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# Landgericht Dortmund, Urteil vom 24.06.2002 – 21 O 35/02

ECLI:DE:LGDO:2002:0624.21O35.02.00

## Tenor

Die Klage wird abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits trägt die Klägerin.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar; der

Klägerin wird nachgelassen, die Vollstreckung

durch Sicherheitsleistung oder Hinterlegung

von 1.200,00 € abzuwenden, wenn nicht der

Beklagte vor der Vollstreckung Sicherheit in

gleicher Höhe leistet.

## Tatbestand

**Rn. 2**

Die Klägerin macht Schadensersatzansprüche aus einem

**Rn. 3**

Verkehrsunfall geltend, der sich am 12.10.2000 in H

**Rn. 4**

an der Einmündung der Straße F-Straße in

**Rn. 5**

die U-Straße ereignete.

**Rn. 6**

Die Klägerin ist der Haftpflichtversicherer des Pkw

**Rn. 7**

Mercedes mit dem amtlichen Kennzeichen ##-## - ###. Mit

**Rn. 8**

diesem Fahrzeug verursachte die Zeugin X beim Ein-

**Rn. 9**

biegen aus der Straßen F-Straße nach links in die

**Rn. 10**

U-Straße einen Verkehrsunfall. Das von ihr

**Rn. 11**

geführte Fahrzeug stieß mit dem von links auf der vor-

**Rn. 12**

fahrtberechtigten U-Straße fahrenden Zeugen

**Rn. 13**

G, der mit einem Motorroller Yamaha, amt-

**Rn. 14**

liches Kennzeichen ##-## ##, unterwegs war, zusammen.

**Rn. 15**

Bei diesem Zusammenstoß wurde der Zeuge erheblich ver-

**Rn. 16**

letzt, weiterhin erlitt er Sachschäden.

**Rn. 17**

Der Beklagte ist Haftpflichtversicherer des Transpor-

**Rn. 18**

ters Mercedes 410 mit dem amtlichen Kennzeichen

**Rn. 19**

###-## ##. Der Zeuge T hatte dieses Fahrzeug zum

**Rn. 20**

Unfallzeitpunkt auf der U-Straße geparkt,

**Rn. 21**

und zwar in Fahrtrichtung des Zeugen G rechts

**Rn. 22**

vor der Einmündung der Straße F-Straße. Hierbei be-

**Rn. 23**

fand sich der Transporter mit zwei Rädern auf dem Geh-

**Rn. 24**

weg, der ca. 1,5 m breite Schutzstreifen für Radfahrer

**Rn. 25**

am rechten Fahrbahnrand wurde in Breite von ca. 1,3m

**Rn. 26**

von dem Transporter noch in Anspruch genommen. Die

**Rn. 27**

Fahrzeugfront des Transporters befand sich ca. 5,1m

**Rn. 28**

vor dem Schnittpunkt der Fahrbahnkanten F-Straße und

**Rn. 29**

U-Straße. Wegen der Einzelheiten wird auf

**Rn. 30**

die Unfallskizze Bl. 14 d. A. Bezug genommen.

**Rn. 31**

Der Zeuge G hat die Klägerin als Haftpflicht-

**Rn. 32**

versicherer des von der Zeugin X geführten Pkw in

**Rn. 33**

Anspruch genommen. Diese hat Leistungen erbracht. Mit

**Rn. 34**

der vorliegenden Klage verlangt die Klägerin 1/3 ihrer

**Rn. 35**

zu Gunsten des Zeugen G erbrachten Leistun-

**Rn. 36**

gen.

**Rn. 37**

Die Klägerin behauptet, der von dem Zeugen T ge-

**Rn. 38**

parkte Transporter habe in ganz erheblichem Maße die

**Rn. 39**

Einsichtsmöglichkeiten der Zeugin X nach links be-

**Rn. 40**

hindert. Als diese mit der Frontpartie ihres Fahrzeugs

**Rn. 41**

gerade die Begrenzungslinie zwischen dem Radweg und der

**Rn. 42**

Fahrbahn überfahren hatte, habe sie plötzlich den Zeu-

**Rn. 43**

gen G in einer Entfernung von ca. einer Fahr-

**Rn. 44**

zeuglänge gesehen. Sie habe ihr Fahrzeug zum völligen

**Rn. 45**

Stillstand abgebremst. Gleichwohl sei der Zeuge G

**Rn. 46**

an der Frontpartie des Pkw entlanggestreift und

**Rn. 47**

dadurch zu Fall gekommen. Auch der Zeuge G

**Rn. 48**

habe das sich in den Einmündungsbereich hineintastende

**Rn. 49**

Fahrzeug der Zeugin X nicht früher erkennen kön-

**Rn. 50**

nen, da ihm durch den Transporter jegliche Sicht nach

**Rn. 51**

rechts versperrt gewesen sei.

**Rn. 52**

Die Klägerin beantragt,

**Rn. 53**

1.

**Rn. 54**

den Beklagten zu verurteilen, an sie 5.171,25 €

**Rn. 55**

nebst 5 % Zinsen über dem Basiszins seit Rechtshän-

**Rn. 56**

gigkeit der Klage zu zahlen,

**Rn. 57**

2.

**Rn. 58**

festzustellen, dass der Beklagte verpflichtet ist,

**Rn. 59**

ihr 1/3 aller weiteren Entschädigungsbeträge zu er-

**Rn. 60**

statten, die diese verpflichtet ist, künftig in An-

**Rn. 61**

sehung des Verkehrsunfalls vom 12.10.2000 in H

**Rn. 62**

unter der eigenen Schadens-Nummer

**Rn. 63**

########################### an Dritte zu zahlen.

**Rn. 64**

Der Beklagte beantragt,

**Rn. 65**

die Klage abzuweisen

**Rn. 66**

Er vertritt die Auffassung, der Unfall sei einzig und

**Rn. 67**

allein auf die grobe Vorfahrtverletzung der Zeugin X

**Rn. 68**

zurückzuführen, die ihrer Wartepflicht in keiner

**Rn. 69**

Weise genügt habe. Auf jeden Fall würde eine etwaige

**Rn. 70**

Haftung des Beklagten gegenüber der groben Fahrlässig-

**Rn. 71**

keit der Pkw-Fahrerin zurücktreten.

**Rn. 72**

Wegen des weiteren Vorbringens der Parteien wird auf

**Rn. 73**

den Inhalt der gewechselten Schriftsätze nebst Anlagen

**Rn. 74**

Bezug genommen.

**Rn. 75**

Das Gericht hat Beweis erhoben durch Vernehmung der

**Rn. 76**

Zeugen X und G. Wegen der Einzelheiten

**Rn. 77**

wird auf die Sitzungsniederschrift vom 24.06.2002 Bezug

**Rn. 78**

genommen.

## Entscheidungsgründe

**Rn. 80**

Die Klage ist nicht begründet.

**Rn. 81**

Der Klägerin stehen weder aus gemäß § 67 WG überge-

**Rn. 82**

gangenem Recht des Zeugen G noch aus einem

**Rn. 83**

eigenen Ausgleichsanspruch die geltend gemachten An-

**Rn. 84**

sprüche gegen den Beklagten zu. Der Beklagte hat ledig-

**Rn. 85**

lich für die Betriebsgefahr des parkenden Transporters

**Rn. 86**

einzustehen, die Abwägung ergibt, dass die Zeugin X

**Rn. 87**

für den Unfall allein haftet.

**Rn. 88**

Richtig ist allerdings, dass der Transporter sich im

**Rn. 89**

Betrieb im Sinne von § 7 Abs. 1 StVG befand, als er

**Rn. 90**

teils auf dem Schutzstreifen für Radfahrer, teils auf

**Rn. 91**

dem Gehweg in einem Abstand von 5, 1 m vom Schnittpunkt

**Rn. 92**

der Fahrbahnkanten parkte. Denn das Fahrzeug befand

**Rn. 93**

sich im Verkehr und wirkte auf diesen ein (vgl.

**Rn. 94**

OLG Frankfurt VersR 74, 440), was durch die Aussage des

**Rn. 95**

Zeugen G eindrucksvoll bestätigt wird. Dieser

**Rn. 96**

sah sich nämlich bei der Vorbeifahrt durch das parkende

**Rn. 97**

Fahrzeug veranlaßt, zur Mitte der Fahrbahn hin auszu-

**Rn. 98**

weichen. Der Zeuge G hat auch bei dem Betrieb

**Rn. 99**

des Transporters einen Schaden erlitten, denn ein inne-

**Rn. 100**

rer unmittelbarer Zusammenhang (vgl. OLG Frankfurt

**Rn. 101**

a. 0.) zwischen dem Parken des Transporters und der

**Rn. 102**

Fahrweise des Zeugen G ist festzustellen.

**Rn. 103**

Dieser sah sich veranlaßt, seinen Fahrweg zu verlagern.

**Rn. 104**

Die Ersatzpflicht der Beklagten ist auch nicht gemäß

**Rn. 105**

§ 7 Abs. 2 StVG ausgeschlossen, denn der Zeuge T

**Rn. 106**

hat, wie unten noch darzustellen sein wird, das Fahr-

**Rn. 107**

zeug verbotswidrig geparkt.

**Rn. 108**

Wird ein Schaden durch mehrere Kraftfahrzeuge verur-

**Rn. 109**

sacht und sind die beteiligten Fahrzeughalter einem

**Rn. 110**

Dritten kraft Gesetzes zum Ersatz des Schadens ver-

**Rn. 111**

pflichtet, so hängt im Verhältnis der Fahrzeughalter

**Rn. 112**

zueinander die Verpflichtung zum Ersatz sowie der Um-

**Rn. 113**

fang des zu leistenden Ersatzes von den Umständen, ins-

**Rn. 114**

besondere davon ab, inwieweit der Schaden vorwiegend

**Rn. 115**

von dem einen oder dem anderen Teil verursacht worden

**Rn. 116**

ist - § 17 Abs. 1 S. 1 StVG. Die Abwägung ergibt, dass

**Rn. 117**

die Klägerin für den Unfall allein haftet.

**Rn. 118**

Der Zeuge T hat durch das Parken den Unfall des

**Rn. 119**

Zeugen G nicht zurechenbar schuldhaft verur-

**Rn. 120**

sacht. Der Zeuge T hat zwar gegen das Verbot, auf

**Rn. 121**

Gehwegen zu Parken, verstoßen, da eine Erlaubnis gemäß

**Rn. 122**

§ 42 Abs. 4 zu Vz. 315 StVO oder eine Parkflächen-

**Rn. 123**

markierung gemäß § 41 Abs. 3 Nr. 7 StVO nicht vorlagen.

**Rn. 124**

Ebenso war es verboten, auf dem Schutzstreifen für Rad-

**Rn. 125**

fahrer gemäß § 42 Abs. 6 Nr. 1 g StVO zu parken. Das

**Rn. 126**

Verbot des Parkens auf Gehwegen oder Schutzstreifen für

**Rn. 127**

Radfahrer schützt jedoch nur die jeweils berechtigten

**Rn. 128**

Verkehrsteilnehmer, das sind die Fußgänger für den Geh-

**Rn. 129**

weg und die Radfahrer bzw. sonstigen berechtigten Ver-

**Rn. 130**

kehrsteilnehmer auf dem Schutzstreifen. Das Parkverbot

**Rn. 131**

schützt nicht den Verkehr auf der neben dem Gehweg bzw.

**Rn. 132**

dem Schutzstreifen verlaufenden Fahrbahn.

**Rn. 133**

Dieser Verkehr auf der Fahrbahn wird allein durch die

**Rn. 134**

Vorschrift des § 12 Abs. 3 Nr. 1 StVO geschützt. Danach

**Rn. 135**

ist das Parken unzulässig vor Einmündungen bis zu 5 m

**Rn. 136**

von dem Schnittpunkt der Fahrbahnkanten aus gerechnet.

**Rn. 137**

Wird in diesem Schutzbereich sichtbehindernd geparkt,

**Rn. 138**

kommt eine Mithaftung des verbotswidrig Parkenden in

**Rn. 139**

Betracht (vgl. OLG Frankfurt a. a. 0.; OLG Karlsruhe

**Rn. 140**

NZV 92, 408; LG Mainz Zfs 95, 168; OLG Köln DAR 91,

**Rn. 141**

146, Letzteres zu dem Parkverbot nach § 12 Abs. 1 Nr. 7

**Rn. 142**

StVO). Gegen diese den Verkehr auf der Fahrbahn

**Rn. 143**

schützende Vorschrift des § 12 Abs. 3 Nr. 1 StVO hat

**Rn. 144**

der Zeuge T nicht verstoßen. Nach der eindeutigen

**Rn. 145**

polizeilichen Unfallskizze betrug der Abstand der Fahr-

**Rn. 146**

zeugvorderkante zum Schnittpunkt der Fahrbahnkanten

**Rn. 147**

5,10 m.

**Rn. 148**

Bei der Abwägung gemäß § 17 StVG ist somit auf Seiten

**Rn. 149**

des Zeugen T allein die Betriebsgefahr des par-

**Rn. 150**

kenden Fahrzeugs zu berücksichtigen, die sich in der

**Rn. 151**

sichtbehindernden Größe des Fahrzeugs auswirkt.

**Rn. 152**

Dieser Betriebsgefahr steht auf Seiten der Klägerin ein

**Rn. 153**

erhebliches Verschulden der Pkw-Fahrerin gegenüber. Die

**Rn. 154**

Beweisaufnahme hat zur Überzeugung des Gerichts erge-

**Rn. 155**

ben, dass die Zeugin X unaufmerksam war, indem sie

**Rn. 156**

trotz bestehender, wenn auch eingeschränkter Sichtmög-

**Rn. 157**

lichkeiten nach links den Zeugen G vor der

**Rn. 158**

Kollision gar nicht wahrgenommen hat. Die Zeugin hat

**Rn. 159**

vor der Kammer bestätigt, dass der Roller auf einmal

**Rn. 160**

vor ihr gewesen sei. Sie habe ihn in seiner Fahrt gar

**Rn. 161**

nicht gesehen. Dabei beruft sich die Zeugin nicht

**Rn. 162**

darauf, dass sie keinerlei Einsichtsmöglichkeiten nach

**Rn. 163**

links gehabt hätte. Sie hielt die Einsichtsmöglichkei-

**Rn. 164**

ten aufgrund des Transporters des Zeugen T und

**Rn. 165**

einer weit im Hintergrund befindlichen Kurve der Straße

**Rn. 166**

lediglich für eingeschränkt. Hiernach ergibt sich, dass

**Rn. 167**

die Zeugin sich in die vorfahrtberechtigte Straße hin-

**Rn. 168**

eingetastet hat, ohne die bestehenden Sichtmöglichkei-

**Rn. 169**

ten nach links auszunutzen. Dass sie den Zeugen erst im

**Rn. 170**

Zeitpunkt der Kollision wahrnahm, erweist, dass sie

**Rn. 171**

ohne die erforderliche Aufmerksamkeit nach links den

**Rn. 172**

Abbiegevorgang eingeleitet hat. Auch der Zeuge G

**Rn. 173**

bestätigt, dass, wenn auch eingeschränkt, eine

**Rn. 174**

Sichtmöglichkeit nach links bestand. Zum einen sah sich

**Rn. 175**

der Zeuge durch den parkenden Pkw veranlaßt, zur Fahr-

**Rn. 176**

bahnmitte auszuweichen. Diese Verlagerung des Fahrweges

**Rn. 177**

vergrößerte die Sichtmöglichkeit der Pkw-Fahrerin. Zum

**Rn. 178**

anderen hat der Zeuge G den Pkw in der Annä-

**Rn. 179**

herung gesehen. Bei gehöriger, nämlich nach links aus-

**Rn. 180**

gerichteter Aufmerksamkeit wäre dies der Zeugin X

**Rn. 181**

auch möglich gewesen. Bei der Abwägung dieser Faktoren

**Rn. 182**

ergibt sich, dass die bloße Betriebsgefahr des Trans-

**Rn. 183**

porters gegenüber dem Verschulden der Pkw-Fahrerin zu-

**Rn. 184**

rücktritt. Die Klägerin haftet daher für den Unfall

**Rn. 185**

allein.

**Rn. 186**

Die Kostenentscheidung folgt aus § 91 ZPO, die weitere

**Rn. 187**

Nebenentscheidung aus §§ 708, 711 ZPO.

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Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Urteil vom 24.06.2002 – 21 O 35/02, ECLI:DE:LGDO:2002:0624.21O35.02.00

Quelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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Nicht-amtliche Fassung — maßgeblich ist die Ausfertigung des Gerichts

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