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# Landgericht Dortmund, Urteil vom 10.09.1986 – 6 O 496/83

ECLI:DE:LGDO:1986:0910.6O496.83.00

## Tenor

Der Beklagte wird verurteilt, an die Kläger

31.078,76 DM (i. W. ; einunddreißiqtausendacht-

undsiebzig 76/100 Deutsche Mark) nebst 8,5 %

Zinsen seit dem 13.Mai 1984 zu zahlen.

Die Kosten des Rechtsstreits werden dem

Beklagten auferlegt.

Das Urteil ist gegen Sicherheitsleistung

in Höhe von 41.600.--DM vorläufig vollstreckbar.

**Rn. 1**

T a t best a n d :

**Rn. 2**

Die Kläger haben mit notariellem Kaufvertrag vom 26.11.1982

**Rn. 3**

dem Beklagten ihr bebautes Grundstück in D,

**Rn. 4**

S-kamp zum Kaufpreis von 31o.ooo,--DM verkauft. Der

**Rn. 5**

Kaufpreis sollte bis zum 15.1.1983 auf das Notaranderkonto

**Rn. 6**

gezahlt werden; mit dieser Summe sollten noch bestehende

**Rn. 7**

Grundpfandrechte abgelöst werden. Die Übergabe des Objekts

**Rn. 8**

erfolgte schon zum 15.12.1982. Der Beklagte begann auch

**Rn. 9**

schon, Umbaumaßnahmen vorzubereiten.

**Rn. 10**

Der Beklagte konnte den Kaufpreis nicht zahlen, da er

**Rn. 11**

vermögenslos war und auch ein Versuch, durch Fälschungen von

**Rn. 12**

Banken Geld zu bekommen, fehl schlug. Im Strafverfahren 67 Ls

**Rn. 13**

50 Js 324/83 STA Dortmund ist er wegen seines Verhaltens

**Rn. 14**

gegenüber den Banken zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 1o

**Rn. 15**

Monaten auf Bewährung verurteilt worden.

**Rn. 16**

Der Beklagte ist nicht als Eigentümer in das Grundbuch

**Rn. 17**

eingetragen worden.

**Rn. 18**

Mit Schreiben vom 31.1.1983 haben die Kläger durch ihre

**Rn. 19**

damaligen Bevollmächtigten den Vertrag wegen arglistiger

**Rn. 20**

Täuschung angefochten. Sie machen in der vorliegenden Klage

**Rn. 21**

folgende Schadenspositionen geltend:

**Rn. 22**

20.ooo,--DM verlangen sie mit der Behauptung, sie hätten das

**Rn. 23**

Objekt an andere Interessenten ebenfalls für 310.ooo,--DM

**Rn. 24**

verkaufen können; später hätten sie lediglich trotz aller

**Rn. 25**

Bemühungen einen Kaufpreis von 290.ooo,--DM erzielt. Auch

**Rn. 26**

wegen der zwischenzeitlich von dem Beklagten an dem Gebäude

**Rn. 27**

vorgenommenen Änderungen sei ihnen ein Schaden von 20.000,--

**Rn. 28**

DM entstanden.

**Rn. 29**

8.617,62 DM verlangen sie als Zinsschaden aus dem Gesichts-

**Rn. 30**

punkt, daß die Kaufpreissumme nicht am 15.1.1983 einging,

**Rn. 31**

sondern der Nachfolgekäufer den Kaufpreis in Höhe von

**Rn. 32**

290.ooo,--DM erst am 15.6.1983 zahlte und die Grundpfand-

**Rn. 33**

rechte demgemäß erst später abgelöst worden konnten.

**Rn. 34**

2.461,14 DM machen sie als Schadensersatz aus dem Gesichts-

**Rn. 35**

punkt geltend, daß sie selbst in dem Vertrauen darauf, daß

**Rn. 36**

der Beklagte den Kaufpreis rechtzeitig zahlen werde, ein

**Rn. 37**

anderes Kaufobjekt für 145.ooo,--DM erworben hatten und

**Rn. 38**

infolge der Nichtzahlung des Kaufpreises die nach Ablösung

**Rn. 39**

der Grundpfandrechte überschüssige Summe von 37.313,28 DM

**Rn. 40**

vom 1.3.1983 bis zum 18.9.1983 zwischenfinanzieren mußten.

**Rn. 41**

Die Kläger beantragen,

**Rn. 42**

den Beklagten zu verurteilen, an sie als

**Rn. 43**

Gesamtgläubiger 31.078,76 DM nebst 8,5 % Zinsen

**Rn. 44**

seit dem 13.Mai 1984 zu zahlen.

**Rn. 45**

Der Beklagte beantragt,

**Rn. 46**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 47**

Er bestreitet den eingetretenen Schaden der Höhe nach nicht,

**Rn. 48**

sondern behauptet nur, er habe die Kläger bei Abschluß des

**Rn. 49**

Vertrages nicht arglistig getäuscht; er sei vielmehr gewillt

**Rn. 50**

gewesen, den Betrag finanzieren zu lassen und habe darauf

**Rn. 51**

vertraut, daß seine zukünftige Ehefrau mitunterschreiben

**Rn. 52**

werde. Er bestreitet den geltend gemachten Zinsanspruch.

**Rn. 53**

Wegen des Parteivorbringens im einzelnen wird auf die

**Rn. 54**

vorbereitenden Schriftsätze sowie die dazu überreichten

**Rn. 55**

Anlagen Bezug genommen.

## Entscheidungsgründe

**Rn. 57**

Die Klage ist in vollem Umfang begründet.

**Rn. 58**

Die Klageforderung steht den Klägern als Schadensersatz-

**Rn. 59**

anspruch aus culpa in contrahendo bzw. gemäß § 823 Abs. II BGB

**Rn. 60**

in Verbindung mit § 263 StGB oder aber gemäß § 326 BGB als

**Rn. 61**

Schadensersatz wegen Nichterfüllung zu.

**Rn. 62**

Nach dem Vorbringen der Kläger hat der Beklagte in Kenntnis

**Rn. 63**

seiner Zahlungsunfähigkeit die Kaufpreisverpflichtung unter

**Rn. 64**

Täuschung der Kläger übernommen und damit sowohl eine

**Rn. 65**

vorvertragliche Pflicht verletzt als auch ihnen gegenüber

**Rn. 66**

einen Betrug im Sinne des § 263 StGB, begangen.

**Rn. 67**

Nach diesen Vorschriften hat der Beklagte den Klägern das

**Rn. 68**

negative Interesse zu ersetzen, d.h. er muß sie so stellen,

**Rn. 69**

als wenn sie den Kaufvertrag mit ihm nicht abgeschlossen

**Rn. 70**

hätten. Daß die Kläger in diesem Falle ebenfalls einen

**Rn. 71**

Kaufinteressenten zu den gleichen Bedingungen zu dem gleichen

**Rn. 72**

Kaufpreis gehabt hätten, hat der Beklagte nicht bestritten,

**Rn. 73**

ebenso wenig wie die Tatsache, daß die Kläger das Haus später

**Rn. 74**

nur für 290.000,--DM verkaufen konnten und ihnen dieser

**Rn. 75**

Kaufpreis erst am 15.6.1983 zur Verfügung stand. Den

**Rn. 76**

Differenzbetrag in Höhe von 20.000,--DM bezüglich des

**Rn. 77**

letztlich erzielten Kaufpreises können die Kläger als

**Rn. 78**

Schadensersatz verlangen, ebenso wie den Zinsschaden, der

**Rn. 79**

ihnen dadurch entstanden ist, daß sie nicht mit dem zahlungs-

**Rn. 80**

fähigen Dritten den Kaufvertrag abgeschlossen haben und ihnen

**Rn. 81**

ebenfalls am 15.1.1983 der Kaufpreis in Höhe von 310.000,--DM

**Rn. 82**

zur Ablösung ihrer Grundpfandrechte und zur teilweisen

**Rn. 83**

Verwendung zur Finanzierung ihres im Hinblick auf den Verkauf

**Rn. 84**

neu erworbenen Eigenheims zur Verfügung stand. Wegen der Höhe

**Rn. 85**

des Zinsanspruches im einzelnen, der von den Klägern durch

**Rn. 86**

Abrechnungsschreiben nachgewiesen worden ist, wird auf die

**Rn. 87**

ausführlichen Darlegungen in dem Beschluß vom 16.Mai 1986

**Rn. 88**

unter Ziffer 2.) und 3.) Bezug genommen.

**Rn. 89**

Das Vorbringen des Beklagten, er habe die Kläger nicht über

**Rn. 90**

seine Zahlungswilligkeit und Zahlungsfähigkeit arglistig

**Rn. 91**

getäuscht, da er auf eine Finanzierung durch die Banken und

**Rn. 92**

die Mithaftung seiner künftigen Ehefrau vertraut habe, ist

**Rn. 93**

nicht geeignet, den Schadensersatzanspruch der Kläger zu Fall

**Rn. 94**

zu bringen. Am 15.1.1983 befand sich der Beklagte in Verzug

**Rn. 95**

mit der Zahlung des Kaufpreises; eine Nachfristsetzung mit

**Rn. 96**

Ablehnungsandrohung war in diesem Fall entbehrlich, da die

**Rn. 97**

Zahlungsunfähigkeit des Beklagten zu diesem Zeitpunkt

**Rn. 98**

feststand. In diesem Fall hätten die Kläger gegen den

**Rn. 99**

Beklagten einen Anspruch auf Schadensersatz wegen Nichter-

**Rn. 100**

füllung gem. § 326 BGB, der zumindest den mit der Klage

**Rn. 101**

zugesprochenen Schaden abdeckt.

**Rn. 102**

Der zugesprochene Zinsanspruch ergibt sich aus §§ 286, 288

**Rn. 103**

Abs.II BGB.

**Rn. 104**

Die Kläger haben insoweit nachgewiesen, daß sie zur Finan-

**Rn. 105**

zierung ihres neuen Eigenheims Kreditmittel in Anspruch

**Rn. 106**

nehmen, die die Klageforderung übersteigen. Die Kammer

**Rn. 107**

schätzt den Zinssatz gem. § 287 ZPO auf 8,5 %.

**Rn. 108**

Die Nebenentscheidungen beruhen auf §§ 91, 709 ZPO.

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Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Urteil vom 10.09.1986 – 6 O 496/83, ECLI:DE:LGDO:1986:0910.6O496.83.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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Nicht-amtliche Fassung — maßgeblich ist die Ausfertigung des Gerichts

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