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# Landgericht Dortmund, Urteil vom 10.12.1999 – 3 O 183/99

ECLI:DE:LGDO:1999:1210.3O183.99.00

## Tenor

Die Klage wird abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits trägt die Klägerin

nach einem Streitwert von 131.293,60 DM.

Das Urteil ist gegen Sicherheitsleistung in Höhe

von 120 % des jeweils beizutreibenden Betrages

vorläufig vollstreckbar.

**Rn. 1**

T a t b e s t a n d

**Rn. 2**

Mit notariell beurkundetem Kaufvertragsangebot vom

**Rn. 3**

25.04.1996 bot die M (im folgenden M) der Klägerin

**Rn. 4**

einen 1/2 Miteigentumsanteil an der im Wohnungsgrundbuch

**Rn. 5**

von P Bl. 37099 eingetragenen Eigentumswohnung

**Rn. 6**

Nr. 45 des Aufteilungsplans zu einem Kaufpreis

**Rn. 7**

von 90.506,00 DM zum Kauf an. Dieses Angebot nahm

**Rn. 8**

die Klägerin mit notariell beurkundeter Erklärung vom

**Rn. 9**

08.05.1996 an.

**Rn. 10**

Zur Finanzierung des Kaufpreises schloss sie im April/

**Rn. 11**

Mai 1996 mit der C zwei Bausparverträge

**Rn. 12**

mit Bausparsummen von 54.000,00 DM und

**Rn. 13**

55.000,00 DM und, insoweit handelte die C

**Rn. 14**

im Namen und für Rechnung der Beklagten,

**Rn. 15**

einen Darlehensvertrag über ein Vorausdarlehen in Höhe

**Rn. 16**

von 109.000,00 DM und einer Zinsfestschreibungszeit von

**Rn. 17**

fünf Jahren. In der von der Klägerin unterschriebenen

**Rn. 18**

Vertragsurkunde heißt es unter anderem wie folgt:

**Rn. 19**

"Die monatliche Zinsrate beträgt 504,12 DM.

**Rn. 20**

Während der Vorfinanzierungszeit wird das Darlehen

**Rn. 21**

nicht getilgt.

**Rn. 22**

Die Restschuld nach Ablauf der Zinsfestschreibung

**Rn. 23**

entspricht der Vorausdarlehenssumme, da bis zur Zuteilung

**Rn. 24**

des Bausparvertrages keine Tilgung erfolgt.

**Rn. 25**

Die Tilgung des Vorausdarlehens soll mit der/den

**Rn. 26**

zugeteilten Bausparsumme/n der nachgenannten Bausparverträge

**Rn. 27**

erfolgen....

**Rn. 28**

Die monatliche Sparrate beträgt:

**Rn. 29**

1. - 3. Jahr 82,50 DM,

**Rn. 30**

4 . - 6. Jahr 115,50 DM,

**Rn. 31**

7 . - 9. Jahr 159,50 DM,

**Rn. 32**

ab dem 10. Jahr 203,50 DM. "

**Rn. 33**

Gesichert wurde das Darlehen durch Eintragung einer

**Rn. 34**

Grundschuld in Höhe von 109.000,00 DM zu Gunsten der

**Rn. 35**

C sowie durch die Guthaben aus

**Rn. 36**

den vorzufinanzierenden Bausparverträgen. Zudem musste

**Rn. 37**

die Klägerin der Mieteinnahmegemeinschaft (im folgenden

**Rn. 38**

Mietpool) beitreten.

**Rn. 39**

Sämtliche Verträge wurden durch die Zeugen N

**Rn. 40**

- den Bruder der Klägerin- und X angebahnt.

**Rn. 41**

Sie führten die Vertragsverhandlungen mit der Klägerin.

**Rn. 42**

Einen persönlichen Kontakt zwischen der Klägerin und

**Rn. 43**

der Beklagten bzw. der C gab es

**Rn. 44**

nicht. Der Inhalt der Vertragsverhandlungen ist streitig.

**Rn. 45**

Mit der vorliegenden Klage begehrt die Klägerin Freistellung

**Rn. 46**

von den Verpflichtungen aus dem Darlehensvertrag,

**Rn. 47**

Schadensersatz sowie Feststellung der weiteren

**Rn. 48**

Ersatzpflicht Zug um Zug gegen Übertragung der Eigentumswohnung.

**Rn. 49**

Sie zahlte seit Juli 1996 an die Beklagte

**Rn. 50**

monatlich 504,12 DM und an den Mietpool monatlich

**Rn. 51**

67,00 DM. Von dem Mietpool erhielt die Klägerin monatlich

**Rn. 52**

308,00 DM. Wegen der weiteren Einzelheiten der

**Rn. 53**

Schadensberechnung wird auf BI. 22 d.A. verwiesen.

**Rn. 54**

Die Klägerin behauptet, der Zeuge N habe während

**Rn. 55**

der Vertragsverhandlungen folgendes erklärt:

**Rn. 56**

1. Die Klägerin habe zwei Bausparverträge jeweils

**Rn. 57**

sieben Jahre ansparen müssen und dann kämen

**Rn. 58**

keine weiteren Belastungen auf sie zu, weil die

**Rn. 59**

Belastung von der Miete getragen werde, wobei

**Rn. 60**

noch ein Gewinn übrig bleibe.

**Rn. 61**

2. Die Mieteinnahmen seien garantiert. Durch jährliche

**Rn. 62**

Mieterhöhungen verringere sich die persönliche Belastung.

**Rn. 63**

3. über die vorgestellte Aufwandsberechnung hinaus

**Rn. 64**

seien keine weiteren Zahlungen zu leisten.

**Rn. 65**

4. Die monatliche Belastung betrage 504,12 DM

**Rn. 66**

Zinsen und Tilgung sowie 82,50 DM Vermögenswirksame

**Rn. 67**

Leistungen.

**Rn. 68**

5. Der Wert der Immobilie steige und sie könne nach

**Rn. 69**

fünf Jahren mit Gewinn weiterveräußert werden.

**Rn. 70**

Die Veräußerung der Immobilie sei jederzeit problemlos

**Rn. 71**

möglich. Tatsächlich belaufe sich der

**Rn. 72**

Wiederverkaufswert auf höchstens 73.920,00 DM.

**Rn. 73**

6. Es handele sich um ein Steuersparmodell.

**Rn. 74**

Verschwiegen habe der Vermittler,

**Rn. 75**

7. dass bis zur Zuteilung der Bausparverträge keine

**Rn. 76**

Tilgung erfolge,

**Rn. 77**

8. dass Ausfallrisiken/ Nachzahlungspflichten des

**Rn. 78**

Mietpools infolge Unterdeckung oder Instandhaltungsaufwand

**Rn. 79**

bestünden,

**Rn. 80**

9. dass die Bausparraten erheblich ansteigen

**Rn. 81**

würden,

**Rn. 82**

10. dass die Zuteilung nach Ablauf der Zinsbindungsfrist

**Rn. 83**

nicht sicher sei,

**Rn. 84**

11. die Art und das Ausmaß des Finanzierungsmodells

**Rn. 85**

und der streitigen versteckten Innenprovisionen.

**Rn. 86**

Die Klägerin beantragt,

**Rn. 87**

1. die Beklagte zu verurteilen,

**Rn. 88**

a) an die Kläger 2.293,60 DM nebst 4 % Zinsen

**Rn. 89**

seit Rechtshängigkeit zu zahlen.

**Rn. 90**

b) die Klägerin von allen Verbindlichkeiten

**Rn. 91**

aus dem Darlehen mit der Beklagten zur

**Rn. 92**

Konto-Nr. ########## freizustellen, das

**Rn. 93**

mit Wirkung zum 01.01.1999 von der Beklagten

**Rn. 94**

an die C abgetreten

**Rn. 95**

wurde,

**Rn. 96**

c) das an die Beklagte zur Sicherheit abgetretene

**Rn. 97**

Bausparguthaben bei der C mit der Bausparvertrags-Nr.

**Rn. 98**

#######/301 und #######/302 an die Klägerin

**Rn. 99**

zurück abzutreten,

**Rn. 100**

Zug um Zug gegen kostenneutraler Abgabe sämtlicher

**Rn. 101**

Erklärungen, die zur Übertragung des

**Rn. 102**

im Wohnungsgrundbuch von P, Bl. 37099

**Rn. 103**

eingetragenen Wohnungseigentums, bestehend

**Rn. 104**

aus einem 1.014/100.000 Miterbbaurechtsanteil

**Rn. 105**

nach WEG, verbunden mit dem Sondereigentum an

**Rn. 106**

der im Aufteilungsplan mit Nr. 45 bezeichneten

**Rn. 107**

Wohnung mit sämtlichen im Grundbuch eingetragenen

**Rn. 108**

und nicht eingetragenen Belastungen

**Rn. 109**

und Beschränkungen auf die Beklagte erforderlich

**Rn. 110**

sind,

**Rn. 111**

2. festzustellen, dass die Beklagte verpflichtet

**Rn. 112**

ist, der Klägerin sämtliche über den Monat

**Rn. 113**

Dezember 1998 hinausgehenden, noch künftig

**Rn. 114**

entstehenden Schäden zu ersetzen, die im Zusammenhang

**Rn. 115**

stehen mit dem Kauf des im Wohnungsgrundbuch

**Rn. 116**

von P, BI. 37099 eingetragenen

**Rn. 117**

Wohnungseigentums, bestehend aus

**Rn. 118**

einem 1014/100.000 Miterbbaurechtsanteil nach

**Rn. 119**

WEG, verbunden mit dem Sondereigentum an der

**Rn. 120**

im Aufteilungsplan mit Nr. 45 bezeichneten Wohnung.

**Rn. 121**

Die Beklagte beantragt,

**Rn. 122**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 123**

Sie behauptet, der Klägerin sei empfohlen worden, sich

**Rn. 124**

die Immobilie anzusehen. Die Risikohinweise Anlage B 6

**Rn. 125**

und 7 seien besprochen worden und der Klägerin eine

**Rn. 126**

Fotokopie übergeben worden.

**Rn. 127**

Das Gericht hat Beweis erhoben durch Vernehmung der

**Rn. 128**

Zeugen N, X, N2 und N3

**Rn. 129**

sowie U. Wegen des Ergebnisses der Beweisaufnahme

**Rn. 130**

wird auf die Sitzungsniederschrift vom 10.11.1999

**Rn. 131**

Bezug genommen.

**Rn. 132**

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e

**Rn. 133**

Die Klage ist nicht begründet.

**Rn. 134**

Anspruchsgrundlage ist allein ein Verschulden bei Vertragsschluss

**Rn. 135**

(im folgenden c.i.c.). Eine Haftung nach

**Rn. 136**

den Grundsätzen der c.i.c. setzt zunächst eine Verletzung

**Rn. 137**

von Sorgfaltspflichten voraus. Dabei ist zu

**Rn. 138**

unterscheiden zwischen objektiv unrichtigen Angaben

**Rn. 139**

(unten a)) und unterlassenen Hinweisen (unten b)).

**Rn. 140**

a)

**Rn. 141**

Macht ein Vertragspartner oder eine Person, deren er

**Rn. 142**

sich zur Erfüllung seiner vorvertraglichen Pflichten

**Rn. 143**

bedient, konkrete Angaben, die über allgemeine und reklamehafte

**Rn. 144**

Anpreisungen hinausgehen und die für den

**Rn. 145**

Vertragsschluss des anderen Teils von Bedeutung sein

**Rn. 146**

können, dann müssen diese Angaben richtig sein. Andernfalls

**Rn. 147**

verletzt er Sorgfalts- und Aufklärungspflichten

**Rn. 148**

(BGH NJW 1998, 302, NJW 1991, 2556). Für die Erklärungen

**Rn. 149**

des Vermittlers muss die Beklagte einstehen, denn

**Rn. 150**

sie hat ihm die gesamten Vertragsverhandlungen bis zur

**Rn. 151**

Unterschriftsreife überlassen (BGH NJW-RR 1997, 116).

**Rn. 152**

Die Klägerin hat die von ihr behaupteten falschen Angaben

**Rn. 153**

nicht beweisen können. Der Zeuge N

**Rn. 154**

hat zwar ausgesagt, er habe seiner Schwester erklärt,

**Rn. 155**

dass der Wert der Immobilie steige und sie nach fünf

**Rn. 156**

Jahren mit Gewinn weiter veräußert werden könne. Das

**Rn. 157**

Gericht hat jedoch Zweifel an der Wahrheit der Aussage

**Rn. 158**

des Zeugen. Sie widerspricht den Risikohinweisen B 6

**Rn. 159**

und B 7, die die Klägerin nach der Aussage des Zeugen

**Rn. 160**

unterschrieben hat. Er hat mit seiner Schwester auch

**Rn. 161**

über den Inhalt dieser Urkunde gesprochen. Hinzu kommt,

**Rn. 162**

dass die Erklärung offensichtlich falsch ist und dies

**Rn. 163**

dem Zeugen auch bekannt gewesen sein muss, weil zahlreiche

**Rn. 164**

Erwerbsnebenkosten und ein Disagio in Höhe von

**Rn. 165**

6.540,00 DM mitfinanziert wurden.

**Rn. 166**

Die weiteren Behauptungen der Klägerin hat der Zeuge

**Rn. 167**

nicht bestätigt. Die Zeugen X sowie N2 und

**Rn. 168**

N3 haben keine der Behauptungen der Klägerin

**Rn. 169**

bestätigt. Dass die Vermittler konkrete Steuerersparnisse

**Rn. 170**

versprochen haben, die über ihre tatsächlich

**Rn. 171**

erzielten Vorteile BI. 22 d.A. hinaus gehen, behauptet

**Rn. 172**

die Klägerin selbst nicht. Ihr obliegt die Darlegungs - und

**Rn. 173**

Beweislast dafür, dass die Vermittler falsche Angaben

**Rn. 174**

gemacht haben {Palandt § 282, 11).

**Rn. 175**

Unbeachtlich ist, welche Erklärungen die von der Firma

**Rn. 176**

I und C2 beauftragten Vermittler in ähnlich gelagerten

**Rn. 177**

Fällen abgegeben haben. Angesichts der nachstehend

**Rn. 178**

aufgeführten Urkunden und Indizien lassen sich

**Rn. 179**

daraus keine sicheren Schlüsse auf den konkreten Inhalt

**Rn. 180**

der Vertragsverhandlungen zwischen der Klägerin und

**Rn. 181**

ihrem Bruder sowie dem Zeugen X ziehen.

**Rn. 182**

Gegen den Vortrag der Klägerin sprechen der von ihr

**Rn. 183**

unterschriebene Besuchsbericht B 5, die Mietpoolvereinbarung

**Rn. 184**

B 8, der Darlehensvertrag und der Zeitablauf

**Rn. 185**

zwischen der Zahlungsaufnahme im Juli 1996 und der

**Rn. 186**

erstmaligen Geltendmachung von Schadensersatz - und

**Rn. 187**

Rückabwicklungsansprüchen im November 1998. Die monatlichen

**Rn. 188**

Belastungen ergeben sich offensichtlich und ohne

**Rn. 189**

weiteres erkennbar -auch für einen geschäftsunerfahrenen

**Rn. 190**

Darlehensnehmer- aus dem Darlehensvertrag

**Rn. 191**

(Zinsrate 504,12 DM, Sparrate von 82,50 DM bis

**Rn. 192**

203,50 DM) und dem Besuchsbericht (Aufwand vor Steuern

**Rn. 193**

357,00 DM). Die Risiken der Vermietbarkeit, der Instandhaltungsrücklage,

**Rn. 194**

der Steuerersparnis und des Immobilienmarktes

**Rn. 195**

sind in den Risikohinweisen auch für

**Rn. 196**

einen Laien verständlich dargestellt. Dass der Klägerin

**Rn. 197**

die Risikohinweise bekannt waren, entnimmt das Gericht

**Rn. 198**

der Aussage des Zeugen N. Anhaltspunkte da-

**Rn. 199**

für, dass er zu Lasten seiner Schwester die Unwahrheit

**Rn. 200**

gesagt haben könnte, gibt es nicht.

**Rn. 201**

Eine Parteivernehmung der Klägerin nach § 448 ZPO kam

**Rn. 202**

nicht in Betracht. Voraussetzung dafür ist, dass für

**Rn. 203**

die zu beweisenden Tatsachen eine gewisse Wahrscheinlichkeit

**Rn. 204**

besteht. Dies ist nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme

**Rn. 205**

und der Würdigung der vorstehenden Indizien

**Rn. 206**

nicht der Fall, sondern eher das Gegenteil.

**Rn. 207**

Letztlich lässt sich angesichts der Risikohinweise B 6

**Rn. 208**

und 7, des Besuchsberichts B 5, der Mietpoolvereinbarung

**Rn. 209**

B 8 und des Darlehensvertrages auch nicht feststellen,

**Rn. 210**

dass die behaupteten fehlerhaften Angaben der

**Rn. 211**

Zeugen N und X für den Immobilienkauf

**Rn. 212**

der Klägerin ursächlich waren. Wegen der Einzelheiten

**Rn. 213**

der Begründung wird insoweit auf BI. 8-10 der Entscheidungsgründe

**Rn. 214**

des Urteils des OLG Hamm vom 22.03.1999,

**Rn. 215**

Az.: 31 U 169/98, Bezug genommen.

**Rn. 216**

b)

**Rn. 217**

Das Verschweigen von Tatsachen begründet dagegen nur

**Rn. 218**

eine Haftung, wenn der andere Teil -hier die Klägerin nach

**Rn. 219**

Treu und Glauben unter Berücksichtigung der Verkehrssitte

**Rn. 220**

redlicherweise Aufklärung erwarten durften

**Rn. 221**

(Palandt § 276, 78).

**Rn. 222**

Nach der ständigen Rechtsprechung des BGH ist eine kreditgebende Bank

**Rn. 223**

grundsätzlich nicht verpflichtet, den

**Rn. 224**

Darlehensnehmer über die Risiken der von ihm beabsichtigten

**Rn. 225**

Verwendung des Darlehens aufzuklären (BGH NJW-RR

**Rn. 226**

1992, 879, Hamm WM 1998, 1230, von Heymann in

**Rn. 227**

Assmann / Schütze Handbuch des Kapitalanlagerechts, § 6

**Rn. 228**

Rdn. 122, 130 ff.). Der Kreditnehmer trägt das wirtschaftliche

**Rn. 229**

Risiko der Vermögensanlage und die Bank das

**Rn. 230**

Risiko für die Zahlungsfähigkeit des Kreditnehmers.

**Rn. 231**

Deshalb ist auch der von der Beklagten kalkulierte Beleihungswert

**Rn. 232**

ohne Bedeutung. Nur unter besonderen Umständen

**Rn. 233**

können sich Aufklärungs- und Hinweispflichten

**Rn. 234**

der Bank ergeben. Das kann etwa der Fall sein, wenn die

**Rn. 235**

Bank im Zusammenhang mit der Planung, der Durchführung

**Rn. 236**

oder dem Vertrieb des Projekts über ihre Rolle als Kreditgeberin hinausgeht,

**Rn. 237**

wenn sie einen zu den allgemeinen

**Rn. 238**

wirtschaftlichen Risiken solcher Projekte hinzutretenden

**Rn. 239**

besonderen Gefährdungstatbestand für den Kunden

**Rn. 240**

schafft oder dessen Entstehung begünstigt, wenn sie

**Rn. 241**

sich im Zusammenhang mit Kreditgewährungen sowohl an

**Rn. 242**

den Bauträger als auch an die einzelnen Erwerber in

**Rn. 243**

schwerwiegende Interessenkonflikte verwickelt oder wenn

**Rn. 244**

sie in Bezug auf die speziellen Risiken des Vorhabens

**Rn. 245**

einen konkreten Wissensvorsprung vor dem Darlehensnehmer

**Rn. 246**

hat (BGH NJW-RR 1992, 879). Diese speziellen

**Rn. 247**

Voraussetzungen für eine Aufklärungspflicht liegen entgegen

**Rn. 248**

der Ansicht der Klägerin nicht vor.

**Rn. 249**

Unbeachtlich ist in diesem Zusammenhang der Wert der

**Rn. 250**

Eigentumswohnung, die Höhe der Beleihung und die Zahlung

**Rn. 251**

von "Innenprovisionen". Bei steuersparenden Bauherren-

**Rn. 252**

oder Erwerbermodellen hat sich der Anleger

**Rn. 253**

selbst -ggf. unter Hinzuziehung eines Fachberaters darüber

**Rn. 254**

zu unterrichten, ob die aufzuwendenden Gesamtkosten

**Rn. 255**

in angemessenem Verhältnis zum Wert der zu erwerbenden

**Rn. 256**

Immobilie stehen (BGH NJW-RR 1992, 879, WM

**Rn. 257**

1997, 1426). Etwas anderes kann allenfalls dann gelten,

**Rn. 258**

wenn die Bank weiß, dass dem Objekt Mängel anhaften,

**Rn. 259**

die der Anleger nicht kennt (von Heymann, Rdn. 157

**Rn. 260**

ff.). Davon kann hier keine Rede sein. Schwerwiegende

**Rn. 261**

Baumängel und/oder einen unerwartet geringen Mietertrag

**Rn. 262**

behaupten die Klägerin nicht.

**Rn. 263**

Die Modalitäten der Finanzierung ergaben sich ausdrücklich

**Rn. 264**

aus dem Darlehensvertrag. Darin heißt es unter

**Rn. 265**

anderem, dass während der Vorfinanzierungszeit das Darlehen

**Rn. 266**

nicht getilgt wird und dass die monatliche Rate

**Rn. 267**

ansteigt. Daraus ergibt sich auch für einen geschäftsunerfahrenen

**Rn. 268**

Kreditnehmer, dass das Vorausdarlehen bis

**Rn. 269**

zur Zuteilung des Bauspardarlehens nicht getilgt wird

**Rn. 270**

und die Zuteilungszeit länger als fünf Jahre dauert.

**Rn. 271**

Eine weitergehende Aufklärung (worüber?) war unter

**Rn. 272**

keinem rechtlichen Gesichtspunkt notwendig.

**Rn. 273**

Über ihre Rolle als Kreditgeberin ist die Beklagte

**Rn. 274**

nicht hinausgegangen. Dies ist nur dann anzunehmen,

**Rn. 275**

wenn die Bank nach außen erkennbar Funktionen des Verkäufers

**Rn. 276**

übernimmt, indem sie etwa die Käufer wirbt,

**Rn. 277**

sich aktiv in die Veräußerung einschaltet oder ihr die

**Rn. 278**

gesamte Ausgestaltung des Dreiecksverhältnisses zuzurechnen

**Rn. 279**

ist und gleichsam als Partei des finanzierenden

**Rn. 280**

Geschäfts erscheint und so einen zusätzlichen Vertrauenstatbestand

**Rn. 281**

schafft (BGH NJW-RR 1992, 879, NJW 1988,

**Rn. 282**

1583, von Heymann Rdn. 150 ff.). Dies war vorliegend

**Rn. 283**

nicht der Fall. Allein mit der Übernahme der Zwischenfinanzierung

**Rn. 284**

der Verkäufe aller Wohnungen der B und

**Rn. 285**

der Unternehmenstöchter der I und C2 ist

**Rn. 286**

sie nicht über die bankübliche Finanzierung hinausgegangen.

**Rn. 287**

Nach außen ist sie nicht in Erscheinung getreten.

**Rn. 288**

Konkrete Tatsachen, aus denen sich eine Interessenkollision

**Rn. 289**

der Beklagten (vgl.dazu von Heymann

**Rn. 290**

Rdn. 166) oder eine besondere Gefährdung der Kreditnehmer

**Rn. 291**

(vgl. dazu von Heymann Rdn. 155) ergeben könnte,

**Rn. 292**

sind weder dargelegt noch ersichtlich.

**Rn. 293**

Eine Verpflichtung, die Vermögensverhältnisse des Darlehensnehmers

**Rn. 294**

zu erforschen und bei dem Vertragsabschluss

**Rn. 295**

zu berücksichtigen, trifft den Darlehensgeber

**Rn. 296**

grundsätzlich nicht gegenüber dem Darlehensnehmer (BGH

**Rn. 297**

NJW-RR 1988, 1512). Allein die Beklagte trägt nämlich

**Rn. 298**

das Risiko der Zahlungsunfähigkeit des Kreditnehmers.

**Rn. 299**

Dahinstehen kann die Anwendbarkeit von § 9 VerbrKrG,

**Rn. 300**

denn die Verkäuferin hat keine Aufklärungspflichten

**Rn. 301**

verletzt. Sie haftet weder nach den Grundsätzen der

**Rn. 302**

c.i.c. noch nach Gewährleistungsrecht. Sie war nicht

**Rn. 303**

verpflichtet, die Klägerin über eventuell versteckte

**Rn. 304**

Innenprovisionen und/oder den Wert der Immobilie aufzuklären.

**Rn. 305**

Es ist allein Sache des Käufers, sich anhand

**Rn. 306**

der wertbildenden Merkmale über den Wert der Kaufsache

**Rn. 307**

zu informieren. Über wertbildende Merkmale (Höhe der

**Rn. 308**

Miete, Bauzustand) ist die Klägerin in keiner Weise getäuscht

**Rn. 309**

worden. Innenprovisionen haben auf den Verkehrswert

**Rn. 310**

einer Eigentumswohnung keinen Einfluss.

**Rn. 311**

Die Klage war daher mit der Kostenfolge des § 91 ZPO

**Rn. 312**

abzuweisen. Die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit

**Rn. 313**

beruht auf § 709 ZPO.

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Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Urteil vom 10.12.1999 – 3 O 183/99, ECLI:DE:LGDO:1999:1210.3O183.99.00

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