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# Landgericht Dortmund, Urteil vom 11.10.1990 – 8 O 313/90

ECLI:DE:LGDO:1990:1011.8O313.90.00

## Tenor

Der Beklagte wird verurteilt, an den Kläger

8.000,00 DM (i.W.: achttausend Deutsche Mark)

nebst 4 % Zinsen seit dem 05. April 1990 zu

zahlen.

Im übrigen wird die Klage abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits tragen zu 9 %

der Kläger und zu 91 % der Beklagte.

Das Urteil ist gegen Sicherheitsleistung in

Höhe von 10.000,00 DM vorläufig vollstreckbar.

**Rn. 1**

T a t b e s t a n d

**Rn. 2**

Der Kläger ist das einzige Kind der am 14. Juni 1985

**Rn. 3**

verstorbenen Frau Q. Der

**Rn. 4**

Beklagte ist der Bruder der Verstorbenen.

**Rn. 5**

Frau Q hatte am 02.12.1983 handschriftlich

**Rn. 6**

verfügt: "... meinen einzigen Erben ist mein Sohn G .. "

**Rn. 7**

Mit "Testament" vom 20.04.1984 hatte sie bestimmt,

**Rn. 8**

daß nach ihrem Tode ihr Bruder F alles in seine

**Rn. 9**

Hände nehmen solle, "alles regeln in Geldsachen und

**Rn. 10**

sonstiges, was so anfallen tut", Wegen der Einzelheiten

**Rn. 11**

der beiden Schriftstücke wird auf Blatt 6 und 7 der

**Rn. 12**

Akte Bezug genommen.

**Rn. 13**

Der Kläger ist der Ansicht, daß er sowohl nach dem .

**Rn. 14**

Gesetz als auch aufgrund der letztwilligen Verfügung

**Rn. 15**

vom 2. Dezember 1983 Alleinerbe seiner Mutter ge-

**Rn. 16**

worden ist. Er behauptet: Nach dem Tode der Mutter

**Rn. 17**

habe der Beklagte aus der Wohnung der Verstorbenen

**Rn. 18**

ein Päckchen an sich genommen, in dem sich ein Bar-

**Rn. 19**

geldbetrag von 16.000,00 DM befunden habe. Mit der

**Rn. 20**

Klage macht der Kläger einen Teilbetrag von 8.000,00 DM

**Rn. 21**

geltend. Er behauptet weiter: Der Beklagte habe von

**Rn. 22**

der Verstorbenen ein Sparbuch über 4.000,00 DM er-

**Rn. 23**

halten, weswegen er ihm folgende Beträge erstatten

**Rn. 24**

müsse:

**Rn. 25**

1. Mietzahlung im Rahmen der Auflösung

**Rn. 26**

der Wohnung der Erblasserin 236,00 DM

**Rn. 27**

2. Heizkostennachzahlungen 43,16 DM

**Rn. 28**

und 235,80 DM

**Rn. 29**

3. restliche Beerdigungskosten 252,62 DM

**Rn. 30**

insgesamt 768,03 DM.

**Rn. 31**

Der Kläger beantragt,

**Rn. 32**

den Beklagten zu verurteilen, an ihn 8.768,03 DM nebst

**Rn. 33**

4 % Zinsen seit dem 05.04.1990 zu zahlen.

**Rn. 34**

Der Beklagte beantragt,

**Rn. 35**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 36**

Der Beklagte ist der Ansicht, daß er aufgrund des Testamentes

**Rn. 37**

vom 20. April 1984 Alleinerbe seiner verstorbenen Schwester

**Rn. 38**

geworden sei. Mit dieser letztwilligen Verfügung habe die

**Rn. 39**

Verstorbene die Bestimmungen im Testament vom 02.12.1983

**Rn. 40**

widerrufen. Er bestreitet, aus der Wohnung der Verstorbenen

**Rn. 41**

16.000,00 DM genommen zu haben.

**Rn. 42**

Er hat hierzu vortragen lassen:

**Rn. 43**

- (In der Klageerwiderungsschrift vom 08.08.1990)

**Rn. 44**

Nach der Beerdigung sei er mit der Zeugin L zur

**Rn. 45**

Wohnung der verstorbenen Schwester in das Altenwohnheim

**Rn. 46**

gegangen. Frau L habe gewußt, wo das Päckchen war,

**Rn. 47**

sie habe auch gewußt, daß in der Gaderobe Geld war, was

**Rn. 48**

angeblich für sie bestimmt sei. Die Zeugin L habe

**Rn. 49**

das Geld aus der Gaderobe an sich genommen und auch noch

**Rn. 50**

das Geld aus dem Päckchen, welches sie dann dem Beklagten

**Rn. 51**

gegeben habe. In dem Päckchen sei Geld, ein Sparbuch sowie

**Rn. 52**

das Testament vom 20.04.1984 gewesen. Wieviel Geld in dem

**Rn. 53**

Päckchen gewesen war, wisse er nicht.

**Rn. 54**

- (Im Schriftsatz vom 04.10.1990)

**Rn. 55**

Frau L habe in der Wohnung der Verstorbenen nach

**Rn. 56**

dem Päckchen gesucht und es auch gefunden und danach

**Rn. 57**

dem Beklagten gegeben. In dem Päckchen sei

**Rn. 58**

das Testament, das Sparbuch sowie Geld gewesen.

**Rn. 59**

Von diesem Geld habe die Zeugin L 10.000,00 DM

**Rn. 60**

erhalt ein, soviel wie sie haben wollte. Wieviel

**Rn. 61**

Geld in dem Päckchen gewesen sei, wisse er nicht.

**Rn. 62**

- In der mündlichen Verhandlung vom 11.10.1990 hat

**Rn. 63**

der Beklagte eingeräumt, daß in dem Päckchen wohl

**Rn. 64**

16.000,00 DM gewesen sein könnten, wovon die Zeugin

**Rn. 65**

L 10.000,00 DM an sich genommen habe.

**Rn. 66**

Daß der Kläger Beerdigungskosten bezahlt habe, be-

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streitet der Beklagte.

**Rn. 68**

Wegen der weiteren Einzelheiten des Parteivortrages

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wird auf den Inhalt der gewechselten Schriftsätze ver-

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wiesen.

**Rn. 71**

Die Kammer hat Beweis erhoben durch Vernehmung der

**Rn. 72**

Zeuginnen L und I. Wegen des Ergebnisses

**Rn. 73**

der Beweisaufnahme wird auf die Niederschrift vom

**Rn. 74**

11. Oktober 1990 verwiesen.

**Rn. 75**

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e

**Rn. 76**

Die Klage ist hinsichtlich der Teilforderung von

**Rn. 77**

8.000,00 DM begründet.

**Rn. 78**

Der Kläger ist aufgrund der letztwilligen Verfügung

**Rn. 79**

vom 02.12.1983 Alleinerbe seiner Mutter. Dieses

**Rn. 80**

Testament ist wirksam und nicht durch die letztwillige

**Rn. 81**

Verfügung .vom 20. April 1984 abgeändert worden. Mit

**Rn. 82**

dieser hat die Verstorbene lediglich angeordnet, daß

**Rn. 83**

der Beklagte "alles regeln" soll, nicht aber daß er

**Rn. 84**

Teile des Nachlasses oder den Nachlaß gar insgesamt

**Rn. 85**

behalten dürfe.

**Rn. 86**

Die Kammer sieht es auch aufgrund der Aussage der Zeugin

**Rn. 87**

L als erwiesen an, daß er in der Wohnung der Ver-

**Rn. 88**

storbenen aus dem Päckchen 16.000,00 DM an sich genommen

**Rn. 89**

hat. Dies hat die Zeugin L mit aller Entschieden-

**Rn. 90**

heit bekundet. Die Kammer verkennt nicht, daß die Zeugin

**Rn. 91**

L diesen Umstand dem Kläger erst zu einem Zeitpunkt

**Rn. 92**

offengelegt hatte, als sie sich von dem Beklagten, mit

**Rn. 93**

dem sie zuvor zusammengelebt hatte, getrennt hatte und wegen

**Rn. 94**

Forderungen des Beklagten an ihren Schwiegersohn verärgert

**Rn. 95**

war. Die Zeugin L hat ausgesagt, daß sie nach dem

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Tode der Verstorbenen auf deren Weisung mit dem Beklagten

**Rn. 97**

in deren Wohnung gegangen sei, wo sie aus einer. Tasche

**Rn. 98**

eines an der Gaderobe hängenden Mantels einen Briefum-

**Rn. 99**

schlag mit 10.000,00 DM genommen habe, der für sie be-

**Rn. 100**

stimmt gewesen sei. Unter dem Bett hätten sie ein Päckchen

**Rn. 101**

gefunden, in dem sich 16.000,00 DM in 100-DM-Scheinen

**Rn. 102**

befunden hätten. Dieser Teil der Aussage deckt sich mit

**Rn. 103**

den Angaben des Beklagten in der Klageerwiderungsschrift,

**Rn. 104**

wonach die Zeugin L Geld aus der Gaderobe an sich

**Rn. 105**

genommen habe und auch noch Geld aus dem Päckchen.

**Rn. 106**

Von dem Geld in der Gaderobe ist im Schriftsatz vom

**Rn. 107**

04.10.1990 keine Rede mehr, sondern nur noch von dem

**Rn. 108**

Geld in dem Päckchen, wovon die Zeugin L

**Rn. 109**

10.000,00 DM erhalten habe. Die Kammer kann auch nicht

**Rn. 110**

glauben, daß der Beklagte nicht wußte, wieviel Geld

**Rn. 111**

insgesamt in dem Packen war. Auf entsprechende Vorhaltungen

**Rn. 112**

hat er in der mündlichen Verhandlung eingeräumt, daß

**Rn. 113**

außer den 10.000,00 DM wohl noch 5.000,00 DM bis

**Rn. 114**

6.000,00 DM im Päckchen gewesen sein können. Die

**Rn. 115**

Zeugin L ließ auch keine verdachterregende Be-

**Rn. 116**

lastungstendenzen erkennen. Im Gegenteil, sie vertrat

**Rn. 117**

mit aller Bestimmtheit die Ansicht, daß das Sparbuch

**Rn. 118**

mit einem Guthaben über 3.419,59 DM allein dem Beklagten ge-

**Rn. 119**

bührte. Die Glaubwüdigkeit der Aussage der Zeugin

**Rn. 120**

L ist auch nicht durch die Bekundung der Zeugin

**Rn. 121**

I erschüttert worden, daß ein von der Zeugin

**Rn. 122**

L auf dem 13.03.1990 datierter Anruf des Beklagten

**Rn. 123**

deswegen nicht habe erfolgen können, weil sie sich

**Rn. 124**

zu der Zeit im Sauerland aufgehalten hätten. Die

**Rn. 125**

geführten Anrufe hätte der Beklagte unschwer auch

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von dem Ferienort tätigen können.

**Rn. 127**

Die weitergehende Klage war dagegen abzuweisen. Der

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Kläger war verpflichtet, die restlichen Verbindlich-

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keiten der Verstorbenen als Erbe zu erfüllen. Der

**Rn. 130**

Beklagte hat bestritten, daß der Kläger Beerdigungs-

**Rn. 131**

kosten getragen hat. Beweis hat der Kläger nicht

**Rn. 132**

angetreten.

**Rn. 133**

Der ausgeurteilte Betrag ist mit 4 % ab dem 03.04.1990

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zu verzinsen, da der Beklagte mit Anwaltschreiben vom

**Rn. 135**

06.03.1990 unter Fristsetzung bis zum 4. April 1990

**Rn. 136**

aufgefordert worden war, den Betrag von 16.000,00 DM

**Rn. 137**

an den Kläger zu zahlen (§§ 286, 288 BGB).

**Rn. 138**

Die Kostenentscheidung beruht auf § 92 ZPO; die Ent-

**Rn. 139**

scheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit folgt

**Rn. 140**

aus § 709 ZPO.

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Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Urteil vom 11.10.1990 – 8 O 313/90, ECLI:DE:LGDO:1990:1011.8O313.90.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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