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# Landgericht Dortmund, Urteil vom 21.03.2001 – 6 O 591/00

ECLI:DE:LGDO:2001:0321.6O591.00.00

## Tenor

Die Beklagte wird verurteilt, an den Kläger

41.760,00 DM (i.W. einundvierzigtausendsiebenhundert-

Sechzig DeutscheMark) nebst 5 % Zinsen

über dem jeweiligen Basiszinssatz seit dem

18.01.2001 zu zahlen.

Die Kostendes Rechtsstreits werden der Be-

klagten auferlegt.

Das Urteil ist gegen Sicherheitsleistung insbesondere

Durch selbstschuldnerische, unbefriste-

te, unbedingte Bürgschaft einer deutschen

Sparkasse oder Großbank von 110% des jeweils zu

vollstreckenden Betrages vorläufig vollstreck-

bar.

**Rn. 1**

T a t b e s t a n d

**Rn. 2**

Der Kläger ist seit dem 30.06.2000 Insolvenzverwalter

**Rn. 3**

der Firma N, der Gemeinschuldnerin,.die am 14.04.2000

**Rn. 4**

Eigenantrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens wegen

**Rn. 5**

Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit gestellt hatte.

**Rn. 6**

Am 20.04.2000 war der Kläger zum vorläufigen Insolvenzverwalter

**Rn. 7**

gemäß § 21 Abs. 2 Nr. 2 InsO bestellt worden.

**Rn. 8**

Die Gemeinschuldnerin baute Anlagen für Oberflächenbe-

**Rn. 9**

handlungen, insbesondere im Ausland, unter anderem in

**Rn. 10**

Saudi-Arabien. Hierzu benötigte sie zum Teil Subunter-

**Rn. 11**

nehmer; die Beklagte war eine ihrer Subunternehmer. Die

**Rn. 12**

Gemeinschuldnerin baute in Riyad mit Hilfe der Beklagten

**Rn. 13**

an einer Anlage, dem sogenannten Auftrag B.

**Rn. 14**

Es war vereinbart worden, dass die Beklagte gegen

**Rn. 15**

Kostenerstattung die Maschinenanlage vor Ort in Betrieb

**Rn. 16**

nimmt und das Personal dort einweist. Dieser Auftrag

**Rn. 17**

sollte während des vorläufigen Insolvenzverfahrens zu

**Rn. 18**

Ende gebracht werden. Die Gemeinschuldnerin fragte bei

**Rn. 19**

der Beklagten am 17.05.2000 an, zu welchen Bedingungen

**Rn. 20**

die Beklagte die Anlage in Betrieb nehme. Die Beklagte

**Rn. 21**

faxte am 17.05.2000 an die Gemeinschuldnerin zurück und

**Rn. 22**

nannte ihre Bedingungen zur Erfüllung des Auftrages in

**Rn. 23**

Saudi-Arabien. Ferner machte sie zur Bedingung der Erfüllung,

**Rn. 24**

dass "Zahlung für den

**Rn. 25**

Kataphorese - GleichrIchter in Höhe von 41.760,00 DM"

**Rn. 26**

neben den Kosten von 25.000,00 DM für den Auftrag

**Rn. 27**

B erfolgen müsse. Mit Schreiben vom 26.05.2000

**Rn. 28**

und 29.05.2000 wurde der Beklagten von Seiten der Gemeinschuldnerin

**Rn. 29**

und des Klägers mitgeteilt, dass die

**Rn. 30**

Zahlung für die Inbetriebnahme des Auftrages B

**Rn. 31**

gewährleistet sei; die Bezahlung der aus der Zeit vor

**Rn. 32**

dem 20.04.2000 stammenden Altforderung aber nicht be-

**Rn. 33**

glichen werden könne , weil dies eine Gläubigerbenach-.

**Rn. 34**

teiligung darstellen würde. Der Kläger drohte der Beklagten

**Rn. 35**

bei Nichterfüllung die Durchführung durch

**Rn. 36**

andere Firmen und die Berechnung der Mehrkosten, an. Die

**Rn. 37**

Beklagte blieb hartnäckig und verlangte per Fax vom

**Rn. 38**

30.05.2000 die Zahlung auch der 41.760,00 DM und für

**Rn. 39**

den Auftrag B 29.000,00 DM insgesamt

**Rn. 40**

70.760,00 DM. Der Kläger widersprach am 02.06.2000 er-

**Rn. 41**

neut und wies darauf hin, dass die Zahlung anfechtbar

**Rn. 42**

sei, falls sie erfolge. Die" Beklagte bestand per Fax

**Rn. 43**

vom 05.06.2000 an den Kläger auf der Zahlung. Der Kläger

**Rn. 44**

erklärte daraufhin mit Schreiben vom 08.06.2000 an

**Rn. 45**

die Beklagte, er werde die geforderten 70.760,00 DM

**Rn. 46**

unter dem Vorbehalt der Rückforderung an die Beklagte

**Rn. 47**

zahlen, damit diese den Auftrag erfülle. Er überwies am

**Rn. 48**

19.06.2000 an die Beklagte die geforderte Summe mit dem

**Rn. 49**

Zusatz "Unter Vorbehalt der Rückforderung und der An-

**Rn. 50**

fechtung".

**Rn. 51**

Die Beklagte erfüllte den Auftrag B in Riyadt

**Rn. 52**

daraufhin. Aufgrund der Erfüllung dieses Auftrages wurden

**Rn. 53**

für den KIäger und die Gläubiger weitere 300.000,00 DM fällig.

**Rn. 54**

Mit Schreiben vom 04.12.2000 forderte der Kläger die

**Rn. 55**

Rückzahlung der 41.760,00 DM bis zum 11.12.2000, weil

**Rn. 56**

Die Zahlung gemäß § 130 Abs. 1 Nr.2 InsO anfechtbar

**Rn. 57**

sei. Die Beklagte lehnte ab.

**Rn. 58**

Der Kläger verfolgt sein Ziel mit der vorliegenden

**Rn. 59**

Klage weiter. Er macht geltend, dass wegen der

**Rn. 60**

Komplexität und Spezialität der Anlage deren Inbetriebnahme

**Rn. 61**

und die Einweisung des Bedienungspersonals

**Rn. 62**

eigentlich nur von der Beklagten mit vertretbarem Auf-

**Rn. 63**

wand für die Schuldnerin, auch wegen der Eilbedürftigkeit

**Rn. 64**

geleistet werden konnten. Der Abnehmer der Anlage

**Rn. 65**

habe schon gedrängt und mit Schadensersatzforderungen

**Rn. 66**

gedroht. Deshalb habe er sich gezwungen gesehen, die

**Rn. 67**

Altforderung zu bezahlen, um drohende Schäden von der

**Rn. 68**

Gemeinschuldnerin abzuwenden.

**Rn. 69**

Neben den sonstigen Anfechtungsvoraussetzungen sei auch

**Rn. 70**

eine Gläubigerbenachteiligung eingetreten. Er hätte mit

**Rn. 71**

dem Betrag von 41.760,00 DM mehr Verbindlichkeiten bei

**Rn. 72**

den Insolvenzgläubigern tilgen können als ohne diesen

**Rn. 73**

Betrag. Deshalb müsse die Beklagte qemäß § 143 Abs. 1

**Rn. 74**

InsO die Zahlung wieder herausgeben.

**Rn. 75**

Der Kläger beantragt,

**Rn. 76**

die Beklagte zu verurteilen, an ihn

**Rn. 77**

41.760,00 DM. nebst 5 % Zinsen über dem Basiszinssatz

**Rn. 78**

nach § 1 des Diskontsatz-Über-

**Rn. 79**

leitungs-Gesetzes vom 09.06.1998 seit Rechtshängigkeit

**Rn. 80**

zu zahlen;

**Rn. 81**

ihm zu gestatten, Sicherheit durchselbst-:

**Rn. 82**

schuldnerische, unbedingte und unbefristete

**Rn. 83**

Bürgschaft einer deutschen Sparkasse oder

**Rn. 84**

Großbank zu leisten.

**Rn. 85**

Die Beklagte beantragt,

**Rn. 86**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 87**

Die Beklagte bestreitet, dass eine GIäubigerbenachteiligung

**Rn. 88**

im Sinne des § 129 InsO eingetreten sei. Bei

**Rn. 89**

wirtschaftlicher Betrachtungsweise, die angebracht sei,

**Rn. 90**

seien die Befriedungsmöglichkeiten der Gläubiger ohne

**Rn. 91**

die angefochtene Rechtshandlung nicht günstiger gewesen

**Rn. 92**

als mit ihr. Denn ohne die Zahlung der 70.760,00 DM

**Rn. 93**

hätte sich bei unterstelltem Vortrag des Klägers die

**Rn. 94**

Inbetriebnahme der Anlage bei Altaiseer nicht verwirk-

**Rn. 95**

lichen lassen, so behauptet sie. Erst durch die Inbetriebnahme

**Rn. 96**

seien für den Kläger 300.000,00 DM fällig

**Rn. 97**

geworden. Damit stehe der Zahlung von 70.760,00 DM ein

**Rn. 98**

Mittelzufluß von 300.000,00 DM gegenüber. Ohne die

**Rn. 99**

Rechtshandlung stünden die Insolvenzgläubiger also

**Rn. 100**

wesentlich schlechter als jetzt da.

**Rn. 101**

Ferner erhebt sie den Einwand der unzulässigen Rechts-

**Rn. 102**

ausübung wegen widersprüchlichen Verhaltens des

**Rn. 103**

Klägers. Denn der Kläger sei auf ihre Forderung

**Rn. 104**

schließlich eingegangen, weil er mit möglichst geringem

**Rn. 105**

Aufwand den Auftrag B habe fertig stellen

**Rn. 106**

wollen. Zehn namhafte Firmen in Deutschland, unter

**Rn. 107**

anderem eine vor Ort tätige Firma, hätten die Anlage in

**Rn. 108**

Betrieb nehmen und das Personal einweisen können. Die

**Rn. 109**

Beauftragung einer anderen Firma wäre für den Kläger

**Rn. 110**

mit einem gewissen Aufwand verbunden gewesen, den der

**Rn. 111**

Geschäftsführer der Beklagten im Termin vorn 21.03.2001

**Rn. 112**

mit ca. 250.000,00 DM angab, während die Zahlung von

**Rn. 113**

70.760,00 DM für den Kläger der bequemere Weg gewesen

**Rn. 114**

sei, um an die Zahlung von 300.000,00 DM zu gelangen.

**Rn. 115**

Der Kläger beabsichtige, die Vorteile hieraus zu behalten,

**Rn. 116**

die Nachteile jedoch nicht, sondern seine Gegen-

**Rn. 117**

leistung zurückzufordern.

**Rn. 118**

Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes

**Rn. 119**

wird auf die zwischen den Parteien gewechsel-

**Rn. 120**

ten, vorbereitenden Schriftsätze sowie die zu den Akten

**Rn. 121**

gereichten Urkunden ergänzend Bezug genommen.

**Rn. 122**

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e

**Rn. 123**

Die Klage ist begründet.

**Rn. 124**

Der Kläger hat gegen die Beklagte einen Anspruch auf

**Rn. 125**

Rückgewähr des Betrages von 41. 760,00 DM nach § 143

**Rn. 126**

Abs .1 InsO. Die Voraussetzungen des Anfechtungstatbestandes

**Rn. 127**

des § 130 Abs. 1 Nr. 2 InsO liegen vor. Die Anfechtung

**Rn. 128**

erfolgt im Wege der Klage durch den Insolvenzverwalter

**Rn. 129**

und wurde innerhalb der Frist erhoben. Auch

**Rn. 130**

die Zahlung vom 19.06.2000 auf die Altschuld, die mit

**Rn. 131**

dem Rechtsgeschäft, dem Auftrag B, nichts zu

**Rn. 132**

tun hatte, stellt eine Rechtshandlung im Sinne der genannten

**Rn. 133**

Vorschrift dar. Die Rechtshandlung wurde nach

**Rn. 134**

dem Eröffnungsantrag vorgenommen; denn der Antrag auf

**Rn. 135**

Eröffnung des Insolvenzverfahrens war am 14.04.2000 gestellt

**Rn. 136**

worden. Der Beklagten war bekannt, dass der Eröffnungsantrag

**Rn. 137**

und Zahlungsunfähigkeit vorlagen. Denn

**Rn. 138**

der Kläger hatte der Beklagten mit Schreiben vom

**Rn. 139**

29.05.2000 den Beschluss des Amtsgerichts Stuttgart vom

**Rn. 140**

20.04.2000 übersandt, wonach der Kläger zum vorläufigen

**Rn. 141**

Insolvenzverwalter bestellt worden war. Die Beklagte

**Rn. 142**

hatte, daher positive Kenntnis vom Antrag auf Eröffnung

**Rn. 143**

des Insolvenzverfahrens; denn Insolvenzverfahren werden

**Rn. 144**

nur auf Antrag eröffnet. Die Beklagte, war im Hinblick

**Rn. 145**

auf die Erfüllung der Altverbindlichkeit, die aus der

**Rn. 146**

zeit vor Antragstellung herrührte, Konkursgläubigerin

**Rn. 147**

und hat durch die Zahlung Befriedigung erlangt. Diese

**Rn. 148**

Voraussetzungen werden von der Beklagten auch nicht in

**Rn. 149**

Zweifel gezogen.

**Rn. 150**

Durch die Zahlung des Betrages von 41.760,00 DM trat

**Rn. 151**

aber auch eine objektive Gläubigerbenachteiligung ein.

**Rn. 152**

Infolge der Zahlung von 41.760,00 DM fehlt nämlich dem

**Rn. 153**

Kläger dieser Betrag, um die Forderungen der anderen

**Rn. 154**

Insolvenzgläubiger zu befriedigen. Die Insolvenzmasse

**Rn. 155**

wurde um diesen Betrag verkürzt, und hierdurch bereits

**Rn. 156**

ist eine objektive Benachteiligung der übrigen Gläubiger

**Rn. 157**

eingetreten.

**Rn. 158**

Der Kläger muss sich die aus der Abwicklung des Auf-

**Rn. 159**

trages B erlangten 300.000,00 DM nicht anrech-

**Rn. 160**

nen lassen. Eine Benachteiligung der Gläubiger setzt

**Rn. 161**

voraus, dass durch die Rechtshandlung der Zugriff der

**Rn. 162**

Gläubiger auf das Vermögen des Schuldners bei wirtschaftlicher

**Rn. 163**

Betrachtungsweise beeinträchtigt wird.

**Rn. 164**

Rechtshandlungen, sind dann nicht anfechtbar, wenn sich

**Rn. 165**

bei genauerem Hinsehen ergibt, dass die Gläubiger ohne

**Rn. 166**

die Rechtshandlung im wirtschaftlichen Ergebnis nicht

**Rn. 167**

besser stünden; dies ist z. B. der Fall, wenn ein wert-

**Rn. 168**

loser Gegenstand oder unpfändbare Gegenstände weggegeben

**Rn. 169**

werden (vgl. Kreft in Heidelberger Kommentar zur

**Rn. 170**

Insolvenzordnung, 2. AufI., § 129, Randziff. 48 f.).

**Rn. 171**

Um Derartiges handelt es sich hier nicht . Zwar steht

**Rn. 172**

die benachteiligende Rechtshandlung, die Zahlung der.

**Rn. 173**

41.760,00 DM, mit der weiteren Zahlung von 29.000,00 DM

**Rn. 174**

an die Beklagte im Zusammenhang und bewirkte, dass die

**Rn. 175**

Beklagte bereit war, ihre bereits zuvor bestehende Verpflichtung

**Rn. 176**

aus dem Auftrag B zu erfüllen . Dies

**Rn. 177**

war wiederum Ursache dafür, dass dem Kläger ein fälliger

**Rn. 178**

Werklohnanspruch in Höhe von 300.000,00 DM erwuchs.

**Rn. 179**

Nur die Zahlung der 29.000,00 DM und die Erfüllung der

**Rn. 180**

Werklohnforderung in Höhe von 300.000,00 DM stehen in

**Rn. 181**

unmitteIbarem Zusammenhang und betreffen ein und denselben

**Rn. 182**

Auftrag; hingegen steht die Zahlung der

**Rn. 183**

41. 760,00 DM mit dem Auftrag B nicht in un-

**Rn. 184**

mittelbarem Zusammenhang, so dass der Vorteil, nämlich

**Rn. 185**

der Erhalt von 300.000,00 DM, nicht als Gegenleistung

**Rn. 186**

für die bewirkte Vermögensminderung anzusehen ist. Eine

**Rn. 187**

Vorteilsausgleichung, die durch die Rechtshandlung in

**Rn. 188**

ursächlichem Zusammenhang mit anderen Ereignissen erlangt

**Rn. 189**

wurde, findet beim Wertersatzanspruch nicht statt

**Rn. 190**

(Kreft in Heidelberger Kommentar zur Insolvenzordnung,

**Rn. 191**

2. Aufl., § 143, Randziff. 24 m. w. N.).

**Rn. 192**

Die Rechtsfolge der Insolvenzanfechtung gemäß § 143

**Rn. 193**

Abs. 1 InsO ist, dass Dasjeniqe , was in anfechtbarer

**Rn. 194**

Weise erlangt wurde, zur Insolvenzmasse zurückzugeben

**Rn. 195**

ist, d.h., die Beklagte muss die erhaltene Zahlung von

**Rn. 196**

41.760,00 DM wieder zurückzahlen.

**Rn. 197**

Dem Anspruch des Klägers steht nicht entgegen, dass er

**Rn. 198**

selbst die Zahlung vorgenommen hat; das Verhalten des

**Rn. 199**

Klägers verstößt auch nicht gegen Treu und Glauben

**Rn. 200**

(§ 242 BGB). Als der Kläger die 41.760,00 DM zahlte,

**Rn. 201**

war er noch vorläufiger Insolvenzverwalter ohne Verwal-

**Rn. 202**

tungs- und Verfügungsbefugnis und durfte nur im Ein-

**Rn. 203**

vernehmen mit der Gemeinschuldnerin handeln. Der Insolvenzanfechtung

**Rn. 204**

steht nicht entgegen, dass der Kläger

**Rn. 205**

diese Zahlung selbst vorgenommen hat . Dieses rechtfertigt

**Rn. 206**

sich aus der unterschiedlichen rechtlichen

**Rn. 207**

Stellung zwischen dem vorläufigen Insolvenzverwalter

**Rn. 208**

und dem endgültigen Insolvenzverwalter (ebenso für

**Rn. 209**

Sequester und Konkursverwalter, vgl. OLG Köln, ZIP

**Rn. 210**

1996, 1049, 1050; ferner BGH in WM 1986, 433; BGH in WM

**Rn. 211**

1992,1331) .

**Rn. 212**

Ein rechtsmissbräuchliches oder treuwidriges Verhalten

**Rn. 213**

des Klägers stellt das Verlangen, den Betrag von

**Rn. 214**

41. 760,00 DM zurückzuerhalten, deshalb nicht dar, weil

**Rn. 215**

das Verhalten der Beklagten vor der letztlich vom

**Rn. 216**

Kläger doch bewirkten Zahlung nahezu nötigenden Charak-

**Rn. 217**

ter hatte. Die Beklagte war, weil der Kläger die Zahlung

**Rn. 218**

für die Fortsetzung des Auftrages B garan-

**Rn. 219**

tiert hatte, verpflichtet, den Auftrag zu Ende zu führen.

**Rn. 220**

Demgegenüber hatte sie aufgrund des ihr bekannten

**Rn. 221**

Insolvenzantrages keinen Anspruch mehr auf Erfüllung

**Rn. 222**

der vollen Verbindlichkeit, sondern nur noch auf Teil-

**Rn. 223**

nahme am Insolvenzverfahren und Ausschüttung der Quote;

**Rn. 224**

deshalb stellte das Verlangen der vollen Befriedigung

**Rn. 225**

und die Ankündigung, den Auftrag andernfalls nicht zu

**Rn. 226**

Ende zu führen, für den Kläger einen schweren Nachteil

**Rn. 227**

dar: Ihm drohten Schadensersatzansprüche der Gläubigerin

**Rn. 228**

in Saudi-Arabien in beträchtlicher Höhe und der

**Rn. 229**

Ausfall der erhofften Restwerklohnforderung. Schon des-

**Rn. 230**

halb kann das VerIangen, den Betrag zurückzuzahlen,

**Rn. 231**

nicht als rechtsmissbräuchlich angesehen werden. Der

**Rn. 232**

angebliche Sinneswandel des Klägers vor der Zahlung

**Rn. 233**

kann nicht als treuwidriges Verhalten angesehen werden.

**Rn. 234**

Ein Sinneswandel liegt nach Auffassung der Kammer nicht,

**Rn. 235**

vor. Der Kläger hat, wie der vorgelegte Schriftverkehr

**Rn. 236**

ergibt, seine Auffassung nie aufgegeben, dass die Be-

**Rn. 237**

klagte nach Antrag auf Insolvenzeröffnung keinen An-

**Rn. 238**

spruch auf volle Befriedigung der Altforderung mehr

**Rn. 239**

habe. Er war und blieb auch bei der Zahlung der

**Rn. 240**

Meinung, dass die Beklagte auf den über 29.000,00 DM

**Rn. 241**

hinausgehenden Teil der Zahlung keinem Anspruch habe,

**Rn. 242**

und hat dies dadurch kenntlich gemacht, dass er unter

**Rn. 243**

Vorbehalt der Rückforderung wegen anfechtbar erlangter

**Rn. 244**

Zahlung zahlte. Denn der Kläger befand sich in einer

**Rn. 245**

Zwangslage, die die Beklagte ausgenutzt hat. Auch wenn

**Rn. 246**

der Kläger den Auftrag B mit Hilfe anderer

**Rn. 247**

Firmen hätte fertig steIlen können, wäre dies neben,

**Rn. 248**

zeitlicher Verzögerung doch nur mit einem wesentlich

**Rn. 249**

höheren finanziellen Aufwand möglich gewesen, wie die

**Rn. 250**

Äußerung des Geschäftsführers der Beklagten im Termin

**Rn. 251**

Zeigte, was sich der Kläger in der gegebenen Situation

**Rn. 252**

jedoch schwerlich leisten konnte.

**Rn. 253**

Der Zinsanspruch ergibt sich aus dem Gesetz.

**Rn. 254**

Die prozessualen Nebenentscheidungen folgen aus §§ 91

**Rn. 255**

Abs. 1, 709 ZPO.

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Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Urteil vom 21.03.2001 – 6 O 591/00, ECLI:DE:LGDO:2001:0321.6O591.00.00

Quelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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