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# Landgericht Dortmund, Urteil vom 25.01.1990 – 15 S 322/89

ECLI:DE:LGDO:1990:0125.15S322.89.00

## Tenor

Auf die Berufung des Klägers wird das Urteil

des Amtsgerichts Dortmund vom 17.8.1989

- unter Zurückweisung der weitergehenden Berufung -

wie folgt abgeändert:

Die Beklagte wird verurteilt, an den Kläger

638,00 DM ( i. W.: sechshundertachtunddreißig

Deutsche Mark) nebst 4 % Zinsen seit 31.1.1989

zu zahlen.

Im übrigen bleibt die Klage abgewiesen.

Von den Kosten des Rechtsstreits tragen die

Beklagte 87 % und der Kläger 13 %.

Von der Darstellung des Tatbestandes wird gemäß § 543

Abs. 1 ZPO abgesehen.

## Entscheidungsgründe

**Rn. 2**

Die zulässige Berufung des Klägers hat in der Sache in Höhe

**Rn. 3**

von 638,00 DM Erfolg.

**Rn. 4**

Der Kläger hat einen fälligen Anspruch gegen die Beklagte

**Rn. 5**

auf Ersatz seines Nutzungsausfallschadens für die Zeit

**Rn. 6**

vom 09. bis 19.12.1988, in welcher sein Fahrzeug unstreitig

**Rn. 7**

in der Werkstatt der Firma N war (11 Tage) zu je

**Rn. 8**

58,00 DM täglich. Der Anspruch des Klägers war spätestens

**Rn. 9**

zu dem Zeitpunkt fällig geworden, als der Kläger der Be-

**Rn. 10**

klagten anhand der Bescheinigung der Firma N die

**Rn. 11**

reparaturbedingte Ausfallzeit von 11 Tagen mitgeteilt

**Rn. 12**

hatte. Für den vom Kläger gefahrenen Pkw Audi 80, 1,8 l

**Rn. 13**

Hubraum, 66 kw = 90 PS sieht die Tabelle Sanden-Danner

**Rn. 14**

(Stand 01.09.1987) gemäß Gruppe E einen Nutzungswert von

**Rn. 15**

58,00 DM täglich vor. Auch der eigene Sachverständige hatte

**Rn. 16**

das Fahrzeug in diese Gruppe eingeordnet. Zubehör ist nicht

**Rn. 17**

geeignet, das Fahrzeug in eine höhere Gruppe einzuordnen.

**Rn. 18**

Der Kläger hat daher nur einen Anspruch in Höhe von

**Rn. 19**

638,00 DM.

**Rn. 20**

Der Beklagten steht dem gegenüber kein Zurückbehaltungsrecht

**Rn. 21**

gemäß § 273 Abs. 1 BGB zu. Sie hat keinen fälligen Gegen-

**Rn. 22**

anspruch gegen den Kläger auf Vorlage der oder einer Re-

**Rn. 23**

paraturkostenrechnung. Ob die Beklagte einen solchen Gegen-

**Rn. 24**

anspruch überhaupt haben kann, kann dahinstehen. Die Be-

**Rn. 25**

klagte begehrt die Vorlage der Rechnung nur zu dem Zweck,

**Rn. 26**

prüfen zu können, ob die von ihr gezahlten Reparaturkosten

**Rn. 27**

[gemäß dem ihr vorgelegten Gutachten höher sind als die

**Rn. 28**

tatsächlich infolge der Reparatur verauslagten Kosten;

**Rn. 29**

sie meint in diesem Falle einen Rückzahlungsanspruch gegen

**Rn. 30**

den Kläger zu haben, mit dem sie dann eventuell gegenüber

**Rn. 31**

dem Nutzungsentschädigungsanspruch aufrechnen will.

**Rn. 32**

Einen möglichen Rückzahlungsanspruch (§ 812 Abs. 1 Satz 1 BGB)

**Rn. 33**

hat die Beklagte jedoch nicht dargelegt. Denn sie hat die

**Rn. 34**

geschätzten Reparaturkosten gemäß Gutachten, ohne irgend-

**Rn. 35**

einen konkreten Einwand dagegen erhoben zu haben, vorbe-

**Rn. 36**

haltlos gezahlt. Dem Vortrag des Klägers, die Beklagte habe

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die Richtigkeit der im Gutachten ausgewiesenen Schäden bzw.

**Rn. 38**

deren wertmäßige Erfassung vor der Zahlung überprüft, hat

**Rn. 39**

die Beklagte nicht widersprochen. Ein Rückforderungsanspruch

**Rn. 40**

trotz Zahlung ohne Vorbehalt ist daher nicht ersichtlich,

**Rn. 41**

so daß auch kein diesen Anspruch vorbereitender Anspruch

**Rn. 42**

auf Vorlage der Reparaturrechnung, sollte überhaupt eine

**Rn. 43**

solche Rechnung existieren, besteht. Nachdem die Beklagte

**Rn. 44**

diese Schadensposition (Reparaturkosten gemäß Gutachten)

**Rn. 45**

anstandslos vorgerichtlich beglich, stellt sich im vor-

**Rn. 46**

liegenden Falle im nachhinein nicht mehr Frage, ob der Kläger be-

**Rn. 47**

rechtigt war, die Reparaturkosten auf Gutachtenbasis trotz

**Rn. 48**

durchgeführter Reparatur abzurechnen, oder ob er nur auf

**Rn. 49**

der Basis der tatsächlich verauslagten Reparaturkosten

**Rn. 50**

abrechnen konnte. Gegen die Ansicht der Beklagten, der

**Rn. 51**

Kläger müsse nach durchgeführter Reparatur auf der Basis

**Rn. 52**

der tatsächlich gezahlten Reparaturkosten abrechnen und

**Rn. 53**

daher die Rechnung vorlegen, ist die erst in jüngster Zeit

**Rn. 54**

veröffentlichte Entscheidung des Bundesgerichtshofs (NJW

**Rn. 55**

1989, 3009 = NZV 89, 465) anzuführen, wonach der Ge-

**Rn. 56**

schädigte gemäß § 249 Satz 2 BGB den zur Herstellung er-

**Rn. 57**

forderlichen Geldbetrag für eine von ihm selbst veranlaßte

**Rn. 58**

Reparatur verlangen kann. Für das, was zur Schadensbe-

**Rn. 59**

seitigung nach § 249 Satz 2 BGB erforderlich ist, ist

**Rn. 60**

ein objektivierender, nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten

**Rn. 61**

typisierender Maßstab anzulegen. Dafür kann das Schätzungs-

**Rn. 62**

gutachten eines anerkannten Sachverständigen über die Höhe

**Rn. 63**

der voraussichtlichen Reparaturkosten für das Gericht eine

**Rn. 64**

sachgerechte Grundlage sein, sofern das Gutachten hin-

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reichend ausführlich ist und das Bemühen erkennen läßt,

**Rn. 66**

den konkreten Schadensfall vom Standpunkt eines wirt-

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schaftlich denkenden Betrachters gerecht zu werden (BGH

**Rn. 68**

a.a.O.). Das Schätzungsgutachten legt zwar den zu be-

**Rn. 69**

anspruchenden Schadensersatz für die Reparatur nicht

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bindend fest; auch kann die Reparaturrechnung zu einer

**Rn. 71**

genaueren Bemessung des nach § 249 Satz 2 BGB geschuldeten

**Rn. 72**

Ersatzbetrages führen. Das Schätzungsgutachten ist aber

**Rn. 73**

dann eine ausreichende Grundlage für die Frage, welcher

**Rn. 74**

Betrag zur Schadensbeseitigung erforderlich ist, wenn die

**Rn. 75**

Versicherung keine substantiierten Einwendungen gegen das

**Rn. 76**

Schätzungsgutachten des Sachverständigen vorbringt. Das

**Rn. 77**

vom Kläger eingeholte Schätzungsgutachten wäre daher eine

**Rn. 78**

ausreichende Grundlage zur Bewertung des Fahrzeugschadens

**Rn. 79**

gewesen; denn Einwendungen hiergegen hat die Beklagte bis

**Rn. 80**

heute nicht vorgebracht.

**Rn. 81**

Die Nebenentscheidungen beruhen auf §§ 288, 284 BGB;

**Rn. 82**

92 Abs. 1 ZPO.

**Rn. 83**

Gegenstandswert: 737,00 DM

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Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Urteil vom 25.01.1990 – 15 S 322/89, ECLI:DE:LGDO:1990:0125.15S322.89.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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