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# Landgericht Dortmund, Urteil vom 05.06.1997 – 2 O 525/95

ECLI:DE:LGDO:1997:0605.2O525.95.00

## Tenor

Die Beklagte wird verurteilt, an die Klägerin

15.488 DM (i.W. fünfzehntausendvierhunder-

tachtundachtzig Deutsche Mark) nebst 4 % Zin-

sen seit dem 11.08.1995 zuzahlen.

Im übrigen wird die Klage abgewiesen.

Die Beklagte trägt, die Kosten des Rechts-

streits.

Das Urteil ist gegen Sicherheitsleistung in

Höhe von 23.000 DM vorläufig vollstreckbar.

**Rn. 1**

T a t b e s t a n d

**Rn. 2**

Die Klägerin nimmt die Beklagte aus einer Datenträger-

**Rn. 3**

Versicherung auf Entschädigung in Anspruch.

**Rn. 4**

Die Klägerin kaufte im Januar 1993 das Computerprogramm

**Rn. 5**

B und im September 1993 das Programm I , die

**Rn. 6**

beide im Rahmen des Lizenzvertrages jeweils mit einem

**Rn. 7**

Kopierschutz in Form eines Dongle-Hardwarelocks von dem

**Rn. 8**

Software-Hersteller ausgeliefert wurden. Ein Dongle

**Rn. 9**

wird als Stecker auf eine der Schnittstellen des PC ge-

**Rn. 10**

steckt; er enthält einen speziellen Code, wodurch das

**Rn. 11**

jeweilige Programm nicht ohne ihn gestartet werden

**Rn. 12**

kann.

**Rn. 13**

In der Installationsbeschreibung für den Hardwarelock

**Rn. 14**

des B heißt es unter anderem: "... daß pro

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B-Lizenz Anrecht auf einen Hardwarelock besteht.

**Rn. 16**

Falls der Hardwarelock verlorengehen oder gestohlen

**Rn. 17**

werden sollte, muß zu dessen Ersatz ein neues B-

**Rn. 18**

Paket zum vollen Preis erworben werden. Wir empfehlen

**Rn. 19**

Ihnen deshalb, den Hardwarelock wie die übrige

**Rn. 20**

Computerausrüstung zu versichern." (vgl. Bl. 60 d.A.).

**Rn. 21**

Die Klägerin unterhielt bei Ankauf der Programme

**Rn. 22**

bereits- bei der Beklagten unter anderem eine Daten-

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träger-Versicherung auf der Grundlage der Allgemeinen

**Rn. 24**

Versicherungsbedingungen für Fernmelde- und sonstige

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elektrotechnische Anlagen (AVFE 70/1986), wonach unter

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anderem für den Fall des Einbruchsdiebstahls Ver-

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sicherungsschutz für die Gegenstände gemäß der der

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Police beigefügten Aufstellung besteht.

**Rn. 29**

Am 27.05.1995 ereignete sich bei der Klägerin ein Ein-

**Rn. 30**

bruchdiebstahl, der von der Beklagten bis auf die Re-

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gulierung für die beiden Dongles abgewickelt wurde. Die

**Rn. 32**

Parteien streiten über die Frage, ob diese mitver-

**Rn. 33**

sichert sind.

**Rn. 34**

Die Klägerin behauptet, die Dongles seien untrennbarer

**Rn. 35**

Bestandteil der Software und damit Gegenstand des Ver-

**Rn. 36**

sicherungsvertrages; eine Nutzung der Programme ohne

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die dem Computer aufgesteckten Dongles sei nicht

**Rn. 38**

möglich. Eine Wiederbeschaffung sei entsprechend den

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Bedingungen der Software-Lieferanten nur insgesamt zum

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vollen Preis möglich.

**Rn. 41**

Die Klägerin beantragt,

**Rn. 42**

die Beklagte zu verurteilen, an sie 15.560,00 DM

**Rn. 43**

nebst 4 % Zinsen seit dem 11.08.1995 zu zahlen.

**Rn. 44**

Die Beklagte beantragt,

**Rn. 45**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 46**

Sie behauptet, daß es sich bei den Dongles um Hardware-

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Teile gehandelt habe, die von der Versicherung nicht

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umfaßt seien, da sie in der Aufstellung nicht enthalten

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seien. Sollte es sich dennoch um Software-Bestandteile

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handeln, habe die Klägerin falsche Angaben im Rahmen

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des Antrages vom 05.01.1989 unter den Punkten 2, 6 und

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7 gemacht. Zudem stelle die Installation von Dongles

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eine mitteilungspflichtige Gefahrerhöhung dar. Schließ-

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lich bestreitet die Beklagte die Schadenshöhe: Sie be-

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hauptet, daß ein Dongle lediglich 100,00 DM koste, und

**Rn. 56**

daß die Programmierung in wenigen Minuten durch den

**Rn. 57**

Lizenzgeber möglich sei, der zudem zur Mitwirkung ver-

**Rn. 58**

pflichtet sei.

**Rn. 59**

Wegen des weitergehenden Parteivorbringens wird auf den

**Rn. 60**

Inhalt der gegenseitig gewechselten Schriftsätze nebst

**Rn. 61**

Anlagen verwiesen.

**Rn. 62**

Es ist Beweis erhoben worden gemäß Beschluß vom

**Rn. 63**

29.02.1996 (Bl. 49 bis 51 d. A.) durch Einholung eines

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schriftlichen Sachverständigengutachtens. Wegen des Er-

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gebnisses der Beweisaufnahme wird auf das Gutachten des

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Diplom-Ingenieurs E vom 19.03.1997 (Eingang Land-

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gericht Dortmund; Bl. 75 bis 81 d. A.) verwiesen.

## Entscheidungsgründe

**Rn. 69**

Die Klage ist im wesentlichen begründet.

**Rn. 70**

Die Klägerin kann von der Beklagten Entschädigung für

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die Entwendung der Dongles anläßlich des unstreitigen

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Versicherungsfalles vom 27.05.1995 in Höhe des Wieder-

**Rn. 73**

beschaffungswertes verlangen, da die Kammer nach durch-

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geführter Beweisaufnahme davon überzeugt ist, daß die

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Dongles unter die mitversicherte Software fallen und

**Rn. 76**

die Höhe der geltend gemachten Wiederbeschaffungskosten

**Rn. 77**

nachgewiesen ist.

**Rn. 78**

Gemäß Klausel 638 (87) Ziffer 2 b zu den §§ 1 bis 11

**Rn. 79**

AVFE 76 sind Daten versichert, die außerhalb des

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Arbeitsspeichers der Zentraleinheit gespeichert sind,

**Rn. 81**

worunter die Dongles nach dem Ergebnis der Beweisauf-

**Rn. 82**

nahme fallen.

**Rn. 83**

Die Kammer sieht nämlich nach durchgeführter Beweisauf-

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nahme die Behauptung der Klägerin als bewiesen an,

**Rn. 85**

wonach die entwendeten Dongles nicht der Hardware

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sondern der Software zuzurechnen sind, so daß die Be-

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klagte die Wiederbeschaffungskosten zu erstatten hatte.

**Rn. 88**

Der Sachverständige E hat eingehend und zur Über-

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zeugung der Kammer ausgeführt, daß ausschlaggebend für

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die Funktion eines Dongles die im Mikroprogramm

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codierte Information und nicht der Baustein als

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physikalischer Gegenstand sei, der als solcher ein

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elektronisches Bauteil sei. Auch nach den Unter-

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scheidungskriterien zwischen Soft- und Hardware ist ein

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Dongle der Software zuzuordnen, da das Dongle nicht der

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Funktion des Computers dient, sondern über ein be-

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stimmtes Software-Programm den Zugang zu einem weiter-

**Rn. 98**

gehenden Software-Programm sichert. Auch das OLG

**Rn. 99**

Karlsruhe hat in dem vom Sachverständigen zitierten

**Rn. 100**

Urteil entschieden, daß in der Entfernung einer Dongle-

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Abfrage die Umgestaltung des PC-Programms zu sehen ist,

**Rn. 102**

was sich wiederum ausschließlich auf die Software be-

**Rn. 103**

zieht (vgl. hierzu OLG Karlsruhe NJW 96, 2583).

**Rn. 104**

Die Beklagte ist nicht wegen vorsätzlich falscher An-

**Rn. 105**

gaben der Klägerin im Rahmen des Antrages gemäß § 6 VVG

**Rn. 106**

von der Eintrittspflicht frei, da die Klägerin die

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Dongles erstmals im Jahre 1993 erwarb und die Antrags-

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fragen bereits im Januar 1989 ausgefüllt wurden.

**Rn. 109**

Die Beklagte ist auch nicht wegen nachträglicher Ge-

**Rn. 110**

fahrerhöhung und deren Nichtanzeige gemäß den §§23 ff.

**Rn. 111**

VVG von der Leistungspflicht frei geworden.

**Rn. 112**

Es kann dabei dahingestellt bleiben, ob die Klägerin

**Rn. 113**

verpflichtet gewesen wäre, der Beklagten die An-

**Rn. 114**

schaffung der Dongles im Hinblick auf die Höhe der

**Rn. 115**

Wiederbeschaffungskosten anzuzeigen. Jedenfalls liegen

**Rn. 116**

die weiteren Voraussetzungen für eine Leistungsfreiheit

**Rn. 117**

der Beklagten nicht vor, da diese den Vertrag weder

**Rn. 118**

innerhalb Monatsfrist ab Kenntniserlangung von der Ge-

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fahrerhöhung gekündigt hat (§ 24 VVG) noch die An-

**Rn. 120**

bringung der Dongles Einfluß auf den Eintritt des Ver-

**Rn. 121**

sicherungsfalls im Sinne des § .25 III VVG hatte.

**Rn. 122**

Die Kammer ist nach Durchführung der Beweisaufnahme

**Rn. 123**

auch davon überzeugt, daß der Klägerin der mit der

**Rn. 124**

Klage geltend gemachte Schaden durch das Ereignis vom

**Rn. 125**

27.05.1995 entstanden ist, wobei der 5 %ige Selbst-

**Rn. 126**

behalt gemäß § 6 Abs. 5 der Klausel 638 (87) abzuziehen

**Rn. 127**

war.

**Rn. 128**

Nach den vorliegenden AGB des B -Programmes ist

**Rn. 129**

der Käufer im Falle des Verlustes sowie der Entwendung

**Rn. 130**

verpflichtet, ein neues B-Paket zu erwerben, das

**Rn. 131**

heißt jeweils einen neuen Dongle mit installiertem

**Rn. 132**

Sicherungs-Programm.

**Rn. 133**

Ein Verstoß gegen das AGB-Gesetz durch die Neuan-

**Rn. 134**

schaffungspflicht ist nicht ersichtlich, da der Käufer

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bei jedem in Verlust geratenen Gegenstand denselben er-

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setzen müßte und gerade dieses Risiko durch die abge-

**Rn. 137**

schlossene Versicherung abgedeckt wird. Es ist nicht

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ersichtlich, aus welchen Gründen im Falle des Verlustes

**Rn. 139**

eines Dongles andere Grundsätze gelten sollten.

**Rn. 140**

Die Wiederbeschaffungskosten entsprechen auf der Grund-

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lage der vorliegenden Verträge denen des Erstvertrages,

**Rn. 142**

so daß der Schaden anhand der vorliegenden Unterlagen

**Rn. 143**

nachgewiesen ist.

**Rn. 144**

Die Klägerin muß sich jedoch gemäß Ziffer 6 Klausel 638

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zu den §§ 1 bis 11 AVFE 76 einen Selbstbehalt in Höhe

**Rn. 146**

von 5 % anrechnen lassen, was unter Berücksichtigung

**Rn. 147**

der bereits erbrachten Leistung in Höhe von 5.880,00 DM

**Rn. 148**

zuzüglich der Klageforderung in Höhe von 15.560,00 DM

**Rn. 149**

dem Abzug eines Betrages in Höhe von 1.072,00 DM ent-

**Rn. 150**

spricht. Da die Beklagte im Rahmen der Regulierung und.

**Rn. 151**

Zahlung bereits den Selbstbehalt in Höhe von pauschal

**Rn. 152**

1.000,00 DM abgezogen hat, war noch ein Betrag von

**Rn. 153**

72,00 DM als restlicher Selbstbehalt abzuziehen.

**Rn. 154**

Die Nebenentscheidungen beruhen auf den §§ 91 und 709

**Rn. 155**

ZPO.

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Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Urteil vom 05.06.1997 – 2 O 525/95, ECLI:DE:LGDO:1997:0605.2O525.95.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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