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# Landgericht Dortmund, Beschluss vom 22.10.2001 – 20 AktE 15/99

ECLI:DE:LGDO:2001:1022.20AKTE15.99.00

## Tenor

Der Antrag wird zurückgewiesen.

Die Gerichts- und die außergerichtlichen

Kosten werden der Antragstellerin auferlegt.

## Gründe

**Rn. 2**

l.

**Rn. 3**

Am 09.02.1999 beschloss die W in ihrer

**Rn. 4**

Hauptversammlung die Verschmelzung auf die E.

**Rn. 5**

Diese hat ihre Firmierung in E2 (Antragsgegnerin) geändert.

**Rn. 6**

Der Verschmelzung war im Sommer 1998 eine im Auftrag

**Rn. 7**

des Bundesaufsichtsamts für das Kreditwesen durchge-

**Rn. 8**

führte Prüfung des Geschäftsbetriebs gemäß § 44 Abs. l

**Rn. 9**

KWG vorausgegangen. Die beauftragte Prüfungsgesell-

**Rn. 10**

schaft hatte festgestellt, dass nach dem Zwischenstand

**Rn. 11**

der Prüfung der Bestand der W gefährdet war.

**Rn. 12**

Das Bundesaufsichtsamt kündigte daraufhin an, kurzfri-

**Rn. 13**

stige Maßnahmen gemäß §§46 a, 46b KWG einzuleiten und

**Rn. 14**

ordnete mit Schreiben vom 30. Juli 1998 ein Kreditver-

**Rn. 15**

bot gemäß § 46 Abs. l KWG sowie die Bestellung einer

**Rn. 16**

Aufsichtsperson an.

**Rn. 17**

Durch diese vom Bundesaufsichtsamt erwogene Maßnahmen

**Rn. 18**

drohte der W die völlige Einstellung des Ge-

**Rn. 19**

schäftsbetriebes. Das Bundesaufsichtsamt erklärte sich

**Rn. 20**

jedoch bereit, von den erwogenen Maßnahmen abzusehen,

**Rn. 21**

wenn eine unbedingte und unbefristete Garantieerklärung

**Rn. 22**

in bilanzwirksamer Form abgegeben würde.

**Rn. 23**

Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raif-

**Rn. 24**

feisenbanken BVR war bereit, eine solche Erklärung ab-

**Rn. 25**

zugeben, um das schon seit längerer Zeit verfolgte Ziel

**Rn. 26**

der Fusion beider Institute nicht zu gefährden. Diese

**Rn. 27**

Zusagen und die dafür vorgesehenen Deckungsmittel waren

**Rn. 28**

Bestandteil eines Konzepts zur Fortführung der Geschäf-

**Rn. 29**

te sowie der Kundenbeziehungen in einer organisatorisch

**Rn. 30**

und wirtschaftlich auf die Verhältnisse der Bank und

**Rn. 31**

die regionale genossenschaftliche Bankenstruktur abge-

**Rn. 32**

stimmten Fassung.

**Rn. 33**

Im Vorfeld der Verschmelzung erstattete die D

**Rn. 34**

ein Gutachten über den Wert der W-

**Rn. 35**

Aktien. Die Gutachter sind zu dem Ergebnis gekom-

**Rn. 36**

men, dass der Wert einer Aktie im Nennwert von

**Rn. 37**

50,00 DM = 0,00 DM sei.

**Rn. 38**

Gleichwohl bot die Antragsgegnerin den durch Verschmel-

**Rn. 39**

zung aussteigenden Aktionären der W

**Rn. 40**

Geschäftsanteile an ihr und/oder eine "Vergütung" je

**Rn. 41**

Aktie von mindestens 50,00 DM je Aktie. Darüber hinaus

**Rn. 42**

erhielt jeder Aktionär, der Mitglied der Genossenschaft

**Rn. 43**

wurde, einen bedingten Zahlungsanspruch aus der zwi-

**Rn. 44**

schen der E und dem BVR damals noch abzuschließenden Besserungsabrede.

**Rn. 45**

Wegen der weiteren Einzelheiten wird auf § 3 des Ver-

**Rn. 46**

schmelzungsvertrages vom 02 .10 ./ 20 .10 .1998 verwiesen.

**Rn. 47**

Die Antragstellerin hält das Angebot für unzureichend

**Rn. 48**

und beantragt,

**Rn. 49**

eine gerichtliche Festsetzung eines höheren Aus-

**Rn. 50**

gleiches durch bare Zuzahlung und gerichtliche

**Rn. 51**

Nachprüfung der Abfindung.

**Rn. 52**

Mit Verfügung vom 21.09.2000 hat das Gericht ihr aufge-

**Rn. 53**

geben, konkrete Einwendungen gegen die Gutachten vorzu-

**Rn. 54**

bringen. Sie hat sich zunächst - teils in leicht pole-

**Rn. 55**

mischer Form - gegen die Richtigkeit des Verschmel-

**Rn. 56**

zungsprüfungsberichts der Firma L gewandt. Sie hat

**Rn. 57**

auf einzelne Punkte hingewiesen, aus der sich ihrer An-

**Rn. 58**

sicht nach Widersprüchlichkeiten ergäben und bemängelt,

**Rn. 59**

dass ihr das dem Verschmelzungsbericht zugrunde liegen-

**Rn. 60**

de Gutachten von D nicht vorgelegen habe.

**Rn. 61**

Diese Unterlagen sind ihr sodann zugesandt worden. Mit

**Rn. 62**

Schreiben vom 25.02.2001 bemängelte sie, dass ihr eine

**Rn. 63**

Stellungnahme zu diesem Gutachten nicht möglich sei,

**Rn. 64**

bevor ihr nicht die seit der Verschmelzung erstellten

**Rn. 65**

Jahresabschlüsse vorgelegt würden. Sie hat deswegen

**Rn. 66**

ausdrücklich beantragt,

**Rn. 67**

der Antragsgegnerin nach § 12 FGG aufzugeben,

**Rn. 68**

die seit der Verschmelzung erstellten Jahresab-

**Rn. 69**

schlüsse im Volltext vorzulegen.

**Rn. 70**

Sie rügt weiter, dass die Gutachter keine Bewertung der

**Rn. 71**

Antragsgegnerin vorgenommen hätten. Insoweit könne eine

**Rn. 72**

Verschmelzungsrelation nicht vorgenommen werden. Sie

**Rn. 73**

beantragt deshalb,

**Rn. 74**

der Antragsgegnerin ebenfalls aufzugeben, auch

**Rn. 75**

bezüglich dieses Bewertungsobjektes Bewertungs-

**Rn. 76**

unterlagen verfügbar zu machen.

**Rn. 77**

Der gemeinsame Vertreter der außenstehenden Aktionäre

**Rn. 78**

weist in seiner Stellungnahme darauf hin, dass die Ver-

**Rn. 79**

schmelzung-Hauptversammlung seinerzeit Anlass hatte,

**Rn. 80**

ein Sonderprüfer gemäß § 142 Abs. 1 AktG zu bestellen.

**Rn. 81**

Die Sonderprüfung hat jedoch nie stattgefunden.

**Rn. 82**

Der Vertreter der außenstehenden Aktionäre meint, dass

**Rn. 83**

möglicherweise Regressansprüche gegen den Vorstand und

**Rn. 84**

Aufsichtsrat bestehen könnten, die bilanziert hätten

**Rn. 85**

werden und deshalb in den Unternehmenswert hätten ein-

**Rn. 86**

gerechnet werden müssen. Auffallend sei auch, dass die

**Rn. 87**

Antragsgegenerin selbst zum 30.06.1998 die in ihrem eigenen

**Rn. 88**

Bestand befindlichen eigenen Aktien mit einem Betrag

**Rn. 89**

von 330,00 DM pro Aktie bewertet hätten, die Aktien

**Rn. 90**

dann jedoch auf ein Erinnerungsbuchwert von 1,00 DM ab-

**Rn. 91**

geschrieben hätte.

**Rn. 92**

Die Antragsgegnerin verweigert die Herausgabe der von

**Rn. 93**

der Antragstellerin geforderten Unterlagen. Sie hält

**Rn. 94**

das von ihr angebotene Abfindungsangebot für angemes-

**Rn. 95**

sen.

**Rn. 96**

II.

**Rn. 97**

1.

**Rn. 98**

Gegen die Zulässigkeit des Antrages bestehen keine Be-

**Rn. 99**

denken .

**Rn. 100**

2.

**Rn. 101**

Die Antragstellerin hat keinen Anspruch auf eine Ver-

**Rn. 102**

besserung des Umtauschverhältnisses (§§ 2 Nr. l, 15,

**Rn. 103**

305 UmwG).

**Rn. 104**

a)

**Rn. 105**

Dem Antrag der Antragstellerin, der Antragsgegnerin

**Rn. 106**

aufzugeben, die Jahresabschlüsse nach der Verschmelzung

**Rn. 107**

bekanntzugeben, brauchte nicht nachgegangen zu werden.

**Rn. 108**

Ganz allgemein besteht im Spruchstellenverfahren nur

**Rn. 109**

ein eingeschränkter Anspruch der Beteiligten auf Ein-

**Rn. 110**

sicht in die Geschäftsunterlagen der beteiligten Ge-

**Rn. 111**

sellschaften. Ein Einsichtsrecht der Aktionäre in die

**Rn. 112**

Geschäftsunterlagen der Gesellschaft ist dann auch nur

**Rn. 113**

unter besonderen Umständen gegeben, soweit nicht die

**Rn. 114**

Vorschriften des Aktien- oder Umwandlungsgesetzes ein

**Rn. 115**

Auskunftsanspruch ausdrücklich regelt (vgl. OLG Düssel-

**Rn. 116**

dorf, AG 1999, 90).

**Rn. 117**

Darüber hinaus ist vorliegend zu beachten, dass für die

**Rn. 118**

Bewertung der Bewertungsstichtag maßgebend ist. Die da-

**Rn. 119**

nach eingetretene tatsächliche Entwicklung kann zwar

**Rn. 120**

unter Umständen zur "Verprobung" oder

**Rn. 121**

"Plausibilitätsprüfung" herangezogen werden. Im vorlie-

**Rn. 122**

genden Falle ist dies jedoch schon deshalb nicht mög-

**Rn. 123**

lich, weil die W mit der Verschmelzung

**Rn. 124**

untergegangen ist und - wie die Antragsgegnerin zu

**Rn. 125**

Recht meint - die nach der Verschmelzung gemachten Ab-

**Rn. 126**

schlüsse schon wegen der Synergieeffekte keine Rück-

**Rn. 127**

schlüsse auf die Bewertung der übernommenen Gesell-

**Rn. 128**

schaft zulassen.

**Rn. 129**

b)

**Rn. 130**

Das Gericht hält den von den Gutachtern D

**Rn. 131**

ermittelten Unternehmenswert der W für zu-

**Rn. 132**

treffend und infolgedessen das Angebot der Antragsgeg-

**Rn. 133**

nerin für angemessen.

**Rn. 134**

Nach §§ 12, 305 UmwG ist für die angemessene Abfindung

**Rn. 135**

die Vermögens- und Ertragslage der Gesellschaft im

**Rn. 136**

Zeitpunkt der Beschlussfassung ihrer Hauptversammlung

**Rn. 137**

zu berücksichtigen. Die Gutachter haben - wie auch der

**Rn. 138**

Verschmelzungsprüfungsbericht bestätigt hat - die Er-

**Rn. 139**

mittlung des Umtauschverhältnisses nach den anerkannten

**Rn. 140**

Bewertungsgrundsätzen und -methoden ausgeführt, die

**Rn. 141**

heute in der Theorie und Praxis der Unternehmensbewer-

**Rn. 142**

tung als gesichert gelten. Nach Ansicht der Kammer ha-

**Rn. 143**

ben die Sachverständigen die AG umfassend, vollständig

**Rn. 144**

und nachvollziehbar - gestützt auf Zahlenmaterial - be-

**Rn. 145**

wertet. Es war nicht Sache des Gerichts, die von den

**Rn. 146**

Sachverständigen zugrunde gelegten Einzelpositionen zu

**Rn. 147**

überprüfen oder sich Unterlagen und Belege zu bestimm-

**Rn. 148**

ten Feststellungen vorlegen zu lassen. Insoweit hat

**Rn. 149**

sich das Gericht - abgesehen von den konkreten Einwen-

**Rn. 150**

dungen der Antragstellerin, auf die noch einzugehen

**Rn. 151**

sein wird - im Wesentlichen darauf beschränkt, die

**Rn. 152**

aufgrund der angegebenen Zahlen gemachten Folgerungen

**Rn. 153**

zu überprüfen. Insoweit ergaben sich keine Zweifel an

**Rn. 154**

der Richtigkeit des Gutachtens.

**Rn. 155**

Soweit die Antragstellerin allgemeines Misstrauen gegen

**Rn. 156**

die Verschmelzungsprüferin und die Gutachter zum Aus-

**Rn. 157**

druck bringt, weil diese in fast allen Wirtschaftsprü-

**Rn. 158**

fungsskandale der letzten Jahre verwickelt seien, ge-

**Rn. 159**

nügt dies einer seriösen Auseinandersetzung mit den

**Rn. 160**

Gutachten nicht. Wenn die Antragstellerin für sich in

**Rn. 161**

Anspruch nimmt, diesen Gutachtern nicht glauben zu kön-

**Rn. 162**

nen, was nicht zahlenmäßig nachvollzogen werden könne

**Rn. 163**

und wenn sie von" Geheimgutachten" der Firmen D

**Rn. 164**

spricht, so sind dies nur polemische Angriffe ohne sub-

**Rn. 165**

stantiellen Gehalt. Die Kammer verkennt zwar nicht,

**Rn. 166**

dass nach § 12 FGG der Grundsatz der Amtsermittlung

**Rn. 167**

gilt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass das Gericht nun-

**Rn. 168**

mehr gehalten sei, aufgrund solcher pauschaler Angriffe

**Rn. 169**

das Gutachten in allen Einzelheiten nachzuprüfen, so-

**Rn. 170**

weit es davon überzeugt ist, dass die Sachverständigen

**Rn. 171**

die entscheidenden Fragen einleuchtend und überzeugend

**Rn. 172**

nachvollziehbar richtig beantwortet haben. Darüber hin-

**Rn. 173**

aus wäre es Aufgabe der Antragstellerin gewesen, kon-

**Rn. 174**

krete Einwendungen gegen die Richtigkeit bestimmter

**Rn. 175**

Aussagen vorzubringen. Das Gericht ist davon überzeugt,

**Rn. 176**

dass die Antragstellerin - insbesondere vertreten durch

**Rn. 177**

ihren aus anderen Verfahren bekannten Vorstand - inso-

**Rn. 178**

weit über ausreichende Sachkenntnis verfügt. Außerdem

**Rn. 179**

hätte sie sich des Rechtsrats dritter Personen bedienen

**Rn. 180**

können. Das mag unter Umständen im konkreten Fall mit

**Rn. 181**

nicht kostendeckenden Auslagen verbunden gewesen sein.

**Rn. 182**

Als eine Beteiligungs- und Grundstücksverwaltungs AG,

**Rn. 183**

die bekanntermaßen sich rege an Spruchstellenverfahren

**Rn. 184**

beteiligt, wäre ihr eine solche finanzielle Belastung

**Rn. 185**

im Rahmen einer "Mischkalkulation" durchaus zuzumuten.

**Rn. 186**

Jedenfalls ist es nicht Sinn eines Spruchstellenverfah-

**Rn. 187**

rens, kostenlos ein Gutachten in allen Details überprü-

**Rn. 188**

fen zu lassen, ohne konkrete Anhaltspunkte für dessen

**Rn. 189**

Unrichtigkeit auch nur anzudeuten.

**Rn. 190**

Soweit der Antragstellerin allerdings konkrete Vorwürfe

**Rn. 191**

gegen die Richtigkeit des Gutachtens erhoben hat, hat

**Rn. 192**

das Gericht diese - auch soweit sie bereits vor Ein-

**Rn. 193**

sicht der Antragstellerin in das Gutachten D

**Rn. 194**

erfolgt sind - im Einzelnen nachgeprüft. Sie geben je-

**Rn. 195**

doch keinen Anlass, an der gutachterlichen Bewertung zu

**Rn. 196**

zweifeln. Dies ergibt sich aus den nachfolgenden Erwä-

**Rn. 197**

gungen :

**Rn. 198**

3.

**Rn. 199**

a)

**Rn. 200**

Die Antragstellerin weist darauf hin, dass nach dem

**Rn. 201**

Gutachten die W ein haftendes Eigenka-

**Rn. 202**

pital für 1998 in Höhe von 34,7 Mio DM benötige und zum

**Rn. 203**

30. Juni 2000 ein Fehlbetrag von 34,9 Mio DM bestehen

**Rn. 204**

solle. Hieraus hätten die Gutachten errechnet, dass zur

**Rn. 205**

Erfüllung der bankaufsichtsrechtlichen Maßnahmen vom

**Rn. 206**

30. Juni 1998, also DM 66,67 Mio fehlten. DM 34,9 Mio +

**Rn. 207**

34,9 Mio ergeben aber - insoweit ist der Antragstelle-

**Rn. 208**

rin zuzustimmen - DM 69,6 Mio. Hierbei hat sie jedoch

**Rn. 209**

übersehen, dass die Gutachter (Blatt 21 des Gutachtens)

**Rn. 210**

berücksichtigt haben, dass von den erforderlichen Be-

**Rn. 211**

trägen DM 3,0 Mio durch nachrangige Verbindlichkeiten

**Rn. 212**

erbracht wurden und der noch erforderliche Betrag an

**Rn. 213**

haftenden Kapital so entsprechend verringerte.

**Rn. 214**

b)

**Rn. 215**

Die Antragstellerin bemängelt, dass die Tochtergesell-

**Rn. 216**

schaften - mit Ausnahme der F - nicht bewertet

**Rn. 217**

worden seien, obgleich allein die Firma H Gesell-

**Rn. 218**

schaft für Grundbesitzhandel AG per 31.12.1997 über ein

**Rn. 219**

Eigenkapital von mehr als DM 10 Mio verfügt habe.

**Rn. 220**

Dieser Vorwurf gegen den Verschmelzungsprüfungsbericht

**Rn. 221**

der L ist ungerechtfertigt, da sich die Gutachter

**Rn. 222**

D ausführlich mit der Bewertung der Toch-

**Rn. 223**

terunternehmen auseinandergesetzt haben. Die Antrag-

**Rn. 224**

stellerin ist nach diesem allgemeinen Angriff das Gut-

**Rn. 225**

achten von D zur Verfügung gestellt wor-

**Rn. 226**

den. Konkrete Angriffe gegen die von diesen auf Seite

**Rn. 227**

10 ff, 22 ff, Ausführungen zu den Tochterfirmen sind nicht er-

**Rn. 228**

folgt.

**Rn. 229**

c)

**Rn. 230**

Die Antragstellerin hat vor Einblick in das Gutachten

**Rn. 231**

von D bemängelt, dass für sie die Ermitt-

**Rn. 232**

lung des Unternehmenwerts in Höhe von 0,00 DM für die

**Rn. 233**

AG nicht nachvollziehbar sei. Nach Erhalt des Gutachtens

**Rn. 234**

hat sie diesen Vorwurf nicht wiederholt. Das Gericht

**Rn. 235**

hat unabhängig von diesem Vorwurf das Gutachten - wie

**Rn. 236**

bereits oben ausgeführt - als vollständig nachvollzieh-

**Rn. 237**

bar und zutreffend beurteilt. Die Sachverständigen sind

**Rn. 238**

nach der von der Rechtsprechung anerkannten Methode der

**Rn. 239**

Ertragswertberechnung - bezogen auf den Bewertungs-

**Rn. 240**

stichtag - ausgegangen. Sie haben nachvollziehbar dar-

**Rn. 241**

gestellt, dass die AG nicht mehr in der Lage war, aus

**Rn. 242**

eigener Kraft positive Ergebnisse zu erzielen, sondern

**Rn. 243**

dass sie vielmehr im Referenzzeitraum 1994 bis 1997

**Rn. 244**

und im 1.Halbjahr 1998 durch die sehr hohen Aufwendun-

**Rn. 245**

gen und unter Berücksichtigung der Risiken aus dem Kre-

**Rn. 246**

ditgeschäft gezwungen war, die vorhandenen stillen Re-

**Rn. 247**

serven im Grundvermögen in 1995 zum Ausgleich von Ver-

**Rn. 248**

lusten aus dem Jahr 1994 einzusetzen, und dass das zum

**Rn. 249**

30.06.1998 das bilanzielle Eigenkapital vollständig

**Rn. 250**

aufgezehrt war und daher darüber hinaus ein nicht durch

**Rn. 251**

Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag vorlag und schließ-

**Rn. 252**

lich damit das bankenaufsichtsrechtliche erforderliche

**Rn. 253**

haftende Eigenkapital nicht mehr vorhanden war, sondern

**Rn. 254**

ein Fehlbetrag, der über dem nicht durch Eigenkapital

**Rn. 255**

gedeckten Fehlbetrag lag. Der Vorwurf, dass bei der Be-

**Rn. 256**

wertung Zuschüsse von 60 Mio DM durch Garantien der BVR

**Rn. 257**

nicht berücksichtigt worden seien, geht fehl, da die

**Rn. 258**

Gutachter zu Recht ausgeführt haben, dass auch bei Be-

**Rn. 259**

rücksichtigung dieser Garantien sich das für 1998 nega-

**Rn. 260**

tive Ergebnis von über 60 Mio DM immer noch im negati-

**Rn. 261**

ven Bereich bewegt (Blatt 33 des Gutachtens). Im Übri-

**Rn. 262**

gen sieht das Abfindungsangebot insoweit eine

**Rn. 263**

"Besserungskiausel" vor.

**Rn. 264**

d)

**Rn. 265**

Ebenso unbeachtlich ist der Vorwurf, die bis zum

**Rn. 266**

31.12.1997 bestehenden Verlustvorträge seien nicht bei

**Rn. 267**

der Ableitung des Unternehmenswerts berücksichtigt wor-

**Rn. 268**

den. Hier haben die Gutachter zutreffend dargelegt,

**Rn. 269**

dass die Bank aus eigener Kraft überhaupt nicht in der

**Rn. 270**

Lage gewesen sei, die gewerbesteuerlichen und körper-

**Rn. 271**

schaftsteuerlichen Verlustevorträge zu nutzen.

**Rn. 272**

e)

**Rn. 273**

Der Antragstellerin ist zuzustimmen, dass grundsätzlich

**Rn. 274**

auch behauptete Schadensersatzansprüche in die Unter-

**Rn. 275**

nehmesbewertung einzubeziehen sind. Grundsätzlich sind

**Rn. 276**

Forderungen - ebenso wie Verbindlichkeiten - bei der

**Rn. 277**

Bewertung zu berücksichtigen, weil sie zum Vermögen ge-

**Rn. 278**

hören. Dabei kann bei Bonität der Forderung eine Wert-

**Rn. 279**

berichtigung erfolgen. Dass eine Forderung eingeklagt

**Rn. 280**

werden muss und dass das Klageverfahren noch nicht ein-

**Rn. 281**

geleitet oder noch nicht abgeschlossen ist, kann keinen

**Rn. 282**

Grund darstellen, sie als Wert völlig zu vernachlässi-

**Rn. 283**

gen, weil dadurch die ausgeschlossenen Aktionäre be-

**Rn. 284**

nachteiligt würden. Dies gilt für Schadensersatzansprü-

**Rn. 285**

che jeglicher Art (OLG Düsseldorf AG 1991, 107 f.). al-

**Rn. 286**

so auch für die hier offenbar angesprochenen Ansprüche

**Rn. 287**

aus §§ 93, 117 AktG, 823 Abs. 2 BGB i.V.m. § 266 StGB.

**Rn. 288**

Voraussetzung ist allerdings, dass sich solche Forde-

**Rn. 289**

rungen mit hinreichender Sicherheit im Spruchstellen-

**Rn. 290**

verfahren feststellen lassen und sie damit dem Vermögen

**Rn. 291**

der Gesellschaft zurechenbar sind (OLG Düsseldorf,

**Rn. 292**

a.a.O.). Vorliegend ist für das Gericht jedoch nicht

**Rn. 293**

ersichtlich, weshalb und in welcher Höhe Schadenser-

**Rn. 294**

satzsansprüche bestehen könnten. Dass von der Hauptver-

**Rn. 295**

sammlung eine Sonderprüfung beschlossen worden ist,

**Rn. 296**

reicht hierfür nicht aus, weil diese bisher nicht

**Rn. 297**

durchgeführt worden ist und auch offensichtlich auch

**Rn. 298**

nicht mehr durchgeführt werden soll. Es kann daher da-

**Rn. 299**

von ausgegangen werden, dass realistische oder auch nur

**Rn. 300**

zu einem kleinen Teil zu realisierende Schadensersatz-

**Rn. 301**

forderungen nicht bestehen, zumal sie bisher auch noch

**Rn. 302**

nicht geltend gemacht worden sind.

**Rn. 303**

g)

**Rn. 304**

Die Antragstellerin bemängelt, dass die Gutachter davon

**Rn. 305**

abgesehen hätten, den Liquidationswert zu ermitteln.

**Rn. 306**

Die Sachverständigen haben ausgeführt und dies ist auch vom

**Rn. 307**

Verschmelzungsprüfer bestätigt worden, dass ein Liqui-

**Rn. 308**

dationswert nicht darstellbar sei. Nach Auffassung des

**Rn. 309**

Gerichts ist hiermit gemeint, dass eine tatsächlich

**Rn. 310**

durchgeführte Liquidation zu keinem positiven Wert ge-

**Rn. 311**

führt hätte.

**Rn. 312**

Solange die Antragstellerin keinen konkreten Hinweise

**Rn. 313**

auf eine andere Beurteilung geben kann, hat das Ge-

**Rn. 314**

richt zunächst keine Veranlassung, hier weitere Nach-

**Rn. 315**

forschungen anzustellen.

**Rn. 316**

Abgesehen davon gilt Folgendes:

**Rn. 317**

Es ist zwar richtig, dass der Liquidationswert, d.h.

**Rn. 318**

die Summe der Einzelveräußerungspreise, im Regelfall

**Rn. 319**

die Untergrenze des Unternehmenswerts darstellt, selbst

**Rn. 320**

wenn tatsächlich keine Liquidation durchgeführt worden

**Rn. 321**

ist.

**Rn. 322**

Der BGH hat aber bereits für den Fall der Berechnung

**Rn. 323**

eines Pflichtteilanspruchs nach § 2311 BGB entschieden,

**Rn. 324**

dass der den Ertragswert übersteigenden Liquidations-

**Rn. 325**

wert eines Unternehmens dann nicht für die Anteilsbe-

**Rn. 326**

wertung herangezogen werden könne, wenn der verbleiben-

**Rn. 327**

de Gesellschafter dem Ausscheidenden gegenüber nicht

**Rn. 328**

zur Liquidation verpflichtet oder das Unternehmen nicht

**Rn. 329**

tatsächlich liquidationsreif sei (BGH, WM 1973, 307).

**Rn. 330**

Ob ein Unternehmen einen ertragslosen Betrieb liquidere

**Rn. 331**

oder weiterführe, unterliege seiner unternehmerischen

**Rn. 332**

Entscheidung. Diesen Gedanken hat das Oberlandesgericht

**Rn. 333**

Düsseldorf in seiner Entscheidung vom 22.01.1999 (AG

**Rn. 334**

1999, 325) aufgegriffen und - bezogen auf den dortigen

**Rn. 335**

Fall - ausgeführt, dass es gerechtfertigt sein dürfte,

**Rn. 336**

in jedem einzelnen Fall zu prüfen, ob der Ansatz des

**Rn. 337**

Liquidationswertes zu sachgerechten Ergebnissen führt.

**Rn. 338**

Eine denkbare Liquidation der W wäre sowohl

**Rn. 339**

volkswirtschaftlich als auch betriebswirtschaftlich un-

**Rn. 340**

sinnig und nicht gerechtfertigt. Der Wert einer Bank

**Rn. 341**

besteht weniger in verwertbaren Anlagenvermögen, son-

**Rn. 342**

dern vielmehr in einem bei einer Liquidation nicht ver-

**Rn. 343**

wertbaren Kundenstamm, der Tätigkeit im Kredit- und son-

**Rn. 344**

stigen Bankgeschäften und insbesondere in dem in sie

**Rn. 345**

gesetzte Vertrauen der Kunden. Eine sinnvollere Verwer-

**Rn. 346**

tung als die Übernahme durch ein anderes Unternehmen

**Rn. 347**

- wie vorliegend - wäre schon deshalb wirtschaftlich

**Rn. 348**

nicht vertretbar gewesen, zumal durch diese Fortführung

**Rn. 349**

die Garantiezusagen der BVR nicht erfolgt wären.

**Rn. 350**

h)

**Rn. 351**

Entgegen der Ansicht der Antragstellerin bedurfte es

**Rn. 352**

keiner Bewertung der Antragsgegnerin. Dies folgt dar-

**Rn. 353**

aus, dass der Unternehmenswert der W

**Rn. 354**

zutreffend mit 0,00 DM angesetzt worden ist und daher

**Rn. 355**

eine Umtauschrelation nicht ermittelt zu werden

**Rn. 356**

braucht.

**Rn. 357**

4.

**Rn. 358**

Auch der Hinweis des gemeinsamen Vertreters der außen-

**Rn. 359**

stehenden Aktionäre, dass die Antragsgegnerin die in

**Rn. 360**

ihrem eigenen Bestand befindlichen eigenen Aktien der

**Rn. 361**

AG mit einem Betrag von 330,00 DM pro Aktie zum

**Rn. 362**

30.06.1998 bewertet hätten und sie erst mit dem Bilanz-

**Rn. 363**

stichtag auf ein Erinnerungswert von 1,00 DM abge-

**Rn. 364**

schrieben hätte, berechtigt zu keinem vernünftigen

**Rn. 365**

Zweifel an der Richtigkeit des Gutachtens. Insoweit war

**Rn. 366**

der durch die Antragsgegnerin genommene Wertansatz

**Rn. 367**

zweifelsohne zu hoch. Dass sie dann auf den Wert von

**Rn. 368**

1,00 DM pro Aktie abgeschrieben wurde, ist die notwen-

**Rn. 369**

dige Konsequenz aus dem von dem Bundesaufsichtsamt für

**Rn. 370**

das Kreditwesen mit Schreiben vom 30. Juni 1998 ausge-

**Rn. 371**

sprochene Kreditverbot gemäß § 46 Abs. 1 KBG.

**Rn. 372**

III.

**Rn. 373**

Zusammenfassend ist daher das Gericht der Ansicht, dass

**Rn. 374**

das Gutachten der Sachverständigen D, das

**Rn. 375**

von der L als Verschmelzungsprüferin geprüft wor-

**Rn. 376**

den ist, zutreffend ist. Das Gericht ist ferner der An-

**Rn. 377**

sicht, dass sich die Antragstellerin nicht ernsthaft

**Rn. 378**

mit den Gutachten auseinandergesetzt hat. Soweit sie

**Rn. 379**

ansatzweise Bedenken konkretisiert hat, sind diese nach

**Rn. 380**

Ansicht des Gerichts nicht gerechtfertigt.

**Rn. 381**

Der Antrag auf eine höhere Festsetzung war daher zu-

**Rn. 382**

rückzuweisen.

**Rn. 383**

IV.

**Rn. 384**

Nach § 312 UmwG sind Schuldner der Kosten grundsätzlich

**Rn. 385**

die Übernehmenden oder neuen Rechtsträger. Die Kosten

**Rn. 386**

können jedoch ganz oder zum Teil einem anderen Betei-

**Rn. 387**

ligten auferlegt werden, wenn dies der Billigkeit ent-

**Rn. 388**

spricht .

**Rn. 389**

Das Gericht hält es für billig, die Gerichtskosten der

**Rn. 390**

Antragstellerin aufzuerlegen. Der Umstand, dass sich

**Rn. 391**

die Antragstellerin nicht ernsthaft mit dem Gutachten

**Rn. 392**

auseinandergesetzt hat und sie im Grunde lediglich eine

**Rn. 393**

kostenlose Überprüfung der Bewertungsgutachten errei-

**Rn. 394**

chen wollte, rechtfertigt diese Entscheidung. Es ist

**Rn. 395**

nicht Sinn des Spruchstellenverfahrens die kostenfreie

**Rn. 396**

Überprüfung offensichtlich erfolgloser oder mutwilliger

**Rn. 397**

Rechtsbehelfer zu fördern (OLG Düsseldorf, AG 1998,

**Rn. 398**

238).

**Rn. 399**

Für die Verteilung der außergerichtlichen Kosten war

**Rn. 400**

§ 13 a Abs. l Satz l FGG maßgebend, wonach das Gericht

**Rn. 401**

anordnen kann, dass die zur zweckentsprechenden Erledi-

**Rn. 402**

gung der Angelegenheit notwendigen Kosten der Antrag-

**Rn. 403**

stellerin ganz oder teilweise zu erstatten sind, wenn

**Rn. 404**

dies der Billigkeit entspricht. Entsprechend dem obigen

**Rn. 405**

Gedanken ist das Gericht der Ansicht, dass nach diesem

**Rn. 406**

Grundsatz die Antragstellerin auch verpflichtet ist,

**Rn. 407**

die außergerichtlichen Kosten der Antragsgegnerin zu

**Rn. 408**

tragen.

**Rn. 409**

Der gemeinsame Vertreter der außenstehenden Vertreter

**Rn. 410**

kann gemäß § 308 UmwG Ersatz der angemessenen baren

**Rn. 411**

Auslagen und eine Vergütung für seine Tätigkeit von dei

**Rn. 412**

Antragsgegnerin verlangen. Seine Auslagen und die Ver-

**Rn. 413**

gütung werden gesondert festgesetzt werden.

**Rn. 414**

v.

**Rn. 415**

Der Geschäftswert wird ebenfalls gesondert festgesetzt

**Rn. 416**

Insoweit wird die Antragstellerin zunächst angeben müssen,

**Rn. 417**

wieviel Aktien die W besessen hat.

---

Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Beschluss vom 22.10.2001 – 20 AktE 15/99, ECLI:DE:LGDO:2001:1022.20AKTE15.99.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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