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# Landgericht Dortmund, Urteil vom 08.04.1992 – 1 S 402/91

ECLI:DE:LGDO:1992:0408.1S402.91.00

## Tenor

Die Berufung der Klägerin gegen das Urteil

des Amtsgerichts Dortmund vom 25.07.1931 wird

auf ihre Kosten zurückgewiesen.

## Entscheidungsgründe

**Rn. 2**

(Von der Darstellung des Tatbestandes wird gem. § 543 Abs. 1 ZPO

**Rn. 3**

abgesehen.)

**Rn. 4**

Die Berufung der Klägerin hatte keinen Erfolg.

**Rn. 5**

Zu Recht hat das Amtsgericht entschieden, daß der Klägerin

**Rn. 6**

kein Anspruch gegen die Beklagte auf Ersatz der Sachver-

**Rn. 7**

ständigenkosten zusteht. Nach wohl überwiegender Auf-

**Rn. 8**

fassung ergibt sich bereits aus § 66 Abs. 2 VVG, daß

**Rn. 9**

der Versicherer in der Kraftfahrzeug-Kaskoversicherung

**Rn. 10**

grundsätzlich nicht verpflichtet ist, die Kosten eines

**Rn. 11**

von dem Versicherungsnehmer zugezogenen Sachverständigen

**Rn. 12**

zu bezahlen (Prölss/Martin, Versicherungsvertragsgesetz

**Rn. 13**

24. Aufl. 19B8, Anm. 5 b zu §66 VVG; Stiefel-Hofmann,

**Rn. 14**

Kraftfahrtversicherung 14. Aufl. 1989, Anm. 7 zu §15 AKB;

**Rn. 15**

OLG Köln VersR 1983, 847; a.A. OLG Nürnberg ZfS 82, 278).

**Rn. 16**

Denn § 66 Abs. 2 VVG bestimmt, daß Sachverständigen-

**Rn. 17**

kosten vom Versicherer nur dann zu erstatten sind,

**Rn. 18**

wenn der Versicherungsnehmer nach dem Vertrage zu

**Rn. 19**

der Zuziehung des Sachverständigen verpflichtet war.

**Rn. 20**

Letzteres war hier nicht der Fall. Zwar besteht in

**Rn. 21**

der Kommentarliteratur Einigkeit darüber, daß technische

**Rn. 22**

Sachverständige, die der Versicherungsnehmer hinzuzieht,

**Rn. 23**

weil er ansonsten den Schaden nicht bewerten kann, nicht

**Rn. 24**

unter § 66 Abs. 2 VVG fallen. Dies soll jedoch nach

**Rn. 25**

der oben zitierten überwiegenden Auffassung wiederum

**Rn. 26**

nicht für Kraftfahrzeugsachverständige gelten, da

**Rn. 27**

es dem Versicherungsnehmer zuzumuten sei, zunächst

**Rn. 28**

die Schadensermittlung durch eigene Kraftfahrzeug-

**Rn. 29**

sachverständige des Versicherers abzuwarten.

**Rn. 30**

Ob § 66 Abs. 2 VVG überhaupt einschränkend dahin ausge-

**Rn. 31**

legt werden kann, daß technische Sachverständige von dieser

**Rn. 32**

Vorschrift nicht erfaßt werden, anderes jedoch wiederum für

**Rn. 33**

Kraftfahrzeugsachverständige gelten soll, ist nach Auf-

**Rn. 34**

fassung der Kammer zweifelhaft, kann aber letztlich hier

**Rn. 35**

dahinstehen. Denn der Klägerin steht auch nach § 66 Abs. 1

**Rn. 36**

VVG kein Anspruch auf Erstattung der Sachverständigen-

**Rn. 37**

kosten gegen die Beklagte zu. Nach dieser Vorschrift hat

**Rn. 38**

der Versicherer die Kosten, welche durch die Ermittlung

**Rn. 39**

und Feststellung des ihm zur Last fallenden Schadens

**Rn. 40**

entstehen, dem Versicherungsnehmer nur insoweit zu er-

**Rn. 41**

statten als ihre Aufwendung den Umständen nach geboten

**Rn. 42**

war. Die Hinzuziehung eines Sachverständigen war in

**Rn. 43**

diesem Fall nämlich nicht geboten. Die Klägerin war zum

**Rn. 44**

einen nicht auf die Hinzuziehung eines Sachverständigen

**Rn. 45**

angewiesen, da sie über eigene sachkundige Mitarbeiter

**Rn. 46**

verfügt. Zum anderen hätte sich die Klägerin vor Ein-

**Rn. 47**

schaltung eines Sachverständigen kurz mit der Beklagten

**Rn. 48**

ins Benehmen setzen können, ob diese einen Haussachver-

**Rn. 49**

ständigen zur Ermittlung des Schadens beauftragen würde.

**Rn. 50**

Denn grundsätzlich muß der Versicherungsnehmer zunächst

**Rn. 51**

der Sachkenntnis und Redlichkeit des angestellten

**Rn. 52**

Schadenregulierers des Versicherers vertrauen (Prölss-

**Rn. 53**

Martin.Anrn. 5 c zu §66 VVG). Dadurch wird der Ver-

**Rn. 54**

sicherungsnehmer auch nicht benachteiligt. Denn bei

**Rn. 55**

Meinungsverschiedenheiten über die Höhe des Schadens

**Rn. 56**

steht nach § 14 AKB das sogenannte Sachverständigen-

**Rn. 57**

verfahren zur Verfügung.

**Rn. 58**

Entgegen der Auffassung der Klägerin sind die Sachver-

**Rn. 59**

ständigenkosten auch nicht als Wiederherstellungskosten

**Rn. 60**

im Sinne von § 13 Abs. 5 AKB anzusehen. Angesichts der

**Rn. 61**

Spezialregelungen zur Frage der Ersatzfähigkeit von

**Rn. 62**

Sachverständigenkosten in §§ 66 VVG, 14 AKB findet diese

**Rn. 63**

Auffassung weder eine Stütze im Wortlaut von § 13 Abs. 5

**Rn. 64**

AKB, noch wird sie in der einschlägigen Kommentarliteratur

**Rn. 65**

vertreten. Die in diesem Zusammenhang von der Klägerin

**Rn. 66**

zitierte Entscheidung des Bundesgerichtshofes (VersR 1985

**Rn. 67**

441), wonach die Sachverständigenkosten zum unmittelbaren

**Rn. 68**

Fahrzeugschaden zählen, ist hier nicht einschlägig.

**Rn. 69**

Diese Entscheidung betrifft nicht das Vertragsver-

**Rn. 70**

hältnis zwischen Versicherungsnehmer und Kaskover-

**Rn. 71**

sicherer, sondern Fragen des Schadensersatzanspruchs

**Rn. 72**

des Geschädigten gegen den Unfallgegner und dessen

**Rn. 73**

Haftpflichtversicherer. Insoweit ist es im Regelfall

**Rn. 74**

nicht zweifelhaft, daß der Haftpflichtversicherer

**Rn. 75**

auch die Sachverständigenkosten des Geschädigten zu

**Rn. 76**

ersetzen hat.

**Rn. 77**

Diesen Zusammenhang verkennt die Klägerin auch bei ihren

**Rn. 78**

Ausführungen zur Frage der Vorteilsausgleichung. Denn

**Rn. 79**

die von der Rechtsprechung entwickelten Grundsätze

**Rn. 80**

der Vorteilsausgleichung können niemals einen Anspruch

**Rn. 81**

begründen. Vielmehr spielt die Vorteilsausgleichung

**Rn. 82**

lediglich im Schadensersatzrecht eine Rolle und begrenzt

**Rn. 83**

ggf. einen Schadensersatzanspruch des Geschädigten

**Rn. 84**

gegen den Schädiger (Beispiel: Abzug "neu für alt").

**Rn. 85**

Ansprüche aus Geschäftsführung ohne Auftrag bzw. aus

**Rn. 86**

§ 812 BGB stehen der Klägerin ebenfalls nicht zu.

**Rn. 87**

Es ist bereits zweifelhaft, ob diese Anspruchsgrund-

**Rn. 88**

lagen neben der Spezialvorschrift des § 66 VVG über-

**Rn. 89**

haupt noch zur Anwendung kommen. Diese Frage kann

**Rn. 90**

jedoch offen bleiben, da die Klägerin nicht dargelegt

**Rn. 91**

hat, welche Aufwendungen die Beklagte ggf. durch die

**Rn. 92**

Beauftragung des Sachverständigen S erspart hat.

**Rn. 93**

Da die Beklagte über einen Haussachverständigen ver-

**Rn. 94**

fügt und diesen im vorliegenden Fall auch eingeschaltet

**Rn. 95**

hatte, sind mögliche ersparte Aufwendungen der Beklagten

**Rn. 96**

durch die teilweise Verwertung des Gutachtens jedenfalls

**Rn. 97**

nicht mit. den Aufwendungen der Klägerin in Höhe der Klage-

**Rn. 98**

forderung identisch.

**Rn. 99**

Nach allem mußte die Berufung mit der Kostenfolge aus

**Rn. 100**

§ 97 Abs. 1 ZPO zurückgewiesen werden.

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Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Urteil vom 08.04.1992 – 1 S 402/91, ECLI:DE:LGDO:1992:0408.1S402.91.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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Nicht-amtliche Fassung — maßgeblich ist die Ausfertigung des Gerichts

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