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# Landgericht Dortmund, Urteil vom 02.12.1993 – 20 O 50/92

ECLI:DE:LGDO:1993:1202.20O50.92.00

## Tenor

Die Beklagten zu 1)-3) werden verurteilt, an die Klägerin je

1.500.000,00 DM (i.W.: Deutsche Mark einemillionfünfhundert-

tausend) nebst

9 5/8 (9,6250) % Zinsen vom 24.06.91 - 26.08.91

9 3/4 (9,7500) % Zinsen vom 26.08.91 - 26.09.91

9 7/8 (9,8750) % Zinsen vom 26.09.91 - 28.10.91

9 7/8 (9,8750) % Zinsen vom 28.10.91 - 29.11.91

9 11/16 (9,6875) % Zinsen vom 29.11.91 - 31.12.91

10 9/16 (10,6525) % Zinsen vom 27.12.91 - 27.01.92

10,0500 % Zinsen vom 27.01.92 - 27.02.92

10 1/8 (10,1250) % Zinsen vom 27.02.92 - 27.03.92

10 5/16 (10,3125) % Zinsen vom 27.03.92 - 27.04.92

10,2500 % Zinsen vom 27.04.92 - 27.05.92

10 3/16 (10,1875) % Zinsen vom 27.05.92 - 29.06.92

10,2500 % Zinsen vom 29.06.92 - 29.07.92

10,5500 % Zinsen vom 29.07.92 - 31.08.93

10 3/8 (10,3750) % Zinsen vom 31.08.92 - 30.09.92

9 3/8 (9,3750) % Zinsen vom 30.09.92 - 30.10.92

9 3/8 (9,3750) % Zinsen vom 30.10.92 - 15.12.92

9 5/16 (9,3125) % Zinsen vom 26.11.92 - 28.12.92

8,000 % Zinsen vom 30.12.92 - 06.01.93

8,5625 % Zinsen vom 06.01.93 - 08.02.93

8,2500 % Zinsen vom 08.02.93 - 08.03.93

8,2500 % Zinsen vom 08.03.93 - 08.04.93

8,1000 % Zinsen vom 08.04.93 - 10.05.93

7,6000 % Zinsen vom 10.05.93 - 01.06.93

7,6250 % Zinsen vom 01.06.93 - 01.07.93

7,6250 % Zinsen vom 01.07.93 - 15.07.93

7,2500 % Zinsen vom 15.07.93 - 29.07.93

6,8750 % Zinsen vom 29.07.93 - 05.08.93

6,5000 % Zinsen vom 05.08.93 - 19.08.93

6,5000 % Zinsen vom 19.08.93 - 20.09.93

6,6875 % Zinsen vom 20.09.93 - 27.09.93

6,7000 % Zinsen vom 24.09.93 - 08.10.93

6,7000 % Zinsen vom 08.10.93 - 08.11.93

4 % Zinsen ab 08.11.93

zu zahlen.

Die Beklagten tragen je 1/3 der Gerichtskosten und je 1/3 der

außergerichtlichen Kosten der Klägerin.

Die Beklagten tragen ihre eigenen außergerichtlichen Kosten selbst.

Das Urteil ist gegen jeden der Beklagten gegen Sicherheitsleistung

in Höhe von 2.000.000,00 DM vorläufig vollstreckbar.

## Tatbestand

**Rn. 2**

Die Klägerin nimmt die Beklagten auf Schadensersatz

**Rn. 3**

in Höhe von insgesamt 4,5 Mio. DM in Anspruch, da diese unter

**Rn. 4**

Verletzung ihrer Pflichten als ehemalige Vorstandsmitglieder

**Rn. 5**

der Klägerin der P einen ungesicherten Kredit

**Rn. 6**

in Höhe von 15 Mio. DM gegeben haben.

**Rn. 7**

Die Klägerin ist eine Aktiengesellschaft mit einem Grund-

**Rn. 8**

kapital von 127,6 Mio. DM. Hauptgesellschafterin war zum

**Rn. 9**

damaligen Zeitpunkt über Zwischengesellschaften die

**Rn. 10**

P (Bern) mit einer

**Rn. 11**

Beteiligung von 90 %. Hauptgesellschafter der P

**Rn. 12**

war der schweizer Kaufmann S, der zwischenzeitlich nach dem

**Rn. 13**

Zusammenbruch der Holding flüchtig ist.

**Rn. 14**

Seine Unternehmungen zielten größenteils darauf ab, Unter-

**Rn. 15**

nehmen zu erwerben, um diese nach einigen Jahren zu ver-

**Rn. 16**

kaufen. Die hierbei erzielten Gewinne brachten ihm großes

**Rn. 17**

Ansehen in der Wirtschaft ein. Das schlug sich auch in seiner

**Rn. 18**

dominierenden Rolle als Aufsichtsratsvorsitzender der

**Rn. 19**

Klägerin nieder. Seine Erfolge ermöglichten ihm, in der

**Rn. 20**

Regel seine Vorstellungen im Aufsichtsrat der Klägerin

**Rn. 21**

durchzusetzen.

**Rn. 22**

Der dreiköpfige Vorstand der Klägerin bestand damals aus den

**Rn. 23**

Beklagten zu 1) bis 3). Die Beklagten zu 1) und 2) waren am

**Rn. 24**

13.11.1989 zu Vorstandsmitgliedern bestellt worden, nachdem sie

**Rn. 25**

zuvor bereits als Mitarbeiter der P tätig gewesen

**Rn. 26**

waren. Der Beklagte zu 3) gehörte dem Vorstand seit 1985 an.

**Rn. 27**

Der Beklagte zu 2) war gleichzeitig Mitglied der General-

**Rn. 28**

direktion der P in der Schweiz. Hier war er u. a.

**Rn. 29**

zuständig für "Finanzanalysen".

**Rn. 30**

Der Beklagte zu 1) hatte mit seiner Berufung in den Vorstand

**Rn. 31**

seine Tätigkeit bei der P offiziell niedergelegt,

**Rn. 32**

bezog iedoch einen Teil des Gehalts weiterhin von der P,

**Rn. 33**

weil er - wie er vorträgt - als schweizer Staats-

**Rn. 34**

Bürger seine dortige Sozialversicherung und Altersversorgung

**Rn. 35**

in der Schweiz weiter gesichert haben wollte.

**Rn. 36**

Die Aufgabenverteilung innerhalb des Vorstandes der Klägerin

**Rn. 37**

war durch eine Geschäftsordnung des Vorstandes geregelt.

**Rn. 38**

Danach waren dem Beklagten zu 1) die Geschäftsbereiche

**Rn. 39**

"Koordination und Information", Controlling, "betriebswirt-

**Rn. 40**

schaftliche Abteilung" u. a. zugeordnet; dem Beklagten zu 2)

**Rn. 41**

oblagen die Stäbe "Treasury", "Finanzanalysen und Immo-

**Rn. 42**

bilien-Strategie" sowie deren Durchführung. Der Beklagte

**Rn. 43**

zu 3) hatte die Aufgaben "allgemeine Verwaltung", "Rechnungs-

**Rn. 44**

wesen" und Consolidierung", "Bauabteilung", die "Haus- und

**Rn. 45**

Grundstücksverwaltung" sowie "Kraftwirtschaft, Steuern und

**Rn. 46**

Schiffahrt mit Beteiligungen" wahrzunehmen.

**Rn. 47**

Die grundsätzlichen Zuständigkeitsregelungen sind in der

**Rn. 48**

Satzung der Klägerin vom 29.06.1990 enthalten. Hier heißt es

**Rn. 49**

u. a. in

**Rn. 50**

§ 10

**Rn. 51**

Besondere Zuständigkeit

**Rn. 52**

1. Für die Übernahme der nachfolgenden Geschäfte, deren

**Rn. 53**

Gegenstandswert im Einzelfall die vom Aufsichtsrat fest-

**Rn. 54**

gelegte Grenze überschreitet, bedarf der Vorstand der

**Rn. 55**

Zustimmung des Aufsichtsrats:

**Rn. 56**

...

**Rn. 57**

...

**Rn. 58**

g) Gewährung von Darlehen und sonstigen Krediten außerhalb

**Rn. 59**

des üblichen Geschäftsbetriebes;

**Rn. 60**

...

**Rn. 61**

Vorsitzender des Aufsichtsrats war - wie erwähnt -

**Rn. 62**

der schweizer Kaufmann S, Mitglied des Aufsichtsrats war

**Rn. 63**

H, der zugleich Verwaltungsratsmitglied der P

**Rn. 64**

war und gegen den die Klägerin in dem abgetrennten

**Rn. 65**

Verfahren eine Schadensersatzforderung in Höhe von 1,5 Mio.

**Rn. 66**

DM geltend macht.

**Rn. 67**

Der Darlehnsvergabe, auf die die Schadensersatzforderung

**Rn. 68**

gründet, war folgendes Geschehen vorausgegangen:

**Rn. 69**

Im September 1990 beschloß der Vorstand der Klägerin auf

**Rn. 70**

Veranlassung der P, von der P2, einer Tochtergesellschaft der P, deren

**Rn. 71**

Mitbeteiligung an der M2 (M2) zum

**Rn. 72**

Preis von 90 Mio. GBP zu erwerben. In der folgenden Auf-

**Rn. 73**

sichtsratssitzung vom 19.10.1990 billigte der Aufsichtsrat

**Rn. 74**

diesen Erwerb unter der Bedingung, daß ein unabhängiges Gut-

**Rn. 75**

achten die Angemessenheit des Kaufpreises bestätige.

**Rn. 76**

Am 30.10.1990 schlossen die Beklagten einen Kaufvertrag über

**Rn. 77**

3 Aktien a $ 1,00 der J7 (Cayman-

**Rn. 78**

Islands). Die J7, vermittelte über die O2

**Rn. 79**

(Honkong) Beteiligungen an der J (J),

**Rn. 80**

die "wiederum Beteiligungen an der M2 hielt.

**Rn. 81**

Unter dem 27.11.1990 ging dem Vorstand der Klägerin eine

**Rn. 82**

sogenannte "Fairness opinion" der Wirtschaftsprüfer D2,

**Rn. 83**

London, über die Angemessenheit der M2-Transaktion

**Rn. 84**

zu. Hierin führten die Wirtschaftsprüfer u. a. aus, daß sie

**Rn. 85**

"- wie vereinbart weder so etwas wie eine Wirtschafts-

**Rn. 86**

prüfung bei J7, O2 oder J durchgeführt noch die

**Rn. 87**

geschäftlichen Unterlagen dieser Firmen untersucht" hätten.

**Rn. 88**

Ihre Meinung beruhe "ausschließlich auf Besprechungen mit Vor-

**Rn. 89**

standsmitgliedern und Mitarbeitern der P2-

**Rn. 90**

Unternehmensgruppe, von denen zwei ebenfalls

**Rn. 91**

Direktoren von J seien"...

**Rn. 92**

Die vorgelegte "Fairness opinion" erklärte die gesamte Trans-

**Rn. 93**

aktion, basierend auf diesen Informationen, als "fair".

**Rn. 94**

Am 29.11.1990 richteten hausintern die Herren K (zu-

**Rn. 95**

ständiger Projektleiter) und J2 (Leiter der Rechtsab-

**Rn. 96**

teilung der Klägerin) ein gemeinsames Schreiben an die Be-

**Rn. 97**

klagten, in welchem sie auf die Einschränkungen der D2-Vorlage

**Rn. 98**

und die Anforderungen des Aufsichtsratsbe-

**Rn. 99**

schlusses vom 19.10.1990 hinwiesen.

**Rn. 100**

Am 11.12.1990 wurde - da der Vertrag vom 30.10.1990 sich als

**Rn. 101**

unwirksam herausgestellt hatte - ein neuer Kaufvertrag über

**Rn. 102**

den Erwerb der M2-Anteile unter Einschaltung der eigens

**Rn. 103**

hierfür gegründeten J4 unter der

**Rn. 104**

aufschiebenden Bedingung einer Aufsichtsratsgenehmigung ge-

**Rn. 105**

schlossen. In seiner Sitzung vom 13.12.1990 genehmigte der

**Rn. 106**

Aufsichtsrat gegen die Stimmen der Arbeitnehmervertreter

**Rn. 107**

diesen Erwerb. In derselben Sitzung erklärten die Beklagten

**Rn. 108**

in ihrem Vorstandsbericht, daß derzeit keine Liquiditäts-

**Rn. 109**

überschüsse bei der Klägerin vorhanden seien, da der Kredit-

**Rn. 110**

rahmen von 240,5 Mio. DM vollständig in Anspruch genommen

**Rn. 111**

worden sei.

**Rn. 112**

Kurze Zeit später, im Januar 1991, stellte sich heraus, daß

**Rn. 113**

die M2-Gruppe sich in erheblichen wirtschaftlichen

**Rn. 114**

Schwierigkeiten befand.

**Rn. 115**

Die Beklagten zu 1) und 3) schrieben deshalb unter dem

**Rn. 116**

01.02.1991 (Blatt 602 d. A.) an das Aufsichtsratsmitglied

**Rn. 117**

H:

**Rn. 118**

Insbesondere bedingt durch den Golfkrieg hat die Branche

**Rn. 119**

zunehmend mit erheblichen Einbrüchen im Passagierauf-

**Rn. 120**

kommen zu kämpfen. Dies hatte auch für die M2-Gruppe

**Rn. 121**

zur Folge, das geplante Leasingoperationen nicht mehr

**Rn. 122**

programmgemäß durchgeführt werden konnten.

**Rn. 123**

Die M2 hat deshalb die Kapitalbasis mit dem Einver-

**Rn. 124**

ständnis unseres Aufsichtsratsvorsitzenden um GBP

**Rn. 125**

90 Mio. sehr bedeutend erweitert. GBP 40 Mio. neue Bar-

**Rn. 126**

mittel werden von Aktionären und weitere GBP 50 Mio.

**Rn. 127**

durch Umwandlung von Bankkrediten in Kapital durch die

**Rn. 128**

M4 Bank (Hauptbank der M2) zur Verfügung ge-

**Rn. 129**

stellt...."

**Rn. 130**

Um den wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu begegnen, sollte

**Rn. 131**

die Klägerin auf Veranlassung der P einen viel-

**Rn. 132**

fachen Millionenbetrag zur Sanierung der M2 leisten. In

**Rn. 133**

einem persönlichen Gespräch des Aufsichtsratsvorsitzenden L

**Rn. 134**

mit dem Beklagten zu 3) riet dieser hiervon ab.

**Rn. 135**

Streitig ist, ob er in diesem Gespräch auch davon abgeraten

**Rn. 136**

hat, der P unmittelbar einen Kredit zu geben.

**Rn. 137**

Jedenfalls schrieb L unter dem 11.02.1991 an den Vorstand

**Rn. 138**

der Klägerin folgendes:

**Rn. 139**

"J

**Rn. 140**

Sehr geehrte Herren,

**Rn. 141**

ich danke Ihnen für Ihren Brief vom 01.02.1991 und möchte wie

**Rn. 142**

folgt dazu Stellung nehmen:

**Rn. 143**

In Übereinstimmung mit meiner Haltung anläßlich des

**Rn. 144**

Telefongespräches von Ende Januar mit den Herren

**Rn. 145**

J6 und S3, als es um die erste

**Rn. 146**

Orientierung über die Probleme in England ging, möchte

**Rn. 147**

ich Sie bitten, das Engagement von J3 in diesem Ge-

**Rn. 148**

schäft nicht zu erhöhen, bis der Aufsichtsrat einen

**Rn. 149**

neuen Beschluß gefaßt hat.

**Rn. 150**

Auf der J3 Aufsichtsratssitzung vom 11. März 1991

**Rn. 151**

ist eine eingehende Orientierung fällig, die u. a. be-

**Rn. 152**

inhalten sollte:

**Rn. 153**

... - Kreditlinien mit Angabe der Sicherheiten, Fällig-

**Rn. 154**

keiten und wesentlichen Convenants

**Rn. 155**

Im Hinblick auf die Welle negativer Publizität muß auch

**Rn. 156**

die allgemeine Lage von J3 eingehend geprüft

**Rn. 157**

werden, vor allem im Hinblick auf die Liquidität und die

**Rn. 158**

Vorkehren bei Kreditkündigungen von Banken.

**Rn. 159**

Ich danke Ihnen für Ihren Einsatz in dieser schwierigen

**Rn. 160**

Zeit."

**Rn. 161**

Die Beklagten sahen - insbesondere auf Betreiben des Be-

**Rn. 162**

klagten zu 3.) - daher auch davon ab, unmittelbar Gelder in

**Rn. 163**

dieses Projekt zu stecken. Es wurde vielmehr vereinbart, der

**Rn. 164**

P ein kurzfristige Darlehen in Höhe von 15 Mio.

**Rn. 165**

DM zu gewähren. Diese sollte dann das Geld an die J weiter-

**Rn. 166**

leiten und damit das Insolvenzrisiko übernehmen.

**Rn. 167**

Im einzelnen erfolgte die Kreditvergabe wie folgt:

**Rn. 168**

Die Beklagten zu 1) und 2) beschlossen die Kreditvergabe und

**Rn. 169**

unterrichteten den Beklagten zu 3) hiervon. Der Beklagte

**Rn. 170**

zu 2) übersandte am 04.02.1991 eine "Zahlungsinstruktion"

**Rn. 171**

(Anlage 2), auf die der Beklagte zu 3) "o. K. S3"

**Rn. 172**

schrieb, nachdem er zunächst zwischen 9.05 Uhr und 9.33 Uhr

**Rn. 173**

mit seinen beiden Vorstandskollegen eine telefonische Unter-

**Rn. 174**

redung wegen des Kredits gehabt hatte.

**Rn. 175**

Das der P gegebene, als "time-deposit" deklarierte

**Rn. 176**

Darlehn war mit 10 % zu verzinsen und konnte mit 48stündiger

**Rn. 177**

Frist gekündigt werden. Sicherheiten waren nicht verlangt

**Rn. 178**

worden.

**Rn. 179**

Die liquiden Mittel wurden dadurch beschafft, daß die Be-

**Rn. 180**

klagten in einem Optionsgeschäft über den Verkauf von Be-

**Rn. 181**

teiligungen an der C3 sich diesen Betrag, zahlbar zum

**Rn. 182**

04.02.1991, versprechen ließen. Der Verkauf dieser Anteile

**Rn. 183**

war schon längere Zeit geplant und erfolgte mit Billigung

**Rn. 184**

des Aufsichtsrats. Die Zustimmung der Aufsichtsratsmitglieder

**Rn. 185**

war im schriftlichen Umlaufverfahren am 29.01.1991 und

**Rn. 186**

04.02.1991 erfolgt. Am 04.02.1991 wurde die 1. Rate von

**Rn. 187**

15. Mio. DM an J3 gezahlt.

**Rn. 188**

Zeitlich parallel zu diesem Vorgang hatte die Klägerin ge-

**Rn. 189**

wisse Schwierigkeiten mit einem von dem Bankhaus U

**Rn. 190**

gewährten Kredit:

**Rn. 191**

Am Freitag, den 01.02.1992, hatte die Klägerin einen Anruf

**Rn. 192**

des Herrn S2, Angestellter des Bankhauses, erhalten, in welchem auf

**Rn. 193**

die Rückzahlung von 15 Mio. DM aus einem am 04.02.1991 aus-

**Rn. 194**

laufenden 30 Mio. Kredit bis zum nächsten Werktag, dem

**Rn. 195**

04.02.1991, hingewiesen wurde. Der Gesprächspartner der

**Rn. 196**

Klägerin, damalige Finanzprokurist L3, fertigte hierüber

**Rn. 197**

einen Vermerk (K 17), der für die Beklagten zu 1) bis 3)

**Rn. 198**

bestimmt war. Hierin heißt es:

**Rn. 199**

Am 04.02.1991 stehen die gezogenen 30 Mio. DM zur Ver-

**Rn. 200**

längerung an. Heute morgen 8.20 Uhr erhielt ich einen

**Rn. 201**

Anruf von Herrn S2, U.

**Rn. 202**

Er teilte mir mit, daß das Engagement U bei P und

**Rn. 203**

J3 mittlerweile so hoch geworden sei, daß am

**Rn. 204**

04.02.1991 eine Teilrückzahlung von 15 Mio. DM seitens

**Rn. 205**

J3 erforderlich sei. Desweiteren wünscht U,

**Rn. 206**

verunsichert über die J- und B-Transaktion eine

**Rn. 207**

Besicherung der verbleibenden 15 Mio. DM. Herr S2

**Rn. 208**

erwähnte dabei die Möglichkeit, die uns aus dem S5

**Rn. 209**

- Deal - zufließende Zahlung als Sicherheit zu nehmen.

**Rn. 210**

S2 erbittet kurzfristige Antwort.

**Rn. 211**

Am 04.02. fertigte Herr L3 einen weiteren Vermerk,

**Rn. 212**

bestimmt für die Beklagten zu 1) bis 3) (K 18) in dem es

**Rn. 213**

heißt:

**Rn. 214**

Heute morgen, 7.55 Uhr, erhielt ich einen weiteren Anruf

**Rn. 215**

von Herrn S2, U

**Rn. 216**

In Ergänzung und Abänderung seines Anrufs von Freitag

**Rn. 217**

teilte er mir mit, daß die gesamten 30 Mio. DM heute von

**Rn. 218**

J3 zur Rückzahlung fällig sein.

**Rn. 219**

Nur dann, wenn keine ausreichende Liquidität vorhanden

**Rn. 220**

sei, wäre er eventuell für wenige Tage bereit, mit einer

**Rn. 221**

Besicherung des Restbetrages zufrieden zu sein.

**Rn. 222**

Wie sollen wir verfahren?.

**Rn. 223**

Dieses Schreiben will der Beklagte zu 3) erst nach der Dar-

**Rn. 224**

lehensvergabe am Morgen des 04.02.1991 erhalten haben. Herr

**Rn. 225**

L3 habe ihn auch nicht vorher hierauf angesprochen.

**Rn. 226**

Unstreitig ist, daß U am 04.02.1991 ein

**Rn. 227**

Telefax, eingegangen bei der Klägerin um 14.50 Uhr, schickte,

**Rn. 228**

in welchem es u. a. heißt:

**Rn. 229**

Sehr geehrter Herr J6,

**Rn. 230**

Wir haben Ihnen eine Kreditlinie in Höhe von DM

**Rn. 231**

30.000,000,-- bis auf weiteres eingeräumt. Diese wird

**Rn. 232**

nach Rückzahlung von DM 15.000.000,-- am 4.2.1991 zur

**Rn. 233**

Zeit noch mit 15.000.000,-- genutzt.

**Rn. 234**

Unter Bezugnahme auf Paragraph 19, Abs. 1 der Allge-

**Rn. 235**

meinen Geschäftsbedingungen fordern wir Sie auf, in Höhe

**Rn. 236**

der verbliebenen Inanspruchnahme Sicherheiten zu be-

**Rn. 237**

stellen. Dies könnte insbesondere durch Verpfändung der

**Rn. 238**

bereits bei uns in Ihrem Depot lagernden B-Aktien

**Rn. 239**

erfolgen. Den Text einer Verpfändungserklärung fügen wir

**Rn. 240**

diesem Schreiben bei.

**Rn. 241**

Von einer Inanspruchnahme der überschießenden Linie

**Rn. 242**

wollen Sie vor Bestellung weiterer Sicherheiten absehen.

**Rn. 243**

Für die Verpfändung vorstehend genannter Aktien haben

**Rn. 244**

wir uns eine Frist bis zum 6.2.1991 vorgemerkt. Alter-

**Rn. 245**

nativ dürfen wir Sie zu diesem Zeitpunkt um Rückführung

**Rn. 246**

der restlichen Inanspruchnahme bitten.

**Rn. 247**

15 Mio. DM wurden rechtzeitig an U zurückgezahlt.

**Rn. 248**

Am 05.02 - um 16.58 Uhr - ging ein Schreiben der

**Rn. 249**

M-Bank (Anlage 24) ein, indem es

**Rn. 250**

u. a. heißt:

**Rn. 251**

Inzwischen erreichten uns über die Presse irritierende

**Rn. 252**

Nachrichten wie z. B. Berichte über die von der P

**Rn. 253**

übernommene M2-Beteiligung.

**Rn. 254**

Noch unter dem 12.12.1990 hatten Sie uns mitgeteilt,

**Rn. 255**

J3 unterstreiche "mit dieser Transaktion seine aktive

**Rn. 256**

unternehmerische Neuausrichtung auf das europäische

**Rn. 257**

Merchant-Banking-Geschäft". "Dieser Neuerwerb ist eine

**Rn. 258**

interessante und substanzstarke Erweiterung in unserem

**Rn. 259**

Unternehmensportefeuille", versicherten Sie uns weiter.

**Rn. 260**

Schon kurze Zeit danach wird M2 in der Presse als

**Rn. 261**

sanierungsreifes Unternehmen dargestellt (z. B. Observer

**Rn. 262**

vom 3.2.1991). Von Bedeutung ist hierbei, daß M2 offen-

**Rn. 263**

bar kein freiakquiriertes Engagement, sondern Teil einer

**Rn. 264**

Gruppentransaktion ist. Für uns ist deshalb von Be-

**Rn. 265**

deutung, ob und inwieweit sich seit der Mitte des

**Rn. 266**

letzten Jahres die Geschäftspolitik von J3 ge-

**Rn. 267**

ändert hat.

**Rn. 268**

Unsere Sorge wird vertieft durch die anhaltende negative

**Rn. 269**

Presse über Liquidationsschwierigkeiten der P. Des-

**Rn. 270**

halb benötigen wir kurzfristig detaillierte Informa-

**Rn. 271**

tionen über die inzwischen getätigten Geschäfte zwischen

**Rn. 272**

der P-Gruppe und der J3-Gruppe.

**Rn. 273**

In den Kreditverhandlungen wurde Ihrerseits deutlich

**Rn. 274**

gemacht, die J3-Gruppe werde ihr Grundvermögen

**Rn. 275**

nicht belasten. Zur Unterstreichung dieser Absicht

**Rn. 276**

bitten wir Sie, sich uns gegenüber in einer Negativ-

**Rn. 277**

erklärung zu verpflichten, Grundvermögen ohne unsere

**Rn. 278**

Zustimmung nicht zu belasten, solange ein Kreditver-

**Rn. 279**

hältnis besteht.

**Rn. 280**

Wir bitten um Verständnis, daß wir nach § 18 des Kredit-

**Rn. 281**

wesengesetzes verpflichtet sind, die wirtschaftlichen

**Rn. 282**

Verhältnisse wichtiger Kreditnehmer fortlaufend zu über-

**Rn. 283**

prüfen, insbesondere dann, wenn ungünstige Nachrichten

**Rn. 284**

bekannt werden. Bei einer wesentlichen Verschlechterung

**Rn. 285**

des Vermögens eines Kreditnehmers müßten wir Sicher-

**Rn. 286**

heiten einfordern oder notfalls die Rechtsfolgen nach

**Rn. 287**

Nr. 17 unserer Allgemeinen Geschäftsbedingungen herbei-

**Rn. 288**

führen. Deshalb liegt es in unserem gemeinsamen

**Rn. 289**

Interesse, wenn Sie uns kurzfristig folgende Fragen

**Rn. 290**

beantworten würden:

**Rn. 291**

1. Von welchen wirtschaftlichen Erwägungen hat sich die

**Rn. 292**

J3 bei der M2-Transaktion leiten lassen?

**Rn. 293**

2. Wie hoch war der Kaufpreis?

**Rn. 294**

3. Lag der Veräußerung ein Wertgutachten zugrunde und

**Rn. 295**

können Sie uns eine Kopie dieses Gutachtens zur Ver-

**Rn. 296**

fügung stellen?

**Rn. 297**

4. Werden mit dem Geschäft Interessen der P-Gruppe

**Rn. 298**

verfolgt oder entspricht es einem normalen Drittge-

**Rn. 299**

schäft? .Gibt es Verknüpfungen mit anderen Trans-

**Rn. 300**

aktionen?

**Rn. 301**

5. Welche Probleme bestehen bei M2, und lassen sie sich

**Rn. 302**

mit zusätzlichen Finanzmitteln lösen? Wie hoch ist

**Rn. 303**

der Anteil von J3 an der beabsichtigten

**Rn. 304**

Kapitalerhöhung?

**Rn. 305**

6. Gibt es seit Mitte des letzten Jahres andere Gruppen-

**Rn. 306**

geschäfte zwischen Pund J3, liegen sie voll

**Rn. 307**

im Interesse von J3 und sind weitere beabsichtigt?

**Rn. 308**

Wir bitten um Verständnis, daß wir entsprechend Ziff. 13

**Rn. 309**

des Darlehensvertrags den Wunsch nach Unterrichtung über

**Rn. 310**

die aktuellen wirtschaftlichen Verhältnisse vorbringen

**Rn. 311**

müssen.

**Rn. 312**

In den folgenden Tagen überschlugen sich die Ereignisse. Am

**Rn. 313**

07.02.1991 fand eine Vorstandsbesprechung statt, über die es

**Rn. 314**

im Protokoll heißt (A 25):

**Rn. 315**

Herr J6berichtete über das Gespräch bei U

**Rn. 316**

am 5. Februar 1991, an dem Herr J7 und er

**Rn. 317**

teilgenommen haben:

**Rn. 318**

Der Ernst der Situation zwingt zu folgenden Maßnahmen,

**Rn. 319**

die bereits mit dem AR-Vorsitzenden abgesprochen worden

**Rn. 320**

sind:

**Rn. 321**

- Die Akquisition M2/J wird rückgängig gemacht. Alle

**Rn. 322**

notwendigen Maßnahmen für die Rückabwicklung werden

**Rn. 323**

vorbereitet und eingeleitet.

**Rn. 324**

- Das Vertragswerk mit D wird abgetreten. D hat

**Rn. 325**

ohnehin den Put von J3 nicht akzeptiert.

**Rn. 326**

Vorbereitung der Texte durch Herrn J2.

**Rn. 327**

- Ein Liquiditätsstatus muß erstellt werden; Lösungen

**Rn. 328**

für die Rückzahlungen der Kredite müssen gefunden

**Rn. 329**

werden. Eine Kreditrückzahlung hatte U

**Rn. 330**

gefordert. Die M-Bank hat die Rückforderung massiv angedroht, sofern

**Rn. 331**

nicht ihr Wissensdurst zur Zufriedenheit gestillt

**Rn. 332**

würde. Die X-Bank hat ebenfalls mit einer

**Rn. 333**

Kündigung gedroht; die E-Bank wünschte zusätzliche

**Rn. 334**

Informationen etc.

**Rn. 335**

Am selben Tage entschloß sich der Vorstand, an die Banken

**Rn. 336**

wegen der Bildung eines Bankenpools zum Zwecke der Um-

**Rn. 337**

schuldung und Besicherung der Kredite heranzutreten.

**Rn. 338**

In den folgenden Tagen häuften sich die Nachrichten in der

**Rn. 339**

Presse über die finanziellen Probleme der P und des

**Rn. 340**

Herrn S

**Rn. 341**

Gleichwohl wurden der P von mehreren Banken,

**Rn. 342**

insbesondere schweizer Banken, weitere Kredite eingeräumt.

**Rn. 343**

Dies verhinderte jedoch nicht, daß die P in

**Rn. 344**

Vermögensverfall geriet.

**Rn. 345**

Am 07.03.1990 verlangte die Klägerin offiziell die Rück-

**Rn. 346**

zahlung des gewährten Darlehens, allerdings vergeblich.

**Rn. 347**

Sie nimmt deshalb die Beklagten zu 1) bis 3) und im abge-

**Rn. 348**

trennten Verfahren das Aufsichtsratsmitglied H auf

**Rn. 349**

Schadensersatz in insgesamt von 6 Mio. DM in Anspruch, und

**Rn. 350**

zwar den Beklagten zu 1) für den ersten Teilbetrag von

**Rn. 351**

1,5 Mio. DM, den Beklagten zu 2) für den zweiten Teilbetrag

**Rn. 352**

von 1,5 Mio. DM und den Beklagten zu 3) für den dritten Teil-

**Rn. 353**

betrag von 1,5 Mio DM und in dem abgetrennten Verfahren das

**Rn. 354**

Aufsichtsratsmitglied H für den vierten Teilbetrag

**Rn. 355**

von 1,5 Mio. DM.

**Rn. 356**

Die Klägerin ist der Ansicht, die Beklagten zu 1) bis 3)

**Rn. 357**

hätten nicht die Sorgfalt eines ordentlichen und gewissen-

**Rn. 358**

haften Kaufmanns angewendet, als sie der P ein Darlehen

**Rn. 359**

über 15 Mio. DM ohne Bestellung von Sicherheiten und ohne die

**Rn. 360**

ausdrückliche Aufsichtsratsgenehmigung gewährt hätten. Sie

**Rn. 361**

seien nach der Satzung der Klägerin verpflichtet gewesen,

**Rn. 362**

dieses Geschäft zur Zustimmung dem Aufsichtsrat vorzulegen.

**Rn. 363**

Außerdem verstoße die Darlehensgewährung gegen § 57 AktG. Sie

**Rn. 364**

stelle eine unzulässige Einlagenrückgewähr dar, da eine an-

**Rn. 365**

gemessene Sicherheit von der P nicht gegeben worden sei. In

**Rn. 366**

der unzulässigen Einlagenrückgewähr sei zugleich eine steuer-

**Rn. 367**

rechtlich und zum Schadensersatz verpflichtende verdeckte

**Rn. 368**

Gewinnausschüttung an die Hauptgesellschafterin, der P,

**Rn. 369**

zu sehen. Deshalb sei sie auch - wie unstreitig

**Rn. 370**

ist - wegen verdeckter Gewinnausschüttung steuerlich mit über

**Rn. 371**

8 Mio. DM belastet worden.

**Rn. 372**

Die Klägerin behauptet, die Beklagten hätten bei Hingabe des

**Rn. 373**

Darlehens von der "finanziellen Schieflage" der P

**Rn. 374**

gewußt, zumindest aufgrund negativer Presseartikel wissen

**Rn. 375**

müssen. Außerdem habe der damalige Sachbearbeiter L3

**Rn. 376**

vor Darlehenshingabe - wie bereits ausgeführt - auf die

**Rn. 377**

Liquiditätsprobleme und insbesondere auf die Gespräche mit

**Rn. 378**

der U- Bank hingewiesen (Beweisangebot:

**Rn. 379**

L3). Darüber hinaus seien die Kreditlinien der Klägerin

**Rn. 380**

in Höhe von 240,5 Mio. DM zu diesem Zeitpunkt bereits voll in

**Rn. 381**

Anspruch genommen worden (Beweisangebot: M3).

**Rn. 382**

Im übrigen meint die Klägerin, die Beklagten hätten

**Rn. 383**

spätestens mit Kenntniserlangung des Telefaxes des Bankhauses

**Rn. 384**

U am 04.02.1991 um 14.50 Uhr sofort einen

**Rn. 385**

Vorstandsbeschluß auf Rückführung des Darlehens und die

**Rn. 386**

Kündigung des Darlehens herbeiführen müssen. Eine Rückzahlung

**Rn. 387**

wäre auch zu erwarten gewesen, da die U - Bank in E

**Rn. 388**

noch am 20.02.1991 einen Kredit von

**Rn. 389**

mehreren Millionen DM zurückbezahlt bekommen habe.

**Rn. 390**

Die Klägerin beantragt dementsprechend,

**Rn. 391**

jeden der Beklagten zu verurteilen, an sie einen Betrag

**Rn. 392**

von jeweils 1,5 Mio. DM nebst im einzelnen angebener

**Rn. 393**

Zinsen seit dem 01.08.1991 zu zahlen.

**Rn. 394**

Die Beklagten beantragen,

**Rn. 395**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 396**

Die Beklagten zu 1) und 2) rügen die internationale

**Rn. 397**

Zuständigkeit der erkennenden Kammer und bestreiten ein

**Rn. 398**

Rechtsschutzbedürfnis für die vorliegende Klage. Der Beklagte

**Rn. 399**

zu 2) hat ausdrücklich betont, daß er sich deshalb nicht zur

**Rn. 400**

Sache einlasse. Er trage nur im Hinblick darauf vor, daß er

**Rn. 401**

auch nur eine in Deutschland vollstreckbare Entscheidung

**Rn. 402**

vermeiden möchte.

**Rn. 403**

Sämtliche Beklagte machen den Einwand der unzulässigen

**Rn. 404**

Rechtausübung geltend, weil gerade sie in rechtsmißbräuch-

**Rn. 405**

licher Weise in Anspruch genommen würden und die Klägerin damit

**Rn. 406**

gegen § 421 BGB verstieße.

**Rn. 407**

Im übrigen bestreiten sie, von der "finanziellen Schieflage"

**Rn. 408**

der P gewußt zu haben. Sie hätten keinen Einblick

**Rn. 409**

in die Geschäftslage der P gehabt. Daß die P

**Rn. 410**

zu diesem fraglichen Zeitpunkt und auch später in

**Rn. 411**

internationalen Bankkreisen noch über eine uneingeschränkte

**Rn. 412**

Bonität verfügt hätte, zeigten die ihr noch eingeräumten

**Rn. 413**

Kredite. So hätte

**Rn. 414**

die L2 am 28.02.1991 einen Kredit über 27,7 Mio. Schweizer Franken,

**Rn. 415**

die S4 am 28.02.1991 über 51 Mio. Schweizer Franken,

**Rn. 416**

die M-Bank am 27.02.1991 über 21 Mio. Schweizer Franken,

**Rn. 417**

die C-Bank am 25.02.1991 über 31,1 Mio. Schweizer Franken,

**Rn. 418**

die C2-Bank am 19.02.1991 ein Darlehen über 21,3 Mio. Schweizer Franken

**Rn. 419**

gewährt. Selbst im März 1991 seien noch umfangreiche Darlehen

**Rn. 420**

zur Verfügung gestellt worden ( Einzelheiten siehe Blatt 131 d. A.).

**Rn. 421**

Sie seien vor Hingabe des Darlehens auch nicht über die

**Rn. 422**

Schwierigkeiten mit der U- Bank unter-

**Rn. 423**

richtet gewesen.

**Rn. 424**

Im übrigen seien Gruppengeschäfte innerhalb des Konzerns in

**Rn. 425**

der Aufsichtsratsitzung vom 21.02.1990 im Zuge der Neuaus-

**Rn. 426**

richtung hin zur Merchant-Banking generell genehmigt worden

**Rn. 427**

(Beweisangebot: Niederschrift der Aufsichtsratssitzung vom

**Rn. 428**

21.01.1991 und Zeugnis des Herrn L).

**Rn. 429**

Zum Beweise dafür, daß Kredite in dieser Art auch außen-

**Rn. 430**

stehenden Dritten gegenüber gewährt worden seien, führt der

**Rn. 431**

Beklagte zu 3) an, daß die J5 Caymen Islands

**Rn. 432**

an den R, Caymen Islands, am

**Rn. 433**

12.07.1990 ein Darlehen über 28,277 Mio. DM gegeben habe,

**Rn. 434**

das bis zum 01.12.1990 befristet und mit 10,125 % pa. zu

**Rn. 435**

verzinsen gewesen wäre. Auch dieses Darlehen sei - wie es der

**Rn. 436**

Geschäftsüblichkeit entspreche - ohne Sicherheiten gewährt

**Rn. 437**

worden (Anlage B 18). Im übrigen sei die Liquidität der

**Rn. 438**

Klägerin im Zeitpunkt der Darlehenshingabe durch den Verkauf

**Rn. 439**

der C3-Aktien gewährleistet gewesen. Die Kreditlinie sei

**Rn. 440**

noch lange nicht ausgeschöpft gewesen (Beweisangebot: Zeugnis

**Rn. 441**

L3 und L). Gleichzeitig habe man über ein Tages-

**Rn. 442**

festgeld in Höhe von 18 Mio. DM verfügt (Beweisangebot:

**Rn. 443**

M3). Bedenken wegen der Rückzahlung durch die P

**Rn. 444**

hätten sich schon deshalb nicht ergeben, weil bereits früher

**Rn. 445**

gewährte Darlehen pünktlich zurückgezahlt worden seien.

**Rn. 446**

Unstreitig ist insoweit, daß zwei im Dezember fällig ge-

**Rn. 447**

wordene Darlehen, über 255.526,07 Britische Pfund und über

**Rn. 448**

15.237.500,00 US-$, durch Verrechnung mit dem Kaufpreis der

**Rn. 449**

Anteile in dem Komplex J/M2 zurückgezahlt worden sind.

**Rn. 450**

Die Beklagten weisen ferner daraufhin, daß die Liquidität der

**Rn. 451**

P nicht in Zweifel gestanden habe. Es sei nämlich

**Rn. 452**

bekannt gewesen, daß diese einen großen Teil ihrer liquiden

**Rn. 453**

Mittel im Ankauf von B-Aktien gebunden gehabt hatte. Durch

**Rn. 454**

die Pressemitteilung der Holding vom 17.01.1991, aber auch

**Rn. 455**

aus internen Papieren habe der Vorstand noch vor dem

**Rn. 456**

O4.02.1991 erfahren, daß der Verkauf der B-Aktien an die

**Rn. 457**

D-Holding unmittelbar bevorstehe (Vorlage der Presse-

**Rn. 458**

mitteilung vom 17.01.1991 Anlage B 19). Der Vorstand hätte

**Rn. 459**

daher davon ausgehen können, daß der P vielleicht am

**Rn. 460**

04.02.1991 keine ausreichenden liquiden Mittel zur Verfügung

**Rn. 461**

ständen, um in dem J/M2-Komplex ein Darlehen über 15 Mio.

**Rn. 462**

DM zu gewähren, die Liquidität der Holding in den nächsten

**Rn. 463**

Tagen und Wochen sei jedoch gesichert gewesen.

**Rn. 464**

Unstreitig ist, daß P ihren Anteil an B von 53 % der

**Rn. 465**

stimmberechtigten Kapitals an die D-Holding AG, C,

**Rn. 466**

eine Tochter der B3, T,

**Rn. 467**

verkaufte und gleichzeitig 48 % des Aktienskapitals der D

**Rn. 468**

Holding erwarb, während B3 einen gleich großen Anteil des

**Rn. 469**

D-Aktienkapitals hielt. Der endgültige Vollzug der Ver-

**Rn. 470**

einbarungen stand allerdings noch unter dem Vorbehalt der

**Rn. 471**

kartellrechtlichen Genehmigung durch die EG-Kommission.

**Rn. 472**

Tatsächlich ist das Geschäft Ende März 1991 mit anderen

**Rn. 473**

Partnern und zu deutlich schlechteren Konditionen durchge-

**Rn. 474**

führt worden.

**Rn. 475**

Im übrigen - so der Vortrag des Beklagten zu 3) - seien be-

**Rn. 476**

reits Anfang Februar 1991-zuverlässige Prognosen für den

**Rn. 477**

Jahresabschluß 1990 vorhanden gewesen. Man hätte davon aus-

**Rn. 478**

gehen können, daß eine Dividende zwischen 26 und 30 % an die

**Rn. 479**

P ausgeschüttet werden würde. Allein aus der

**Rn. 480**

Ausschüttung dieses Gewinns wären der Holding 30 Mio. DM

**Rn. 481**

zugeflossen.

**Rn. 482**

Aus den von der Klägerin vorgelegten Presseberichte habe man

**Rn. 483**

keine negativen Schlußfolgerungen ziehen können. Die übrigen

**Rn. 484**

Presseberichte seien durchaus positiv gewesen.

**Rn. 485**

Der Beklagte zu 3) weist zusätzlich daraufhin, daß die Ent-

**Rn. 486**

scheidung über die Darlehnsgewährung nicht in sein Vorstands-

**Rn. 487**

ressort gefallen sei. Es sei ihm auch nicht möglich ge-

**Rn. 488**

wesen, den Vorstandsbeschluß rückgängig zu machen. Eine früh-

**Rn. 489**

zeitige Kündigung des Darlehns - die erfolgt sei - sei schon

**Rn. 490**

deshalb erfolglos gewesen, weil die P Holding weder vor

**Rn. 491**

noch nach der Darlehnshingabe finanzielle Mittel zu einer

**Rn. 492**

Rückzahlung gehabt hätte.

**Rn. 493**

Die Beklagten bestreiten schließlich die Höhe des Forderungs-

**Rn. 494**

ausfalls sowie den Zinsanspruch dem Grunde und der Höhe nach.

**Rn. 495**

Hinsichtlich der Höhe des Schadens hat die Kammer Beweis

**Rn. 496**

erhoben durch Einholung einer schriftlichen Auskunft der

**Rn. 497**

Liquidatoren D2. Auf die beiden Rechenschaftsberichte

**Rn. 498**

wird Bezug genommen.

## Entscheidungsgründe

**Rn. 500**

Die Klage ist zulässig (siehe unten A) und begründet (siehe

**Rn. 501**

unten B):

**Rn. 502**

A

**Rn. 503**

1. Die Klägerin ist im vorliegenden Verfahren durch ihren

**Rn. 504**

Aufsichtsrat wirksam vertreten (BGH WM 1991, 941, 942,

**Rn. 505**

Rellermeyer in ZBR 1993 Seite 79 ff.). Die frühere Recht-

**Rn. 506**

sprechung, nach der der Vorstand zur gerichtlichen Ver-

**Rn. 507**

tretung gemäß § 78 AktG berufen ist, wenn es um Ansprüche

**Rn. 508**

gegen ein ausgeschiedenes Mitglied des Vorstandes geht,

**Rn. 509**

ist überholt. Ein folgerichtiges System für die Vertretung

**Rn. 510**

der Gesellschaft gegenüber künftigen, amtierenden oder

**Rn. 511**

ehemaligen Vorstandsmitgliedern läßt sich nur durch eine

**Rn. 512**

umfassende Anwendung des § 112 AktG erzielen. Die Zu-

**Rn. 513**

teilung der Vertretungsmacht kann nur im Rahmen eines

**Rn. 514**

klaren und einfachen Systems folgen, bei dem die Gesichts-

**Rn. 515**

punkte des Einzelfalles außer Betracht zu bleiben haben.

**Rn. 516**

Steht der Klageanspruch im Zusammenhang mit der ehemaligen

**Rn. 517**

Anstellung als Vorstandsmitglied, so obliegt die Ver-

**Rn. 518**

tretung der Gesellschaft dem Aufsichtsrat (Rellermeyer

**Rn. 519**

a.a.O. mit weiteren Zitaten).

**Rn. 520**

2. Die erkennende Kammer ist zuständig - auch soweit die

**Rn. 521**

Beklagten zu 1) und 2) schweizer Staatsangehörige sind.

**Rn. 522**

Die Frage der Zuständigkeit ist nach deutschem Recht zu

**Rn. 523**

prüfen (BGH NJW 1976, 1581). Die internationale Zuständig-

**Rn. 524**

keit unterscheidet sich zwar ihrem Wesen und nach ihrer

**Rn. 525**

Funktion von der örtlichen Zuständigkeit (BGH NJW 1979

**Rn. 526**

1104). Nach ständiger höchstrichterlicher Rechtsprechung

**Rn. 527**

folgt sie jedoch grundsätzlich deren Regeln (BGHZ 69, 730,

**Rn. 528**

44, BGHZ 80, 1, 3, BGHZ 94, 157). Soweit daher nach den

**Rn. 529**

Vorschriften der §§ 12 ff. ZPO über den Gerichtsstand ein

**Rn. 530**

deutsches Gericht zuständig ist, liegt - wenn keine ab-

**Rn. 531**

weichenden Vorschriften bestehen - gleichzeitig die er-

**Rn. 532**

forderliche internationale Zuständigkeit vor (BGHZ 63,

**Rn. 533**

219, 220).

**Rn. 534**

Die Zuständigkeit des Landgerichts Dortmund folgt aus § 29

**Rn. 535**

ZPO. Danach bestimmt sich die örtliche Zuständigkeit nach

**Rn. 536**

dem Erfüllungsort des Vertragsverhältnisses. Die Haftung

**Rn. 537**

der ehemaligen Vorstandsmitglieder knüpft an ihre organ-

**Rn. 538**

schaftliche Sonderrechtsbeziehung zwischen ihnen und der

**Rn. 539**

Gesellschaft an. Auf ein solches, nicht gesetzlich be-

**Rn. 540**

gründetes Pflichtverhältnis ist § 29 ZPO anwendbar (BGH DB

**Rn. 541**

1992, Seite 830). Hierfür spricht insbesondere auch, daß

**Rn. 542**

die den Beklagten vorgeworfene Verletzung der Organ-

**Rn. 543**

pflichten zugleich einen Schadensersatzanspruch aus posi-

**Rn. 544**

tiver Vertragsverletzung durch schuldrechtlichen An-

**Rn. 545**

stellungsvertrages begründet, für den unstreitig § 29 ZPO

**Rn. 546**

gilt. Die Begründung eines abweichenden Gerichtsstandes

**Rn. 547**

hätte ein Auseinanderfallen der örtlichen Zuständigkeit

**Rn. 548**

trotz desselben Streitgegenstandes zur Folge. Da die

**Rn. 549**

Klägerin ihren Sitz in Dortmund hat, hatten die Beklagten

**Rn. 550**

auch dort ihre Aufgaben zu erfüllen, so daß die örtliche

**Rn. 551**

Zuständigkeit und damit zugleich die internationale ge-

**Rn. 552**

geben ist.

**Rn. 553**

3. Bedenken gegen die Bestimmtheit des Klageantrags bestehen

**Rn. 554**

nicht.

**Rn. 555**

Die Klägerin hat eindeutig durch ihre Anspruchsstaffelung

**Rn. 556**

zu erkennen gegeben, welchen Teilbetrag sie jeweils als

**Rn. 557**

Schadensersatzforderung gegen die Beklagten geltend macht.

**Rn. 558**

Sie begehrt insgesamt 6 Mio. DM, davon den ersten Teilbe-

**Rn. 559**

trag von 1,5 Mio. DM von dem Beklagten zu 1), den zweiten

**Rn. 560**

Teilbetrag von 1,5 Mio. DM von dem Beklagten zu 2), den

**Rn. 561**

dritten Teilbetrag von 1,5 Mio. DM von dem Beklagten zu 3)

**Rn. 562**

und den vierten Teilbetrag von 1,5 Mio. DM von dem nunmehr

**Rn. 563**

gesondert verklagten Aufsichtsratmitglied H. Der

**Rn. 564**

jeweilige Anspruch ist auf die Darlehnsgewährung vom

**Rn. 565**

04.02.1991 und damit verbundenen Ausfall vom Konkursver-

**Rn. 566**

fahren der P gestützt, hilfsweise auf die gegen

**Rn. 567**

die Klägerin geltend gemachte Steuernachzahlung des

**Rn. 568**

Finanzamtes in Höhe von 7,3 Mio. DM wegen verdeckter Ge-

**Rn. 569**

winnausschüttung.

**Rn. 570**

Bedenken bestehen auch nicht, weil die Klägerin in dem

**Rn. 571**

Verfahren 10 0 221/91 (S3 gegen J3) die

**Rn. 572**

Hilfsaufrechnung mit Schadensersatzforderungen

**Rn. 573**

gegen mögliche Ansprüche des Beklagten zu 3) erklärt hat,

**Rn. 574**

da sie mit dem Zinsanspruch aus einem Ersatzanspruch für den

**Rn. 575**

Zeitraum vom 01.03.1991 bis zum 31.07.1991 aufgerechnet

**Rn. 576**

hat und im vorliegenden Verfahren lediglich Zinsen ab dem

**Rn. 577**

01.08.1991 geltend gemacht werden.

**Rn. 578**

4. Die Beklagten zu 1) und 2) können auch nicht damit gehört

**Rn. 579**

werden, daß wegen mangelnder Vollstreckbarkeit ein

**Rn. 580**

Rechtsschutzinteresse für die Kläger nicht gegeben sei.

**Rn. 581**

Das Gericht hatte nicht zu prüfen, ob eine Vollstreckung

**Rn. 582**

aufgrund internationaler Vereinbarungen aus einem

**Rn. 583**

deutschen Urteil in der Schweiz möglich ist. Die Klägerin

**Rn. 584**

hat - auch wenn eine solche Vollstreckungsmöglichkeit

**Rn. 585**

nicht gegeben sein sollte - ein berechtigtes Interesse an

**Rn. 586**

einem Urteil. Abgesehen davon, daß es den Beklagten auch

**Rn. 587**

als schweizer Bürgern unbenommen bleibt, die Konsequenzen

**Rn. 588**

eines deutschen Urteils zu akzeptieren, besteht die

**Rn. 589**

theoretische Möglichkeit, gegebenenfalls auf inländisches

**Rn. 590**

Vermögen zurückzugreifen. Nicht auszuschließen ist auch,

**Rn. 591**

daß - selbst wenn ein deutsches Urteil zur Zeit nicht in der

**Rn. 592**

Schweiz vollstreckt werden kann - die Rechtslage sich im

**Rn. 593**

Laufe der folgenden Jahre ändert.

**Rn. 594**

5. Dadurch, daß die Klägerin die Beklagten und das gesondert

**Rn. 595**

verklagte Aufsichtsratsmitglied Hin Anspruch

**Rn. 596**

nimmt, kann ihr nicht vorgeworden werfen, in rechtsmiß-

**Rn. 597**

bräuchlicher Weise gegen die Auswahlfreiheit des § 421 BGB

**Rn. 598**

verstoßen zu haben. In der Literatur wird teilweise unter

**Rn. 599**

Hinweis auf die Rechtsprechung des BGH die Ansicht ver-

**Rn. 600**

treten, daß ein Vorstandsmitglied Anspruch auf die Treue

**Rn. 601**

und Fürsorge der Gesellschaft habe, wenn seine persönliche

**Rn. 602**

und wirtschaftliche Existenz betroffen sei (Henze, Höchst-

**Rn. 603**

richterliche Rechtsprechung zum Aktienrecht 1992,

**Rn. 604**

Seite 112). Der BGH hat insoweit entschieden, daß der An-

**Rn. 605**

stellungsvertrag eine Treuepflicht gegenüber dem Organ

**Rn. 606**

schaffen könne, obwohl dieses rechtlich nicht als Arbeit-

**Rn. 607**

nehmerverhältnis zu qualifzieren sei (BGHZ 10, 192, BGH

**Rn. 608**

15, 77, BGH 49, 32). Dabei hat er jedoch immer herausge-

**Rn. 609**

stellt, daß die Treuepflicht nicht die Intensität des

**Rn. 610**

Arbeitgebers gegenüber dem Arbeitnehmer besitzt. Dies

**Rn. 611**

beruhte auf der grundlegenden Überzeugung der Recht-

**Rn. 612**

sprechung, daß ein Vorstandsmitglied in seiner autonomen

**Rn. 613**

Leitungsbefugnis nach § 76 AktG nicht als Arbeitnehmer zu

**Rn. 614**

qualifizieren sei (BGH a.a.O., BGH BM 1988 Seite 299).

**Rn. 615**

Auch die vom Beklagten zu 3) zitierte Rechtsprechung des

**Rn. 616**

Bundesarbeitsgerichts und dem Oberverwaltungsgerichts

**Rn. 617**

Münster ist hier nicht einschlägig. In der letzteren Ent-

**Rn. 618**

scheidung (OVG Münster NVwZ 1992, 597, 599) handelt es

**Rn. 619**

sich um den Fall eines Beamten, bei dem aufgrund von

**Rn. 620**

Artikel 33 GG andere Regelungen und Grundsätze zur An-

**Rn. 621**

wendung kommen. Die Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts

**Rn. 622**

(BAGE 18, 190, 200), behandelt einen Fall mit Drittbe-

**Rn. 623**

teiligung, indem das Gericht als Kernaussage feststellt,

**Rn. 624**

daß sich der Arbeitgeber unter Fürsorge der Gesichtspunkte

**Rn. 625**

zunächst an den Dritten zu halten habe. Aber das gilt auch

**Rn. 626**

hier im vorliegenden Falle nicht, da eine haftungsrecht-

**Rn. 627**

liche Drittbeteiligung nicht zur Diskussion steht.

**Rn. 628**

Im übrigen dient die Vorschrift des § 93 AktG, auf den

**Rn. 629**

sich die Klage stützt, auch dem Gläubigerschutz. Es könnte

**Rn. 630**

deshalb sogar eine Pflichtwidrigkeit der Klägerin dar-

**Rn. 631**

stellen, wenn diese es unterlassen würde, die Vorstands-

**Rn. 632**

mitglieder zur Verantwortung zu ziehen, selbst wenn

**Rn. 633**

weitere Organmitglieder des Aufsichtsrates im Zusammenhang

**Rn. 634**

mit der Darlehnsgewährung pflichtwidrig gehandelt hätten.

**Rn. 635**

Sie hat im Hinblick auf das bestehende Prozeßrisiko auch

**Rn. 636**

ihren Aktionären gegenüber zur Verpflichtung, den Kreis

**Rn. 637**

der Beklagten nicht ohne sachlichen Grund auszuweiten.

**Rn. 638**

Abgesehen davon hat die Klägerin ihren Anspruch ohnehin

**Rn. 639**

jeweils nur auf einen Teilbetrag gegenüber den Beklagten

**Rn. 640**

beschränkt und nicht willkürlich einen der Beteiligen auf

**Rn. 641**

den vollen Schadensersatz in Anspruch genommen.

**Rn. 642**

B

**Rn. 643**

Die Beklagten sind gemäß § 93 Abs. 2, Abs. 1 (siehe unten l)

**Rn. 644**

und Abs. 3, 5 1 AktG (siehe unten II) zum Ersatz des durch

**Rn. 645**

die Darlehnshingabe der Klägerin entstandenen Schadens ver-

**Rn. 646**

pflichtet. Die gesetzlichen Regelungen nach §§ 311 ff. AktG

**Rn. 647**

stehen der Haftung nicht entgegen (siehe unten III).

**Rn. 648**

Ob eine Haftung der Klägerin allein schon deshalb gegeben

**Rn. 649**

ist, weil möglicherweise der Aufsichtsrat der Darlehnsge-

**Rn. 650**

währung nicht zugestimmt hat, kann dahingestellt bleiben

**Rn. 651**

(siehe unten V).

**Rn. 652**

l.

**Rn. 653**

Nach § 93 Abs. 2 hat ein Vorstandsmitglied, das seine

**Rn. 654**

Pflichten verletzt, den der Gesellschaft entstandenen Schaden

**Rn. 655**

zu ersetzen. Eine Pflichtverletzung liegt vor, wenn die Vor-

**Rn. 656**

standsmitglieder bei ihrer Geschäftsführung die Sorgfalt

**Rn. 657**

eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters ver-

**Rn. 658**

letzten. Zu entscheiden war daher, wie ein pflichtbewußter

**Rn. 659**

selbständig tätiger Leiter eines Unternehmens der konkreten

**Rn. 660**

Art, der fremden Vermögensinteressen verpflichtet ist, zu

**Rn. 661**

handeln hat (vgl. OLG Koblenz ZEP 1991, 871, Hefermehl in

**Rn. 662**

Geßler/Hefermehl AktG, § 93 Rn. 10 ff., Mertens in Kölner

**Rn. 663**

Kommentar, AktG, § 93 RZ 6, Pfeffer, AktG, § 93 RZ 4).

**Rn. 664**

Durch die Hingabe des als "time-deposit" deklarierte Darlehn

**Rn. 665**

vom 04.02.1992 an die P ohne die Bestellung einer

**Rn. 666**

Sicherheit haben die Beklagten nach Ansicht der Kammer diese

**Rn. 667**

ihr obliegende Pflicht verletzt, da sie bei der Darlehns-

**Rn. 668**

hingabe den Grundsätzen einer ordnungsgemäßen Konzern-

**Rn. 669**

finanzierung zuwider gehandelt haben.

**Rn. 670**

Es besteht zwar kein Zweifel daran, daß konzerninterne Dar-

**Rn. 671**

lehn einen wesentlichen Bestandteil der konzerninternen

**Rn. 672**

Finanzierung bilden können. Im Rahmen der Kapitalversorgungs-

**Rn. 673**

funktion dienen sie dem schnellen und unkomplizierten Trans-

**Rn. 674**

fer von Liquidität. Sie können deshalb ein bedeutender Faktor

**Rn. 675**

im Rahmen der Konzernfinanzierung sein (Eichholz, Das Recht

**Rn. 676**

konzerninterner Darlehn II, 1993, Seite 208). Die Ausnutzung

**Rn. 677**

des sogenannten Leverage-Effekts - die Erhöhung der Eigen-

**Rn. 678**

kapitalrentabilität durch Fremdfinanzierung - ist legitim und

**Rn. 679**

kann wirtschaftlich sinnvoll sein.

**Rn. 680**

Das kann jedoch dann nicht gelten, wenn sich der Darlehns-

**Rn. 681**

nehmer in derartig großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten

**Rn. 682**

befindet, daß mit einer Rückzahlung des Darlehns nicht zu

**Rn. 683**

rechnen ist.

**Rn. 684**

Unstreitig befand sich die P in solch wirtschaft-

**Rn. 685**

lichen Schwierigkeiten. Das Gericht ist der Ansicht, daß die

**Rn. 686**

Beklagten bei Darlehnshingabe hiermit hätten rechnen müssen

**Rn. 687**

und deshalb Gelder nur gegen ausreichende Sicherheiten als

**Rn. 688**

Darlehn hätten geben dürfen.

**Rn. 689**

Eine ordnungsgemäße Konzernfinanzierung liegt nämlich nur dann

**Rn. 690**

vor, wenn

**Rn. 691**

- entweder ein Informations- und Berichtssystem innerhalb des

**Rn. 692**

Konzerns besteht oder

**Rn. 693**

- die finanzierende Gesellschaft selbständig eine Bonitäts-

**Rn. 694**

prüfung vornimmt oder

**Rn. 695**

ein Konzernkredit gesichert wird.

**Rn. 696**

Dies folgt aus den nachstehenden Überlegungen:

**Rn. 697**

Jedes einzelne Unternehmen im Konzern - erst Recht im

**Rn. 698**

faktischen - stellt eine rechtliche Einheit dar, die nicht

**Rn. 699**

zu Lasten der Konzernfinanzierungsvorgänge umgangen werden

**Rn. 700**

darf (Theisen, Der Konzern, Seite 315, Schneider, Betriebs-

**Rn. 701**

berater 1986, 1997, Eichholz a.a.O., Seite 107 f.). An-

**Rn. 702**

knüpfend an die rechtliche Selbständigkeit und die eigenunter

**Rn. 703**

nehmerisohe Verantwortlichkeit ist primäre Voraussetzung für

**Rn. 704**

jede Form der ordnungsgemäßen Finanzwirtschat die Errichtung

**Rn. 705**

einer geeigneten finanzbezogenen Berichterstattung und eines

**Rn. 706**

entsprechenden Informationssystems. Die Konzernfinanzierung

**Rn. 707**

muß - unabhängig von der Frage, ob diese zentral oder de-

**Rn. 708**

zentral durchgeführt wird - sicherstellen, daß sowohl bei der

**Rn. 709**

Muttergesellschaft als auch bei den abhängigen Unternehmen

**Rn. 710**

das Verbot der Unterkapitalisierung, der Grundsatz der

**Rn. 711**

Kapitalerhaltung, der Grundsatz der Risikobegrenzung und der

**Rn. 712**

Grundsatz der Liquiditätssicherung beachtet werden

**Rn. 713**

(Schneider, ZGR 1984, 522). Die Beachtung dieser Grundsätze

**Rn. 714**

ist jedoch im Falle der Konzernfinanzierung wegen der Be-

**Rn. 715**

teiligungsverhältnisse nur wirkungsvoll möglich, wenn die

**Rn. 716**

einzelnen Gesellschaften über die finanzielle Ausstattung

**Rn. 717**

anderer Konzernunternehmen informiert sind. Ein solches In-

**Rn. 718**

formationssystem, welches die der P ange-

**Rn. 719**

hörenden Gesellschaften zeitnah über die Finanzausstattung im

**Rn. 720**

Konzern informierte, bestand nicht.

**Rn. 721**

Die Beklagten hätten deshalb entweder eine eigene Bonitäts-

**Rn. 722**

prüfung vornehmen oder das Darlehn Besichern lassen müssen.

**Rn. 723**

Da die Konzernfinanzierung die Einschaltung professioneller

**Rn. 724**

Kreditgeber verhindern soll, andererseits aber die rechtliche

**Rn. 725**

Selbständigkeit der Unternehmen zu beachten ist, erscheint es

**Rn. 726**

sachgerecht, daß die geforderte Bonitätsprüfung sich den

**Rn. 727**

allgemeinen Grundsätzen der Kreditwirtschaft anzulehnen hat.

**Rn. 728**

Sie hat sich deshalb an § 18 Satz 1 KWG (in der damaligen

**Rn. 729**

Fassung) zu orientieren, wonach sich das darlehnsgewährende

**Rn. 730**

Unternehmen die wirtschaftlichen Verhältnisse offenlegen

**Rn. 731**

lassen muß. Dabei muß die Prüfung durch das Unternehmen

**Rn. 732**

selbst erfolgen; die Berufung auf Kredite Dritter ist allein

**Rn. 733**

schon wegen der Unkenntnis jener genauen Darlehnsbedingungen

**Rn. 734**

nicht ausreichend. Soweit die kreditierende Gesellschaft auf

**Rn. 735**

eine solche Prüfung verzichtet, verlangt die Sicherung der

**Rn. 736**

treuhänderisch verwalteten Aktionärsinteressen, daß - soweit

**Rn. 737**

keine sicheren Erkenntnisse über die Bonität und die

**Rn. 738**

Liquidität des Darlehnsnehmers vorliegen -, das Darlehn in

**Rn. 739**

geeigneter Weise zu besichern ist. Für diese Forderung nach einer

**Rn. 740**

Besicherung spricht auch, daß gemäß § 10 Abs. 2 Satz 2 KWG

**Rn. 741**

Kredite an mit 25 % beteiligten Unternehmen, die nicht be-

**Rn. 742**

sichert worden sind, nicht der Eigenkapitalausstattung zuge-

**Rn. 743**

rechnet werden dürfen. Die Kapitalausstattung dient, wie § 10

**Rn. 744**

Abs. 1 Satz 1 KWG verdeutlicht, der Sicherung der Gläubiger,

**Rn. 745**

insbesondere zur Sicherheit der den Kreditinstituten anver-

**Rn. 746**

trauten Vermögenswerte. Diese Treuhänderfunktion obliegt der

**Rn. 747**

AG und damit auch dem einzelnen Vorstandsmitglied einer

**Rn. 748**

Aktiengesellschaft.

**Rn. 749**

Im vorliegenden Fall haben die Beklagten weder eine Bonitäts-

**Rn. 750**

noch Liquiditatsprüfung bei der P vorgenommen,

**Rn. 751**

noch den gewährten Kredit besichern lassen. Sie hätten

**Rn. 752**

aufgrund ihrer eigenen jüngsten Erkenntnisse und der

**Rn. 753**

negativen Presseberichte gegenüber der P miß-

**Rn. 754**

trauisch sein und entsprechend handeln müssen. Zu diesem

**Rn. 755**

Schluß ist die Kammer aufgrund folgender Überlegungen ge-

**Rn. 756**

kommen :

**Rn. 757**

Die Beklagten können sich nicht daraufberufen, daß die Banken

**Rn. 758**

im Februar oder auch noch später

**Rn. 759**

Kredite an die P gegeben haben. Dabei spielt es

**Rn. 760**

keine Rolle, ob es sich hierbei um neue Kredite oder nur um

**Rn. 761**

die Verlängerung ausgelaufener Darlehn handelt. Zum einen war

**Rn. 762**

den Beklagten nicht bekannt, zu welchen Konditionen und auf-

**Rn. 763**

grund welcher äußeren Umstände die der P Dar-

**Rn. 764**

lehn gegeben bzw. verlängert worden waren. Selbst wenn objektiv

**Rn. 765**

gleiche Konditionen gewährt worden sind, so können wirt-

**Rn. 766**

schaftliche Überlegungen dahinterstehen, die eine Kredit-

**Rn. 767**

vergabe in einem Fall rechtfertigen, in einem anderen Fall

**Rn. 768**

als grob pflichtwidrig erscheinen lassen.

**Rn. 769**

Abgesehen davon läßt das Schreiben der M - Bank vom

**Rn. 770**

05.02.1991 (Anlage 24) erkennen, daß zu-

**Rn. 771**

mindest bei dieser Bank "Sorge wegen anhaltener negativer

**Rn. 772**

Presse über Liquidationsschwierigkeiten der P" bestanden.

**Rn. 773**

Entscheidend ist hier nicht, daß die Beklagten von diesem

**Rn. 774**

Schreiben erst nach Vergabe des Darlehns,

**Rn. 775**

nämlich erst am Nachmittag des 05.02.1991, erfahren haben.

**Rn. 776**

Bedeutend ist vielmehr, daß ein außenstehender Dritter Sorgen

**Rn. 777**

um die finanzielle Situation der P hatte.

**Rn. 778**

Entsprechendes gilt hinsichtlich des Verhaltens des Bank-

**Rn. 779**

hauses U, die Anfang Februar - vor Darlehnsvergabe –

**Rn. 780**

auf Rückzahlung von 15 Mio. ihres Kredites

**Rn. 781**

bestanden, weil "das Engagement U bei P und J3-

**Rn. 782**

mittlerweile so hoch geworden sei, daß eine Gesamtrückzahlung

**Rn. 783**

oder Teilbesicherung des Kredites an die Klägerin notwendig"

**Rn. 784**

erscheine. Auch hier ist nicht entscheidend, daß die Be-

**Rn. 785**

klagten von diesen Rückforderungen erst nach Vergabe des

**Rn. 786**

Darlehns Kenntnis erhalten haben wollen. Entscheidend ist

**Rn. 787**

vielmehr, daß auch bei dieser Bank eine Beunruhigung zu ver-

**Rn. 788**

zeichnen war.

**Rn. 789**

Eine solche "Beunruhigung" hätte man im damaligen Zeitpunkt

**Rn. 790**

auch von den Beklagten verlangen können. Bei der Darlehnsvergabe

**Rn. 791**

wußten sie, daß das J-M2-Geschäft aufgrund der finan-

**Rn. 792**

ziellen Schwäche dieser Gruppe nur gesichert war, wenn

**Rn. 793**

4O Mio. GBP Barmittel von den Aktionären und weitere 50 Mio.

**Rn. 794**

GBP durch Umwandlung von Krediten in Kapital durch die M4

**Rn. 795**

Bank zur Verfügung gestellt würden. Dies ergibt sich ein-

**Rn. 796**

deutig aus dem Schreiben der Beklagten zu 1) und 2) an das

**Rn. 797**

Aufsichtsratsmitglied H vom 01.02.1991 (Blatt 602

**Rn. 798**

d.A.). Deshalb war S seinerseits auch an den Vorstand der

**Rn. 799**

Klägerin herangetreten, um diese zur Bereitstellung eines

**Rn. 800**

Darlehns an die B4 in Höhe von 15 Mio. DM zu veranlassen.

**Rn. 801**

Nach eigener Einlassung hatte der Beklagte zu 3)

**Rn. 802**

Bedenken gegen B4 als Darlehnsnehmerin geäußert und

**Rn. 803**

die P als Darlehnsnehmerin gefordert. Alle drei

**Rn. 804**

Beklagten wußten, daß das gewährte Darlehn im Zusammenhang

**Rn. 805**

mit diesem Komplex stand. Auch dieser Umstand hätte sie ver-

**Rn. 806**

anlassen müssen, mit besonderer Sorgfalt die Bedingungen des

**Rn. 807**

Darlehns zu prüfen, zumal der stellvertretende Aufsichtsrat-

**Rn. 808**

vorsitzende L unstreitig darum bat, "das Engagement von

**Rn. 809**

J3 in diesem Geschäft nicht zu erhöhen, bis der Auf-

**Rn. 810**

sichtsrat einen neuen Beschluß gefaßt habe". Dieses un-

**Rn. 811**

streitig vor dem 04.02.1991 stattgefundene Gespräch hat L

**Rn. 812**

noch einmal in seinem Schreiben vom 11.02.1991 bestätigt. Es

**Rn. 813**

kann dahingestellt bleiben, ob er hiermit auch - wie die

**Rn. 814**

Klägerin behauptet - auch ausdrücklich die Darlehnshingabe an

**Rn. 815**

die P verbieten wollte. Jedenfalls hätte auch

**Rn. 816**

dieses Gespräch - im Zusammenhang mit dem bereits erörterten

**Rn. 817**

und den noch im folgenden aufgeführten Umständen - Anlaß zur

**Rn. 818**

erhöhten Sorgfalt gegeben müssen.

**Rn. 819**

Denn zu diesem Zeitpunkt waren bereits mehr als

**Rn. 820**

kritische Stimmen in der .Presse über die finanzielle

**Rn. 821**

Situation der P laut geworden:

**Rn. 822**

Zwar haben die Beklagten eine Vielzahl von Pressemitteilungen

**Rn. 823**

vorgelegt, in denen nicht negativ über die finanzielle

**Rn. 824**

Situation über die P berichtet worden ist.

**Rn. 825**

Vielmehr wird in diesen Artikeln auf die durch den B Ver-

**Rn. 826**

kauf zu erwartende Liquidationsspritze und Konsolidierungs-

**Rn. 827**

möglichkeit hingewiesen. Aber auch hier ist zu beachten, daß

**Rn. 828**

diese Zukunftsprognose in überwiegenden Fällen erkennbar auf

**Rn. 829**

den Angaben der Presseerklärung bzw. des Pressesprechers der

**Rn. 830**

P beruhten.

**Rn. 831**

Im übrigen ist nicht entscheidend., ob die Mehrzahl der Presse

**Rn. 832**

im damaligen Zeitpunkt überwiegend positiv oder negativ über

**Rn. 833**

die wirtschaftliche Situation der P berichtet hat. Von Be-

**Rn. 834**

deutung ist vielmehr, daß die Beklagten aufgrund der

**Rn. 835**

negativen Stimmen in der Presse hellhörig und mißtrauisch

**Rn. 836**

hätte werden müssen.

**Rn. 837**

So weist der Mannheimer Morgen in seiner Ausgabe vom

**Rn. 838**

05.12.1990 (Blatt 558) schon auf die Nöte des "Finanzgenies"

**Rn. 839**

S, wenn es in dem Artikel heißt:

**Rn. 840**

Doch mit den steigenden Zinsen und der drohenden

**Rn. 841**

Rezession in den USA scheint sich das Blatt für den

**Rn. 842**

Finanzierungskünstler gewendet zu haben. S will ange-

**Rn. 843**

sichts der ungünstigen Finanzierungsbedingungen einige

**Rn. 844**

seiner Beteiligungen und Unternehmen loswerden, um sich

**Rn. 845**

Liquidität zu verschaffen.

**Rn. 846**

Es heißt dann weiter:

**Rn. 847**

"Wir wollen unser Portefeuille aus Kostengründen

**Rn. 848**

straffen", begründet P-Sprecher O die Ver-

**Rn. 849**

kaufsabsichten "im gegenwärtigen Zinsumfeld" angesichts

**Rn. 850**

einer "befürchteten Rezession". Doch in Finanzkreisen

**Rn. 851**

ist die Formulierung unverblümter. Der Selfmademan S

**Rn. 852**

wolle in erster Linie seine Schulden in Milliardenhöhe

**Rn. 853**

abbauen. "S steht mit dem Rücken zur Wand". Bankier

**Rn. 854**

M5 zufolge muß der Finanzfachmann verkaufen,

**Rn. 855**

weil er ein "Abschreibungsproblem" von geschätzten

**Rn. 856**

500 Mio. Franken hat. Dieser gigantische Abschreibungs-

**Rn. 857**

bedarf sei aus der Überbewertung der B-Aktien in der

**Rn. 858**

Bilanz nach dem Kursverfall in diesem Jahr ent-

**Rn. 859**

standen. Daß die Finanzanalysten auch hier auf

**Rn. 860**

Schätzungen angewiesen sind, liegt an der verschach-

**Rn. 861**

telten und unüberschaubaren Firmenbeteiligungen in S's

**Rn. 862**

Imperium."

**Rn. 863**

Auch die Frankfurter Allgemeine vom 14.12.1990 (Blatt 559)

**Rn. 864**

weist auf die Schwierigkeiten hin, wenn sie schreibt:

**Rn. 865**

"S beschafft sich durch den Verkauf weitere l.iquide

**Rn. 866**

Mittel, die er offensichtlich im Geschäft benötigt. ...

**Rn. 867**

Die Methoden des Financiers und der von ihm be-

**Rn. 868**

herrschten P wurden stets argwöhnisch beob-

**Rn. 869**

achtet: Zu undurchsichtig war das Geflecht seiner Be-

**Rn. 870**

teiligungen und als zu kühn mitunter die Finanzierung.

**Rn. 871**

Das Mißtrauen bekommt S vor allem jetzt zu spüren, da

**Rn. 872**

hohe Zinsen und fallende Börsenkurse das "Finanz-Genie"

**Rn. 873**

plagen. Wie lange, so fragen sich Züricher Analysten,

**Rn. 874**

halten die Kreditgeber still, die seine vielen Be-

**Rn. 875**

teiligungen finanzieren halfen?

**Rn. 876**

P ist kein Papier für die breite Anlegerschaft. Denn

**Rn. 877**

selbst Fachleute haben angesichts der laxen Konsoli-

**Rn. 878**

dierungsvorschriften in der Schweiz Schwierigkeiten,

**Rn. 879**

hinter den Globalzahlen den Wert der einzelnen P-

**Rn. 880**

Beteiligungen zu ermitteln und sich ein detailliertes

**Rn. 881**

Bild über die Situation in der Gruppe zu verschaffen."

**Rn. 882**

Weiter heißt es dann;

**Rn. 883**

"Zu bedenken ist allerdings, daß hohe liquiditätswirk-

**Rn. 884**

same Erträge aus dem Geschäftsbereich notwendig sind,

**Rn. 885**

um die laufenden Fremdkapitalkosten zu decken, da die

**Rn. 886**

anteilig konsolidierten Gewinne der Minoritätsbeteili-

**Rn. 887**

gungen nur zu einem geringen Teil (Dividendenzahlungen)

**Rn. 888**

liquiditätswirksam werden. Die laufende Realisierung

**Rn. 889**

von Buchgewinnen wird für die P somit zur

**Rn. 890**

Überlebensfrage.

**Rn. 891**

...

**Rn. 892**

Müßte der konsolidierten Rechnung nämlich der Börsen-

**Rn. 893**

wert zugrunde gelegt werden, so wäre das Aktienkapital

**Rn. 894**

von 667 Mio. Fr. nur noch zu 60 % mit Eigenkapital

**Rn. 895**

gedeckt. (Blatt 559, 560 d.A.)"

**Rn. 896**

Im "Effecten-Spiegel" vom 10.01.1991 (Blatt 551) wird auf den

**Rn. 897**

wirtschaftlichen Engpaß hingewiesen, wenn dort geschrieben

**Rn. 898**

wird:

**Rn. 899**

"J3-Großaktionär S scheint zunehmend unter Druck

**Rn. 900**

zu geraten, berichtet ein Wirtschaftsmagazin. Wie es

**Rn. 901**

dort weiter heißt, würden die Banken S drängen, Kasse

**Rn. 902**

zu machen; nur eine Großbank halte noch zu ihm."

**Rn. 903**

Wenn es sich bei diesem Blatt - wie die Beklagten behaupten -

**Rn. 904**

um eine "Bild-Zeitung" der Börse handelte und hier nur Ge-

**Rn. 905**

rüchte ohne Tatsachenkern verbreitet worden seien, so ändert

**Rn. 906**

dies doch nichts an der Tatsache, daß - zumindest im Zusam-

**Rn. 907**

menhang mit anderen Veröffentlichungen - ein ordentlicher und

**Rn. 908**

gewissenhafter Kaufmann solchen Hinweisen nachzugehen hat.

**Rn. 909**

Die Schweizer Handels Zeitung vom 10.01.1991 (Blatt 552

**Rn. 910**

d. A.) weist zwar darauf hin, daß durch die Verkäufe der

**Rn. 911**

Beteiligungen kurz vor Jahresende Liquidität und Buchgewinne

**Rn. 912**

geschaffen worden seien, wodurch die Gruppe für 1990 einen

**Rn. 913**

stabilen Gewinn ausweisen könne. Es heißt danach weiter:

**Rn. 914**

"Bei anhaltend hohen Zinsen und sohlechter Börsenlage

**Rn. 915**

sind aber weiterhin liquiditätswirksame Erträge nötig,

**Rn. 916**

um die laufenden Fremdkapitalkosten zu decken. Da die

**Rn. 917**

Gewinne der Beteiligungen dazu nicht ausreichen, werden

**Rn. 918**

weitere Verkäufe für die P zur Überlebensfrage. ...

**Rn. 919**

Müßte der konsilidierten Rechnung der Börsenwert zu-

**Rn. 920**

grundegelegt werden, wäre das Aktienkapital von

**Rn. 921**

667 Mio. Fr. nur noch zu 60 % mit Eigenkapital gedeckt."

**Rn. 922**

In den folgenden Tagen berichtet die Börse dann über den

**Rn. 923**

B-Verkauf, der überwiegend positiv beurteilt wird, weil

**Rn. 924**

hierdurch der P Liquidität zufließen würde.

**Rn. 925**

Hierbei sei aber noch einmal betont, daß aus dem Bericht

**Rn. 926**

hervorgeht, daß die positiven Aspekte auf Selbstauskünften

**Rn. 927**

beruhten.

**Rn. 928**

So schreibt die Frankfurter Allgemeine am 18.01.1991

**Rn. 929**

(Blatt 554 d. A.):

**Rn. 930**

"Dem Financier S, dem offenbar hohe Zinsen und Eigen-

**Rn. 931**

mittelbedarf zu schaffen machen, wurden schon längere

**Rn. 932**

Zeit Verkaufsabsichten nachgesagt.

**Rn. 933**

Mit dem Verkauf von D erreichte P das Ziel,

**Rn. 934**

das Portefeuille an strategischen Beteiligungen so

**Rn. 935**

zu straffen, daß es weitgehend mit Eigenkapital finan-

**Rn. 936**

ziert sei, wurde mitgeteilt."

**Rn. 937**

Am 20.01.1991 (Blatt 555 d. A.) berichtet die Welt am Sonntag

**Rn. 938**

über den B-Komplex, allerdings schon mit deutlichen Warn-

**Rn. 939**

zeichen:

**Rn. 940**

"B ... hat sicherlich gute Zukunftsaussichten. Was

**Rn. 941**

der Börse indes weniger gefällt, ist B3's weitere Ver-

**Rn. 942**

knüpfung mit der etwas undurchsichtigen S-Gruppe. Der

**Rn. 943**

Schweizer erregte bereits vor Jahren durch die Mehr-

**Rn. 944**

heitsübernahme an der deutschen Grundstücksgesellschaft

**Rn. 945**

J3 Mißtrauen.

**Rn. 946**

Angeblich soll sich S zunehmend finanziellen Problemen

**Rn. 947**

gegenüber sehen. Der Verkauf der B-Mehrheit würde

**Rn. 948**

diesen Versionen nicht gerade widersprechen."

**Rn. 949**

Die Züricher Zeitung sieht in ihrer Ausgabe vom 1. Februar

**Rn. 950**

1991 (Blatt 556 d. A.) die finanzielle Lage der S -Gruppe

**Rn. 951**

sehr kritisch:

**Rn. 952**

"H. A. Wer wollte die auf der obersten Führungsebene der

**Rn. 953**

P (Bern) eingetretene Erleichterung nicht

**Rn. 954**

verstehen? Wäre es nämlich nicht gelungen, die ge-

**Rn. 955**

wichtige Beteiligung am Westschweizer Dienstleistungs-

**Rn. 956**

konzern B zu einem den Umständen entsprechend

**Rn. 957**

unrealistisch hohen Preis zu versilbern, hätten auf

**Rn. 958**

dieser Portefeuille-Position zum Jahresende substan-

**Rn. 959**

tielle Abschreibungen vorgenommen werden müssen. Ab-

**Rn. 960**

schreibungen, die die Bilanzproportionen der P spür-

**Rn. 961**

bar verschlechtern bzw. ein Loch in die Eigennnttel-

**Rn. 962**

ausstattung gerissen hätten. Dieser bittere Kelch, so

**Rn. 963**

glaubt man in Bern, ist nun an S's P

**Rn. 964**

vorbeigegangen. Denn jetzt, da man besagtes Mehrheits-

**Rn. 965**

paket der bisher unbekannten D zu

**Rn. 966**

einem Stückpreis hat andienen können (vgl. NZZ Nr. 14),

**Rn. 967**

den das S -eigene Wirtschaftsmagazin "Bilanz" in der

**Rn. 968**

Gegend des durchschnittlichen Einstandspreises von

**Rn. 969**

1.700 Fr. ansiedelt, hält man sich für berechtigt, die

**Rn. 970**

fraglichen Aktien in der Jahresendbilanz nicht mehr den

**Rn. 971**

"Beteiligungen" zuordnen (und als solche bewerten) zu

**Rn. 972**

müssen, sondern sie zu den "Wertschriften" schlagen und

**Rn. 973**

zum erwähnten Veräusserungspreis einstellen zu dürfen.

**Rn. 974**

- Ob sich die Revisionsstelle dieser bilanzschonenden

**Rn. 975**

Betrachtungsweise anschliessen mag, ungeachtet der

**Rn. 976**

Tatsache, daß die Transaktion erst im Januar 1991 ver-

**Rn. 977**

bindlich beschlossen worden ist und bis zum Vorliegen

**Rn. 978**

der EG-Zustimmung gar nicht rechtskräftig abgewickelt

**Rn. 979**

werden kann, bleibt abzusehen.

**Rn. 980**

...

**Rn. 981**

Und das Entgelt in der Gesamthöhe von "gut und gerne

**Rn. 982**

einer Milliarde Franken" ist der P zu weniger als

**Rn. 983**

der Hälfte in Form disponibler Barmittel zugeflossen

**Rn. 984**

bzw. zugesprochen. Diesen Barerlös muss P wenn nicht

**Rn. 985**

zur Gänze so zweifellos zum grossen Teil umgehend

**Rn. 986**

weitergeben an jene Gläubiger, die ihr die letztes Jahr

**Rn. 987**

umfangreich getätigten Aktienzukäufe finanziert haben.

**Rn. 988**

Viel eher vermittelt sie den Eindruck einer in wachs-

**Rn. 989**

ender Bilanzierungs- und Bewertungsbedrängnis hastig

**Rn. 990**

inszenierten und unter kalendarischem Druck noch im

**Rn. 991**

Blaupausen-Stadium durchgepeitschten Entlastungsaktion.

**Rn. 992**

Denn wie das erwähnte Pressegespräch offenbart hat,

**Rn. 993**

sind wesentliche Punkte noch reichlich ungeklärt."

**Rn. 994**

Es mag zutreffen, daß der Verfasser dieses Artikels als

**Rn. 995**

früherer von S entlassener Pressesprecher bis zu einem

**Rn. 996**

bestimmten Grade gegen diesen voreingenommen gewesen sein

**Rn. 997**

könnte. Gleichwohl durften deshalb seine Recherchen nicht von

**Rn. 998**

vornherein als unseriös abgetan werden.

**Rn. 999**

Zusammenfassend kann festgehalten werden, daß es negative

**Rn. 1000**

Stimmen in der Presse gab, die Mißtrauen gegen das Finanz-

**Rn. 1001**

gebahren der P äußerten und ihre wirtschaftliche

**Rn. 1002**

Situation schlecht einschätzten. Darüber hinaus war sich die

**Rn. 1003**

Presse - auch in den von den Beklagten vorgelegten Presse-

**Rn. 1004**

artikeln - darüber einig, daß die angespannte finanzielle

**Rn. 1005**

Situation nur durch den Verkauf der B-Aktien ausgeglichen

**Rn. 1006**

werden könne. Dabei ist aber zu beachten, daß der Verkauf

**Rn. 1007**

- wie die Beklagten wußten - noch unter dem Vorbehalt der

**Rn. 1008**

Genehmigung der zuständigen Kartellbehörden stand. Es war

**Rn. 1009**

daher im damaligen Zeitpunkt gar nicht abzusehen, ob die

**Rn. 1010**

Genehmigung überhaupt und zu welchem Zeitpunkt sie erteilt

**Rn. 1011**

werden würde. Jedenfalls stand eine unmittelbare Liquiditäts-

**Rn. 1012**

zufuhr nicht bevor.

**Rn. 1013**

Ob die Beklagten die negativen Presseberichte zum damaligen

**Rn. 1014**

Zeitpunkt gelesen haben, kann dahingestellt bleiben. Als

**Rn. 1015**

ordentliche und gewissenhafte Vorstandsmitglieder hätten sie

**Rn. 1016**

jedenfalls dafür Sorge tragen müssen, daß ihnen solche Arti-

**Rn. 1017**

kel vorgelegt wurden.

**Rn. 1018**

Abgesehen davon hätten sie aufgrund ihrer Verbundenheit mit

**Rn. 1019**

der P zumindest auch die Kenntnisse haben

**Rn. 1020**

müssen, die außenstehende Journalisten gehabt haben.

**Rn. 1021**

Der Einwand des Beklagten zu 3.), der zuständige Sachbear-

**Rn. 1022**

beiter bei D2, Herr S6, habe nach

**Rn. 1023**

Durchsicht der Akten mitgeteilt, daß er erstmals mit dem

**Rn. 1024**

Artikel von B2 in der NZZ vom 06.02.1991 ein Indiz für die

**Rn. 1025**

finanzielle Schwierigkeiten der P nach außen

**Rn. 1026**

gesehen habe, vermag die Beklagten nicht zu entlasten. Der

**Rn. 1027**

Umstand, daß jemand, der zum damaligen Zeitpunkt ohne kon-

**Rn. 1028**

krete Verantwortung solche Artikel nicht gelesen oder anders

**Rn. 1029**

bewertet haben mag, befreit nicht die im engeren Sinne Ver-

**Rn. 1030**

antwortlichen von ihrer Sorgfaltspflicht.

**Rn. 1031**

Auch der Einwand, man habe vor Darlehensvergabe aufgrund vor-

**Rn. 1032**

läufiger Zahlen damit gerechnet, daß der P von

**Rn. 1033**

der Klägerin eine Dividende von rund 30 Mio. DM ausgezahlt

**Rn. 1034**

würde, ist unbeachtlich, weil der Beklagte zu 3.) in der

**Rn. 1035**

mündlichen Verhandlung vom 27.10.1993 erklärt hat, bei diesen

**Rn. 1036**

Zahlen handele es sich um das rein operative Ergebnis, wel-

**Rn. 1037**

ches noch nicht um die außerordentlichen Verluste vermindert

**Rn. 1038**

worden sei. Das Gericht ist der Ansicht, daß ein sorgfältiger

**Rn. 1039**

und gewissenhafter Kaufmann die Gefahr der finanziellen Ver-

**Rn. 1040**

luste durch das J/M2 -Geschäft - wie sie auch später tat-

**Rn. 1041**

sächlich eingetreten sind - hätte erkennen und in seine Über-

**Rn. 1042**

legungen einbeziehen müssen. Zudem hatte der Aufsichtsrat

**Rn. 1043**

überhaupt noch nicht über die Verwendung eines

**Rn. 1044**

möglichen Gewinns beschlossen. Schließlich war die P

**Rn. 1045**

nicht unmittelbar dividenden berechtigt; dies war vielmehr die

**Rn. 1046**

eingeschaltete Zwischengesellschaft.

**Rn. 1047**

Unbeachtlich ist auch, daß die zwei im Dezember fällig ge-

**Rn. 1048**

wordenen Darlehen "ordnungsgemäß zurückgezahlt" worden sind.

**Rn. 1049**

Hier handelte es sich nämlich im Grunde nicht um Rückzahlun-

**Rn. 1050**

gen, sondern lediglich um Verrechnungen mit dem Kaufpreis der

**Rn. 1051**

Anteile in dem Komplex J/M2, dessen "Überleben" schon im

**Rn. 1052**

Januar 1991 erkennbar gefährdet war.

**Rn. 1053**

Die Berufung auf die erwartete Gewinnausschüttung und den

**Rn. 1054**

erwarteten Gewinn durch den Verkauf der B-Aktien spricht

**Rn. 1055**

im übrigen auch dafür, daß das Darlehen keinesfalls als "kurz-

**Rn. 1056**

fristig" betrachtet wurde. Dies spielt aber im Ergebnis

**Rn. 1057**

keine Rolle, weil die Grundsätze der Kreditfinanzierung

**Rn. 1058**

innerhalb eines Konzerns zur Sicherung der Fremdaktionäre

**Rn. 1059**

auch für kurzfristige Darlehen gilt.

**Rn. 1060**

Das Gericht brauchte nicht darüber zu entscheiden, ob die

**Rn. 1061**

Klägerin im Zeitpunkt der Darlehensvergabe selbst über aus-

**Rn. 1062**

reichende Liquidität verfügt hat. Die Grundsätze zur Prüfung

**Rn. 1063**

der Bonität des Darlehensnehmers oder die ausreichende

**Rn. 1064**

Sicherung sind nicht davon abhängig, ob der Darlehensgeber

**Rn. 1065**

über ausreichende Mittel verfügt oder sich diese selbst be-

**Rn. 1066**

sorgen muß. In jedem Falle gebietet die treuhänderische

**Rn. 1067**

Funktion die Wahrung der Vermögensinteressen der Aktionäre.

**Rn. 1068**

Zusammenfassend ist die Kammer der Ansicht, daß - zumindest

**Rn. 1069**

aus der Gesamtschau - im Zeitpunkt der Darlehenshingabe so

**Rn. 1070**

viele Umstände einen ordentlichen und gewissenhaften Vorstand

**Rn. 1071**

an der Bonität der Darlehensnehmerin hätte zweifeln lassen

**Rn. 1072**

müssen und deshalb im Interesse der außenstehenden Aktionäre

**Rn. 1073**

eine Darlehensvergabe nur gegen

**Rn. 1074**

ausreichende Sicherheiten hätte veranlaßt werden dürfen.

**Rn. 1075**

Die Beklagten können sich auch nicht darauf berufen, daß die

**Rn. 1076**

Darlehenshingabe hätte "eilig" erfolgen müssen. Der oben

**Rn. 1077**

dargestellte Zeitablauf zeigt deutlich, daß es sich nicht um

**Rn. 1078**

eine Entscheidung gehandelt hat, die innerhalb von wenigen

**Rn. 1079**

Stunden gefallen ist. Vorbereitende Gespräche, die auch dazu

**Rn. 1080**

geführt haben, daß das Darlehen nicht unmittelbar an B4,

**Rn. 1081**

oder M2/J sondern an die P gegeben wurde, sind erfolgt,

**Rn. 1082**

so daß ausreichend Zeit zu Überlegungen bestanden hat.

**Rn. 1083**

Ob - wie die Beklagten behaupten - der Aufsichtsrat in der

**Rn. 1084**

Sitzung vorn 21.02.1990 generell die Vergabe von Darlehen ,ohne

**Rn. 1085**

Sicherheiten genehmigt hat, konnte dahingestellt bleiben,

**Rn. 1086**

weil nach § 93 Abs. 4 Satz 2 AktG die Haftung dadurch

**Rn. 1087**

nicht ausgeschlossen wird.

**Rn. 1088**

Somit steht für die Kammer fest, daß die Beklagten die ihnen

**Rn. 1089**

obliegenden Pflichten als Vorstandsmitglieder im Zusammenhang

**Rn. 1090**

mit der Darlehenshingabe verletzt haben. Jedenfalls haben sie

**Rn. 1091**

sich nicht ausreichend entlasten können, was prozessual ihre

**Rn. 1092**

Aufgabe gewesen wäre. Dies gilt auch, soweit die Beklagten

**Rn. 1093**

noch auf die nachstehend erörterten Gesichtspunkte hinweisen,

**Rn. 1094**

mit denen sie versuchen, sich individuell zu entlasten.

**Rn. 1095**

Soweit der Beklagte zu 3.) sich darauf beruft, nach der Ge-

**Rn. 1096**

schäftsverteilung innerhalb des Vorstandes nicht für die

**Rn. 1097**

Darlehensvergabe zuständig gewesen zu sein, kann er nicht

**Rn. 1098**

gehört werden, weil - wie er selbst einräumt - an der Vor-

**Rn. 1099**

bereitung der Darlehenshingabe beteiligt war. Gerade er will

**Rn. 1100**

veranlaßt haben, daß Darlehensnehmerin nicht die B4,

**Rn. 1101**

sondern die P geworden ist.

**Rn. 1102**

Der Beklagte zu 2.) kann sich auch nicht darauf berufen, in

**Rn. 1103**

einem Interessenkonflikt gewesen zu sein, weil er zugleich in

**Rn. 1104**

der Generaldirektion der P tätig gewesen war. Die

**Rn. 1105**

Rechtsprechung hat zu Recht entschieden, daß man sich auf

**Rn. 1106**

eine solche mögliche Interessenkollision nicht zurückziehen

**Rn. 1107**

kann. Solche Interessenkollisionen sind grundsätzlich nicht

**Rn. 1108**

in dem Sinne entlastend, daß die Pflichterfüllung gegenüber

**Rn. 1109**

der einen die Pflichtverletzung gegenüber der anderen Gesell-

**Rn. 1110**

schaft rechtfertigen könnte (RGZ 165, 68, 82, Mertens in

**Rn. 1111**

Kölner Kommentar, § 93, Anm. 22 m. w. Z., BGH WM 1980, 173,

**Rn. 1112**

BGH ZIP 1984, 578).

**Rn. 1113**

Schließlich ist darauf hinzuweisen, daß die Rechtsabteilung

**Rn. 1114**

der Klägerin die Beklagten unter dem 06.11.1990 auf die

**Rn. 1115**

Pflichten des Vorstandes einer abhängigen Gesellschaft im

**Rn. 1116**

faktischen Konzern, hingewiesen hat .(Anlage Nr. 12 in der

**Rn. 1117**

Beiakte S3 ./. J3, 10 0 221/91). Der Hin-

**Rn. 1118**

weis erfolgte durch eine Ablichtung der diesen Komplex be-

**Rn. 1119**

treffenden Fragen aus dem Münchener Handbuch des Gesell-

**Rn. 1120**

schaftsrechts, Band IV, Aktiengesellschaft, § 69 Rz. 34 und

**Rn. 1121**

35. Unter Rz. 35 ist insbesondere auch zur Frage der oben

**Rn. 1122**

erwähnten Interessenkollision hingewiesen, daß solche nicht

**Rn. 1123**

in der Form zu lösen seien, daß es dem Vorstandsmitglied

**Rn. 1124**

gestattet wäre, die Interessen des einen oder des anderen

**Rn. 1125**

Unternehmens den Vorzug zu geben.

**Rn. 1126**

Durch das pflichtwidrige Verhalten der Vorstandsmitglieder

**Rn. 1127**

ist der Klägerin ein Schaden entstanden. Nach Auskunft der

**Rn. 1128**

die Liquidation durchführenden Wirtschaftsprüfer D2

**Rn. 1129**

bewegt sich die zu erwartende Auszahlungsquote

**Rn. 1130**

zwischen 4,6 und 22,6 %. Damit ist ein Gesamtschaden von

**Rn. 1131**

mindestens 6 Mio. DM bewiesen.

**Rn. 1132**

Es kommt daher nicht mehr darauf an, ob der Klägerin auch

**Rn. 1133**

durch die steuerliche Nacherhebung ein Schaden entstanden

**Rn. 1134**

ist.

**Rn. 1135**

II.

**Rn. 1136**

Das Verhalten der Beklagten verstößt insbesondere auch gegen

**Rn. 1137**

den speziellen Tatbestand der unzulässigen Einlagenrückge-

**Rn. 1138**

währ, der nach § 93 Abs. 3 Satz 1 i. V. m. § 57 AktG die

**Rn. 1139**

Haftung nach § 93 l AktG begründet.

**Rn. 1140**

Die ungesicherte Darlehenshingabe ist eine unzulässige Ein-

**Rn. 1141**

lagenrückgewähr im Sinne des § 57 Abs. 1 .AktG:

**Rn. 1142**

Unter Einlage ist das gesamte Vermögen der Aktiengesellschaft

**Rn. 1143**

mit Ausnahme des förmlich, festgestellten Bilanzgewinns zu

**Rn. 1144**

verstehen (Lutter in Kölner Kommentar zum Aktiengesetz,

**Rn. 1145**

2. Aufl., Band l, §§ 1 bis 75, 2. Aufl., § 57 Rz. 5

**Rn. 1146**

m. u. N.). Danach ist alles, was nicht unter die Bilanzge-

**Rn. 1147**

winnverteilung fällt, als Einlagenrückgewähr zu qualifizieren

**Rn. 1148**

(herrschende Meinung, siehe Lutter in Kölner Kommentar

**Rn. 1149**

a.a.O., § 57 Rz. 5). Dieser Ansicht steht nicht der Wort-

**Rn. 1150**

laut des § 57 Abs. 1 Satz 1 AktG, der an die konkrete Ein-

**Rn. 1151**

lageleistung des Aktionärs anzuknüpfen scheint, entgegen.

**Rn. 1152**

Eine derartige Einschränkung würde dem Normzweck des § 57

**Rn. 1153**

AktG entgegenlaufen. Diese Vorschrift verwirklicht das Gebot

**Rn. 1154**

der Kapitalerhaltung. Damit dient es sowohl dem Gesell-

**Rn. 1155**

schaftsgläubiger als auch dem einzelnen Aktionär. Es wird

**Rn. 1156**

verhindert, daß die Grenze zwischen Gesellschafts- und Ge-

**Rn. 1157**

sellschaftervermögen zu Gunsten einzelner Aktionäre unter

**Rn. 1158**

Verletzung des Grundsatzes der Gleichbehandlung verschoben

**Rn. 1159**

wird (RGZ 107, 168, Lutter/Zöllner in Kölner Kommentar

**Rn. 1160**

a.a.O., § 53 a Rz. 38, 73, Lutter in Kölner Kommentar, § 57

**Rn. 1161**

Rz. 2). Darüber hinaus sichert § 57 AktG die Kompetenzver-

**Rn. 1162**

teilung innerhalb der Aktiengesellschaft, da gemäß § 119

**Rn. 1163**

Abs. 1 Nr. 2 AktG die Entscheidung über die Gewinnverwendung

**Rn. 1164**

in die unentziehbaren Zuständigkeiten der Hauptversammlung

**Rn. 1165**

fällt.

**Rn. 1166**

Auch eine Darlehensgewährung kann und ist im vorliegenden

**Rn. 1167**

Falle als Einlagenrückgewähr zu betrachten. Zwar hat gemäß

**Rn. 1168**

§ 607 BGB die Gesellschaft als Darlehensgeberin einen Rück-

**Rn. 1169**

zahlungsanspruch gegen den Aktionär. Andererseits trifft die

**Rn. 1170**

Gesellschaft das Insolvenzrisiko des Darlehensnehmers. Auch.

**Rn. 1171**

der Normzweck des § 57 Abs. 1 AktG stützt diese Annahme. Die

**Rn. 1172**

Vorschrift dient dem Gläubiger und dem Minderheitsaktionärs-

**Rn. 1173**

schutz (siehe oben). Der Entzug liquider Mittel aus der Ge-

**Rn. 1174**

sellschaft führt dazu, daß die Haftungsgrundlage geschmälert

**Rn. 1175**

wird. Der Ersatz besteht in einer Ungewissen Forderung aus

**Rn. 1176**

§ 607 BGB. Das Risiko der Realisierung würde auf die

**Rn. 1177**

Gläubiger abgewälzt.

**Rn. 1178**

Aber auch systematische Überlegungen sprechen für

**Rn. 1179**

eine Einlagenrückgewähr. Nach § 27 Abs. 1 AktG

**Rn. 1180**

bestehen strenge Mitteilungs- und Prüfungspflichten für den

**Rn. 1181**

Fall, daß die grundsätzliche Bareinlagenverpflichtung durch

**Rn. 1182**

eine Sacheinlage ersetzt wird. Diesem Fall vergleichbar ist,

**Rn. 1183**

daß die zunächst gezahlte Bareinlage in ein Darlehen umge-

**Rn. 1184**

wandelt wird, so daß anstelle der liquiden Mittel nunmehr

**Rn. 1185**

eine Forderung steht. Die Regelungen der §§ 27, 57 AktG

**Rn. 1186**

stehen im Kontex mit dem Grundsatz der Kapitalaufbringung

**Rn. 1187**

und -erhaltung. Ihr gemeinsames Ziel ist die Sicherung der

**Rn. 1188**

Gläubiger, so daß die systematischen Überlegungen auf beide

**Rn. 1189**

Vorschriften anzuwenden sind (vgl. hierzu auch Eichholz

**Rn. 1190**

a. a. 0., Seite 140 f.).

**Rn. 1191**

Gleichwohl wäre die Hingabe des Darlehens erlaubt und keine

**Rn. 1192**

unzulässige Einlagenrückgewähr, wenn es sich hier um ein

**Rn. 1193**

Rechtsgeschäft gehandelt hätte, wie es die Klägerin zum

**Rn. 1194**

damaligen Zeitpunkt auch mit einem außenstehenden Dritten

**Rn. 1195**

abgeschlossen hätte oder hat.

**Rn. 1196**

Dies kann insoweit bejaht werden, als kein auffälliges Miß-

**Rn. 1197**

verhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung hinsichtlich

**Rn. 1198**

der Zinsbedingungen bestand. Die Darlehensgewährung erfolgt

**Rn. 1199**

mit einem Zinssatz zu 10 % p. A. Im Jahre 1991 betrug die

**Rn. 1200**

durchschnittliche Verzinsung von Kontokorrentkrediten über

**Rn. 1201**

1 Mio. DM 10,35 %, wobei die Streuung von 9,30 % bis 11,75 %

**Rn. 1202**

ging (Monatsbericht der Deutschen Bundesbank, 43. Jahrgang,

**Rn. 1203**

Nr. 2, Februar 1991, Seite 51, Statistischer Teil). Der Zins-

**Rn. 1204**

satz für 3-Monats-Geld betrug in diesem Zeitraum 9,35 %

**Rn. 1205**

(Monatsbericht der Deutschen Bundesbank a. a. 0.). Die

**Rn. 1206**

Klägerin selbst hatte einen Kredit des Bankhauses U

**Rn. 1207**

zu 9,25 %, so daß hiervon Sonderkonditionen

**Rn. 1208**

gegenüber der P nicht gesprochen werden kann.

**Rn. 1209**

Eine besondere Kondition des Darlehens ist jedoch die Tat-

**Rn. 1210**

sache, daß es ungesichert vergeben worden ist. Lutter (Kölner

**Rn. 1211**

Kommentar a.a.O., § 57 Rz. 28) sieht in der ungesicherten

**Rn. 1212**

Kreditvergabe den Standardfall einer unzulässigen Einlagen-

**Rn. 1213**

rückgewähr. Es kann dahingestellt bleiben, ob diese Ansicht

**Rn. 1214**

zu eng ist. Jedenfalls haben und hätten die Beklagten im

**Rn. 1215**

damaligen Zeitpunkt einem Dritten einen Kredit in solcher

**Rn. 1216**

Höhe nicht ungesichert gegeben und auch nicht geben dürfen.

**Rn. 1217**

Soweit die Beklagten sich darauf berufen, daß sie ent-

**Rn. 1218**

sprechende Gelder auch ungesichert an Banken gezahlt hätten,

**Rn. 1219**

vermag dieser Vergleich nicht zu überzeugen; die Banken

**Rn. 1220**

unterstehen nach dem KWG einer strengen Aufsicht und sind mit

**Rn. 1221**

anderen Wirtschaftsunternehmen insoweit nicht zu vergleichen.

**Rn. 1222**

Auch bei der Hingabe des Darlehens an die R

**Rn. 1223**

handelt es sich nicht um ein echtes Drittgeschäft, da auch

**Rn. 1224**

diese Gesellschaft Mitglied des faktischen Konzerns der P war.

**Rn. 1225**

Wie bereits oben ausgefühft, kann zwar die Vergabe von kon-

**Rn. 1226**

zerninternen Darlehen zwecks Ausnutzung des sogenannten

**Rn. 1227**

Leverage-Effekts sinnvoll sein, um die Eigenkapitalrentabili-

**Rn. 1228**

tät durch Fremdfinanzierung zu erhöhen. Um einen positiven

**Rn. 1229**

Effekt hier zu erreichen, muß die Fremdfinanzierung unterhalb

**Rn. 1230**

dessen liegen, was die Gesellschaft mit ihrem Eigenkapital

**Rn. 1231**

erwirtschaften kann. Die Gefahr besteht jedoch darin, daß der

**Rn. 1232**

Anteil des Fremdkapitals bei sinkender Eigenkapitalrenta-

**Rn. 1233**

bilität zu einer Überschuldung der Gesellschaft führt. Das

**Rn. 1234**

hohe Risiko, welches hiermit verbunden ist, zeigt, daß die

**Rn. 1235**

Ausnutzung des Leverage-Effekts nicht gegen die Bestellung

**Rn. 1236**

von Sicherheiten spricht. Darüber hinaus gibt dieses

**Rn. 1237**

Finanzierungsinstrument darüber keinen Aufschluß, ob ein

**Rn. 1238**

ordentlicher und gewissenhafter Kaufmann Fremdmittel ohne

**Rn. 1239**

Sicherheiten erhält bzw. Finanzierungskredite ohne solche

**Rn. 1240**

gewährt.

**Rn. 1241**

Im Ergebnis ist die Kammer deshalb der Ansicht, daß die Dar-

**Rn. 1242**

lehenshingabe am 04.02.1991 eine unzulässige Einlagenrückge-

**Rn. 1243**

währ ist.

**Rn. 1244**

Aber selbst wenn man der Ansicht ist, daß die mangelnde

**Rn. 1245**

Bonität des Darlehensnehmers noch hinzukommen muß, um die Hingabe

**Rn. 1246**

des Darlehens als unzulässige Einlagenrückgewähr- zu quali-

**Rn. 1247**

fizieren, ist auch diese Voraussetzung erfüllt. Objektiv war

**Rn. 1248**

die Bonität der P nicht gegeben. Aus den Aus-

**Rn. 1249**

führungen zu oben II. folgt, daß die Beklagten, die keine

**Rn. 1250**

Bonitätsprüfung durchgeführt haben, entsprechende Zweifel

**Rn. 1251**

hätten haben müssen. Zur Vermeidung von Wiederholungen wird

**Rn. 1252**

auf diese Ausführungen verwiesen. Auch hier ist - wie sich

**Rn. 1253**

aus § 93 Abs. 4 Satz 2 AktG ergibt - nicht entscheidend, ob

**Rn. 1254**

der Aufsichtsrat in der Sitzung vom 21.02.1990 die Vergabe

**Rn. 1255**

entsprechender Kredite generell genehmigt und die Entwicklung

**Rn. 1256**

zur "merchant bank" gebilligt hat.

**Rn. 1257**

III.

**Rn. 1258**

Die Haftung aus § 93 AktG wird im vorliegenden Falle durch

**Rn. 1259**

die §§ 311 ff. AktG nicht ausgeschlossen.

**Rn. 1260**

Zwar kommt in diesen Vorschriften die Auffassung zum Aus-

**Rn. 1261**

druck, daß das Konzerninteresse eine Schädigung der ab-

**Rn. 1262**

hängigen Gesellschaft - gleichgültig welcher Art sie sei -

**Rn. 1263**

rechtfertigte, sofern sie nur ausgeglichen wird. Hieraus wird

**Rn. 1264**

unter dem Vorbehalt des nachträglichen Schadensausgleiches

**Rn. 1265**

gefolgert, daß insoweit das in § 57 enthaltene Verbot der

**Rn. 1266**

Einlagenrückgewähr und der verdeckten Gewinnausschüttung

**Rn. 1267**

aufgehoben sei, der Vorstand der abhängigen Gesellschaft,

**Rn. 1268**

falls er eine seine Gesellschaft schädigende Weisung befolgt,

**Rn. 1269**

nicht gegen § 76 verstoße und auch nicht nach § 93 AktG ver-

**Rn. 1270**

antwortlich sei. Dies kann jedoch nicht gelten - so

**Rn. 1271**

Würdinger, Aktiengesetz, § 311 Anm. 5 -, wenn die Vermögens-

**Rn. 1272**

interessen der abhängigen Gesellschaft gefährdet werden. In

**Rn. 1273**

der amtlichen Begründung zu § 311 (Zitat bei Würdigner

**Rn. 1274**

a. a. 0.) ist gesagt: "Bei den Interessen des herrschenden

**Rn. 1275**

Unternehmens handelt es sich, ebenso wie bei den Interessen

**Rn. 1276**

der Gesellschaft und ihrer Aktionäre, stets um Vermögens-

**Rn. 1277**

interessen. Sie sind unabhängig von ihrer Größe für das Recht

**Rn. 1278**

gleichwertig. Kein Gesichtspunkt unserer Rechts- und Wirt-

**Rn. 1279**

schaftsordnung gestattet es, den Vermögensinteressen eines

**Rn. 1280**

Konzerns nur deswegen den Vorrang einzuräumen, weil sie

**Rn. 1281**

quantitativ größer sind". Geboten ist daher die Auffassung,

**Rn. 1282**

daß der in § 311 enthaltene Nachteilsausgleich in Erweiterung

**Rn. 1283**

der bürgerlich-rechtlichen Grundsätze der Kompensation ledig-

**Rn. 1284**

lich die Art der Ersatzleistung betrifft, daß er aber die

**Rn. 1285**

Schadenszufügung so wenig legalisiert wie die Schadenser-

**Rn. 1286**

satzleistung nach bürgerlichem Recht.

**Rn. 1287**

Ähnlich sieht dies Eichholz (a. a. 0., Seite 114), wenn er

**Rn. 1288**

ausführt, daß die Privilegierung des herrschenden Unter-

**Rn. 1289**

nehmens im faktischen Konzern gegenüber den anderen

**Rn. 1290**

Aktionären sich nur auf solche Fälle beziehen könne, in denen

**Rn. 1291**

der Nachteilsausgleich überhaupt möglich sei. Ähnlich der

**Rn. 1292**

Rechtslage bei Vertragskonzernen unterliegen im faktischen

**Rn. 1293**

Konzern unzulässige Weisungen zur Darlehensgewährung den

**Rn. 1294**

allgemeinen Kapitalerhaltungsvorschriften. Auch Lutter

**Rn. 1295**

(a. a. 0., § 57 Rz. 81) sieht den Fall, daß § 311 AktG nicht

**Rn. 1296**

zur Anwendung kommt.

**Rn. 1297**

Selbst wenn man dieser engen Meinung nicht folgt, steht

**Rn. 1298**

im vorliegenden Falle die Vorschrift des § 311 AktG der

**Rn. 1299**

Haftung des Vorstandes nicht entgegen.

**Rn. 1300**

Nach Koppensteiner (Kölner Kommentar, a. a. 0., Rz. 93) darf

**Rn. 1301**

der Vorstand des faktisch abhängigen Unternehmens Rechts-

**Rn. 1302**

geschäfte nicht vornehmen, wenn er Zweifel daran hat, ob das

**Rn. 1303**

herrschende Unternehmen imstande ist, den Nachteil auszu-

**Rn. 1304**

gleichen, z. B. weil die Bonität des herrschenden Unter-

**Rn. 1305**

nehmens schon derzeit schwach ist oder auch deshalb, weil ein

**Rn. 1306**

Ausgleich wegen der Natur der Nachteile nur so langfristig

**Rn. 1307**

möglich ist, so daß ein begründetes Urteil über die

**Rn. 1308**

Leistungsfähigkeit des Ausgleichsschuldners nicht mehr ab-

**Rn. 1309**

gegeben werden kann (ebenso Kropff in Geßler/Hefermehl,

**Rn. 1310**

Rz. 43 m. w. N.). Der Vorstand muß in solchen Fällen das

**Rn. 1311**

Rechtsgeschäft ablehnen (Kropff a. a. 0., § 311 Rz. 55).

**Rn. 1312**

Rechtsgeschäfte mit unübersehbaren Risiken dürfen vom

**Rn. 1313**

herrschenden Unternehmen nicht veranlaßt und vom Vorstand der

**Rn. 1314**

abhängigen Gesellschafter auf Veranlassung des herrschenden

**Rn. 1315**

Unternehmens nicht eingegangen werden (§ 311 Rz. 40

**Rn. 1316**

m. w. Z.), (ebenso Koppensteiner in Kölner Kommentar, § 311

**Rn. 1317**

Rz. 106 und 107).

**Rn. 1318**

Zusammenfassend bedeutet dies, daß § 311 zwar in der Regel die

**Rn. 1319**

Haftungsvorschriften aus §§ 93, 57 AktG als lex specialis

**Rn. 1320**

verdrängt, dies jedoch dann nicht der Fall ist, wenn der-

**Rn. 1321**

Vorstand der abhängigen Gesellschaft pflichtwidrig die Ver-

**Rn. 1322**

mögensinteressen seines Unternehmens nicht beachtet.

**Rn. 1323**

Daß dies aber der Fall war - die Beklagten haben sich zu-

**Rn. 1324**

mindest insoweit nicht entlasten können - ist oben ausge-

**Rn. 1325**

führt worden, so daß das Haftungsprivileg der § 311 ff. nicht

**Rn. 1326**

zum Zuge kommt.

**Rn. 1327**

IV.

**Rn. 1328**

Ob die Beklagten auch deswegen haften, weil sie möglicher-

**Rn. 1329**

weise nicht unmittelbar nach dem 05.02.1991 das Darlehen

**Rn. 1330**

gekündigt haben, kann dahingestellt bleiben, weil eine

**Rn. 1331**

Haftung bereits besteht. Im übrigen kann auch davon ausge-

**Rn. 1332**

gangen werden, daß die P unmittelbar nach dem

**Rn. 1333**

05.02. genauso illiquide wie vor diesem Stichtag gewesen

**Rn. 1334**

ist.

**Rn. 1335**

v.

**Rn. 1336**

Eine Haftung der Beklagten, weil sie die Zustimmung des Auf

**Rn. 1337**

sichtsrats zu der Darlehensgewährung nicht eingeholt haben,

**Rn. 1338**

besteht dagegen nicht.

**Rn. 1339**

Es kann dahingestellt bleiben, ob der Aufsichtsrat Inder

**Rn. 1340**

Sitzung vom 21.02.1990 eine generelle Genehmigung für der-

**Rn. 1341**

artige Rechtsgeschäfte gegeben hat. War dieses der Fall, so

**Rn. 1342**

ist insoweit die Haftung aufgrund dieser Anspruchsgrundlage

**Rn. 1343**

nicht gegeben.

**Rn. 1344**

Sollte dies jedoch nicht der Fall sein, haften die Beklagten

**Rn. 1345**

ebenfalls nicht, da die entsprechende Bestimmung der Satzung

**Rn. 1346**

der Klägerin unwirksam ist.

**Rn. 1347**

§ 10 Ziff. 1 g bestimmt, daß für die Gewährung von Darlehen

**Rn. 1348**

und sonstigen Krediten außerhalb des üblichen Geschäftsbe-

**Rn. 1349**

triebes die Zustimmung des Aufsichtsrats erforderlich sei.

**Rn. 1350**

Dieser Zustimmungsvorbehalt ist unwirksam.

**Rn. 1351**

Zu Recht vertritt Geßler die Ansicht, ein Zustimmungsvorbe-

**Rn. 1352**

halt, der sich auf alle außergewöhnlichen Geschäfte bezieht,

**Rn. 1353**

sei wegen der starken Einschränkung des Vorstandes und auf-

**Rn. 1354**

grund der unzureichenden Praktikabilität unzulässig

**Rn. 1355**

(Geßler/Hefermehl, a. a. 0., § 111 Rz. 66, zustimmend

**Rn. 1356**

Meyer-Landrut in Kommentar zum Aktiengesetz, § 111 Anm. 15,

**Rn. 1357**

Lutter/Krieger, Rechte und Pflichten des Aufsichtsrats 1988,

**Rn. 1358**

§ 2 Rz. 21). Mertens sieht eine solche Satzungsklausel als

**Rn. 1359**

unwirksam an, da § 111 Abs. 4 Satz 2 im Zusammenhang mit

**Rn. 1360**

Abs.4 S. 1 zu lesen sei und die Anordnung der Zustimmungspflicht

**Rn. 1361**

nicht zu einer Verlagerung der Geschäftsführung führen dürfe

**Rn. 1362**

(Mertens in Kölner Kommentar § 111 Rz. 61 mit Schrifttums-

**Rn. 1363**

nachweis). Dieser Ansicht ist zu folgen. Zum einen führt ein

**Rn. 1364**

solcher Zustimmungsvorbehalt bei einer Auslegung aus der

**Rn. 1365**

Sicht des Aufsichtsrats zu einer Kompetenzverlagerung in

**Rn. 1366**

weiten Bereichen. Aber auch die Frage, wann ein solches

**Rn. 1367**

außergewöhnliches Geschäft vorliegt, führt zu Rechtsunsicher-

**Rn. 1368**

heiten zwischen den Verwaltungsorganen der Aktiengesell-

**Rn. 1369**

schaft. Gerade der vorliegende Rechtsstreit verdeutlich,

**Rn. 1370**

welche Haftungsrisiken der Vorstand bei dem Vorliegen einer

**Rn. 1371**

solchen Klausel ausgesetzt ist. Die Rechtsunsicherheit, die

**Rn. 1372**

aufgrund einer solchen unbestimmten Klausel besteht, wider-

**Rn. 1373**

spricht dem, was der Gesetzgeber mit der Novellierung im

**Rn. 1374**

Jahre 1965 erreichen wollte. Es sollte die aufgrund der Soll-

**Rn. 1375**

bestimmung des Aktiengesetzes 1937 entstandene Rechtsun-

**Rn. 1376**

sicherheit hinsichtlich der Frage, wann der Vorstand den

**Rn. 1377**

Aufsichtsrat zur Mitwirkung heranzuziehen hat, beseitigt

**Rn. 1378**

werden (Begründung RegE abgedruckt bei Kropff, Aktiengesetz

**Rn. 1379**

§ 111 Seite 155). Diese Unsicherheit mittels unbestimmter

**Rn. 1380**

Satzungsbestimmungen durch eine neuere zu ersetzen, wider-

**Rn. 1381**

spricht dem Normzweck des § 111 Aktiengesetz.

**Rn. 1382**

Diese Überlegungen gelten auch, wenn - wie hier - der Zu-

**Rn. 1383**

stimmungsvorbehalt lediglich an außergewöhnliche Kreditver-

**Rn. 1384**

gaben verknüpft ist. Für die Unzulässigkeit spricht, daß auch

**Rn. 1385**

der Begriff der ungewöhnlichen Kreditvergabe zu vage und unbe-

**Rn. 1386**

stimmt ist. Zum einen tritt erneut die Frage auf, wann der

**Rn. 1387**

Bereich des gewöhnlichen Geschäfts überschritten wird; zum

**Rn. 1388**

anderen bestehen Abgrenzungsschwierigkeiten aufgrund der

**Rn. 1389**

Konzernlage: Wie auch die Klägerin zugesteht, können Kredit-

**Rn. 1390**

vergabe im Konzern zur Ausnutzung des sogenannten Leverage-

**Rn. 1391**

Effekts wirtschaftlich sinnvoll sein. Diese Kredite werden

**Rn. 1392**

dann rechtlich anders zu behandeln sein als Darlehnsvergabe

**Rn. 1393**

mit gleicher Höhe an Dritte. Schon allein diese Differen-

**Rn. 1394**

zierung, die ihren Höhepunkt, wenn man Kreditvergaben an

**Rn. 1395**

SchwestergeselIschafter überprüft, zeigt, daß die mangelnde

**Rn. 1396**

Praktikabilität zu einer der Kompetenzordnung der Aktienge-

**Rn. 1397**

sellschaft zuwiderlaufenden Verschiebung der Zuständigkeiten

**Rn. 1398**

führt. Im Ergebnis wäre der Vorstand zum Zwecke der eigenen

**Rn. 1399**

Entlastung gehalten, fast jede Kreditvergabe an die Zu-

**Rn. 1400**

stimmung des Aufsichtsrats zu knüpfen. Dementsprechend ver-

**Rn. 1401**

langen Lutter/Krieger (Rechten und Pflichten des Aufsichts-

**Rn. 1402**

rats, 1988, § 2 Rz. 21), zurecht, daß der Zustimmungsvorbe-

**Rn. 1403**

halt im Zusammenhang mit Kreditgeschäften diese summenmäßig

**Rn. 1404**

genau bestimmt.

**Rn. 1405**

Da somit die entsprechende Klausel wegen Verstoßes gegen § 23

**Rn. 1406**

Abs. 5 Aktiengesetz unwirksam ist, bestand auch keine Ver-

**Rn. 1407**

pflichtung des Vorstandes, die Genehmigung des Aufsichtsauf-

**Rn. 1408**

rates insoweit einzuholen.

**Rn. 1409**

Der Zinsanspruch ergibt sich aus einer entsprechenden An-

**Rn. 1410**

wendung des § 849 BGB. Die Inanspruchnahme von Kredit und die

**Rn. 1411**

Zinshöhe hat die Klägerin durch die Vorlage entsprechender

**Rn. 1412**

Unterlagen bewiesen.

**Rn. 1413**

Die Kostenentscheidung beruht auf § 91 ZPO.

**Rn. 1414**

Die vorläufige Vollstreckbarkeit ergibt sich aus § 709 ZPO.

---

Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Urteil vom 02.12.1993 – 20 O 50/92, ECLI:DE:LGDO:1993:1202.20O50.92.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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Nicht-amtliche Fassung — maßgeblich ist die Ausfertigung des Gerichts

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