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# Landgericht Dortmund, Beschluss vom 05.10.1999 – 9 T 517/99

ECLI:DE:LGDO:1999:1005.9T517.99.00

## Tenor

Der angefochtene Beschluss wird aufgehoben.

Die Kosten des Verfahrens werden der Schuldnerin auferlegt.

## Gründe

**Rn. 2**

Mit dem angefochtenen Beschluss hat das Amtsgericht den An-

**Rn. 3**

trag des Finanzamtes auf Eröffnung des Konkursverfahrens

**Rn. 4**

über das Vermögen der Schuldnerin kostenpflichtig zurückge-

**Rn. 5**

wiesen. Zuvor hatte die Finanzbehörde das Konkurseröffnungs-

**Rn. 6**

verfahren für erledigt erklärt, nachdem die Steuerschuld der

**Rn. 7**

Antragsgegnerin, die in dem Antrag mit rd. 35.000,00 DM an-

**Rn. 8**

gegeben war, teils durch Ratenzahlungen, teils im Wege der

**Rn. 9**

Forderungspfändung und im Wesentlichen durch Verrechnung mit

**Rn. 10**

Anfang 1999 festgesetzten Steuererstattungsansprüchen erlo-

**Rn. 11**

schen war.

**Rn. 12**

Da die Ermittlungen des Amtsgerichtes zum Zeitpunkt der Er-

**Rn. 13**

ledigungserklärung keine "weiteren" Anhaltspunkte für eine

**Rn. 14**

Zahlungsunfähigkeit der Schuldnerin erbracht hatten und die

**Rn. 15**

Schuldnerin der Erledigungserklärung widersprach, hat das

**Rn. 16**

Amtsgericht den Konkursantrag mit der Begründung zurückge-

**Rn. 17**

wiesen, eine dauerhafte Zahlungsunfähigkeit ließe sich nicht

**Rn. 18**

feststellen.

**Rn. 19**

Die hiergegen gerichtete sofortige Beschwerde ist zulässig

**Rn. 20**

und begründet.

**Rn. 21**

Das Amtsgericht hat bei der Zurückweisung des Antrages einen

**Rn. 22**

falschen rechtlichen Maßstab angewandt, da es seiner Ent-

**Rn. 23**

scheidung offensichtlich die zivilprozessualen Grundsätze

**Rn. 24**

über die einseitige Erledigungserklärung zugrunde gelegt

**Rn. 25**

hat. Diese sind nach Auffassung der Kammer jedoch nicht an-

**Rn. 26**

wendbar. Zweifellos können die Beteiligten eines Konkursver-

**Rn. 27**

fahrens übereinstimmende Erledigungserklärungen abgeben und

**Rn. 28**

sich damit analog § 91 a ZPO der Kostenentscheidung des Ge-

**Rn. 29**

richts unterwerfen. Widerspricht der Schuldner jedoch der

**Rn. 30**

Erledigungserklärung, so sind die Grundsätze über die ein-

**Rn. 31**

seitige Erledigungserklärung schon deshalb nicht anwendbar,

**Rn. 32**

weil praktisch das gesamte Verfahren mit sämtlichen Ermitt-

**Rn. 33**

lungen fortzusetzen wäre, nur um festzustellen, ob im Zeit-

**Rn. 34**

punkt der Antragstellung eine Konkursgrund vorlag. Hierfür

**Rn. 35**

sind die Verfahrensvorschriften der Konkursordnung offen-

**Rn. 36**

sichtlich ungeeignet.

**Rn. 37**

Die Kammer folgt daher der Rechtsprechung des OLG Köln (vgl.

**Rn. 38**

NJW-RR 94, 445 f.), wonach im Falle der einseitigen Erledi- .

**Rn. 39**

gungserklärung lediglich zu prüfen ist, ob der Eröffnungsan-

**Rn. 40**

trag insbesondere mangels hinreichender Glaubhaftmachung des

**Rn. 41**

Konkursgrundes unzulässig war oder noch vor dem erledigenden

**Rn. 42**

Ereignis durch Gegenglaubhaftmachung unzulässig geworden

**Rn. 43**

ist. Beides ist hier nicht der Fall.

**Rn. 44**

Ob das bloße Behaupten der eigenen Vollstreckungsforderungen und

**Rn. 45**

der Nachweis eines fruchtlosen Sachpfändungsversuchs zur

**Rn. 46**

Glaubhaftmachung ausreichnd sind, bedarf hier keiner Ent-

**Rn. 47**

scheidung. Maßgeblich ist vielmehr die Zusammensetzung der

**Rn. 48**

Steuerschuld. Die Kammer hält es für durchaus zutreffend,

**Rn. 49**

dass die Nichtabführung der Umsatzsteuer ein sehr aussage-

**Rn. 50**

kräftiges Indiz für die Prognose der (voraussichtlich dauer-

**Rn. 51**

haften) Zahlungsunfähigkeit ist. Da es sich hier um einen

**Rn. 52**

bloßen Durchlaufposten handelt, weist das Einbehalten dieser

**Rn. 53**

Gelder darauf hin, dass das Unternehmen einen Finanzbedarf

**Rn. 54**

hat, den es nur noch auf diese offensichtlich verfehlte Wei-

**Rn. 55**

se decken kann. Dieser Sachverhalt ist daher nicht wesent-

**Rn. 56**

lich anders zu behandeln, als die Nichtabführung der Arbeit-

**Rn. 57**

nehmerbeiträge zur Sozialversicherung.

**Rn. 58**

Von daher war die Zahlungsunfähigkeit der Schuldnerin hin-

**Rn. 59**

reichend glaubhaft gemacht. Eine Gegenglaubhaftmachung ist

**Rn. 60**

nicht erfolgt. Der bloße Hinweis auf noch abzugebende Steuer-

**Rn. 61**

erklärungen stellte eine solche nicht dar.

**Rn. 62**

Die Kostenentscheidung beruht auf § 91 ZPO.

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Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Beschluss vom 05.10.1999 – 9 T 517/99, ECLI:DE:LGDO:1999:1005.9T517.99.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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