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# Landgericht Dortmund, Urteil vom 14.07.1993 – 10 O 167/92

ECLI:DE:LGDO:1993:0714.10O167.92.00

## Tenor

Die Klage wird abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits werden der

Klägerin auferlegt.

Das Urteil ist gegen SicherheitsIeistung von

4.400,00 DM vorläufig vollstreckbar.

## Tatbestand

**Rn. 2**

Die Beklagte kaufte von der italienischen Herstellerin

**Rn. 3**

Manifattura B "M" in D (Brescia/ ltalien)

**Rn. 4**

große Mengen an Socken. Die Bestellungen erfolgten über einen

**Rn. 5**

Vertreter der Herstellerin, mit dem sich die Beklagte über

**Rn. 6**

einen Dolmetscher verständigte. Die Herstellerin erteilte

**Rn. 7**

unter dem 30.08.1991, 04.09.1991, 09.09.1991 und 30.09.1991

**Rn. 8**

ihre Rechnungen in italienischer Sprache.

**Rn. 9**

Am 02.09.1991, 05.09.1991, 10.09.1991 und 09.10.1991 trat die

**Rn. 10**

Herstellerin ihre Kaufpreisforderungen an die Bank mit dem

**Rn. 11**

Namen der Klägerin und dem Ortszusatz "Gussago-Mandolossa"

**Rn. 12**

ab. Mit Schreiben unter dem gleichen Datum teilte die so

**Rn. 13**

bezeichnete Bank der Beklagten die Abtretungen mit. Dazu

**Rn. 14**

bediente sie sich formularmäßig erstellter Texte, die in

**Rn. 15**

englischer und in französischer Sprache verfaßt waren. Sie

**Rn. 16**

gingen der Beklagten durch Einschreiben mit Rückschein am

**Rn. 17**

11.09.1991, 17.09.1991, 20.09.1991 und 18.10.1991 zu.

**Rn. 18**

Jeweils nach Erhalt der Abtretungsanzeigen bezahlte die Be-

**Rn. 19**

klagte die Rechnungen yor ihren Fälligkeitsterminen mit

**Rn. 20**

Schecks. Dabei leistete sie an die Herstellerin. über deren Ver-

**Rn. 21**

mögen wurde am 11.03.1992 das Konkursverfahren eröffnet.

**Rn. 22**

Die Klägerin verlangt von der Beklagten die Bezahlung der

**Rn. 23**

Kaufpreisforderungen. Sie ist der Auffassung, sie sei In-

**Rn. 24**

haberin der Förderungen infolge der Abtretungen geworden.

**Rn. 25**

Die Klägerin beantragt,

**Rn. 26**

die Beklagte zu verurteilen, an die Klägerin

**Rn. 27**

69.264,00 DM und 16.520.000 italienische Lira

**Rn. 28**

nebst 14 % Zinsen aus 24.265,20 DM seit dem

**Rn. 29**

01.12.1991, 14 % aus 13.200,00 DM seit dem

**Rn. 30**

05.12.1991, 14% aus 31.798,80 DM seit dem

**Rn. 31**

10.12.1991 und 14 % aus 16.520.000 italienische

**Rn. 32**

Lira seit dem 10.01.1992 zu zahlen.

**Rn. 33**

Die Beklagte beantragt,

**Rn. 34**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 35**

Die Beklagte bestreitet die Berechtigung der Klägerin, Forde-

**Rn. 36**

rungen der Zweigstelle Gussago-Mandolossa einzuklagen.

**Rn. 37**

Darüber hinaus hält sie die Abtretung für unwirksam, weil die

**Rn. 38**

Zustellung an den Schuldner nicht durch einen GerichtsvolI-

**Rn. 39**

zieher erfolgt sei. Schließlich meint sie, mit befreiender

**Rn. 40**

Wirkung an die Herstellerin gezahlt zu haben, weil die Ab-

**Rn. 41**

tretungsanzeigen für sie unbeachtlich gewesen seien, da sie

**Rn. 42**

in einem nicht leicht verständlichen fremdsprachigen Text

**Rn. 43**

abgefasst gewesen seien.

**Rn. 44**

Wegen weiterer Einzelheiten des Vorbringens der Parteien wird

**Rn. 45**

auf den vorgetragenen Inhalt der gewechselten Schriftsätze

**Rn. 46**

und ihrer Anlagen Bezug genommen.

## Entscheidungsgründe

**Rn. 48**

Die Klage ist nicht begründet.

**Rn. 49**

Die Klägerin hat keinen Anspruch auf Bezahlung der ihr abge-

**Rn. 50**

tretenen Kaufpreisforderungen gegen die Beklagte. Die Forde-

**Rn. 51**

rungen sind durch die schuldbefreienden Zahlungen der Be-

**Rn. 52**

klagten an die Herstellerin erloschen. Denn die Abtretungs-

**Rn. 53**

anzeigen der Klägerin waren unwirksam.

**Rn. 54**

Die Klägerin hat durch das überreichen der vollständigen

**Rn. 55**

Abtretungs Vereinbarungen zwischen der Bank ihres Namens und

**Rn. 56**

der Herstellerin den Abschluß eines Abtretungsvertrages In

**Rn. 57**

allen Einzelheiten dargelegt. Demgegenüber ist das pauschale

**Rn. 58**

Bestreiten durch die Beklagte unsubstantiiert.

**Rn. 59**

Es ist unerheblich., dass die Abtretungsvereinbarungen mit der

**Rn. 60**

Zweigstelle in Gussago-Mandolossa zustande kamen. Abtretungs-

**Rn. 61**

empfängerin war die Bank mit dem Namen der Klägerin, die eine

**Rn. 62**

Aktiengesellschaft ist. Für eine rechtliche Selbständigkeit der

**Rn. 63**

Zweigstelle ist nichts ersichtlich. Nach dem überreichten

**Rn. 64**

Auszug aus der Satzung ist jede Filiale und damit auch die,

**Rn. 65**

die als Klägerin dieses Verfahrens auftritt, berechtigt,

**Rn. 66**

zivilrechtliche Ansprüche der Bank durchzusetzen.

**Rn. 67**

Die Abtretungen sind aber nicht gegenüber der Beklagten

**Rn. 68**

wirksam geworden, weil sie ihr nicht in der richtigen Sprache

**Rn. 69**

angezeigt wurden. Welche Sprache zu verwenden war, läßt sich

**Rn. 70**

- soweit ersichtlich - aus keinem Gesetz entnehmen. Art. 33

**Rn. 71**

EGBGB verweist in seinem Absatz 2 für das Verhältnis zwischen

**Rn. 72**

dem neuen Gläubiger - der Klägerin- und dem Schuldner -der

**Rn. 73**

Beklagten- und für die Voraussetzungen, unter denen die Über-

**Rn. 74**

tragung der Forderung dem Schuldner - der Beklagten -entgegen-

**Rn. 75**

gehalten werden kann, sowie für die befreiende Wirkung einer

**Rn. 76**

Leistung durch den Schuldner- die Beklagte- auf das Recht,

**Rn. 77**

dem die übertragene Forderung unterliegt. Die übertragenen

**Rn. 78**

Forderungen sind Kaufpreisforderungen. Sie unterliegen im

**Rn. 79**

internationalen Warenkauf zwischen Deutschland und Italien

**Rn. 80**

dem UN-Übereinkommen über Verträge über den internationalen

**Rn. 81**

Warenkauf. Das Übereinkommen enthält keine Regelung über die

**Rn. 82**

Abtretung und auch keine Regelung über die Sprache, die für

**Rn. 83**

Erklärungen rechtsgeschäftlicher Art zu verwenden ist. Da das

**Rn. 84**

übereinkommen die Abtretung nicht regelt, kann das deutsche

**Rn. 85**

oder das italienische Zivilrecht ergänzend heranzuziehen

**Rn. 86**

sein. Weder das deutsche BGB noch das deutsche HGB noch. das

**Rn. 87**

italienische Zivilgesetzbuch geben eine Bestimmung über die

**Rn. 88**

anzuwendende Sprache.

**Rn. 89**

In der Rechtsprechung ist - soweit ersichtlich - über diese

**Rn. 90**

Frage noch nicht entschieden worden. Allerdings liegt eine

**Rn. 91**

Entscheidung vor zu der Frage, in welcher Sprache allgemeine

**Rn. 92**

Geschäftsbedingungen, durch die eine Gerichtsstandsverein-

**Rn. 93**

barung herbeigeführt werden soll , im internationalen Rechts-

**Rn. 94**

verkehr abgefaßt sein müssen (OLG Düsseldorf DB 1973, 2390,

**Rn. 95**

2391). In diesem Urteil wird maßgebend auf den Gesichtspunkt

**Rn. 96**

der Verhandlungssprache abgestellt. Im vorliegenden Fall ist

**Rn. 97**

die Verhandlungssprache italienisch. Einer anderen Sprache

**Rn. 98**

bedienten sich die Beklagte und ihr Lieferant, die

**Rn. 99**

italienische Herstellerin, nicht. Mit der Klägerin kam es

**Rn. 100**

nicht zu Verhandlungen auf Seiten der Beklagten. Die Ab-

**Rn. 101**

tretungsanzeigen aber sind nicht in italienischer Sprache

**Rn. 102**

verfaßt.

**Rn. 103**

In einer anderen Entscheidung über die Einbeziehung von

**Rn. 104**

Allgemeinen Geschäftsbedingungen wird wiederum der Gesichts-

**Rn. 105**

punkt der Verhandlungssprache erwähnt und auch das (schutz-

**Rn. 106**

würdige) Interesse des Ausländers genannt, wonach ein Hinweis

**Rn. 107**

auf Allgemeine Geschäftsbedingungen für ihn verständlich sein

**Rn. 108**

müsse (OLG Hamm NJW 1983, 523, 524). Für die Klägerin, die

**Rn. 109**

ihre Abtretung durchsetzen wollte, war die Beklagte Aus-

**Rn. 110**

länderin. Danach hätte die Klägerin sich für die Abtretungs-

**Rn. 111**

anzeigen der deutschen Sprache bedienen müssen.

**Rn. 112**

Ein Grundsatz, daß jeder, der sich am internationalen Waren-

**Rn. 113**

kauf beteiligt, Erklärungen gegen sich gelten lassen muß, die

**Rn. 114**

in einer der Welthandelssprachen Englisch oder Französisch

**Rn. 115**

abgefaßt sind, wird - soweit ersichtlich- weder in der Recht-

**Rn. 116**

sprechung noch im .Schrifttum vertreten. Die Klägerin, die

**Rn. 117**

sich auf einen solchen Grundsatz beruft, führt keine Belege

**Rn. 118**

an.

**Rn. 119**

Im deutschen Schrifttum wird allerdings die Auffassung vertreten,

**Rn. 120**

daß man von einem Kaufmann, der die fremde Sprache nicht

**Rn. 121**

versteht, verlangen dürfe, daß er sich mit Hilfe sprachkun-

**Rn. 122**

diger Dritter Kenntnis vom Inhalt der Erklärung verschaffe,

**Rn. 123**

wenn die Sprache nicht außergewöhnlich sei, z. B. eine

**Rn. 124**

gängige Handelssprache sei (Dölle, Einheitskaufrecht, Rdn. 43

**Rn. 125**

zu Art. 15). Dieser Auffassung wird aber keine Begründung

**Rn. 126**

beigegeben.

**Rn. 127**

Die Kommentarstelle, die die Klägerin zu Art. 1335 des

**Rn. 128**

Italienischen Zivilgesetzbuchs mitteilt, läßt nicht ersehen,

**Rn. 129**

daß das italienische Recht eine Fremdsprache für rechtsge-

**Rn. 130**

schäftliche Erklärungen zulasse, weil der Empfänger ver-

**Rn. 131**

pflichtet sei, sie zu übersetzen. Die Kommentatoren verlan-

**Rn. 132**

gen, daß der Empfänger bei der konkreten Würdigung der Er-

**Rn. 133**

klärung die im Verkehr übliche Sorgfalt walten lassen müsse.

**Rn. 134**

Dazu gehört aber nicht das Einholen einer Übersetzung. Die

**Rn. 135**

Kommentatoren fahren nämlich fort, daß das Walten lassen der

**Rn. 136**

im Verkehr üblichen Sorgfalt nicht die direkte Mitarbeit des

**Rn. 137**

Empfängers beinhalte. Gefordert wird nur die Fähigkeit, die

**Rn. 138**

Erklärung wahrzunehmen und das Wahrgenommene zu erfassen.

**Rn. 139**

Daran fehlt es aber, weil die Beklagte weder der englischen

**Rn. 140**

noch der französischen Sprache mächtig ist. Da dies un-

**Rn. 141**

streitig ist, braucht die Beklagte es auch nicht zu belegen.

**Rn. 142**

Aus der Kommentarstelle ist nicht zu ersehen, daß Sprach-

**Rn. 143**

unkenntnis ein Verschulden darstellen könne.

**Rn. 144**

Nach allem ist nur ein Zurückgreifen auf allgemeine Erwägun-

**Rn. 145**

gen möglich. Danach ist vor allem zu berücksichtigen, daß

**Rn. 146**

sich die Klägerin mit dem Verlangen, daß die Beklagte nunmehr

**Rn. 147**

an sie zahle, sich in ein bestehendes Vertragsverhältnis,das

**Rn. 148**

zwischen der Beklagten und ihrer Herstellerin bestand,

**Rn. 149**

gleichsam hineindrängte. Deshalb mußte sie sich der Sprache

**Rn. 150**

bedienen, derer sich die Beklagte im Verkehr mit ihrer Her-

**Rn. 151**

stellerin bedient hatte. Das war Italienisch. Ferner ist zu

**Rn. 152**

bedenken, daß sich die Klägerin mit ihrem Zahlungsverlangen

**Rn. 153**

an eine Person wandte, die aus der Sicht der Klägerin im

**Rn. 154**

Ausland wohnte. Aus der Sicht der Beklagten war die Klägerin

**Rn. 155**

- für diese erkennbar- eine unbekannte Person. Danach war es

**Rn. 156**

geboten, daß sich die Klägerin in deutscher Sprache an die

**Rn. 157**

Beklagte hätte wenden müssen. Es entspricht auch der Billig-

**Rn. 158**

keit, daß derjenige, der von einem anderen eine Leistung

**Rn. 159**

verlangt, sich dem anderen gegenüber verständlich macht.

**Rn. 160**

Dagegen erscheint. es als unbillig, jemandem, auch wenn er

**Rn. 161**

Kaufmann ist, zuzumuten, ein unerwartet zugesandtes Schrift-

**Rn. 162**

stück, das in einer fremden Sprache abgefasst ist, auf seine

**Rn. 163**

Kosten übersetzen zu lassen.

**Rn. 164**

Welche Erwägung als maßgebend für die Entscheidung des

**Rn. 165**

Rechtsstreits anzusehen ist, kann offen bleiben. Denn die

**Rn. 166**

Abtretungsanzeigen der Klägerin sind weder in der

**Rn. 167**

italienischen noch in der deutschen Sprache verfaßt worden.

**Rn. 168**

Die Kostenentscheidung beruht auf § 91 ZPO, die Entscheidung

**Rn. 169**

über die vorläufige Vollstreckbarkeit des Urteils auf § 709 ZPO.

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Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Urteil vom 14.07.1993 – 10 O 167/92, ECLI:DE:LGDO:1993:0714.10O167.92.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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