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# Landgericht Dortmund, Urteil vom 17.12.1986 – 6 O 543/86

ECLI:DE:LGDO:1986:1217.6O543.86.00

## Tenor

Die Beklagten werden als Gesamtschuldner verurteilt,

die neun ca. 5-jähri-gen Serbischen Fichten und den

ca. 5-Jährigen Urweltmammutbaum, die sie auf ihrem

Grundstück S-Str., E, mit einem

Abstand von weniger als vier Metern zur Grenze zum

Grundstück der Klägerin U-Weg, E,

gepflanzt haben, zu beseitigen.

Die weitergehende Klage wird abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits tragen die Klägerin zu

1/11, die Beklagten zu 10/11.

Das Urteil ist für die Klägerin gegen Sicherheitslei-

stung von 6.900,— DM vorläufig vollstreckbar. Der Klä-

gerin wird nachgelassen, die Zwangsvollstreckung der

Beklagten durch Sicherheitsleistung oder Hinterlegung

in Höhe von 80,— DM abzuwenden, falls nicht die Beklagten

vorher Sicherheit in gleicher Höhe leisten.

## Tatbestand

**Rn. 2**

Die Parteien sind Nachbarn. An der gemeinsamen Grenze,

**Rn. 3**

(im Lageplan, der mit der Klageschrift eingereicht wurde

**Rn. 4**

mit gelb unterlegt, Bl. 5) stehen auf dem Grundstück der

**Rn. 5**

Beklagten zehn Fichten und ein weiterer von der Klägerin

**Rn. 6**

zunächst als Lärche bezeichneter Baum, den die Beklagten

**Rn. 7**

-von der Klägerin unbestritten und insoweit v on i h r zueigen

**Rn. 8**

gemachte- als Mammutbaum bezeichnen. Dieser Baum

**Rn. 9**

steht nach den übereinstimmenden Erklärungen der Parteien

**Rn. 10**

im Abstand von einem knappen Meter etwa in der gedachten

**Rn. 11**

Verlängerungslinie der nördlichen Grenze des Grundstücks

**Rn. 12**

der Klägerin in Richtung auf das Grundstück der Beklagten

**Rn. 13**

auf dem Grundstück der Beklagten. Die übrigen Bäume stehen

**Rn. 14**

in einem Abstand von 0,5 m bis l m von der östlichen Grenze

**Rn. 15**

des Grundstücks der Klägerin entfernt auf dem Grundstück

**Rn. 16**

der Beklagten. Unstreitig handelt es sich bei neun

**Rn. 17**

Fichten um serbische Fichten, während eine Fichte, von

**Rn. 18**

Den Beklagten auch als Tanne bezeichnet, jedenfalls keine

**Rn. 19**

serbische Fichte ist, wie es von der Klägerin im Termin vom

**Rn. 20**

17.12.1986 nicht bestritten worden ist.

**Rn. 21**

Unstreitig sind die neun serbischen Fichten und der Mammut

**Rn. 22**

baum von den Beklagten im Jahre 1981 gepflanzt worden, wo-

**Rn. 23**

bei zwischen den Parteien streitig ist, ob es sich hierbei

**Rn. 24**

um eine Ersatzpflanzung für Laubbäume handelt.

**Rn. 25**

Die Klägerin ist der Ansicht, es handele sich bei den

**Rn. 26**

Bäumen auch dann nicht um Hecken, wenn die Beklagten diese

**Rn. 27**

auf 2 m herunterschneiden würden. Die Beklagten seien des-

**Rn. 28**

halb zur Beseitigung der Bäume verpflichtet, wobei dieses

**Rn. 29**

Verlangen nach Ansicht der Klägerin in keiner Weise rechts-

**Rn. 30**

mißbräuchlich sei.

**Rn. 31**

Die Klägerin beantragt,

**Rn. 32**

die Beklagten als Gesamtschuldner zu

**Rn. 33**

verurteilen, die zehn ca. fünfjährigen

**Rn. 34**

serbischen Fichten und die ca. fünfjährige

**Rn. 35**

Lärche (Mammutbaum), die sie auf ihrem

**Rn. 36**

Grundstück S-Straße, E,

**Rn. 37**

mit einend Abstand von weniger als 4 m zur

**Rn. 38**

Grenze zum Grundstück der Klägerin,

**Rn. 39**

U-Weg, E, gepflanzt

**Rn. 40**

haben, zu beseitigen.

**Rn. 41**

Die Beklagten beantragen,

**Rn. 42**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 43**

Sie behaupten, bei einer Fichte, die sie auch als Tanne

**Rn. 44**

bezeichnen, handele es sich jedenfalls um einen Baum, der

**Rn. 45**

bereits im Jahre 1974 gepflanzt worden sei.

**Rn. 46**

Der Mammutbaum dürfte wegen seiner Lage nicht mehr erfaßt

**Rn. 47**

sein.

**Rn. 48**

Da es sich bei den übrigen Bäumen um eine Ersatzpflanzung

**Rn. 49**

für vorher dort angepflanzte Laubbäume handele und die

**Rn. 50**

Klägerin erstmals im Jahre 1985 Beseitigung der Nadel-

**Rn. 51**

bäume verlangt habe, sei ihr Verhalten rechtsmißbräuchlich.

**Rn. 52**

Wegen der Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird auf

**Rn. 53**

den vorgetragenen Inhalt der zwischen den Parteien gewechselten

**Rn. 54**

Schriftsätze nebst Anlagen Bezug genommen.

**Rn. 55**

Entscheidunqsqründe

**Rn. 56**

Die Klage ist im wesentlichen begründet.

**Rn. 57**

Die Klägerin kann von den Beklagten gemäß § 1004 BGB Be-

**Rn. 58**

seitigung von neun serbischen Fichten und des Mammut-

**Rn. 59**

baumes verlangen.

**Rn. 60**

Denn die Beklagten haben bei der Anpflanzung dieser Bäume

**Rn. 61**

nicht den in § 41 Abs. 1 Ziffer 1 a NachbG NW festgelegten

**Rn. 62**

Grenzabstand eingehalten. Dieser beträgt bei stark wachsenden

**Rn. 63**

Bäumen, zu welchen die serbischen Fichten und der Mammut-

**Rn. 64**

baum zählen (vgl. Schäfer, Nachbarrechtsgesetz für das

**Rn. 65**

Land Nordrhein-Westfalen, Kommentar, § 41 Anm. 3), vier

**Rn. 66**

Meter. Diesen nach § 46 NachbG NW von der Mitte des Baum-

**Rn. 67**

stammes waagrecht und rechtwinklig zur Grenze zu messende

**Rn. 68**

Abstand haben die Beklagten unstreitig bei den neun ser-

**Rn. 69**

bischen Fichten nicht eingehalten. Entgegen der Ansicht

**Rn. 70**

der Beklagten ist dies jedoch, auch bei dem Mammutbaum der

**Rn. 71**

Fall. Denn auch dieser Baum ist von der nördlichen Grenze

**Rn. 72**

des Grundstücks der Klägerin nicht vier Meter entfernt, da

**Rn. 73**

dieser Abstand jedenfalls nicht bis zum Schnittpunkt der

**Rn. 74**

nördlichen Grenze der Klägerin mit der westlichen Grenze

**Rn. 75**

der Beklagten eingehalten ist. Auch dieser Schnittpunkt

**Rn. 76**

als Teil einer Linie, auf den rechtwinklig von der Mitte

**Rn. 77**

des Baumes aus gemessen werden kann, ist Teil der Grenze

**Rn. 78**

der Klägerin.

**Rn. 79**

Entgegen der Ansicht der Beklagten handelt es sich bei

**Rn. 80**

den Bäumen auch dann nicht um eine Hecke, für die nach

**Rn. 81**

§ 42 NachbG NW bei einer Höhe bis zu 2 m lediglich ein

**Rn. 82**

Grenzabstand von 0,50 m einzuhalten ist, wenn sie die

**Rn. 83**

Bäume auf 2 m herunterschneiden. Denn bei einer Hecke

**Rn. 84**

muß es sich um Bäume oder Sträucher handeln, die be-

**Rn. 85**

stimmungsgemäß in einer längeren schmalen Reihe wachsen

**Rn. 86**

(vgl. Schäfer, NachbG NW, § 42 Anm. 1). Das trifft aber

**Rn. 87**

auf die hier in Rede stehenden Bäume nicht zu, da diese

**Rn. 88**

von Anfang an versetzt auf Lücke gepflanzt worden sind

**Rn. 89**

und zu keiner Zeit den Eindruck einer Hecke vermitteln

**Rn. 90**

sollten.

**Rn. 91**

Die neun serbischen Fichten und der Mammutbaum sind von

**Rn. 92**

den Beklagten antragsgemäß zu beseitigen, da sie im

**Rn. 93**

Jahre 1981 und damit innerhalb der in § 47 Abs. 1 NachbG

**Rn. 94**

NW festgelegten Frist von sechs Jahren vor Klageerhebung

**Rn. 95**

gepflanzt worden sind.

**Rn. 96**

Das Beseitigungsverlangen der Klägerin, das innerhalb

**Rn. 97**

der gesetzmäßig festgelegten Frist erfolgt, ist rechtmäßig

**Rn. 98**

und auch dann nicht rechtsmißbräuchlich, wenn es sich um

**Rn. 99**

eine Ersatzanpflanzung handelt. Denn auch bei einer

**Rn. 100**

Ersatzanpflanzung einer Anpflanzung, deren Beseitigung

**Rn. 101**

nicht mehr wegen Fristablauf oder Genehmigung verlangt

**Rn. 102**

werden kann, muß gemäß §§ 47 Abs. 2, 45 Abs. 3, 41 NachbG

**Rn. 103**

NW der vorgeschriebene Grenzabstand eingehalten werden.

**Rn. 104**

Selbst wenn die ursprüngliche Anpflanzung seitens des

**Rn. 105**

Rechtsvorgängers der Klägerin zumindest stillschweigend

**Rn. 106**

genehmigt worden wäre, ist das nunmehr gestellte Beseitigungs-

**Rn. 107**

verlangen der Klägerin gleichwohl nicht rechtsmißbräuchlich,

**Rn. 108**

da mit der Erstellung der Ersatzanpflanzung der Beseitigungs-

**Rn. 109**

anspruch bei Nichteinhaltung des Grenzabstandes aufs neue

**Rn. 110**

entsteht und wiederum der Ausschlußfrist gemäß § 47 NachbG

**Rn. 111**

NW unterliegt.

**Rn. 112**

Soweit die Klägerin Beseitigung einer weiteren Fichte

**Rn. 113**

verlangte, hat sie nicht bewiesen, daß dieser Baum auch

**Rn. 114**

im Jahre 1981 gepflanzt worden ist. Insoweit haben die

**Rn. 115**

Beklagten behauptet, der Baum sei bereits im Jahre 1974

**Rn. 116**

gepflanzt worden. Für ihre anderweitige Behauptung hat

**Rn. 117**

die beweispflichtige Klägerin keinen Beweis angetreten

**Rn. 118**

und ist damit beweisfällig geblieben.

**Rn. 119**

Die Kostenentscheidung beruht auf § 92 ZPO, die Ent-

**Rn. 120**

scheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit auf

**Rn. 121**

§§ 709, 708 Nr. 11, 711 ZPO.

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Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Urteil vom 17.12.1986 – 6 O 543/86, ECLI:DE:LGDO:1986:1217.6O543.86.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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