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# Landgericht Dortmund, Urteil vom 03.09.1996 – 21 S 110/96

ECLI:DE:LGDO:1996:0903.21S110.96.00

## Tenor

Auf die Berufung des Klägers wird - unter Zurückweisung

des Rechtsmittels im übrigen - das am 6. Februar 1996

verkündete Urteil des Amtsgerichts Dortmund teil-

weise abgeändert und wie folgt neu gefaßt:

Die Beklagten werden verurteilt, als Gesamt-

schuldner an den Kläger

1.241,-- DM (Eintausendzweihunderteinundvierzig

========== Deutsche Mark)

zuzüglich 11 % Zinsen seit dem 11.6.1995 zu zahlen.

Im übrigen bleibt die Klage abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits erster Instanz tragen

der Kläger zu 89 % und die Beklagten zu 11 %.

Die Kosten der Berufungsinstanz tragen der Kläger

zu 87 % und die Beklagten zu 13 %.

## Entscheidungsgründe

**Rn. 2**

(ohne Tatbestand gem. § 543 Abs. 1 ZPO)

**Rn. 3**

Die Berufung des Klägers hat nur teilweise Erfolg.

**Rn. 4**

In der Berufungsinstanz sind zwischen den Parteien nur

**Rn. 5**

noch die Kosten für die Neuverlegung des Teppichbodens

**Rn. 6**

streitig. Hinsichtlich der weiteren Ansprüche hat der

**Rn. 7**

Kläger das klageabweisende Urteil nicht angegriffen

**Rn. 8**

(§ 519 ZPO).

**Rn. 9**

Hinsichtlich der Kosten für das Neuverlegen des Tep-

**Rn. 10**

pichbodens hat das Amtsgericht den geltend gemachten

**Rn. 11**

Anspruch des Klägers zu Unrecht verneint. Offen bleiben

**Rn. 12**

kann, ob die Ausführungen des Amtsgerichts zu der Frage

**Rn. 13**

zutreffend sind, ob die Erneuerung von Teppichboden als

**Rn. 14**

Schönheitsreparaturen durch Formularmietvertrag auf den

**Rn. 15**

Mieter abgewälzt werden dürfen. Es geht in dem hier zu

**Rn. 16**

entscheidenden Rechtsstreit nämlich nicht um

**Rn. 17**

"Schönheitsreparaturen". Vielmehr hat der Kläger be-

**Rn. 18**

reits in erster Instanz ausdrücklich vorgetragen, daß

**Rn. 19**

der Teppichboden im Wohnzimmer, in der Diele und im

**Rn. 20**

Schlafzimmer durch Rotweinflecken, Flecken von Hunde-

**Rn. 21**

urin sowie durch Brandflecken beschädigt ist. Nach dem

**Rn. 22**

unmißverständlichen Sachvortrag des Klägers geht es al-

**Rn. 23**

so nicht um übliche Abnutzungserscheinungen eines Tep-

**Rn. 24**

pichbodens, sondern um Beschädigungen durch vertrags-

**Rn. 25**

widrigen Gebrauch. Ein Anspruch auf Ersatz derartiger

**Rn. 26**

Schäden ergibt sich nicht aus der Klausel des Mietver-

**Rn. 27**

trages über Schönheitsreparaturen, sondern aus dem Ge-

**Rn. 28**

sichtspunkt der positiven Vertragsverletzung bzw. aus

**Rn. 29**

§ 823 Abs. l BGB (vgl. Palandt, § 548 Rdnr. 8). Entge-

**Rn. 30**

gen der Auffassung des Amtsgerichts scheitert ein der-

**Rn. 31**

artiger Anspruch auch nicht von vornherein daran, daß

**Rn. 32**

eine Schadensverursachung durch Dritte, etwa Handwer-

**Rn. 33**

ker, in Betracht zu ziehen ist. Die von den Beklagten

**Rn. 34**

eingewendeten Schäden an dem Teppichboden durch Hand-

**Rn. 35**

werkerarbeiten beziehen sich auf einen eng begrenzten

**Rn. 36**

Bereich des Teppichbodens. Zu einer Schadensverur-

**Rn. 37**

sachung durch andere Dritte haben die Beklagten nichts

**Rn. 38**

vorgetragen. Entgegen der Auffassung des Amtsgerichts

**Rn. 39**

hat der Kläger auch ausreichend zu den Schäden an dem

**Rn. 40**

Teppichboden vorgetragen. Sein Sachvortrag beschränkt

**Rn. 41**

sich nicht auf lediglich einen Brandfleck, sondern, wie

**Rn. 42**

bereits erwähnt, auf Rotweinflecken, Flecken von Hunde-

**Rn. 43**

urin und mehrere Brandflecken. Nach dem Ergebnis der

**Rn. 44**

durchgeführten Beweisaufnahme steht zur Überzeugung des

**Rn. 45**

Gerichts fest, daß die von dem Kläger behaupteten Schä-

**Rn. 46**

den tatsächlich in einem Umfang vorgelegen haben, daß

**Rn. 47**

es erforderlich war, den Teppichboden auszuwechseln.

**Rn. 48**

Dies ergibt sich vor allem aus der Aussage des Zeugen

**Rn. 49**

X, der als Sachverständiger im Auftrag der hinter

**Rn. 50**

den Beklagten stehenden Haftpflichtversicherung den

**Rn. 51**

Teppichboden nach deren Auszug aus der Wohnung begut-

**Rn. 52**

achtete. Der Zeuge konnte anhand seines mitgebrachten

**Rn. 53**

Gutachtens im einzelnen detailliert darlegen, daß der

**Rn. 54**

Teppichboden aufgrund zahlreicher Verunreinigungen weit

**Rn. 55**

über das für die Nutzungsdauer übliche Maß hinaus abge-

**Rn. 56**

nutzt war und deswegen ausgewechselt werden mußte. Die

**Rn. 57**

Aussagen der von den Beklagten benannten Zeugen stehen

**Rn. 58**

dem nicht entgegen. Die Zeugen S und K konn-

**Rn. 59**

ten mangels eigener detaillierter Wahrnehmungen zum

**Rn. 60**

Zeitpunkt des Auszuges der Beklagten hierzu keine ge-

**Rn. 61**

nauen Angaben machen. Lediglich die Zeugen M und

**Rn. 62**

U bekundeten, daß der Teppichboden beim Auszug

**Rn. 63**

der Beklagten in einem ordentlichen Zustand gewesen

**Rn. 64**

sei. Allerdings wurde anläßlich der Vernehmung deut-

**Rn. 65**

lich, daß diese Einschätzung auch von den subjektiven

**Rn. 66**

Vorstellungen der Zeugen geprägt war; daher hält das

**Rn. 67**

Gericht die Einschätzung des Zeugen X für über-

**Rn. 68**

zeugender. Im übrigen räumten auch die Zeugen M

**Rn. 69**

und U von sich aus verschiedene Beschädigungen

**Rn. 70**

des Teppichbodens ein. Aufgrund dieses Ergebnisses der

**Rn. 71**

Beweisaufnahme ist das Gericht in Verbindung mit der

**Rn. 72**

vorprozessual von den Beklagten mehrfach abgegebenen

**Rn. 73**

Erklärung, den Teppichboden auszuwechseln, überzeugt

**Rn. 74**

davon, daß der Teppichboden tatsächlich ausgewechselt

**Rn. 75**

werden mußte.

**Rn. 76**

Erhebliche Abzüge sind allerdings hinsichtlich der von

**Rn. 77**

dem Kläger vorgelegten Rechnung der Bauunternehmung

**Rn. 78**

E vom 19.05.1995 vorzunehmen. Die dort

**Rn. 79**

angegebenen insgesamt 70 Arbeiterstunden zuzüglich 11

**Rn. 80**

Stunden Fahr- und Wegegeld sind für das Entfernen und

**Rn. 81**

Neuverlegen von knapp 75 m²Teppichboden - wobei noch

**Rn. 82**

der Verschnitt in Abzug zu bringen ist- ohne nähere

**Rn. 83**

Darlegung nicht mehr nachvollziehbar. Gemäß § 287 ZPO

**Rn. 84**

hat das Gericht daher den Schaden entsprechend der auf-

**Rn. 85**

gestellten Rechnung geschätzt. Dabei ist das Gericht

**Rn. 86**

bei den Positionen Ziff. 1-3 von jeweils fünf erforder-

**Rn. 87**

lichen Stunden ausgegangen. Dies ergibt für Bauvorar-

**Rn. 88**

beiter einen Gesamtbetrag von 360,00 DM, für Baufachar-

**Rn. 89**

beiter einen Gesamtbetrag von 349,00 DM und für den

**Rn. 90**

Bauhelfer einen Betrag von 175,00 DM. Dabei weist das

**Rn. 91**

Gericht darauf hin, daß die in der Rechnung ausgewiese-

**Rn. 92**

nen "70,00 DM" für den Bauhelfer auf einem Schreibfeh-

**Rn. 93**

ler beruhen; aus der Gesamtsumme ergibt sich, daß die-

**Rn. 94**

ser Betrag entsprechend der Stundenanzahl und dem Stun-

**Rn. 95**

densatz "700,00 DM" lauten muß. Weiterhin hält das Ge-

**Rn. 96**

richt gem. § 287 ZPO Fahr- und Wegegeld in Höhe von

**Rn. 97**

vier Stunden für angemessen. Die übrigen in der Rech-

**Rn. 98**

nung angegebenen Beträge sind angemessen. Soweit die

**Rn. 99**

Beklagten einwenden, daß die Quadratmeterzahl des ver-

**Rn. 100**

legten Teppichbodens nicht richtig sein könne, haben

**Rn. 101**

sie auf den Hinweis des Klägers, daß insoweit auch ver-

**Rn. 102**

schnittener Teppichboden berechnet wird, nicht mehr er-

**Rn. 103**

widert und insbesondere nicht vorgetragen, in welchem

**Rn. 104**

Umfang tatsächlich Teppichboden verlegt werden mußte.

**Rn. 105**

Unter Berücksichtigung der Mehrwertsteuer ergeben sich

**Rn. 106**

damit zu berücksichtigende Kosten für die Neuverlegung

**Rn. 107**

des Teppichbodens in Höhe von 4.512,58 DM.

**Rn. 108**

Hiervon ist ein Abzug "neu für alt" vorzunehmen. Entge-

**Rn. 109**

gen der Auffassung des Zeugen X, der die Lebens-

**Rn. 110**

dauer dieses Teppichbodens aufgrund der hohen Qualität

**Rn. 111**

mit rund 15 Jahren angab, hält das Gericht eine Nut-

**Rn. 112**

zungsdauer von allenfalls zehn Jahren für vertretbar.

**Rn. 113**

Eine längere Nutzungsdauer dürfte in einer vermieteten

**Rn. 114**

Wohnung insbesondere dann nicht anzunehmen sein, wenn

**Rn. 115**

-wie hier- Hundehaltung erlaubt ist. Da der Teppichbo-

**Rn. 116**

den zum Zeitpunkt des Auszuges der Beklagten rund zwei

**Rn. 117**

Jahre alt war, ist ein Abschlag von 20 %, also rund

**Rn. 118**

902,00 DM, vorzunehmen. Es verbleibt mithin dem Grunde

**Rn. 119**

nach ein von den Beklagten zu erstattender Betrag in

**Rn. 120**

Höhe von 3.609,00 DM. Allerdings sind von diesem Betrag

**Rn. 121**

die bereits von der Haftpflichtversicherung der Beklag-

**Rn. 122**

ten geleisteten Beträge in Höhe von 388,00 und

**Rn. 123**

1.980,00 DM in Abzug zu bringen, so daß ein noch offe-

**Rn. 124**

ner Restbetrag von 1.241,00 DM verbleibt.

**Rn. 125**

Die Kostenentscheidung beruht auf § 92 Abs. 1 ZPO. Die

**Rn. 126**

unterschiedlichen Quoten für die Kostenentscheidung er-

**Rn. 127**

ster und zweiter Instanz beruhen darauf, daß sich der

**Rn. 128**

Streitwert in der zweiten Instanz reduziert hatte.

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Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Urteil vom 03.09.1996 – 21 S 110/96, ECLI:DE:LGDO:1996:0903.21S110.96.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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Nicht-amtliche Fassung — maßgeblich ist die Ausfertigung des Gerichts

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