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# Landgericht Dortmund, Urteil vom 16.12.1999 – 2 O 297/99

ECLI:DE:LGDO:1999:1216.2O297.99.00

## Tenor

Es wird festgestellt, daß die Beklagte verpflichtet

ist, dem Kläger bedingungsgemäßen Rechtsschutz für

einen Rechtsstreit gegen die T Krankenversicherung

auf Gegenseitigkeit, vertr. d. d. Vorstand, K-Str. ,

E mit folgendem Antrag

zu gewähren:

Es wird festgestellt, daß die Beklagte verpflichtet

ist, dem Kläger nach Maßgabe der mit ihm abgeschlossenen

Allgemeinen Versicherungsbedingungen gemäß Versicherungs-

schein-Nr. #####/####über den 7. Juni 1999 hinaus

Leistungen zu gewähren.

Die Kosten des Rechtsstreits trägt nach einem Streit-

wert von 12.208,60 DM die Beklagte.

Das Urteil ist gegen Sicherheitsleistung in Höhe von

3.500,-- DM vorläufig vollstreckbar.

## Tatbestand

**Rn. 2**

Der Kläger unterhält bei der Beklagten eine Rechts-

**Rn. 3**

schutzversicherung für Selbstständige, der die ARB 94

**Rn. 4**

zugrunde liegen. Als Versicherungsumfang ist ein Pri-

**Rn. 5**

vat-, Berufs- und Verkehrsrechtsschutz gemäß § 28 ARB

**Rn. 6**

94 vereinbart.

**Rn. 7**

Der Kläger war selbstständiger Industriemonteur und

**Rn. 8**

führte einen eigenen Betrieb mit fünf Mitarbeitern. Er

**Rn. 9**

erkrankte an Taubheitsgefühlen in der linken Hand und

**Rn. 10**

im linken Unterarm. Aufgrund dessen wurde er am 13.08.

**Rn. 11**

und am 02.10.1998 operiert. Beide Operationen blieben

**Rn. 12**

im Ergebnis erfolglos. Aufgrund der Erkrankung war der

**Rn. 13**

Kläger arbeitsunfähig.

**Rn. 14**

Bei der T Krankenversicherung unterhält der Kläger

**Rn. 15**

eine Krankentagegeldversicherung; vereinbart ist ein

**Rn. 16**

Krankentagegeld von 200,00 DM pro Tag. Dieses Kranken-

**Rn. 17**

tagegeld zahlte die T Krankenversicherung dem Klä-

**Rn. 18**

ger zunächst aufgrund seiner krankheitsbedingten Ar-

**Rn. 19**

beitsunfähigkeit. Im März 1999 ließ die T Kranken-

**Rn. 20**

versicherung dem Kläger von ihrem Vertrauensarzt

**Rn. 21**

Dr. T2 in L untersuchen. Dieser kam zu dem

**Rn. 22**

Ergebnis dass die Erkrankung des Klägers voraussicht-

**Rn. 23**

lich auf Dauer bestehen werde und dass bei dem Kläger

**Rn. 24**

daher eine Berufsunfähigkeit vorliegt. Daraufhin teilte

**Rn. 25**

die Signal Krankenversicherung dem Kläger mit Schreiben

**Rn. 26**

vom 08.03.1999 mit, dass sie von diesem Tag an von

**Rn. 27**

einer Berufsunfähigkeit des Klägers ausgehe und gemäß

**Rn. 28**

§ 15 MB/KT nur noch bis zum 07.06.1999 Krankentagegeld

**Rn. 29**

leisten werde. Hiergegen erhob der Kläger Klage vor dem

**Rn. 30**

Landgericht Dortmund. Mit dem vor der Kammer unter dem

**Rn. 31**

Aktenzeichen 2 0 210/99 anhängigen Rechtsstreit begehrt

**Rn. 32**

er die Feststellung, dass die T Krankenversiche-

**Rn. 33**

rung zur Leistung weiteren Krankentagegeldes über den

**Rn. 34**

07.06.1999 hinaus verpflichtet ist. Zur Begründung

**Rn. 35**

seines Anspruchs behauptet der Kläger, er sei zwar ar-

**Rn. 36**

beitsunfähig, aber nicht berufsunfähig. In dem Rechts-

**Rn. 37**

streit ist durch einen Beweisbeschluss der Kammer die

**Rn. 38**

Einholung eines schriftlichen Sachverständigengut-

**Rn. 39**

achtens zu der Frage angeordnet worden, ob der Kläger

**Rn. 40**

seit dem 08.03.1999 berufsunfähig ist.

**Rn. 41**

Die voraussichtlichen Kosten dieses Rechtsstreits be-

**Rn. 42**

laufen sich auf 12.208,60 DM. Mit Schreiben vom

**Rn. 43**

04.05.1999 begehrte der Kläger von der Beklagten eine

**Rn. 44**

Deckungszusage für die Übernahme dieser Kosten. Dies

**Rn. 45**

lehnte die Beklagte mit Schreiben vom 11.05.1999 mit

**Rn. 46**

der Begründung ab, die Krankentagegeldversicherung des

**Rn. 47**

Klägers diene der Absicherung seines Verdienstes aus

**Rn. 48**

selbstständiger Tätigkeit; mithin handele es sich um

**Rn. 49**

eine vertragliche Auseinandersetzung im Rahmen der be-

**Rn. 50**

ruflichen Tätigkeit des Klägers. Hierbei verblieb die

**Rn. 51**

Beklagte mit endgültigem Ablehnungsschreiben vom

**Rn. 52**

28.05.1999.

**Rn. 53**

Der Kläger meint, er könne von der Beklagten die Über-

**Rn. 54**

nahme der Kosten des Rechtsstreites mit der T

**Rn. 55**

Krankenversicherung aus dem Rechtsschutzversicherungs-

**Rn. 56**

vertrag beanspruchen. Der Rechtsstreit hinsichtlich des

**Rn. 57**

Krankentagegeldes stelle eine Wahrnehmung rechtlicher

**Rn. 58**

Interessen aus seinem privaten und nicht aus seinem be-

**Rn. 59**

ruflichen Bereich als selbstständig Tätiger dar. Der

**Rn. 60**

erforderliche sachliche Zusammenhang zwischen der be-

**Rn. 61**

ruflichen Tätigkeit und dem Anspruch aus der Kranken-

**Rn. 62**

tagegeldversicherung bestehe nicht. Die Krankentage-

**Rn. 63**

geldversicherung sei unabhängig von einem bestimmten

**Rn. 64**

Beruf abgeschlossen worden und sichere nicht seine

**Rn. 65**

selbstständige Tätigkeit ab, sondern diene allgemein

**Rn. 66**

der Absicherung seines Lebensunterhaltes.

**Rn. 67**

Der Kläger beantragt,

**Rn. 68**

festzustellen, dass die Beklagte verpflichtet

**Rn. 69**

ist, ihm bedingungsgemäßen Rechtsschutz für

**Rn. 70**

einen Rechtsstreit gegen die T Krankenver-

**Rn. 71**

sicherung auf Gegenseitigkeit, vertreten durch

**Rn. 72**

den Vorstand, K-Str.,

**Rn. 73**

E mit folgendem Antrag zu gewähren:

**Rn. 74**

Es wird festgestellt, dass die Beklagte ver-

**Rn. 75**

pflichtet ist, dem Kläger nach Maßgabe der mit

**Rn. 76**

ihm abgeschlossenen allgemeinen Versicherungsbe-

**Rn. 77**

dingungen gemäß Versicherungsschein-Nr.

**Rn. 78**

#####/#### über den 7. Juni 1999 hinaus Leistun-

**Rn. 79**

gen zu gewähren.

**Rn. 80**

Die Beklagte beantragt,

**Rn. 81**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 82**

Sie meint, ein Anspruch auf Deckungszusage bestehe ge-

**Rn. 83**

mäß § 28 (3) ARB 94 nicht, da es bei dem Rechtsstreit,

**Rn. 84**

für den der Kläger die Übernahme der Kosten begehrt,

**Rn. 85**

nicht um die Wahrnehmung rechtlicher Interessen aus

**Rn. 86**

seinem privaten, sondern aus seinem beruflichen Bereich

**Rn. 87**

als selbstständig Tätiger gehe. Dies ergebe sich

**Rn. 88**

daraus, dass das Krankentagegeld den Kläger als Unter-

**Rn. 89**

nehmer gegen Einkommensverluste wegen einer Arbeitsun-

**Rn. 90**

fähigkeit absichere. Allgemein biete das Krankentage-

**Rn. 91**

geld Versicherungsschutz für einen Verdienstausfall

**Rn. 92**

wegen Arbeitsunfähigkeit; daher setze ein Anspruch auf

**Rn. 93**

Krankentagegeld eine Tätigkeit voraus, durch die ein

**Rn. 94**

Verdienst erzielt werde.

**Rn. 95**

Wegen des weiteren Vorbringens der Parteien wird auf

**Rn. 96**

den Inhalt der gewechselten Schriftsätze nebst Anlagen

**Rn. 97**

Bezug genommen.

## Entscheidungsgründe

**Rn. 99**

Die Klage ist begründet.

**Rn. 100**

Dem Kläger steht der gegenüber der Beklagten geltend

**Rn. 101**

gemachte Anspruch auf Erteilung einer Kostendeckungszu-

**Rn. 102**

sage für den Rechtsstreit mit der T Krankenver-

**Rn. 103**

sicherung aus dem zwischen den Parteien bestehenden

**Rn. 104**

Rechtsschutzversicherungsvertrag in Verbindung mit §§ 1

**Rn. 105**

WG, 4, 28 ARB 94 zu.

**Rn. 106**

Der Versicherungsfall ist eingetreten. In der Weigerung

**Rn. 107**

der T Krankenversicherung, über den 07.06.1999

**Rn. 108**

hinaus Krankentagegeld zu bezahlen, liegt nach der Dar-

**Rn. 109**

legung des Klägers ein Verstoß der T gegen ihr aus

**Rn. 110**

dem Krankentagegeldversicherungsvertrag obliegende

**Rn. 111**

Rechtspflichten. Die Rechtsverfolgung des Klägers ist

**Rn. 112**

auch nicht mutwillig, da eine Entscheidung über die Be-

**Rn. 113**

gründetheit der Forderung des Klägers auf Gewährung

**Rn. 114**

weiteren Krankentagegeldes erst durch die Einholung

**Rn. 115**

eines schriftlichen Sachverständigengutachtens ge-

**Rn. 116**

troffen werden kann. Schließlich ist der Rechtsstreit

**Rn. 117**

des Klägers mit der T Krankenversicherung entgegen

**Rn. 118**

der Auffassung der Beklagten auch gemäß § 28 (3) ARB

**Rn. 119**

von dem mit dem zwischen den Parteien geschlossenen

**Rn. 120**

Rechtsschutzversicherungsvertrag vereinbarten Versiche-

**Rn. 121**

rungsschutz umfasst, da es sich bei der Einforderung

**Rn. 122**

des Krankentagegeldes um eine Interessenwahrnehmung im

**Rn. 123**

privaten Bereich des Klägers und nicht in seinem beruf-

**Rn. 124**

lichen Bereich als selbstständig Tätiger handelt.

**Rn. 125**

Ausschlaggebend ist insoweit, ob zwischen der Interes-

**Rn. 126**

senwahrnehmung und der beruflichen Tätigkeit ein inne-

**Rn. 127**

rer sachlicher Zusammenhang von nicht nur untergeordne-

**Rn. 128**

ter Bedeutung besteht. Dies ist, auch bei einem selbst-

**Rn. 129**

ständig Tätigen, bei der Einforderung von Krankentage-

**Rn. 130**

geld aus einem privaten Krankenversicherungsvertrag

**Rn. 131**

grundsätzlich nicht der Fall (so auch OLG Karlsruhe,

**Rn. 132**

Versicherungsrecht 1993, 827; OLG Köln, Versicherungs-

**Rn. 133**

recht 1992, 1220; OLG Stuttgart, Versicherungsrecht

**Rn. 134**

1997, 569; LG Hagen, Versicherungsrecht 1996, 1140 f.;

**Rn. 135**

Harbauer, Rechtsschutzversicherung, 6. Aufl. 1998, § 25

**Rn. 136**

ARB 75 Nr. 24; anderer Ansicht LG Stuttgart, Versiche-

**Rn. 137**

rungsrecht 90, 418 f.; LG Düsseldorf, R + S 1993,

**Rn. 138**

186 f.). Dies folgt zum einen daraus, dass der Ab-

**Rn. 139**

schluss einer Krankentagegeldversicherung sowie die Ge-

**Rn. 140**

währung von Krankentagegeld unabhängig von einer be-

**Rn. 141**

stimmten Tätigkeit erfolgen. Es besteht kein spezi-

**Rn. 142**

fischer Zusammenhang zwischen einem Krankentagegeld-

**Rn. 143**

anspruch und einer speziellen, selbstständigen oder un-

**Rn. 144**

selbstständigen Tätigkeit. Ausschlaggebend für die Zu-

**Rn. 145**

ordnung des Krankentagegeldanspruchs zum privaten Be-

**Rn. 146**

reich des Versicherungsnehmers ist zum Anderen, dass

**Rn. 147**

mit dem Krankentagegeld letztlich nicht der Verdienst,

**Rn. 148**

sondern der Lebensunterhalt abgesichert wird; dies er-

**Rn. 149**

gibt sich daraus, dass sich die Höhe des Krankentage-

**Rn. 150**

geldes nicht nach der Höhe des Verdienstes, sondern

**Rn. 151**

allein nach dem vereinbarten Versicherungsumfang und -

**Rn. 152**

tarif bemisst. Schließlich kommt hinzu, dass im Rahmen

**Rn. 153**

der Rechtsschutzversicherung der Versicherungsfall

**Rn. 154**

letztlich erst mit der ablehnenden Entscheidung des

**Rn. 155**

Krankenversicherers eintritt und zu diesem Zeitpunkt in

**Rn. 156**

aller Regel die berufliche, hier selbstständige,

**Rn. 157**

Tätigkeit nicht mehr ausgeübt wird (vgl. Harbauer

**Rn. 158**

a.a.O.). Danach ist der von dem Kläger gegenüber der

**Rn. 159**

Signal Krankenversicherung geltend gemachte Kranken-

**Rn. 160**

tagegeldanspruch dessen privatem Bereich und nicht

**Rn. 161**

seiner beruflichen Tätigkeit zuzuordnen, so dass die

**Rn. 162**

Beklagte für den über diesen Krankentagegeldanspruch

**Rn. 163**

geführten Rechtsstreit Kostendeckungsschutz zu gewähren

**Rn. 164**

hat.

**Rn. 165**

Die Kostenentscheidung folgt aus § 91 ZPO.

**Rn. 166**

Die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit

**Rn. 167**

folgt aus § 709 ZPO.

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Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Urteil vom 16.12.1999 – 2 O 297/99, ECLI:DE:LGDO:1999:1216.2O297.99.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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