nu:legal · recht.nulegal.eu

# Landgericht Dortmund, Beschluss vom 22.05.2001 – 14 (XIII) Qs 10/01

ECLI:DE:LGDO:2001:0522.14XIII.QS10.01.00

## Tenor

wird die Beschwerde der Staatsanwaltschaft Dortmund vom 19.04.2001

gegen des Beschluß des Amtsgerichts Dortmund vom 11.04.2001

(AZ: 78 Gs 509/01) als unbegründet verworfen.

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens einschließlich der dem

Beschuldigten hierin entstandenen notwendigen Auslagen trägt die

Staatskasse.

## Gründe

**Rn. 2**

Die Beschwerdeführerin ermittelt in dem Verfahren 170 Js 282/01 gegen

**Rn. 3**

den Beschuldigten wegen des Verdachts des Betrugs zu Lasten der

**Rn. 4**

X Bausparkasse AG.

**Rn. 5**

Die Beschwerdeführerin wirft dem Beschuldigten vor, in Absprache mit

**Rn. 6**

dem bereits rechtskräftig abgeurteilten M, der

**Rn. 7**

zum Tatzeitpunkt Geschäftsführer der Fa. C GmbH war, die Bausparkasse X durch unrichtige Angaben veranlaßt zu haben,

**Rn. 8**

Darlehn in Höhe von insgesamt 1.717.800,00 DM auszuzahlen.

**Rn. 9**

In insgesamt 10 Einzelfällen soll der Beschuldigte als Mitarbeiter der

**Rn. 10**

Geschädigten den Abschluß von Darlehnsverträgen zwischen

**Rn. 11**

gutgläubigen und unbedarften Erwerbern von Eigentumswohnungen in

**Rn. 12**

dem Objekt T-ring in E und der Geschädigten vermittelt

**Rn. 13**

haben, wobei er in Absprache mit der Verkäuferin dieser Wohnungen, der

**Rn. 14**

Fa. C GmbH, jeweils wahrheitswidrig

**Rn. 15**

in den Darlehnsanträgen Eigenkapitalanteile der Erwerber angegeben

**Rn. 16**

haben soll.

**Rn. 17**

Auf diese Weise habe er - gemeinschaftlich mit M - eine tatsächlich

**Rn. 18**

nicht gegebene Teilfinanzierung vorgetäuscht und der Geschädigten

**Rn. 19**

falsche Angaben über die wahre Vermögenslage der Erwerber gemacht.

**Rn. 20**

Dadurch habe er die Bausparkasse X zu einer Finanzierung

**Rn. 21**

veranlaßt, die diese bei Kenntnis der wahren Vermögenssituation der

**Rn. 22**

Erwerber nicht vorgenommen hätte.

**Rn. 23**

Für die Vermittlung dieser Verträge zahlte die Geschädigte an den

**Rn. 24**

Beschuldigten insgesamt 12.544,00 DM an Provisionen aus. Zudem

**Rn. 25**

erhielt der Beschuldigte auf Veranlassung des bereits abgeurteilten

**Rn. 26**

M aus einer Darlehnsauszahlung der oben näher beschriebenen

**Rn. 27**

Darlehnsverträge unmittelbar einen Teilbetrag in Höhe von 16.000,00 DM.

**Rn. 28**

Nach Auskunft der X Bausparkasse AG vom 16.03.2001

**Rn. 29**

bestehen mit einem Herrn K bei der Geschädigten 3

**Rn. 30**

Darlehnsverträge, ein Sparvertrag und 6 Lebensversicherungsverträge,

**Rn. 31**

wobei aufgrund der ergänzenden Mitteilung der Geschädigten vom

**Rn. 32**

21.03.2001 unklar geblieben ist, ob diese Verträge mit dem Beschuldigten

**Rn. 33**

oder mit einem Herrn K bestehen. Letzterer hatte sich

**Rn. 34**

bezüglich der Lebensversicherungsverträge bereits mehrfach bei der

**Rn. 35**

A-Lebensversicherungs-AG nach den Rückkaufswerten

**Rn. 36**

erkundigt.

**Rn. 37**

Am 28.03.2001 beantragte die Beschwerdeführerin beim Amtsgericht

**Rn. 38**

Dortmund gegen den Beschuldigten den Erlaß einer Arrest- und

**Rn. 39**

Pfändungsanordnung gemäß § 111 b Abs. 2 u. 5, § 111 d Abs. 1 u. 2 StPO

**Rn. 40**

zur Sicherung des staatlichen Anspruchs auf Verfall des Wertersatzes in

**Rn. 41**

Höhe von 28.544,00 DM. In Höhe dieses Anspruchs sollten in Vollziehung

**Rn. 42**

des dinglichen Arrestes zur Sicherung der Ansprüche der Bausparkasse

**Rn. 43**

X als der Geschädigten im Sinne des § 73 Abs. 1 S. 2 StGB

**Rn. 44**

gemäß §§ 111 d Abs. 2, 111 c Abs. 3 S. 3 StPO in Verbindung mit §§ 928,

**Rn. 45**

930, 829, 840, 851, 857 ZPO sämtliche Ansprüche und Rechte des

**Rn. 46**

Beschuldigten gegen die A- Lebensversicherungs-AG aus

**Rn. 47**

allen Lebensversicherungsverträgen gepfändet werden.

**Rn. 48**

Mit Beschluß vom 11.04.2001 lehnte das Amtsgericht Dortmund den

**Rn. 49**

Erlaß der beantragten Arrest- und Pfändungsanordnung mit der

**Rn. 50**

Begründung ab, es liege nach den bisherigen Angaben der

**Rn. 51**

Staatsanwaltschaft kein Arrestgrund im Sinne des § 917 ZPO vor.

**Rn. 52**

Hiergegen wendet sich die Staatsanwaltschaft mit der vorliegenden

**Rn. 53**

Beschwerde und führt zur Begründung aus, eine Abtretung der

**Rn. 54**

Forderungen aus den Lebensversicherungsverträgen sei zu befürchten,

**Rn. 55**

da nach der Auskunft der Bausparkasse X bereits mehrfach nach

**Rn. 56**

den Rückkaufswerten der Lebensversicherungen gefragt worden sei.

**Rn. 57**

Die Beschwerde ist zulässig, aber nicht begründet.

**Rn. 58**

Das Amtsgericht hat im Ergebnis zu Recht - wenn auch mit einer lediglich

**Rn. 59**

auf den Gesetzestext verweisenden Begründung - den Antrag der

**Rn. 60**

Staatsanwaltschaft zurückgewiesen.

**Rn. 61**

Die Voraussetzungen für die Anordnung eines Arrestes gemäß §§ 111b

**Rn. 62**

Abs. 2 u. 5, 111 d Abs. 1 u. 2 StPO liegen nicht vor.

**Rn. 63**

Gemäß § 111 b Abs. 2 StPO kann der dingliche Arrest unter den in § 111 d

**Rn. 64**

StPO festgelegten Voraussetzungen angeordnet werden, soweit Gründe

**Rn. 65**

für die Annahme vorhanden sind, daß die Voraussetzungen des Verfalls

**Rn. 66**

von Wertersatz vorliegen (§§ 73, 73a StGB).

**Rn. 67**

Da es sich bei der Vorschrift um eine sogenannte "Kann-Vorschrift"

**Rn. 68**

handelt, ist die Entscheidung über den Erlaß des Arrestes nach

**Rn. 69**

pflichtgemäßem Ermessen zu treffen. Insbesondere sollte von einer

**Rn. 70**

Maßnahme gemäß §111b StPO abgesehen werden, wenn der Verfall

**Rn. 71**

später voraussichtlich nicht angeordnet werden wird.

**Rn. 72**

Eine spätere Anordnung des Verfalls käme zwar im vorliegenden Fall

**Rn. 73**

gemäß § 73 Abs. 1 S. 2 StGB nicht in Betracht, da der Geschädigten aus

**Rn. 74**

der Tat ein Schadenersatzanspruch bzw. Rückforderungsanspruch

**Rn. 75**

erwachsen ist, durch dessen Erfüllung dem Beschuldigten der Wert des

**Rn. 76**

aus der Tat Erlangten wieder entzogen würde. Die Erfüllung dieser

**Rn. 77**

Ausnahmeregelung allein steht der Anordnung eines Arrestes aber nicht

**Rn. 78**

entgegen, da § 111b Abs. 5 StPO ausdrücklich eine Anwendung des

**Rn. 79**

§ 111b Abs.2 StPO auch für diesen Fall erlaubt, d.h. ein dinglicher Arrest

**Rn. 80**

kann auch angeordnet werden, wenn dem Verletzten aus der Tat ein

**Rn. 81**

Anspruch erwachsen ist. Das bedeutet, daß ein dinglicher Arrest auch zu

**Rn. 82**

Gunsten des Verletzten möglich ist.

**Rn. 83**

Im Rahmen der Ermessensentscheidung ist aber zu berücksichtigen, daß

**Rn. 84**

das Strafverfahren grundsätzlich nicht der Durchsetzung zivilrechtlicher

**Rn. 85**

Forderungen dient und daß daher ein Arrest zu Gunsten des

**Rn. 86**

Geschädigten in aller Regel nicht angezeigt ist. Eine Maßnahme zu

**Rn. 87**

Gunsten des Verletzten kommt daher nur in Betracht, wenn allein die

**Rn. 88**

Maßnahme nach § 111d StPO, d.h. im vorliegenden Fall die Anordnung

**Rn. 89**

des dinglichen Arrestes, den Verletzten davor bewahrt, seiner Ansprüche

**Rn. 90**

verlustig zu gehen (vgl. Lemke in Heidelberger Kommentar zur

**Rn. 91**

Strafprozeßordnung, 2. Auflage Heidelberg 1999, § 111b, Rdn. 14 u. 15;

**Rn. 92**

im Ergebnis ebenso Kleinknecht / Meyer-Goßner, Kom. zur StPO, 44.

**Rn. 93**

Auflage München 1999, § 111d Rdn. 4).

**Rn. 94**

Diese Voraussetzung liegt hier nicht vor.

**Rn. 95**

Es ist nicht erkennbar, daß nur durch die Anordnung des beantragten

**Rn. 96**

Arrestes verhindert werden könnte, daß die Bausparkasse X ihre

**Rn. 97**

eventuellen Ansprüche gegen den Beschuldigten verlöre. Bei der

**Rn. 98**

Geschädigten handelt es sich um ein erfahrenes

**Rn. 99**

Wirtschaftsunternehmen, welches in der Lage ist, sich zur Durchsetzung

**Rn. 100**

seiner Rechte ohne besondere Schwierigkeiten des ordentlichen

**Rn. 101**

Zivilrechtsweges zu bedienen, der ihm für die Durchsetzung seiner

**Rn. 102**

Ansprüche offen steht. Aufgrund der Erfahrung der Geschädigten in

**Rn. 103**

rechtsgeschäftlichen Dingen ist eine besondere Schutzbedürftigkeit der

**Rn. 104**

Geschädigten, die es erforderlich machen würde, die grundsätzliche

**Rn. 105**

Trennung, die zwischen dem Strafverfahren auf der einen und dem

**Rn. 106**

Zivilverfahren auf der anderen Seite besteht und durch die ausdrückliche

**Rn. 107**

gesetzliche Regelung vom Gesetzgeber so gewollt ist, zu durchbrechen,

**Rn. 108**

nicht ersichtlich.

**Rn. 109**

Zweifel an einer solchen besonderen Schutzwürdigkeit ergeben sich

**Rn. 110**

zudem daraus, daß die Geschädigte möglicherweise selbst Schuldnerin

**Rn. 111**

der Ansprüche des Beschuldigten sein könnte, deren Pfändung die

**Rn. 112**

Staatsanwaltschaft beantragt hat. So ergibt sich zumindest aus der

**Rn. 113**

Auskunft der Geschädigten vom 16.03.2001 nicht eindeutig, wer konkret

**Rn. 114**

Vertragspartner der aufgeführten Lebensversicherung ist, sie selbst oder

**Rn. 115**

die A- Lebensversicherungs-AG. Soweit die Geschädigte

**Rn. 116**

selbst Vertragspartnerin des Beschuldigten ist, wäre eine

**Rn. 117**

Aufrechnungserklärung der Beschuldigten ein einfacheres Mittel als die

**Rn. 118**

Anordnung eines Arrestes. Bei einem eigenen Arrestantrag der

**Rn. 119**

Geschädigten im Zivilverfahren würden insoweit bereits Bedenken gegen

**Rn. 120**

ein Rechtsschutzbedürfnis der Bausparkasse X bestehen.

**Rn. 121**

Der Antrag der Beschwerdeführerin auf Anordnung eines dinglichen

**Rn. 122**

Arrestes zu Gunsten der Geschädigten war darüber hinaus auch noch

**Rn. 123**

aus anderen Gründen zurückzuweisen.

**Rn. 124**

Der dingliche Arrest gemäß §§ 111b Abs. 2, 111 d StPO kann allein in

**Rn. 125**

das Vermögen des Beschuldigten angeordnet werden. Dies folgt bereits

**Rn. 126**

aus der Tatsache, daß sich die Regelungen des Verfalls allein gegen den

**Rn. 127**

Täter oder Teilnehmer einer Tat richten können (vgl. Tröndle / Fischer,

**Rn. 128**

Kom. zum StGB, 50. Aufl. München 2001, § 73 Rdn. 20). Nach dem

**Rn. 129**

Akteninhalt ist der Beschuldigte offensichtlich nicht Vertragspartner der in

**Rn. 130**

der Auskunft der Geschädigten vom 16.03.2001 aufgelisteten

**Rn. 131**

Lebensversicherungsverträge. Es spricht alles dafür, daß die Rechte aus

**Rn. 132**

diesen Verträgen dem im ergänzenden Schreiben der Geschädigten vom

**Rn. 133**

21.03.2001 erwähnten Herrn K zustehen; dort heißt es

**Rn. 134**

nämlich, daß Herr K nach den Rückkaufswerten seiner

**Rn. 135**

Lebensversicherung gefragt hat.

**Rn. 136**

Darüber hinaus kam die Anordnung des von der Beschwerdeführerin

**Rn. 137**

beantragten dinglichen Arrestes auch deshalb nicht in Betracht, da die

**Rn. 138**

gemäß § 111b Abs.2 StPO weiter erforderlichen Voraussetzungen des §

**Rn. 139**

111 d Abs. 2 StPO nicht vorliegen.

**Rn. 140**

Gemäß § 111d Abs. 2 StPO in Verbindung mit §917 ZPO ist für die

**Rn. 141**

Anordnung eines dinglichen Arrestes das Vorliegen eines Arrestgrundes

**Rn. 142**

erforderlich. Ein Arrestgrund im Sinne des § 917 Abs.1 ZPO liegt vor,

**Rn. 143**

wenn zu besorgen ist, daß ohne die Verhängung eines Arrestes die

**Rn. 144**

Vollstreckung der Forderung vereitelt oder wesentlich erschwert würde.

**Rn. 145**

Als Arrestgrund kann dabei nicht allein die Begehung der

**Rn. 146**

zugrundeliegenden Straftat(en) in Betracht kommen, denn dann würde §

**Rn. 147**

111 d Abs. 2 StPO nicht auf die zusätzlichen Voraussetzungen des § 917

**Rn. 148**

ZPO verweisen; vielmehr müssen Anhaltspunkte dafür vorliegen, daß der

**Rn. 149**

Beschuldigte in irgendeiner Weise nachteilig auf sein Vermögen

**Rn. 150**

einwirken wird. Hierfür genügt es beispielsweise nicht, wenn sich der

**Rn. 151**

Beschuldigte lediglich in schlechten Vermögensverhältnissen befindet,

**Rn. 152**

denn durch den Arrest soll die Staatskasse bzw. der Geschädigte nicht

**Rn. 153**

besser stehen, als sie bzw. er bei einer sofortigen Vollstreckung stehen

**Rn. 154**

würde; insbesondere soll der Staatskasse bzw. dem Geschädigten kein

**Rn. 155**

Vorrang vor anderen Gläubigern gesichert werden. Die Anordnung des

**Rn. 156**

Arrestes setzt voraus, daß eine Verschlechterung der Vermögenslage

**Rn. 157**

oder eine wesentliche Erschwerung des Zugriffs auf das Vermögen des

**Rn. 158**

Beschuldigten bevorsteht; dabei kommt es allein auf objektive

**Rn. 159**

Gesichtspunkte an, eine Vereitelungsabsicht des Beschuldigten ist nicht

**Rn. 160**

erforderlich (vgl. Lemke in Heidelberger Kommentar zur

**Rn. 161**

Strafprozeßordnung, 2. Auflage Heidelberg 1999, § 111d, Rdn. 6 u. 7).

**Rn. 162**

Allgemeingültige Kriterien für die Annahme eines Arrestgrundes i.S.d. §§

**Rn. 163**

111d Abs. 2 StPO, 917 ZPO lassen sich nicht aufstellen; es kommt

**Rn. 164**

insoweit auf die jeweiligen Umstände des Einzelfalls an. In diesem

**Rn. 165**

Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, daß sich Anhaltspunkte dafür,

**Rn. 166**

daß der Beschuldigte nachteilig auf sein Vermögen einwirken wird, auch

**Rn. 167**

aus der Art und Ausführung der zugrundeliegenden Straftat(en) ergeben

**Rn. 168**

können. Wird dem Beschuldigten beispielsweise eine Vereitelung der

**Rn. 169**

Zwangsvollstreckung gem. § 288 StGB oder eine Pfandkehr nach § 289

**Rn. 170**

StGB vorgeworfen oder besteht der Verdacht, daß der Beschuldigte

**Rn. 171**

bereits die zugrunde liegende(n) Straftat(en) mit Veschleierungs- und

**Rn. 172**

Verdunklungshandlungen begangen hat, spricht naturgemäß viel dafür,

**Rn. 173**

daß er auch versuchen wird, die spätere Vollstreckung eines

**Rn. 174**

Verfallsanspruchs bzw. einer Forderung eines Geschädigten auf irgend

**Rn. 175**

eine Weise zu verhindern.

**Rn. 176**

Im vorliegenden Fall ist der erforderliche Arrestgrund jedenfalls nicht

**Rn. 177**

gegeben.

**Rn. 178**

Aus dem bisherigen Ermittlungsstand ergibt sich kein objektiver

**Rn. 179**

Gesichtspunkt dafür, daß der Beschuldigte dabei ist, Vermögenswerte

**Rn. 180**

beiseite zu schaffen. Insbesondere hat der Beschuldigte bislang nicht

**Rn. 181**

konkret versucht, seinen Sparvertrag aufzulösen bzw. seine bestehenden

**Rn. 182**

Lebensversicherungsverträge - falls ihm diese Vermögenswerte

**Rn. 183**

überhaupt zustehen - zu verwerten. Allein die Erkundigungen einer dritten

**Rn. 184**

Person - und eine solche ist der von der Bausparkasse X

**Rn. 185**

benannte K - nach den Rückkaufswerten von

**Rn. 186**

Versicherungsverträgen sind nicht ausreichend für die Annahme eines

**Rn. 187**

Arrestgrundes, zumal bislang ungeklärt ist, in welchem Verhältnis Herr

**Rn. 188**

K zu dem Beschuldigten steht.

**Rn. 189**

Zum einen ist durch keine Tatsache belegt, daß diese Erkundigungen

**Rn. 190**

vom Beschuldigten ausgehen. Zum anderen ist die Frage nach den

**Rn. 191**

aktuellen Rückkaufswerten kein zwingendes Indiz dafür, daß eine

**Rn. 192**

Verwertung der Versicherungen bzw. eine Auflösung der Verträge

**Rn. 193**

beabsichtigt ist. Eine solche Anfrage kann auch andere Gründe haben.

**Rn. 194**

Gegen die objektive Annahme, die Anfrage nach dem Rückkaufswert

**Rn. 195**

diene der Vorbereitung der Vermögensverschiebung, spricht hier

**Rn. 196**

insbesondere die Angabe der Bausparkasse X, Herr K habe sich schon mehrfach nach den Rückkaufswerten erkundigt.

**Rn. 197**

Offensichtlich folgten der Jeweiligen Erkundigung keinerlei

**Rn. 198**

Konsequenzen, sondern es wurden im Gegenteil die

**Rn. 199**

Versicherungsverträge weiter fortgesetzt.

**Rn. 200**

Mangels gegenteiliger Angaben der Bausparkasse X ist insoweit

**Rn. 201**

sogar davon auszugehen, daß die zwischen den Vertragsparteien

**Rn. 202**

vereinbarten Beiträge auch nach den Erkundigungen regelmäßig

**Rn. 203**

weiterbezahlt wurden und das Vermögen des Beschuldigten somit weiter

**Rn. 204**

vermehrt wird. Etwas Gegenteiliges ergibt sich zumindest aus dem

**Rn. 205**

bisherigen Ermittlungsergebnis nicht.

**Rn. 206**

Auch die Art und Weise der Begehung der zugrunde liegenden Straftaten

**Rn. 207**

- die einzelnen Täuschungen der jeweiligen Mitarbeiter der X

**Rn. 208**

Bausparkasse wiesen keinerlei raffinierte Verschleierungs- oder

**Rn. 209**

Verdunklungstendenzen auf - läßt keinen Schluß darauf zu, daß der

**Rn. 210**

Beschuldigte in irgend einer Weise nachteilig auf sein Vermögen

**Rn. 211**

einwirken wird.

**Rn. 212**

Soweit die Beschwerdeführerin in der Beschwerdebegründung darauf

**Rn. 213**

abstellt, der Beschuldigte werde nunmehr spätestens nach Akteneinsicht

**Rn. 214**

durch seinen Verteidiger Sicherungsmaßnahmen einleiten, wenn er auf

**Rn. 215**

diesem Wege von einem drohenden Arrest erfahren werde, stellt diese

**Rn. 216**

Argumentation - abgesehen davon, daß die Annahme rein spekulativ ist -

**Rn. 217**

einen unzulässigen Zirkelschluß dar. Denn die drohende Gefahr einer

**Rn. 218**

Vermögensverschiebung durch den Beschuldigten kann nicht damit

**Rn. 219**

begründet werden, daß dieser nach einem erfolglosen Antrag der

**Rn. 220**

Staatsanwaltschaft auf Anordnung eines Arrestes durch diese Maßnahme

**Rn. 221**

der Staatsanwaltschaft eine Lehre im negativen Sinn ziehen würde. Dies

**Rn. 222**

würde im Ergebnis bedeuten, daß eine einmal beantragte

**Rn. 223**

Sicherungsmaßnahme niemals abgelehnt werden dürfte.

**Rn. 224**

Die Kostenentscheidung beruht auf § 473 Abs. 1 StPO.

**Rn. 225**

Dortmund, 22. Mai 2001

**Rn. 226**

Landgericht-XIII. Strafkammer

**Rn. 227**

- Wirtschaftsstrafkammer -

---

Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Beschluss vom 22.05.2001 – 14 (XIII) Qs 10/01, ECLI:DE:LGDO:2001:0522.14XIII.QS10.01.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

Entscheidungstext bereitgestellt über Open Legal Data (openlegaldata.io), lizenziert unter der Open Database License (ODbL) v1.0.

Nicht-amtliche Fassung — maßgeblich ist die Ausfertigung des Gerichts

Quelle: nu:legal – recht.nulegal.eu · Aufbereitung unter CC BY 4.0 (recht.nulegal.eu/lizenz) · Ein Dienst der Nulegal GmbH

Crawlen und Zitieren sind ausdrücklich erlaubt. Vorbehalten ist allein die massenhafte Nutzung zu Trainingszwecken für KI-Systeme (§ 44b Abs. 3 UrhG); hierfür ist unsere Zustimmung erforderlich.

Source: nu:legal – recht.nulegal.eu · Curated layer under CC BY 4.0 (recht.nulegal.eu/license) · Operated by Nulegal GmbH, Potsdam.

Crawling and citation are permitted. Only bulk use for AI training is reserved (Section 44b(3) UrhG) and requires our consent.

Dieses Dokument: https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-dortmund/2001-05-22/14-xiii-qs-10-01

---

nu:legal · recht.nulegal.eu · Nicht-amtliche Fassung. Maßgeblich ist die Fassung des Gerichts.
