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# Landgericht Dortmund, Beschluss vom 20.10.1997 – 14 (XI) Qs 71/97

ECLI:DE:LGDO:1997:1020.14XI.QS71.97.00

## Tenor

Es wird festgestellt, daß die Entscheidung des Vorsit-

zenden des erweiterten Schöffengerichts vom 7.10.1997,

den Hauptverhandlungstermin nicht zu verlegen, rechts-

widrig ist.

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens und die dem Ange-

klagten insoweit entstandenen notwendigen Auslagen

trägt die Landeskasse.

## Gründe

**Rn. 2**

Das Rechtsmittel ist als Beschwerde gegen die Ablehnung des

**Rn. 3**

Vertagungsantrags zu werten; diese Beschwerde gegen die Ab-

**Rn. 4**

lehnung des Antrags auf Terminsverlegung ist in dem hier

**Rn. 5**

zu entscheidenden Fall ausnahmsweise zulässig.

**Rn. 6**

Grundsätzlich sind Rechtsmittel gegen die Terminsbestimmung

**Rn. 7**

unzulässig. § 305 StPO schränkt die Beschwerde gegen die

**Rn. 8**

dem Urteil vorausgehenden Entscheidungen aber dann nicht

**Rn. 9**

ein, wenn .die angefochtene Entscheidung nur oder auch pro-

**Rn. 10**

zessuale Bedeutung in anderer Richtung hat und deshalb von

**Rn. 11**

selbständiger Bedeutung ist (Kleinknecht/Meyer-Goßner, Rn 5

**Rn. 12**

zu § 305 StPO). Selbständige Bedeutung kann dabei die Frage

**Rn. 13**

erlangen, ob ein Angeklagter durch einen Verteidiger seiner

**Rn. 14**

Wahl verteidigt wird. Diese Frage erlangt hier Gewicht mit

**Rn. 15**

der Folge, daß in diesem Umfang auch die mit der Terminbe-

**Rn. 16**

stimmung zusammenhängenden Entscheidungen mit der Beschwer-

**Rn. 17**

de angefochten werden können.

**Rn. 18**

Begründet ist eine derartige Beschwerde nach jetzt wohl

**Rn. 19**

h.M, (zu vergl. Kleinknecht/Meyer-Goßner, 43. Aufl., Rn 8

**Rn. 20**

zu § 213 StPO m.w.N.) dann, wenn die angefochtene Entschei-

**Rn. 21**

dung infolge fehlerhafter Ermessensausübung rechtswidrig

**Rn. 22**

ist. Das ist hier der Fall:

**Rn. 23**

Der Angeklagte hatte um die Beiordnung von RA X mit

**Rn. 24**

der Begründung ersucht, er habe ihn in einem früheren Ver-

**Rn. 25**

fahren schon einmal verteidigt. Nur so kann seine Äußerung,

**Rn. 26**

er wolle seinen "alten Pflichtverteidiger Herrn X

**Rn. 27**

haben" (Bl. 99 d.A,), verstanden werden. Das läßt auf ein

**Rn. 28**

besonderes Vertrauensverhältnis schließen, was der Vorsit-

**Rn. 29**

zende des Schöffengericht selbst als gegeben unterstellt

**Rn. 30**

haben dürfte, als er RA X in Abweichung von der Re-

**Rn. 31**

gel des §142 Abs. 1 StPO zum Pflichtverteidiger bestellt

**Rn. 32**

hat. Die Ablehnung der Terminsverlegung hätte deshalb zur

**Rn. 33**

Folge, daß wegen der Verhinderung, von RA X an minde-

**Rn. 34**

stens zwei der vorgesehenen drei Verhandlungstage der Ange-

**Rn. 35**

klagte der Möglichkeit benommen wäre, sich eines Verteidi-

**Rn. 36**

gers seines Vertrauens zu bedienen. Dieses Recht eines An-

**Rn. 37**

geklagten, sich eines Verteidigers seines Vertrauens zu be-

**Rn. 38**

dienen, ist bei Anfragen auf Terminsverlegungen im Rahmen

**Rn. 39**

der Ermessensausübung zu berücksichtigen (BHG StV 1989,

**Rn. 40**

89). Dieses Recht hat hier besondere Bedeutung, weil offen-

**Rn. 41**

bar ein besonderes Vertrauensverhältnis besteht. Darüber-

**Rn. 42**

hinaus liegt ein Fall notwendiger Verteidigung vor. Ein be-

**Rn. 43**

sonderes Beschleunigungsbedürfnis ist indessen nicht zu er-

**Rn. 44**

kennen. Bei alledem relativiert sich dieses, wenn der Ange-

**Rn. 45**

klagte selbst - über seinen Verteidiger - die Anberaumung

**Rn. 46**

eines späteren Termins beantragt.

**Rn. 47**

Daß der Vorsitzende des Schöffengerichts - neben den vorge-

**Rn. 48**

tragenen und ebenfalls gewichtigen Gründen - dieses bei

**Rn. 49**

seiner Entscheidung, den Termin nicht zu verlegen, berück-

**Rn. 50**

sichtigt hätte, lassen, seine Antwort und auch die Nichtab-

**Rn. 51**

hilfeentscheidung aufgrund der Beschwerde nicht erkennen.

**Rn. 52**

Dabei hätte allein die Tatsache, daß es sich um einen mit

**Rn. 53**

dem Verteidiger nicht abgestimmten Termin gehandelt hatte,

**Rn. 54**

Ausführungen auch zur Frage der bei Fortbestand des Termins

**Rn. 55**

nicht möglichen Verteidigung durch einen Verteidiger des

**Rn. 56**

Vertrauens erfordert. Der allgemeine Grundsatz wirksamer

**Rn. 57**

Verteidigung und die prozessuale Fürsorgepflicht gebieten

**Rn. 58**

es, sich bei Terminsschwierigkeiten ernsthaft um deren Lö-

**Rn. 59**

sung zu bemühen. Das gilt insbesondere in Sachen, die nicht

**Rn. 60**

offensichtlich einfach in tatsächlicher und rechtlicher

**Rn. 61**

Hinsicht sind, bei denen vielmehr ein besonderes Bedürfnis

**Rn. 62**

des Angeklagten erkennbar ist, sich eines Verteidigers sei-

**Rn. 63**

nes Vertrauens zu bedienen. Zwar hat der Verteidiger keinen

**Rn. 64**

Anspruch auf vorherige Terminsabsprache; allerdings läuft

**Rn. 65**

der verfügende Richter Gefahr, prozeßordnungswidrig zu han-

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deln, wenn das Recht des Angeklagten auf freie Wahl seines

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Verteidigers dadurch eingeschränkt wird, daß der Verteidi-

**Rn. 68**

ger das Mandat wegen terminlicher Verhinderung nicht wahr-

**Rn. 69**

nehmen kann, ohne daß er Einfluß auf die Terminierung hätte

**Rn. 70**

nehmen können ( OLG Hamburg, StV 1995, 11). Daß Versuche,

**Rn. 71**

hier einen Termin abzustimmen, von vornherein wegen unko-

**Rn. 72**

operativen Verhaltens des Verteidigers aussichtslos gewesen

**Rn. 73**

wären, ist nicht erkennbar.

**Rn. 74**

Nach alledem stellt sich die Maßnahme des Vorsitzenden, den

**Rn. 75**

Termin bestehen zulassen, als rechtswidrig dar. Der Kammer

**Rn. 76**

ist nur die Feststellung dieser Rechtswidrigkeit möglich;

**Rn. 77**

in die Befugnis des Vorsitzenden, die Termine zu bestimmen,

**Rn. 78**

kann sie nicht eingreifen (Kleinknecht/Meyer-Goßner/ Rn 8

**Rn. 79**

a.E. zu § 213 StPO).

**Rn. 80**

Die Kostenentscheidung entspricht § 467 Abs.1, 473 StPO analog.

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Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Beschluss vom 20.10.1997 – 14 (XI) Qs 71/97, ECLI:DE:LGDO:1997:1020.14XI.QS71.97.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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