nu:legal · recht.nulegal.eu

# Landgericht Dortmund, Beschluss vom 30.08.1990 – 9 T 364/90

ECLI:DE:LGDO:1990:0830.9T364.90.00

## Tenor

Die Beschwerde wird nach einem Gegenstandswert

von 210.000,00 DM zurückgewiesen.

## Gründe

**Rn. 2**

Die Beteiligten begehren Umschreibung des Eigentums

**Rn. 3**

hinsichtlich des oben bezeichneten Wohnungseigen -

**Rn. 4**

tums auf die Beteiligten zu 2.

**Rn. 5**

Gemäß der Teilungserklärung ist für die Über-

**Rn. 6**

tragung von Wohnungseigentum die Zustimmung des

**Rn. 7**

Verwalters notwendig. Verwalterin der Wohnungs-

**Rn. 8**

eigentumsanIage ist gemäß Eigentümerbeschluß vom

**Rn. 9**

13.06.1988 die Firma T.

**Rn. 10**

Als Zustimmung haben die Beteiligten die

**Rn. 11**

notariell beglaubigte Erklärung der Frau

**Rn. 12**

I vom 16. Januar 1990 über-

**Rn. 13**

reicht sowie die beglaubigte Vollmacht der

**Rn. 14**

Firma T vom 30. August 1989,

**Rn. 15**

mit der die kaufmännische Angestellte

**Rn. 16**

I ermächtigt wird, für die

**Rn. 17**

vorgenannte Firma Veräußerungszustimmungen

**Rn. 18**

für alle Verkaufsfälle abzugeben. Bezüglich

**Rn. 19**

des genauen Inhalts wird auf die bei den Akten

**Rn. 20**

befindlichen Erklärungen Bezug genommen.

**Rn. 21**

Das Grundbuchamt - Rechtspfleger - hat den

**Rn. 22**

Beteiligten mit Verfügung vom 05.04.1990 unter

**Rn. 23**

anderem aufgegeben, die Zustimmung des Wohnungs-

**Rn. 24**

verwalters nachzureichen.

**Rn. 25**

Den Beteiligten wurde hierfür eine Frist von

**Rn. 26**

einem Monat gesetzt.

**Rn. 27**

Mit der gegen diese Verfügung eingelegten Beschwerde

**Rn. 28**

machen die Beteiligten geltend, die Übertragung der

**Rn. 29**

Verwalterrechte auf eine Angestellte der Verwalterin

**Rn. 30**

sei zulässig und deren Zustimmung zur Ver-

**Rn. 31**

äußerung ausreichend.

**Rn. 32**

Die Beschwerde ist gemäß § 71 GBO zulässig. Bei

**Rn. 33**

der Verfügung vom 15.04.1990 des Amtsgerichts

**Rn. 34**

Dortmund handelt es sich um eine Zwischenver-

**Rn. 35**

fügung im engen Sinne. In der Verfügung ist das

**Rn. 36**

der Eintragung entgegenstehende Hindernis genau

**Rn. 37**

bezeichnet. Ferner ist das Mittel zur Be-

**Rn. 38**

seitigung des Hindernisses - Einreichung der Zu-

**Rn. 39**

stimmung der Verwalterin selbst - benannt und auch

**Rn. 40**

eine Frist zur Beseitigung des Hindernisses gesetzt.

**Rn. 41**

Die Beschwerde ist unbegründet.

**Rn. 42**

Das Amtsgericht besteht zu Recht auf der Ein-

**Rn. 43**

reichung der Zustimmung seitens der Verwalterin

**Rn. 44**

selbst.

**Rn. 45**

Die Zustimmung der Frau I wäre

**Rn. 46**

nur dann ausreichend, wenn sie wirksam von der

**Rn. 47**

Verwalterin zur Zustimmungserteilung unterbevoll-

**Rn. 48**

mächtigt werden konnte.

**Rn. 49**

Dies ist nicht der Fall. Die Zustimmung gemäß

**Rn. 50**

§ 12 Abs. 1 WEG stellt eine höchstpersönliche

**Rn. 51**

Verpflichtunq des Verwalters dar. Für den Fall

**Rn. 52**

daß es sich bei dem Verwalter um eine Firma

**Rn. 53**

handelt, ist sie durch den Inhaber oder Geschäfts-

**Rn. 54**

führer zu erteilen.

**Rn. 55**

Zwar kann der Verwalter sich grundsätzlich Er-

**Rn. 56**

füllungsgehilfen bei seiner Verwaltertätigkeit

**Rn. 57**

bedienen. Er kann aber nicht seine Verwalter-

**Rn. 58**

stellung bzw. Teile dieser Verwalteraufgaben

**Rn. 59**

an dritte Personen übertragen.

**Rn. 60**

Bei der Übertragung der Zustimmung im Sinne von

**Rn. 61**

§ 12 WEG handelt es sich um die Übertragung eines

**Rn. 62**

wesentlichen Teils der Verwalteraufgaben. Die

**Rn. 63**

Zustimmung stellt nicht etwa eine bloß formelle,

**Rn. 64**

büromäßige Tätigkeit des Verwalters dar, sondern

**Rn. 65**

erfordert die Erforschung und Abwägung der

**Rn. 66**

Interessen der Wohnungseigentümer, da die Zu-

**Rn. 67**

stimmung nur in deren Interesse erteilt bzw.

**Rn. 68**

versagt werden darf.

**Rn. 69**

Solche bedeutungsvollen, treuhänderischen Aufgaben

**Rn. 70**

des Verwalters sind grundsätzlich nicht an dritte

**Rn. 71**

Personen übertragbar, sondern vom Verwalter

**Rn. 72**

selbst wahrzunehmen (vgl. zum Ganzen: W e i t n a u e r W EG,

**Rn. 73**

7. Auflage, § 26 Randziffer 20, Bay ObLG 75,327).

**Rn. 74**

Da die Erteilung von Untervollmachten durch einen

**Rn. 75**

Bevollmächtigten nur im Rahmen der ihm erteilten

**Rn. 76**

Vollmacht möglich ist und dem Vollmachtszweck nicht

**Rn. 77**

widersprechen darf, ist die VoIImachtserteilung

**Rn. 78**

im vorliegenden Falle an die Angestellte I

**Rn. 79**

durch die Verwalterin unwirksam.

**Rn. 80**

Es war deshalb wie geschehen zu entscheiden.

**Rn. 81**

Die Entscheidung über den Gegenstandswert beruht

**Rn. 82**

auf §§ 131 Abs. 2, 30 KostO.

---

Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Beschluss vom 30.08.1990 – 9 T 364/90, ECLI:DE:LGDO:1990:0830.9T364.90.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

Entscheidungstext bereitgestellt über Open Legal Data (openlegaldata.io), lizenziert unter der Open Database License (ODbL) v1.0.

Nicht-amtliche Fassung — maßgeblich ist die Ausfertigung des Gerichts

Quelle: nu:legal – recht.nulegal.eu · Aufbereitung unter CC BY 4.0 (recht.nulegal.eu/lizenz) · Ein Dienst der Nulegal GmbH

Crawlen und Zitieren sind ausdrücklich erlaubt. Vorbehalten ist allein die massenhafte Nutzung zu Trainingszwecken für KI-Systeme (§ 44b Abs. 3 UrhG); hierfür ist unsere Zustimmung erforderlich.

Source: nu:legal – recht.nulegal.eu · Curated layer under CC BY 4.0 (recht.nulegal.eu/license) · Operated by Nulegal GmbH, Potsdam.

Crawling and citation are permitted. Only bulk use for AI training is reserved (Section 44b(3) UrhG) and requires our consent.

Dieses Dokument: https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-dortmund/1990-08-30/9-t-364-90

---

nu:legal · recht.nulegal.eu · Nicht-amtliche Fassung. Maßgeblich ist die Fassung des Gerichts.
