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# Landgericht Dortmund, Urteil vom 13.10.1998 – 6 O 130/97

ECLI:DE:LGDO:1998:1013.6O130.97.00

## Tenor

Der Beklagte wird verurteilt, an die Klägerin

7.911,91 DM nebst Zinsen von 5 % über dem jeweiligen

Diskontsatz der Deutschen Bundesbank seit

dem 28. April 1996 zu zahlen.

Die weitergehende Klage wird abgewiesen.

Die Gerichtskosten werden zu 63 % der Klägerin

und zu 37 % dem Beklagten auferlegt.

Die außergerichtlichen Kosten der Klägerin werden

zu 55 % dem Beklagten, die außergerichtlichen Ko-

sten des Beklagten werden zu 26 % der Klägerin

auferlegt.

Die übrigen außergerichtlichen Kosten tragen die

Parteien selbst.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar, für die

Klägerin jedoch nur gegen Sicherheitsleistung

oder Hinterlegung von 10.700,00 DM.

Die Klägerin kann die Vollstreckung der Beklagten

gegen Sicherheitsleistung oder Hinterlegung von

500,00 DM abwenden, wenn nicht der Beklagte vor

der Vollstreckung in gleicher Höhe Sicherheit

leistet.

**Rn. 1**

T a t b e s t a n d

**Rn. 2**

Die Klägerin begehrt von den Beklagten aus abgetretenem

**Rn. 3**

Recht der S Bank GmbH (Zedentin) Zahlung von

**Rn. 4**

10.750,17 DM nebst 5 % Zinsen über dem jeweiligen Bundesbankdiskontsatz

**Rn. 5**

seit dem 29.04.1996, nebst Altzinsen bis zum 28.04.1996 in Höhe von 979,67 DM sowie vorgerichtliche Kosten in Höhe von 143,00 DM.

**Rn. 6**

Die Beklagten schlossen am 29.04.1991 mit der Zedentin

**Rn. 7**

einen Darlehnsvertrag zu folgenden Bedingungen:

**Rn. 8**

Nettodarlehen 27.393,74 DM

**Rn. 9**

Darlehensgebühren 0,47% monatlich 7.727,41 DM

**Rn. 10**

Bearbeitungsgebühr 321,85 DM

**Rn. 11**

Der Gesamtkredit von 35.943,00 DM sollte in 60 monatlichen

**Rn. 12**

Raten von 599,05 DM, beginnend mit dem

**Rn. 13**

5.6.1991, zahlbar jeweilig am 5. jedes Monats zurückgezahlt

**Rn. 14**

werden.

**Rn. 15**

Wegen der weiteren Einzelheiten wird auf den Kreditvertrag

**Rn. 16**

und die Darlehensbedingungen der Zedentin verwiesen

**Rn. 17**

(Blatt 11, 12). Nachdem bis August 1994 Raten gezahlt

**Rn. 18**

worden waren, kam es zu Zahlungsrückständen.

**Rn. 19**

Am 5.9.1994 stellte der Beklagten die Zahlungen

**Rn. 20**

zunächst ein. Lastschriften wurden der Klägern kostenpflichtig

**Rn. 21**

rückbelastet. Der Klägerin entstanden von

**Rn. 22**

da an für Zahlungserinnerungen und Rücklastschriftgebühren

**Rn. 23**

insgesamt 46 DM.

**Rn. 24**

Aufgrund Zahlungsverzugs der Beklagten kündigte die Zedentin

**Rn. 25**

den Darlehensvertrag mit Schreiben vom

**Rn. 26**

23.03.1995. Sie schrieb den Beklagten die nicht verbrauchsabhängigen

**Rn. 27**

Zinsen und laufzeitabhängigen Kosten

**Rn. 28**

ebenso gut wie den von ihr mit 2.450,00 DM angegebenen

**Rn. 29**

Erlös aus der Verwertung des mit dem Darlehen finanzierten

**Rn. 30**

Fahrzeuges.

**Rn. 31**

Unstreitig bewertete der Sachverständige E

**Rn. 32**

vom RWTÜV das Fahrzeug. In seinem Gutachten gab

**Rn. 33**

er den Händlereinkaufswert am 19.12.1994 mit 10.500,00

**Rn. 34**

DM mcl. MWSt an. Unter dem 23.02.1995 schloß die Zedentin

**Rn. 35**

mit der N über den Wagen einen Kaufvertrag.

**Rn. 36**

Der Kaufpreis wurde mit netto 2.130,43 DM angegeben.

**Rn. 37**

Aus den "Bemerkungen" in dem Vertrag geht

**Rn. 38**

hervor, daß von dem Händlereinkaufswert gemäß TÜV-Wertgutachten

**Rn. 39**

in Höhe von 9.130,43 DM ohne MWST eine

**Rn. 40**

"anteilige Reparaturrechnung" vom 25.01.1995 mit netto

**Rn. 41**

7.000,00 DM in Abzug gebracht worden sind.

**Rn. 42**

Auf die Kontenaufstellung der Zedentin vom 23.03.1995

**Rn. 43**

wird Bezug genommen (Blatt 13-15). Am 13.04.1995 beauftragte

**Rn. 44**

die Zedentin die Klägerin mit dem Inkasso der

**Rn. 45**

Darlehensforderung. Nachdem vorprozessuale Inkassomaßnahmen

**Rn. 46**

nicht zur Begleichung der Forderung führten,

**Rn. 47**

trat die Zedentin, wie unstreitig geworden ist, diese

**Rn. 48**

am 22.04.1996 an die Klägerin ab. Auf die Abtretungsbestätigung

**Rn. 49**

der Zedentin vom 16.07.1997 wird verwiesen

**Rn. 50**

(Blatt 54). Vor Anhängigkeit der Klage zahlte der Beklagte

**Rn. 51**

zu 1 DM 700,00, die auf die Inkassokosten, die

**Rn. 52**

die Klägerin mit 843,00 DM angibt, verrechnet wurden.

**Rn. 53**

Die Klägerin rechnet den Kredit zum 23.3.1995 ab wie

**Rn. 54**

folgt:

**Rn. 55**

21 Raten ab 5.9.194 12.580,05 DM

**Rn. 56**

Fehlbetrag Vorkredit 638,80 DM

**Rn. 57**

Rücklastschriftgebühren, Mahnkosten 46,00 DM

**Rn. 58**

Vorfälligkeitsentschädigung -384,25 DM

**Rn. 59**

Erlös für das finanzierte Fahrzeug

**Rn. 60**

abzüglich Mwst. -2.130,43 DM

**Rn. 61**

10.750,17 DM

**Rn. 62**

Die Klägerin behauptet :

**Rn. 63**

Die Zedentin habe den Beklagten zu 1 mit Schreiben vom

**Rn. 64**

06.03.1995 darüber informiert, daß sie – die Zedentin-

**Rn. 65**

sich aufgrund der Rückstände darauf verständigt habe,

**Rn. 66**

das finanzierte Fahrzeug für den Beklagten zu 1 zu veräußern

**Rn. 67**

und den Verwertungserlös dem Darlehnskonto gutzuschreiben.

**Rn. 68**

In dem Schreiben, auf das wegen des genauen

**Rn. 69**

Wortlauts verwiesen wird (Blatt 39), ist der Erlös

**Rn. 70**

mit 2.130,43 DM angegeben.

**Rn. 71**

Sie habe die Beklagten mehrfach vergeblich unter Drohung

**Rn. 72**

mit Abgabe an Inkassobüro gemahnt.

**Rn. 73**

Die Klägerin beantragt, nachdem sie die Klage gegen die

**Rn. 74**

Beklagte zu 2 zurückgenommen hat,

**Rn. 75**

den Beklagten zu verurteilen, an sie 10.750,17 DM zuzüglich

**Rn. 76**

5 % Zinsen über dem jeweiligen Bundesbankdiskontsatz

**Rn. 77**

seit dem 29.04.1996, nebst Altzinsen bis zum 28.04.1996 in

**Rn. 78**

Höhe von 979,67 DM sowie vorgerichtliche Kosten in Höhe von

**Rn. 79**

143,00 DM zu zahlen.

**Rn. 80**

Der Beklagte zu 1 beantragt,

**Rn. 81**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 82**

Er behauptet:

**Rn. 83**

Seine Ehefrau, die Beklagte zu 2, sei seit Anfang Juli

**Rn. 84**

1994 geschäftsunfähig. Dieses sei ihm im Zeitpunkt der

**Rn. 85**

Übergabe des Kaftwagens zum Lackieren nicht bekannt

**Rn. 86**

gewesen.

**Rn. 87**

Er bestreitet, ein Schreiben der Zedentin vom

**Rn. 88**

06.03.1995 erhalten zu haben, und meint, die Kündigung

**Rn. 89**

des Darlehens sei unwirksam. Ferner ist er der Ansicht,

**Rn. 90**

die Klägerin könne nicht die in der Kontoaufstellung

**Rn. 91**

genannten Retouren beanspruchen. Insbesondere wendet

**Rn. 92**

sich der Beklagte dagegen, daß die Zedentin den Erlös

**Rn. 93**

aus der Verwertung des Fahrzeugs lediglich mit 2.130,43

**Rn. 94**

DM angegeben hat. Er behauptet, das Fahrzeug habe zum

**Rn. 95**

Zeitpunkt des Verkaufs einen Mindestwert in Höhe der

**Rn. 96**

Klageforderung aufgewiesen (Beweis: Sachverständigengutachten)

**Rn. 97**

Der Beklagte bestreitet, vor der Verwertung des Fahrzeugs

**Rn. 98**

von dieser unterrichtet worden zu sein. Weder er

**Rn. 99**

noch die Beklagte zu 2 hätten der Verwertung zugestimmt.

**Rn. 100**

Er meint, zu Unrecht seien von dem Fahrzeugwert

**Rn. 101**

angebliche Reparaturkosten in Abzug gebracht worden.

**Rn. 102**

Zwar sei der PKW - unstreitig - von seiner Ehefrau, der

**Rn. 103**

Beklagten zu 2, zur N gebracht worden.

**Rn. 104**

Der von seiner Ehefrau unstreitig erteilte Auftrag zum

**Rn. 105**

Umspritzen des Wagens sei aber, so meint der Beklagte,

**Rn. 106**

nichtig. Dazu behauptet er, seine Ehefrau sei bei der

**Rn. 107**

Auftragserteilung geschäftsunfähig gewesen. Insoweit

**Rn. 108**

bezieht sich der Beklagte u.a. auf den Beschluß des

**Rn. 109**

Amtsgerichts Dortmund vom 05.01.1995, mit dem seiner

**Rn. 110**

Ehefrau ein Betreuer bestellt worden ist (zudem Zeugnis

**Rn. 111**

X und Einholung eines Sachverständigengutachtens).

**Rn. 112**

Auf die Kopie des Beschlusses (Blatt 71) wird

**Rn. 113**

verwiesen. Ferner wendet sich der Beklagte gegen die

**Rn. 114**

Höhe der angeblichen Reparaturkosten. Dazu trägt er

**Rn. 115**

vor, seiner Ehefrau sei eine Rechnung über ca. 5.000,00

**Rn. 116**

DM ausgestellt worden. Der Betrag sei nicht gezahlt

**Rn. 117**

worden, weil die Arbeiten mangelhaft ausgeführt worden

**Rn. 118**

seien. Das Fahrzeug habe Reifen und Felgen gehabt, die

**Rn. 119**

im Eigentum der Firma M gestanden hätten und für

**Rn. 120**

die noch 1.500,00 DM zu zahlen gewesen wären. Die N habe

**Rn. 121**

den Rechnungsbetrag der Firma M

**Rn. 122**

"übernommen' und die Herausgabe des Wagens von der

**Rn. 123**

Zahlung von 6.500,00 DM abhängig gemacht. Ferner habe

**Rn. 124**

sie von ihm, dem Beklagten, verlangt, das Fahrzeug auszuräumen,

**Rn. 125**

was auch geschehen sei.

**Rn. 126**

Ferner bestreitet der Beklagte die Höhe der von der

**Rn. 127**

Klägerin geltend gemachten Zinsen.

**Rn. 128**

Der Beklagte meint, das Landgericht habe, wenn es von

**Rn. 129**

einem Unternehmer-pfandrecht und einem Zurückbehaltungsrecht

**Rn. 130**

der N ausgehe, einen wirksamen

**Rn. 131**

Werkvertrag unterstellt. Daran fehle es jedoch aufgrund

**Rn. 132**

der behaupteten Geschäftsunfähigkeit seiner Ehefrau.

**Rn. 133**

Vorsorglich weist der Beklagte darauf hin, daß

**Rn. 134**

die Zedentin bei der Verwertung die §§ 1257, 1234 BGB

**Rn. 135**

nicht beachtet habe, da weder ihm noch seiner Ehefrau

**Rn. 136**

eine Verkaufsandrohung übersandt worden sei. Zu Unrecht

**Rn. 137**

seien in der Rechnung der N für die Reifenerneuerung

**Rn. 138**

2.500,00 DM in Ansatz gebracht worden;

**Rn. 139**

denn insoweit sei der GmbH ein Auftrag nicht erteilt

**Rn. 140**

worden. Unzutreffend sei in der Rechnung ferner angegeben

**Rn. 141**

worden, daß eine zweischichtige Metallic-Lackierung

**Rn. 142**

in Rot aufgebracht worden sei. Tatsächlich sei in einem

**Rn. 143**

sehr dunklen Rot eine einfache Nicht-MetallicLackierung

**Rn. 144**

der Farbe Elnadin vorgenommen worden, die dementsprechend

**Rn. 145**

preiswerter gewesen sei als die in der Rechnung

**Rn. 146**

ausgewiesene.

**Rn. 147**

Wegen der weiteren Einzelheiten des Parteivorbringens

**Rn. 148**

wird auf den vorgetragenen Inhalt der in diesem Verfahren

**Rn. 149**

gewechselten Schriftsätze, der zu Protokoll

**Rn. 150**

genommenen mündlichen Erklärungen der Parteien und,

**Rn. 151**

soweit entscheidungserheblich, auf die nachfolgenden

**Rn. 152**

Entscheidungsgründe Bezug genommen.

**Rn. 153**

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e

**Rn. 154**

Die zulässige Klage ist im zuerkannten Umfang begründet.

**Rn. 155**

Die Klägerin kann Rückzahlung des Darlehns aus abgetretenem

**Rn. 156**

Recht und Ersatz ihres Verzugsschadens im

**Rn. 157**

zuerkannten Umfang fordern (§§ 398, 607, 286 § BGB) .

**Rn. 158**

Der Zedent in stand gegenüber dem Beklagten ein Anspruch auf

**Rn. 159**

Rückzahlung des restlichen Darlehns in Höhe

**Rn. 160**

von 12.580 DM und Ersatz der Mahnkosten in Höhe von 46

**Rn. 161**

DM aufgrund des mit dem Beklagten geschlossenen Darlehnsvertrages

**Rn. 162**

vom 29.04.1991 gemäß § 607 BGB zu.

**Rn. 163**

Der Anspruch ist auch fällig geworden. Dabei kann dahinstehen,

**Rn. 164**

ob die Kündigung der Zedentin vom 23.03.1995

**Rn. 165**

wirksam ist oder nicht. Sollte die Kündigung wirksam

**Rn. 166**

sein, ist die Darlehnsforderung fällig. Die Zedentin

**Rn. 167**

hat dem Beklagten die nicht verbrauchsabhängigen Zinsen

**Rn. 168**

und laufzeitabhängigen Kosten gutgeschrieben. Sollte

**Rn. 169**

die Kündigung unwirksam sein, weil die Voraussetzungen

**Rn. 170**

des auf den Vertrag anwendbaren § 12 Abs. 1 Nr. 2

**Rn. 171**

VerbrKrG nicht eingehalten worden sind, sind mittlerweile

**Rn. 172**

sämtliche Darlehnsraten fällig; denn der Vertrag

**Rn. 173**

sollte in 60 Monatsraten zurückgezahlt werden. Dieser

**Rn. 174**

Zeitraum ist verstrichen. Bei einer Rückzahlung der

**Rn. 175**

vollen Monatsraten ist der von der Zedentin verlangte

**Rn. 176**

Darlehnsbetrag mindestens erreicht. Die Verwertung des

**Rn. 177**

Fahrzeugs steht dem nicht entgegen; denn die Rücknahme

**Rn. 178**

des Fahrzeugs gilt hier nicht als Ausübung des Rücktrittsrechts

**Rn. 179**

(§ 13 Abs. 3 VerbrKrG) . Nach Nr. 11 der

**Rn. 180**

wirksam in den Darlehnsvertrag einbezogenen Darlehnsbedingungen,

**Rn. 181**

haben sich die Kreditgeberin und der Beklagte

**Rn. 182**

nämlich darauf geeinigt, daß dem Beklagten der

**Rn. 183**

gewöhnliche Verkaufswert der Sache im Zeitpunkt der

**Rn. 184**

Wegnahme zu vergüten ist.

**Rn. 185**

Die Darlehnssumme ermäßigte sich aufgrund der Anrechnung

**Rn. 186**

der aus der Verwertung des zur Sicherung übereigneten

**Rn. 187**

Kraftwagens um 3.630,43 DM, um die Vorfällig-

**Rn. 188**

keitsentschädigung von 384, 25 DM und die Zahlung von

**Rn. 189**

700 DM.

**Rn. 190**

Der gewöhnliche Netto-Verkaufswert des verwerteten

**Rn. 191**

Fahrzeugs ist mit 10.630,43 DM und nicht nur mit

**Rn. 192**

9.130,43 DM anzusetzen. Der im TÜV-Wertgutachten ange-

**Rn. 193**

gebene Wert ist der Händlereinkaufswert. Dieser liegt

**Rn. 194**

erfahrungsgemäß gut 15 % unter dem Verkaufswert. Die

**Rn. 195**

Kammer schätzt, daß der Netto-Verkaufswert hier um

**Rn. 196**

1.500,00 DM über dem Netto-Einkaufswert gelegen hat.

**Rn. 197**

Der Beklagte hat zwar behauptet, der gewöhnliche Verkaufswert

**Rn. 198**

des Fahrzeugs entspreche der Höhe der Klageforderung.

**Rn. 199**

Für diese Behauptung hat der Beklagte auch

**Rn. 200**

Beweis angetreten und die Einholung eines Sachverständigengutachtens

**Rn. 201**

angeboten. Dem Beweisantritt ist jedoch

**Rn. 202**

nicht nachzugehen, weil der Beklagte nicht dargelegt

**Rn. 203**

hat, warum das von einem Dritten erstellte Gutachten

**Rn. 204**

offenbar unbillig ist (§ 319 Abs. 1 BGB) . Allein die

**Rn. 205**

Angabe, ein anderer als der festgestellte Wert sei zutreffend,

**Rn. 206**

reicht nicht aus. Das Gutachten liegt vor.

**Rn. 207**

Insoweit muß von einer Partei, die sich auf die offensichtliche

**Rn. 208**

Unbilligkeit der Leistungsbestimmung beruft,

**Rn. 209**

verlangt werden, daß konkret vorgetragen wird, aus welchen

**Rn. 210**

Gründen die vorn Sachverständigen getroffenen Feststellungen

**Rn. 211**

offenbar unbillig sind.

**Rn. 212**

Der anzurechnende Nettoverkaufswert ermäßigte sich allerdings

**Rn. 213**

durch die Reparaturkosten im Höhe von 7.000 DM.

**Rn. 214**

Entgegen der Auffassung des Beklagten sind die Beträge,

**Rn. 215**

die die Zedentin an die N entrichtet hat,

**Rn. 216**

um das ihr sicherungsübereignete Fahrzeug

**Rn. 217**

zu erlangen und zu verwerten, nicht anspruchsmindernd

**Rn. 218**

zu berücksichtigen.

**Rn. 219**

Allerdings bestimmt Nr. 11 der Darlehnsbedingungen, daß

**Rn. 220**

der gewöhnliche Netto-Verkaufswert zu vergüten ist. Die

**Rn. 221**

Regelung ist unmißverständlich formuliert und läßt

**Rn. 222**

keine Auslegung dahin zu, daß von dem Netto-Verkaufswert

**Rn. 223**

die Kosten in Abzug zu bringen sind, die der Kreditgeberin

**Rn. 224**

entstehen, um das ihr zur Sicherheit übertragene

**Rn. 225**

Fahrzeug in Besitz zu nehmen, um es anschließend

**Rn. 226**

zu verwerten.

**Rn. 227**

Die Parteien haben Nr. 11 der Darlehnsbedingungen auch

**Rn. 228**

nicht abbedungen. Eine der Klausel vorgehende Individualabrede

**Rn. 229**

ist weder mündlich noch schriftlich erfolgt.

**Rn. 230**

Das Schreiben der Zedentin vom 06.03.1995, das dem Beklagten

**Rn. 231**

nach dessen Vortrag nicht zugegangen ist, kann

**Rn. 232**

auch nach der Behauptung der Klägerin nur als einseitige

**Rn. 233**

Erklärung der Zedentin verstanden werden. Das damit

**Rn. 234**

eine vertragliche Abrede getroffen ist, ist nicht

**Rn. 235**

ersichtlich, zumal das Schweigen auf dieses Schreiben

**Rn. 236**

nicht als Zustimmung gewertet werden könnte.

**Rn. 237**

Der Beklagte handelt - auch nach seinem Vortrag - jedoch

**Rn. 238**

treuwidrig, wenn er sich einerseits nicht gegen

**Rn. 239**

die geschehene Verwertung des Fahrzeugs ausspricht, andererseits

**Rn. 240**

aber verlangt, daß ihm der gewöhnliche

**Rn. 241**

Netto-Verkaufserlös gutgebracht wird.

**Rn. 242**

Eine unzulässige Rechtsausübung liegt dann vor, wenn

**Rn. 243**

der Darlehnsnehmer unter Berufung auf Nr. 11 der Darlehnsbedingungen

**Rn. 244**

die Gutschrift des ungeschmälerten Netto-Verkaufs-wertes begehrt und der Kreditgeber als Dritter für den Darlehnsnehmer eine Leistung gemäß

**Rn. 245**

§ 267 BGB erbracht hat, indem er das ihm zur Sicherheit

**Rn. 246**

übereignete Fahrzeug bei einem Unternehmer, der Reparaturen

**Rn. 247**

vorgenommen hat, auslöst und damit Werklohnansprüche

**Rn. 248**

des Unternehmers gegen den Kreditnehmer befriedigt.

**Rn. 249**

Dann stünde dem Kreditgeber gegen den Kreditnehmer

**Rn. 250**

aufgrund des Sicherungsvertrages, aus Auftrag

**Rn. 251**

oder zumindest aus Geschäftsführung ohne Auftrag ein

**Rn. 252**

Rückgriffsanspruch zu. In einem solchen Fall ist der

**Rn. 253**

Kreditgeber berechtigt, die aufgewandten Kosten mit dem

**Rn. 254**

Betrag des gewöhnlichen Netto-Verkaufswertes zu verrechnen.

**Rn. 255**

Andernfalls liefe das Recht, aus der zur Sicherheit

**Rn. 256**

übereigneten Kaufsache Befriedigung zu suchen, leer.

**Rn. 257**

Allerdings liegt ein solcher Fall nach dem Vortrag des

**Rn. 258**

Beklagten nicht vor. Nach der Behauptung des Beklagten

**Rn. 259**

hat seine Ehefrau, als diese geschäftsunfähig war, das

**Rn. 260**

Fahrzeug zur N gegeben. Die von ihr geschlossenen

**Rn. 261**

Werkverträge sind aufgrund der behaupteten

**Rn. 262**

Geschäftsunfähigkeit nichtig. Werklohnansprüche und

**Rn. 263**

ein Unternehmerpfandrecht stehen dem Werkunternehmer

**Rn. 264**

nicht zu.

**Rn. 265**

Gleichwohl hat sich der Beklagte treuwidrig verhalten

**Rn. 266**

und Nebenpflichten aus dem Sicherungsübereignungsvertrag

**Rn. 267**

verletzt. Es kann dahinstehen, ob der Beklagte den

**Rn. 268**

im Eigentum der Zedentin stehenden Wagen seiner nach

**Rn. 269**

seiner Behauptung geschäftsunfähigen Ehefrau überlassen

**Rn. 270**

durfte. Jedenfalls hätte er, als er erfuhr, daß seine

**Rn. 271**

Ehefrau das Fahrzeug in eine Werkstatt gebracht hatte,

**Rn. 272**

sogleich an den Werkunternehmer herantreten und den Wa-

**Rn. 273**

gen herausverlangen müssen, um ihn für die Zedentin zu

**Rn. 274**

besitzen. Zumindest hätte er die Zedentin davon unterrichten

**Rn. 275**

müssen, daß sich das Fahrzeug aufgrund eines

**Rn. 276**

nichtigen Vertrages in der Werkstatt befand. Diese Verpflichtung

**Rn. 277**

bestand insbesondere im Hinblick darauf, daß

**Rn. 278**

der Darlehnsvertrag von ihm nicht mehr ordnungsgemäß

**Rn. 279**

bedient wurde und es damit nahelag, daß die Zedentin

**Rn. 280**

ihr Sicherungsgut verwerten wollte. Bei einer entsprechenden

**Rn. 281**

Unterrichtung hätte die Zedentin den Beklagten

**Rn. 282**

aller Voraussicht nach in Verzug gesetzt. Wäre der Beklagte

**Rn. 283**

seiner Herausgabepflicht dann nicht nachgekommen,

**Rn. 284**

hätte die Zedentin den Wagen - wie geschehen vom

**Rn. 285**

Werkunternehmer herausverlangt und gegen Zahlung

**Rn. 286**

der vom Werkunternehmer verlangten Vergütung auch erhalten.

**Rn. 287**

Diese Kosten hätte die Zedentin aus dem Gesichtspunkt

**Rn. 288**

des Verzuges vom Beklagten ersetzt verlangen

**Rn. 289**

können. Sie mußten aufgewendet werden, damit das

**Rn. 290**

Fahrzeug verwertet werden konnte. Die Zedentin wäre etwa

**Rn. 291**

unter dem Gesichtspunkt der Schadensminderungspflicht

**Rn. 292**

- nicht verpflichtet gewesen, erst einen

**Rn. 293**

Rechtsstreit mit dem Werkunternehmer über die Berechtigung

**Rn. 294**

der Werklohnforderung zu führen. Unerheblich ist

**Rn. 295**

in diesem Zusammenhang, ob die Ehefrau des Beklagten

**Rn. 296**

geschäftsunfähig war oder der Beklagte hiervon wußte.

**Rn. 297**

Im Übrigen ist diese Behauptung aufgrund des vom Beklagten

**Rn. 298**

Selbst in Bezug genommenen, im Verfahren 8 C 441/95 AG Lünen

**Rn. 299**

erstatteten Gutachtens des Sachverständigen

**Rn. 300**

U vom 27.10.1994 (Blatt 27ff. der BA)

**Rn. 301**

widerlegt. Danach war die Beklagte zu 1 mit ihrem Ehemann

**Rn. 302**

am 28.9.1994 zur stationären Aufnahme erschienen.

**Rn. 303**

Gegenüber den Sachverständigen hatte der Beklagte zu 2

**Rn. 304**

im Zuge der Sozialanamnese erklärt, seine Frau habe in

**Rn. 305**

den letzten 3 Monaten ca. 125.000 DM Schulden gemacht,

**Rn. 306**

es müsse dringend etwas geschehen (Blatt 32 der BA) .

**Rn. 307**

Der Beklagte rechnete bei dieser Sachlage spätestens im

**Rn. 308**

Oktober 1994 damit, daß seine Frau geschäftsunfähig

**Rn. 309**

war. Der Beklagte, der seine Nebenpflichten aus dem Sicherungsübereignungsvertrag verletzt hat, kann aufgrund

**Rn. 310**

der Vertragsverletzung nicht besser stehen, als er bei

**Rn. 311**

vertragsgemäßem Verhalten stünde.

**Rn. 312**

Von der Forderung der Klägerin sind ferner 638,80 DM

**Rn. 313**

abzusetzen, die Klägerin als Fehlbetrag aus Altkredit

**Rn. 314**

bezeichnet. Inwiefern der Beklagte einen Fehlbetrag

**Rn. 315**

aus Altkredit zu zahlen hat, hat die Klägerin nicht

**Rn. 316**

dargelegt.

**Rn. 317**

Altzinsen und Inkassokosten in Höhe von 979,67 DM stehen

**Rn. 318**

der Klägerin als Verzugsschaden nicht zu. Daß der

**Rn. 319**

Beklagte sich mit der Rückzahlung des Restbetrages

**Rn. 320**

seit dem 3.4.1995 im Verzug befand, ist nicht

**Rn. 321**

festzustellen. Den vom Beklagten bestrittenen Zugang

**Rn. 322**

der Kündigung des Vertrages vom 23.3.1994 hat die

**Rn. 323**

Klägerin nicht bewiesen. Ebensowenig war für die Fälligkeit

**Rn. 324**

der Restschuld in den Vereinbarungen der

**Rn. 325**

Parteien eine Zeit ausschließlich nach dem Kalender

**Rn. 326**

bestimmt. Was die Inkassokosten betrifft, war der Beklagte

**Rn. 327**

ausweislich der zahlreichen vergeblichen Mahnungen

**Rn. 328**

auch offensichtlich zahlungsunfähig oder -willig.

**Rn. 329**

Insoweit hat die Klägerin durch Einschaltung eines

**Rn. 330**

Inkassobüros anstelle eines Anwalts auch gegen ihre

**Rn. 331**

Schadensminderungspflicht (§ 254 BGB) verstoßen.

**Rn. 332**

Die Zubilligung von Zinsen beruht auf § 11 Abs.1 VerbrKrG.

**Rn. 333**

Die Kostenentscheidung beruht auf den § 92 ZPO, die

**Rn. 334**

Entscheidung über vorläufige Vollstreckbarkeit und die

**Rn. 335**

Befugnis zur Abwendung der Vollstreckung auf den §§

**Rn. 336**

708 Ziffer 11, 709 ZPo.

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Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Urteil vom 13.10.1998 – 6 O 130/97, ECLI:DE:LGDO:1998:1013.6O130.97.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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