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# Landgericht Dortmund, Urteil vom 14.07.1987 – 8 O 115/87

ECLI:DE:LGDO:1987:0714.8O115.87.00

## Tenor

Die Beklagte wird verurteilt, unter

Androhung eines Ordnungsgeldes in Höhe

von 50.000,00 DM für jeden Fall des

Zuwiderhandelns die Verwendung folgender

und diesen inhaltsgleichen Klauseln in

Allgemeinen Geschäftsbedingungen,

ausgenommen gegenüber einem Kaufmann im

Rahmen seines Handelsgewerbes zu

Unterlassen:

In Bezug auf: Heimverträge

1) Das Entgelt ändert sich durch

vorübergehende Abwesenheit des Heim-

bewohners nicht;

2) ...

3) Die Heimordnung in der jeweils

gültigen Fassung ist Bestandteil dieses

Heimvertrages.

4) Das Heim übernimmt eine Haftung gem.

§ 690 BGB für eingebrachte Wert- und

Sohmuckgegenstände sowie Geldbeträge nur

Insoweit, als diese der Verwaltung gegen

Quittung zur Aufbewahrung ausgehändigt

werden.

5) Für Schäden, die der Heimbewohner,

seine Gäste und von ihm beauftragte

Personen in und am Heim verursachen, ist

Schadensersatz zu leisten.

6) Dieser Vertrag kann beiderseits

jeweils 4-wöchentlich zum Monatsende

gekündigt werden.

7) Das berührt nicht die Pflegesätze,

die täglich kündbar sind und u.U.

rückwirkend erhöht werden können.

8) Dieser Vertrag kann vom Heim ohne

Einhaltung einer Frist gekündigt werden,

wenn der Heimbewohner mit der Zahlung

von Pflegekosten für zwei aufein-

anderfolgende Termine in Höhe eines

monatlichen Pflegesatzes in Verzug ist.

Im übrigen wird die Klage abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits werden zu

7/8 der Beklagten und zu 1/8 dem Kläger

auferlegt.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar,

für den Kläger jedoch nur gegen

Sicherheitsleistung von 2.300,00 DM.

Dem Kläger wird nachgelassen, die

Vollstreckung der Beklagten gegen

Sicherheitsleistung von 330,00 DM

abzuwenden, falls nicht die Beklagte

zuvor in gleicher Höhe Sicherheit

leistet.

## Tatbestand

**Rn. 2**

Der Kläger verfolgt unter Ausschluß eines wirtschaftlichen

**Rn. 3**

Geschäftsbetriebes den Zweck, die Interessen der Verbraucher

**Rn. 4**

durch Aufklärung und Beratung wahrzunehmen und zu fördern. Er

**Rn. 5**

geht insbesondere gerichtlich und außergerichtlich gegen für

**Rn. 6**

unzulässig gehaltene Allgemeine Geschäftsbedingungen vor, die

**Rn. 7**

im Geschäftsverkehr gegenüber Nichtkaufleuten verwendet und

**Rn. 8**

empfohlen werden. Die Beklagte betreibt unter anderem als

**Rn. 9**

Trägerin das Seniorenzentrum "H". Im Rahmen des

**Rn. 10**

zwischen der Beklagten und dem jeweiligen Heimbewohner

**Rn. 11**

geschlossenen Heimvertrages verwendet die Beklagte Klauseln,

**Rn. 12**

die nach Meinung des Klägers mit dem Gesetz zur Regelung der

**Rn. 13**

Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBG) nicht In Über-

**Rn. 14**

einstimmung stehen. Sie beanstandet insbesondere die In den

**Rn. 15**

Klageanträgen zu Ziff. 1) bis 8) ersichtlichen Klauseln.

**Rn. 16**

Unter Angabe der Gründe im einzelnen mahnte der Kläger die

**Rn. 17**

Beklagte mit Schreiben vom 16.12.1986 ab und forderte sie zur

**Rn. 18**

Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung auf.

**Rn. 19**

Dieses Ansinnen wurde von der Beklagten unter Hervorhebung

**Rn. 20**

der Rechtsgültigkeit der beanstandeten Klauseln zurück-

**Rn. 21**

gewiesen. Der Kläger meint, die beanstandeten Klauseln

**Rn. 22**

verstießen insgesamt gegen § 9 Abs. 1 in Verbindung mit Abs.

**Rn. 23**

2 Nr. 1 AGBG, § 242 BGB sowie mit Vorschriften des Heim-

**Rn. 24**

gesetzes.

**Rn. 25**

Der Kläger beantragt,

**Rn. 26**

die Beklagte zu verurteilen, unter

**Rn. 27**

Androhung eines Ordnungsgeldes In Höhe

**Rn. 28**

von 50.000,00 DM für jeden Fall des

**Rn. 29**

Zuwiderhandelns die Verwendung folgender

**Rn. 30**

und diesen inhaltsgleichen Klauseln in

**Rn. 31**

Allgemeinen Geschäftsbedingungen,

**Rn. 32**

ausgenommen gegenüber einem Kaufmann im

**Rn. 33**

Rahmen seines Handelsgewerbes, zu

**Rn. 34**

unterlassen:

**Rn. 35**

In Bezug auf: Heimverträge

**Rn. 36**

1) Das Entgelt ändert sich durch

**Rn. 37**

vorübergehende Abwesenheit des Heim-

**Rn. 38**

bewohners nicht;

**Rn. 39**

2) im übrigen sind Leistungen des Heimes

**Rn. 40**

innerhalb einer Woche nach Rechnungs-

**Rn. 41**

legung zu zahlen.

**Rn. 42**

3) Die Heimordnung in der jeweils

**Rn. 43**

gültigen Fassung ist Bestandteil dieses

**Rn. 44**

Heimvertrages.

**Rn. 45**

4) Das Heim übernimmt eine Haftung gem.

**Rn. 46**

§ 690 BGB für eingebrachte Wert- und

**Rn. 47**

Schmuckgegenstände sowie Geldbeträge nur

**Rn. 48**

insoweit, als diese der Verwaltung gegen

**Rn. 49**

Quittung zur Aufbewahrung ausgehändigt

**Rn. 50**

werden.

**Rn. 51**

5) Für Schäden, die der Heimbewohner,

**Rn. 52**

seine Gäste und von ihm beauftragte

**Rn. 53**

Personen in und am Heim verursachen, ist

**Rn. 54**

Schadensersatz zu leisten.

**Rn. 55**

6) Dieser Vertrag kann beiderseits

**Rn. 56**

jeweils 4-wöchentlich zum Monatsende

**Rn. 57**

gekündigt werden.

**Rn. 58**

7) Das berührt nicht die Pflegesätze,

**Rn. 59**

die täglich kündbar sind und u.U.

**Rn. 60**

rückwirkend erhöht werden können.

**Rn. 61**

8) Dieser Vertrag kann vom Heim ohne

**Rn. 62**

Einhaltung einer Frist gekündigt werden,

**Rn. 63**

wenn der Helmbewohner mit der Zahlung

**Rn. 64**

von Pflegekosten für 2 aufeinander-

**Rn. 65**

folgende Termine in Höhe eines monat-

**Rn. 66**

lichen Pflegesatzes in Verzug ist.

**Rn. 67**

Die Beklagte beantragt,

**Rn. 68**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 69**

Sie verteidigt die beanstandeten Klauseln und hält sie nach

**Rn. 70**

wie vor für rechtmäßig. Sie erhebt darüber hinaus die Einrede

**Rn. 71**

der Verjährung und trägt hierzu vor, die beanstandeten

**Rn. 72**

Klauseln fänden seit 1977 Verwendung.

**Rn. 73**

Wegen des weiteren Parteivorbringens wird auf den vor-

**Rn. 74**

getragenen Inhalt der gewechselten Schriftsätze nebst ihrer

**Rn. 75**

Anlagen Bezug genommen.

## Entscheidungsgründe

**Rn. 77**

Die Klage ist im wesentlichen begründet.

**Rn. 78**

Die Klagebefugnis des Klägers folgt aus § 13 Abs. 1 und 2 Nr.

**Rn. 79**

1 AGBG. Die tatsächlichen Voraussetzungen dieser Vorschrift

**Rn. 80**

sind unbestritten und gerichtsbekannt.

**Rn. 81**

Die von dem Kläger beanstandeten Klauseln zu 1) sowie 3) bis

**Rn. 82**

8) benachteiligen die Vertragspartner der Beklagten entgegen

**Rn. 83**

den Geboten von Treu und Glauben unangemessen (§ 9 Abs. 1

**Rn. 84**

AGBG).

**Rn. 85**

1) Die Klausel Nr. 1) verstößt gegen § 9 Abs. 1 AGBG in

**Rn. 86**

Verbindung mit § 242 BGB und § 2 Abs. 1 Nr. 4 Heimgesetz.

**Rn. 87**

Nach der zuletzt genannten Vorschrift darf in Heimverträgen

**Rn. 88**

durch den Träger nur eine angemessene Vergütung verlangt

**Rn. 89**

werden. Werden nicht erbrachte Leistungen berechnet, liegt in

**Rn. 90**

jedem Falle eine unangemessene Vergütung vor, weil hierfür

**Rn. 91**

eine Gegenleistung fehlt. Die Klausel 1) läßt nicht erkennen,

**Rn. 92**

welche Dauer einer "vorübergehenden" Abwesenheit die Zahlung

**Rn. 93**

des vollen Entgeltes noch erfordern soll. Die Bestimmung kann

**Rn. 94**

daher im Sinne einer verbraucherfeindlichen Auslegung so

**Rn. 95**

verstanden werden, daß auch noch Abwesenheitszeiten von mehr

**Rn. 96**

als 1 Monat (z.B. Krankenhausaufenthalte) als vorübergehende

**Rn. 97**

Abwesenheit zu werten ist, für die das volle Entgelt zu

**Rn. 98**

zahlen ist, obwohl die in dem Entgelt enthaltenen Pflege-

**Rn. 99**

kostenanteile sowie die Anteile für die Verpflegung nicht

**Rn. 100**

verbraucht werden.

**Rn. 101**

Auch die von der Beklagten vorgetragene Ergänzung des

**Rn. 102**

Heimvertrages vom 1.4.1979, in der eine abgestufte Regelung

**Rn. 103**

für die Erhebung der Pflegesätze in Abwesenheit der Heim-

**Rn. 104**

bewohner getroffen ist, kommt es nicht an; denn die Beklagte

**Rn. 105**

hat nicht vorgetragen, daß aufgrund dieser Ergänzung die

**Rn. 106**

beanstandete Klausel nicht mehr Verwendung findet. Es ist

**Rn. 107**

nicht ausgeschlossen, daß trotz der Ergänzung lediglich der

**Rn. 108**

"seit 1977 unveränderte " Vertragstext verwendet wird. Im

**Rn. 109**

übrigen wird die Unzulässigkeit der beanstandeten Klausel

**Rn. 110**

durch die in § 7 der Ergänzung getroffenen Regeln nicht

**Rn. 111**

ausgeschlossen; denn dort ist vorgesehen, daß ein ermäßigter

**Rn. 112**

Pflegesatz nur für höchsten 28 Tage im Kalenderjahr gewährt

**Rn. 113**

wird, so daß für längere Abwesenheiten in jedem Fall un-

**Rn. 114**

zulässigerweise das volle Pflegegeld verlangt werden kann.

**Rn. 115**

2) Die Klausel 2) ist indes entgegen der Meinung des Klägers

**Rn. 116**

nicht zu beanstanden. Die Kammer versteht die Regelung, daß

**Rn. 117**

Leistungen des Heimes innerhalb einer Woche nach Rechnungs-

**Rn. 118**

legung zu bezahlen sind, so, daß damit nur bereits er-

**Rn. 119**

brachte Leistungen gemeint sind. Der Wortlaut der

**Rn. 120**

beanstandeten Regelung erfaßt nicht etwa auch zukünftige

**Rn. 121**

Leistungen, da hierüber üblicherweise eine Rechnungslegung

**Rn. 122**

nicht vorab zu erfolgen pflegt. Die so verstandene Klausel 2)

**Rn. 123**

ist nicht zu beanstanden, da sie über die gesetzliche

**Rn. 124**

Regelung des § 271 Abs. 1 BGB zugunsten der Heimbewohner

**Rn. 125**

hinausgeht. Nach § 271 Abs. 1 BGB sind nämlich Forderungen

**Rn. 126**

sofort fällig. Demgegenüber hat die Beklagte eine Zahlungs-

**Rn. 127**

frist von 1 Woche eingeräumt. Das berücksichtigt die Inter-

**Rn. 128**

essen der Heimbewohner in ausreichender Form. Ein Verzugs-

**Rn. 129**

eintritt im Sinne des § 284 Abs. 1 oder 2 BGB ist mit dem

**Rn. 130**

Ablauf der Wochenfrist nicht verbunden, da die Zahlungsfrist

**Rn. 131**

nicht kalendermäßig bestimmt ist. Wegen der Klausel 2) war

**Rn. 132**

die Klage daher abzuweisen.

**Rn. 133**

3) Die Klausel 3) verstößt gegen §§ 9 Abs. 1 und Abs. 2 Satz

**Rn. 134**

1 AGBG in Verbindung mit §§ 145 ff. BGB. Die beanstandete

**Rn. 135**

Klausel ermöglicht es der Beklagten nach Abschluß des

**Rn. 136**

Vertrages, die Heimordnung und die durch sie begründeten

**Rn. 137**

Nebenpflichten der Heimbewohner einseitig zum Nachteil der

**Rn. 138**

Heimbewohner zu ändern. Nach den gesetzlichen Bestimmungen

**Rn. 139**

bedarf eine Veränderung der vertraglichen Pflichten eines

**Rn. 140**

Änderungsvertrages, an dem beide Vertragsparteien beteiligt

**Rn. 141**

werden. Eine einseitige Änderung des Vertragsinhaltes durch

**Rn. 142**

eine Vertragspartei widerspricht dem Leitbild der

**Rn. 143**

gesetzlichen Regelung des Vertrages und führt daher zu einer

**Rn. 144**

unbilligen Benachteiligung der Heimbewohner.

**Rn. 145**

4) Die Klausel Nr. 4) läßt eine Haftungsfreizeichnung der

**Rn. 146**

Beklagten und ihrer Bediensteten auch in Fällen des vor-

**Rn. 147**

sätzlichen und grob fahrlässigen Verhaltens zu, wenn die in

**Rn. 148**

Verwahrung genommenen Wert- und Schmuckgegenstände sowie

**Rn. 149**

Geldbeträge nicht gegen Quittung zur Aufbewahrung gegeben

**Rn. 150**

wurden. Hierin liegt ein grober Verstoß gegen die Vorschrift

**Rn. 151**

des § 11 Nr. 7 AGBG; denn ein Haftungsausschluß wegen Vorsatz

**Rn. 152**

und grober Fahrlässigkeit ist unzulässig. Entgegen der

**Rn. 153**

Auffassung der Beklagten stellt die beanstandete Klausel

**Rn. 154**

nicht lediglich eine Wiederholung der in § 690 BGB vor-

**Rn. 155**

gesehenen Regelung dar; denn über diese Vorschrift hinaus

**Rn. 156**

will die Beklagte überhaupt nicht haften in den Fällen, in

**Rn. 157**

denen -aus welchen Gründen auch immer-Heimbewohner Geld,

**Rn. 158**

Wert- und Schmuckgegenstände an Bedienstete der Beklagte zur

**Rn. 159**

Aufbewahrung übergeben, ohne sich eine Quittung aushändigen

**Rn. 160**

zu lassen.

**Rn. 161**

5) Die Klausel Nr. 5) verstößt gegen § 9 Abs. 1 in Verbindung

**Rn. 162**

mit Abs. 2 Nr. 1 AGBG, § 276 BGB. Zutreffend legt der Kläger

**Rn. 163**

diese Bestimmung dahin aus, daß mit der beanstandeten Klausel

**Rn. 164**

eine verschuldensunabhängige Schadensersatzverpflichtung des

**Rn. 165**

Heimbewohners festgeschrieben wird. Die Klausel stellt somit

**Rn. 166**

eine Gefährdungshaftung des Altenheimbewohners für sich,

**Rn. 167**

seine Gäste und von ihm beauftragte Personen dar. Darin liegt

**Rn. 168**

eine unangemessene Benachteiligung der Heimbewohner; denn

**Rn. 169**

eine verschuldensunabhängige Haftung widerspricht der

**Rn. 170**

grundlegenden gesetzlichen Werbung des § 276 BGB. Ge-

**Rn. 171**

fährdungstatbestände sind nur zulässig, wenn sie eigens durch

**Rn. 172**

Gesetz begründet werden. Ein solcher Fall ist hier nicht

**Rn. 173**

gegeben. Unzutreffend ist der Hinweis der Beklagten, die

**Rn. 174**

Klausel betreffe nicht in jedem Falle die Heimbewohner; denn

**Rn. 175**

als Gegenstand einer vertraglichen Regelung zwischen dem

**Rn. 176**

Heimbewohner und der Beklagten kann diese Norm auf dritte

**Rn. 177**

Personen nicht angewendet werden; dem Gesetz ist nämlich ein

**Rn. 178**

Vertrag zu Lasten dritter Personen fremd.

**Rn. 179**

6) Die Klausel Nr. 6) verstößt gegen § 9 Abs. 1 in Verbindung

**Rn. 180**

mit Abs. 2 Nr. 1 AGBG, §§ 565 und 556 a BGB.

**Rn. 181**

Nach Auffassung der Kammer sind die Kündigungsschutz-

**Rn. 182**

bestimmungen für Wohnraummietverhältnisse auf die vor-

**Rn. 183**

liegenden Heimverträge zumindest subsidiär anzuwenden. Der

**Rn. 184**

Heimvertrag Ist ein sogenannter gemischter Vertrag, der im

**Rn. 185**

wesentlichen dienstvertragliche (Pflege und Versorgung) wie

**Rn. 186**

mietvertragliche (Bereitstellung von Wohnraum) enthält. Die

**Rn. 187**

sich daraus ergebenden Rechtsfolgen sind in Literatur und

**Rn. 188**

Rechtsprechung umstritten und auf den Einzelfall abgestellt

**Rn. 189**

(vgl. OLG Köln NJW 1980, Seite 1395, insbesondere Seite 1396;

**Rn. 190**

Ulmer-Brandner-Hensen, AGBG, 4. Aufl., Köln 1982, Anhang zu §

**Rn. 191**

9 bis 11, Rd-Nr. 63; Darlem-Giese, Heimgesetz, Köln-

**Rn. 192**

Berlin-Bonn-München, § 4 Rd-Nr. 9.2). Bei der in dem vor-

**Rn. 193**

liegenden Verbandsklageverfahren gem. § 13 AGBG gebotenen

**Rn. 194**

generalisierend-abstrakten Betrachtungsweise ist von der

**Rn. 195**

verbraucherfeindlichsten Auslegung auszugehen. Auch aus

**Rn. 196**

dieser Sicht müssen die Geschäftsbedingungen noch mit den

**Rn. 197**

wesentlichen gesetzlichen Regelungen im Einklang stehen. Das

**Rn. 198**

ist vorliegend nicht der Fall. Es ist Im Einzelfall nämlich

**Rn. 199**

durchaus lebensnah, worauf der Kläger in der Klageschrift

**Rn. 200**

hinweist, daß Altenheimbewohner ihren Lebensmittelpunkt In

**Rn. 201**

das Heim verlegen, und somit im wesentlichen Wert auf die

**Rn. 202**

Bereitstellung des Wohnraumes legen, während dienstver-

**Rn. 203**

tragliche Leistungen des Heimträgers demgegenüber zurück-

**Rn. 204**

treten können. Für diese Fälle müssen die Schutzbestimmungen

**Rn. 205**

der §§ 565 und 556 a BGB beachtet werden, nach denen sich die

**Rn. 206**

Kündigungsmöglichkeiten für Wohnraum mit der Dauer der

**Rn. 207**

Verträge verlängern. Nach der beanstandeten Klausel will die

**Rn. 208**

Beklagte unabhängig von der Dauer des Vertrages und den

**Rn. 209**

Besonderheiten des Einzelfalles mit einer Frist von nur 1

**Rn. 210**

Monat die Verträge beenden. Dabei werden die schutzwürdigen

**Rn. 211**

Interessen der Heimbewohner völlig außer acht gelassen.

**Rn. 212**

Darin liegt eine unangemessene Benachteiligung.

**Rn. 213**

7) Die Klausel Nr. 7) ermöglicht der Beklagten, die

**Rn. 214**

Pflegesätze täglich zu kündigen und rückwirkend zu erhöhen.

**Rn. 215**

Dies verstößt gegen § 9 Abs. 1, Abs. 2 Nr. 1 AGBG in Ver-

**Rn. 216**

bindung mit § 242 BGB. Die Regelung stellt eine unzulässige

**Rn. 217**

Preiserhöhungsklausel dar; denn sie begrenzt die Möglichkeit

**Rn. 218**

der Pflegesatzerhöhung in keiner Weise. Die Beklagte kann

**Rn. 219**

nach dem Wortlaut der beanstandeten Klausel vielmehr täglich

**Rn. 220**

den Pflegesatz ggf. um ein Mehrfaches erhöhen. Auf eine

**Rn. 221**

solche Preisgestaltung kann ein Heimbewohner sich nicht

**Rn. 222**

einrichten. Auch der in diesem Zusammenhang von der Beklagten

**Rn. 223**

vorgetragene Hinweis auf die Ergänzung des Heimvertrages vom

**Rn. 224**

1.4.1979 schließt eine unangemessene Benachteiligung der

**Rn. 225**

Heimbewohner nicht aus; denn es ist nicht ausgeschlossen, daß

**Rn. 226**

der Ursprungsvertrag in der ungeänderten Fassung gleichwohl

**Rn. 227**

Verwendung findet.

**Rn. 228**

8) Die Klausel Nr. 8) Ist ersichtlich an die Bestimmungen des

**Rn. 229**

§ 554 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 2 BGB angelehnt. Wie bereits oben

**Rn. 230**

ausgeführt., sind auf den vorliegenden Fall jedenfalls

**Rn. 231**

subsidiär die mietvertraglichen Bestimmungen anzuwenden. Die

**Rn. 232**

beanstandete Klausel weicht in unzulässiger Weise von den

**Rn. 233**

Bestimmungen des § 554 Abs. 1 Satz 2 BGB ab. Dem Heimbewohnern

**Rn. 234**

wird nämlich nicht die Möglichkeit eröffnet, die einmal

**Rn. 235**

gegebene Kündigungsmöglichkeit dadurch auszuschließen, daß er

**Rn. 236**

die rückständigen Beträge zahlt oder eine öffentliche Stelle

**Rn. 237**

sich zu der Befriedigung der Beklagten bereiterklärt. Da

**Rn. 238**

erfahrungsgemäß die Pflegeheimkosten von den Bewohnern In

**Rn. 239**

einer Vielzahl von Fällen nicht selbst aufgebracht werden

**Rn. 240**

können, besteht grundsätzlich die Möglichkeit, daß die

**Rn. 241**

erforderlichen Kosten aus Mitteln der Sozialhilfe zur

**Rn. 242**

Verfügung gestellt werden. Wegen dieser grundsätzlichen

**Rn. 243**

Möglichkeit stellt es eine unangemessene Benachteiligung der

**Rn. 244**

Bewohner dar, wenn trotz der Befriedigungsmöglichkeit wegen

**Rn. 245**

der rückständigen Beträge die wegen Zahlungsrückständen

**Rn. 246**

entstandene Kündigungsmöglichkeit der Beklagten nicht

**Rn. 247**

beseitigt werden kann.

**Rn. 248**

Zusammenfassend kann daher der Kläger von der Beklagten die

**Rn. 249**

Unterlassung der Klauseln 1), 3) bis 8) begehren.

**Rn. 250**

Der Anspruch des Klägers ist entgegen der Meinung der

**Rn. 251**

Beklagten nicht verjährt. Die in § 13 Abs. 4 AGBG

**Rn. 252**

normierten 2-Jahres- bzw. 4-Jahres-Verjährungsfristen

**Rn. 253**

beginnen jeweils mit der Verwendung der beanstandeten

**Rn. 254**

Klauseln. Werden wie im vorliegenden Fall jedoch die be-

**Rn. 255**

anstandeten Klauseln regelmäßig erneut verwendet, erneuert

**Rn. 256**

sich der Anspruch fortlaufend, so daß die Verjährungsfrist

**Rn. 257**

mit dem Abschluß weiterer Heimverträge jeweils neu beginnt

**Rn. 258**

(vgl. Palandt-Heinrichs, Anm. 5 zu §13 AGBG m.w.N.). Da die

**Rn. 259**

Beklagte unstreitig auch heute noch die beanstandeten

**Rn. 260**

Klauseln ihren Heimverträgen zugrundelegt und sie auch In

**Rn. 261**

Zukunft verwenden will, ist daher die Einrede der Verjährung

**Rn. 262**

unbegründet.

**Rn. 263**

Die Kostenentscheidung folgt aus § 92 ZPO. Die Entscheidung

**Rn. 264**

über die vorläufige Vollstreckbarkeit folgt aus §§ 708 Nr.

**Rn. 265**

11, 709 und 711 ZPO.

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Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Urteil vom 14.07.1987 – 8 O 115/87, ECLI:DE:LGDO:1987:0714.8O115.87.00

Quelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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Nicht-amtliche Fassung — maßgeblich ist die Ausfertigung des Gerichts

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