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# Landgericht Dortmund, Urteil vom 12.01.1995 – 13 O 181/94 Kart.

ECLI:DE:LGDO:1995:0112.13O181.94KART.00

## Tenor

Die Beklagte wird verurteilt, es bei Meidung

eines Ordnungsgeldes bis zu 500.000,00 DM

für jeden Fall der Zuwiderhandlung, ersatzweise

Ordnungshaft, zu vollstrecken an ihren Geschäfts-

führern, zu unterlassen, beim Abschluß von Miet-

verträgen mit der Klägerin über die Benutzung

der Halle N in N2 der Klägerin

die Verpflichtung aufzuerlegen,

1. den gesamten Kartenverkauf durch die Beklagte

durchführen zu lassen

2. der Klägerin aufzugeben, unentgeltliche Karten

für von der Beklagten betreute Pressemedien

zur Verfügung zu stellen,

3. die Klägerin zu verpflichten, Autobusbetrieben

oder Großkunden bei Sammelbestellungen Preisnach-

lässe zu gewähren,

4. die Klägerin zu verpflichten, innerhalb der je-

weiligen Veranstaltung eine mindestens 20-minütige

Pause einzulegen, bzw. die Beklagte zu berechtigen,

bei Nichtbeachtung dieser Vereinbarung 1.800,00 DM

bei Veranstaltungen mit und 900,00 DM jeweils zu-

züglich Mehrwertsteuer bei Veranstaltungen ohne

Bestuhlung aufzuerlegen.

Die Widerklage wird abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits trägt die Beklagte.

Das Urteil ist gegen Sicherheitsleistung in Höhe

von 6.000,00 DM vorläufig vollstreckbar.

Die Sicherheit kann durch unbedingte, unbefristete

und selbstschuldnerische Bürgschaft einer deutschen

Bank oder Sparkasse erbracht werden.

## Tatbestand

**Rn. 2**

Die Klägerin veranstaltet in N2 Konzerte und be-

**Rn. 3**

zeichnet sich selbst als eine der führenden

**Rn. 4**

Konzertagenturen in N2. Die Beklagte, deren Ge-

**Rn. 5**

schäftsanteile von der Stadt N2 gehalten werden,

**Rn. 6**

vermietet für solche Konzerte die Halle N mit

**Rn. 7**

7.000 Plätzen, die im Großraum N2 und Umgebung und

**Rn. 8**

damit insbesondere für das Gebiet der Stadt N2 und

**Rn. 9**

einen wesentlichen Teil insbesondere des ländlichen

**Rn. 10**

Westfalens die einzige Halle ist, in der Großveran-

**Rn. 11**

staltungen abgehalten werden können. Seit 30 Jahren

**Rn. 12**

stehen die Parteien miteinander in Geschäftsbe-

**Rn. 13**

ziehungen, weil die Klägerin für die von ihr veran-

**Rn. 14**

stalteten Konzerte die Halle N von der Be-

**Rn. 15**

klagten anmietet. Dies geschieht jährlich etwa zehnmal

**Rn. 16**

mit einem Saisonumsatz der Klägerin von ca. 1,3 bis 1,5

**Rn. 17**

Mio. DM.

**Rn. 18**

Bei der Vermietung der Halle schließen die Parteien von

**Rn. 19**

der Beklagten vorformulierte Mietverträge, denen die

**Rn. 20**

"Allgemeinen Mietbedingungen" des internationalen Ver-

**Rn. 21**

bandes der Stadt-, Sport- und Mehrzweckhallen e.V. zu-

**Rn. 22**

grundeliegen.

**Rn. 23**

In § 4 der jeweiligen Mietverträge wird der Beklagten

**Rn. 24**

der gesamten Kartenverkauf übertragen, die dazu die

**Rn. 25**

Buchungssysteme START und CTS einsetzt. Hierfür erhält

**Rn. 26**

die Beklagte eine Verkaufsgebühr von 10 % des Netto-

**Rn. 27**

kartenpreises, maximal 8,00 DM je Karte, soweit sie die

**Rn. 28**

Karten in ihren eigenen Vorverkaufsstellen vertreibt.

**Rn. 29**

Der Beklagten stehen unentgeltlich unter anderem 20

**Rn. 30**

Pressekarten zu. Autobusbetrieben und sonstigen Groß-

**Rn. 31**

kunden hat die Klägerin bei Sammelbestellungen einen

**Rn. 32**

Preisnachlaß von 5 % zu gewähren. § 7 des Mietvertrages

**Rn. 33**

legt die gastronomische Versorgung allein in die Hand

**Rn. 34**

der Beklagten. Zur Steigerung des Umsatzes muß sich die

**Rn. 35**

Klägerin verpflichten, innerhalb ihrer Veranstaltungen

**Rn. 36**

eine 20minütige Pause einzulegen und bei Nichtbeachtung

**Rn. 37**

1.800,00 DM bzw. 900,00 DM zuzüglich Mehrwertsteuer für

**Rn. 38**

entgangenen Gewinn aus gastronomischer Bewirtschaftung

**Rn. 39**

zu zahlen.

**Rn. 40**

Die Klägerin wendet sich nunmehr mit der kartellrecht-

**Rn. 41**

lichen Diskriminierungsklage gegen die genannten Ver-

**Rn. 42**

einbarungen des Mietvertrages. Sie sieht die Beklagte

**Rn. 43**

als marktbeherrschendes oder zumindest marktstarkes

**Rn. 44**

Unternehmen auf dem relevanten Markt und fühlt sich

**Rn. 45**

durch die beanstandeten Vertragsklauseln unbillig be-

**Rn. 46**

hindert. Sie verweist darauf, daß die Beklagte den Er-

**Rn. 47**

lös aus dem Vorverkauf, der häufig mehr als sechs

**Rn. 48**

Monate vor der Veranstaltung beginnt, verwaltet und

**Rn. 49**

erst am Tag der Veranstaltung mit ihr abrechne, während

**Rn. 50**

sie selbst in vielen Fällen Vorkasse an die auf-

**Rn. 51**

tretenden Künstler zu leisten habe.

**Rn. 52**

In der Verpflichtung, unentgeltlich Karten unter

**Rn. 53**

anderem für Pressevertreter zur Verfügung zu stellen,

**Rn. 54**

Preisnachlässe für Großkunden zu gewähren und während

**Rn. 55**

der Veranstaltung eine Pause abzuhalten, sieht die

**Rn. 56**

Klägerin einen unzulässigen Eingriff in ihre Rechts-

**Rn. 57**

position als alleinverantwortlicher Veranstalter, der

**Rn. 58**

auch das alleinige wirtschaftliche Risiko der Veran-

**Rn. 59**

staltung zu tragen habe.

**Rn. 60**

Gestützt auf diese Rechtsauffassungen will die Klägerin

**Rn. 61**

nunmehr eine Verurteilung der Beklagten erreichen, es

**Rn. 62**

zu unterlassen, in Zukunft beim Abschluß von Mietver-

**Rn. 63**

trägen die beanstandeten Klauseln zum Vertragsinhalt zu

**Rn. 64**

machen.

**Rn. 65**

Die Klägerin beantragt,

**Rn. 66**

die Beklagte zu verurteilen, es bei

**Rn. 67**

Meidung eines Ordnungsgeldes bis zu

**Rn. 68**

500.000,00 DM für jeden Fall der Zuwiderhand-

**Rn. 69**

lung, ersatzweise Ordnungshaft, zu voll-

**Rn. 70**

strecken an ihren Geschäftsführern, zu unter-

**Rn. 71**

lassen, beim Abschluß von Mietverträgen mit

**Rn. 72**

der Klägerin über die Benutzung der Halle

**Rn. 73**

N in N2 der Klägerin die Ver-

**Rn. 74**

pflichtung aufzuerlegen,

**Rn. 75**

1. den gesamten Kartenverkauf durch die Be-

**Rn. 76**

klagte durchführen zu lassen,

**Rn. 77**

2. der Klägerin aufzugeben, unentgeltliche

**Rn. 78**

Karten für von der Beklagten betreute Presse-

**Rn. 79**

medien zur Verfügung zu stellen,

**Rn. 80**

3. die Klägerin zu verpflichten. Autobusbe-

**Rn. 81**

trieben oder Großkunden bei Sammelbe-

**Rn. 82**

stellungen Preisnachlässe zu gewähren,

**Rn. 83**

4. die Klägerin zu verpflichten, innerhalb

**Rn. 84**

der jeweiligen Veranstaltung eine mindestens

**Rn. 85**

20minütige Pause einzulegen, bzw. die Be-

**Rn. 86**

klagte zu berechtigen, bei Nichtbeachtung

**Rn. 87**

dieser Vereinbarung 1.800,00 DM bei Veran-

**Rn. 88**

staltungen mit und 900,00 DM jeweils zuzüg-

**Rn. 89**

lich Mehrwertsteuer bei Veranstaltungen ohne

**Rn. 90**

Bestuhlung aufzuerlegen.

**Rn. 91**

Die Beklagte beantragt,

**Rn. 92**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 93**

Die Beklagte meint, sie sei nicht Normadressat des

**Rn. 94**

§ 26 GWB, auf den die Klägerin ihre Ansprüche stützt,

**Rn. 95**

weil sie selbst im Wettbewerb zu anderen Hallen steht

**Rn. 96**

und sich darüber hinaus dem Druck der großen Tournee-

**Rn. 97**

veranstalter ausgesetzt sieht. Sie hält es für sachge-

**Rn. 98**

recht und nicht unbillig, daß sie den Kartenverkauf

**Rn. 99**

selbst durchführt, um auch auf diese Weise das Er-

**Rn. 100**

scheinungsbild der Halle N attraktiv dar-

**Rn. 101**

stellen zu können. Außerdem glaubt die Beklagte nur da-

**Rn. 102**

durch die erforderlicher Kontrolle über die Einhaltung

**Rn. 103**

der Sicherheitsbestimmungen gewährleisten zu können.

**Rn. 104**

Auf unentgeltliche Karten für Pressevertreter will die

**Rn. 105**

Beklagte nicht verzichten, weil sie nur so eine

**Rn. 106**

positive Berichterstattung in der Presse über die je-

**Rn. 107**

weilige Veranstaltung zu erreichen glaubt. Den Preis-

**Rn. 108**

nachlaß für Großkunden hält die Beklagte schon aus

**Rn. 109**

Gründen des Umweltschutzes und der Verkehrslenkung für

**Rn. 110**

sachgerecht und eine Pause während der Veranstaltungen

**Rn. 111**

hält sie für erforderlich, um die Einnahmen aus der Be-

**Rn. 112**

wirtschaftung der Halle zu erhöhen und die Verluste aus

**Rn. 113**

dem Betrieb der Halle möglichst gering zu halten, für

**Rn. 114**

die letztlich der Steuerzahler aufzukommen habe.

**Rn. 115**

Hilfsweise erhebt die Beklagte Widerklage, mit der sie

**Rn. 116**

für den Fall, daß die Klage Erfolg haben sollte, ihr

**Rn. 117**

Verhältnis zu den Veranstaltern bei der Vermietung der

**Rn. 118**

Halle geklärt wissen will.

**Rn. 119**

Insoweit beantragt die Beklagte,

**Rn. 120**

festzustellen, daß die Beklagte gegenüber der Klägerin be-

**Rn. 121**

rechtigt ist,

**Rn. 122**

1. hilfsweise zum Antrag auf Abweisung des

**Rn. 123**

Klageantrages zu 1)

**Rn. 124**

Veranstaltern in der Halle Münsterland für

**Rn. 125**

den Fall, daß sie den Kartenvorverkauf durch

**Rn. 126**

die Beklagte über die Systeme START und CTS

**Rn. 127**

durchführen lassen, einen vertraglich vorge-

**Rn. 128**

sehenen Preisnachlaß auf die zu zahlende

**Rn. 129**

Hallenmiete zu gewähren,

**Rn. 130**

weiter hilfsweise hierzu

**Rn. 131**

Veranstaltern in der Halle Münsterland einen

**Rn. 132**

solchen Preisnachlaß zu gewähren, wenn der

**Rn. 133**

Veranstalter zwar den Kartenvorverkauf selbst

**Rn. 134**

durchführt, sich dabei jedoch der Systeme

**Rn. 135**

START und CTS bedient und vor Beginn des Vor-

**Rn. 136**

verkaufs eine selbstschuldnerische Bankbürg-

**Rn. 137**

schaft für die Rückzahlung der Eintritts-

**Rn. 138**

gelder bei Ausfall der Veranstaltung in Höhe

**Rn. 139**

eines Betrages von mindestens 50 % der

**Rn. 140**

möglichen Vorverkaufssumme beibringt,

**Rn. 141**

2. hilfsweise zum Antrag auf Abweisung des

**Rn. 142**

Klageantrages zu 2)

**Rn. 143**

von Veranstaltern die Überlassung von bis zu

**Rn. 144**

20 Eintrittskarten für Pressemedien zu ver-

**Rn. 145**

langen Zug um Zug gegen entsprechende Ver-

**Rn. 146**

rechnung mit der zu zahlenden Hallenmiete,

**Rn. 147**

3. hilfsweise zum Antrag auf Abweisung des

**Rn. 148**

Klageantrages zu 3)

**Rn. 149**

Veranstaltern, die bereit sind. Autobusbe-

**Rn. 150**

trieben oder Großkunden auf Sammelbe-

**Rn. 151**

stellungen Preisnachlässe von 5 % zu ge-

**Rn. 152**

währen, einen vertraglich vorgesehenen Nach-

**Rn. 153**

laß auf die zu zahlenden Hallenmiete zu ge-

**Rn. 154**

währen,

**Rn. 155**

4. hilfsweise zum Antrag auf Abweisung des

**Rn. 156**

Klageantrages zu 4)

**Rn. 157**

Veranstaltern, die eine bestuhlte Veran-

**Rn. 158**

staltung mit einer Pause von mindestens

**Rn. 159**

20 Minuten durchführen, einen vertraglich

**Rn. 160**

vorgesehenen Nachlaß auf die zu zahlende

**Rn. 161**

Hallenmiete zu gewähren.

**Rn. 162**

Wegen der weiteren Einzelheiten des Vorbringens der

**Rn. 163**

Parteien wird auf den vorgetragenen Inhalt der zwischen

**Rn. 164**

ihnen gewechselten Schriftsätze nebst Anlagen sowie das

**Rn. 165**

Sitzungsprotokoll Bezug genommen.

## Entscheidungsgründe

**Rn. 167**

Die Klage ist in vollem Umfang begründet, weil die Be-

**Rn. 168**

klagte gem. §§ 35, 26 Abs. 2 GWB verpflichtet ist, in

**Rn. 169**

Zukunft eine unbillige Behinderung der Klägerin durch

**Rn. 170**

Aufnahme der von der Klägerin beanstandeten Klauseln in

**Rn. 171**

den zwischen den Parteien abzuschließenden Mietver-

**Rn. 172**

trägen aufzunehmen. Die Widerklage ist hingegen unzu-

**Rn. 173**

lässig, weil die Beklagte nicht die Feststellung eines

**Rn. 174**

konkreten Rechtsverhältnisses begehrt, sondern eine

**Rn. 175**

eher gutachterliche Klärung des Rechtsverhältnisses

**Rn. 176**

allgemein zwischen ihr und den Veranstaltern erreichen

**Rn. 177**

will.

**Rn. 178**

l.

**Rn. 179**

Die Klage ist begründet.

**Rn. 180**

Die Beklagte ist gem. §§ 35, 26 Abs. 2 Satz 2 GWB ver-

**Rn. 181**

pflichtet, in die Mietverträge mit der Klägerin keine

**Rn. 182**

Bestimmungen aufzunehmen, durch die die Klägerin un-

**Rn. 183**

billig in der Ausführung ihrer Geschäftstätigkeit be-

**Rn. 184**

hindert wird.

**Rn. 185**

Die Beklagte ist marktbeherrschend und damit

**Rn. 186**

Normadressat des § 26 Abs. 2 GWB. Nach dem geltenden

**Rn. 187**

Bedarfsmarktkonzept ist für die Abgrenzung des

**Rn. 188**

relevanten Marktes der Bedarf der Klägerin maßgebend.

**Rn. 189**

Diese will Konzerte in N2 veranstalten und ist in-

**Rn. 190**

soweit auf die Anmietung der Halle N ange-

**Rn. 191**

wiesen, weil die Beklagte in N2 ohne Wettbewerber

**Rn. 192**

ist. Räumlich ist der Markt auf N2 oder den Groß-

**Rn. 193**

raum N2 beschränkt, weil zumindest ein Großteil

**Rn. 194**

der Interessenten für die von der Klägerin veran-

**Rn. 195**

stalteten Konzerte nicht bereit sein wird, in ver-

**Rn. 196**

gleichbar große Hallen nach E oder I zu

**Rn. 197**

reisen. Wesentlich kleinere als die 7.000 Besucher

**Rn. 198**

fassende Halle N kommen als Ausweichmöglich-

**Rn. 199**

keit nicht in Betracht, weil die Einnahmen nicht so

**Rn. 200**

hoch sein werden, um die Kosten für berühmte Künstler

**Rn. 201**

zu decken und diese zudem auch nur daran interessiert

**Rn. 202**

sind, vor einem möglichst großen Publikum aufzutreten.

**Rn. 203**

Das Mieten von Hallen ist ein Geschäftsverkehr, der

**Rn. 204**

Veranstaltern von Konzerten üblicherweise zugänglich

**Rn. 205**

ist. Bei der Prüfung dieses Tatbestandsmerkmals des

**Rn. 206**

§ 26 Abs. 2 GWB ist nur eine grobe Sichtung

**Rn. 207**

vorzunehmen.

**Rn. 208**

Die Klägerin wird durch die beanstandeten Klauseln in

**Rn. 209**

den von der Beklagten vorformulierten Mietverträgen un-

**Rn. 210**

billig behindert. Der Annahme einer Behinderung steht

**Rn. 211**

nicht entgegen, daß die Mietbedingungen Bestandteil

**Rn. 212**

eines Vertrages sind, der zwischen den Parteien jeweils

**Rn. 213**

ausgehandelt werden muß. Denn entgegen der in diesem

**Rn. 214**

Rechtsstreit geäußerten Behauptung ist die Beklagte

**Rn. 215**

offenkundig nicht bereit, die beanstandeten Klauseln

**Rn. 216**

zur Disposition zu stellen. Dies zeigt schon das

**Rn. 217**

vehemente Beharren der Beklagten auf der Geltung dieser

**Rn. 218**

Vertragsbestimmungen. Zudem hat der Geschäftsführer der

**Rn. 219**

Beklagten im Termin auf Nachfrage des Vorsitzenden der

**Rn. 220**

Kammer nicht einen Fall benennen können, in dem die Be-

**Rn. 221**

klagte die beanstandeten Klauseln nicht zum Gegenstand

**Rn. 222**

des Mietverhältnisses gemacht hat. Im übrigen sind die

**Rn. 223**

Klauseln auch Bestandteil der den Mietverträgen jeweils

**Rn. 224**

zugrundegelegten Allgemeinen Mietbedingungen, so daß

**Rn. 225**

auch deswegen eine Disposition der fraglichen Vertrags-

**Rn. 226**

bestandteile rein theoretischer Natur ist.

**Rn. 227**

Die beanstandeten Vertragsbestimmungen behindern die

**Rn. 228**

Klägerin unbillig. Ob eine Behinderung unbillig ist,

**Rn. 229**

richtet sich nach einer Abwägung der Interessen der Be-

**Rn. 230**

teiligten unter besonderer Berücksichtigung der auf die

**Rn. 231**

Freiheit des Wettbewerbs gerichteten Zielsetzung des

**Rn. 232**

GWB.

**Rn. 233**

Durch die Verpflichtung der Klägerin, der Beklagten den

**Rn. 234**

Kartenvorverkauf zu überlassen, wird die Klägerin daran

**Rn. 235**

gehindert, die mit der jeweiligen Konzertveranstaltung

**Rn. 236**

verbundenen Erwerbschancen nach ihren Vorstellungen zu

**Rn. 237**

nutzen. Es liegt auf der Hand, daß die Klägerin ein

**Rn. 238**

vitales unternehmerisches Interesse daran hat, die Ein-

**Rn. 239**

nahmen aus dem Kartenvorverkauf nicht erst am Verhand-

**Rn. 240**

lungstage zu erhalten, da sie selbst finanzielle Vor-

**Rn. 241**

leistungen zu erbringen hat und im übrigen das gesamte

**Rn. 242**

wirtschaftliche Risiko der Veranstaltung alleine trägt.

**Rn. 243**

Einbußen beim Kartenabsatz wirken sich nicht zu Lasten

**Rn. 244**

der Beklagten aus, sondern schlagen unmittelbar bei der

**Rn. 245**

Klägerin zu Buche. Die mit der Abgabe des Vorverkaufs

**Rn. 246**

erzwungene Beschränkung der wettbewerblichen Handlungs-

**Rn. 247**

freiheit wäre der Klägerin nur dann zuzumuten, wenn die

**Rn. 248**

Beklagte demgegenüber auf überragende Interessen an der

**Rn. 249**

von ihr vorgegebenen Abwicklung verweisen könnte. Dies

**Rn. 250**

ist jedoch nicht der Fall. Um die Halle N

**Rn. 251**

positiv darzustellen, kann sich die Beklagte zahl-

**Rn. 252**

reicher anderer Mittel bedienen, die nicht in die

**Rn. 253**

unternehmerische Freiheit der Klägerin eingreifen.

**Rn. 254**

Ebenso lassen sich Vorkehrungen für die Einhaltung der

**Rn. 255**

Sicherheit während der Veranstaltung auf andere Weise

**Rn. 256**

treffen. Die Beklagte kann der Klägerin Informations-

**Rn. 257**

und Kontrollpflichten auferlegen, die diese weit

**Rn. 258**

weniger beeinträchtigen als die Abgabe des Kartenvor-

**Rn. 259**

verkaufs .

**Rn. 260**

Die Möglichkeit, unseriöse Veranstalter könnten Schäden

**Rn. 261**

verursachen, für die in der Öffentlichkeit die Beklagte

**Rn. 262**

als Hallenbetreiber verantwortlich gemacht werden

**Rn. 263**

könnte, kann nicht dazu führen, der Klägerin

**Rn. 264**

Restriktionen aufzuerlegen, zumal die Beklagte an der

**Rn. 265**

Seriosität der Klägerin selbst keine Zweifel geäußert

**Rn. 266**

hat. Bei begründeten Bedenken hinsichtlich der Zuver-

**Rn. 267**

lässigkeit bestimmter Veranstalter bleibt es der Be-

**Rn. 268**

klagten unbenommen, individuelle Sicherheitsgarantien

**Rn. 269**

zu verlangen.

**Rn. 270**

Für die der Klägerin auferlegte Verpflichtung, unent-

**Rn. 271**

geltlich Karten für die von der Beklagten betreuten

**Rn. 272**

Pressemedien zur Verfügung zu stellen, sind anzuer-

**Rn. 273**

kennende Gründe nicht zu erkennen. Es kann dabei dahin-

**Rn. 274**

gestellt bleiben, ob das Interesse der Beklagten, die

**Rn. 275**

Presse unentgeltlich mit Karten zu versorgen, von Ge-

**Rn. 276**

wicht ist. Jedenfalls hat die Beklagte keinen Grund

**Rn. 277**

dafür anführen können und ein solcher ist auch nicht

**Rn. 278**

ersichtlich, warum die Klägerin die Interessen der Be-

**Rn. 279**

klagten durch unentgeltliche Zurverfügungstellung von

**Rn. 280**

Karten fördern soll, zumal die Beklagte der Klägerin

**Rn. 281**

-von dieser nicht angegriffen- auch auferlegt hat,

**Rn. 282**

unentgeltlich Karten für ihre Gesellschafter und Ehren-

**Rn. 283**

gäste abzugeben. Die Beklagte kann ihre ureigenen

**Rn. 284**

Interessen dadurch verwirklichen, daß sie Karten bei

**Rn. 285**

der Klägerin käuflich erwirbt und unentgeltlich weiter-

**Rn. 286**

gibt. Dadurch wird einerseits dem Interesse der Be-

**Rn. 287**

klagten genüge getan und andererseits unterbleibt ein

**Rn. 288**

Eingriff in die Dispositionsfreiheit der Klägerin. In-

**Rn. 289**

dem die Beklagte in den Mietverträgen für die Veran-

**Rn. 290**

stalter finanziell belastende Verpflichtungen aufnimmt,

**Rn. 291**

schreckt sie tendenziell potentielle Veranstalter ab

**Rn. 292**

und verhindert dadurch das Entstehen von Wettbewerb auf

**Rn. 293**

der Wirtschaftsstufe der Klägerin. Dies widerspricht

**Rn. 294**

der Zielsetzung des GWB.

**Rn. 295**

Die der Klägerin auferlegte Verpflichtung, Autobusbe-

**Rn. 296**

triebe oder Großkunden bei Sammelbestellungen Preis-

**Rn. 297**

nachlässe zu gewähren, behindert die Klägerin schon

**Rn. 298**

deswegen unbillig, weil diese sie belastende Vertrags-

**Rn. 299**

bestimmung gegen § 15 GWB verstößt. Denn nach dieser

**Rn. 300**

Bestimmung sind Verträge zwischen Unternehmen nichtig,

**Rn. 301**

soweit sie einen Vertragsbeteiligten in der Freiheit

**Rn. 302**

der Gestaltung von Preisen bei solchen Verträgen be-

**Rn. 303**

schränken, die er mit Dritten über gewerbliche

**Rn. 304**

Leistungen schließt.

**Rn. 305**

Schließlich wird die Klägerin auch durch die Ver-

**Rn. 306**

pflichtung unangemessen benachteiligt, innerhalb der

**Rn. 307**

jeweiligen Veranstaltung eine mindestens 20minütige

**Rn. 308**

Pause einzulegen und bei Nichtbeachtung eine Vertrags-

**Rn. 309**

strafe zu zahlen. Auch durch diese Vertragsbestimmung

**Rn. 310**

wird die Klägerin in ihrer Unternehmensfreiheit einge-

**Rn. 311**

schränkt, ohne daß dem anzuerkennende Interessen auf

**Rn. 312**

Seiten der Beklagten gegenüberstehen. Die von der Be-

**Rn. 313**

klagten angeführten Rentabilitätsgesichtspunkte sind

**Rn. 314**

nicht tragfähig. Ihren Bedarf nach Deckungsbeiträgen

**Rn. 315**

für die von ihr betriebene Gastronomie kann die Be-

**Rn. 316**

klagte dort befriedigen, wo ihre Leistungen in Anspruch

**Rn. 317**

genommen werden. Im übrigen dürfte die gesamte Ver-

**Rn. 318**

tragsbestimmung gegen §11 Nr. 5 AGB-Gesetz verstoßen,

**Rn. 319**

weil sie die Vereinbarung eines pauschalierten

**Rn. 320**

Schadensersatzes enthält und dabei der Klägerin den

**Rn. 321**

Nachweis abschneidet, daß kein oder ein geringerer

**Rn. 322**

Schaden als die Pauschale entstanden ist. Der Verstoß

**Rn. 323**

gegen § 11 Nr. 5 AGBG führt zur Nichtigkeit der ge-

**Rn. 324**

samten Vertragsbestimmung, da eine geltungserhaltende

**Rn. 325**

Reduktion der Klausel auf einem beanstandungsfreien In-

**Rn. 326**

halt nicht zulässig ist.

**Rn. 327**

II.

**Rn. 328**

Die (Hilfs-)Widerklage ist unzulässig, weil die Be-

**Rn. 329**

klagte mit ihren Anträgen nicht die Feststellung eines

**Rn. 330**

konkreten Rechtsverhältnisses zwischen ihr und der

**Rn. 331**

Klägerin begehrt. Die Beklagte will vielmehr allgemeine

**Rn. 332**

Rechtsfragen beantwortet wissen, die sich aus dem

**Rn. 333**

Spannungsverhältnis zwischen ihr und den Konzertveran-

**Rn. 334**

staltern als Mieter der Halle N ergeben, ohne

**Rn. 335**

daß die konkret aufgeworfenen Fragen zwischen ihr und

**Rn. 336**

der Klägerin im Streit sind. Zu der damit geforderten

**Rn. 337**

gutachterlichen Stellungnahme sind die Gerichte nicht

**Rn. 338**

aufgerufen, deren Funktion sich in der Entscheidung von

**Rn. 339**

Rechtsstreitigkeiten erschöpft.

**Rn. 340**

Die Kostenentscheidung folgt aus § 91 ZPO, die Ent-

**Rn. 341**

scheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit aus

**Rn. 342**

§ 709 ZPO.

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Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Urteil vom 12.01.1995 – 13 O 181/94 Kart., ECLI:DE:LGDO:1995:0112.13O181.94KART.00

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