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# Landgericht Dortmund, Urteil vom 02.09.1999 – 3 O 372/98

ECLI:DE:LGDO:1999:0902.3O372.98.00

## Tenor

**Rn. 1**

T a t b e s t a n d

**Rn. 2**

Die Klägerin begehrt von der Beklagten Restentschädigung

**Rn. 3**

für den Ablauf eines Erbbaurechts.

**Rn. 4**

Mit schriftlichem Vertrag vom 14.11.1927 verpflichtete

**Rn. 5**

sich die Rechtsvorgängerin der Beklagten, der Klägerin

**Rn. 6**

ein Erbbaurecht an dem Grundstück N-straße 41 und

**Rn. 7**

43 in E zu bestellen. Unter § 9 Ziff. 1 des Vertrages

**Rn. 8**

heißt es wörtlich: "Der Erbbauberechtigte ist

**Rn. 9**

verpflichtet, die errichteten Bauwerke nebst Zubehör

**Rn. 10**

sowie die sonstigen Anlagen stets in gutem baulichen

**Rn. 11**

Zustande .... zu erhalten." Gemäß § 14 des Vertrages

**Rn. 12**

endete das Erbbaurecht 70 Jahre nach Eintragung in das

**Rn. 13**

Grundbuch. In § 15 des Vertrages ist geregelt, dass die

**Rn. 14**

Beklagte nach dem vertragsgemäßen Ablauf des Erbbaurechtes

**Rn. 15**

der Klägerin für die Bauwerke und Anlagen eine

**Rn. 16**

Entschädigung in Höhe von zwei Drittel des gemeinen

**Rn. 17**

Wertes gewährt, die die auf dem Erbbaugelände vorhandenen

**Rn. 18**

Bauten und Anlagen, die dem Kläger gehörten, zur

**Rn. 19**

Zeit des Ablaufs des Erbbaurechts besitzen.

**Rn. 20**

Die Klägerin wurde als Erbbauberechtigte ins Grundbuch

**Rn. 21**

eingetragen. Vertragsgemäß erlosch das Erbbaurecht am

**Rn. 22**

08.03.1998.

**Rn. 23**

Die Klägerin hat zur Berechnung der Entschädigung nach

**Rn. 24**

§ 15 des Vertrages ein Privatgutachten des Sachverständigen

**Rn. 25**

U vom 13.03.1998 eingeholt. Dieser kam zu

**Rn. 26**

dem Ergebnis, dass der Wert der Bauwerke und Anlagen

**Rn. 27**

auf dem Grundstück 690.000,00 DM betrug und der Klägerin

**Rn. 28**

davon zwei Drittel, also 460.000,00 DM zustanden.

**Rn. 29**

Mit Schreiben vom 02.04.1998 begehrte die Klägerin von

**Rn. 30**

der Beklagten Zahlung dieser 460.000,00 DM. Mit Schreiben

**Rn. 31**

vom 05.05.1998 überwies die Beklagte der Klägerin

**Rn. 32**

zunächst 367.000,00 DM. Mit Schreiben vom 15.06.1998

**Rn. 33**

forderte die Klägerin die Beklagte zur Zahlung der

**Rn. 34**

restlichen 93.000,00 DM bis zum 30.06.1998 auf. Mit

**Rn. 35**

Schreiben vom 09.07.1998 zahlte die Beklagte weitere

**Rn. 36**

77.000,00 DM. Die Zahlung der restlichen 16.000,00 DM

**Rn. 37**

verweigerte sie mit der Begründung, dass ihr durch einen

**Rn. 38**

Unterhaltsrückstau am Gebäude in dieser Höhe ein

**Rn. 39**

Schaden entstanden sei.

**Rn. 40**

Diese 16.000,00 DM hat die Klägerin vorliegend eingeklagt.

**Rn. 41**

Sie ist der Ansicht, ihr stehe gemäß § 15 des

**Rn. 42**

Erbbauvertrages gegen die Beklagte eine Entschädigung

**Rn. 43**

von zwei Drittel des vom Sachverständigen festgestellten

**Rn. 44**

Wertes der Liegenschaft, also 460.000,00 DM, zu.

**Rn. 45**

Die Klägerin beantragt,

**Rn. 46**

die Beklagte zu verurteilen, an sie

**Rn. 47**

16.000,00 DM nebst 6 % Zinsen seit dem

**Rn. 48**

01.06.1998 zu zahlen.

**Rn. 49**

Die Beklagte beantragt,

**Rn. 50**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 51**

Die Beklagte ist der Ansicht, sie habe die Klageforderung

**Rn. 52**

durch Aufrechnung getilgt.

**Rn. 53**

Sie hat nämlich die Aufrechnung mit angeblichen Schadensersatzansprüchen

**Rn. 54**

in Höhe von 16.000,00 DM gegen die Klageforderung erklärt.

**Rn. 55**

Diesen Schadensersatzanspruch begründet die Beklagte

**Rn. 56**

wie folgt: Sie behauptet, die Klägerin sei ihrer

**Rn. 57**

Pflicht, die Bauwerke in gutem baulichen Zustande zu

**Rn. 58**

erhalten, nicht nachgekommen. An den Gebäuden habe im

**Rn. 59**

Zeitpunkt der Rückgabe an die Beklagte erhebliche Renovierungsstau

**Rn. 60**

bestanden. Außerdem hätten sich dort Schäden

**Rn. 61**

befunden, die die Kläger unter Verstoß gegen § 14

**Rn. 62**

des Erbbauvertrages nicht beseitigt hätten. Insgesamt

**Rn. 63**

machten diese Renovierungsrückstände und Schäden an Beseitigungskosten

**Rn. 64**

und Minderwert einen Betrag von mindestens

**Rn. 65**

48.000,00 DM aus. Hätte die Klägerin den Unterhaltungsrückstau

**Rn. 66**

beseitigt, so würde der Wert der Liegenschaft

**Rn. 67**

deshalb 48.000,00 DM mehr wert sein als dies

**Rn. 68**

jetzt der Fall sei. Von diesen 48.000,00 DM hätte dann

**Rn. 69**

die Beklagte gemäß § 15 des Erbbauvertrages der Klägerin

**Rn. 70**

zwei Drittel als Entschädigung zu zahlen. Das restliche

**Rn. 71**

Drittel, mindestens 16.000,00 DM, wäre der Beklagten

**Rn. 72**

als Mehrwert verblieben. Bei diesen

**Rn. 73**

16.000,00 DM handelt es sich um die Gegenforderung, mit

**Rn. 74**

der die Beklagte gegen die Klageforderung die Aufrechnung

**Rn. 75**

erklärt hat.

**Rn. 76**

Im Einzelnen trägt die Beklagte zu dem angeblichen Minderwert

**Rn. 77**

von 48.000,00 DM Folgendes vor:

**Rn. 78**

Die Beklagte beruft sich darauf, dass unstreitig im

**Rn. 79**

Zeitpunkt der Rückgabe der Gebäude an die Klägerin die

**Rn. 80**

Schäden am Dachstuhl vorlagen, die im Gutachten des

**Rn. 81**

Sachverständigen Q vom 10.03.1998 festgestellt

**Rn. 82**

wurden. Auf den Inhalt dieses Gutachtens wird Bezug genommen.

**Rn. 83**

Unstreitig beträgt der Herstellungsanspruch für

**Rn. 84**

den Dachstuhl 16.000,00 DM zuzüglich Mehrwertsteuer,

**Rn. 85**

mithin 18.560,00 DM.

**Rn. 86**

Ferner behaupten die Beklagten, im Treppenhaus seien an

**Rn. 87**

den Stufen 14 Kanten ausgebrochen, davon drei größere

**Rn. 88**

im ersten unteren Treppenlauf im Haustüreingangsbereich.

**Rn. 89**

Da eine Reparatur nicht möglich sei, veranschlagt

**Rn. 90**

die Beklagte dafür eine Wertminderung in Höhe

**Rn. 91**

von 1.500,00 DM netto.

**Rn. 92**

Ferner beruft sich die Beklagte darauf, dass die Heizungs-

**Rn. 93**

und Warmwasserbereitungsanlage im Zeitpunkt der

**Rn. 94**

Rückgabe des Gebäudes an sie altersbedingt erneuert

**Rn. 95**

werden muss, wie unstreitig im Gutachten der Sachverständigen

**Rn. 96**

U und I vom 13.03.1998 festgestellt

**Rn. 97**

worden ist. Dafür sind unstreitig Kosten in

**Rn. 98**

Höhe von 24.043,52 DM, weitere Mauerkosten in Höhe von

**Rn. 99**

1.500,00 DM und heizungsbedingte Elektroarbeiten in

**Rn. 100**

Höhe von 1.500,00 DM aufzuwenden. Ferner behauptet die

**Rn. 101**

Beklagte, dazu kämen Abnahme-Immissionsgebühren durch

**Rn. 102**

den Bezirksschornsteinfeger und ggf. anfallende Gebühren

**Rn. 103**

beim Bauordnungsamt. Aus den Reparaturkosten für

**Rn. 104**

den Dachstuhl, den Minderwert für den Ausbruch der Kanten

**Rn. 105**

im Treppenhaus und die Kostenerneuerung der Heizungsanlage

**Rn. 106**

errechnet die Beklagte den Gesamtbetrag von

**Rn. 107**

mindestens 48.000,00 DM, von dem sie ein Drittel, mithin

**Rn. 108**

16.000,00 DM, als Schaden ansetzt.

**Rn. 109**

Die Klägerin ist der Ansicht, die Beklagte habe keinen

**Rn. 110**

Schaden erlitten, da bereits der Sachverständige U

**Rn. 111**

in seinem Gutachten die 48.000,00 DM Minderwert

**Rn. 112**

berücksichtigt habe und dadurch die Klägerin weniger

**Rn. 113**

Entschädigung erhalten habe, als wenn sie den Unterhaltsrückstau

**Rn. 114**

beseitigt habe.

**Rn. 115**

Die Klägerin bestreitet mit Nichtwissen die Beschädigungen

**Rn. 116**

im Treppenhaus.

**Rn. 117**

Die Klägerin ist der Ansicht, sie habe ihrer Pflicht,

**Rn. 118**

das Gebäude in gutem baulichen Zustand zu erhalten, erfüllt.

**Rn. 119**

Bei den von der Beklagten berechneten Kosten für

**Rn. 120**

die Herstellung des Dachstuhls, der Heizungsanlage sowie

**Rn. 121**

den Minderwert für das Treppenhaus handele es sich

**Rn. 122**

um normalen altersbedingten Verschleiß.. Eine Pflicht,

**Rn. 123**

den Zustand des Dachstuhls und der Heizungsanlage zu

**Rn. 124**

verbessern, habe die Klägerin nicht.

**Rn. 125**

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e

**Rn. 126**

Die Klage ist nur in dem aus dem Tenor ersichtlichen

**Rn. 127**

Umfang begründet.

**Rn. 128**

Gegen den Restanspruch der Klägerin auf Zahlung der Abfindung

**Rn. 129**

aus § 15 des Erbbauvertrages in Höhe von

**Rn. 130**

16.000,00 DM hat die Beklagte mit einer Schadensersatzforderung

**Rn. 131**

in Höhe von 15.201,17 DM wirksam die Aufrechnung

**Rn. 132**

erklärt, so dass nur eine Klageforderung in Höhe

**Rn. 133**

von 798,83 DM verbleibt.

**Rn. 134**

Dieser Schadensersatzanspruch aus pVV des Vertrages vom

**Rn. 135**

14.11.1927 ergibt sich aus Folgendem:

**Rn. 136**

Die Klägerin hat ihre aus § 14 des Erbbauvertrages folgenden

**Rn. 137**

Pflicht, die Bauwerke bis zur Rückgabe an die

**Rn. 138**

Beklagte in gutem baulichen Zustand zu erhalten, nicht

**Rn. 139**

erfüllt. Die Klägerin war verpflichtet, den Dachstuhl

**Rn. 140**

in einem funktionsfähigen Zustand zu erhalten, bzw.

**Rn. 141**

diesen wieder in einen solchen Zustand zu versetzen.

**Rn. 142**

Dieser Pflicht hat die Klägerin nicht genügt, da der

**Rn. 143**

Dachstuhl nach den unstreitigen Feststellungen des

**Rn. 144**

Sachverständigen Q im Zeitpunkt der Rückgabe an

**Rn. 145**

die Beklagte schwerste Verschleißerscheinungen und

**Rn. 146**

Schäden aufwies. So sind Sparren, Streben, Binderpfosten

**Rn. 147**

und Stuhlpfosten durch Braunfäule zerstört. Der

**Rn. 148**

Kopfband am Walm ist zur Hälfte gesplittert. Die vordere

**Rn. 149**

Mittelfette am Walm ist durch Drehbuch nicht mehr

**Rn. 150**

tragfähig. Die Deckenbalken über der Dachgeschosswohnung

**Rn. 151**

haben die zulässige Durchbiegung überschritten,

**Rn. 152**

wichtige Teile des Daches sind von Anobiiden befallen.

**Rn. 153**

Um ihrer Pflicht zur ordnungsgemäßen baulichen Instandhaltung

**Rn. 154**

zu genügen, hätte die Klägerin diese Mängel beseitigen

**Rn. 155**

müssen. Auch war die Klägerin verpflichtet,

**Rn. 156**

die Heizungs- und Warmwasseraufbereitungsanlage in

**Rn. 157**

gutem baulichen Zustand zu halten. Das hat sie nach den

**Rn. 158**

Feststellungen im Gutachten der Sachverständigen U

**Rn. 159**

und I nicht getan. Zu Unrecht beruft sich

**Rn. 160**

die Klägerin darauf, dass sich die Heizungsanlage in

**Rn. 161**

einem für ihr Alter ausreichendem Zustand befände. Unstreitig

**Rn. 162**

stammt die Heizungs- und Wasseraufbereitungsanlage

**Rn. 163**

noch aus der Vorkriegszeit. Nach den Feststellungen

**Rn. 164**

der vorgenannten Gutachter, die auch insoweit

**Rn. 165**

unstreitig sind, ist die Heizungsanlage gemessen

**Rn. 166**

an den Anforderungen, die heute an eine Heizungsanlage

**Rn. 167**

zu stellen sind, nicht mehr brauchbar. Zur Unterhaltungspflicht

**Rn. 168**

der Klägerin gehört aber auch, dass diese

**Rn. 169**

dafür Sorge trägt, dass eine den heutigen Wohn- und

**Rn. 170**

Nutzungsverhältnissen entsprechende Heizungs- und

**Rn. 171**

Warmwasseranlage sich im Gebäude befindet. Sie hätte

**Rn. 172**

deshalb auf ihre Kosten eine neue, zeitgemäße Heizungs und

**Rn. 173**

Wasseraufbereitungsanlage einbauen müssen.

**Rn. 174**

Die Beklagte hat an Kosten für die Erneuerung der Heizungs-

**Rn. 175**

und Warmwasseranlage nur 27.043,52 DM ausreichend

**Rn. 176**

anhand des Gutachtens substantiiert.

**Rn. 177**

Zu Unrecht berufen sich die Beklagten auf einen Minderwert

**Rn. 178**

durch Beschädigungen an den Treppenstufen. Die Beseitigung

**Rn. 179**

der Ausbrüche an den Kanten von Stufen im

**Rn. 180**

Treppenhaus geht über die Pflicht der Klägerin, die Gebäude

**Rn. 181**

stets in gutem baulichen Zustand zu erhalten,

**Rn. 182**

hinaus. Denn ein vernünftig wirtschaftender Eigentümer

**Rn. 183**

würde diese Schäden nicht beseitigen lassen, sondern

**Rn. 184**

die im übrigen funktionsfähige Treppe im gegenwärtigen

**Rn. 185**

Zustande belassen. Eine Beseitigung der Ausbrüche an

**Rn. 186**

den Treppenkanten ist nämlich nicht möglich, so dass

**Rn. 187**

diese Schäden nur durch völlige Erneuerung der Treppe

**Rn. 188**

zu erreichen wäre, was keine bauliche Erhaltungsmaßnahme

**Rn. 189**

mehr darstellt.

**Rn. 190**

Danach sind zu Gunsten der Beklagten folgende Schadensbeseitigungskosten

**Rn. 191**

zu berücksichtigen:

**Rn. 192**

Reparaturkosten des Dachstuhls 18.560,00 DM

**Rn. 193**

Kosten der Erneuerung der Heizungsund

**Rn. 194**

Warmwasseraufbereitungsanlage

**Rn. 195**

nebst Zubehör 27.043,52 DM

**Rn. 196**

Zwischensumme: 45.603,52 DM

**Rn. 197**

Zu Recht geht die Beklagte davon aus, dass ihr dadurch,

**Rn. 198**

dass die Klägerin diese Kosten nicht aufgewandt hat,

**Rn. 199**

ein Schaden von einem Drittel, also in Höhe von

**Rn. 200**

15.201,17 DM entstanden ist. Denn hätte die Klägerin

**Rn. 201**

die vorgenannten Schäden am Dachstuhl beseitigt und die

**Rn. 202**

Heizungs- und Warmwasseranlage erneuert, so läge der

**Rn. 203**

Grundstückswert um den Betrag dieser Schadensbeseitigungs-

**Rn. 204**

und Erneuerungskosten, also um 45.603,52 DM

**Rn. 205**

höher. Von diesem Betrag hätte die Beklagte zwei Drittel

**Rn. 206**

als Entschädigung an die Klägerin zahlen müssen.

**Rn. 207**

Das restliche Drittel dieser Werterhöhung, also

**Rn. 208**

15.201,17 DM, wäre aber dem Vermögen der Beklagten zugute

**Rn. 209**

gekommen, woran es jetzt fehlt.

**Rn. 210**

Mithin betrug der Schaden der Beklagten 15.201,17 DM.

**Rn. 211**

Die Nebenentscheidungen richten sich nach den §§ 92

**Rn. 212**

Abs. 2, 708 Nr. 11, 711 Satz 1 ZPO.

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Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Urteil vom 02.09.1999 – 3 O 372/98, ECLI:DE:LGDO:1999:0902.3O372.98.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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