nu:legal · recht.nulegal.eu

# Landgericht Dortmund, Beschluss vom 18.05.2001 – 21 T 23/01

ECLI:DE:LGDO:2001:0518.21T23.01.00

## Tenor

Die Beschwerde des Klägers vom 19.03.2001 gegen

den Beschluss des Amtsgerichts Dortmund vom

12.03.2001 wird zurückgewiesen.

Die Entscheidung ergeht gerichtsgebührenfrei.

Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

## Gründe

**Rn. 2**

Die Streitwertbeschwerde ist gemäß §25 Abs. 3 GKG zu-

**Rn. 3**

lässig, in der Sache jedoch unbegründet.

**Rn. 4**

Zu Recht hat das Amtsgericht den Streitwert für den

**Rn. 5**

Räumungsantrag auf der Basis der Nettomiete von

**Rn. 6**

520,00 DM mit insgesamt 6.240,00 DM ermittelt, also

**Rn. 7**

ohne Berücksichtigung der Nebenkosten.

**Rn. 8**

1.

**Rn. 9**

Inwieweit Mietzinsanteile in die Streitwertberechnung

**Rn. 10**

nach § 16 GKG einzubeziehen sind, ist in der Rechtspre-

**Rn. 11**

chung und Literatur umstritten (vgl. die Nachweise bei

**Rn. 12**

Mutter, MDR 1995, 343 f).

**Rn. 13**

Nach einer Auffassung ist der gesamte Bruttomietzins zu

**Rn. 14**

berücksichtigen (so OLG Hamm, OLG Report 2001, 38 f;

**Rn. 15**

ZMR 1995, 359; OLG Düsseldorf, JurBüro 1992, 114;

**Rn. 16**

OLG München, ZMR 1999, 171; LG Kiel WuM 1998, 45). Zur

**Rn. 17**

Begründung wird im Wesentlichen auf eine geänderte Ver-

**Rn. 18**

teuJ~

**Rn. 19**

kehrsauffassung verwiesen, wonach der Begriff der "Miete"

**Rn. 20**

eben nicht nur den Nettomietzins sondern auch die Ne-

**Rn. 21**

benkosten erfaßt ("Zweite Miete"), zumal die Nebenko-

**Rn. 22**

sten mehr denn je in engem Zusammenhang mit der Ver-

**Rn. 23**

pflichtung des Vermieters zur Gebrauchsüberlassung

**Rn. 24**

stehen. Des Weiteren wird argumentiert, dass auch beim

**Rn. 25**

Kündigungsgrund des § 554 BGB der Mietzinsrückstand un-

**Rn. 26**

ter Einbeziehung ausstehender Nebenkosten ermittelt

**Rn. 27**

wird. Es gäbe keine überzeugenden Gründe für eine un-

**Rn. 28**

terschiedliche Handhabung bei der Ermittlung des Kündi-

**Rn. 29**

gungsgrundes und bei der Ermittlung des Wertes des

**Rn. 30**

darauf gestützten Räumungsbegehrens.

**Rn. 31**

Nach älterer höchstrichterlicher Auffassung sind nach

**Rn. 32**

den Umständen des Einzelfalls neben der Kaltmiete die

**Rn. 33**

nicht verbrauchsabhängigen Nebenkosten zu berücksichti-

**Rn. 34**

gen, die verbrauchsabhängigen dagegen nicht (vgl.

**Rn. 35**

BGHZ 18, 169, 173). In diese - nach der Art der Neben-

**Rn. 36**

kosten differenzierende - Richtung geht auch eine Ent-

**Rn. 37**

scheidung des LG Saarbrücken (MDR 1994, 316), wonach

**Rn. 38**

bei der Streitwertberechnung nur solche Nebenkosten

**Rn. 39**

einzubeziehen sind, die nicht direkt der Versorgung des

**Rn. 40**

Mieters dienen und daher nicht als bloße Durchlaufpo-

**Rn. 41**

sten anzusehen sind.

**Rn. 42**

Schließlich wird die Ansicht vertreten, wonach ledig-

**Rn. 43**

lich die Nettomiete zugrunde zu legen ist (OLG Köln,

**Rn. 44**

JurBüro 1996, 474; OLG Rostock JurBüro 1994, 735;

**Rn. 45**

LG Flensburg, Wum 1998, 44; LG Münster, Wum 1998, 43 f;

**Rn. 46**

"

**Rn. 47**

LG Bochum Wum 1995, 548; Fischer in: Bub/Treier, Hand-

**Rn. 48**

buch der Geschäfts- und Wohnraummiete, 3. Auflage, VIII

**Rn. 49**

Randziffer 225).

**Rn. 50**

2.

**Rn. 51**

Die Kammer ist bisher der letztgenannten Auffassung ge-

**Rn. 52**

folgt und hält hieran auch weiterhin fest. Die im

**Rn. 53**

Grundsatz von allen Meinungen anerkannte Erforderlich-

**Rn. 54**

keit der Einfachheit und Klarheit der Streitwertfest-

**Rn. 55**

setzung läßt sich nur erreichen, wenn sich die erfor-

**Rn. 56**

derlichen Grundlagen bereits aus dem Mietvertrag selbst

**Rn. 57**

ergeben, so dass weitergehende Ermittlungen und Beweis-

**Rn. 58**

aufnahmen hierzu nicht erforderlich sind. Vor diesem

**Rn. 59**

Hintergrund erscheint eine Differenzierung zwischen

**Rn. 60**

verbrauchsabhängigen und nicht verbrauchsabhängigen Ne-

**Rn. 61**

benkosten wenig praktikabel, weil die Mietverträge in

**Rn. 62**

der Regel eine Nebenkosten (-vorauszahlungs) Pauschale

**Rn. 63**

benennen, ohne zwischen verbrauchsabhängigen und - un-

**Rn. 64**

abhängigen Kosten zu unterscheiden. Das Argument der

**Rn. 65**

fehlenden Praktikabilität läßt sich dementsprechend

**Rn. 66**

auch der Auffassung entgegenhalten, die eine Differenzie-

**Rn. 67**

rung danach vornehmen will, ob die jeweiligen Leistun-

**Rn. 68**

gen der Versorgung des Mieters dienen.

**Rn. 69**

Praktikabel erscheint nur eine Bewertung auf der Grund-

**Rn. 70**

lage der Netto- oder der Bruttomiete. Insoweit er-

**Rn. 71**

scheint der Kammer weiterhin der Ansatz des Nettomiet-

**Rn. 72**

zinses sachgerecht.

**Rn. 73**

Schon die übliche Vertragspraxis spricht dafür, dass

**Rn. 74**

der Verkehr unter" Mietzins" das Gebrauchsentgelt ohne

**Rn. 75**

die besonders ausgewiesenen Nebenkosten versteht, was

**Rn. 76**

Folgen für die Auslegung des Begriffs in §16 GKG haben

**Rn. 77**

muss. Die Nebenkosten stehen in der Regel als Voraus-

**Rn. 78**

zahlung unter dem Vorbehalt der Abrechnung und sind

**Rn. 79**

beim Vermieter im Gegensatz zum eigentlichen Ge-

**Rn. 80**

brauchsentgelt nur durchlaufende Posten. Die Mietver-

**Rn. 81**

träge trennen deshalb auch regelmäßig zwischen Haupt-

**Rn. 82**

und Nebenleistungen des Mieters und unterscheiden zwi-

**Rn. 83**

schen ihnen deutlich, so auch im vorliegenden Fall

**Rn. 84**

(vgl. § 3 Abs. 1 und Abs. 3, des Mietvertrages vom 30.09.2000

**Rn. 85**

Bl. 5 d.A..

**Rn. 86**

Auch der Hinweis darauf, dass in § 554 BGB der zur Kün-

**Rn. 87**

digung berechtigende Mietrückstand unter Einschluss der

**Rn. 88**

Nebenkosten zu berechnen ist, vermag letztlich nicht zu

**Rn. 89**

überzeugen. Dass der Zahlungsrückstand im Falle des

**Rn. 90**

§ 554 BGB auf der Grundlage der Bruttomiete zu errech-

**Rn. 91**

nen ist, ergibt sich nicht aus dem Wortlaut, sondern

**Rn. 92**

aus Sinn und Zweck der Vorschrift. Sie gibt dem Vermie-

**Rn. 93**

ter die Möglichkeit, sich ohne Einhaltung einer Frist

**Rn. 94**

aus dem Vertragsverhältnis mit einem säumigen Mieter zu

**Rn. 95**

lösen, um weiteren finanziellen Schaden zu verhindern

**Rn. 96**

oder doch zumindestens so gering wie möglich halten.

**Rn. 97**

Ein solcher Schaden erwächst dem Vermieter aber auch

**Rn. 98**

durch Nichtzahlung der Nebenkosten, denn sie stellen

**Rn. 99**

für den Vermieter im Wesentlichen nur durchlaufene Gel-

**Rn. 100**

der dar, die er zur Begleichung von Forderungen Dritter

**Rn. 101**

aufwenden muss. Solche Überlegungen sind aber für die

**Rn. 102**

Bestimmung des Streitwerts nach § 16 GKG gerade nicht

**Rn. 103**

relevant. Es bestehen vielmehr durchaus triftige

**Rn. 104**

Gründe, der Streitwertberechnung allein die Nettomiete

**Rn. 105**

zugrunde zu legen. Nach § 535 Abs. 1 BGB stellt die

**Rn. 106**

Zahlung des vereinbarten Mietzinses die Gegenleistung

**Rn. 107**

für die Überlassung der vermieteten Sache dar. Die Ne-

**Rn. 108**

benkosten schuldet der Mieter demnach als Gegenleistung

**Rn. 109**

für die vom Vermieter zur erfüllenden Nebenpflichten.

**Rn. 110**

Dementsprechend werden - wie oben ausgeführt - Miete

**Rn. 111**

und Nebenkosten getrennt aufgeführt. Im Übrigen ist

**Rn. 112**

darauf hinzuweisen, dass die Berechnung einer Mietkau-

**Rn. 113**

tion nach § 550 b BGB ebenfalls allein auf der Grund-

**Rn. 114**

lage der Nettomiete erfolgt (vgl. Palandt/Weidenkaff,

**Rn. 115**

60. Auflage, § 550 b Rdn. 9). Auch die vielerorts üb-

**Rn. 116**

lichen Mietspiegel gehen von der Nettomiete aus. Wenn

**Rn. 117**

aber schon im materiellen Mietrecht der Begriff "Miete"

**Rn. 118**

unterschiedlich verwendet wird, besteht auch einer von

**Rn. 119**

der Rechtsprechung zu § 554 BGB abweichenden Auslegung

**Rn. 120**

des Begriffs "Miete" im Rahmen des § 16 GKG nichts ent-

**Rn. 121**

gegen.

**Rn. 122**

Dass bei der Streitwertberechnung nach § 16 GKG von der

**Rn. 123**

Nettomiete auszugehen ist, erscheint nicht zuletzt auf-

**Rn. 124**

grund sozialer Erwägungen geboten. Insbesondere bei

**Rn. 125**

Klagen auf Räumung von Wohnraum spielen soziale Gründe

**Rn. 126**

eine wesentliche Rolle. Bei den heute vielfach üblichen

**Rn. 127**

hohen Mieten ergeben sich im Allgemeinen ohnehin für

**Rn. 128**

Räumungsverfahren erhebliche Streitwerte. Dass aber der

**Rn. 129**

Streitwert in Mietsachen niedrig gehalten werden muss,

**Rn. 130**

ist gesetzgeberischer Wille. Dies zeigt sich schon

**Rn. 131**

darin, dass durch § 16 GKG i. V. m. §12 Abs. l GKG

**Rn. 132**

eine von § 8 ZPO abweichende, zu einem niedrigeren

**Rn. 133**

Streitwert führende Regelung getroffen worden ist.

**Rn. 134**

Sicherlich führt die Nichtberücksichtigung von Nebenko-

**Rn. 135**

sten zu Schwierigkeiten bei Inklusiv-Mieten. Denn eine

**Rn. 136**

exakte Herausrechnung von Nebenkosten ist oft nicht

**Rn. 137**

möglich oder führte jedenfalls zu einem Aufwand, der

**Rn. 138**

bei der Streitwertfestsetzung gerade vermieden werden

**Rn. 139**

soll. Es bleibt aber die Möglichkeit, in den Fällen, in

**Rn. 140**

denen die Parteien selbst eine solche Inklusiv-Miete

**Rn. 141**

vereinbart haben, diese dann auch der Streitwertberech-

**Rn. 142**

nung zugrunde zu legen (vgl. OLG Düsseldorf JurBüro

**Rn. 143**

1992, 114). Daraus ergeben sich zwar für den kosten-

**Rn. 144**

pflichtigen Prozessbeteiligten, der eine Inklusiv-Miete

**Rn. 145**

vereinbart hatte, gewisse Nachteile. Diese Nachteile

**Rn. 146**

sind aber der Ausfluss der Vertragsfreiheit der Par-

**Rn. 147**

teien.

**Rn. 148**

Hinzu kommt folgendes: Bei einer Berechnung des Streit-

**Rn. 149**

wertes auf der Grundlage der Bruttomiete wird in Kauf

**Rn. 150**

genommen, dass der Streitwert gar nicht der tatsächlich

**Rn. 151**

zu zahlenden Jahresmiete entspricht, weil nämlich Nach-

**Rn. 152**

zahlungs- bzw. Rückzahlungsansprüche, die sich erst

**Rn. 153**

aufgrund der Jahresabrechnung ergeben, nicht be-

**Rn. 154**

rücksichtigt werden.

**Rn. 155**

Nach alledem hat das Amtsgericht den Streitwert im Er-

**Rn. 156**

gebnis zu Recht an der Nettomiete orientiert, weshalb

**Rn. 157**

die Streitwertbeschwerde als unbegründet zurückzuweisen

**Rn. 158**

war.

---

Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Beschluss vom 18.05.2001 – 21 T 23/01, ECLI:DE:LGDO:2001:0518.21T23.01.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

Entscheidungstext bereitgestellt über Open Legal Data (openlegaldata.io), lizenziert unter der Open Database License (ODbL) v1.0.

Nicht-amtliche Fassung — maßgeblich ist die Ausfertigung des Gerichts

Quelle: nu:legal – recht.nulegal.eu · Aufbereitung unter CC BY 4.0 (recht.nulegal.eu/lizenz) · Ein Dienst der Nulegal GmbH

Crawlen und Zitieren sind ausdrücklich erlaubt. Vorbehalten ist allein die massenhafte Nutzung zu Trainingszwecken für KI-Systeme (§ 44b Abs. 3 UrhG); hierfür ist unsere Zustimmung erforderlich.

Source: nu:legal – recht.nulegal.eu · Curated layer under CC BY 4.0 (recht.nulegal.eu/license) · Operated by Nulegal GmbH, Potsdam.

Crawling and citation are permitted. Only bulk use for AI training is reserved (Section 44b(3) UrhG) and requires our consent.

Dieses Dokument: https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-dortmund/2001-05-18/21-t-23-01

---

nu:legal · recht.nulegal.eu · Nicht-amtliche Fassung. Maßgeblich ist die Fassung des Gerichts.
