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# Landgericht Dortmund, Beschluss vom 06.08.1993 – 18 AktE 1/87

ECLI:DE:LGDO:1993:0806.18AKTE1.87.00

## Tenor

Die Anträge auf Feststellung der angemessenen Abfindung

und des angemessenen Ausgleichs werden zurückgewiesen.

Die Kosten des Verfahrens einschließlich der notwendigen

Auslagen der Beteiligten zu 1) und 2) werden den Beteiligten

zu 3) und 4) als Gesamtschuldnern auferlegt.

Die Vergütungen und die Auslagen der Beteiligten zu 5) und 6) fallen

der Beteiligten zu 3) zur last.

Die Vergütungen für die Beteiligten zu 5) und 6) werden

auf jeweils 10.000,00 DM zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer

abzüglich bereits erhaltener Vorschüsse festgesetzt.

Der Geschäftswert für das Verfahren wird auf

750.000,00 OM festgesetzt.

**Rn. 1**

G r ü n d e

**Rn. 2**

A. Die Antragsteller sind Aktionäre der Beteiligten zu 3) (im

**Rn. 3**

folgenden kurz "H" genannt). Diese hat ein Stammkapital

**Rn. 4**

von 16,8 Mio. DM, welches in 168.000 Aktien zum Nennwert von

**Rn. 5**

100,00 OM eingeteilt ist. An ihr ist die Beteiligte zu 4),

**Rn. 6**

welche eine 100 %ige mittelbare Tochter der C-Aktienge-

**Rn. 7**

sellschaft ist, mit 98,5 % beteiligt. Diese Beteiligung hatte

**Rn. 8**

die Beteiligte zu 4) mit Wirkung vom 31.12.1985 von der

**Rn. 9**

X Aktiengesellschaft übernommen. Auch diese ist

**Rn. 10**

eine Tochter der C.

**Rn. 11**

H schloß mit der Beteiligten zu 4) im September 1986

**Rn. 12**

einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag, welcher in

**Rn. 13**

der außerordentlichen Hauptversammlung der H vom

**Rn. 14**

13.11.1986 genehmigt wurde. Der Vertrag ist am 21.11.1986 in

**Rn. 15**

das Handelsregister eingetragen worden. In dem Vertrag ver-

**Rn. 16**

pflichtete sich H, den ganzen nach den maßgeblichen

**Rn. 17**

handelsrechtlichen Bestimmungen ermittelten Gewinn an die

**Rn. 18**

Beteiligte zu 4) abzuführen. Die Beteiligte zu 4) verpflichtete

**Rn. 19**

sich, jeden während der Vertragsdauer sonst entstehenden

**Rn. 20**

Jahresfehlbetrag gemäß den Vorschriften des § 302

**Rn. 21**

Abs. 1 Aktiengesetz auszugleichen. Als angemessenen Ausgleich

**Rn. 22**

gem. § 304 Aktiengesetz garantierte die Beteiligte zu 4) den

**Rn. 23**

außenstehenden H-Aktionären für jedes Geschäftsjahr und

**Rn. 24**

für jede Aktie im Nennbetrag von 100,00 DM als Gewinnanteil

**Rn. 25**

die Zahlung von 15,00 DM. Daneben verpflichtete sich die

**Rn. 26**

Beteiligte zu 4) gem. § 305 Aktiengesetz, auf Verlangen eines

**Rn. 27**

außenstehenden H-Aktionärs dessen H-Aktien gegen

**Rn. 28**

Gewährung einer Barabfindung von Höhe von 360,00 DM für eine

**Rn. 29**

H-Aktie im Nennwert von 100,00 DM zu erwerben.

**Rn. 30**

Vorausgegangen war ein Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag

**Rn. 31**

zwischen der H und der X AG vom

**Rn. 32**

10.07./08.08.1983. In diesem war für die außenstehenden

**Rn. 33**

Aktionäre ein Ausgleichsbetrag von 8,00 DM und eine Barabfindung

**Rn. 34**

von 360,00 DM bestimmt worden. In einem von mehreren

**Rn. 35**

Aktionären seinerzeit eingeleiteten Verfahren zur Festsetzung

**Rn. 36**

von Ausgleich und Abfindung holte das Landgericht Hamburg (64 O 138/83) ein Sachverständigengutachten der Firma U

**Rn. 37**

AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Hamburg vom 04. Oktober

**Rn. 38**

1985 ein. Die Sachverständige kam zu dem Schluß, daß ein den

**Rn. 39**

Liquidationswert übersteigender Ertragswert nicht festzustellen

**Rn. 40**

sei und der Liquidationswert sich auf 49,1 Mio. DM

**Rn. 41**

belaufe. Hieraus ergebe sich eine Barabfindung von 292,35 DM

**Rn. 42**

und ein Ausgleich von 14,97 DM je 100,00 M H-Aktie. Das

**Rn. 43**

Landgericht Hamburg lehnte daraufhin durch Beschluß vom

**Rn. 44**

10.03.1986 auf dieser Grundlage die anderweitige Festsetzung

**Rn. 45**

der Abfindung ab und setzte den Ausgleich auf 14,97 DM fest.

**Rn. 46**

Die hiergegen gerichteten Beschwerden blieben erfolglos.

**Rn. 47**

Mit einem am 24. September 1986 der H zugegangenen

**Rn. 48**

Schreiben kündigte die X AG den an sich bis zum

**Rn. 49**

31.12.1988 befristeten Unternehmensvertrag mit der H

**Rn. 50**

vorzeitig. Als wichtiger Grund wurde der Wegfall der steuerlichen

**Rn. 51**

Organschaft angegeben. Die X AG hatte ihre

**Rn. 52**

Beteiligung an H auf die Antragsgegnerin zu 4) übertragen.

**Rn. 53**

Die Antragsteller sind der Meinung, daß Abfindung und Aus -

**Rn. 54**

gleich nicht angemessen seien. Insbesondere müsse bei der

**Rn. 55**

Bewertung berücksichtigt werden, daß H noch bis zum

**Rn. 56**

31.12.1988 einen Anspruch auf Deckung des Verlustausgleichs

**Rn. 57**

gegen die X AG gehabt habe, da die vorzeitige

**Rn. 58**

Kündigung nicht wirksam gewesen sei. Wegen der weiteren

**Rn. 59**

Einwendungen der Antragsteller wird auf die Ausführungen zu C

**Rn. 60**

verwiesen.

**Rn. 61**

Die Antragsteller beantragen,

**Rn. 62**

Ausgleich und Abfindung anderweitig festzusetzen.

**Rn. 63**

Die Antragsgegnerinnen beantragen,

**Rn. 64**

die Anträge zurückzuweisen.

**Rn. 65**

Sie halten die angebotenen Beträge keinesfalls als zum

**Rn. 66**

Nachteil der Aktionäre falsch bemessen. Tatsächlich seien

**Rn. 67**

positive Erträge nicht zu erwirtschaften. Auf die frage der

**Rn. 68**

Rechtmäßigkeit der außerordentlichen Kündigung komme es

**Rn. 69**

nicht an, da bei weiterer Wirksamkeit des Erstvertrages auch

**Rn. 70**

die Gewinnabführungspflicht gegenüber der X bestehen

**Rn. 71**

geblieben wäre.

**Rn. 72**

Im Übrigen halten sie die Kündigung für wirksam, da innerhalb

**Rn. 73**

des Konzerns dafür gesorgt worden sei, daß die Beteiligte zu

**Rn. 74**

4) als neue Inhaberin der Beteiligung an der H mit dieser

**Rn. 75**

einen zeitlich unmittelbar anschließenden neuen Vertrag zu

**Rn. 76**

gleichen Bedingungen wie die X AG schließe.

**Rn. 77**

Das Gericht hat die Beteiligten und die Gutachter des

**Rn. 78**

vorangegangenen Hamburger Verfahrens in einem Erörterungstermin

**Rn. 79**

angehört und ein schriftliches Gutachten der Firma

**Rn. 80**

L Aktiengesellschaft Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

**Rn. 81**

eingeholt. Wegen der Ergebnisse wird auf die

**Rn. 82**

Sitzungsniederschrift vom 19.02.1988 (Bl. 131 d.A.), das

**Rn. 83**

schriftliche Gutachten vom 08. August 1990 und die ergänzenden

**Rn. 84**

gutachterlichen Stellungnahmen der Sachverständigen vom

**Rn. 85**

04.08.1992, Bl. 423 d.A., und 06.11.1992, Bl. 468 d.A., verwiesen.

**Rn. 86**

B. Die Anträge sind nicht begründet, da Ausgleich und Abfindung

**Rn. 87**

in dem Unternehmensvertrag jedenfalls nicht zu

**Rn. 88**

niedrig festgesetzt worden sind. Die Kammer ist bei dieser

**Rn. 89**

Feststellung von den allgemein anerkannten Grundsätzen der

**Rn. 90**

Unternehmensbewertung (Stellungnahme HFA 2/1983) ausgegangen.

**Rn. 91**

Hiernach ist maßgeblich für die Bewertung eines Unternehmens

**Rn. 92**

in erster Linie der Ertragswert des betriebsnotwendigen zuzüglich

**Rn. 93**

des Liquidationswerts des nicht betriebsnotwendigen

**Rn. 94**

Vermögens. Steht jedoch fest, daß die Summe beider Werte

**Rn. 95**

niedriger ist, als der Wert, der sich bei einer -fiktiven- Liquidation

**Rn. 96**

des gesamten Unternehmens ergeben würde, so ist

**Rn. 97**

auf diesen Liquidationswert abzustellen.

**Rn. 98**

Da in Verfahren gem. § 306 Aktiengesetz eine Herabsetzung der

**Rn. 99**

im Vertrag angebotenen Abfindung und des Ausgleichs schon von

**Rn. 100**

Gesetzes wegen nicht in Betracht kommt, ist eine Neufestsetzung

**Rn. 101**

nur zulässig, wenn die im Vertrag angebotenen Beträge

**Rn. 102**

zu niedrig sind. Im vorliegenden Fall entsprechen Abfindung

**Rn. 103**

und Ausgleich bezogen auf das Aktienkapital einem Unternehmenswert

**Rn. 104**

von 60,48 Mio. DM. Zu einer Neufestsetzung hätte

**Rn. 105**

es daher nur kommen können, wenn das Gericht einen diesen

**Rn. 106**

Betrag übersteigenden Wert der H hätte feststellen

**Rn. 107**

können. Das war jedoch nicht der Fall.

**Rn. 108**

C. Die Kammer ist letztlich vom Liquidationswert ausgegangen,

**Rn. 109**

da dieser den Ertragswert so deutlich übersteigt. daß

**Rn. 110**

selbst bei einer Reihe von Korrekturen des Gutachtens der

**Rn. 111**

Ertragswert immer noch deutlich hinter dem liquidationswert

**Rn. 112**

zurückbleibt.

**Rn. 113**

I.

**Rn. 114**

Zum Ertragswert:

**Rn. 115**

1. Die Sachverständige hat den von ihr festgestellten negativen

**Rn. 116**

Ertragswert von 244,8 Mio. DM wie folgt ermittelt,

**Rn. 117**

wobei wegen der Einzelheiten auf Seite 47 f des Gutachtens

**Rn. 118**

Bezug genommen wird:

**Rn. 119**

Die Sachverständige hat grundsätzlich auf die zukünftigen,

**Rn. 120**

nachhaltig entnahmefähigen Ertragsüberschüsse abgestellt. Bei

**Rn. 121**

der Beurteilung dieser Zukunftserfolge hat sie den Vergangenheitserfolgen

**Rn. 122**

eine Orientierungs- und Kontrollfunktion

**Rn. 123**

beigemessen. Sie ist von den Verhältnissen am Bewertungsstichtag

**Rn. 124**

ausgegangen, wobei jedoch eine Anzahl von Vergangenheitsergebnissen

**Rn. 125**

analysiert und bereinigt worden ist. Als

**Rn. 126**

Referenzzeitraum ist die Zeit von 1983 bis 1986 zugrundegelegt

**Rn. 127**

worden. Als geschätzte Jahresergebnisse vor Ertragssteuern

**Rn. 128**

und Zinsen hat die Sachverständige für 1987 einen

**Rn. 129**

Betrag von minus 14,9, für 1988 von minus 19,3 und für 1989

**Rn. 130**

von minus 18,3 Mio. DM ermittelt (vgl. Anlage VIII des Gutachtens).

**Rn. 131**

2. Die Kammer schließt sich dem Gutachten weitgehend an. Die

**Rn. 132**

hiergegen gerichteten Einwendungen der Antragsteller sind

**Rn. 133**

teils unbegründet, teils bedürfen sie, weil sie keinesfalls

**Rn. 134**

zu einem positiven Ertragswert von 60,48 Mio. DM führen

**Rn. 135**

könnten, keiner näheren Erörterung:

**Rn. 136**

a) Der Beteiligte zu 5) hat eingewandt, daß bei der Schätzung

**Rn. 137**

der Zukunftsjahresergebnisse für die Jahre 1986 bis 1988 die

**Rn. 138**

Sachverständige die extrem schlechte Preissituation der 80er

**Rn. 139**

Jahre als fortbestehend fingiert und sich den zum Zeittag des

**Rn. 140**

Stichtags bestehenden optimistischen Erwartungen des H-Vorstandes

**Rn. 141**

nicht angeschlossen habe (modifiziertes Budget Anlage VII des Gutachtens).

**Rn. 142**

Daß sich diese Schätzungen nachträglich

**Rn. 143**

als zu optimistisch herausgestellt hätten, dürfe nicht berücksichtigt werden.

**Rn. 144**

Die Kammer folgt diesem Einwand nicht. Der Sachverständigen

**Rn. 145**

ist das Stichtagsprinzip im Beweisbeschluß vorgegeben und,

**Rn. 146**

wie ihre Ausführungen an verschiedenen Stellen des Gutachtens

**Rn. 147**

zeigen, bei Erstellung des Gutachtens bewußt gewesen. Dafür,

**Rn. 148**

daß sie dies bei der Schätzung des Zukunftsergebnisses nicht

**Rn. 149**

angewandt hätte, gibt es keinen konkreten Anhaltspunkt. Die

**Rn. 150**

Sachverständige hat im Gutachten auf die schlechten Vergangenheitserträge

**Rn. 151**

abgehoben und konkrete Ursachen für eine

**Rn. 152**

Fortdauer der sie verursachenden ungünstigen Faktoren

**Rn. 153**

herausgestellt, wie z.B. die Abflachung der Zunahme des

**Rn. 154**

Düngemittelverbrauchs bis hin zu einer eventuellen Stagnation

**Rn. 155**

sowie der Zunahme von Billigimporten aus dem Ostblock und aus

**Rn. 156**

überseeischen Ländern.

**Rn. 157**

Nimmt man noch hinzu, daß aus Umweltschutzgründen in der

**Rn. 158**

Öffentlichkeit und der politischen Diskussion die übermäßige

**Rn. 159**

künstliche Düngung immer mehr in das Kreuzfeuer der Kritik

**Rn. 160**

geraten ist, so erscheint die Annahme der Sachverständigen

**Rn. 161**

durchaus plausibel. Im übrigen ist es eine allgemeine Er-

**Rn. 162**

fahrungstatsache, das Planungsrechnungen von Vorständen eher

**Rn. 163**

optimistisch gefärbt sind, da sie zum Teil auch als Zielmarken

**Rn. 164**

und als Ansporn für weitere Anstrengungen der Unternehmensmitarbeiter

**Rn. 165**

gedacht sind.

**Rn. 166**

b) Der Beteiligte zu 1) hat hier -wie auch an anderen Stellen

**Rn. 167**

des Gutachtens- auf Diskrepanzen zwischen dem Gutachten der

**Rn. 168**

jetzigen Gerichtssachverständigen und dem Gutachten der

**Rn. 169**

U hingewiesen. Diese Diskrepanzen bestehen in der

**Rn. 170**

Tat, wenn auch die Treuarbeit seinerzeit gleichfalls einen

**Rn. 171**

negativen Ertragswert errechnet hat und die Ersteller des

**Rn. 172**

damaligen Gutachtens bei ihrer Anhörung im vorliegenden Verfahren

**Rn. 173**

sich dahin geäußert haben, daß dieser Ertragswert auch

**Rn. 174**

in der Zeit nach ihrer Tätigkeit nicht positiv geworden sei.

**Rn. 175**

Die Kammer folgt insoweit jedoch den Feststellungen der von

**Rn. 176**

ihr beauftragten Sachverständigen, da diese aus der Sicht des

**Rn. 177**

maßgeblichen Stichtages und nicht aus der Sicht eines drei

**Rn. 178**

Jahre zuvor liegenden Stichtages das Unternehmen bewertet

**Rn. 179**

hat.

**Rn. 180**

c) Daß die Entwicklung eigener unternehmerischer Initiativen

**Rn. 181**

der H infolge des vorhergegangenen Unternehmensvertrages

**Rn. 182**

beschränkt war, ist nicht unwahrscheinlich, führt aber, entgegen

**Rn. 183**

der Auffassung des Beteiligten zu 2, nicht zu einer

**Rn. 184**

Korrektur der von der Sachverständigen geschätzten Ergebniserwartungen.

**Rn. 185**

Die Einschränkung der unternehmerischen Freiheit

**Rn. 186**

während der Dauer eines Unternehmensvertrages ist Wesensmerkmal

**Rn. 187**

eines solchen Vertrages und muß deshalb von den

**Rn. 188**

Aktionären hingenommen werden (vgl. OLG Düsseldorf - DB

**Rn. 189**

1990/1394). Als Ausgleich bietet ihnen das Gesetz die Möglichkeit,

**Rn. 190**

ihre Beteiligung abfinden zu lassen und damit aus dem Unternehmen auszuscheiden.

**Rn. 191**

Soweit mit diesem Einwand dargetan werden soll, daß die Ertragserwartungen

**Rn. 192**

von H bei unterstelltem Fehlen fremder

**Rn. 193**

Leitungsmacht höher zu veranschlagen seien, mag das zutreffen;

**Rn. 194**

da jedoch die Auswirkungen dieses Wegfalls in keiner

**Rn. 195**

Weise zahlenmäßig zu erfassen sind, muß auch diese Überlegung

**Rn. 196**

im Ergebnis außer Betracht bleiben.

**Rn. 197**

d) Eine -für die Zeit nach Ende des ersten Unternehmensvertrags

**Rn. 198**

bei der Bewertung zu eliminierende- Ergebnisverschlechterung durch

**Rn. 199**

die Vorgabe überhöhter Bezugspreise

**Rn. 200**

seitens der Konzernmutter hat sich nicht feststellen lassen.

**Rn. 201**

DieSachverständige hat entsprechend einer Auflage des Beweisbeschlusses

**Rn. 202**

die Preisgestaltung aufgeschlüsselt nach

**Rn. 203**

Verschiedenen Rohstoffen im einzelnen untersucht.(Seite 40 f .

**Rn. 204**

des Gutachtens). Die Untersuchungen gehen auf die konkreten

**Rn. 205**

Preisbestandteile der jeweiigen Rohstoffe ein und stellen

**Rn. 206**

auch Vergleichskontrollen mit Preisnotierungen in Fachzeitschriften

**Rn. 207**

und mit Bezugspreisen eines C-Beteiligungsunternehmens

**Rn. 208**

an, welches Rohstoffe nicht bei der C eingekauft hat.

**Rn. 209**

Der aufgrund dieser Untersuchungen getroffenen

**Rn. 210**

Feststellung der Sachverständigen, daß der Bezug von Rohstoffen

**Rn. 211**

durch H im C-Verbund insgesamt als vorteilhaft

**Rn. 212**

anzusehen sei, entnimmt das Gericht für das vorliegende Verfahren

**Rn. 213**

die Schlußfolgerung, daß sie jedenfalls nicht nachteilig war.

**Rn. 214**

e) Die Sachverständige hat auch zu Recht bei der Ermittlung

**Rn. 215**

des Zukunftsertrages der H keinen Anspruch der H auf

**Rn. 216**

Verlustausgleich bis 31.12.1988 in die Bewertung einfließen

**Rn. 217**

lassen. Ob ein solcher Anspruch überhaupt (Verrechnung mit

**Rn. 218**

Gewinnabführungspflicht?) und wenn ja in welcher Höhe bei der

**Rn. 219**

Feststellung des tatsächlichen Zukunftsertrags eines mit

**Rn. 220**

Verlust arbeitenden Unternehmens berücksichtigt werden kann

**Rn. 221**

-immerhin wären die mit zu bewertenden Jahre ab 25.01.1989 ja

**Rn. 222**

keinesfalls mit dem Bonus des Verlustausgleichs zu bewerten

**Rn. 223**

gewesen- kann dahingestellt bleiben, da der ursprüngliche

**Rn. 224**

Beherrschungsvertrag wirksam gekündigt worden ist. Die Übertragung

**Rn. 225**

der Beteiligung an der H auf die Beteiligte zu 4)

**Rn. 226**

muß als wichtiger Grund für die fristlose Kündigung angesehen

**Rn. 227**

werden. Mit der zulässigen Beteiligungsübertragung und dem

**Rn. 228**

damit verbundenen Wegfall der steuerlichen Organschaft entfiel

**Rn. 229**

der sachliche Grund für die Übernahme des Verlusts der

**Rn. 230**

H. Ob hiergegen generell eingewandt werden kann, daß der

**Rn. 231**

Veräußerer der Beteiligung sich nicht auf den von ihm selbst

**Rn. 232**

mittelbar gesetzten Kündigungsgrund der Veräußerung berufen

**Rn. 233**

dürfe, weil insoweit die Bestandsschutzinteressen der

**Rn. 234**

Aktionäre Vorrang verdienen, bedarf im vorliegenden Fall

**Rn. 235**

keiner Entscheidung. Diese Interessen sind nämlich hier

**Rn. 236**

dadurch gewahrt worden, daß die Übertragende X AG

**Rn. 237**

dafür gesorgt hat, daß die Übernehmerin einen Vertrag mit

**Rn. 238**

H zu völlig gleichen Bedingungen abgeschlossen hat. Die

**Rn. 239**

Kammer schließt sich insoweit der Auffassung von Thimm

**Rn. 240**

(GmbH-Rundschau 87/8) an , wonach in einem solchen Falle die

**Rn. 241**

Interessen der Aktionäre soweit gewahrt sind, daß dem

**Rn. 242**

Interesse des Beteiligungsveräußerers der Vorrang eingeräumt

**Rn. 243**

werden muß.

**Rn. 244**

f) Auch der von der Sachverständigen angenommene Verlust für

**Rn. 245**

1987 in Höhe von 14,9 Mio. DM (Seite 79 des Gutachtens) ist

**Rn. 246**

nicht so weitgehend zu korrigieren, daß hier ein positives

**Rn. 247**

Ergebnis anzunehmen wäre. Allerdings steht die Kammer auf dem

**Rn. 248**

Standpunkt, daß nach dem Grundsatz der bestmöglichen Verwertung

**Rn. 249**

die positiven Auswirkungen einer Beschränkung auf

**Rn. 250**

Einwerksarbeit zugunsten der Aktionäre zu berücksichtigen

**Rn. 251**

sind. Auch diese Maßnahme würde aber gemäß der Sachverständigen

**Rn. 252**

(Seite 107 des Gutachtens) H noch nicht in die

**Rn. 253**

Gewinnzone geführt haben, da auch insoweit ein -wenn auch

**Rn. 254**

deutlich geringerer- negativer Ertrag von 2,6 Millionen

**Rn. 255**

übriggeblieben wäre.

**Rn. 256**

g) Die vorstehend erörterten Überlegungen gelten naturgemäß

**Rn. 257**

auch für den prognostizierten Ertrag für das Jahr 1988. Hier

**Rn. 258**

ergibt sich auch keine Änderung gegenüber dem Gutachten durch

**Rn. 259**

die Verlagerung der Magnaphoscalanlage. Die Sachverständige

**Rn. 260**

hat zutreffend bei ihrer Berechnung darauf abgestellt, daß

**Rn. 261**

mit der Stillegung dieser Anlage 1988 zu rechnen war

**Rn. 262**

(Seite 76 f. des Gutachtens). Da die Wurzeln für diese Entwicklung

**Rn. 263**

mit dem Aufsichtsratsprotokoll vom 12.06.1985 bereits

**Rn. 264**

in die Zeit vor dem Stichtag zurückreichen, waren sie

**Rn. 265**

auch bei der Bewertung aus Stichtagssicht zu berücksichtigen.

**Rn. 266**

Daß hier eine im Ergebnis möglicherweise dauerhaft nachteilige

**Rn. 267**

Weisung der Obergesellschaft der Grund für diese

**Rn. 268**

Entwicklung war, ist unerheblich. Die Aktionäre einer Gesellschaft,

**Rn. 269**

die sich in einem Unternehmensvertrag der Beherrschung durch ein anderes Unternehmen unterworfen hat,

**Rn. 270**

müssen auch mit der Möglichkeit nachteiliger Weisungen

**Rn. 271**

rechnen. In gleicher Weise, wie ein Aktionärsanteil wirtschaftlich

**Rn. 272**

durch die Auflösung stiller Reserven und Abführung

**Rn. 273**

der daraus resultierenden Gewinne an der Obergesellschaft

**Rn. 274**

zulässigerweise ausgehöhlt werden kann (vgl. OLG Düsseldorf

**Rn. 275**

a. a. 0.), muß der Aktionär auch eine Verschlechterung seines

**Rn. 276**

Anteils infolge nachteiliger Weisungen hinnehmen. Als

**Rn. 277**

Aequivalent hierzu bietet ihm das Gesetz die Möglichkeit der

**Rn. 278**

Abfindung bei Abschluß des Unternehmensvertrages.

**Rn. 279**

h) Da ein positiver Ertragswert nicht festzustellen war,

**Rn. 280**

bedarf es an dieser Stelle auch keiner Überlegungen zur Angemessenheit

**Rn. 281**

des Kapitalisierungszinssatzes.

**Rn. 282**

II.

**Rn. 283**

Zum Liquidationswert:

**Rn. 284**

1. Der den Ertragswert jedenfalls Übersteigende Liquidationswert

**Rn. 285**

ist von der Sachverständigen wie folgt ermittelt worden:

**Rn. 286**

Die Sachverständige hat für die hier zu unterstellende

**Rn. 287**

fiktive Liquidation des Unternehmens einen Zeitraum von drei

**Rn. 288**

Jahren unterstellt.

**Rn. 289**

Die Sachverständige hat in diesem Rahmen zunächst die Möglichkeiten

**Rn. 290**

für die Verwertung der Sachanlagen durch Veräußerung

**Rn. 291**

geprüft. Bei der Feststellung des Werts der Immobilien

**Rn. 292**

hat sie die Richtwertkarteien der jeweiligen Behörden

**Rn. 293**

hinzugezogen. Für die abzubrechenden Anlagegegenstände sind

**Rn. 294**

entsprechende Abbruchkosten ermittelt worden. Die Finanzan-

**Rn. 295**

lagen und Vorräte hat die Sachverständige im einzelnen bewertet.

**Rn. 296**

Bei den Pensionsrückstellungen unterstellt das Gutachten,

**Rn. 297**

daß im Falle einer Liquidation nur die Übertragung

**Rn. 298**

auf einen anderen Versorgungsträger in Betracht komme. Ausgehend

**Rn. 299**

von der Schließung des Werkes M als Präzedenz-

**Rn. 300**

fall sind auch Aufwendungen für einen Sozialplan von rund

**Rn. 301**

34 Mio. DM errechnet worden. Eine weitere Minderung hat der

**Rn. 302**

Liquidationswert nach Ansicht der Sachverständigen auch durch

**Rn. 303**

erforderliche Dekontaminierungkosten in Höhe von rund

**Rn. 304**

45 Mio. DM erfahren. Die Sachverständige ist letztlich zu

**Rn. 305**

einem negativen Liquidationswert von 15,3 Mio. DM gekommen

**Rn. 306**

(vgl. Berechnung im einzelnen Anlage IX des Gutachtens).

**Rn. 307**

2. Die hiergegen gerichteten Angriffe der Antragsteller sind

**Rn. 308**

teils nicht begründet, teils kann ihre Berechnung dahingestellt

**Rn. 309**

bleiben, weil selbst eine Korrektur in dem von den

**Rn. 310**

Antragstellern für berechtigt gehaltenen Umfang nicht zu

**Rn. 311**

einer höheren als tatsächlich angebotenen Abfindung führen

**Rn. 312**

würde: Da die angebotene Abfindung einem Liquidationswert von

**Rn. 313**

+ 60.48 Mio. DM entspricht, müßte der von der Sachverständigen

**Rn. 314**

ermittelte Wert von - 15,3 Mio. DM schon um mehr als

**Rn. 315**

75,78 Mio. DM falsch sein, bevor eine Anhebung der angebotenen

**Rn. 316**

Abfindung stattfinden könnte. Folgerichtig können

**Rn. 317**

einzelne Beanstandungen der Antragsteller, welche Einzelpositionen

**Rn. 318**

von geringerer Bedeutung betreffen, ungeprüft

**Rn. 319**

übernommen werden. Des weiteren bedarf es bei verschiedenen

**Rn. 320**

anderen Positionen nicht einer bis ins letzte gehenden Aus-

**Rn. 321**

ermittlung der tatsächlichen Grundlagen und einer daraus

**Rn. 322**

abgeleiteten Errechnung eines genauen Betrages, wenn bereits

**Rn. 323**

eine überschlägige Bewertung ergibt, daß die von der Gerichtssachverständigen

**Rn. 324**

gefundenen Werte jedenfalls nicht in einer für die Entscheidung relevanten Höhe abzuändern sind:

**Rn. 325**

a) Daß die Sachverständige für Sachanlagen (Seite 82 des

**Rn. 326**

Gutachtens) keinen höheren Wert als 59,606 Mio. DM ansetzt,

**Rn. 327**

hält die Kammer für richtig. Einer Untersuchung, ob bestimmte

**Rn. 328**

Grundstücke dem betriebsnotwendigen oder dem nicht betriebsnotwendigen

**Rn. 329**

Vermögen zuzurechnen sind, bedarf es bei der

**Rn. 330**

Feststellung des Liquidationswerts wegen der hier zu unterstellenden

**Rn. 331**

Gesamtliquidation nicht. Die Annahme, daß sich

**Rn. 332**

wegen der schlechten Absatzmöglichkeiten für Düngemittel

**Rn. 333**

lediglich für die aIlgemein nutzbaren Gebäude und Einrichtungen,

**Rn. 334**

nicht aber für die Maschinen Erwerber finden lassen würden,

**Rn. 335**

erscheint plausibel.

**Rn. 336**

Daß die Sachverständige die von ihr in Anlage X angegebenen

**Rn. 337**

Einzelwerte für die zu bewertenden Grundstücke nicht näher

**Rn. 338**

begründet hat. ist nicht zu beanstanden. Angesichts der Fülle

**Rn. 339**

der bei einer Unternehmensbewertung zu erfassenden Fakten und

**Rn. 340**

Vorgänge muß es als ausreichend angesehen werden. wenn ein

**Rn. 341**

Sachverständiger den Gang seiner Ermittlungen und das Ergebnis

**Rn. 342**

aufgeschlüsselt nach Einzelobjekten mitteilt, ohne daß hierbei

**Rn. 343**

jeder Schritt nachgeprüft werden müßte, wenn im Einzelfall

**Rn. 344**

hierzu nicht besondere Veranlassung besteht.

**Rn. 345**

b) Soweit der Beteiligte zu 5) bei der Bewertung der Vorräte

**Rn. 346**

auf Unterschiede zwischen dem Gutachten der Vorgutachterin

**Rn. 347**

und dem Gerichtsgutachten hinweist (Liquidationserlös unter

**Rn. 348**

oder über dem Buchwert?) hält die Kammer die Überlegung der

**Rn. 349**

Sachverständigen, daß bei Betriebsschließungen ein Restbe-

**Rn. 350**

stand an Erzeugnissen erfahrungsgemäß nur mit sinkenden

**Rn. 351**

Quoten veräußerbar ist, für plausibel (Seite 87 des Gutachtens).

**Rn. 352**

c)Die Kammer schließt sich der Auffassung der Antragsteller

**Rn. 353**

hinsichtlich der von der Sachverständigen angenommenen Vermögensminderung

**Rn. 354**

um 8,3 Mio. DM wegen der Forderungen an verbundene

**Rn. 355**

Unternehmen (Gutachten Seite 88) an. Wenn die Kündigung

**Rn. 356**

nur wirksam war, wenn die Kündigende der H einen

**Rn. 357**

gleichwertigen Vertrag mit einem anderen Partner anbot, dann

**Rn. 358**

muß dieser Vorteil bei der Bemessung des Liquidationswerts

**Rn. 359**

berücksichtigt werden. Anders als bei der Bewertung der zukünftigen

**Rn. 360**

Ertragskraft des fortlaufenden Unternehmens handelt

**Rn. 361**

es sich hier um einen Betrag, der dem Unternehmen auch

**Rn. 362**

während der Liquidationsphase tatsächlich verlustmindernd zur

**Rn. 363**

Verfügung gestanden hätte.

**Rn. 364**

d) Die Sachverständige hat Pensionsrückstellungen für den

**Rn. 365**

Fall der Liquidation in Höhe eines Betrages von 23 Mio. DM

**Rn. 366**

angenommen und wertmindernd berücksichtigt (Seite 89 f. des

**Rn. 367**

Gutachtens ) . Hierbei ist sie davon ausgegangen, daß für

**Rn. 368**

unverfallbare Anwartschaften und laufende Verpflichtungen nur

**Rn. 369**

die Übertragung auf ein Unternehmen der Lebensversicherungsbranche

**Rn. 370**

übrig bleibe.

**Rn. 371**

Diese Prämisse wie auch Details der weiteren Ableitungen sind

**Rn. 372**

insbesondere von dem Beteiligten zu 5) mit guten Gründen

**Rn. 373**

angegriffen worden. Diese beziehen sich im wesentlichen zum

**Rn. 374**

einen auf die aus der Anlage der Pensionsrückstellungen erzielbare

**Rn. 375**

Rendite und zum anderen auf die von der Sachverständigen

**Rn. 376**

festgestellte Anpassungspflicht, welche angesichts

**Rn. 377**

der finanziell schlechten Lage von H -ein Abstellen auf

**Rn. 378**

die bessere Lage des Gesamtkonzerns hat in diesem Zusammenhang

**Rn. 379**

auszuscheiden- in der Tat zweifelhaft sein kann.

**Rn. 380**

Angesichts der oben im einzelnen ausgeführten Tatsache, daß

**Rn. 381**

erst bei einer Berichtigung des Gutachtens um einen Wert von

**Rn. 382**

75.78 Mio. DM eine Erhöhung der angebotenen Abfindung stattfinden

**Rn. 383**

kann, bedurfte es jedoch der Feststellung der genauen

**Rn. 384**

Höhe dieses Betrages nicht. Die grundsätzliche Notwendigkeit

**Rn. 385**

von Pensionsrückstellungen und ihre liquidationswertmindernde

**Rn. 386**

Auswirkung ist eindeutig und wird auch von keinem der Antragsteller

**Rn. 387**

in Zweifel gezogen. Wenn man zugunsten der Antragsteller

**Rn. 388**

den vom Beteiligten zu 5) mit plausiblen Gründen

**Rn. 389**

überschlägig geschätzten Berichtigungsbedarf des Gutachtens

**Rn. 390**

von 5,9 Mio. DM sicherheitshalber zugunsten der Aktionäre

**Rn. 391**

verdoppelt, dürfte dies bereits eine mehr als ausreichende

**Rn. 392**

Sicherheitsspanne zur Ausschließung von Bewertungsrisiken

**Rn. 393**

sein, so daß die Kammer eine weitere Aufklärung etwa durch

**Rn. 394**

Einholung eines versicherungsmathematischen Gutachtens nicht

**Rn. 395**

für erforderlich hält.

**Rn. 396**

e) Hinsichtlich der von der Sachverständigen für erforderlich

**Rn. 397**

gehaltenen Aufwendungen in Höhe von 34 Mio. DM für einen

**Rn. 398**

Sozialplan hat der Antragsteller zu 1) die Frage aufgeworfen,

**Rn. 399**

ob ein solcher Sozialplan überhaupt erforderlich sei. Der

**Rn. 400**

Beteiligte zu 5) beanstandet die Höhe der von der Sachverständigen

**Rn. 401**

insoweit angesetzten Kosten.

**Rn. 402**

Die Kammer läßt dahingestellt, ob der von der Sachverständigen

**Rn. 403**

geschätzte Betrag in voller Höhe auch tatsächlich anfallen

**Rn. 404**

würde, ist aber der Auffassung, daß insoweit ein Abschlag

**Rn. 405**

um 50 % eine mehr als ausreichende Sicherheitsspanne

**Rn. 406**

darstellt, um Bewertungsrisiken auszuschließen.

**Rn. 407**

Hierbei geht die Kammer davon aus, daß Aufwendungen für einen

**Rn. 408**

Sozialplan dem Grunde nach anzusetzen sind. Grundsätzlich

**Rn. 409**

ist eine Entscheidung der Einigungsstelle über den Sozialplan

**Rn. 410**

gemäß § 112 (4) Betriebsverfassungsgesetz im Falle einer

**Rn. 411**

Betriebsänderung erzwingbar. Als Betriebsänderung gilt nach

**Rn. 412**

der Definition des § 111 Nr. 1 Betriebsverfassungsgesetz die

**Rn. 413**

Stillegung des ganzen Betriebes. Hierunter ist die Aufgabe

**Rn. 414**

des Betriebszweckes unter gleichzeitiger Auflösung der Betriebsorganisation

**Rn. 415**

aufgrund eines ernstlichen und endgültigen

**Rn. 416**

Willensentschlusses des Unternehmers für unbestimmte Zeit zu

**Rn. 417**

verstehen (Fitting-Heither Betriebsverfassungsgesetz, 16.

**Rn. 418**

Aufl. Anm. 17 zu § 111). Für die hier anzustellende Unternehmensbewertung

**Rn. 419**

kann die Betrachtungsweise nicht anders

**Rn. 420**

sein. Wenn die Liquidation hier auch lediglich fingiert wird,

**Rn. 421**

so müssen doch sämtliche Folgen einer Liquidation -wenn die

**Rn. 422**

Bewertung realistisch sein soll- in gleicher Weise in die

**Rn. 423**

Betrachtungsweise eingezogen werden, wie wenn die Liquidation

**Rn. 424**

tatsächlich stattfinden würde. Zweifelhaft kann auch hier nur

**Rn. 425**

die Höhe der Sozialplankosten sein, worauf die Antragsteller

**Rn. 426**

im einzelnen hingewiesen haben. Die Sachverständige hat in

**Rn. 427**

ihrer ergänzenden Stellungnahme vom 04.08.1992 die Berechnung

**Rn. 428**

im einzelnen aufgeschlüsselt. Auch diese Berechnung enthält

**Rn. 429**

noch eine Reihe von Unwägbarkeiten, wie z. B. die Möglichkeit

**Rn. 430**

der Umsetzung von Arbeitnehmern und die Einschätzung der

**Rn. 431**

Einigungsstelle hinsichtlich der Notwendigkeit der Liquidation.

**Rn. 432**

Diesen Unwägbarkeiten wird aber durch den zuvor erwähnten

**Rn. 433**

Abschlag in Höhe von 17 Mio. hinreichend Rechnung getragen.

**Rn. 434**

f) Hinsichtlich der von der Sachverständigen geschätzten

**Rn. 435**

Entsorgungskosten von 45 Mio. DM schließt sich die Kammer dem

**Rn. 436**

Gutachten an. Die Sachverständige hat bei der Ermittlung

**Rn. 437**

dieses Betrages die von H in Auftrag gegebenen Gutachten

**Rn. 438**

des J-Instituts über die von den Werksgrundstücken in

**Rn. 439**

M und E ausgehenden Risiken ausgewertet.

**Rn. 440**

Aus diesem Gutachten ergibt sich eine Belastung der Grundstücke

**Rn. 441**

mit Schwermetallen sowie darüber hinaus im Werk

**Rn. 442**

M eine Belastung mit dem Abfallstoff Gips, der zum

**Rn. 443**

Teil als Baugrund beim Bau von Lagerhallen und zum Teil zur

**Rn. 444**

Geländenivellierung eingesetzt worden ist. Im Werk E

**Rn. 445**

geht eine weitere Gefahr für das Grundwasser und das

**Rn. 446**

angrenzende Wasser der U2 von einer von 1920 bis 1968 auf

**Rn. 447**

dem Werksgelände betriebenen ungenehmigten Mülldeponie aus.

**Rn. 448**

Durch Bohrungen sind Schwermetalle aus Produktionsrückständen

**Rn. 449**

nachgewiesen.

**Rn. 450**

Die Sachverständige hat bei Erstellung ihres Gutachtens die

**Rn. 451**

Berechnungen des J-Instituts über die voraussichtlichen

**Rn. 452**

Sanierungskosten eingesehen und diese mit 45 Mio. DM angegeben.

**Rn. 453**

In einer vom Gericht in Auftrag gegebenen ergänzenden

**Rn. 454**

gutachterlichen Stellungnahme vom 04.08.1992 hat die Sachverständige

**Rn. 455**

diesen Betrag aufgeschlüsselt (15,4 Mio. E,

**Rn. 456**

29,3 Mio. M). Die ergänzende Stellungnahme

**Rn. 457**

beruhte auf weiteren Auskünften, welche sich die Sachverständige

**Rn. 458**

von den Mitarbeitern des J-Instituts hat erteilen

**Rn. 459**

lassen. Die für erforderlich gehaltenen Arbeiten sind nunmehr

**Rn. 460**

näher dargestellt.

**Rn. 461**

Bei dieser Sachlage hält die Kammer eine weitere Überprüfung

**Rn. 462**

der Höhe der Kosten nicht für erforderlich.

**Rn. 463**

Die Sanierungstosten sind auch wertmindernd zu berücksichtigen.

**Rn. 464**

Wenn auch das Ausmaß des Schadens und der Beseitigungskosten

**Rn. 465**

erst nach dem Stichtag bekannt geworden ist, so war

**Rn. 466**

der Schaden doch objektiv gesehen bereits vorher eingetreten.

**Rn. 467**

Daß in dem Zeitraum nach dem Stichtag noch Verunreinigungen

**Rn. 468**

In einem Maß hinzugekommen sein sollten, die gegenüber den

**Rn. 469**

Verunreinigungen noch nennenswert ins Gewicht fallen

**Rn. 470**

ist angesichts der zu dieser Zeit schon geltenden

**Rn. 471**

Umweltschutzauflagen unwahrscheinlich.

**Rn. 472**

Entscheidend ist aber auch nach der "Wurzeltheorie" auf die

**Rn. 473**

tatsächliche Entstehung des Schadens, nicht auf sein Bekanntwerden

**Rn. 474**

abzustellen (vgl. OLG Düsseldorf DB 77/296, 297 zu dem

**Rn. 475**

Vergleichbaren Fall einer Arsenschlammablagerung).

**Rn. 476**

Da der wesentliche Teil der Schäden auch bereits vor Abschluß

**Rn. 477**

des ersten Beherrschungsvertrages eingetreten sein dürfte,

**Rn. 478**

fallen die hierdurch entstandenen Nachteile auch nicht unter

**Rn. 479**

die Verpflichtung des herrschenden Unternehmens zur Deckung

**Rn. 480**

des Jahresfehlbetrages.

**Rn. 481**

h) Die vorstehend dargestellten Korrekturen an dem Ergebnis

**Rn. 482**

des Gutachtens zugunsten der Aktionäre (8,3 Mio., 11,8 Mio.

**Rn. 483**

und 17 Mio. DM) führen insgesamt nicht zu einem Liquidationswert,

**Rn. 484**

welcher eine höhere als die angebotene Abfindung ergeben

**Rn. 485**

könnte.

**Rn. 486**

D.

**Rn. 487**

Die vorstehenden Überlegungen zur Abfindung gelten sinngemäß

**Rn. 488**

auch für die Höhe des angebotenen Ausgleichs.

**Rn. 489**

E.

**Rn. 490**

Die Kostenentscheidung beruht hinsichtlich der außergerichtlichen

**Rn. 491**

Kosten der Beteiligten auf § 13 a Abs. 1 FGG, hinsichtlich

**Rn. 492**

der Gerichtskosten auf § 306 Abs. VII Satz 8 Aktiengesetz.

**Rn. 493**

Bei der Festsetzung des Geschäftswerts ist die Kammer von

**Rn. 494**

folgenden Überlegungen ausgegangen:

**Rn. 495**

Grundsätzlich ist der Geschäftswert nach der Differenz

**Rn. 496**

zwischen angebotener und endgültiger Abfindung für alle zur

**Rn. 497**

Zeit der Einleitung des Verfahrens außenstehenden Aktionäre zu

**Rn. 498**

bestimmen (OLG Düsseldorf WM 88/1052, 1061). Da im vorliegenden

**Rn. 499**

Falle eine Neufestsetzung nicht stattfindet, kann nur auf

**Rn. 500**

die von den Antragstellern geäußerten Vorstellungen nach dem

**Rn. 501**

Ausmaß der Höherbewertung abgestellt werden, soweit diese

**Rn. 502**

nicht von vornherein als völlig überzogen erscheinen. Hier

**Rn. 503**

hat der Antragsteller zu 1) darauf hingewiesen, daß die nach

**Rn. 504**

seinen Vorstellungen erforderlichen Korrekturen des Gutachtens

**Rn. 505**

sich mit einem Wert von 131 Mio. DM auswerten würden.

**Rn. 506**

Da in seiner entsprechenden Aufstellung (Seite 16 des

**Rn. 507**

Schriftsatzes vom 06.12.1990) die gleichfalls für berichtigungsbedürftig

**Rn. 508**

gehaltenen Pensionsverpflichtungen nicht aufgeführt

**Rn. 509**

sind, die Sachverständige aber zu einem negativen

**Rn. 510**

Liquidationswert von 15,3 Mio. DM kommt, was sich in etwa

**Rn. 511**

betragsmäßig die Waage halten dürfte, geht das Gericht bei

**Rn. 512**

Bemessung des Gegenstandes zunächst vom Wert des Differenzbetrages

**Rn. 513**

zwischen der erstrebten und der angebotenen Abfindung

**Rn. 514**

in Höhe von 424,00 DM aus (784,00 DM - 360,00 DM).

**Rn. 515**

Allerdings erschien eine Erhöhung der angemessenen Abfindung

**Rn. 516**

um diesen Betrag angesichts des erst kurze Zeit zurückliegenden ersten

**Rn. 517**

Gutachtens von vornherein wenig aussichtsreich, so

**Rn. 518**

daß das Gericht diesen Betrag um ein Viertel gekürzt hat. Ein

**Rn. 519**

Erhöhungsbetrag von 318,00 DM ergibt bei einer Anzahl von

**Rn. 520**

2.352 außenstehenden Aktionären einen Betrag von aufgerundet

**Rn. 521**

750.000,00 DM.

**Rn. 522**

Die Vergütung für die Vertreter der außenstehenden Aktionäre

**Rn. 523**

erschien wegen der langen Dauer des Verfahrens und der Viel-

**Rn. 524**

zahl der darin anzusprechenden Fragen in der festgesetzten Höhe

**Rn. 525**

angemessen.

---

Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Beschluss vom 06.08.1993 – 18 AktE 1/87, ECLI:DE:LGDO:1993:0806.18AKTE1.87.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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