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# Landgericht Dortmund, Beschluss vom 19.11.1991 – 9 T 898/91

ECLI:DE:LGDO:1991:1119.9T898.91.00

## Tenor

Die Zwischenverfügung wird aufgehoben.

Das Amtsgericht wird angewiesen, von den in dieser

Verfügung zum Ausdruck gekommenen Bedenken Abstand

zu nehmen.

## Gründe

**Rn. 2**

Die Beteiligten zu 1.) haben dem Beteiligten zu 2.) mit

**Rn. 3**

notariellem Vertrag vom 11.06.1991 (Urkundenrolle-Nr..

**Rn. 4**

##### des Notars T in E ) den eingangs

**Rn. 5**

bezeichneten Erbbaurechtsanteil verkauft und aufgelassen.

**Rn. 6**

Als Inhalt des Wohnungserbbaurechts ist vereinbart, daß die

**Rn. 7**

Veräußerung der Zustimmung des Verwalters bedarf. Vor-

**Rn. 8**

liegend ist die Zustimmung von dem Einzelprokuristen der·

**Rn. 9**

Verwalterfirma, der G Hausverwaltungen GmbH

**Rn. 10**

in Dortmund, Herrn T2, erteilt worden.

**Rn. 11**

Mit Schreiben vom 20.08.1991 haben die Beteiligten beantragt,

**Rn. 12**

im Grundbuch das Erbbaurecht umzuschreiben, das Recht in

**Rn. 13**

Abteilung III Nr. 3 zu löschen und eine Buchgrundschuld

**Rn. 14**

von 70.000,00 DM zu Gunsten der T3 einzutragen.

**Rn. 15**

Mit Zwischenverfügung vom 23.08.1991 wies das Amtsgericht

**Rn. 16**

daraufhin, daß die Zustimmung nach § 12 WEG eine höchstper-

**Rn. 17**

sönliche Verpflichtung sei, die nur durch den Geschäfts-

**Rn. 18**

führer der Verwalterfirma erteilt werden könne. Gleichzeitig

**Rn. 19**

hat das Amtsgericht eine Frist von einem Monat zur Behebung

**Rn. 20**

des Mangels gesetzt. Gegen diese Zwischenverfügung richtet sich

**Rn. 21**

die Erinnerung der Beteiligten vom 02.09.1991, der das Amts-

**Rn. 22**

gericht nicht abgeholfen hat.

**Rn. 23**

II.

**Rn. 24**

Die nach Nichtabhilfe und Vorlage an die Kammer als Beschwerde

**Rn. 25**

geltende Erinnerung ist zulässig (§§11 Abs. 2 Rechtspfleger-

**Rn. 26**

gesetz, 71 GBO) und begründet.

**Rn. 27**

Die von dem Einzelprokuristen T2 in der Form

**Rn. 28**

des § 29 GB0 abgegebene Zustimmungserklärung ist wirksam. Die

**Rn. 29**

Prokura ergibt sich aus der vorgelegten Notarbescheinigung nach

**Rn. 30**

§ 21 Bundesnotarordnung. Als Prokurist ist er gemäß § 49

**Rn. 31**

Abs. 1 HGB zu allen Arten von gerichtlichen und außergericht-

**Rn. 32**

lichen Geschäften und Rechtshandlungen, die der Betrieb eines

**Rn. 33**

Handelsgewerbes mit sich bringt, ermächtigt. Ein gewerbliches,

**Rn. 34**

im Handelsregister eingetragenes Unternehmen, daß die Ver-

**Rn. 35**

waltung von Häusern betreibt, bringt es mit sich, daß Er-

**Rn. 36**

klärungen nach § 12 WEG abgegeben werden müssen.

**Rn. 37**

Zwar ist, wer die Verwaltung des gemeinschaftlichen Eigen-

**Rn. 38**

tums übernimmt (§§ 26, 27 WEG), grundsätzlich den Wohnungs-

**Rn. 39**

eigentümern gegenüber höchstpersönlich zur Geschäftsbesorgung

**Rn. 40**

verpflichtet, §§ 675, 613 BGB. Daher darf ein Verwalter

**Rn. 41**

in aller Regel seine persönlichen Verpflichtungen nicht auf

**Rn. 42**

einen Dritten übertragen (BayObLG Z 75,327 ff.). Dies

**Rn. 43**

schließt jedoch nicht aus, daß der Verwalter, zumal wenn

**Rn. 44**

es sich, wie vorliegend, um eine juristische Person handelt,

**Rn. 45**

sich zur Erfüllung seiner Aufgaben seiner Angestellten

**Rn. 46**

als Erfüllungsgehilfen bedient (Weitnauer, 7. Aufl.,

**Rn. 47**

§ 26 WEG Rdn. 20). Deren Befugnisse sind aber im Einzel-

**Rn. 48**

fall zu überprüfen, insbesondere anhand der gesetzlichen

**Rn. 49**

Regelungen, der Vereinbarungen der Beteiligten oder den

**Rn. 50**

näheren Umständen, wobei auch auf die konkreten Umstände

**Rn. 51**

des Unternehmens abzustellen ist. Bei der Prüfung der

**Rn. 52**

gesetzlichen Befugnisse ist zu beachten, daß Beschränkungen

**Rn. 53**

der Prokura Dritten gegenüber unwirksam sind, während die

**Rn. 54**

Handlungsvollmacht durch Vereinbarungen eingeschränkt werden

**Rn. 55**

kann.

**Rn. 56**

Vorliegend war, wie bereits dargelegt, der Prokurist

**Rn. 57**

T2 zur Abgabe der Zustimmungserklärung auf-

**Rn. 58**

grund der ihm erteilten Einzelprokura berechtigt. Auch aus

**Rn. 59**

der Sicht der Wohnungseigentümer mußte der Prokurist vor-

**Rn. 60**

liegend hierzu als bevollmächtigt gelten, da der Prokurist

**Rn. 61**

T2 offensichtlich der für die vorliegende Wohnungs-

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eigentumsanlage zuständige Sachbearbeiter bei der Verwalter-

**Rn. 63**

firma ist. Dies ergibt sich daraus, daß er die Wohnungs-

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eigentümerversammlung vom 16.02.1989 geleitet hat, in

**Rn. 65**

welcher u.a. die Verwalterfirma wiedergewählt worden ist.

**Rn. 66**

Soweit die Kammer in ihrem Beschluß vom 30.08.1990

**Rn. 67**

(9 T 374/90) ausgeführt hat, daß die Zustimmungserklärung

**Rn. 68**

bei einer Firma nur durch deren Inhaber oder Geschäftsführer

**Rn. 69**

erteilt werden könne, hält sie daran in dieser Allgemeinheit nicht fest; es

**Rn. 70**

ist jedoch darauf hinzuweisen, daß die damalige Entscheidung

**Rn. 71**

maßgeblich darauf beruhte, daß die Kammer es nicht für

**Rn. 72**

zulässig ansah, wenn der Verwalter eine kaufmännische

**Rn. 73**

Angestellte in einer notariellen Urkunde dazu ermächtigt,

**Rn. 74**

Veräußerungszustimmungen für alle Verkaufsfälle abzugeben.

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Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Beschluss vom 19.11.1991 – 9 T 898/91, ECLI:DE:LGDO:1991:1119.9T898.91.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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