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# Landgericht Dortmund, Urteil vom 01.08.2001 – 20 O 143/93

ECLI:DE:LGDO:2001:0801.20O143.93.00

## Tenor

Der Beklagte wird verurteilt, an die Klägerin

1.500.000,00 DM (i. W. einemillionfünfhundert-

tausend Deutsche Mark), nebst

9 5/8 (9,6250) % Zinsen vom 01.08.1991 bis

26.08.1991

9 3/4 (9,7500) % Zinsen vom 27.08.1991 bis

25.09.1991

9 7/8 (9,8750) % Zinsen vom 26.09.1991 bis

29.11.1991

9 11/16 (9,6875) % Zinsen vom 30.11.1991 bis

26.12.1991

10 9/16 (10,6525) % Zinsen vom 27.12.1991 bis

26.01.1992

10,5 % Zinsen vom 27.01.1992 bis 27.02.1992

10 1/8 (10,1250) % Zinsen vom 28.02.1992 bis

26.03.1992

10 5/16 (10,3125) % Zinsen vom 27.03.1992 bis

27.04.1992

10,25 % Zinsen vom 28.04.1992 bis 27.05.1992

10 3/16 (10,1875) % Zinsen vom 28.05.1992 bis

28.06.1992

10,25 % Zinsen vom 29.06.1992 bis 28.07.1992

10,55 % Zinsen vom 29.07.1992 bis 31.08.1992

10 3/8 (10,3750) % Zinsen vom 01.09.1992 bis

30.09.1992

9 3/8 (9,3750) % Zinsen vom 01.10.1992 bis

15.12.1992

9 5/16 (9,3125) % Zinsen vom 16.12.1992 bis

28.12.1992

4,0000 % Zinsen am 28.12.1992

8,0000 % Zinsen vom 30.12.1992 bis 05.01.1993

8,5625 % Zinsen vom 06.01.1993 bis 08.02.1993

8,2500 % Zinsen vom 09.02.1993 bis 08.04.1993

8,1000 % Zinsen vom 09.04.1993 bis 10.05.1993

7,6000 % Zinsen vom 11.05.1993 bis 31.05.1993

7,6250 % Zinsen vom 01.06.1993 bis 15.07.1993

7,2500 % Zinsen vom 16.07.1993 bis 29.07.1993

6,8750 % Zinsen vom 30.07.1993 bis 05.08.1993

6,5000 % Zinsen vom 06.08.1993 bis 19.09.1993

6,6875 % Zinsen vom 20.09.1993 bis 23.09.1993

6,7000 °s Zinsen vom 24.09.1993 bis 08.11.1993

4,0000 % Zinsen ab 09.11.1993 zu zahlen.

Die Kosten des Rechtsstreits fallen dem Beklag-

ten zur Last.

Das Urteil ist gegen Sicherheitsleistung in Höhe

von 2.000.000,00 DM vorläufig vollstreckbar.

## Tatbestand

**Rn. 2**

Die Klägerin verlangt von dem Beklagten, der früher

**Rn. 3**

Mitglied ihres Aufsichtsrats war, Schadensersatz in

**Rn. 4**

Höhe von 1,5 Mio. DM.

**Rn. 5**

Die Klägerin ist eine Aktiengesellschaft, welche zum

**Rn. 6**

damaligen Zeitpunkt mit einem Grundkapital in Höhe von

**Rn. 7**

127.000.000,00 DM ausgestattet war. 51 % der ausgegebe-

**Rn. 8**

nen Aktien erwarb im Jahre 1987 die J AG,

**Rn. 9**

die ihre Beteiligung an der Klägerin anschließend auf

**Rn. 10**

90 % aufstockte. J AG war eine 100 %ige

**Rn. 11**

Tochter der P AG (im Folgenden: P AG), deren

**Rn. 12**

beherrschender Gesellschafter der schweizer Geschäfts-

**Rn. 13**

mann S2 war.

**Rn. 14**

Die P AG unter Führung S2 widmete sich in erster Li-

**Rn. 15**

nie dem Erwerb von Unternehmen, die einige Jahre später

**Rn. 16**

gewinnbringend verkauft wurden. S2 war dabei sehr er-

**Rn. 17**

folgreich und erwarb sich ein entsprechend großes An-

**Rn. 18**

sehen in der Wirtschaft. Dieses Ansehen verhalf ihm zu

**Rn. 19**

einem starken Durchsetzungsvermögen im Aufsichtsrat der

**Rn. 20**

Klägerin, deren Vorsitzender er war.

**Rn. 21**

Der damalige Vorstand der Klägerin bestand aus den

**Rn. 22**

Herren T, I5 und I. I5 und

**Rn. 23**

I, die zuvor für die P AG tätig waren, wurden im

**Rn. 24**

November 1989 zu Vorstandsmitgliedern der Klägerin be-

**Rn. 25**

rufen, T gehörte dem Vorstand bereits seit

**Rn. 26**

1985 an. Die Kompetenzen des Vorstandes der Klägerin

**Rn. 27**

waren in ihrer Satzung geregelt. In § 10 der Satzung

**Rn. 28**

war ein Katalog von Geschäften genannt, zu deren Vor-

**Rn. 29**

nahme bei Überschreiten einer vom Aufsichtsrat festge-

**Rn. 30**

legten Wertgrenze der Vorstand der Zustimmung des Auf-

**Rn. 31**

sichtsrats bedürfen sollte, darunter auch der Gewährung

**Rn. 32**

von Darlehen. Wegen der Einzelheiten wird auf die Sat-

**Rn. 33**

zung in der Fassung vom 29.06.1990 verwiesen (K 15 rote

**Rn. 34**

Anlagenmappe).

**Rn. 35**

Der Vorsitzende des Aufsichtsrats war - wie bereits er-

**Rn. 36**

wähnt - S2, der auch hier ihm vertraute Person hinein-

**Rn. 37**

wählen ließ. Der Aufsichtsrat bestand aus 9 Personen;

**Rn. 38**

der Beklagte wurde am 29.06.1990 in den Aufsichtsrat

**Rn. 39**

berufen. Er war und blieb gleichzeitig Generaldirektor

**Rn. 40**

bei der P AG. Seine Stellung ergibt sich aus dem

**Rn. 41**

Organigramm vom 15. März 1990 (Anlage 0 in der Anlagen-

**Rn. 42**

mappe) . Der Beklagte war zuständig für die Administra-

**Rn. 43**

tion, der Zeuge S war ihm unterstellt. Die

**Rn. 44**

Administration umfasste u.a.:

**Rn. 45**

Rechnungswesen, Controlling/EDV/Operating.

**Rn. 46**

In dem Aufsichtsrat waren ferner die Zeugen L2,

**Rn. 47**

K, W.

**Rn. 48**

Der Aufsichtsrat hatte am 29.06.1990 (an dem Tage wurde

**Rn. 49**

der Beklagte in den Aufsichtsrat hineingewählt), am

**Rn. 50**

19.10.1990 und am 13.12.1990 sowie am 16.02.1991 ge-

**Rn. 51**

tagt. An diesen Sitzungen war jeweils der Beklagte an-

**Rn. 52**

wesend.

**Rn. 53**

Am 04.02.1991 gewährte die Klägerin - vertreten durch

**Rn. 54**

ihren Vorstand - der P AG ein Darlehen in Höhe von 15

**Rn. 55**

Mio. DM. Wegen dieses Darlehens sind die damaligen Vor-

**Rn. 56**

standsmitglieder durch Urteil des Landgerichts Dortmund

**Rn. 57**

vom 02.12.1993 zur Zahlung von Schadensersatz in Höhe

**Rn. 58**

von je 1,5 Mio. DM verurteilt worden (20 0 50/92 Land-

**Rn. 59**

gericht Dortmund). Das Urteil ist durch das Oberlandes-

**Rn. 60**

gericht Hamm am 10. Mai 1995 bestätigt worden (8 U

**Rn. 61**

59/94 OLG Hamm). Die hiergegen eingelegte Revision ist

**Rn. 62**

vom Bundesgerichtshof verworfen worden. Das Landgericht

**Rn. 63**

hatte festgestellt, dass die damaligen Vorstandsmit-

**Rn. 64**

glieder pflichtwidrig gehandelt hätten, weil sie ein

**Rn. 65**

ungesichertes Darlehen gegeben und damit objektiv und

**Rn. 66**

subjektiv pflichtwidrig gehandelt hätten. Außerdem sei

**Rn. 67**

die Darlehenshingabe eine unzulässige verdeckte Ein-

**Rn. 68**

lagenrückgewähr gewesen.

**Rn. 69**

Die Klägerin ist der Ansicht, es wäre zu der Gewährung

**Rn. 70**

des Darlehens nicht gekommen, wenn der Beklagte seine

**Rn. 71**

ihm als Aufsichtsratsmitglied zustehenden Obliegenhei-

**Rn. 72**

ten nicht verletzt hätte.

**Rn. 73**

Zu der Gewährung des Darlehens ist es wie folgt gekom-

**Rn. 74**

men:

**Rn. 75**

Im Herbst 1990 beschloss der Vorstand der Klägerin auf

**Rn. 76**

Veranlassung der P AG, von deren Tochtergesellschaft,

**Rn. 77**

der P, deren mittelbare Beteili-

**Rn. 78**

gung an der International J (im Folgenden: J )

**Rn. 79**

zum Preis von 90 Mio. GBP zu übernehmen. Dazu

**Rn. 80**

sollte die Klägerin alle Anteile an einer G

**Rn. 81**

(im Folgenden: G)

**Rn. 82**

erwerben zu dem genannten Kaufpreis. Die G ver-

**Rn. 83**

mittelte über ihre 100 %ige Tochter, die O

**Rn. 84**

die in I ansässig war, eine Beteiligung an der

**Rn. 85**

I7 (im Folgenden: I7), die

**Rn. 86**

ihren Sitz in England hatte und ihrerseits alle Anteile

**Rn. 87**

an der J hielt.

**Rn. 88**

Am 19. Oktober 1990 beschloss der Aufsichtsrat der Klä-

**Rn. 89**

gerin nach Beratung, diesen Erwerb zu billigen unter

**Rn. 90**

der Bedingung, dass unter anderem ein unabhängiges Gut-

**Rn. 91**

achten eines Wirtschaftsprüfungsbüros die Angemessen-

**Rn. 92**

heit des Kaufpreises bestätige. Einen Kaufvertrag über

**Rn. 93**

die einzigen drei Aktien der G, zu nominell je 1 US

**Rn. 94**

$ unterzeichneten die Vertragsparteien am 30.10.1990.

**Rn. 95**

Aufgrund dieses Vertrages erbrachte die Klägerin eine

**Rn. 96**

Anzahlung auf den Kaufpreis in Höhe von 30 Mio. DM an

**Rn. 97**

die P AG mit Wertstellung zum 30.10.1990.

**Rn. 98**

Unter dem 27. November 1990 ging dem Vorstand der Klä-

**Rn. 99**

gerin eine sogenannte Fairness Opinion der Wirt-

**Rn. 100**

schaftsprüfer D (im Folgenden: D)

**Rn. 101**

aus M über die Angemessenheit der J -Transaktion

**Rn. 102**

zu. Hierin führen die Wirtschaftsprüfer u.a. aus, dass

**Rn. 103**

sie "- wie vereinbart - weder so etwas wie eine Wirt-

**Rn. 104**

schaftsprüfung bei G, O oder I7 durchge-

**Rn. 105**

führt noch die geschäftlichen Unterlagen der Firma

**Rn. 106**

untersucht" hätten. Ihre Meinung beruhe "ausschließlich

**Rn. 107**

auf Besprechungen mit Vorstandsmitgliedern und Mitar-

**Rn. 108**

beitern der P2-Unternehmensgruppe,

**Rn. 109**

von denen zwei ebenfalls Direktoren bei der I7 seien."

**Rn. 110**

Die vorgelegte "Fairness Opinion" erklärte die gesamte

**Rn. 111**

Transaktion - basierend auf diesen Informationen - als

**Rn. 112**

"fair".

**Rn. 113**

Am 29.11.1990 richteten die bei der Klägerin beschäf-

**Rn. 114**

tigten Herren K2 (zuständig als Projektleiter)

**Rn. 115**

und I2 (Leiter der Rechtsabteilung der Klägerin)

**Rn. 116**

ein gemeinsames Schreiben an den Vorstand, in welchem

**Rn. 117**

sie auf die Beschränkung des D-Gutach-

**Rn. 118**

tens und die Anforderungen des Aufsichtsratsbeschlusses

**Rn. 119**

vom 19.10.1990 hinwiesen.

**Rn. 120**

Anfang Dezember 1990 erstellte der Zeuge. L,

**Rn. 121**

der bei der Klägerin seit Ende 1988 als Abteilungslei-

**Rn. 122**

ter für das Rechnungs- und Finanzwesen zuständig war,

**Rn. 123**

auf Veranlassung des Vorstandsmitglieds I5 eine Auf-

**Rn. 124**

stellung über die von der Klägerin der P AG gewährten

**Rn. 125**

time-deposits. Am 10.12.1990 besprach er mit dem Zeugen

**Rn. 126**

S diese Aufstellung.

**Rn. 127**

Unstreitig ist, dass die Klägerin diese Time-Deposits

**Rn. 128**

jeweils ungesichert an die P AG gegeben hatte. Sie be-

**Rn. 129**

liefen sich zum damaligen Zeitpunkt auf 52.540.572,81

**Rn. 130**

GBP (= rund 153.090.000,-- DM einschließlich Zinsen).

**Rn. 131**

Dieses Darlehen sollte mit 34.729.556,95 GBP (=

**Rn. 132**

100.800.000,00 DM) aus dem J-Kauf verrechnet werden.

**Rn. 133**

Dementsprechend wurden die Darlehen zunächst

**Rn. 134**

"zurückgeführt" und auch buchungsmäßig bei den Banken

**Rn. 135**

erfasst. Sodann wurde der Kaufpreis für die I7 von

**Rn. 136**

I3 zurücküberwiesen, und zwar 45 Mio. GBP. Der

**Rn. 137**

überschießende Betrag in Höhe von 7.540.572,81 GBP

**Rn. 138**

wurde als neues Darlehen deklariert. Darauf bezieht

**Rn. 139**

sich der auf der Anlage (Zusammenstellung der time-

**Rn. 140**

deposits) handschriftliche Vermerk des Vorstandsmit-

**Rn. 141**

glied I5 (K 31).

**Rn. 142**

Der Beklagte bestreitet, vor der Aufsichtsratssitzung

**Rn. 143**

vom 13.12.1990 von dieser Aufstellung im Einzelnen ge-

**Rn. 144**

wusst zu haben. Ein von dem Beklagten unterschriebenes

**Rn. 145**

Schreiben an die I3 Aktiengesellschaft, in dem

**Rn. 146**

auf die u.a. Zusammenstellung Bezug genommen wird und

**Rn. 147**

in dem wegen eines anderen Dollarkurses die Summe um

**Rn. 148**

1,6 Mio. GBP reduziert worden ist, datiert erst vom

**Rn. 149**

18.12.1990.

**Rn. 150**

Der Beklagte bestreitet, vor der Aufsichtsratssitzung

**Rn. 151**

vom 13.12.1990 von der Aufstellung Kenntnis gehabt zu

**Rn. 152**

haben. Er räumt aber ein, insgesamt über die time-depo-

**Rn. 153**

sits und die beabsichtigte Verrechnung vorher durch

**Rn. 154**

I5 unterrichtet worden zu sein.

**Rn. 155**

Am II. Dezember 1990 war es zu dem erneuten Abschluss

**Rn. 156**

des Kaufs über die genannte Beteiligung gekommen, weil

**Rn. 157**

der Kaufvertrag vom 30.10.1990 nicht wirksam zustande

**Rn. 158**

gekommen war. Auf Seiten der Klägerin trat nunmehr als

**Rn. 159**

Käuferin die von ihr inzwischen zu diesem Zweck gegrün-

**Rn. 160**

dete I4 GmbH & Co. KG, vertreten durch

**Rn. 161**

I5 und T, auf.

**Rn. 162**

Am 13.12.1990 trat der Aufsichtsrat zusammen.

**Rn. 163**

In dieser Sitzung wurde in Anwesenheit des Beklagten

**Rn. 164**

erörtert, dass die Klägerin zugesagte Kreditlinie in

**Rn. 165**

Höhe von 240,5 Mio. DM voll in Anspruch genommen worden

**Rn. 166**

seien.

**Rn. 167**

Außerdem kam es zu einer sehr kontroversen Auseinander-

**Rn. 168**

setzung über das J-Geschäft. Die drei Arbeitnehmer-

**Rn. 169**

vertreter im Aufsichtsrat stimmten gegen die sechs üb-

**Rn. 170**

rigen Aufsichtsratsmitglieder der entsprechenden Vor-

**Rn. 171**

lage nicht zu. Laut Protokoll ist in der Aufsichtsrats-

**Rn. 172**

sitzung über die Zahlungsweise (Verrechnung der Time-

**Rn. 173**

Deposits) nicht gesprochen worden.

**Rn. 174**

In der Folgezeit stellte sich heraus, dass sich die J

**Rn. 175**

in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befand. Deshalb

**Rn. 176**

wollte S2 die Klägerin veranlassen, der J eine fi-

**Rn. 177**

nanzielle Hilfe in Höhe eines mehrfachen Millionenbe-

**Rn. 178**

trages zukommen zu lassen. Auf diesen Wunsch reagierten

**Rn. 179**

die Beklagten, insbesondere T, ablehnend.

**Rn. 180**

Unter dem 01.02.1991 richtete der Vorstand der Klägerin

**Rn. 181**

durch I5 und T ein Schreiben, in dem auf

**Rn. 182**

eine beabsichtigte Erweiterung der Kapitalbasis bei J

**Rn. 183**

verwiesen war, an alle Mitglieder des Aufsichtsrats,

**Rn. 184**

darunter auch an den jetzigen Beklagten.

**Rn. 185**

Anfang Februar 1991 kam es sodann zu der Darlehensver-

**Rn. 186**

gabe der Klägerin an die P AG, die die Valuta an die

**Rn. 187**

J weiterreichte. Zu dieser Zeit befanden sich I5

**Rn. 188**

und I zu Gesprächen mit S2 in der T2. Sie

**Rn. 189**

beschlossen dort, der P AG ein Darlehen in Höhe von 15

**Rn. 190**

Mio. DM mit einer Kündigungsfrist von 48 Stunden und

**Rn. 191**

einem Zins von 10 % pro Jahr zu gewähren. Am Morgen des

**Rn. 192**

04.02.1991 ging ein Telefax des Vorstandsmitglieds I ein,

**Rn. 193**

das an den Prokuristen L gerichtet

**Rn. 194**

und in dem eine Zahlungsinstruktion über den Betrag von

**Rn. 195**

15 Mio. DM enthalten war. I5 und I führten an-

**Rn. 196**

schließend u.a. ein Telefonat mit T. In die-

**Rn. 197**

sem Telefonat soll - nach der Aussage des Zeugen

**Rn. 198**

T – I5 ihm erklärt haben, dass dieses

**Rn. 199**

Darlehen mit dem Beklagten und W abgesprochen

**Rn. 200**

worden sei. T billigte daraufhin die Auszah-

**Rn. 201**

lung und veranlasste die Überweisung der 15 Mio. DM.

**Rn. 202**

In der Folgezeit überschlugen sich die Ereignisse. Die

**Rn. 203**

wirtschaftliche Lage der Klägerin spitzte sich drama-

**Rn. 204**

tisch zu. Anfragen und Forderungen diverser finanzie-

**Rn. 205**

render Bankinstitute häuften sich. Der Vorstand empfahl

**Rn. 206**

am 07.02.1991 den Banken die Bildung eines Pools zwecks

**Rn. 207**

Umschuldung und Sicherung der Kredite.

**Rn. 208**

Am 07.03.1991 verlangte die Klägerin vergeblich die

**Rn. 209**

Rückzahlung des am 04.02.1991 gewährten Darlehens von

**Rn. 210**

der P AG. Diese ist in Vermögensverfall geraten. Der

**Rn. 211**

Klägerin steht lediglich ein Ausgleichsanspruch aus der

**Rn. 212**

Masse in Höhe von 15 °s im besten, 7 % im schlimmsten

**Rn. 213**

Falle zu.

**Rn. 214**

Die Klägerin hat die damaligen Mitglieder des Vorstan-

**Rn. 215**

des und den jetzigen Beklagten auf Schadensersatz in

**Rn. 216**

Höhe von insgesamt 6 Mio. DM in Anspruch genommen, und

**Rn. 217**

zwar I5 für den ersten Teilbetrag von 1,5 Mio. DM,

**Rn. 218**

I für den zweiten Teilbetrag in Höhe von 1,5 Mio.

**Rn. 219**

DM und T in Höhe von weiteren 1,5 Mio DM.

**Rn. 220**

Dementsprechend sind - wie bereits oben ausgeführt -

**Rn. 221**

diese in dem Verfahren 20 0 50/92 Landgericht Dortmund

**Rn. 222**

verurteilt worden. In dem jetzigen Verfahren wird der

**Rn. 223**

Beklagte auf den vierten Teilbetrag von 1,5 Mio. DM in

**Rn. 224**

Anspruch genommen.

**Rn. 225**

Die Klägerin ist der Ansicht, der Beklagte habe seine

**Rn. 226**

Pflichten als Aufsichtsratsmitglied verletzt und be-

**Rn. 227**

hauptet hierzu;

**Rn. 228**

Der Beklagte sei von der Darlehenshingabe am 04.02.1991

**Rn. 229**

unterrichtet und damit einverstanden gewesen. Er hätte

**Rn. 230**

dies - so ihre Ansicht - verhindern können und müssen.

**Rn. 231**

Außerdem sei er vor der Aufsichtsratssitzung am

**Rn. 232**

13.12.1990 aufgrund der zuvor von S und I5

**Rn. 233**

gefertigten Zusammenstellung der time-deposits genaues-

**Rn. 234**

tens über deren Höhe unterrichtet gewesen. Es sei seine

**Rn. 235**

Pflicht gewesen, dies in der Aufsichtsratssitzung den

**Rn. 236**

übrigen Aufsichtsratsmitgliedern mitzuteilen. Diese

**Rn. 237**

Pflicht habe er auch gehabt, selbst wenn er die Zusam-

**Rn. 238**

menstellung nicht vor der Aufsichtsratssitzung gesehen

**Rn. 239**

hätte, weil - was der Beklagte auch einräumt - ihm die

**Rn. 240**

bis dahin gegebenen time-deposits bekannt gewesen und

**Rn. 241**

er von I5 darüber unterrichtet worden war, dass

**Rn. 242**

diese Gelder mit dem J-Geschäft verrechnet werden

**Rn. 243**

sollten.

**Rn. 244**

Wenn der Beklagte den Aufsichtsrat am 13.12.1990 über

**Rn. 245**

diese Darlehen und der beabsichtigten Verrechnung den

**Rn. 246**

Aufsichtsrat aufgeklärt hätte - so meint die Kläge-

**Rn. 247**

rin -, hätten entweder der Aufsichtsrat das J-Ge-

**Rn. 248**

schäft nicht genehmigt, so dass es auch später nicht zu

**Rn. 249**

dem Darlehen von 04.02.1991 gekommen wäre. Aber selbst

**Rn. 250**

wenn der Aufsichtsrat am 13.12.1991 das Geschäft geneh-

**Rn. 251**

migt hätte, wäre zumindest das frühere Vorstandsmit-

**Rn. 252**

glied T so sensibilisiert gewesen, dass er

**Rn. 253**

der Darlehenshingabe am 04.02.1991 nicht zugestimmt

**Rn. 254**

hätte.

**Rn. 255**

Die Klägerin beantragt dementsprechend,

**Rn. 256**

den Beklagten zu verurteilen, ihr 1,5 Mio. DM

**Rn. 257**

nebst den im Einzelnen angegebenen Zinsen (Blatt

**Rn. 258**

194 d.A.) seit dem 24.06.1991 zu zahlen.

**Rn. 259**

Der Beklagte beantragt,

**Rn. 260**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 261**

Der Beklagte rügt die internationale Zuständigkeit der

**Rn. 262**

erkennenden Kammer und bestreitet ein Rechtsschutzbe-

**Rn. 263**

dürfnis für die vorliegende Klage.

**Rn. 264**

Im Übrigen lässt er sich wie folgt ein:

**Rn. 265**

Er sei davon ausgegangen, dass der Aufsichtsrat, zumin-

**Rn. 266**

dest der Vorsitzende L2, von den im Jahre 1990 ge-

**Rn. 267**

währten time-deposits unterrichtet gewesen seien, fer-

**Rn. 268**

ner dass in der Aufsichtsratssitzung vor seiner Wahl in

**Rn. 269**

den Aufsichtsrat dem Vorstand eine generelle Genehmi-

**Rn. 270**

gung hierfür erteilt worden sei. Er habe sich aller-

**Rn. 271**

dings vergeblich bemüht, das entsprechende Protokoll

**Rn. 272**

der Aufsichtsratssitzung zu bekommen.

**Rn. 273**

Im Übrigen sei er immer verspätet über die Trans-

**Rn. 274**

aktionen unterrichtet worden. So habe er auch immer

**Rn. 275**

erst mit erheblicher Verspätung die sogenannten Quar-

**Rn. 276**

talsberichte erhalten. Die Aufstellung über die verge-

**Rn. 277**

benen Darlehen von Anfang Dezember 1990, die er in Auf-

**Rn. 278**

trag gegeben habe, habe er erst nach der Aufsichtsrats-

**Rn. 279**

sitzung vom 13.12.1990 gelesen. Das von ihm unter-

**Rn. 280**

schriebene Anschreiben datiere deshalb auch vom

**Rn. 281**

18.12.1990 (K 31). Am 12.12.1990, also einen Tag vor

**Rn. 282**

der Aufsichtsratssitzung, sei er in Zürich gewesen bei

**Rn. 283**

der Fa. G2, an 13.12.1990 in der Aufsichtsrats-

**Rn. 284**

sitzung in Zürich, so dass ihm das Schreiben erst am

**Rn. 285**

14.12.1990 zur Unterschrift vorgelegt worden sei.

**Rn. 286**

Er habe zwar generell von dem Darlehen gewusst, sei

**Rn. 287**

aber auch deshalb nicht beunruhigt gewesen, weil Hauff

**Rn. 288**

schon vor der Aufsichtsratssitzung erklärt habe, dass

**Rn. 289**

die Darlehen durch Verrechnung mit dem J-Geschäft zu-

**Rn. 290**

rückgeführt würden.

**Rn. 291**

Den Vorwurf der Klägerin, seit längerem von der finan-

**Rn. 292**

ziellen "Schieflage"' der P AG gewusst zu haben, weist

**Rn. 293**

er entschieden zurück. Eine solche habe es zur Zeit der

**Rn. 294**

Darlehensgewährung nicht gegeben. Dies werde belegt

**Rn. 295**

durch die noch - wie der Beklagte behauptet - nach dem

**Rn. 296**

04.02.1991 von verschiedenen Banken gewährten

**Rn. 297**

Millionenkredite. Bedenken wegen der Liquidität der

**Rn. 298**

P AG hätte er nicht haben müssen. Zwar sei ein großer

**Rn. 299**

Teil ihrer liquiden Mittel in der damals von ihr gehal-

**Rn. 300**

tenen B AG gebunden gewesen sei. Wegen des

**Rn. 301**

nach seiner Kenntnis unmittelbar bevorstehenden Ver-

**Rn. 302**

kaufes dieser Papiere sei dies aber ersichtlich eine

**Rn. 303**

vorübergehende Erscheinung gewesen.

**Rn. 304**

Unstreitig hat sich dies B-Geschäft zunächst zer-

**Rn. 305**

schlagen und ist erst Ende März 1991, allerdings zu

**Rn. 306**

anderen Bedingungen, zustande gekommen.

**Rn. 307**

Darüber hinaus - so die Behauptung des Beklagten - sei

**Rn. 308**

anhand er ab5ehbaren Zahlen des Jahresabschlusses 1990

**Rn. 309**

eine Dividende für die P AG i.H.v. 13 Mio. DM zu erwar-

**Rn. 310**

ten gewesen.

**Rn. 311**

Im Übrigen hätte eine Unterrichtung des Aufsichtsrates

**Rn. 312**

auch zu keinem anderen Verlauf des Geschehens geführt,

**Rn. 313**

da die Aufsichtsratsmitglieder ohnehin nicht anders ge-

**Rn. 314**

stimmt und dem Vorstand keine andere Anweisung gegeben

**Rn. 315**

hätten.

**Rn. 316**

Selbst wenn er in seiner Funktion als Generaldirektor

**Rn. 317**

der P AG weitergehende Informationen gehabt hätte,

**Rn. 318**

hätte er diese nicht an den Aufsichtsrat der Klägerin

**Rn. 319**

weitergeben dürfen, da er ansonsten gegen seine Ver-

**Rn. 320**

schwiegenheitspflicht gegenüber der P AG verstoßen

**Rn. 321**

hätte.

**Rn. 322**

Er ist weiter der Ansicht, als einfaches Aufsichtsrats-

**Rn. 323**

mitglied habe er nicht die Pflicht gehabt, den anderen

**Rn. 324**

Aufsichtsratsmitgliedern Informationen zukommen zu

**Rn. 325**

lassen. Der Aufsichtsrat habe als Organ allgemeine Vor-

**Rn. 326**

standsüberwachungspflichten, an denen das einzelne Mit-

**Rn. 327**

glied organschaftlich kollektiv mitzuwirken habe. Die-

**Rn. 328**

ser Pflicht sei er nachgekommen.

**Rn. 329**

Das Gericht hat Beweis erhoben durch Vernehmung der

**Rn. 330**

Zeugen F, S, T, L,

**Rn. 331**

W, I5, L2, E2 und K. Wegen

**Rn. 332**

des Ergebnisses der Beweisaufnahme wird auf die Proto-

**Rn. 333**

kollniederschriften der Zeugen T und L

**Rn. 334**

vom 13.01.1999 und wegen der übrigen Aussagen auf die

**Rn. 335**

Vernehmungsprotokolle der schweizerischen Gerichte Be-

**Rn. 336**

zug genommen.

## Entscheidungsgründe

**Rn. 338**

A.

**Rn. 339**

Gegen die Zuständigkeit des Gerichts- bestehen keine Be-

**Rn. 340**

denken.

**Rn. 341**

Die Frage der Zuständigkeit ist nach deutschem Recht zu

**Rn. 342**

prüfen (BGH NJW 1976, 1581). Die internationale Zustän-

**Rn. 343**

digkeit unterscheidet sich zwar ihrem Wesen und nach

**Rn. 344**

ihrer Funktion von der örtlichen Zuständigkeit (BGH NJW

**Rn. 345**

1979 1104). Nach ständiger höchstrichterlicher Recht-

**Rn. 346**

sprechung folgt sie jedoch grundsätzlich deren Regeln

**Rn. 347**

(BGHZ 69, 730, BGHZ 94, 157). Soweit daher nach den

**Rn. 348**

Vorschriften der §§ 12 ff. ZPO über den Gerichtsstand

**Rn. 349**

ein deutsches Gericht zuständig ist, liegt -wenn keine

**Rn. 350**

abweichende Vorschriften bestehen- gleichzeitig die

**Rn. 351**

erforderliche internationale Zuständigkeit vor (BGHZ

**Rn. 352**

63, 219, 220). Dies hat das OLG Hamm bereits in der Be-

**Rn. 353**

rufungsinstanz in dem bereits erwähnten Verfahren

**Rn. 354**

I3./. I5, I und T (8 U 59/94)

**Rn. 355**

bestätigt. Ebenso bestätigt hat es die Zuständigkeit

**Rn. 356**

des Landgerichts Dortmund. Diese folgt aus § 29 ZPO.

**Rn. 357**

Danach ist das Gericht des Erfüllungsortes für Strei-

**Rn. 358**

tigkeiten aus oder über ein Vertragsverhältnis örtlich

**Rn. 359**

zuständig. Zu diesen Streitigkeiten gehören auch Klagen

**Rn. 360**

auf Schadensersatz wegen Nicht- oder Schlechterfüllung

**Rn. 361**

von Haupt- und Nebenpflichten.

**Rn. 362**

Da die Klägerin ihren Sitz in E hat, hatte der

**Rn. 363**

Beklagte auch dort seine Aufgaben zu erfüllen. Bei

**Rn. 364**

Klagen aus Organhaftung ist Erfüllungsort der Gesell-

**Rn. 365**

schaftssitz (BGH NJW-RR 1992, 801) .

**Rn. 366**

Mit Vorliegen der örtlichen Zuständigkeit ist auch die

**Rn. 367**

internationale gegeben.

**Rn. 368**

Der Klageantrag ist bestimmt genug.

**Rn. 369**

Insgesamt hat die Klägerin 6 Mio. DM von den drei Vor-

**Rn. 370**

standsmitgliedern und dem Beklagten gefordert, wovon

**Rn. 371**

sie jeweils 1,5 Mio. DM von den bereits verurteilten

**Rn. 372**

Vorstandmitgliedern zugesprochen bekam und nunmehr den

**Rn. 373**

letzten Teilbetrag in Höhe von 1,5 Mio. DM vom Beklag-

**Rn. 374**

ten verlangt. Damit ist der Antrag ausreichend präzise

**Rn. 375**

gefasst.

**Rn. 376**

B.

**Rn. 377**

l.

**Rn. 378**

Der Anspruch gegen den Beklagten ist gem. §§ 116, 93

**Rn. 379**

Abs. 2 AktG in voller Höhe begründet; der Beklagte hat

**Rn. 380**

seine Pflichten als Aufsichtsratsmitglied verletzt.

**Rn. 381**

Bei der Feststellung der Anspruchsvoraussetzungen ist

**Rn. 382**

die über die Verweisung in § 116 AktG in § 93 Abs. 2

**Rn. 383**

Satz 2 AktG zum Ausdruck gekommene und in der Recht-

**Rn. 384**

sprechung des BGH anerkannte Verteilung der Darlegungs-

**Rn. 385**

und Beweislast berücksichtigt worden. Danach obliegt es

**Rn. 386**

der Gesellschaft, die ein Aufsichtsratmitglied auf

**Rn. 387**

Schadensersatz in Anspruch nimmt, lediglich der Vortrag

**Rn. 388**

und der Beweis dazu, dass ein bestimmtes Verhalten des

**Rn. 389**

Aufsichtsratsmitglieds einen Schaden in bestimmter Höhe

**Rn. 390**

herbeigeführt hat. Dem in Anspruch genommenen Auf-

**Rn. 391**

sichtsratsmitglied obliegt es demgegenüber darzulegen

**Rn. 392**

und zu beweisen, dass er objektiv und subjektiv keinen

**Rn. 393**

Pflichtverstoß begangen hat. Diese Verteilung der Dar-

**Rn. 394**

legungs- und Beweislast entspricht der herrschenden

**Rn. 395**

Meinung (Hüffer Kommentar zu AktG § 93, Geßler Kommen-

**Rn. 396**

tar- zum Aktiengesetz § 39 Rz. 8 ff).

**Rn. 397**

Gemäß § III AktG hat der Aufsichtsrat einer AG in

**Rn. 398**

erster Linie Überwachungsfunktion. Überwacht werden

**Rn. 399**

soll die Geschäftsführung und, da diese damit betraut

**Rn. 400**

ist, der Vorstand und seine Handlungen (Geßler a.a.O.

**Rn. 401**

§ III Rz. 2, Hüffer AktG, § III Rz. 2).

**Rn. 402**

Grundsätzlich ist der gesamte Aufsichtsrat als Organ

**Rn. 403**

für die Ausübung seiner Überwachungsfunktion zuständig.

**Rn. 404**

Jedes einzelne Aufsichtsratsmitglied muss jedoch seine

**Rn. 405**

Vorstellungen von sachgerechter Kontrolle des Vorstan-

**Rn. 406**

des auf dem Wege der Überzeugung der Aufsichtsratsmehr-

**Rn. 407**

heit durchsetzen (Geßler § III Rz. 8). Von besonderer

**Rn. 408**

Bedeutung ist die Kontrolle über die Investitionspoli-

**Rn. 409**

tik des Vorstandes (Mertens in Kölner Kommentar zum Ak-

**Rn. 410**

tiengesetz § III Rz. 29). Der Beklagte hat folglich als

**Rn. 411**

Aufsichtsratsmitglied die Pflicht gehabt, Kenntnisse

**Rn. 412**

über das unrechtmäßige Handeln des Vorstandes dem ge-

**Rn. 413**

samten Aufsichtsrat mitzuteilen. Vorzuwerfen ist dem

**Rn. 414**

Beklagten, dass er trotz Kenntnis der hohen ungesicher-

**Rn. 415**

ten time-deposits an die P AG dies dem Aufsichtsrat

**Rn. 416**

nicht mitgeteilt hat, und der Klägerin dadurch ein

**Rn. 417**

Schaden entstanden ist.

**Rn. 418**

II.

**Rn. 419**

l. Schaden

**Rn. 420**

Die Klägerin hat einen Schaden in Höhe von 15 Mio. DM

**Rn. 421**

dadurch erlitten, dass dieser Betrag als Darlehen/time-

**Rn. 422**

deposit an die P AG versprochen und bezahlt worden ist.

**Rn. 423**

Dieser Schaden entfällt nicht dadurch, dass der Kläge-

**Rn. 424**

rin ein Darlehensrückzahlungsanspruch gegen die P AG

**Rn. 425**

zusteht. Ein Schaden entfiele nur, wenn dem eingetrete-

**Rn. 426**

nen Vermögensvorteil ein gleich hoher Vermögenszuwachs

**Rn. 427**

oder eine ausreichende Sicherheit gegenüberstünde. Das

**Rn. 428**

trifft hier nicht zu. Der Darlehensrückzahlungsanspruch

**Rn. 429**

gegen die P AG ist insofern schon nicht gleichwertig,

**Rn. 430**

weil er nicht in voller Höhe zu realisieren ist. Bisher

**Rn. 431**

hat lediglich die Vollstreckung gegen das frühere Vor-

**Rn. 432**

standsmitglied T teilweise Erfolg gehabt.

**Rn. 433**

Darüber hinaus sind keine Zahlungen zu erwarten. Wegen

**Rn. 434**

der Bezifferung des Schadensersatzes kommt es auf die

**Rn. 435**

Frage nicht an, welche Quote der Klägerin auf dem Li-

**Rn. 436**

quidationsverfahren der P AG zu erwarten hat. Die Klä-

**Rn. 437**

gerin braucht sich auf eine Quote eines etwaigen An-

**Rn. 438**

spruchs, den sie zur Zeit nicht realisieren kann, nicht

**Rn. 439**

verweisen zu lassen. Dieser Anspruch, der nicht durch-

**Rn. 440**

setzbar ist, mindert den Schaden in seiner Gesamthöhe

**Rn. 441**

von 15 Mio. DM nicht. Der Schaden kann daher bedenken-

**Rn. 442**

frei als viertrangiger Teil -nach vorangehenden 4,5

**Rn. 443**

Mio. DM, die der ehemalige Vorstand zu ersetzen hat-

**Rn. 444**

ausgeurteilt werden (siehe auch unten 4.).

**Rn. 445**

Pflichtverstoß des Beklagten

**Rn. 446**

a) Ein denkbarer Pflichtverstoß, der darin liegen

**Rn. 447**

könnte, dass der Beklagte Kenntnis von dem Darlehen am

**Rn. 448**

04.02.1991 gehabt und nicht eingegriffen hat, ist nicht

**Rn. 449**

bewiesen. Die Kenntnis des Beklagten hätte insoweit die

**Rn. 450**

Klägerin beweisen müssen.

**Rn. 451**

Zwar hat das ehemalige Vorstandsmitglied T

**Rn. 452**

als Zeuge glaubhaft bekundet, I5 habe ihm bei dem

**Rn. 453**

Telefongespräch am 04.02.1991 erklärt, die Vergabe des

**Rn. 454**

Darlehens sei mit dem Beklagten und dem weiteren Auf-

**Rn. 455**

sichtsratsmitglied W abgesprochen gewesen. Der

**Rn. 456**

Zeuge L hat ebenso glaubhaft bestätigt, dass

**Rn. 457**

ihm T dies nach dem Telefongespräch mitge-

**Rn. 458**

teilt habe.

**Rn. 459**

Damit ist jedoch keineswegs bewiesen, dass I5 bei

**Rn. 460**

dem Telefongespräch insoweit die Wahrheit gesagt hat.

**Rn. 461**

I5 als Zeuge vernommen (Bl. 146 d. A.) hat insoweit

**Rn. 462**

eine Aussage verweigert. Der Zeuge I hat keinerlei

**Rn. 463**

Aussage gemacht. Der Zeuge W hatte an das Tele-

**Rn. 464**

fonat oder an ein konkretes Darlehen von 15 Mio. DM

**Rn. 465**

keine Erinnerung mehr.

**Rn. 466**

Es konnte auch nicht geklärt werden, ob der Beklagte

**Rn. 467**

ggf. von anderer Seite von der beabsichtigten Vergabe

**Rn. 468**

informiert worden war. Sowohl die Zeugen L2, der

**Rn. 469**

stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzender der Klägerin

**Rn. 470**

im Februar 1991 war, E2 und I5 konnten darüber

**Rn. 471**

keine Angaben machen. Der Zeuge E2 konnte sich

**Rn. 472**

lediglich an ein Darlehen von SFr 15 Millionen er-

**Rn. 473**

innern, er wusste aber nicht, ob es sich dabei um das

**Rn. 474**

fragliche Darlehen handelte. Der Zeuge S

**Rn. 475**

meinte sich an ein time-deposit zu erinnern, das von

**Rn. 476**

Herrn S2 in Auftrag gegeben und von den Zeugen T und I

**Rn. 477**

gezahlt worden sei. Von diesem soll

**Rn. 478**

der Beklagte aber keine Kenntnis gehabt haben. Dabei

**Rn. 479**

steht allerdings nicht einmal fest, ob der Zeuge das

**Rn. 480**

richtige Darlehen im Kopf hatte.

**Rn. 481**

Für den Beklagten spricht, dass der Zahlungsauftrag der

**Rn. 482**

P AG an die Klägerin von den Zeugen E2 und C2 stammt, die in A

**Rn. 483**

für den Bereich Treasury zu-

**Rn. 484**

ständig waren. Dies konnte der Zeuge S bestä-

**Rn. 485**

tigen. Er hat weiter ausgesagt, dass der Beklagte die-

**Rn. 486**

sen Beleg mit 99%,-iger Sicherheit erst nach dem

**Rn. 487**

04.02.1991 erhalten hat.

**Rn. 488**

Zusammenfassend sieht es das Gericht daher nicht als

**Rn. 489**

erwiesen an, dass der Beklagte von der Vergabe des Dar-

**Rn. 490**

lehens vor oder am 04.02.1991 Kenntnis hatte.

**Rn. 491**

b) Dem Beklagten kann auch nicht vorgeworfen werden,

**Rn. 492**

trotz Kenntnis der Aufstellung über die time-deposits

**Rn. 493**

per 30.II./01.12.1990 (K 31) den Aufsichtsrat am

**Rn. 494**

13.12.1990 hierüber nicht unterrichtet zu haben.

**Rn. 495**

Der Zeuge L hat insoweit ausgesagt, dass er

**Rn. 496**

die Aufstellung auf Veranlassung des Vorstandsmit-

**Rn. 497**

gliedes I5 erstellt habe. Bei den dort aufgeführten

**Rn. 498**

Darlehen habe es sich sämtlich um ungesicherte Einlagen

**Rn. 499**

gehandelt. Am 10.12. sei er in A gewesen und habe

**Rn. 500**

mit dem Zeugen S die Aufstellung besprochen.

**Rn. 501**

Dabei sei auch besprochen worden, dass die Darlehen mit

**Rn. 502**

den 45 Millionen GBP aus dem J-Geschäft verrechnet

**Rn. 503**

werden sollten, und zwar in der Weise, dass sämtliche

**Rn. 504**

Darlehen zunächst zurückgeführt und auch buchungsmäßig

**Rn. 505**

bei den Banken erfasst würden. Sodann sollte -wie es

**Rn. 506**

auch geschehen ist- der Kaufpreis für I7in Höhe von

**Rn. 507**

45 Millionen GBP zurücküberwiesen werden. Der über-

**Rn. 508**

schießende Betrag sollte als neues Darlehen in Höhe von

**Rn. 509**

7.540.522,81 GBP bestehen bleiben.

**Rn. 510**

Der Zeuge konnte aber nicht bestätigen, dass der Be-

**Rn. 511**

klagte bei diesem Gespräch zugegen gewesen war. Sein

**Rn. 512**

Gesprächspartner bei finanziellen Fachfragen sei immer

**Rn. 513**

S und nicht der Beklagte gewesen.

**Rn. 514**

S hat dies insoweit bestätigt, dass der Be-

**Rn. 515**

klagte nur selten in C, durchschnittlich nur ein bis

**Rn. 516**

zwei Tage in der Woche, gewesen sei. Dass er bei der

**Rn. 517**

besagten Aufstellung oder bei der Besprechung anwesend

**Rn. 518**

war, an der I5den handschriftlichen Vermerk vom

**Rn. 519**

06.12. auf die Aufstellung gemacht hat, hat er nicht

**Rn. 520**

bestätigt. So kann die Kammer nur davon ausgehen, dass

**Rn. 521**

der Beklagte erst Kenntnis von dieser Zusammenstellung

**Rn. 522**

am 18.12.1990 hatte, als er den Brief an die Klägerin

**Rn. 523**

unterschrieb, in dem auf diese Aufstellung Bezug genom-

**Rn. 524**

men und der Gesamtbetrag wegen eines anderen Dollarkur-

**Rn. 525**

ses um rund 1,6 Millionen GBP reduziert worden war.

**Rn. 526**

c) Vorzuwerfen ist dem Beklagten aber, dass er der PAG

**Rn. 527**

ungesicherte time-deposits in beträchtlicher Höhe gege-

**Rn. 528**

ben hat und er hierüber den Aufsichtsrat in der Sitzung

**Rn. 529**

vom 13.12.1990 nicht unterrichtet hat.

**Rn. 530**

Dass er Kenntnis von den time-deposits hatte, hat der

**Rn. 531**

Beklagte eingeräumt. Er war darüber hinaus durch die

**Rn. 532**

ihm regelmäßig vorgelegten Quartalsberichte unterrich-

**Rn. 533**

tet. Selbst wenn ihm diese -wie der Zeuge L

**Rn. 534**

bestätigt hat- erst etwa einen Monat nach Quartals-

**Rn. 535**

schluss vorgelegt worden sind, so wusste er jedenfalls

**Rn. 536**

vor der Aufsichtsratssitzung am 13.12.1990, dass und in

**Rn. 537**

welcher Höhe die time-deposits bestanden. Der Zeuge

**Rn. 538**

L hat auch anhand eines Quartalsberichtes

**Rn. 539**

überzeugend in seiner Vernehmung dargelegt, dass die

**Rn. 540**

Darlehen hieraus ersichtlich seien.

**Rn. 541**

Abgesehen davon hat die Kammer auch keinen Zweifel

**Rn. 542**

daran, dass der Beklagte in seinem Ressort

**Rn. 543**

"Administration" und als Vorgesetzter von S,

**Rn. 544**

zuständig für Rechnungswesen und das Controling, inso-

**Rn. 545**

weit umfassend unterrichtet war. Das hat insbesondere

**Rn. 546**

auch der Zeuge S in seiner Aussage bestätigt.

**Rn. 547**

Die Vergabe von ungesicherten Darlehen durch den Vor-

**Rn. 548**

stand der Klägerin an die P AG oder deren Töchter war

**Rn. 549**

rechtswidrig. Der Beklagte hätte dies wissen und den

**Rn. 550**

Aufsichtsrat darüber unterrichten müssen.

**Rn. 551**

Dass die Vergabe ungesicherter Darlehen ein Pflichtver-

**Rn. 552**

stoß des Vorstandes beinhaltet, hat das Oberlandesge-

**Rn. 553**

richt Hamm bereits in seiner Entscheidung I3 ./.

**Rn. 554**

I5 und andere bestätigt. Es hat insbesondere ausge-

**Rn. 555**

führt, dass der Vorstand gegen die in § 93 Abs. 3 Nr. l

**Rn. 556**

AktG besonders hervorgehobene Regelung (Verbot der Ein-

**Rn. 557**

lagenrückgewähr) verstoßen hat. Diese Feststeilungen,

**Rn. 558**

die sich im Urteil auf das time-deposits vom 04.02.1991

**Rn. 559**

beziehen, gelten entsprechend für die vorher gegebenen

**Rn. 560**

ungesicherten Darlehen.

**Rn. 561**

Einlagenrückgewähr ist bei einer Aktiengesellschaft

**Rn. 562**

jede Leistung an die Aktionäre oder ihnen gleichge-

**Rn. 563**

stellte Personen, die wegen der Mitgliedschaft erfolgt,

**Rn. 564**

wenn sie nicht aus Bilanzgewinn erfolgt oder ausnahms-

**Rn. 565**

weise besonders zugelassen ist (Hüffer a.a.O., § 57

**Rn. 566**

Rz. 2). Die ungesicherten time-deposits sind eine ver-

**Rn. 567**

deckte Rückgewähr der Einlage.

**Rn. 568**

Dieser Ansicht steht nicht der Wortlaut des § 57 Abs. l

**Rn. 569**

Satz l AktG entgegen, der an die konkrete Einlage-

**Rn. 570**

leistung des Aktionärs anzuknüpfen scheint, entgegen.

**Rn. 571**

Eine derartige Einschränkung würde dem Normzweck des

**Rn. 572**

§ 57 AktG entgegenlaufen. Diese Vorschrift verwirklicht

**Rn. 573**

das Gebot der Kapitalerhaltung. Damit dient es sowohl

**Rn. 574**

dem Gesellschaftsgläubiger als auch dem einzelnen Ak-

**Rn. 575**

tionär. Es wird verhindert, dass die Grenze zwischen

**Rn. 576**

Gesellschaft- und Gesellschaftsvermögen zugunsten ein-

**Rn. 577**

zelner Aktionäre unter Verletzung des Grundsatzes der

**Rn. 578**

Gleichbehandlung verschoben wird. Darüber hinaus

**Rn. 579**

sichert § 57 AktG die Kompetenzverteilung innerhalb der

**Rn. 580**

Aktiengesellschaft, da gemäß § 119 Abs. l Nr. 2 AktG

**Rn. 581**

die Entscheidung über die Gewinnverwendung in die un-

**Rn. 582**

entziehbaren Zuständigkeiten der Hauptversammlung

**Rn. 583**

fällt.

**Rn. 584**

Auch Darlehensgewährungen können und sind im vorliegen-.

**Rn. 585**

den Falle als Einlagenrückgewähr zu betrachten. Zwar

**Rn. 586**

hat gemäß § 607 BGB die Gesellschaft als Darlehensgebe-

**Rn. 587**

rin ein Rückzahlungsanspruch gegen den Aktionär.

**Rn. 588**

Andererseits trifft die Gesellschaft das Insolvenz-

**Rn. 589**

risiko des Darlehensnehmers. Auch der Normzweck des

**Rn. 590**

§ 57 Abs. l AktG stützt diese Annahme. Die Vorschrift

**Rn. 591**

dient dem Gläubiger und dem Minderheitsaktionär. Der

**Rn. 592**

Entzug liquider Mittel aus der Gesellschaft führt dazu,

**Rn. 593**

dass die Haftungsgrundlage geschmälert wird. Der Satz

**Rn. 594**

besteht in einer Ungewissen Forderung aus § 607 BGB.

**Rn. 595**

Das Risiko der Realisierung würde auf die Gläubiger ab-

**Rn. 596**

gewälzt.

**Rn. 597**

Aber auch systematische Überlegungen sprechen für eine

**Rn. 598**

Einlagerückgewähr. Nach § 27 Abs. l AktG bestehen

**Rn. 599**

strenge Mitteilungs- und Prüfungspflichten für den

**Rn. 600**

Fall, dass die grundsätzliche Bareinlagenverpflichtung

**Rn. 601**

durch eine Sacheinlage ersetzt wird. Diesem Fall ver-

**Rn. 602**

gleichbar ist, dass die zunächst gezahlte Bareinlage in

**Rn. 603**

ein Darlehen umgewandelt wird, so dass anstelle der

**Rn. 604**

liquiden Mittel nunmehr eine Forderung steht. Die Rege-

**Rn. 605**

lungen der §§ 27, 57 AktG stehen im Kontext mit dem

**Rn. 606**

Grundsatz der Kapitalaufbringung und -erhaltung. Ihr

**Rn. 607**

gemeinsames Ziel ist die Sicherung der Gläubiger, so

**Rn. 608**

dass die systematischen Überlegungen auf beide Vor-

**Rn. 609**

schriften anzuwenden sind.

**Rn. 610**

Gleichwohl wäre die Hingabe der Darlehen erlaubt und

**Rn. 611**

keine unzulässige Einlagerückgewähr, wenn es sich hier

**Rn. 612**

um ein Rechtsgeschäft gehandelt hätte, wie es die Klä-

**Rn. 613**

gerin zum damaligen Zeitpunkt auch mit einem außen-

**Rn. 614**

stehenden Dritten abgeschlossen hätte oder hat.

**Rn. 615**

Dabei kann hier dahingestellt bleiben, ob der Klägerin

**Rn. 616**

eine angemessene oder sogar günstige Verzinsung zuge-

**Rn. 617**

flossen ist. Die besondere Kondition der Darlehen war

**Rn. 618**

jedoch die Tatsache, dass sie ungesichert vergeben wor-

**Rn. 619**

den waren. Lütter (Kölner Kommentar § 57 Rz. 28) sieht

**Rn. 620**

in der ungesicherten Kreditvergabe den Standardfall

**Rn. 621**

einer unzulässigen Einlagenrückgewähr. Dieser Ansicht

**Rn. 622**

ist auch das OLG Hamm in seiner bereits zitierten Ent-

**Rn. 623**

scheidung (I3 ./. I5 und andere) gefolgt. Bei

**Rn. 624**

einem vergleichbaren Dritten, so das OLG, hätten die

**Rn. 625**

damaligen Beklagten als ordentlich nach kaufmännischen

**Rn. 626**

Maßstäben handelnde Vorstandsmitglieder ganz unabhängig

**Rn. 627**

von der nicht im Einzelnen einschätzbaren Bonität des

**Rn. 628**

Schuldners das Darlehen ohne Sicherheit nicht gegeben

**Rn. 629**

und auch nicht geben dürfen.

**Rn. 630**

Der Einwand des Beklagten, er sei davon ausgegangen,

**Rn. 631**

dass der Aufsichtsrat in einer vor seinem Eintritt in

**Rn. 632**

das Gremium gefassten Beschluss die Gewährung solcher

**Rn. 633**

Darlehen generell genehmigt hätte, kann ihn schon des-

**Rn. 634**

halb nicht entlasten, weil auch der Aufsichtsrat nicht

**Rn. 635**

befugt gewesen wäre, den Vorstand zu einer Einlagen-

**Rn. 636**

rückgewähr zu ermächtigen. Abgesehen davon räumt der

**Rn. 637**

Beklagte selbst ein, einen entsprechenden Beschluss

**Rn. 638**

niemals gesehen zu haben, da man ihm trotz Verlangens

**Rn. 639**

die Protokolle früherer Aufsichtsratssitzungen nicht

**Rn. 640**

zur Einsicht gegeben hätte.

**Rn. 641**

Zusammenfassend ist die Kammer daher der Ansicht, dass

**Rn. 642**

der Beklagte seine Kenntnis über das rechtswidrige Ver-

**Rn. 643**

halten des Vorstandsaufsichtsrats spätestens in der

**Rn. 644**

Sitzung vom 13.12.1990 hätte mitteilen müssen. Soweit

**Rn. 645**

er sich darauf beruft, der Aufsichtsrat hätte von die-

**Rn. 646**

sen ungesicherten Darlehen gewusst, hat er dies nicht

**Rn. 647**

beweisen können. Der Zeuge L2, damaliger Aufsichts-

**Rn. 648**

ratsvorsitzender, hat zwar ausgesagt, dass die von der

**Rn. 649**

Klägerin in den S2-Konzern gesteckten Gelder in den

**Rn. 650**

Berichten an den Aufsichtsrat als Festgeldanlagen

**Rn. 651**

deklariert worden seien. Darunter habe aber niemand

**Rn. 652**

eine konzerninterne Verschiebung von Geldern gesehen,

**Rn. 653**

sondern man sei davon ausgegangen, dass es sich um bei

**Rn. 654**

Banken liegenden Festgeldern gehandelt hätte. Erst

**Rn. 655**

später, als der Vorfall mit der J bekannt geworden

**Rn. 656**

sei, sei dem Aufsichtsrat bewusst gewesen, dass die

**Rn. 657**

Gelder an den S2-Konzern geflossen seien.

**Rn. 658**

Die Pflicht des Beklagten, den Aufsichtsrat zu unter-

**Rn. 659**

richten, wird dadurch verstärkt, dass er in der Auf-

**Rn. 660**

sichtsratssitzung vom 13.12. die heftige Diskussion um

**Rn. 661**

die Frage des Ankaufes des J-Projekts mitbekommen

**Rn. 662**

hat. Die Vertreter der Arbeitnehmer hatten größte Be-

**Rn. 663**

denken und brachten dies deutlich zum Ausdruck, ob der

**Rn. 664**

ausgehandelte Preis für die Transaktion angemessen sei

**Rn. 665**

(Punkt 3 der Hauptversammlung, Bl. 19 des Protokolls).

**Rn. 666**

Sie wiesen darauf hin, dass die 2-seitige Stellungnahme

**Rn. 667**

von D3 sich ausschließlich auf

**Rn. 668**

Angaben der Verkäuferin stütze und deshalb von der Er-

**Rn. 669**

mittlung eines "fairen"' Preises nicht ausgegangen wer-

**Rn. 670**

den könne. Bei dieser Diskussion wäre der Beklagte ob-

**Rn. 671**

jektiv verpflichtet gewesen, sein Wissen darüber, dass

**Rn. 672**

erhebliche Darlehen an die P AG geflossen waren und

**Rn. 673**

diese mit dem J -Geschäft verrechnet werden sollten zu

**Rn. 674**

offenbaren, zudem er in der Aufsichtsratssitzung erfah-

**Rn. 675**

ren hat, dass die Kreditlinie der Klägerin mit

**Rn. 676**

240,5 Mio. DM zum damaligen Zeitpunkt erschöpft war.

**Rn. 677**

Somit war dem Beklagten ein objektiver Pflichtenverstoß

**Rn. 678**

vorzuwerfen. Der Beklagte hat aber auch subjektiv vor-

**Rn. 679**

werfbar gehandelt. Davon muss zumindest mangels Exkul-

**Rn. 680**

pation ausgegangen werden.

**Rn. 681**

Der Sorgfaltsmaß5tab für ein Aufsichtsratsmitglied be-

**Rn. 682**

stimmt sich nach § III Abs. l AktG. Dem Aufsichtsrat

**Rn. 683**

steht die Aufgabe zu, "die Geschäftsführung" zu über-

**Rn. 684**

wachen. Dies bedeutet nicht nur eine in die Vergangen-

**Rn. 685**

heit bezogene Kontrolle der Vorstandstätigkeit, viel-

**Rn. 686**

mehr ist die Überwachung auch präventiv angelegt, sie

**Rn. 687**

muss in die Zukunft hineinwirken (ausführlich hierzu

**Rn. 688**

Henze in NJW 1998, 3309 m. w. N.). Die Kontrolle be-

**Rn. 689**

zieht sich nicht nur auf abgeschlossene Sachverhalte,

**Rn. 690**

sondern erstreckt sich auch auf grundsätzliche Fragen

**Rn. 691**

der zukünftigen Geschäftspolitik. Um diese Aufgaben er-

**Rn. 692**

füllen zu können, kann der Aufsichtsrat beratende Ge-

**Rn. 693**

spräche mit dem Vorstand führen, er kann die Erstattung

**Rn. 694**

zusätzlicher Berichte nach § 90 Abs. 3 Satz l AktG ver-

**Rn. 695**

langen oder ein Zustimmungsvorbehalt im Sinne des § III

**Rn. 696**

Abs. 4 Satz 2 AktG anordnen; er kann auch auf die Ab-

**Rn. 697**

lösung des Vorstandes hinwirken (§ 84 Abs. 3 Satz l

**Rn. 698**

und 2 AktG).

**Rn. 699**

Der Einwand des Beklagten, als einzelnes Aufsichtsrats-

**Rn. 700**

mitglied hätte ihn diese Pflicht nicht getroffen, ist

**Rn. 701**

unbeachtlich. Wenn der Vorstand seine Geschäftsfüh-

**Rn. 702**

rungspflichten verletzt hat, hat sowohl der Aufsichts-

**Rn. 703**

rat als auch jedes einzelne Mitglied einzuschreiten

**Rn. 704**

(Mertens in Kölner Kommentar zum Aktiengesetz § 116

**Rn. 705**

Rz. 16). Dazu umfasst die Pflicht der Mitglieder jeden-

**Rn. 706**

falls die Information des Aufsichtsrats (Mertens

**Rn. 707**

a.a.O.).

**Rn. 708**

Wenn der Beklagte sich über den Umfang seiner Aufgaben

**Rn. 709**

als Aufsichtsratsmitglied nicht im Klaren war, hätte er

**Rn. 710**

notfalls auch Rechtsrat einholen müssen. Entsprechendes

**Rn. 711**

gilt für den Einwand, er habe sich wegen seiner

**Rn. 712**

Stellung bei der P AG in einem Interessenkonflikt be-

**Rn. 713**

funden. In seinem Aufgabenbereich als Aufsichtsratsmit-

**Rn. 714**

glied der Klägerin war er verpflichtet, allein die

**Rn. 715**

Interessen dieser Gesellschaft wahrzunehmen. Die Recht-

**Rn. 716**

sprechung hat zu Recht entschieden, dass man sich auf

**Rn. 717**

eine mögliche Interessenkollision nicht zurückziehen

**Rn. 718**

kann. Solche Interessenkollisionen sind grundsätzlich

**Rn. 719**

nicht in dem Sinne entlastend, dass die Pflichterfül-

**Rn. 720**

lung gegenüber der einen die Pflichtverletzung gegen-

**Rn. 721**

über der anderen Gesellschaft rechtfertigen könnte

**Rn. 722**

(Mertens in Kölner Kommentar § 93 Abs. 22, BGH WM 1980

**Rn. 723**

173, BGH ZIP 1984, 578) .

**Rn. 724**

Soweit sich der Beklagte darauf beruft, von einer gene-

**Rn. 725**

rellen Genehmigung der time-deposits durch den Auf-

**Rn. 726**

sichtsrat ausgegangen zu sein, kann ihn dies nicht ent-

**Rn. 727**

lasten. Es wäre ihm zuzumuten gewesen, hier weitere

**Rn. 728**

Nachforschungen anzustellen. Er räumt selbst ein, die

**Rn. 729**

Aufsichtsratsprotokolle, in denen er die generelle Zu-

**Rn. 730**

stimmung vermutet hatte, nicht eingesehen zu haben. Dem

**Rn. 731**

Einwand, dass er sie verlangt aber nicht bekommen habe,

**Rn. 732**

ist entgegenzuhalten, dass er als Aufsichtsratsmitglied

**Rn. 733**

hierauf hätte intensiver drängen müssen.

**Rn. 734**

Aber selbst wenn eine Genehmigung vorgelegen hätte,

**Rn. 735**

hätte er bei der besonderen Situation der Diskussion

**Rn. 736**

über das J -Geschäft und der Kenntnis des ausgeschöpf-

**Rn. 737**

ten Kreditrahmens die Frage der time-deposits zur

**Rn. 738**

Sprache bringen müssen.

**Rn. 739**

Ursächlichkeit

**Rn. 740**

Sein Verhalten ist ursächlich für den eingetretenen

**Rn. 741**

Schaden.

**Rn. 742**

Hätte der Beklagte in der Aufsichtsratssitzung vom

**Rn. 743**

13.12.1990 die Problematik angesprochen, wäre nach An-

**Rn. 744**

sicht der Kammer entweder bereits in dieser Sitzung das

**Rn. 745**

J -Geschäft nicht genehmigt und damit auch das Dar-

**Rn. 746**

lehen vom 04.02.1991 nicht gegeben worden. Aber selbst

**Rn. 747**

wenn der Aufsichtsrat in der Sitzung nicht anders ent-

**Rn. 748**

schieden hätte, so wäre doch das Vorstandsmitglied

**Rn. 749**

T bei seiner Entscheidung am 04.02.1991 so

**Rn. 750**

sensibilisiert gewesen, dass er nicht ohne ausdrück-

**Rn. 751**

liche Zustimmung des Aufsichtsrats seine Zustimmung zu

**Rn. 752**

dem Darlehen gegeben hätte. Dass T die Mög-

**Rn. 753**

lichkeit gehabt hätte, sich zum damaligen Zeitpunkt

**Rn. 754**

nicht von den anderen Vorstandsmitgliedern

**Rn. 755**

"überstimmen" oder "überrennen" zu lassen, hat das OLG

**Rn. 756**

Hamm bereits ausführlich in dem bereits zitierten Ur-

**Rn. 757**

teil ausgeführt. Insoweit wird hierauf verwiesen. Der

**Rn. 758**

Einwand des Beklagten, auch dann, wenn er sich pflicht-

**Rn. 759**

gemäß verhalten habe, wäre der Geschehensablauf nicht

**Rn. 760**

anders gewesen, ist grundsätzlich als Berufung auf

**Rn. 761**

rechtmäßiges Alternativverhalten beachtlich. Jedoch

**Rn. 762**

trägt die Beweislast dafür, dass der Schaden auch bei

**Rn. 763**

einem rechtmäßigen Alternativverhalten eingetreten

**Rn. 764**

wäre, der Schädiger, hier also der Beklagte. Der Be-

**Rn. 765**

klagte hat den hypothetischen Vorgang, wie er sich zu-

**Rn. 766**

getragen hätte, wenn er in der Aufsichtsratssitzung ak-

**Rn. 767**

tiv geworden wäre zwar vorgetragen, jedoch nicht bewei-

**Rn. 768**

sen können. Der als Zeuge vernommene Aufsichtsratsvor-

**Rn. 769**

sitzende L2 hat bekundet, dass der Aufsichtsrat

**Rn. 770**

nicht darüber unterrichtet gewesen sei, dass die erste

**Rn. 771**

Anzahlung für das J-Geschäft durch Verrechnung mit

**Rn. 772**

den time-deposits erfolgen sollte. Er hat weiter ausge-

**Rn. 773**

sagt, dass er Anfang 1991 seine Zustimmung zu einer

**Rn. 774**

weiteren Überweisung des Kaufpreises versagt hätte, be-

**Rn. 775**

vor das Thema nicht in einer Aufsichtsratssitzung be-

**Rn. 776**

handelt worden wäre.

**Rn. 777**

Dieses Verhalten L2 spricht gerade nicht für den

**Rn. 778**

Vortrag des Beklagten, bestärkt vielmehr das Gericht in

**Rn. 779**

der Auffassung, dass L2 bereits in der Aufsichts-

**Rn. 780**

ratssitzung am 13.12.1990 gegen den Kauf und die Ver-

**Rn. 781**

rechnung gestimmt hätte.

**Rn. 782**

Auch der als Zeuge vernommene K, ebenfalls

**Rn. 783**

damals Aufsichtsratsmitglied, hat ausgesagt, dass ihm

**Rn. 784**

nichts von den sogenannten konzerninternen Darlehen

**Rn. 785**

oder time-deposits bekannt gewesen sei, ebensowenig wie

**Rn. 786**

von der Verrechnungsabrede. Er konnte sich nur daran

**Rn. 787**

erinnern, dass ihm mitgeteilt worden sei, dass Über-

**Rn. 788**

schussliquidität bei erstklassigen Banken angelegt wor-

**Rn. 789**

den sei. Wäre ihm dies bekannt gewesen, hätte er sicher

**Rn. 790**

interveniert.

**Rn. 791**

Aber selbst wenn es in dieser Aufsichtsratssitzung zu

**Rn. 792**

keinem anderen Abstimmungsverhältnis gekommen wäre, so

**Rn. 793**

ist die Kammer doch der Ansicht, dass T

**Rn. 794**

-sensibilisiert durch die Diskussion in dieser Auf-

**Rn. 795**

sichtsratssitzung- das Darlehen vom 04.02.1991 entweder

**Rn. 796**

abgelehnt oder die Zustimmung des Aufsichtsrats einge-

**Rn. 797**

holt hätte. Es mag zwar möglich sein, dass die Zeugen

**Rn. 798**

L2 und K aus Eigeninteresse ihre Aussagen

**Rn. 799**

"geschönt" haben. Das ändert jedoch nichts daran, dass

**Rn. 800**

der Beklagte für seine Behauptung, dass sein Fehlver-

**Rn. 801**

halten nicht ursächlich für den Schaden gewesen sei,

**Rn. 802**

beweispflichtig geblieben ist. Im Ergebnis bleibt daher

**Rn. 803**

festzuhalten, dass der Einwand des rechtmäßigen Alter-

**Rn. 804**

nativverhaltens dem Beklagten hinsichtlich der Ursäch-

**Rn. 805**

lichkeit seines Verhaltens für den Schadenseintritt

**Rn. 806**

nicht zum Erfolg verhelfen kann.

**Rn. 807**

Höhe des Schadens

**Rn. 808**

Der Beklagte ist daher zum Schadensersatz in der gel-

**Rn. 809**

tend gemachten Höhe verpflichtet. Wegen der Bezifferung

**Rn. 810**

des Schadensersatzes kommt es auf die möglicherweise

**Rn. 811**

noch streitige Frage nicht an, welche Quote die Kläge-

**Rn. 812**

rin aus dem Liquidationsverfahren der P AG zu erwarten

**Rn. 813**

hat. Die Klägerin braucht sich auf diese Quote und de.

**Rn. 814**

dortigen Anspruch, den sie zur Zeit nicht realisieren

**Rn. 815**

kann, nicht verweisen lassen. Dies hat das OLG bereits

**Rn. 816**

in seinem zitierten Urteil ausgeführt. Dieser Anspruch,

**Rn. 817**

der nicht durchsetzbar ist, mindert den Schaden in

**Rn. 818**

seiner Gesamthöhe von 15 Mio. DM nicht. Der Beklagte

**Rn. 819**

war daher zu dem viertrangigen Teil des Schadens -nach

**Rn. 820**

vorangegangenen 4,5 Millionen, zu verurteilen.

**Rn. 821**

Der Zinsanspruch ergibt sich aus einer entsprechenden

**Rn. 822**

Anwendung des § 849 BGB. Die Inanspruchnahme von Kredit

**Rn. 823**

und die Zinshöhe hat die Klägerin durch die Vorlage

**Rn. 824**

entsprechender Unterlagen bis zum 08.11.1993 bewiesen.

**Rn. 825**

Von diesem Zeitpunkt an kann sie nur, da sie einen

**Rn. 826**

höheren Schaden nicht nachgewiesen hat, den gesetz-

**Rn. 827**

lichen Zinssatz verlangen.

**Rn. 828**

Die Kostenentscheidung beruht auf § 91 ZPO, die Ent-

**Rn. 829**

scheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit auf

**Rn. 830**

§ 709 ZPO.

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Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Urteil vom 01.08.2001 – 20 O 143/93, ECLI:DE:LGDO:2001:0801.20O143.93.00

Quelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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