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# Landgericht Dortmund, Urteil vom 04.11.1999 – 15 O 110/97

ECLI:DE:LGDO:1999:1104.15O110.97.00

## Tenor

Die Beklagten werden verurteilt, als Gesamtschuldner

an den Kläger ein restliches Schmerzensgeld von

53.000,00 DM (i.W. dreiundfünfzigtausend Deutsche

Mark) nebst 4 % Zinsen seit dem 22.8.1997 zu zahlen.

Es wird festgestellt, dass die Beklagten verpflichtet

sind, als Gesamtschuldner dem Kläger allen zukünftigen

immateriellen Schaden aus dem Verkehrsunfall vom

21.8.1994 in E auf der S-allee in Höhe

H-straße nach einer Haftungsquote in Höhe von

60 % zu ersetzen.

Im übrigen wird die Klage abgewiesen.

Von den Kosten des Rechtsstreits ohne Gerichtskosten

tragen der Kläger 34 % und die Beklagten 66 %.

Von den Gerichtskosten tragen der Kläger 38 % und die

Beklagten 62%.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar, für den Kläger

gegen Sicherheitsleistung in Höhe von 68.200,00 DM.

Der Kläger kann die Zwangsvollstreckung durch Sicher-

heitsleistung in Höhe von 3.000,00 DM abwenden, wenn

nicht die Beklagten zuvor in gleicher Höhe Sicherheit

leisten.

## Tatbestand

**Rn. 2**

Der am 29.06.1973 geborene Kläger macht gegenüber den

**Rn. 3**

Beklagten Ansprüche anläßlich seines Verkehrsunfalles

**Rn. 4**

vom 21.08.1994 in E auf der S-allee geltend.

**Rn. 5**

Die Parteien haben sich vorprozessual auf eine Haf-

**Rn. 6**

tungsverteilung von 60 zu 40 zu Gunsten des Klägers ge-

**Rn. 7**

einigt.

**Rn. 8**

Der Kläger ist von Beruf gelernter Stahlbauschlosser

**Rn. 9**

und arbeitete vor dem Unfall in der Zentralwerkstatt

**Rn. 10**

M der T AG. Nach dem Unfall nahm er dort

**Rn. 11**

seine Tätigkeit zwecks Wiedereingliederung für einen Monat

**Rn. 12**

im November 1995 auf und arbeitete dann nach

**Rn. 13**

zwischenzeitlichem Urlaub dort von Februar bei Mai

**Rn. 14**

1996. Nach Behandlung in einer Tagesklinik im Mai/Juni

**Rn. 15**

1996 wurde er nach E2 versetzt und führt

**Rn. 16**

dort leichte Arbeiten für ungelernte Arbeiter aus.

**Rn. 17**

Durch den Unfall ist der Kläger sehr erheblich verletzt

**Rn. 18**

worden, es bestehen Dauerschäden. Der Kläger verweist

**Rn. 19**

unter anderem auf das neurochirurgische Gutachten des

**Rn. 20**

Prof. Dr. Q vom 14.04.1997, das nervenärztliche

**Rn. 21**

Gutachten der Klinik C vom 26.09.1995, das

**Rn. 22**

Gutachten der Augenklinik vom 28.02.1996 (Dauerschaden,

**Rn. 23**

der eine Beeinträchtigung des Gesamtsehvermögens in

**Rn. 24**

Höhe von 10 % bedeutet), das neurologische Gutachten

**Rn. 25**

Dr. L vom 06.09.1996 und das psychiatrische Gutach-

**Rn. 26**

ten N vom 07.03.1997.

**Rn. 27**

Das bisher gezahlte Schmerzensgeld von 37.000,00 DM ge-

**Rn. 28**

nüge den Verletzungen und fortdauernden schweren Beein-

**Rn. 29**

trächtigungen nicht. Im Hinblick auf eine Minderung der

**Rn. 30**

Erwerbsfähigkeit von 50 %, einem Geruchsverlust, um-

**Rn. 31**

fängliche neurologische Ausfälle und Potenzstörungen

**Rn. 32**

sei bei einer Quote von 60 % jedenfalls an Schmerzens-

**Rn. 33**

geld von insgesamt 60.000,00 DM zu zahlen.

**Rn. 34**

Darüber hinaus sei eine monatlich fällig werdende

**Rn. 35**

Schmerzensgeldrente zu zahlen.

**Rn. 36**

Den Feststellungsantrag betreffend einen zukünftigen

**Rn. 37**

materiellen Schaden haben die Beklagten anerkannt und

**Rn. 38**

der Kläger hat diesen daher nach Anhängigkeit aber vor

**Rn. 39**

Rechtshängigkeit zurückgenommen. Er verfolgt insoweit

**Rn. 40**

noch die Feststellung der Schadensersatzpflicht der Be-

**Rn. 41**

klagten betreffend allen zukünftigen immateriellen

**Rn. 42**

Schaden entsprechend der Quote.

**Rn. 43**

Der Kläger beantragt,

**Rn. 44**

1.

**Rn. 45**

die Beklagten zu verurteilen, als Gesamtschuldner

**Rn. 46**

an ihn ein über bereits gezahlte 37.000,00 DM hin-

**Rn. 47**

ausgehendes, weiteres, in das Ermessen des Gerich-

**Rn. 48**

tes gestellte Schmerzensgeld nebst 4 % Zinsen seit

**Rn. 49**

Rechtshängigkeit zu zahlen.

**Rn. 50**

2.

**Rn. 51**

Die Beklagten zu verurteilen, als Gesamtschuldner

**Rn. 52**

an ihn eine monatliche Unfallrente in Höhe von

**Rn. 53**

300,00 DM zu zahlen.

**Rn. 54**

3.

**Rn. 55**

Festzustellen, dass die Beklagten verpflichtet

**Rn. 56**

sind, als Gesamtschuldner ihm jedweden immateriel-

**Rn. 57**

len weiteren Schaden aus dem Verkehrsunfall vom

**Rn. 58**

21.08.1994 gegen 16.16 Uhr auf der Kreuzung

**Rn. 59**

S-allee/H-straße in E nach einer

**Rn. 60**

Haftungsquote in Höhe von 60% zu ersetzen,

**Rn. 61**

Die Beklagten beantragen,

**Rn. 62**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 63**

Die Beklagten behaupten, ein Schmerzensgeld von

**Rn. 64**

45.000,00 DM gezahlt zu haben und verweisen insoweit

**Rn. 65**

auf eine mit Schriftsatz vom 29.09.1999 überreichte

**Rn. 66**

Aufstellung. Der Schmerzensgeldanspruch sei mithin aus-

**Rn. 67**

reichend reguliert. Daneben komme eine Rente nicht in

**Rn. 68**

Betracht.

**Rn. 69**

Von einem vollständigen Geruchsverlust, einer Erwerbs-

**Rn. 70**

unfähigkeit mit einem Grad von 50 % oder von Potenzstö-

**Rn. 71**

rungen sei nicht auszugehen. Auch könne nunmehr von

**Rn. 72**

Sensibilitätsstörungen und anderen neurologischen Aus-

**Rn. 73**

fallerscheinungen nicht mehr ausgegangen werden.

**Rn. 74**

Für den Antrag zu 3.) fehle es an einem Rechtschutzin-

**Rn. 75**

teresse.

**Rn. 76**

Die Kammer hat Beweis erhoben durch Einholung von Gut-

**Rn. 77**

achten. Insoweit wird verwiesen auf: Das radiologische

**Rn. 78**

Gutachten vom 05.06.1998, das neurochirurgische Gutach-

**Rn. 79**

ten vom 14.07.1998, das Gutachten über eine elektroence-

**Rn. 80**

photografische Untersuchung vom 15.06.1998, das hals-nasen-

**Rn. 81**

ohrenärztliche Gutachten vom 25.11.1998 und das fachu-

**Rn. 82**

rologische Gutachten vom 26.08.1999.

**Rn. 83**

Wegen der weiteren Einzelheiten des Parteivorbringens

**Rn. 84**

wird auf den Inhalt der vorgetragenen Schriftsätze

**Rn. 85**

nebst der überreichten Anlagen Bezug genommen.

**Rn. 86**

Zu Informationszwecken haben vorgelegen die Akten der

**Rn. 87**

Staatsanwaltschaft Dortmund 23 Js 1291/94.

## Entscheidungsgründe

**Rn. 89**

Der Klage war nur nach Maßgabe des Tenors zu entspre

**Rn. 90**

chen.

**Rn. 91**

l.

**Rn. 92**

Die Kammer erachtet bei voller Haltung, ein Schmerzens

**Rn. 93**

geld von 150.000.00 DM als gerechtfertigt. Bei einer

**Rn. 94**

Quote von 60 % sind daher 90.000,000 DM abzüglich ge-

**Rn. 95**

zahlter 37.000,00 DM zuzusprechen.

**Rn. 96**

Maßgeblich für die Höhe des Schmerzensgeldes sind die

**Rn. 97**

Feststellungen der vorerwähnten Gutachten, die schon

**Rn. 98**

der Kläger eingereicht hatte bzw. die die Kammer einge-

**Rn. 99**

holt hat. Aufgrund dieser überzeugenden Gutachten ste-

**Rn. 100**

hen ganz erhebliche und auch andauernde Folgen des Un-

**Rn. 101**

falles fest.

**Rn. 102**

Das neurochirurgische Gutachten stellt im Zusammenhang

**Rn. 103**

mit dem radiologischen Gutachten fest: Schweres ge-

**Rn. 104**

decktes Schädelhirntrauma mit traumatischer

**Rn. 105**

Subarachnoidalblutung und Hirnkontusionen links tem-

**Rn. 106**

poro-occipital und im linken Thalamus. Es konstatiert

**Rn. 107**

eine Minderung der Erwerbsfähigkeit von 50 % auf Dauer seit

**Rn. 108**

November 1998 - nach einer Phase von zunächst 100%

**Rn. 109**

seit dem Unfall - und weist in der Beurteilung

**Rn. 110**

(Seite 11 ff. des Gutachtens)

**Rn. 111**

unter anderem darauf hin, für die nähere Zukunft

**Rn. 112**

sei eine wesentliche Veränderung des beschriebenen Zu-

**Rn. 113**

standes nicht zu erwarten. Jedoch sei bei einer wesent-

**Rn. 114**

lichen Vorschädigung des Gehirns davon auszugehen, dass

**Rn. 115**

physiologischerweise eintretende Alterungsvorgänge

**Rn. 116**

schwerere Auswirkungen haben werden, als dies normaler-

**Rn. 117**

weise zu erwarten stünde. Aufgrund der großen interin-

**Rn. 118**

dividuellen Streubreite sei eine Einzelfallvorhersage

**Rn. 119**

nicht möglich.

**Rn. 120**

Das hals-nasen- und ohrenärztliche Gutachten geht von

**Rn. 121**

einer Anosmie aus, die eine Minderung der Erwerbsfähig-

**Rn. 122**

keit von 10 % begründet.

**Rn. 123**

Das fachurologische Gutachten bestätigt Beeinträchti-

**Rn. 124**

gungen auf urologischem Fachgebiet, die es zunächst mit

**Rn. 125**

20 % MDE und ab Juli 1997 mit 10 % MDE bemißt.

**Rn. 126**

Da der Abrechnung der Beklagten eine Zahlung in Höhe

**Rn. 127**

von 45.000,00 DM nicht zu entnehmen ist, ist nur von

**Rn. 128**

einem Betrag in Höhe von 37.000,00 DM auszugehen.

**Rn. 129**

II.

**Rn. 130**

Neben dem Schmerzensgeld war für eine Schmerzens-

**Rn. 131**

geldrente trotz der vorliegenden ganz erheblichen Be-

**Rn. 132**

einträchtigungen kein Raum, da die Kapitalisierung bei

**Rn. 133**

voller Haftung einem Betrag von 102.954,00 DM (500 x 12

**Rn. 134**

x 17,159) gleich kommt, der Gesamtbetrag bei voller

**Rn. 135**

Haftung aber nur 150.000,00 DM beträgt.

**Rn. 136**

Hätte die Kammer daher eine Rente zugesprochen

**Rn. 137**

(60 % = 61.772,40 DM), wäre für ein weiteres Schmer-

**Rn. 138**

zensgeld bei einem Gesamtbetrag von 90.000,00 DM (60 %

**Rn. 139**

von 150.000,00 DM) kein Raum, da 37.000,00 DM gezahlt

**Rn. 140**

sind.

**Rn. 141**

III.

**Rn. 142**

Die Feststellung zukünftiger Schadensersatzverpflich-

**Rn. 143**

tung der Beklagten betreffend den immateriellen Schaden

**Rn. 144**

ist im Anschluß an die vorliegenden Gutachten ohne wei-

**Rn. 145**

teres entsprechend der Quote begründet.

**Rn. 146**

Die Nebenentscheidungen folgen aus den §§ 291 BGB, 92,

**Rn. 147**

708 Nr. 11, 709 und 712 ZPO.

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Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Urteil vom 04.11.1999 – 15 O 110/97, ECLI:DE:LGDO:1999:1104.15O110.97.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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