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# Landgericht Dortmund, Urteil vom 25.10.1990 – 8 O 223/90

ECLI:DE:LGDO:1990:1025.8O223.90.00

## Tenor

I. Der Beklagte wird verurteilt,

es bei Vermeidung eines für jeden Fall der

Zuwiderhandlunq vom Gericht festzusetzenden

Ordnungsgeldes bis zu 500.0OO,0O DM, ersatz-

weise 0rdnungshaft bis zu 6 Monaten zu unter-

lassen, im Zusammenhang mit \/erträqen, sofern

diese nicht mit einem Kaufmann im Rahmen seines

Handelsgewerbes abgeschlossen werden, in all-

gemeinen Geschäftsbedingungen folgende oder

inhaltsgleiche Klauseln zu vewenden:

1.

Das Mitglied hat eine Kopie dieser Beitrittserklärung

Erhalten

2. Mündliche Absprachen sind ungültig. Sie

bedürfen der schriftlichen Bestätigung.

3.Krankheit oder sonstiger Hinderungsgrund

zur Teilnahme am Training entbindet nicht von

der Beitragszahlung.

4. Die Mitgliedschaft ruht nur während der

Ableistung des gesetzlich vorgeschriebenen

Grundwehrdienstes.

5. Bei eventuellen Mahnungen wird pro Mahnung

eine Gebühr in Höhe von 5,00 DM erhoben.

6. Wenn nicht spätestens zwei Monate vor Ab-

lauf der Reitrittserklärung schriftlich

-per Einschreiben- gekündigt wird, verlängert

sich die Mitgliedschaft jeweils um 6 Monate.

7. Wird es dem Fitneß-Center aus Gründen, die

es nicht zu vertreten hat (höhere Gewalt)

unmöglich, Leistungen zu erbringen, so hat der

Teilnehmer keinen Anspruch auf Schadens-

ersatz bzw. Ersatzstunden.

8. Bei Minderjähriqkeit des Trainingsteil-

nehmers haften die Erziehungsberechtigten

für die Erfüllung der Beitragspflicht.

9. Unterschreibt nur ein Erziehungsberechtigter,

so versichert er damit, auch in Vollmacht des

anderen Erziehungsberechtigten zu handeln.

II. Der Klägerin wird die Befugnis zugesprochen,

die Urteilsformel mit der Bezeichnung des ver- .

urteilten Verwenders auf Kosten der Beklagten

im Bundesanzeiger, im übrigen auf eigene Kosten

bekanntzumachen.

Die Kosten des Rechtsstreits trägt der

Beklagte.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar, für

die Klägerin jedoch nur gegen Sicherheits-

leistung in Höhe von 10.000,00 DM.

**Rn. 1**

T A T B E S T A N D

**Rn. 2**

Die Kläqerin, ein qerichtsbekannter Verbraucherschutzverband

**Rn. 3**

im Sinne yon § 13 Abs. 2 Z i F f. 2 AG B - Gesetz, beqehrt von dem

**Rn. 4**

Beklaqten, der unter der Firma "G" in J

**Rn. 5**

ein Fitneß-Studio betreibt, die Unterlassung von Verwendung

**Rn. 6**

bestimmter AGB-Klauseln, die die Klägerin weqen Verstoßes

**Rn. 7**

gegen das AGB-Gesetz für unwirksam hält.

**Rn. 8**

Die Kläqerin beantragt,

**Rn. 9**

I. den Beklagten zu verurteilen,

**Rn. 10**

es bei Vermeidung eines für jeden Fall der

**Rn. 11**

Zuwiderhandlung vom Gericht festzusetzenden

**Rn. 12**

Ordnungsgeldes bis zu 500.000,00 DM, ersatz-

**Rn. 13**

weise Ordnungshaft bis zu 6 Monaten zu unter-

**Rn. 14**

lassen, in Zusammenhang mit Verträgen, sofern

**Rn. 15**

dieses nicht mit einem Kaufmann im Rahmen seines

**Rn. 16**

Handelsgewerbes abgeschlossen werden, in all-

**Rn. 17**

gemeinen Geschäftsbedingungen folgende oder

**Rn. 18**

inhaltsgleiche Klauseln zu verwenden:

**Rn. 19**

1. Das Mitglied hat eine Kopie dieser Beitritts-

**Rn. 20**

erklärung erhalten.

**Rn. 21**

2. Mündliche Absprachen sind ungültig. Sie

**Rn. 22**

bedürfender schriftlichen Bestätigung.

**Rn. 23**

3. Krankheit oder sonstiger Hinderungsgrund

**Rn. 24**

zur Teilnahme am Training entbindet nicht von

**Rn. 25**

der Beitragszahlung.

**Rn. 26**

4. Die Mitgliedschaft ruht nur während der

**Rn. 27**

Ableistung des gesetzlich vorgeschriebenen

**Rn. 28**

Grundwehrdienstes.

**Rn. 29**

5. Sei eventuellen Mahunqen wird pro

**Rn. 30**

Mahnung eine Gebühr in Höhe von 5,00 DM

**Rn. 31**

erhoben.

**Rn. 32**

6. Wenn nicht spätestens zwei Monate vor Ab-

**Rn. 33**

lauf der Beitrittserklärung schriftlich

**Rn. 34**

-per Einschreiben- qekündigt wird, verlängert

**Rn. 35**

sich die Mitgliedschaft jeweils um 6 Monate.

**Rn. 36**

7. Wird es demFitneß-Center aus Gründen, die

**Rn. 37**

es nicht zu vertreten hat (höhere Gewalt)

**Rn. 38**

unmöqlich, Leistungen zu erbringen, so hat

**Rn. 39**

der Teilnehmer keinen Anspruch auf Schadens-

**Rn. 40**

ersatz bzw. Ersatzstunden.

**Rn. 41**

8. Bei Minderjährigkeit der Trainingsteilnehmers

**Rn. 42**

haften die Erziehunqsberechtiqten für die Er-

**Rn. 43**

füllung der Beitragspflicht.

**Rn. 44**

9. Unterschreibt nur ein Erziehungsberechtigter,

**Rn. 45**

so versichert er damit, auch in Vollmacht

**Rn. 46**

des anderen Erziehungsberechtigten zu handeln.

**Rn. 47**

II. Der Klägerin wird die Befugnis zugesprochen,

**Rn. 48**

die Urteilsformel mit der Bezeichnung des ver-

**Rn. 49**

urteilten Verwenders auf Kosten der Beklagten

**Rn. 50**

im Bundesanzeiger, im übrigen auf eigene

**Rn. 51**

Kosten bekanntzumachen.

**Rn. 52**

Der Beklaqte beantragt.

**Rn. 53**

die Klage abzuweisen

**Rn. 54**

Wegen der weiteren Einzelheiten, des Sach- und Streitstandes

**Rn. 55**

wird verwiesen auf den vorgetragenen Inhalt der von den

**Rn. 56**

Parteien gewechselten Schriftsätze nebst Anlagen, die Gegen-

**Rn. 57**

stand der mündlichen Verhandlung gewesen sind.

## Entscheidungsgründe

**Rn. 59**

Die Klaqe ist begründet.

**Rn. 60**

Die von der Klägerin beanstandeten AGB-Klauseln sind wegen

**Rn. 61**

Verstoßes gegen das AGB-Gesetz unwirksam und dürfen von

**Rn. 62**

dem Beklagten nicht weiter verwendet werden:

**Rn. 63**

Die Klausel "das Mitglied hat eine Kopie der B e i t r i t t s e r k l ä r u n q

**Rn. 64**

erhalten" verstößt gegen § 11 Nr. 15 b AGB-Gesetz, weil sie

**Rn. 65**

eine Tatsachenbestätigung enthält, die die Beweislast faktisch

**Rn. 66**

zum Nachteil des Kunden verschiebt, so ist insbesondere die

**Rn. 67**

Bestätigung, eine Durchschrift des Vertrages erhalten zu

**Rn. 68**

haben, unzulässig (Palandt-Heinrichs, BGH NJW 1988, 2108 Anm. 15 c zu §11 AGB-Gesetz.

**Rn. 69**

Die von der Klägerin beanstandete Schriftformklausel verstößt

**Rn. 70**

gegen § 9 Abs. 1 AGB-Gesetz, weil sie den grundsätzlichen Vor-

**Rn. 71**

rang der auch mündlich getroffenen Individualabreden (§ 4 AGBG)

**Rn. 72**

negiert.

**Rn. 73**

Die unter Ziff. 6 der Allgemeinen Geschäftsbedingungen des

**Rn. 74**

Beklagten aufgeführte Klausel ist wegen Verstoßes gegen

**Rn. 75**

§ 9 Abs. 2 Nr. 1 AGB-Gesetz unzulässig:

**Rn. 76**

Durch diese Regelung wird das Recht auf eine außerordent-

**Rn. 77**

liche Kündigung nach § 626 BG3 ausgeschlossen bzw. in

**Rn. 78**

unzulässiger Weise erschwert. Insbesondere längere Er-

**Rn. 79**

krankungen stellen grundsätzlich einen Grund für eine

**Rn. 80**

außerordentliche Kündigung nach § 626 BGB dar.. Entgegen

**Rn. 81**

der Auffassung des Beklagten ist diese Vorschrift vor-

**Rn. 82**

liegend nicht: schon deswegen unanwendbar, weil bei den

**Rn. 83**

von dem Beklagten abgeschlossenen Verträgen mietvertragliche

**Rn. 84**

Elemente überwiegen. Bei diesen Verträgen handelt es sich

**Rn. 85**

nicht um reine Mietverträge, sondern um gemischte Verträge,

**Rn. 86**

die auch Dienstleistungselemente beinhalten und bei denen

**Rn. 87**

infolgedessen eine Kündigungsmöglichkeit auch nach §626 BGB

**Rn. 88**

bestehen muß.

**Rn. 89**

Die in Ziff. 8 der Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Be-

**Rn. 90**

klagten erfolgte Festschreibung von Mahnqebühren von 5,00 D M

**Rn. 91**

pro Mahnung verstößt gegen § 11 Nr. 5 a und N r. 5 b AGB-Gesetz.

**Rn. 92**

Insbesondere ist in diesen Fällen davon auszugehen, daß bei

**Rn. 93**

derartigen Mahnungen nur Porto- und Materialaufwand entsteht,

**Rn. 94**

weswegen allenfalls Kosten von 1,00 bis 2,00 DM pro Mahnung

**Rn. 95**

angemessen erscheinen (OLG Stuttgart NJW RR 1988, 1082).

**Rn. 96**

Unzulässig ist auch die unter Ziff. 8 der Allgemeinen Geschäfts-

**Rn. 97**

bedingungen des Beklagten aufgeführte Regelung: Das Verlangen,

**Rn. 98**

daß eine Kündigung per Einschreiben zu erfolgen habe, ver-

**Rn. 99**

stößt gegen § 11 Nr. 16 AGB-Gesetz. Derartige Klauseln werden

**Rn. 100**

von Kunden oft übersehen und ergeben nur den Sinn, dem Kunden

**Rn. 101**

die Durchsetzung seiner Rechte zu erschweren (Ulmer -Brandner-

**Rn. 102**

Hensen, 5. Aufl., Rd-Nr. 2 zu § 11 Nr. 16). Eine weitere

**Rn. 103**

Erschwerung der Kündigungsrechte wird vorliegend auch durch

**Rn. 104**

die unklare Formulierung der Kündigungsfrist "2 Monate vor

**Rn. 105**

Ablauf der Beitrittserklärung" verursacht.

**Rn. 106**

Die Klausel, wonach sich die Mitgliedschaft bei nicht er-

**Rn. 107**

folgter Kündigung um jeweils weitere 6 Monaten verlängern

**Rn. 108**

soll, ist ebenfalls rechtswidrig. Zwar ergibt sich in

**Rn. 109**

diesem Zusammenhang kein Verstoß gegen § 11 Nr. 12 AGB-Gesetz,

**Rn. 110**

weil diese Vorschrift auf gemischte Verträge, bei denen der

**Rn. 111**

Schwerpunkt auf Gebrauchsüberlassung liegt, keine Anwendung

**Rn. 112**

findet, doch beinhaltet hier die vom Beklagten verwendete

**Rn. 113**

Verlängerungsklausel eine unangemessene Benachteiligung

**Rn. 114**

im Sinne von § 9 Abs. 1 AGB-Gesetz, weil nicht auszuschließen

**Rn. 115**

ist, daß mit Hilfe dieser Klausel in Fällen einer nur für

**Rn. 116**

einen kürzeren Zeitraum vereinbarten Mitgliedschaft deren

**Rn. 117**

Dauer unangemessen verlängert wird. Dies ist insbesondere

**Rn. 118**

deswegen nicht auszuschließen, weil unklar ist, welche

**Rn. 119**

Primärlaufzeiten der Beklagte jeweils vereinbart.

**Rn. 120**

Ziff. 10 der Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Beklagten

**Rn. 121**

ist wegen Verstoßes gegen § 9 Abs. 2 Nr. 1 AGB-Gesetz un-

**Rn. 122**

zulässig, weil danach unter Mißachtung der gesetzlichen

**Rn. 123**

Regelung des § 323 BGB der Beklagte trotz Unmöglichkeit

**Rn. 124**

der Leistung seinen Vergütungsanspruch behalten soll.

**Rn. 125**

Das laut Ziff. 11 der Allgemeinen Geschäftsbedingungen des

**Rn. 126**

Beklagten bei Minderjährigkeit des Trainingsteilnehmers

**Rn. 127**

dessen Erziehungsberechtigte für die Erfüllung der Bei-

**Rn. 128**

tragspflicht haften sollen, verstößt gegen § 9 Abs. 2

**Rn. 129**

Nr. 1 AGB-Gesetz. Eine grundsätzliche Haftung der Er-

**Rn. 130**

ziehungsberechtigten entspricht gerade nicht der gesetz-

**Rn. 131**

lichen Regelung (§ 108 BGB) und würde außerdem auf einen

**Rn. 132**

unzulässigen Vertrag zu Lasten Dritter hinauslaufen.

**Rn. 133**

Die in Ziff. 11 ebenfalls enthaltene Fiktion einer Be-

**Rn. 134**

vollmächtigung durch den anderen Erziehungsberechtigten

**Rn. 135**

verstößt gegen § 10 Nr. 5 AGB-Gesetz.

**Rn. 136**

Die Kostenentscheidung beruht auf § 91 ZPO.

**Rn. 137**

Die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit ergibt

**Rn. 138**

sich aus § 709 ZPO.

---

Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Urteil vom 25.10.1990 – 8 O 223/90, ECLI:DE:LGDO:1990:1025.8O223.90.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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