Rn. 151**

davon ausgegangen, dass die Teileigentumseinheiten als

**Rn. 152**

Büro genutzt würden; hätte er von dem Betrieb der

**Rn. 153**

Arztpraxis gewusst, so hätte er die Wohnungen nicht erworben.

**Rn. 154**

Dies gelte auch für andere Eigentümer.

**Rn. 155**

Der Beteiligte zu 1.) beantragt,

**Rn. 156**

den Beschluss des Amtsgerichts aufzuheben und

**Rn. 157**

dem Antrag vom 08.03.2001 stattzugeben.

**Rn. 158**

Die Beklagten zu 2.) und 4.) beantragen,

**Rn. 159**

die sofortige Beschwerde zurückzuweisen.

**Rn. 160**

Sie wiederholen und vertiefen ihr erstinstanzliches Vorbringen.

**Rn. 161**

Die sofortige Beschwerde ist zulässig, insbesondere

**Rn. 162**

fristgerecht eingelegt, § 45 WEG.

**Rn. 163**

Die sofortige Beschwerde ist auch begründet.

**Rn. 164**

Entgegen der Auffassung der Beteiligten zu 2.) und 4.)

**Rn. 165**

steht der Antragsberechtigung des Beteiligten zu 1.)

**Rn. 166**

nicht entgegen, dass er noch nicht als Eigentümer in

**Rn. 167**

das Grundbuch eingetragen ist. Aufgrund des notariell

**Rn. 168**

beurkundeten Vertrages vom 10.12.1997 ist zu Gunsten

**Rn. 169**

des Beteiligten zu 1.) bereits am 12.06.1998 eine Auflassungsvormerkung

**Rn. 170**

für die entsprechenden Grundbücher eingetragen worden .

**Rn. 171**

Hierdurch erlangt er eine Rechtsstellung,

**Rn. 172**

die sowohl die Anwendung der §§ 43 ff. WEG

**Rn. 173**

wie auch der §§ 14 Nr. 1, 15 Abs. 3, 22 Abs. 1 WEG und 1004 BGB rechtfertigt

**Rn. 174**

(Bärmann/Pick/Merle, Wohnungseigentumsgesetz, Einleitung Rdnr. 42).

**Rn. 175**

Der Beteiligte zu 1.) kann den Unterlassungsanspruch

**Rn. 176**

auch ohne vorherigen Beschluss der Eigentümerversammlung

**Rn. 177**

geltend machen. Die Antragsbefugnis des einzelnen

**Rn. 178**

Wohnungseigentümers für die dem Wohnungseigentumsgericht

**Rn. 179**

nach § 43 Abs. 1 Ziff. 1 und Ziff.2 WEG zugewiesenen

**Rn. 180**

Streitigkeiten ist ohne weiteres für solche Ansprüche

**Rn. 181**

gegeben, die dem Eigentümer allein zustehen

**Rn. 182**

(Vgl. Bärmann/Pick/Merle a.a.O., § 43 Rdnr. 81). So

**Rn. 183**

kann der einzelne Wohnungseigentümer im Verfahren nach

**Rn. 184**

§ 43 Abs. 1 Ziff. 1 WEG nicht nur einen Anspruch auf

**Rn. 185**

Beseitigung der Beeinträchtigung seines Sondereigentums

**Rn. 186**

allein geltend machen, sondern darüber hinaus die Beseitigung

**Rn. 187**

der Beeinträchtigung des gemeinschaftlichen

**Rn. 188**

Eigentums durch einen Miteigentümer ohne vorherige Ermächtigung

**Rn. 189**

durch die Wohnungseigentümergemeinschaft verlangen

**Rn. 190**

(Bärmann/Pick/Merle a.a.O.).

**Rn. 191**

Entgegen der Ansicht der Beteiligten zu 4.) entfällt

**Rn. 192**

die Antragsberechtigung des Beteiligten zu 1.) auch

**Rn. 193**

nicht aufgrund von § 16 der Teilungserklärung. In § 16

**Rn. 194**

Ziffer 1 der Teilungserklärung ist nämlich auch geregelt,

**Rn. 195**

dass die Gesamteigentümergemeinschaft auch dann

**Rn. 196**

zuständig ist, wenn es sich um Angelegenheiten handelt,

**Rn. 197**

die sämtliche Miteigentümer betreffen. Angesichts des

**Rn. 198**

durch die Zahnarztpraxis bedingten Fahrzeugverkehrs im

**Rn. 199**

Inneren des Wohnblocks handelt es sich hier um eine An-

**Rn. 200**

gelegenheit, die auch Miteigentümer von Sondereigentumseinheiten

**Rn. 201**

in den weiteren Häusern betrifft.

**Rn. 202**

Dem Beteiligten zu 1.) steht der geltend gemachte An-

**Rn. 203**

Anspruch gegen die Beteiligten zu 2.) gem. § 15 Abs. 3 WEG

**Rn. 204**

i.V.m. § 1004 BGB zu.

**Rn. 205**

Die im Eigentum der Beteiligten zu 2.) stehenden Teileigentumseinheiten

**Rn. 206**

Nr. 21 und 22 des Aufteilungsplans sind ausweislich der notariell beurkundeten Teilungserklärung vom 27.10.1997 als Büro zu nutzen.

**Rn. 207**

In der Teilungserklärung liegt eine Gebrauchsregelung bezüglich

**Rn. 208**

des Sondereigentums i.S.d. § 15 Abs. 1 WEG. Die Bezeichnung

**Rn. 209**

in der Teilungserklärung in § 1 beschreibt

**Rn. 210**

die Teileigentumseinheiten Nr. 21 und 22 zwar lediglich

**Rn. 211**

mit dem Oberbegriff nicht zu Wohnzwecken dienende Räumlichkeiten",

**Rn. 212**

ohne dass weitere Unterbegriffe wie "Büro" oder "Laden"

**Rn. 213**

Verwendung finden. Die Teilungserklärung ist aber dahingehend

**Rn. 214**

auszulegen, dass die Einheiten Nr. 21 und 22

**Rn. 215**

des Aufteilungsplans als Büro zu nutzen sind. In § 1

**Rn. 216**

der Teilungserklärung ist die Aussage enthalten, es sei

**Rn. 217**

beabsichtigt, neben den Wohnungen auch drei Büroeinheiten

**Rn. 218**

und zwei Ladenlokale zu errichten. Außerdem nimmt

**Rn. 219**

die Teilungserklärung in §§ 1 und 20 Bezug auf die am

**Rn. 220**

23.09.1997 erteilte Abgeschlossenheitsbescheinigung, in

**Rn. 221**

der die fraglichen Teileigentumseinheiten als "Büro"

**Rn. 222**

bezeichnet werden. Des Weiteren ist in § 5 der Teilungserklärung

**Rn. 223**

geregelt, dass die Teileigentümer berechtigt

**Rn. 224**

sind, "die dem Teileigentum unterliegenden

**Rn. 225**

Räumlichkeiten (Ladenlokal oder Büro) zweckentsprechend

**Rn. 226**

zu nutzen". Dieser Inhalt der Teilungserklärung, insbesondere

**Rn. 227**

die Gebrauchsregelung in § 5 der Teilungserklärung

**Rn. 228**

widerspricht der von den Beteiligten zu 2.) und

**Rn. 229**

4.) vorgenommenen Auslegung der Teilungserklärung dahingehend,

**Rn. 230**

dass in der Teilungserklärung lediglich geregelt

**Rn. 231**

sein soll, dass die Einheiten nicht zu Wohnzwecken

**Rn. 232**

genutzt werden dürften.

**Rn. 233**

Die Nutzung der Räume als Zahnarztpraxis ist mit der

**Rn. 234**

Zweckbestimmung der fraglichen Teileigentumseinheiten

**Rn. 235**

als Büro nicht vereinbar. Die Kammer verkennt dabei

**Rn. 236**

nicht, dass sich die Begriffe "Büro" und "Praxis" teilweise

**Rn. 237**

überschneiden. So kann sowohl von einem "Büro"

**Rn. 238**

als auch von einer "Praxis" eines Rechtsanwalts gesprochen

**Rn. 239**

werden (vgl. auch OLG Stuttgart, NJW 1987, 385).

**Rn. 240**

Ferner kann in Einzelfällen der mit einem Büro

**Rn. 241**

verbundene Publikumsverkehr gleich hoch sein wie bei

**Rn. 242**

einer Praxis. Grundsätzlich sind die von Büroräumen

**Rn. 243**

ausgehenden Beeinträchtigungen jedoch anderer und geringerer

**Rn. 244**

Art, als die durch Ausübung einer Praxis entstehenden

**Rn. 245**

(so auch OLG Stuttgart, a.a.O.). Ein Büro ist

**Rn. 246**

nach dem allgemeinen Sprachgebrauch ein Arbeitsraum, in

**Rn. 247**

dem z.B. geschrieben, diktiert, telefoniert und verwaltende

**Rn. 248**

Tätigkeit ausgeübt wird (vgl. OLG Düsseldorf, NJW-RR 1996, 267).

**Rn. 249**

Zwar ist auch Publikumsverkehr dem

**Rn. 250**

Begriff des Büros nicht fremd. Allerdings gehen von einer

**Rn. 251**

Zahnarztpraxis üblicherweise höhere Beeinträchtigungen

**Rn. 252**

als von einem Büro im herkömmlichen Sinne aus.

**Rn. 253**

So ist beispielsweise die Besucherfrequenz in der Regel

**Rn. 254**

bei einer Arztpraxis höher als bei einem Büro. Darüber

**Rn. 255**

hinaus gehen von einer Zahnarztpraxis üblicherweise

**Rn. 256**

störende Gerüche in den Hausflur und damit in das Gemeinschaftseigentum.

**Rn. 257**

Des Weiteren ist bei einer Zahnarztpraxis

**Rn. 258**

auch die Beeinträchtigung durch Geräusche

**Rn. 259**

regelmäßig höher als bei einem Büro.

**Rn. 260**

Der geltend gemachte Anspruch steht dem Beteiligten zu

**Rn. 261**

1.) auch zu, ohne dass es auf seine tatsächliche Beeinträchtigung

**Rn. 262**

durch die zweckwidrige Nutzung ankommt. Der

**Rn. 263**

unter Verstoß gegen eine Zweckbestimmung vermietende

**Rn. 264**

Teileigentümer kann von anderen Mitgliedern der Gemeinschaft

**Rn. 265**

als Störer auf Unterlassung dieser Vermietung in

**Rn. 266**

Anspruch genommen werden (Bärmann/Pick/Merle, a.a.O., § 15 Rdnr. 30).

**Rn. 267**

Bei Änderung des Nutzungszwecks genügt

**Rn. 268**

es hinsichtlich des Unterlassungsanspruchs, dass eine

**Rn. 269**

Beeinträchtigung der übrigen Wohnungseigentümer aufgrund

**Rn. 270**

bestimmter Tatsachen für die Zukunft zu befürchten

**Rn. 271**

ist (Bärmann/Pick/Merle, a.a.O.). Dabei kommt es

**Rn. 272**

bei der zweckwidrigen Nutzung nicht darauf an, ob Immissionen

**Rn. 273**

tatsächlich in der Nachbarschaft auftreten oder nicht

**Rn. 274**

(vgl. OLG Düsseldorf, NJW-RR 1993, 587).

**Rn. 275**

Maßgebend ist vielmehr, dass sich die Unterschiede in

**Rn. 276**

Charakter und Ausmaß der Immissionen, mit denen erfahrungsgemäß

**Rn. 277**

gerechnet werden muss, begriffsprägend auf

**Rn. 278**

die in der Teilungserklärung verwendete Bezeichnung

**Rn. 279**

auswirken (OLG Düsseldorf, a.a.O.) . Die regelmäßig höhere

**Rn. 280**

Beeinträchtigung ist - wie bereits ausgeführt -

**Rn. 281**

bei der Nutzung eines Büros als Zahnarztpraxis zu bejahen.

**Rn. 282**

Die Nebenentscheidungen beruhen auf §§ 47, 48 Abs. 3 WEG.

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Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Beschluss vom 03.07.2002 – 9 T 912/01 WEG, ECLI:DE:LGDO:2002:0703.9T912.01WEG.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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