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# Landgericht Dortmund, Teil-Anerkenntnis- und Schlussurteil vom 08.11.1990 – 8 O 343/90

ECLI:DE:LGDO:1990:1108.8O343.90.00

## Tenor

Der Beklagte wird verurteilt,

l.

es bei Vermeidung eines für jeden Fall der Zuwiderhandlung vom

Gericht festzusetzenden Ordnungsgeldes bis zu 500.000,00 DM,

ersatzweise Ordnungshaft bis zu sechs Monaten zu unterlassen,

in Zusammenhang mit Verträgen, sofern diese nicht mit einem

Kaufmann im Rahmen seines Handelsgewerbes abgeschlossen werden,

in allgemeinen Geschäftsbedingungen folgende oder inhalts-

gleiche Klauseln zu verwenden:

1.

Der Vertrag verlängert sich jeweils um die vereinbarte Ver-

tragsdauer, wenn nicht 6 Wochen vor Ablauf schriftlich ge-

kündigt wird, jedoch längstens um 1 Jahr.

2.

Mündliche Nebenabreden sind ungültig.

3.

Wer grob gegen die Regeln des Anstandes verstößt, erhält ohne

Nachsicht Hausverbot, wobei jedoch die Monatsbeiträge weiter

entrichtet werden müssen.

4.

Für mitgebrachte Kleidung, Wertgegenstände und Geld wird

keine Haftung übernommen.

5.

Sachbeschädigungen in den Schulräumen werden auf Kosten

dessen behoben, der sie bewirkt oder verursacht hat.

6.

In den Sommerschulferien ist die Schule wegen Urlaubs des

Lehrpersonals für 3 Wochen geschlossen. Das gleiche gilt für

die gesetzlichen Feiertage und die Zeit zwischen Weihnachten

und Neujahr. Ein Anspruch auf Ersatzstunden besteht nicht.

Ebenso hat der Teilnehmer keinen Anspruch auf irgendwelche

Rückvergütung.

7.

Da bei den vereinbarten Preisen eine wirtschaftliche Führung

der Schule nur möglich ist, wenn alle Teilnehmer ihren Zah-

lungsverpflichtungen pünktlich nachkommen, wird wegen des

damit verbundenen Mehraufwandes an Personal- und Sachkosten

für jede Mahnung 5,00 DM Mahngebühr erhoben. Die Verzugszinsen

werden mit 12 % vereinbart.

8.

Über die Anforderungen, die das vereinbarte Programm an den

Teilnehmer stellt, ist dieser aufgeklärt worden. Er erklärt

verbindlich, hierzu gesundheitlich und körperlich in der Lage

zu sein. Ein Rücksprache mit einem Arzt hält er nicht für

erforderlich.

9.

Der Teilnehmer ist sich darüber klar, daß die Schule nicht

für Gesundheitsschäden aufkommt, die aus der Verschleierung

des wahren Gesundheitszustandes entstehen können.

I

10.

Außerhalb des Programmes stehen dem Teilnehmer die Einrich-

tungen der Schule auf eigenes Risiko dreimal wöchentlich an

den festgelegten Tagen kostenlos zur Verfügung.

11.

DTC Schule behält sich Änderungen der Besuchstage und -Zeiten

vor.

12.

Eine Haftung für Schäden, die der Teilnehmer während der

Teilnahme an einem Kursus erleidet, wird ausgeschlossen,

soweit die Schäden nicht auf einer grob fahrlässigen Ver-

tragsverletzung der Schule oder auf einer vorsätzlichen oder

grob fahrlässigen Vertragsverletzung eines gesetzlichen Ver-

treters oder Erfüllungsgehilfen der Schule beruhen.

13.

Sofern kein Zahlungsrückstand besteht, ruht der Vertragsab-

lauf bei Einberufung zur Bundeswehr für die Dauer der Wehr-

dienstpflicht und bei Eintreten einer Schwangerschaft für die

Dauer eines Jahres.

14.

Für diesen Fall verpflichtet sich der Teilnehmer, eine

Stornogebühr, die sofort zu entrichten ist, in Höhe von 14 %

der noch offenen Vertragssumme zu bezahlen.

15.

Krankheit, Wohnungswechsel und ähnliches entbinden den Teil-

nehmer nicht von den Verpflichtungen aus dem Vertrag. Bei

Unterbrechung infolge Krankheit, Unfälle oder ähnliches (oder

aus anderen wichtigen Gründen) ist gegen Nachweis (z. B.

ärztliches Attest) eine Stundung des Programms möglich. Die

vereinbarte Zahlungsweise des Programms wird davon nicht

betroffen bzw. unterbrochen. Diese versäumte Zeit kann nach

Absprache an dem jeweils 4. Besuchstag pro Woche innerhalb

der Laufzeit des Vertrages nachgeholt werden.

16.

In nachgewiesenen Ausnahmefällen wie Dauererkrankung oder in

sonstigen Härtefällen kann der Teilnehmer im Einvernehmen mit

der Schule einen Programmwechsel vornehmen oder eine Ersatz-

person anmelden, unabhängig von der vereinbarten Zahlungs-

verpflichtung.

17.

Wird es der Schule aus Gründen, die sie nicht zu vertreten

hat (höhere Gewalt) unmöglich, Leistungen zu erbringen, so

hat der Teilnehmer keinen Anspruch auf Schadensersatz bzw.

Ersatzstunden.

18.

Eine Verlegung der Schulräume innerhalb des Stadtgebietes

berechtigt nicht zum Vertragsrücktritt.

II.

Der Klägerin wird die Befugnis zugesprochen, die Urteils-

formel mit der Bezeichnung des verurteilten Verwenders auf

Kosten der Beklagten im Bundesanzeiger, im übrigen auf eigene

Kosten bekanntzumachen.

Die Kosten des Rechtsstreits trägt der Beklagte.

Das Urteil ist gegen Sicherheitsleistung in Höhe vor

14.000,— DM vorläufig vollstreckbar.

## Tatbestand

**Rn. 2**

Der Kläger, ein gerichtsbekannter Verbraucherschutzverein im

**Rn. 3**

Sinne von § 13 Abs. 2 AGBG, begehrt von dem Beklagten, der in

**Rn. 4**

I unter der Firma "D" ein Fitneß-

**Rn. 5**

Center betreibt, die Unterlassung der Verwendung bestimmter

**Rn. 6**

AGB-Klauseln, die nach Auffassung des Klägers gegen Vor-

**Rn. 7**

schriften des AGBG verstoßen.

**Rn. 8**

Die von dem Kläger vorprozessual verlangte Unterzeichnung

**Rn. 9**

einer strafbewehrten Unterlassungserklärung lehnte der Be-

**Rn. 10**

klagte durch seine Prozeßbevollmächtigten wegen der klage-

**Rn. 11**

gegenständlichen Klauseln ab.

**Rn. 12**

Der Kläger beantragt,

**Rn. 13**

l. den Beklagten zu verurteilen, es bei Vermeidung

**Rn. 14**

eines für jeden Fall der Zuwiderhandlung vom Gericht

**Rn. 15**

festzusetzenden Ordnungsgeldes bis zu 500.000,00 DM,

**Rn. 16**

ersatzweise Ordnungshaft bis zu 6 Monaten zu unter-

**Rn. 17**

lassen, im Zusammenhang mit Verträgen, sofern diese

**Rn. 18**

nicht mit einem Kaufmann im Rahmen seines Handel-

**Rn. 19**

gewerbes abgeschlossen werden, in allgemeinen Ge-

**Rn. 20**

schäftsbedingungen folgende oder inhaltsgleiche

**Rn. 21**

Klauseln zu verwenden:

**Rn. 22**

1. Der Vertrag verlängert sich jeweils um die ver-

**Rn. 23**

einbarte Vertragsdauer, wenn nicht 6 Wochen vor

**Rn. 24**

Ablauf schriftlich gekündigt wird, jedoch läng-

**Rn. 25**

stens um 1 Jahr.

**Rn. 26**

2. Mündliche Nebenabreden sind ungültig.

**Rn. 27**

3. Wer grob gegen die Regeln des Anstandes ver-

**Rn. 28**

stößt, erhält ohne Nachsicht Hausverbot, wobei

**Rn. 29**

jedoch die Monatsbeiträge weiter entrichtet

**Rn. 30**

werden müssen.

**Rn. 31**

4. Für mitgebrachte Kleidung, Wertgegenstände und

**Rn. 32**

Geld wird keine Haftung übernommen.

**Rn. 33**

5. Sachbeschädigungen in den Schulräumen werden auf

**Rn. 34**

Kosten dessen behoben, der sie bewirkt oder

**Rn. 35**

verursacht hat.

**Rn. 36**

6. In den Sommerschulferien ist die Schule wegen

**Rn. 37**

Urlaubs des Lehrpersonals für 3 Wochen ge-

**Rn. 38**

schlossen. Das gleiche gilt für die gesetzlichen

**Rn. 39**

Feiertage und die Zeit zwischen Weihnachten und

**Rn. 40**

Neujahr. Ein Anspruch auf Ersatzstunden besteht

**Rn. 41**

nicht. Ebenso hat der Teilnehmer keinen Anspruch

**Rn. 42**

auf irgendwelche Rückvergütung.

**Rn. 43**

7. Da bei den vereinbarten Preisen eine wirt-

**Rn. 44**

schaftliche Führung der Schule nur möglich ist,

**Rn. 45**

wenn alle Teilnehmer ihren Zahlungsverpflich-

**Rn. 46**

tungen pünktlich nachkommen, wird wegen des

**Rn. 47**

damit verbundenen Mehraufwandes an Personal- und

**Rn. 48**

Sachkosten für jede Mahnung 5,00 DM Mahngebühr

**Rn. 49**

erhoben. Die Verzugszinsen werden mit 12 % ver-

**Rn. 50**

einbart.

**Rn. 51**

8. Über die Anforderungen, die das vereinbarte

**Rn. 52**

Programm an den Teilnehmer stellt, ist dieser

**Rn. 53**

aufgeklärt worden. Er erklärt verbindlich, hier-

**Rn. 54**

zu gesundheitlich und körperlich in der Lage zu

**Rn. 55**

sein. Ein Rücksprache mit einem Arzt hält er

**Rn. 56**

nicht für erforderlich.

**Rn. 57**

9. Der Teilnehmer ist sich darüber klar, daß die

**Rn. 58**

Schule nicht für Gesundheitsschäden aufkommt,

**Rn. 59**

die aus der Verschleierung des wahren Gesund-

**Rn. 60**

heitszustandes entstehen können.

**Rn. 61**

10. Außerhalb des Programmes stehen dem Teilnehmer

**Rn. 62**

die Einrichtungen der Schule auf eigenes Risiko

**Rn. 63**

dreimal wöchentlich an den festgelegten Tagen

**Rn. 64**

kostenlos zur Verfügung.

**Rn. 65**

11. Die Schule behält sich Änderungen der Besuchs-

**Rn. 66**

tage und -zeiten vor.

**Rn. 67**

12. Eine Haftung für Schäden, die der Teilnehmer

**Rn. 68**

während der Teilnahme an einem Kursus erleidet,

**Rn. 69**

wird ausgeschlossen, soweit die Schäden nicht

**Rn. 70**

auf einer grob fahrlässigen Vertragsverletzung

**Rn. 71**

der Schule oder auf einer vorsätzlichen oder

**Rn. 72**

grob fahrlässigen Vertragsverletzung eines ge-

**Rn. 73**

setzlichen Vertreters oder Erfüllungsgehilfen

**Rn. 74**

der Schule beruhen.

**Rn. 75**

13. Sofern kein Zahlungsrückstand besteht, ruht der

**Rn. 76**

Vertragsablauf bei Einberufung zur Bundeswehr

**Rn. 77**

für die Dauer der Wehrdienstpflicht und bei

**Rn. 78**

Eintreten einer Schwangerschaft für die Dauer

**Rn. 79**

eines Jahres.

**Rn. 80**

14. Für diesen Fall verpflichtet sich der Teil-

**Rn. 81**

nehmer, eine Stornogebühr, die sofort zu ent-

**Rn. 82**

richten ist, in Höhe von 14 % der noch offenen

**Rn. 83**

Vertragssumme zu bezahlen.

**Rn. 84**

15. Krankheit, Wohnungswechsel und ähnliches ent-

**Rn. 85**

binden den Teilnehmer nicht von den Verpflich-

**Rn. 86**

tungen aus dem Vertrag. Bei Unterbrechung in-

**Rn. 87**

folge Krankheit, Unfälle oder ähnliches (oder

**Rn. 88**

aus anderen wichtigen Gründen) ist gegen Nach-

**Rn. 89**

weis (z. B. ärztliches Attest) eine Stundung des

**Rn. 90**

Programms möglich. Die vereinbarte Zahlungsweise

**Rn. 91**

des Programms wird davon nicht betroffen bzw.

**Rn. 92**

unterbrochen. Diese versäumte Zeit kann nach

**Rn. 93**

Absprache an dem jeweils 4. Besuchstag pro Woche

**Rn. 94**

innerhalb der Laufzeit des Vertrages nachgeholt

**Rn. 95**

werden.

**Rn. 96**

16. In nachgewiesenen Ausnahmefällen wie Dauerer-

**Rn. 97**

krankung oder in sonstigen Härtefällen kann der

**Rn. 98**

Teilnehmer im Einvernehmen mit der Schule einen

**Rn. 99**

Programmwechsel vornehmen oder eine Ersatzperson

**Rn. 100**

anmelden, unabhängig von der vereinbarten Zah-

**Rn. 101**

lungsverpflichtung.

**Rn. 102**

17. Wird es der Schule aus Gründen, die sie nicht zu

**Rn. 103**

vertreten hat (höhere Gewalt) unmöglich,

**Rn. 104**

Leistungen zu erbringen, so hat der Teilnehmer

**Rn. 105**

keinen Anspruch auf Schadensersatz bzw. Ersatz-

**Rn. 106**

stunden.

**Rn. 107**

18. Eine Verlegung der Schulräume innerhalb des

**Rn. 108**

Stadtgebietes berechtigt nicht zum Vertrags-

**Rn. 109**

rücktritt.

**Rn. 110**

II. Der Klägerin wird die Befugnis zugesprochen, die

**Rn. 111**

Urteilsformel mit der Bezeichnung des verurteilten

**Rn. 112**

Verwenders auf Kosten der Beklagten im Bundesan-

**Rn. 113**

zeiger, im übrigen auf eigene Kosten bekanntzu-

**Rn. 114**

machen.

**Rn. 115**

Die Prozeßbevollmächtigte des Beklagten hat im Termin am

**Rn. 116**

08.11.1990 die Klage hinsichtlich Ziff. 17 der Klageschrift

**Rn. 117**

anerkannt.

**Rn. 118**

Im übrigen beantragt der Beklagte,

**Rn. 119**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 120**

Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes

**Rn. 121**

wird verwiesen auf den vorgetragenen Inhalt der von den Par-

**Rn. 122**

teien gewechselten Schriftsätze nebst Anlagen, die Gegenstand

**Rn. 123**

der mündlichen Verhandlung gewesen sind.

**Rn. 124**

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e :

**Rn. 125**

Die von dem Kläger geltend gemachten Unterlassungsansprüche

**Rn. 126**

sind in vollem Umfang begründet (§ 13 AGBG):

**Rn. 127**

Die für die geltend gemachten Ansprüche nach § 13 AGBG er-

**Rn. 128**

forderliche Wiederholungsgefahr ist im vorliegenden Fall

**Rn. 129**

gegeben. Im Hinblick darauf, daß allgemeine Geschäftsbedin-

**Rn. 130**

gungen gerade in einer Vielzahl von Fällen verwendet werden

**Rn. 131**

sollen, streitet für das Vorliegen einer Wiederholungsgefahr

**Rn. 132**

in der Regel eine tatsächliche Vermutung (Palandt-Heinrichs,

**Rn. 133**

§ 13 Anm. 2 e), diese tatsächliche Vermutung hat der Beklagte

**Rn. 134**

vorliegend nicht entkräftet. Vielmehr hat er sich geweigert,

**Rn. 135**

wegen der klagegegenständlichen Klauseln eine strafbewehrte

**Rn. 136**

Unterlassungserklärung abzugeben und noch im Termin am

**Rn. 137**

08.11.1990 die beanstandeten Klauseln durch seine Prozeß-

**Rn. 138**

bevollmächtigte bis auf eine Ausnahme verteidigen lassen.

**Rn. 139**

Hinsichtlich der im einzelnen von dem Kläger beanstandeten

**Rn. 140**

Klauseln liegen folgende Verstöße gegen das AGBG vor:

**Rn. 141**

Ziff. 1 der Klageschrift:

**Rn. 142**

Diese Klausel verstößt gegen § 9 Abs. 2 Nr. 1 AGBG, weil

**Rn. 143**

durch die Bestimmung einer sechswöchigen Kündigungsfrist eine

**Rn. 144**

Kündigung entgegen § 621 BGB (die von dem Beklagten ange-

**Rn. 145**

botenen Verträge beinhalten auch dienstvertragliche Elemente)

**Rn. 146**

in einer für den Kunden unzumutbaren Weise erschwert und der

**Rn. 147**

Kunde hierdurch unangemessen benachteiligt wird.

**Rn. 148**

Ziff. 2 der Klageschrift:

**Rn. 149**

Wegen des grundsätzlichen Vorranges auch mündlich getroffener

**Rn. 150**

Individualabreden (§ 4 AGBG) verstößt diese Klausel gegen § 9

**Rn. 151**

Abs. l AGBG.

**Rn. 152**

Ziff. 3 der Klageschrift:

**Rn. 153**

Bei ungünstigster Auslegung könnte unter Hinweis auf diese

**Rn. 154**

Bestimmung einem Kunden wegen eines einmaligen Verstoßes

**Rn. 155**

gegen die Hausordnung ein dauerndes Hausverbot erteilt wer-

**Rn. 156**

den, obwohl die Monatsbeiträge weiter gezahlt werden müssen.

**Rn. 157**

Dies beinhaltet einen Verstoß gegen § 9 Abs. 1 AGBG. Außerdem

**Rn. 158**

würde diese Bestimmung auf eine unzulässige Vertragsstrafen-

**Rn. 159**

regelung im Sinne von § 11 Nr. 5 AGBG hinauslaufen, ohne daß

**Rn. 160**

die Voraussetzungen des § I11 Nr. 5 a und b AGBG vorliegen.

**Rn. 161**

Ziff. 4 der Klageschrift:

**Rn. 162**

Diese Klausel verletzt § 11 Nr. 7 AGBG, weil hierdurch der

**Rn. 163**

Beklagte von jeglicher Haftung - auch für etwaige von ihm

**Rn. 164**

verschuldete Schäden freigestellt werden soll.

**Rn. 165**

Ziff. 5 der Klageschrift:

**Rn. 166**

Diese Regelung verstößt gegen § 9 Abs. 1 AGBG, denn grund-

**Rn. 167**

sätzlich setzt eine Haftung für Schadensersatz ein Ver-

**Rn. 168**

schulden voraus.

**Rn. 169**

Ziff. 6 der Klageschrift:

**Rn. 170**

Diese Bestimmung ist wegen Verstoßes gegen § 9 Abs. 1 AGBG

**Rn. 171**

unwirksam: Dadurch, daß der Kunde jährlich für einen Zeitraum

**Rn. 172**

von ca. einem Monat das vereinbarte Entgelt zahlen soll,

**Rn. 173**

obwohl er keine Gegenleistung erhält, wird er unangemessen

**Rn. 174**

benachteiligt.

**Rn. 175**

Ziff. 7 der Klageschrift:

**Rn. 176**

Diese Klausel verletzt § 11 AGBG. In derartigen Fällen ist

**Rn. 177**

davon auszugehen, daß nur Porto- und Materialaufwand ent-

**Rn. 178**

steht, angemessen sind daher höchstens 1,00 bis 2,00 DM pro

**Rn. 179**

Mahnung (OLG Stuttgart, NJW RR 1988, 1082). Durch die Fest-

**Rn. 180**

schreibung von Verzugszinsen in Höhe von 12 % wird einem

**Rn. 181**

Kunden darüberhinaus der Nachweis abgeschnitten, daß ein

**Rn. 182**

Verzugsschaden auf seiten des Beklagten nicht oder wesentlich

**Rn. 183**

geringer entstanden ist (§11 Nr. 5 b AGBG).

**Rn. 184**

Ziff. 8 der Klageschrift:

**Rn. 185**

Diese Klausel beinhaltet einen Verstoß gegen § 11 Nr. 15 b

**Rn. 186**

AGBG: Sie enthält eine Bestätigung des Kunden, über die An-

**Rn. 187**

forderungen des Programms aufgeklärt worden zu sein, zur

**Rn. 188**

Teilnahme am Programm gesundheitlich und körperlich in der

**Rn. 189**

Lage zu sein und eine Rücksprache mit einem Arzt nicht für

**Rn. 190**

erforderlich zu halten. Hierdurch wird hinsichtlich der "be-

**Rn. 191**

stätigten" Aufklärung über die Trainingsanforderungen die

**Rn. 192**

Beweislast zum Nachteil des Kunden umgekehrt, im übrigen wird

**Rn. 193**

dem Kunden zu seinen Ungunsten die Beweisführung erschwert.

**Rn. 194**

Ziff. 9 der Klageschrift:

**Rn. 195**

Auch diese Klausel beinhaltet eine unzulässige Haftungsfrei-

**Rn. 196**

zeichnung nach § 11 Nr. 7 AGBG. Der Kläger weist zu Recht

**Rn. 197**

daraufhin, daß aufgrund dieser Klausel der Eindruck erweckt

**Rn. 198**

wird, daß eine Haftung des Beklagten auch dann nicht bestehen

**Rn. 199**

soll, wenn beim Kunden Gesundheitsschäden durch Umstände, die

**Rn. 200**

vom Beklagten zu vertreten sind, zumindest mitverursacht

**Rn. 201**

wurden.

**Rn. 202**

Ziff. 10 der Klageschrift:

**Rn. 203**

Auch diese Bestimmung stellt einen zu weitgehenden Haftungs-

**Rn. 204**

ausschluß dar (§ 1 Nr. 7 AGBG). Die Bestimmung, wonach dem

**Rn. 205**

Teilnehmer die Einrichtungen des Beklagten auf eigenes Risiko

**Rn. 206**

zur Verfügung gestellt werden, erweckt den Eindruck, daß der

**Rn. 207**

Beklagte in keinem Fall für Schäden einstehen soll, die dem

**Rn. 208**

Kunden bei Benutzung dieser Einrichtung entstehen können.

**Rn. 209**

Ziff. 11 der Klageschrift:

**Rn. 210**

Diese Klausel verstößt gegen § 10 Nr. 4 AGBG. Sie birgt die

**Rn. 211**

Gefahr, daß es unter Berufung auf diese Klausel zu unzumut-

**Rn. 212**

baren Einschränkungen der Trainingsmöglichkeiten zum Nach-

**Rn. 213**

teil der Kunden kommt.

**Rn. 214**

Ziff. 12 der Klageschrift:

**Rn. 215**

Insoweit liegt ein Verstoß gegen § 9 Abs. 1 AGBG vor: Denn

**Rn. 216**

die vom Beklagten angebotenen Leistungen bergen die Gefahr,

**Rn. 217**

daß es - z. B. wegen technischer Mängel an den Trainingsge-

**Rn. 218**

räten - zu Gesundheitsschäden auf seiten der Kursteilnehmer

**Rn. 219**

kommen kann. Haftungsausschlüsse für einfache Fahrlässigkeit

**Rn. 220**

sind aber dann unwirksam, wenn es um Verletzungen von Gesund-

**Rn. 221**

heit geht (Palandt-Heinrichs.Anm. 6 c, e, d zu § 9 AGBG).

**Rn. 222**

Ziff. 13 bis 16 der Klageschrift:

**Rn. 223**

Diese Bestimmungen beinhalten Verstöße gegen §9 Abs. 2 Nr. 1

**Rn. 224**

AGBG: Bei wichtigen Gründen muß auch in anderen als den in

**Rn. 225**

den Klauseln genannten Fällen eine außerordentliche Kündigung

**Rn. 226**

des Kunden möglich sein mit der Folge, daß der Beklagte

**Rn. 227**

seinen Anspruch auf die Vergütung verliert (§ 626 BGB).

**Rn. 228**

Ziff. 17 der Klageschrift:

**Rn. 229**

Insoweit beruht die Verurteilung auf § 307 ZPO.

**Rn. 230**

Ziff. 18 der Klageschrift:

**Rn. 231**

Diese Bestimmung verletzt wiederum § 10 Nr. 4 AGBG, weil

**Rn. 232**

durch eine Verlegung der Schulräume des Beklagten die

**Rn. 233**

Trainingsmöglichkeiten zum Nachteil der Kunden unzumutbar

**Rn. 234**

eingeschränkt würden.

**Rn. 235**

Die Kostenentscheidung beruht auf § 91 ZPO. Soweit der Be-

**Rn. 236**

klagte die Klage anerkannt hat, lag ein Fall eines sofortigen

**Rn. 237**

Anerkenntnisses nach § 93 ZPO nicht vor, weil der Beklagte

**Rn. 238**

durch sein vorprozessuales Verhalten (Verweigerung der Abgabe

**Rn. 239**

einer strafbewehrten Unterlassungserklärung) Veranlassung zur

**Rn. 240**

Klageerhebung gegeben hat.

**Rn. 241**

Die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit ergibt

**Rn. 242**

sich aus § 709 ZPO.

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Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Teil-Anerkenntnis- und Schlussurteil vom 08.11.1990 – 8 O 343/90, ECLI:DE:LGDO:1990:1108.8O343.90.00

Quelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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Nicht-amtliche Fassung — maßgeblich ist die Ausfertigung des Gerichts

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