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# Landgericht Dortmund, Urteil vom 04.06.1987 – 8 O 114/87

ECLI:DE:LGDO:1987:0604.8O114.87.00

## Tenor

Die Beklagte wird verurteilt, bei Androhung eines

Ordnungsgeldes In Höhe von bis zu 50.000,-- DM für

jeden Fall des Zuwiderhandelns die Verwendung folgen-

der und diesen inhaltsgleichen Klauseln in allgemeinen

Geschäftsbedingungen, ausgenommen gegenüber einem

Kaufmann im Rahmen seines Handelsgewerbes zu unter-

lassen:

"1. Der Heimträger kann ohne Einhaltung einer Kündi-

gungsfrist aus einem wichtigem Grund kündigen,

insbesondere

1. wenn der Gesundheitszustand des Heimbewohners

sich nach ärztlichem Zeugnis so verändert, daß

eine sachgerechte Versorgung im Heim nicht mehr

möglich ist;

2. Der Heimträger kann ohne Einhaltung einer Kündi-

gungsfrist aus einem wichtigen Grund kündigen,

insbesondere

2. wenn der Heimbewohner mit der Zahlung des

Pflegesatzes für aufeinanderfolgende

Termine in Höhe des monatlichen Pflegesatzes in

Verzug ist oder in einem Zeitraum, der sich über

mehr als zwei Termine erstreckt, mit der

Entrichtung des Pflegesatzes in Höhe eines

Betrages in Verzug gekommen ist, der den

Pflegesatz für zwei Monate erreicht;

3. Der Heimträger kann ohne Einhaltung einer Kündi-

gungsfrist aus einem wichtigen Grund kündigen,

insbesondere

3. wenn der Heimbewohner seine Verpflichtung aus §8

Satz 3 nicht erfüllt: welcher lautet: "Der

Heimbewohner verpflichtet sich bereits jetzt,

dieses Angebot anzunehmen, wenn es den vor-

stehenden Voraussetzungen entspricht. "

4, Der Heimträger kann ohne Einhaltung einer Kündi-

gungsfrist aus einem wichtigen Grund kündigen,

insbesondere

4. wenn ihm infolge des Verhaltens des Heimbe-

wohners die Fortsetzung des Vertrages nicht mehr

zugemutet werden kann;

5. Beruht die fristlose Kündigung des Vertrages auf

einem Verschulden des Heimbewohners und kann dem

Heimträger die Fortsetzung des Vertrages bis zu

einer Neubesetzung des Heimplatzes nicht zugemutet

werden, so haftet der Heimbewohner für den etwaigen

Ausfall des Pflegesatzes bis zu einem Monat.

6. Die Heimordnung in der jeweils gültigen Fassung ist

Bestandteil dieses Vertrages.“

Die Kosten des Rechtsstreits werden der Beklagten

auferlegt.

Das Urteil Ist vorläufig vollstreckbar gegen Sicher-

heitsleistung in Höhe von 2.200,—- DM.

**Rn. 1**

T a t b e s t a n d

**Rn. 2**

Der Kläger verfolgt unter Ausschluß eines wirtschaftlichen

**Rn. 3**

Geschäftsbetriebes den Zweck, die Interessen der Verbraucher

**Rn. 4**

durch Aufklärung und Beratung wahrzunehmen und zu fördern. Er

**Rn. 5**

geht insbesondere gerichtlich und außergerichtlich gegen für

**Rn. 6**

unzulässig gehaltene allgemeine Geschäftsbedingungen vor, die

**Rn. 7**

im Geschäftsverkehr gegenüber Nichtkaufleuten verwendet und

**Rn. 8**

empfohlen werden.

**Rn. 9**

Die Beklagte betreibt ein Altenheim, in das namentlich

**Rn. 10**

volljährige behinderte aber geschäftsfähige Personen aufge-

**Rn. 11**

nommen werden. Die Beklagte schließt mit den Bewerbern um

**Rn. 12**

einen Heimplatz einen "Heimvertrag für behinderte Volljährige

**Rn. 13**

soweit diese geschäftsfähig sind". Gegenstand dieses Ver-

**Rn. 14**

trages sind allgemeine Geschäftsbedingungen. Diese enthalten

**Rn. 15**

unter anderem die aus dem Tenor ersichtlichen Klauseln.

**Rn. 16**

Der Kläger meint, die beanstandeten Klauseln verstießen gegen

**Rn. 17**

§ 9 Absätze 1 und 2 AGBG.

**Rn. 18**

Mit Abmahnung vom 16.12.1986 forderte der Kläger die Beklagte

**Rn. 19**

auf, die Verwendung der von ihm beanstandeten Klauseln zu

**Rn. 20**

unterlassen. Zugleich verlangte er die Abgabe einer strafbe-

**Rn. 21**

wehrten Unterlassungserklärung. In ihrem Antwortschreiben

**Rn. 22**

verteidigte die Beklagte die umstrittenen Vertragsbedingungen

**Rn. 23**

und lehnte die Abgabe der strafbewehrten Unterlassungser-

**Rn. 24**

klärung ab.

**Rn. 25**

Der Kläger beantragt,

**Rn. 26**

wie erkannt.

**Rn. 27**

Die Beklagte beantragt,

**Rn. 28**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 29**

Sie meint, die vertraglichen Bestimmungen über die außeror-

**Rn. 30**

dentliche Kündigung In § 9 Abs. 2 der AGB entsprächen dem

**Rn. 31**

gesetzlichen Leitbild des § 626 BGB. In einem Falle, In dem

**Rn. 32**

die Beklagte den Heimbewohner nicht mehr sachgerecht versor-

**Rn. 33**

gen könne, liege es in dessen Interesse, daß der Vertrag

**Rn. 34**

unverzüglich beendet werde. Der betroffene Heimbewohner habe

**Rn. 35**

dann Anspruch auf anderweitige öffentliche Fürsorge. Dazu

**Rn. 36**

komme es dann, wenn aus einem Pflegefall ein Krankheitsfall

**Rn. 37**

werde. Der Betroffene werde dann unverzüglich in ein Kranken-

**Rn. 38**

haus verlegt. Die Kündigung aus wichtigem Grunde, zu der die

**Rn. 39**

Beklagte in diesem Fall berechtigt sei, lasse die Verpflich-

**Rn. 40**

tung des Heimbewohners zur Zahlung des monatlichen Pflege-

**Rn. 41**

satzes entfallen. Die Regelung wirke sich damit zu seinem

**Rn. 42**

Vorteil aus.

**Rn. 43**

Der in § 9 Abs. 2 Satz 2 AGB vorgesehene Kündigungsgrund

**Rn. 44**

betreffe nur den geringen Anteil der Selbstzahler, deren

**Rn. 45**

Heinikosten nicht von der öffentlichen Hand getragen werden.

**Rn. 46**

Die beanstandete Klausel stelle lediglich die Übernahme der

**Rn. 47**

gesetzlichen Regelung des § 554 BGB dar. Falls das auf eine

**Rn. 48**

außerordentliche Kündigung gestützte Räumungsbegehren der

**Rn. 49**

Beklagten für den Heimbewohner eine unbillige Härte dar-

**Rn. 50**

stellen würde, so könnte diese im Zwangsvollstreckungsver-

**Rn. 51**

fahren abgewendet werden.

**Rn. 52**

Die Vorschrift des § 9 Abs. 2 Ziff. 3 in Verbindung mit § 8

**Rn. 53**

AGB trage den Interessen des Heimbewohners deshalb angemessen

**Rn. 54**

Rechnung, weil die Beklagte sich danach verpflichte, dem

**Rn. 55**

Bewohner eine anderweitige geeignete Versorgung anzubieten,

**Rn. 56**

wenn diese in ihrem Hause nicht mehr sichergestellt sei. Nur

**Rn. 57**

wenn der Heimbewohner sich auf ein solches Angebot nicht

**Rn. 58**

einlasse, sei die Beklagte zur Kündigung aus wichtigem Grunde

**Rn. 59**

berechtigt.

**Rn. 60**

In § 9 Abs. 2 Satz 4 der AGB sieht die Beklagte ebenfalls

**Rn. 61**

keine unangemessenene Benachteiligung des Heimbewohners. Sie

**Rn. 62**

müsse berechtigt sein, bei schuldhaften Verstößen des

**Rn. 63**

Heimbewohners gegen vertragliche Verpflichtungen den Vertrag

**Rn. 64**

zu beenden und auch gemäß § 9 Abs. 2 Satz 5 AGB Schadenser-

**Rn. 65**

satzansprüche geltend zu machen.

**Rn. 66**

Wegen der weiteren Einzelheiten des Parteivorbringens wird

**Rn. 67**

auf den vorgetragenen Inhalt der zwischen ihnen gewechselten

**Rn. 68**

Schriftsätze und der dazu überreichten Anlagen Bezug ge-

**Rn. 69**

nommen.

**Rn. 70**

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e

**Rn. 71**

Die auf § 13 Absätze 1 und 2 Nr. 1 AGBG gestützte Klage ist

**Rn. 72**

begründet. Die tatsächlichen Voraussetzungen der Klagebe-

**Rn. 73**

fugnis des Klägers sind unbestritten und gerichtsbekannt.

**Rn. 74**

Die von dem Kläger beanstandeten Klauseln sind durchweg dazu

**Rn. 75**

angetan, die Vertragspartner der Beklagten entgegen den

**Rn. 76**

Geboten von Treu und Glauben unangemessen zu benachteiligen

**Rn. 77**

(§ 9 Abs. 1 AGBG).

**Rn. 78**

1, Die in § 9 Abs. 2 Satz 1 der AGB enthaltene Klausel ist

**Rn. 79**

mit dem Grundgedanken der gesetzlichen Regelung, von der

**Rn. 80**

sie abweicht, nicht zu vereinbaren (§ 9 Abs. 2 Satz 1

**Rn. 81**

AGBG).

**Rn. 82**

Der Heimvertrag ist ein gemischter Vertrag, der den

**Rn. 83**

Helmträger verpflichtet, dem Heimbewohner Unterkunft,

**Rn. 84**

Verpflegung, Betreuung und Pflege gegen Entgelt zu

**Rn. 85**

gewähren. Ob sich die Möglichkeiten der außerordentlichen

**Rn. 86**

Kündigung an den mietrechtlichen oder dienstvertraglichen

**Rn. 87**

Bestimmungen des BGB messen lassen müssen, ist zwischen

**Rn. 88**

Rechtsprechung und Literatur umstritten. Während im

**Rn. 89**

Schrifttum überwiegend die Anwendung der mietrechtlichen

**Rn. 90**

Schutzgesetze auf Pflegeheimverträge abgelehnt wird, hat

**Rn. 91**

das OLG Köln (NJW 1980/1395) die Anwendbarkeit des § 624

**Rn. 92**

BGB abgelehnt. Auch Hensen (Ulmer, Brandner, Hensen, AGBG,

**Rn. 93**

4. Auflage, Köln 1982, Anhang zu §§ 9 bis 11 Randnr. 63)

**Rn. 94**

will die außerordentliche Kündigung von Altenwohnheimver-

**Rn. 95**

trägen nicht an den dienstrechtlichen Kündigungsvorschrif-

**Rn. 96**

ten sondern am mietrechtlichen Kündigungsschutzrecht

**Rn. 97**

messen. Dagegen wollen Dahlem, Giese, Heimgesetz,

**Rn. 98**

Köln-Berlin-Bonn-München, § 4 Randnr. 9.2 bei der

**Rn. 99**

Rechtswahl darauf abstellen, ob dienst- oder mietver-

**Rn. 100**

tragliche Elemente überwiegen.

**Rn. 101**

Für die Bewertung der in § 9 Abs. 2 Satz 1 der AGB

**Rn. 102**

enthaltenen Klausel kann dahinstehen, ob mietrechtliche

**Rn. 103**

oder dienstvertragliche Rechte zum Prüfungsmaßstab erhoben

**Rn. 104**

werden. Weder das gesetzliche Mietrecht noch das gesetz-

**Rn. 105**

liche Dienstvertragsrecht geben dem Vermieter/Dienstver-

**Rn. 106**

pfllchteten das Recht zur außerordentlichen Kündigung für

**Rn. 107**

den Fall, daß der Mieter/Dienstberechtigte an der Nutzung

**Rn. 108**

der Mieträume bzw. Entgegennahme der Dienste vorübergehend

**Rn. 109**

gehindert ist. Von diesen gesetzlichen Vorschriften weicht

**Rn. 110**

die Klausel zum Nachteil des Verwendungsgegners unbillig

**Rn. 111**

ab. Nach der vertraglichen Vorschrift soll der Beklagten

**Rn. 112**

nämlich auch dann ein Grund zur fristlosen Kündigung

**Rn. 113**

zustehen, wenn der Bewohner auch nur vorübergehend in der

**Rn. 114**

Einrichtung der Beklagten nicht mehr versorgt werden kann.

**Rn. 115**

Das wäre etwa dann der Fall, wenn er sich wegen einer

**Rn. 116**

Operation für einen von vornherein überschaubaren Zeitraum

**Rn. 117**

in Krankenhausbehandlung begeben muß. Selbst dann, wenn

**Rn. 118**

die Tatsache seiner Rückkehr von vornherein feststeht und

**Rn. 119**

auch der Zeitpunkt seiner Entlassung aus dem Krankenhaus

**Rn. 120**

absehbar ist, wäre die Beklagte nach ihren AGB berechtigt,

**Rn. 121**

den Heimvertrag fristlos zu kündigen und eine Aufnahme des

**Rn. 122**

Bewohners nach der Krankenhausentlassung zu verweigern.

**Rn. 123**

Eine sachliche Rechtfertigung für eine derartige Handha-

**Rn. 124**

bung vermag die Kammer nicht zu erkennen.

**Rn. 125**

Wegen der im Verbandsklageverfahren nach § 13 AGB gebote-

**Rn. 126**

nen generalisierend-abstrakten Betrachtungsweise kommt es

**Rn. 127**

nicht darauf an, ob die Beklagte im Einzelfall tatsächlich

**Rn. 128**

gedenkt, in der vorbezeichneten Weise zu verfahren.

**Rn. 129**

Entscheidend ist allein, daß ihr die von ihr verwendeten

**Rn. 130**

AGB bei verbraucherfeindlicher Auslegung die Möglichkeit

**Rn. 131**

zu einem derartigen Verhalten geben sollen.

**Rn. 132**

2. Auch die Klausel des § 9 Abs. 2 Satz 2 der AGB ist mit

**Rn. 133**

wesentlichen Grundgedanken der gesetzlichen Regelung, von

**Rn. 134**

der diese Bestimmung abweicht, nicht zu vereinbaren und

**Rn. 135**

stellt eine treuwidrige unangemessene Benachteiligung des

**Rn. 136**

Verwendungsgegners dar. Die Frage, an welchen gesetzlichen

**Rn. 137**

Bestimmungen vertragliche Regelungen über die außerordent-

**Rn. 138**

liche Kündigung von Pflegeheimverträgen zu messen ist,

**Rn. 139**

entscheidet die Kammer dahin, daß in erster Linie die

**Rn. 140**

gesetzlichen Bestimmungen des Mietrechts zu Vergleichs-

**Rn. 141**

zwecken heranzuziehen sind. Die Vorschrift des § 9 Abs. 2

**Rn. 142**

Satz 2 AGB ist zwar an die Bestimmungen des § 554 Abs. 1

**Rn. 143**

Nr. 1 und 2 BGB angelehnt. Eine Abweichung von § 554 BGB

**Rn. 144**

liegt jedoch darin, daß die Vorschriften des § 554 Abs. 1

**Rn. 145**

Satz 2 und Abs. 2 Satz 2 nicht übernommen worden sind.

**Rn. 146**

Danach wird die Kündigung hinfällig, wenn binnen bestimm-

**Rn. 147**

ter Fristen der Vermieter wegen des Mietzinsanspruchs

**Rn. 148**

befriedigt wird oder eine öffentliche Stelle sich zu

**Rn. 149**

seiner Befriedigung verpflichtet. Das Weglassen dieser

**Rn. 150**

Bestimmungen ist eine wesentliche Abweichung von der

**Rn. 151**

gesetzlichen Regelung, die sich zum Nachteil des Verwen-

**Rn. 152**

dungsgegners auswirken kann. Gerade bei einem behinderten

**Rn. 153**

Heimbewohner, der für die Kosten seiner Heimunterbringung

**Rn. 154**

grundsätzlich selbst aufkommt, kann es geschehen, daß er

**Rn. 155**

an der rechtzeitigen Erledigung seiner Angelegenheiten

**Rn. 156**

vorübergehend gehindert ist. Darüber hinaus besteht die

**Rn. 157**

Möglichkeit, daß er infolge einer ungünstigen Entwicklung

**Rn. 158**

seiner Einkommens- oder Vermögensverhältnisse vorüber-

**Rn. 159**

gehend oder auf Dauer zur Tragung der Unterbringungskosten

**Rn. 160**

ganz oder teilweise nicht mehr in der Lage ist. Nach den

**Rn. 161**

genannten Vorschriften des § 554 BGB hätte der Bewohner in

**Rn. 162**

diesen Fällen die Möglichkeit, eine einmal ausgesprochene

**Rn. 163**

Kündigung entweder durch Nachzahlung des rückständigen

**Rn. 164**

Pflegegeldes oder durch Beibringung einer Kostenübernahme-

**Rn. 165**

erklärung einer öffentlichen Stelle hinfällig werden zu

**Rn. 166**

lassen. Durch § 9 Abs. 2 Satz 2 AGB sind diese Möglich-

**Rn. 167**

keiten dagegen ausgeschlossen.

**Rn. 168**

3. Die Vorschrift des § 9 Abs. 2 Satz 3 AGB verstößt nach

**Rn. 169**

Ansicht der Kammer gegen § 9 Abs. 2 Satz 2 AGBG. Nach

**Rn. 170**

dieser Klausel wäre nämlich ein Grund zur fristlosen

**Rn. 171**

Kündigung zum Beispiel auch dann gegeben, wenn aus einem

**Rn. 172**

von der Beklagten zu vertretenden Grunde die Beklagte die

**Rn. 173**

Versorgung des Heimbewohners selbst nicht mehr sicher-

**Rn. 174**

stellen kann. Die Beklagte würde einen Grund zur frist-

**Rn. 175**

losen Kündigung daraus ableiten können, daß eine von ihr

**Rn. 176**

selbst zu vertretene Leistungsstörung vorliegt. Hierin

**Rn. 177**

liegt eine treuwidrige und unangemessene Benachteiligung

**Rn. 178**

des Heimbewohners. Wer sich in ein Pflegeheim begibt,

**Rn. 179**

verlegt seinen Lebensmittelpunkt dorthin. Er hat ein

**Rn. 180**

berechtigtes Interesse daran, daß er dort langfristige

**Rn. 181**

gesicherte Unterkunft findet. Dieses Interesse wäre nicht

**Rn. 182**

gewahrt, wenn die Beklagte aus von ihr zu vertretenden

**Rn. 183**

Gründen den Heimvertrag jederzeit fristlos beenden könnte.

**Rn. 184**

4. § 9 Abs. 2 Nr. 4 AGB verstößt gegen § 9 Absätze 1, 2 Nr. 1

**Rn. 185**

AGBG. Von der gesetzlichen Vorschrift, des § 554 a BGB

**Rn. 186**

weicht die Klausel insofern ab, als auch ein schuldloses

**Rn. 187**

Verhalten des Heimbewohners die fristlose Kündigung

**Rn. 188**

rechtfertigen soll, während nach der zwingenden Vorschrift

**Rn. 189**

des § 554 a BGB nur eine schuldhafte Pflichtverletzung die

**Rn. 190**

fristlose Kündigung rechtfertigt. Zieht man die gesetz-

**Rn. 191**

lichen Vorschriften über das Dienstvertragsrecht als

**Rn. 192**

Prüfungsmaßstab heran, so ergeben sich ebenfalls Abwei-

**Rn. 193**

chungen zum Nachteil des Verwendungsgegners. Während nach

**Rn. 194**

§ 626 Abs. 2 BGB die Kündigung nur binnen zwei Wochen ab

**Rn. 195**

Kenntnis des Berechtigten vom Kündigungsgrund zulässig

**Rn. 196**

ist, enthält § 9 Abs. 2 Nr. 4 AGB eine derartige Frist nicht.

**Rn. 197**

5. Auch § 9 Abs. 2 Satz 5 AGB verstößt gegen § 9 Absätze 1, 2

**Rn. 198**

Satz 1 AGBG. Nach den gesetzlichen Bestimmungen und

**Rn. 199**

aufgrund des von der Rechtsprechung entwickelten Instituts

**Rn. 200**

der positiven Forderungsverletzung müßte der Heimbewohner,

**Rn. 201**

der schuldhaft Anlaß zu einer fristlosen Kündigung gegeben

**Rn. 202**

hat dem Heimträger den hieraus entstandenen Schaden

**Rn. 203**

ersetzen. Der Heimträger hat danach Anspruch auf den

**Rn. 204**

entgangenen Pflegesatz jedoch abzüglich ersparter Aufwen-

**Rn. 205**

dungen. Nach der beanstandeten Klausel muß der Heimbe-

**Rn. 206**

wohner dagegen den Pflegesatz ohne Abzug ersparter

**Rn. 207**

Aufwendungen fortentrichten. Hierin liegt zugleich ein

**Rn. 208**

Verstoß gegen §11 Nr. 5 a AGB (Pauschalierung von Scha-

**Rn. 209**

densersatzansprüchen).

**Rn. 210**

6. Auch die Vorschrift des § 11 AGB verstößt gegen § 9

**Rn. 211**

Absätze 1, 2 Satz 1 AGBG in Verbindung mit §§ 145 ff. BGB.

**Rn. 212**

Wäre § 11 AGB wirksam, so könnte die Beklagte nach

**Rn. 213**

Abschluß des Vertrages die Heimordnung und die dadurch

**Rn. 214**

begründeten Nebenpflichten des Bewohners einseitig zum

**Rn. 215**

Nachteil des Bewohners abändern. Nach den gesetzlichen

**Rn. 216**

Bestimmungen bedarf eine Veränderung der vertraglichen

**Rn. 217**

Pflichten des Abschlusses eines Änderungsvertrages. Eine

**Rn. 218**

einseitige Änderung des Vertragsinhalts durch eine

**Rn. 219**

Vertragspartei widerspricht dem Leitbild der gesetzlichen

**Rn. 220**

Regelung und führt zu einer unbilligen Benachteiligung des

**Rn. 221**

Verwendungsgegners.

**Rn. 222**

Die Nebenentscheidungen beruhen auf §§ 91, 709 ZPO.

---

Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Urteil vom 04.06.1987 – 8 O 114/87, ECLI:DE:LGDO:1987:0604.8O114.87.00

Quelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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