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# Landgericht Dortmund, Urteil vom 04.05.1983 – 6 O 760/82

ECLI:DE:LGDO:1983:0504.6O760.82.00

## Tenor

Die Klage wird abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits trägt die

Klägerin.

Das Urteil ist wegen der Kosten gegen Sicherheitsleistung

in Höhe von 2.400,-- DM vorläufig vollstreckbar.

**Rn. 1**

T a t b e s t a n d

**Rn. 2**

Die Klägerin kaufte am 7.11.1980 bei der Firma Daimler Benz

**Rn. 3**

AG in E einen fabrikneuen Mercedes Benz Combiwagen

**Rn. 4**

Typ 230 TE nebst Zubehör zum Nettopreis von 30.438,00 DM.

**Rn. 5**

Der Wagen wurde von der Beklagten zur Versicherungs-Nummer

**Rn. 6**

############ diebstahlsversichert.

**Rn. 7**

Mit Schadensanzeige vom 7.10.1981 meldete die Klägerin den

**Rn. 8**

Wagen als am 3.10.1981 auf der L-straße in X

**Rn. 9**

gestohlen. Die Beklagte lehnte unter dem 19.8.1982 einen

**Rn. 10**

Versicherungsschutz unter anderem mit der Begründung ab, die

**Rn. 11**

Klägerin habe bisher einen Diebstahl des Fahrzeugs nicht

**Rn. 12**

nachgewiesen. Wegen des weiteren Inhalts des Schreibens wird

**Rn. 13**

auf Blatt 16 der Akten Bezug genommen.

**Rn. 14**

Die Klägerin, die den Kaufpreis für den Mercedes bei der

**Rn. 15**

C in E finanziert hat, wurde

**Rn. 16**

von dieser mit rechtskräftigem Vollstreckungsbescheid

**Rn. 17**

unbekannten Datums auf Zahlung von 17.777,00 DM nebst 18 %

**Rn. 18**

Verzugszinsen von 16.264,05 DM seit dem 21.12.1981 in

**Rn. 19**

Anspruch genommen. Den etwaigen Ersatzanspruch im Falle eines

**Rn. 20**

Diebstahls hat die Klägerin an die Kreditbank abgetreten.

**Rn. 21**

Die Klägerin behauptet unter näherer Darlegung, der vorbestrafte

**Rn. 22**

I habe den Wagen gestohlen. Die Originalfahrzeugschlüssel

**Rn. 23**

habe die Beklagte erst deshalb am

**Rn. 24**

11.12.1981 zugesandt erhalten, weil zwei der drei Originalschlüssel

**Rn. 25**

zu sorgfältig weggelegt worden seien. Die Klägerin

**Rn. 26**

ist im übrigen der Auffassung, die Beklagte habe ihr nicht

**Rn. 27**

nur den Schätzwert des Wagens, den die Beklagte angesichts

**Rn. 28**

der Kilometerleistung von ca. 45.000 zu niedrig veranschlagt

**Rn. 29**

habe, sondern den Neuwert zu erstatten, da sie sich ein

**Rn. 30**

gleichwertiges Neufahrzeug anschaffen wolle.

**Rn. 31**

Die Klägerin beantragt,

**Rn. 32**

die Beklagte zu verurteilen,

**Rn. 33**

1) an die C, E zu

**Rn. 34**

dem Aktenzeichen ########## für sie 17.777,00 DM nebst 18 % Zinsen von

**Rn. 35**

16.264,05 DM seit dem 10.2.1982 und

**Rn. 36**

2) an sie weitere 12.661,00 DM nebst

**Rn. 37**

5 % Zinsen seit dem 14.1.1983 zu zahlen.

**Rn. 38**

Die Beklagte beantragt,

**Rn. 39**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 40**

Sie stellt ihre Leistungspflicht in Abrede und behauptet

**Rn. 41**

unter Bezugnahme unter anderem auf eine polizeiliche Aussage

**Rn. 42**

des I, der Mercedes Combi sei im Einverständnis mit

**Rn. 43**

den Gesellschaftern der Klägerin, Frau B und Herrn

**Rn. 44**

T, am Abend des 2.10.1981 Herrn I übergeben worden,

**Rn. 45**

damit dieser das Fahrzeug nach Polen überführe. Im übrigen

**Rn. 46**

habe die Klägerin auch vorsätzlich falsche Angaben bezüglich

**Rn. 47**

des Kilometerstandes des Fahrzeuges, gemacht, weshalb ihr der

**Rn. 48**

Versicherungsschutz zu versagen sei. Schließlich ist die

**Rn. 49**

Beklagte der Auffassung, gem. § 61 VVG von ihrer Leistungspflicht

**Rn. 50**

freigeworden zu sein, da die Klägerin durch das

**Rn. 51**

unstreitige Zurücklassen des Fahrzeugscheins im Handschuhfach

**Rn. 52**

grob fahrlässig den Versicherungsfall herbeigeführt habe.

**Rn. 53**

Wegen weiterer Einzelheiten des beiderseitigen Parteivorbringens

**Rn. 54**

wird auf den vorgetragenen Inhalt der gewechselten

**Rn. 55**

Schriftsätze nebst Anlagen Bezug genommen.

## Entscheidungsgründe

**Rn. 57**

Die Klage ist unbegründet.

**Rn. 58**

Ein Zahlungsanspruch aus der bei der Beklagten abgeschlossenen

**Rn. 59**

Diebstahlsversicherung steht der Klägerin nicht zu.

**Rn. 60**

Der Klägerin ist der Versicherungsschutz zwar nicht wegen

**Rn. 61**

bewußt falscher Angaben in der Schadensanzeige hinsichtlich

**Rn. 62**

des Kilometerstandes zu versagen. Nach den von ihr zu den

**Rn. 63**

Akten gereichten Inspektionsrechnungen kann nicht davon

**Rn. 64**

ausgegangen werden, daß die Klägerin bei der Schadensmeldung

**Rn. 65**

vorsätzlich falsche Angaben zu Kilometerleistung ihres

**Rn. 66**

Fahrzeuges gemacht hat.

**Rn. 67**

Die Beklagte ist jedoch gem. § 61 VVG von ihrer Leistungsverpflichtung

**Rn. 68**

freigeworden, da die Klägerin

**Rn. 69**

- unterstellt, es hat tatsächlich ein Fahrzeugdiebstahl

**Rn. 70**

stattgefunden - den Versicherungsfall grob fahrlässig

**Rn. 71**

herbeigeführt hat. Die Klägerin hat nämlich den Fahrzeugschein

**Rn. 72**

im Handschuhfach des Mercedes Combi verwahrt. Wenn

**Rn. 73**

dadurch auch der Diebstahl an sich nicht begünstigt oder

**Rn. 74**

provoziert worden ist, so wurde aber der eingetretene Schaden

**Rn. 75**

durch das Zurücklassen des Fahrzeugscheins im Wagen erheblich

**Rn. 76**

vergrößert. Bei Fahrzeugkontrollen wird, jedenfalls so lange

**Rn. 77**

das Fahrzeug noch nicht als gestohlen gemeldet und zur

**Rn. 78**

Fahndung ausgeschrieben ist, der Dieb ungehindert weiterfahren

**Rn. 79**

können, da er aufgrund der Tatsache, daß er den

**Rn. 80**

Kfz-Schein bei sich führt, als zum Führen des Fahrzeugs

**Rn. 81**

berechtigt angesehen wird. Es ist daher für einen Dieb ein

**Rn. 82**

Leichtes, das Fahrzeug über die Grenze zu bringen, wo es dem

**Rn. 83**

unmittelbaren Zugriff der Deutschen Polizei entzogen ist und

**Rn. 84**

es in dritte Länder zu schaffen. Der Absatz des Fahrzeuges

**Rn. 85**

wird dem Dieb dabei aufgrund des vorhandenen Kfz-Scheines

**Rn. 86**

erleichtert.

**Rn. 87**

Das Zurücklassen des Kfz-Scheins im abgestellten Wagen

**Rn. 88**

begründet den Vorwurf der groben Fahrlässigkeit im Sinne des

**Rn. 89**

§ 61 VVG. Grob fahrlässig im Sinne der vorgenannten Bestimmung

**Rn. 90**

handelt derjenige Versicherungsnehmer, der wußte

**Rn. 91**

oder doch wissen mußte, daß sein Verhalten geeignet war, den

**Rn. 92**

Eintritt des Versicherungsfalles oder die Vergrößerung des

**Rn. 93**

Schadens zu fördern (vgl. Pröls/Martin § 61 VVG, Anm. 4).

**Rn. 94**

Die Klägerin mußte mit der Möglichkeit rechnen, daß ihr

**Rn. 95**

abends unbewacht abgestelltes Fahrzeug von einem Dieb

**Rn. 96**

aufgebrochen werden konnte und daß dieser den Kfz-Schein im

**Rn. 97**

Handschuhfach finden und benutzen würde. Das Kennenmüssen der

**Rn. 98**

Klägerin bzw. ihres gesetzlichen Vertreters wird auch nicht

**Rn. 99**

dadurch ausgeschlossen, daß der Kfz-Schein im angeblich

**Rn. 100**

verschlossenen Handschuhfach aufbewahrt worden sein soll. Es

**Rn. 101**

dürfte jedem Fahrzeughalter bekannt sein, daß sich ein

**Rn. 102**

Handschuhfach ohne größere Schwierigkeiten aufbrechen läßt,

**Rn. 103**

wobei sichtbare und auffällige Beschädigungen in der Regel

**Rn. 104**

nicht auftreten.

**Rn. 105**

Die Klägerin hat daher durch das Zurücklassen des Kfz-Scheins

**Rn. 106**

einem möglichen Dieb die Arbeit besonders leicht gemacht und

**Rn. 107**

mußte auch wissen, daß eine solche Verhaltensweise geeignet

**Rn. 108**

ist, die Vergrößerung des Schadens zu bewirken (vgl.

**Rn. 109**

Landgericht München VersR. 81, 545 f).

**Rn. 110**

Die Beklagte hat sich somit zu Recht auf den Wegfall ihrer

**Rn. 111**

Leistungsverpflichtung gem. § 61VVG berufen. Die Klage war

**Rn. 112**

demnach mit der Kostenfolge des § 91 ZPO abzuweisen.

**Rn. 113**

Die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit beruht

**Rn. 114**

auf § 709 ZPO.

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Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Urteil vom 04.05.1983 – 6 O 760/82, ECLI:DE:LGDO:1983:0504.6O760.82.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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